BLKÖ:Windisch-Grätz, Pancraz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 57 (1889), ab Seite: 53. (Quelle)
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34. Pancraz (geb. 1525, gest. 20. October 1591). Ein Sohn Christophs von Windisch-Grätz aus dessen Ehe mit Anna von Liechtenstein zu Murau, bezog er, nachdem er eine sorgfältige Erziehung genossen hatte, gleich vielen anderen steierischen Edelleuten die hohe Schule zu Wittenberg, von wo er seine Hinneigung zur Lehre Luther’s holte, deren eifriger Vertreter er sein ganzes Leben lang blieb. Schon vom frühesten Mannesalter an erwarb er sich durch eine Reihe wichtiger, seinem Monarchen und dem Reiche geleisteter Dienste Macht und Ansehen, besonders aber die Gunst des römischen Königs und nachmaligen Kaisers Ferdinand I., von welchem er mit Diplom ddo. 7. Juli 1551 zugleich mit seinem Bruder Erasmus und seinem ganzen Geschlechte den Reichsfreiherrenstand mit dem Prädicate „zu Waldstein und im Thal“ erlangte. Im Jahre 1556 erhielt Freiherr Pancraz die Schloßhauptmannstelle zu Grätz und wurde bald darauf, nachdem er eifrige Forschungen über die Abstammung des Hauses Windisch-Grätz unternommen und, wie aus dem Wortlaute des ebenfalls schon erwähnten Diplomes ddo. Wien 24. November 1557 ersichtlich ist, urkundliche Belege aufgefunden und vorgewiesen hatte, nebst seinem Bruder Erasmus und der Descendenz beider Brüder in den Reichsgrafenstand erhoben. Die von Pancraz auf der Rückseite dieses im fürstlichen Archive zu Tachau aufbewahrten Grafendiplomes niedergeschriebene, in der Genealogie des fürstlichen Hauses Windisch-Grätz citirte Anmerkung gibt den Grund an, warum er von dem ihm verliehenen Grafentitel keinen Gebrauch gemacht hatte. Pancraz, ein energischer, durchgreifender Mann, verstand es auch, seine Ansichten zur Geltung zu bringen, und hatte bedeutenden Einfluß auf alle übrigen Glieder seines Geschlechtes, die dem gegebenen Beispiele folgten. Im Jahre 1570 wurde Freiherr Pancraz Obersthofmarschall, und geheimer Rath des Erzherzogs Karl von Steiermark, und nach dem Tode seines älteren Bruders Erasmus (1573) ging auch das 1565 dem Hause Windisch-Grätz als Seniorat verliehene steierische Obersterblandstallmeisteramt auf ihn über. Nachdem er 1576 von dem genannten Erzherzoge die Herrschaft Trautmannsdorf in Oesterreich gekauft hatte, wurde er mit seinem Geschlechte 1578 dem Consortium des niederösterreichischen Herrenstandes einverleibt, wie dies aus dem Attest hierüber das sub Nr. 7699 im Centralarchive des deutschen Ordens zu Wien sich befindet, ersichtlich ist. Freiherr Pancraz von Windisch-Grätz fungirte auch bei [54] verschiedenen wichtigen Angelegenheiten, vorzüglich aber bei den brüderlichen Theilungsverhandlungen nach dem Tode Kaiser Ferdinands I. und Kaiser Maximilians II. als kaiserlicher Commissarius. Es soll ihm sogar schon damals (1573) unter der Bedingung, daß er zur katholischen Religion seiner Vorfahren zurückkehre, von Kaiser Maximilian II. die Reichsfürstenwürde angetragen worden sein. Pancraz übte das Münzrecht aus, wovon noch heute die im fürstlichen Archive vorhandenen Gold- und Silbermünzen und die Abbildungen derselben auf dem Porträt des Freiherrn in der Ahnengalerie zu Tachau Zeugniß geben. Im Jahre 1579 legte Pancraz sein Hofmarschallamt nieder. Als Mitglied des Landtages gehörte er damals zu den entschiedensten Vertretern des Protestantismus und gerieth dadurch in arge Opposition gegen den streng katholischen Regenten von Steiermark, Erzherzog Karl, wie sich dies namentlich in der Sitzung vom 8. December 1583 zeigte, wo er aus Anlaß des unerquicklichen Kalenderstreites als einer der heftigsten Sprecher der ständischen Opposition auftrat. Freiherr Pancraz von Windisch-Grätz hatte sich dreimal vermält: erstens mit des Freiherrn Johann Ungnad von Sonnegg zu Weißenwolff Tochter Margaretha (gest. 18. März 1570), welche nicht zu verwechseln ist mit ihrer Base und Schwägerin gleichen Namens, mit welcher sich Erasmus [siehe S. 46, Nr. 13] vermält hatte; zweitens mit Regina von Schärffenberg am 20. April 1571 (gest. 17. Juli 1571) und drittens mit Hippolita Gräfin von Schlik, welche ihren Gatten überlebte und am 14. October 1598 starb. [Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark, 13. Heft, S. 126 in Zahn’s „Der Kalenderstreit in Steiermark“.] –