Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 1

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Ortsbeschreibung
in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 48 Gemeinden oder Schultheißereien, unter Vorausstellung der Oberamtsstadt.




Mergentheim,
mit Karlsbad und Eisenbahn- sammt Telegraphenstation.
Gemeinde II. Klasse mit 4021 Einwohnern, worunter 1347 Evangelische, 207 Israeliten mit Synagoge und 2 eigener Konfession.

Die Oberamtsstadt liegt mit dem Stadtkirchthurm unter dem 27° 26′ 11,94″ östlicher Länge, 49° 29′ 31,1″ nördlicher Breite und in gerader Linie 90 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Ihre Erhebung über das Mittelmeer beträgt an der Erdfläche des Stadtkirchthurms 205,31 m (s. auch oben die Trigonometrischen Höhenbestimmungen.)

Die Stadt ist der Sitz des Amtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts mit dem Oberamtsphysikat und der Oberamtspflege, des Kameralamts, eines Forstamts und eines Revieramts, sowie eines Postamts. Überdies befinden sich 6 praktische Ärzte und 2 Apotheken in der Stadt.

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Das Wappen der Stadt enthält im deutschen Schild das Deutschordenskreuz mit dem Adler in einem Herzschild, statt der Lilien aber in den beiden oberen Ecken des Schilds sechsstrahlige Sterne, in den beiden unteren fünfblättrige Rosen. Über dem Schilde des ältesten erhaltenen Siegels steht die Jahreszahl 1512 und die Umschrift lautet: SIGILLUM. DER. STAT. MERGENTHEIM. Dieses schön gearbeitete Siegel aber machte einem anderen Platz, welches noch mit mehr Kunst gearbeitet, aber ohne Umschrift ist; auf beiden Seiten des deutschen Schildes steht 15–81, die Bilder darin sind dieselben, die Rosen aber vielblättrig. Ein kleineres, noch vorhandenes, rundes Siegel enthält ohne Schild die gleichen Figuren wie das ältere Siegel, und oben zu beiden Seiten des Kreuzes die Buchstaben S. M. Das jetzige Siegel des Stadtraths in Mergentheim mit dem Kreuz etc. sticht sehr gegen die früheren schön gestochenen Siegel ab. (Württ. Jahrb. 1854. 2. Heft S. 151.)

Beim Zusammenkommen des Tauberflusses und des Wachbachs liegt in lieblicher Weitung, umkränzt von Weinhalden und Waldhöhen, die schmucke, thurmreiche Stadt, eine der freundlichsten und ansprechendsten unseres Landes. „Mergentheim ist ein lebendiges, aufblühendes Städtchen, dabei aber durchaus nicht modernen Geprägs, sondern etwas altfränkisch“, sagt Riehl in seinem Gang durchs Tauberthal (siehe W. F. 7, 193 ff.). Lindengänge, zum Theil aus uralten ehrwürdigen Stämmen, ziehen sich auf dem alten Wall umher und schließen sich im Osten an den großen Schloßgarten, den man mit seinen prächtigen Wipfeln hinter dem großartigen Schloß emporragen sieht.

Gegen Südosten dehnt sich eine weite Ackerlandsfläche, an deren Ende, schön und streng geformt, ein Vorberg mit den stattlichen Trümmern der Deutschordensburg Neuhaus sich erhebt. Im Norden steigt sofort über der Tauber schroff der Ketterberg an, während im Süden und Westen sanfte Bergausläufer zu der in der Thalebene liegenden Stadt sich hinsenken, der südliche mit Weingärten und dem alten Wachthurm, der westliche aber tief herab mit Wald bedeckt, von dessen Saum aus man den schönsten Überblick über die nahe Stadt genießt und weit hinein ins Tauberthal bis Königshofen und Lauda, und bis an die hinter dem Mainthal aufsteigenden blauenden Höhen des Spessarts blickt.

| Das Innere der Stadt mit ihren reinlichen, breiten, gepflasterten Hauptstraßen macht gleichfalls einen heiteren, entgegenkommenden Eindruck; die Mehrzahl der Häuser ist nicht bloß städtisch und solid gebaut, sondern auch vielfach belebt durch künstlerischen Schmuck, hübsche steinerne Thüren, verzierte Giebel, Marienbilder an den Ecken u. s. w., dazu die verschiedenen steinernen Brunnen, die zahlreichen Kirchen, stattliche städtische Gebäude und im Hintergrunde das Schloß.

