BLKÖ:Winternitz, Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 57 (1889), ab Seite: 92. (Quelle)
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Winternitz, Wilhelm (Arzt und Hydropath, geb. zu Josephstadt in Böhmen 1835). Von israelitischen Eltern. Er widmete sich in Prag und Wien dem medicinischen Studium, welches an diesen beiden Hochschulen glänzende Vertreter besaß, besonders aber an letzterer in höchster Blüthe stand, so daß die sogenannte Wiener Schule europäischen Ruf hatte. Er beendete unter Oppolzer, Skoda, Jaksch, Halla die medicinischen Studien und erlangte bereits 1857, erst 22 Jahre alt, daraus die Doctorwürde. In die Praxis tretend, war er zunächst als Secundararzt an der Prager Irrenanstalt, später im Wiener allgemeinen Krankenhause thätig, worauf er einem Rufe als Schiffsarzt der österreichischen Flotte folgte. Mit einem Male wendete er sich der Wasserheilkunde zu, welche in ihrer praktischen Anwendung durch die Resultate der Prießnitz’schen Wasserheilanstalt in Gräfenberg schon längst zu nicht geringer Bedeutung gelangt war, aber noch immer einer specifisch-wissenschaftlichen Erörterung und Behandlung ermangelte, als deren eigentlicher Begründer eben Dr. Winternitz anzusehen ist. Im Jahre 1865 habilitirte er sich als Docent für Hydropathie an der medicinischen Facultät der Wiener Hochschule, 1874 als solcher für innere Medicin; 1881 wurde er zum a. o. Professor der Wiener Hochschule ernannt. Bereits 1865 hatte er in Kaltenleutgeben, einer in Wiens nächster Umgebung gelegenen und stark besuchten Sommerfrische, die seinen Namen tragende Wasserheilanstalt begründet. Diese gelangte bald zu Ruf und Bedeutung und hat sich durch ihre ebenso zweckmäßigen als in ihrer Art einzigen Cureinrichtungen zu einer Musteranstalt, sozusagen zu einer europäischen Sehenswürdigkeit emporgehoben. Die Leitung der Anstalt führt bis zur Stunde ihr Begründer Dr. Winternitz. Auch half er die allgemeine Poliklinik in Wien mitbegründen, in welcher er, wie zu Kaltenleutgeben in seiner Anstalt, sein Fach vertritt. Die nachstehende Uebersicht gibt in chronologischer Folge eine Darstellung seiner zahlreichen Arbeiten auf medicinischem Gebiete überhaupt und [93] seiner Beobachtungen und Erfahrungen in jenem der Wasserheilkunde, welche denn doch seine eigene Domäne ist.

Die selbständig und in Fachzeitschriften veröffentlichten Werke und Abhandlungen des Dr. Winternitz. Selbständig erschien und sein Hauptwerk ist: „Die Hydropathie auf physiologischer und klinischer Grundlage“. 3 Bände (Wien 1877, 1879, 1880); dieses die Wasserheilkunde zuerst nach allen Richtungen und in wissenschaftlicher Weise behandelnde Werk ist bereits ins Englische, Französische, Italienische, Spanische und Russische übersetzt worden. – Seine übrigen in Fachblättern veröffentlichten Abhandlungen sind in chronologischer Folge: „Das Bordspital S. M. Fregatte Bellona“ in der „Wiener medic. Wochenschrift“ 1858; – „Die Irrenanstalt St. Servola in Venedig“ in der „Allgemeinen Wiener medic. Zeitung“ 1859; – „Einige Seemannskrankheiten: Seekrankheit, Influenza, Dysenterie, Scorbut, acuter Alkoholismus“ in der „Wiener Medicinalhalle“ 1859, 1860; – „Eine Studie über das Pellagra“ (eine schmerzhafte, flechtenartige, besonders