Wer aber von den Werken der Kunst hinüber will zur Schönheit der Natur, der findet im Schloßgarten sein Genügen. Trefflich in Stand gehalten, 30 Morgen groß, dehnt er sich aus, langsam durchströmt von lauteren Wassern, durchtönt von zahlloser Singvögel Lied, womit die Nachtigallen ihre lang hingezogenen Laute wundervoll mischen, als ein Dickicht herrlichster Laub- und Nadelholzbäume, von Eichen, Buchen, Linden, Ahornen, Platanen, und daraus als Riesengestalten steigen die vollen gedrungenen Formen der Silberpappeln, dann Hängetannen mit dunklem Geäst, breitwipflige Eschen, uralte Linden mit knorrigem Stamm, der saftige Rasen mit Waldblumen und Buschwerk. Dies alles umweht von weicher, lind bewegter Luft, von draußen herein schimmert die duftige Ferne und hinaus schweift der Blick hinab an der blauen, von schönen Weidenbäumen umschatteten, durch Wiesengrund sich schlängelnden Tauber und hinüber zur hochragenden Burgruine Neuhaus.

Die ursprüngliche Stadt Mergentheim bildet im Ganzen und Großen ein gleichseitiges Viereck, doch sind die vier Seiten nicht strafflinig, sondern an drei Seiten ausgebogen, an der vierten, der Ostseite, dagegen eingebogen und hier schließt sich, einst als großartige Citadelle, das Schloß mit seinen Nebengebäuden an. Die Stadt war früher eine stolze Wasserfeste, im Norden und Nordosten vom Tauberfluß, im Westen vom Wachbach gedeckt, mit Sumpfland und Wassergräben ringshin umfangen.

Die Abbildung der Stadt Mergentheim in Merians Topographia Franconiae vom Jahre 1648 gibt dieselbe mit den einst so zahlreichen Thürmen an der Umfassungsmauer, die jetzt alle sammt den Thoren verschwunden sind, wogegen sich die damals in der Stadt stehenden Thürme sämmtlich und in fast unveränderter Gestalt erhalten haben. Von dem tiefen, ausgemauerten, etwa 70 Fuß breiten Graben, dahinter mit dem die Stadtmauer begleitenden Zwinger, blieben ansehnliche Strecken, ingleichen von | dem starken Wall, der vor dem Graben hinlief und auf dem jetzt zum Theil sehr alte Lindenbäume stehen. Vor dem Walle zog ein zweiter (auch noch hin und wieder erhaltener) Graben hin, in ihm läuft an der Westseite der Stadt der Wachbach. Die Befestigung gieng auch um die ganze Ordensburg, an dessen Ostseite sternschanzenartig hinaus springend, und ist im Schloßgarten zum Theil noch erhalten; die Burg selbst war wieder durch einen (auch noch erhaltenen) breiten, tiefen, gemauerten Graben von der Stadt getrennt.

Die zwei Hauptstraßen, von denen die eine, mitunter sehr breite, von Norden nach Süden, die andere von Westen nach Osten, vom Mühlwehrthor bis zum Schlosse, läuft, theilen die Stadt in vier, beinahe gleichgroße Quartiere, in denen die übrigen Straßen oder Gäßchen meist auch von Westen nach Osten ziehen; das ist die Richtung gegen das Schloß (siehe den Stadtplan). Um die Altstadt haben sich auf drei Seiten Vorstädte mit theilweise schönen Steinbauten angesiedelt; so besonders gegen Norden dem Bahnhofe zu, diesen durch Anlagen und eine Zufahrtsstraße mit der Altstadt verbindend; im Süden steht außerhalb des alten Befestigungsgürtels in wohl gepflegten Gärten eine Reihe freundlicher Privathäuser, westlich über dem Wachbach die schon ältere Bierbrauerei und Ziegelhütte und im Osten erscheint, getrennt durch Schloß, Schloßgarten und Tauber, in reizenden Anlagen das Karlsbad (s. u. S. 354), jenes im Sommer so viel besuchte Mineralbad mit seinen ausgedehnten schmucken Gebäuden.

Vier Hauptthore, einst mit Thürmen darüber, führten aus der Altstadt, nach Süden das obere oder Dominikanerthor, abgebrochen 1828, nach Westen das Mühlwehr- oder Boxbergerthor, abgebrochen 1830, nach Norden das untere oder Haderthor, abgebrochen 1832, nach Südosten das Kapuziner- oder Weikersheimer Thor, auch Burggassenthor genannt, abgebrochen 1806; endlich führt nach Osten das noch stehende Schloßthor in den äußeren Schloßhof, und von diesem ein altes Thor hinaus in den Schloßgarten.

Außer diesen besaß die Stadt bis zum Jahr 1790 und spätere Jahre folgende innen an der Stadtmauer stehende Thürme: den Armbrustersthurm, den Hobachsthurm, den Bynitzschthurm, den Predigerthurm, den Eckthurm, den Denkenrathsthurm, den Sanzenbachsthurm am Schlusse der Ochsengasse, den Schottenthurm, den Holzapfelgassenthurm am Ende der Judengasse, den | Türkengassenthurm, den Igersheimerthurm, den Weyprechtsthurm, den Hildebrandsthurm, den Dunzenbachsthurm, den Thüngersheimerthurm und den Hundsthurm.

Von freien Plätzen sind zu nennen: der sog. Schied oder Schütt vor dem Schloß, der Platz vor dem Spital, der Marktplatz, der durch das Rathhaus in den oberen oder Häfnermarkt und den unteren oder großen Marktplatz getheilt wird, endlich der schön angelegte Platz vor dem Bahnhof.

Betrachten wir nun die wichtigeren Gebäude der Stadt.

a. Der Stadtgemeinde gehören:

Die kath. Stadtpfarrkirche zu St. Johannes dem Täufer wurde in den Jahren 1250–70 erbaut in edlem frühgothischem Stil und trägt trotz mehrfacher Veränderungen doch im Ganzen und Großen noch das alte ehrwürdige Gepräge; sie ist eine sehr frühe gothische Anlage, dreischiffig, mit stark erhöhtem Mittelschiff, vieleckig schließendem, schlankem Chor mit Strebepfeilern und hohem, viereckigem Thurm an der Südseite des Chores. Die Fenster sind zum größten Theil verändert; die des Hochschiffes waren klein, spitz (nur noch eines ist erhalten) und mit einfachem, unten offenem Dreiblatt geziert. Der mit alterthümlichen Strebepfeilern besetzte Chor hat nur gegen Osten sein ursprüngliches, leider vermauertes Maßwerkfenster, schön und kräftig aus Rundstäben zusammengesetzt; die gothischen Füllungen der übrigen Chorfenster sind neu eingesetzt. Die Westfront der Kirche hat keinen Eingang, wohl aber erhielt sich hier das hohe viertheilige, mit strengem frühgothischem Maßwerk ausgegliederte Hauptfenster, Profile noch starr, geradlinig, aber der hohe Westgiebel ist noch prächtig besetzt mit in französischer Art sich zurückrollenden Blumenknäufen; diese einfacher am Ostgiebel des Hochschiffes. Der Haupteingang, leider etwas verdeckt, weil das Meßnerhaus darüber hergebaut wurde, an der Südseite der Kirche, ist aufs Reichste gegliedert mit dünnen gothischen Säulchen; um das spitze steinerne Bogenfeld ein schönes Reblaubgewinde, und unten umher zieht ein Saum von herrlichem blumigem Zackenwerk; das zweite Portal an dieser Seite ist einfacher, auch frühgothisch, mit großem Dreiblatt und einem Giebel mit Fialen, und an der Nordseite öffnet sich ein gutprofilirtes Spitzbogenportal mit alterthümlich strengem Christuskopf in der Bogenspitze. Im Innern trennen viereckige Pfeiler das Hochschiff von den niedrigeren Abseiten, die flachgesprengten Rippenkreuzgewölbe desselben stammen aus dem Jahr 1584, die | der Seitenschiffe, starke Rippenkreuzgewölbe, sind noch ursprünglich; auch sieht man am Hochschiff Ansätze zu höheren Gewölben. Der schönste Theil der Kirche ist der Chor, mit seinen schlank aufschießenden, prächtig kapitellirten Wandsäulen, welche noch die ursprünglichen Rippenkreuzgewölbe tragen; auf den Schlußsteinen sieht man hier von Westen nach Osten ein offenes Rund, das Lamm Gottes und einen schwebenden Engel; an den Kapitellen Vögel, zwei Männlein, Laubwerk mit Gethier, noch an den spätromanischen Stil erinnernd.