in Oberitalien häufige Hautkrankheit, deren Ursache noch immer in geheimnißvolles Dunkel gehüllt und deren Heilung – nur durch völligen Luft- und Klimawechsel möglich – bisher noch nicht gelungen ist); – „Die Reise S. M. Fregatte Novara. Kritik“ im „Wochenblatt der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“ 1862; – „Einiges über epidemische Kolik und ihre Stellung zur Bleikolik“ in der „Wiener Medicinalhalle“ 1863; – „Die Seebäder in Venedig“ (ebd. 1863); – „Die Morbilität in S. M. Kriegsmarine“ im „Wochenblatt der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“ 1864; – „Beobachtungen über die Gesetze des Ganges der Harn- und Harnstoffausscheidung unter normalen Verhältnissen, wie unter dem Einflusse bestimmter Ursachen“ im „Jahrbuch der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“ 1864; – „Hydropathische Behandlung fieberhafter Erkrankungen“ im „Aeskulap“ 1865; mit diesem Artikel eröffnete Dr. Winternitz seine Beobachtungen im Gebiete der Wasserheilkunde, welcher er nunmehr seine ganze Thätigkeit zuwendet; – „Zur rationellen Begründung einiger hydropathischen Proceduren“, Habilitationsschrift in den „Jahrbüchern der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“ 1865; – „Das methodische Wassertrinken“ in der „Zeitschrift für praktische Heilkunde“ 1865, 1866, 1867; – „Ueber die rationelle Anwendung von kalten Umschlagen“ in den „Sitzungsberichten der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“ und in der „Wiener medicinischen Presse“ 1866; – „Ueber Dampfbäder, mit besonderer Berücksichtigung ihres diätetischen und therapeutischen Werthes“ in der „Allgem. medic. Zeitung“ 1866; – „Die Hydrotherapie im Wechselfieber“ in der „Wiener medic. Presse“ 1866; – „Erfahrungen über die hydriatische Behandlung von chirurgischen Erkrankungen“ in der „Zeitschrift für praktische Heilkunde“ 1867; – „Die hydriatische Behandlung der Diarrhöe im Kindesalter auf Grundlage der physiologischen Wasserwirkungen und praktischen Erfahrungen“ im „Jahrbuch für Kinderheilkunde“ 1868; – „Ein Beitrag zur Behandlung hartnäckiger Obstructionen“ in der „Zeitschrift für praktische Heilkunde“ 1868; – „Weitere Beiträge zur rationellen Begründung der Hydrotherapie“ in der „Wiener medic. Presse“ 1868; – „Ueber Revulsion und Ableitung“ in der „Wiener medic. Wochenschrift“ 1868; – „Klinischer Vortrag über die antiphlogistische Heilmethode“ in der „Ungarischen medic. chirurg. Zeitung“ 1869; – „Zur Hydrotherapie im Typhus. Ein Beitrag zur Fieberlehre“ in der „Wiener medic. Presse“ 1869; – „Die hydriatische Behandlung bei Verbrennungen“ in der „Allgemeinen medic. Zeitung“ 1869; – „Werth der hydriatischen Behandlung zur Heilung der constitutionellen Syphilis“ im „Archiv für Dermatologie und Syphilis“ 1870; – „Die hydriatische Methodik in fieberhaften Krankheiten“ in der „Wiener medic. Presse“ 1871; – „Kritische und experimentelle Beiträge zur Lehre von dem Einflusse der Wärmeentziehung auf die Wärmeproduction“ im „Jahrbuch der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“ 1871; – „Ueber die Principien der Wirkungsweise thermischer Einflüsse auf den Organismus“ im Archiv für Balneologie und Hydrol.