Im Jahre 1851/52 wurde der Chor, 1861/62 das Schiff der Kirche restaurirt, früher schon mit neuen Altären und Chorstühlen versehen. Der hohe Hauptaltar im Chor ist ein Werk der Holzschnitzerei von Sickinger in München in neugothischem Stil, das Hauptbild stellt die Taufe Christi dar, dann sind nach Sickingers Zeichnungen die beiden Seitenaltäre und die Kanzel, wobei die Ausführung dem hiesigen Kunstschreiner Georg Eichhorn zukam; die Chorstühle wurden von Stadtrath Volk von hier ausgeführt, Alles in höchst ansprechender Gothik. An der sehr schönen Kanzel sieht man die vier Evangelisten in Holz geschnitzt, darüber einen hohen durchbrochenen Schalldeckel. Im Vorbau vor dem Südportal befindet sich jetzt ein großes früheres Altargemälde mit der Darstellung des Pfingstfestes.

Nördlich ist an die Kirche die zweistockige Eck’sche Kapelle, unten Sakristei, angebaut, im Anfang des 17. Jahrhunderts (1606/7) von dem Freiherrn Marquard von Eck, Deutschordens-Komthur gestiftet, demselben der auch im Jahr 1607 die Kirche zu Stuppach erbaute. (s. d.) Ohne Zweifel hatte er auch denselben Baumeister, denn sie ist in dem gleichen originellen, spätest gothischen Stil erbaut, wie die schöne Stuppacher Kirche. Die Kapelle hat an der Wand reiche Renaissancepfeiler und zwei prächtige Gewölbe, eines in Netz-, das andere in Sternform, noch mit guten Malereien (Geburt Christi) geschmückt. Der von Eck gestiftete Marienaltar ist nicht mehr vorhanden, auf dem der Ritter knieend dargestellt war (Schönh.). Dagegen erhielt sich sein Grabdenkmal (jetzt in der Kirche selbst) aus weißgraulichem Marmor. Marquard von Eck kniet auf einem Drachen, hinter ihm Sankt Georg. Auf ihn blickt Maria aus den Wolken, unten vier sehr gute Reliefs aus der Geschichte des Heilands. Von andern Grabmälern im linken Seitenschiff nennen wir: den schönen Grabstein des Johann Philipp Hartmann Schutzbar, genannt Milchling, Teutschordensritter, Rathsgebietiger der Ballei | Franken, † 15. Oktober 1779. – Der des Heinrich Theobald von Goldstein, Teutschordensritter, † 14. Juni 1719. – Das Spätrenaissance-Grabmal des August Adolph Freiherr von Trandorf, Kais. Kriegsrath, Statthalter zu Mergentheim, Teutschordensritter etc., † 5. Februar 1656. – Das Epitaphium des Grafen Christian von Erbach, Teutschordensritter und Statthalter dahier, † 9. Mai 1779. Im rechten Seitenschiff das Grabmal mit Bildnis des Teutschordenspriesters und Stadtpfarrers von Mergentheim Johannes Christ. – Dann die Bildnisse des geistlichen Raths, Teutschordenspriesters Venator, † 16.., und des Kanzlers Sebastian Pott, † 1673. – Das Epitaphium einer Tochter des Kanzlers Heß und seiner Frau. – Der Grabstein dieses Kanzlers, † 1665. – Dann die Epitaphien des Franz Paul Eustach Anton Graf Fugger zu Kirchberg, † 19. Dec. 1757, – des Johann Nepomuk Christian Graf von Seinsheim, † 23. März 1754, – des Heinrich Freiherrn von Kyamo, † 24. Nov. 1750, – des Daniel von Steinkallenfels, – des Friedrich von Schlemmersdorf, † 18. Juli 1798 (in die Wand der Annakapelle eingemauert). Außen an der Südseite der Kirche sieht man noch verschiedene, meist aus dem 17. Jahrhundert stammende Grabplatten, von denen aber nur einige zu entziffern sind, so: Anno 1591 iars den 15. Septembris starb Jonas Polster ein Jünglin bei 12 Jaren, des edlen Leonhart Polster, Rentmeister und Amptmann zu Neckarsulm, und Elisabeth seiner Hausfrauen ehlicher Son. – Grabsteinchen mit einem Kind und zwei Engelchen: Anno domini 1590 uf Donerstag den 30. Augusti ist Johann Eustachius Aubeler, seines Alters anderthalb iar und 4 Wochen in Gott seliglich entschlafen. Dann der Barbara Seybothinin, † Febr. 1614, 63 Jahre alt, der Frau Maria Barbara Pelsteinin, † 30. Juli 1680, eines hiesigen Bürgermeisters Maark, † 27. August 1627.