“ 1871; – „Zur rationellen Begründung der Kinesitherapie, Heilgymnastik“ in der „Wiener medic. Presse“ 1872; – „Die anticongestive und antiphlogistische Methode“ in der „Pesther medic.-chirurg. Presse“ 1872; – „Combinirte hydriatische Methoden“ in der „Wiener medic. Wochenschrift“ 1872; – [94]Choleraschutz und Cholerabehandlung“ in der „Allgemeinen Wiener medic. Zeitung“ 1872, diese Abhandlung wurde ins Englische, Holländische und Italienische übersetzt; – Beiträge zur Lehre von der Wärmeregulation“ in Virchow’s „Archiv“ 1872; – Ueber den Werth der Hydrotherapie im Wechselfieber“ in der „Wiener medic. Wochenschrift 1873; – „Die Hydrotherapie bei Erkrankungen der Respirationsorgane“ in der „Pesther medic.-chirurg. Presse“ 1873; – „Ueber Calorimetrie“ in Virchow’s „Archiv“ 1873; – „Klinik für Hydrotherapie. Erfahrungen, gesammelt in dem Quinquennium 1869–1873“ in der „Wiener medic. Presse“ 1874; – „Ueber katarrhalische und rheumatische Processe“ in der „Wiener medic. Wochenschrift“ 1874; – „Ein Beitrag zur Pathologie und Hydrotherapie des Kehlkopf-Croup“ im „Jahrbuch für Pädiatrik“ 1874; – „Bedeutung der Hautfunction für Körpertemperatur und Wärmeregulation“ im „Jahrb. der k. k. Gesellsch. der Aerzte in Wien“ 1874; – „Die feuchten Einpackungen als antipyretische Procedur“ im „Jahrb. für Balneologie und Hydrol.“ 1875; – „Ueber die Behandlung des Fiebers“ in der Wiener „Klinik“ 1875, wurde auch ins Englische, Italienische und Russische übersetzt; – „Ueber das Wesen des Fiebers“ (ebenda 1875), auch ins Russische übersetzt; „Ein neuer sphygmophotographischer Apparat“ im „Tagblatt der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Hamburg“ 1876; – „Eine klinische Studie über das Pellagra“ im „Archiv für Dermatologie und Syphilis“ 1876; „Eine ungewöhnliche Fieberform“ in der „Wiener medic. Presse“ 1876; – „Einfluß des Wassers auf den gesunden und kranken Organismus“ (ebd. 1877); – „Der Psychrophor, die Kühlsonde“ in der „Berliner klin. Wochenschrift“ 1877; – „Ein Fall von Asthma, geheilt nach See’s Methode“ in der „Wiener medic. Presse“ 1878; – „Die Hydrotherapie bei dem Geburtsacte“ (ebd. 1878): – „On the use of cold compresses and friction im Londoner „Practioner“ 1878; – „On the action of the thermal Applications to the skin upon the Circulation in the Brain and other organs“ (ib. 1878); – „Ueber Doppelton und Doppelgeräusch in der Arteria cruralis bei Insufficienz der Aortaklappen“, im „Deutschen Archiv für klin. Medicin“ 1878; – „Temperaturmessungen im menschlichen Magen“ im „Centralblatt für die medic. Wissenschaft“ 1878; – „Coupirung der Entzündungen parenchymatöser Organe“ in der „Wiener medic. Presse“ 1879; – „Zur Lehre vom Cheyre-Stockes’schen Respirationsphänomen im Kindesalter“ im „Jahrbuch für Kinderheilkunde“ 1880; – „Die Aufgaben der Hydrotherapie bei der Lungenphtise“ in der „Wiener Klinik“ 1881; – „Ein Beitrag zur Entstehung der relativen Insuffizienz der Herzklappen“ in der „Wiener medic. Presse“ 1882; – „Die Mobilitäts-Neurosen des Herzens“ in der „Berliner klin. Wochenschrift“ 1883; – „Zur Behandlung des typhösen Fiebers“ in der „Wiener medic. Presse“ 1884; – „Zur Frage der Typhusbehandlung (ebenda 1884); – „Heilfieber und Fieberheilung“ in den „Wiener medic. Blättern“ 1885; – „Ein Fall von Hystero-Epilepsie bei einem Manne“ (ebd. 1885); – „Zur Frage der Entfettungscuren“ in der „Wiener medic. Presse“ 1886; – „Ueber bisher wenig beobachtete Wirkungen der hydriatischen Antipyrose“ in den „Verhandlungen des Congresses für innere Medicin“ 1886; – „Entstehung und Heilung von Neuralgien“ in der „Intern. klin. Rundschau“ 1887; – „Die physiologischen Grundlagen der Hydrotherapie“ in der „Wiener medic. Presse“ 1887. Ferner ist Dr. Wilhelm Winternitz Mitarbeiter an Dr. Ziemssen’s „Handbuch der allgemeinen Therapie“ und an Eulenburg’s „Realencyklopädie“, in beiden für die Abtheilung Hydrotherapie; ist Redacteur der klinischen Studien an der hydriatischen Abtheilung der allgemeinen Poliklinik in Wien, und als Begründer der Hydrotherapie aus physiologischen Principien, wie als Begründer der Wasserheilanstalt in Kaltenleutgeben, erstattete er über die Heilergebnisse seiner Anstalt ausführlichen Bericht in der Schrift: „Kaltenleutgeben und meine Wasserheilanstalt nebst einem statistischen Berichte über die in den Jahren 1865, 1866, 1867 und 1868 daselbst und im Kaiserbade in Wien behandelten Kranken und erzielten Erfolge“ (Wien 1869), welche Schrift das 30. Heft der Braumüller’schen Badebibliothek bildet. Auch sei noch der von ihm angewendeten neuen Methode zur Photographie des Pulses gedacht. Ueberdies hat er 1873 in seiner Wasserheilanstalt Kaltenleutgeben zur Erinnerung [95] an den Regierungsantritt Seiner Majestät des Kaisers für k. k. Officiere drei Freiplätze gegründet, über welche im Folgenden Näheres mitgetheilt wird.
Die Kaiser Franz Joseph-Stiftung für drei k. k. Officiere in der Dr. Wilhelm Winternitz’schen Wasserheilanstalt zu Kaltenleutgeben. Im Jahre 1873 hat der Stiftungsurkunde gemäß Dr. Winternitz auf seine Lebensdauer drei vollkommene Freiplätze in seiner Anstalt zu Kaltenleutgeben, und zwar einen für einen Officier der k. k. Kriegsmarine, die beiden anderen für Officiere des k. k. stehenden Heeres gewidmet und die Erlaubniß erhalten, daß seine Stiftung obigen Namen führe. Vor dem Feinde verwundete, zum Curgebrauch geeignete Officiere haben bei der Aufnahme stets den Vorzug. Die Saison wird in drei Perioden abgetheilt, und dauert die erste vom 1. Mai bis 15. Juli, die zweite vom 16. Juli bis 15. August, die dritte vom 16. August bis 1. October. Die Nothwendigkeit des Curgebrauches ist durch ein militärärztliches Zeugniß zu constatiren. Ueber die Verleihung der Stiftungsplätze entscheidet das Generalcommando in Wien im Einvernehmen mit dem Stifter. Mit der Verleihung des Stiftungsplatzes sind verbunden: freie Wohnung, Kost, Bäder, ärztliche Behandlung, Benützung der Bade- und Curutensilien, sowie die Befreiung vom wöchentlichen Vergnügungsbeitrage. Doch hat jeder Officier während des Curgebrauches wöchentlich 2 fl. als Entgelt an den Badediener zu entrichten. Die Gesuche sind bis zum 15. März jedes Jahres einzubringen.
Quellen. Wiener illustrirtes Extrablatt, 1. Juni 1874. – Allgemeiner deutscher Hochschulenalmanach, herausgegeben von Kukula für 1888, S. 962. – Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeilen und Völker. Von Dr. Aug. Hirsch (Wien, gr. 8°.) Bd. VI, S. 300.
Porträt. Holzschnitt, nach einer Zeichnung von Appelrath im vorgenannten „Wiener illustrirten Extrablatt“.