Hier wäre einzufügen der gegenüber an einem Haus eingemauerte Grabstein des Christoph Stipplini, Patricius von Bibrach aus Schwaben, Hoch- und Teutschmeisters Hof- und Cammer-Fourier, † Sept. 1667 und seiner Frau Margaretha, † 1678.

In das an der Kirche südlich angebaute Meßnerhaus ist eingemauert eine aus dem Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts stammende Steinskulptur, Christus am Ölberg, plump in der Darstellung.

| Die gewölbte Sakristei, zweistockig, oben mit sehr spätgothischen Maßwerksfenstern, bewahrt zahlreiche alte kostbare Gewänder und heilige Gefässe; z. B. sechs silberne Leuchter, drei Fuß hoch in reizend reichem Spätrenaissancestil. – Eine gothische Monstranz, sehr schön mit durchbrochenem Aufbau und den Statuetten Christi, Mariä und Johannes d. T., und der Jahreszahl 1509; hoch 3 Fuß aus Silber und vergoldet. – Eine zweite aus denselben Stoffen, im Rococostil, oben das Deutschordenskreuz; an der Rückseite steht: J. Baptist von Eptingen, Stadthalter in Mergentheim 1765; die schöne Monstranz ist mit vielen Brustbildern von Heiligen geziert und wird von einem Engel getragen. Höhe 3 Fuß 21/2 Zoll.

Ein herrliches Tabernakelkreuz, auch Silber und vergoldet, 3 Fuß 3 Zoll hoch, spätgothisch mit den fünf Zoll hohen Statuetten des Johannes und der Maria mit Christus am Kreuz, den vier geflügelten Evangelistensymbolen und prächtigem Laubwerk, der Fuß ist später und im Rococostil. Auf der Rückseite steht: J. N. Kächel … Renofirt Anno 1763 J. N. K.

Ein sehr schönes Tabernakelkreuz, über 2 Fuß hoch mit Christus am Kreuz im Rococostil.

Eine Pacemonstranz, 6 Zoll hoch, gothisch, hinten die Hinrichtung einer Heiligen (h. Apollonia) eingeritzt. – Ein Kreuzpartikel im Rococostil, Silber und vergoldet, mit bunten Steinen. Dann zwei Kreuzpartikel aus denselben Stoffen, auch im Rococostil, einer davon mit Steinen; alle drei 17 Zoll hoch und alle drei schön. – Ein prächtiger Spätrenaissancekelch, Silber und vergoldet, 1 Fuß hoch, im reichsten Stil mit Emails und Granaten.

Noch weitere 12 Rococokelche, und ferner ein silbernes Rauchfaß mit sehr schönem Schiffchen im Renaissancestil, zwei silberne und vergoldete Opferkännchen mit Patenen, ein hübscher Communionkelch (Ren.) mit Inschrift, wovon noch zu entziffern: Joh. Hützelin Abbas Hirschauensis magistratui Nicrokirchensi in … (M. Joh. Hützelin war evangelischer Abt in Hirsau 1596–1617, und wurde wegen Blindheit zur Ruhe gesetzt.) Dann aber eine sehr schöne Madonna mit dem Jesusknaben, Spätrenaissance, von Silber und 3 Fuß hoch, und ein vortrefflich gearbeiteter silberner heil. Sebastian aus der besten Renaissancezeit, 2 Fuß hoch. – Endlich eine kolossale ewige Lampe, 1764 gestiftet von Stadtpfarrer Theodor Mark, letztem Teutschordensgeistlichen, † 6. Dezember 1806 und ward im Schiff der | Kirche begraben; seine Grabplatte, mit Kelch und Th. Mark 1806, im mittleren Gang.

Der sehr hohe Thurm erhebt sich an der Südseite des Chores in sieben Stockwerken und endigt in einem Zwiebeldach. Die sechs ersten Geschosse sind viereckig, das siebente achteckig; die vier untersten haben enggedrängte tiefe Rundbogenfriese und alte gothische Spitzbogenfenster, im vierten Stock Kleeblattfenster. Vom sechsten Stockwerk an wird der Thurm jünger mit breiten Spitzbogenfenstern; dann folgt ein Umgang, hierauf wird der Thurm schmäler achteckig, und trägt das Wappen des Deutschmeisters Maximilian von Östreich, der 1593 den Thurm um 56 Fuß erhöhen, mit einer Galerie aus Quadersteinen umgeben und mit einem Schieferdach versehen ließ. In den Knopf wurde ein Denkzettel gelegt, der Bau kostete 1218 Gulden 3 Heller, und es wurde das Vermögen der um jene Zeit verbrannten Hexen dazu verwandt. Im Jahr 1633 wurde die Helmstange des Thurmes ausgebessert und der damals regierende Schwedengeneral Gustav Horn ließ bei dieser Gelegenheit die Urkunden herausnehmen und andere hineinlegen.

Auf dem Thurm der Stadtpfarrkirche befinden sich fünf Glocken:

Die erste größte trägt auf dem Mantel ringsum die Inschriften: Ego vox clamantis in deserto. dirigite viam domini sicut dixit Esaias propheta. Adoramus te, benedictamus te, quia per crucem tuam redemisti mundum. St. Johannes bin ich genannt, durch das Feuer bin ich geflossen, Johann Arnold von Fulda hat mich gegossen 1594. Darunter die Johannesfigur und Wappen der Deutschherren.

Die zweite Glocke: Ave Maria gratia plena. † Anno domini MCCCCXXXXI magister Conradus Gnocihamer me fecit in Nurnberga. S. Laurentius. Ave Maria † J N R J † Ave Maria. S. Maria. S. Johannes. Ave. S. Katharina. S. Stephanus. S. Osbaldus. Unter den betreffenden Namen stehen die Figuren: St. Lorenz, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes Ev., Katharina, Stephanus und Oswald.

Die dritte Glocke trägt ringsumgehend nur die Inschrift: Conradus me fecit † Me Resonante pia populi memor esto Maria.

Auf der vierten Glocke steht: Conradus me fecit. Cristus vincit. Cristus regnat. Cristus imperat.

| Auf der fünften Glocke (Feuerglöcklein): Meister Hermann Wust von Wertheim hat mich gegossen.

An der Ostseite des Chores erhebt sich ein gut gearbeiteter steinerner lebensgroßer Crucifixus, unten am Rococosockel steht die Inschrift: Zur größeren Ehre Gottes, sein Leydens und Sterbens habe ich Johann Peter Breitenbach Stadt Audientz Asesor und iubilaeus des Magistrats dahier diese Biltnus machen lasen Gott zu schuldigstem Dank 1759.

Die Unterhaltung der Kirche ist folgendermaßen vertheilt: die des Langhauses ruht auf dem Heiligen, die des Chores auf dem Staat; den Thurm unterhält bis zum Kranz in Mauern und Glocken der Heilige, von da bis zur Spitze der Staat; das ganze Innere die Stadtgemeinde.

Das schöne steinerne vom Staat zu unterhaltende Stadtpfarrhaus liegt gegenüber dem Chor und hat über dem Eingang die Jahreszahl 1623, das Jahr seiner Erbauung, und zwei leere Wappenschilde; dabei ein freundlicher Garten.

Die Dominikanerkirche, jetzt Marienkirche, seit 1853 wieder eingeweiht; ein stattlicher Bau, den Hauptformen nach aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (um das Jahr 1330) stammend. Das Schiff verlor seine alten Pfeiler, Decken und Fenster und mag nur in den Umfangsmauern noch alt sein, nur an der westlichen Giebelseite erhielt sich das schöne ursprüngliche Maßwerksfenster. Anders der von Strebepfeilern gestützte hohe schlanke Chor (mit Dachreiter); von dem edlen Maßwerk seiner Fenster ist das im östlichen erhalten, ebenso im Innern die hochanstrebenden Rippenkreuzgewölbe, die auf Konsolen oder Köpfen ruhen; an den Konsolen mitunter Thiergestalten, ferner ein Meerfräulein, dann ein Männlein einen Schild haltend, darauf steht: Renovirt 1852. Auf den fünf Schlußsteinen steht man von Ost nach West: Maria mit dem ganz bekleideten Jesusknaben und zwei Wappenschilden, das Wappen der von Ussigheim, auf dem andern ein springender Hund. Auf dem zweiten Schlußstein ist dargestellt der h. Dominikus, auf dem dritten ein in vier Felder getheilter Wappenschild, in zwei Feldern das Deutschordenskreuz, in den beiden andern je ein Pferdskopf (Wappen des Deutschmeisters Konrad Rüd von Collenberg am Main), auf dem vierten ein sitzender Hund (Baldersheim), auf dem letzten das hohenlohische Wappen. Im Schiff der Kirche tragen vier kolossale korinthische Säulen mit antiken Kapitellen die reich stuckirte flache Decke.

| Der prächtige neugothische Hochaltar, ein Geschenk des Fürsten Karl von Hohenlohe-Waldenburg, wurde von Meintel in Horb verfertigt und enthält jenes berühmte Vesperbild, eine bemalte heilige Pieta, Maria mit dem Leichnam des Herrn, frühgothische Holzskulptur von tiefergreifendem Ausdruck: Christus stark ältlich, Maria schmerzvoll schön. Von den zwei Seitenaltären ragt hervor der nördliche, durch jenes große figurenreiche spätgothische Holzskulpturwerk des Todes der Maria mit der Jahreszahl 1519, früher in der Laudenbacher Bergkirche. Die Apostel mit breiten Köpfen scheinen mächtig erschüttert, die hingegossene Madonna ist sehr edel gehalten. Der andere Seitenaltar enthält ein neues Gemälde von Palme in München. Das herrlichste Werk der Kirche aber ist das früher in der Gruft der Schloßkirche befindliche, jetzt an der Nordwand des Chors aufgestellte Erzdenkmal Walthers von Cronberg, aus der Werkstatt Peter Vischers in Nürnberg, im Jahr 1539, ohne Zweifel von dessen Sohn Hans, (Peter Vischer starb schon am 7. Januar 1529) hervorgegangen. Walther, ein stattlicher Ritter mit ernstem Ausdruck, kniet vor dem Gekreuzigten und hebt sein biederes Haupt sinnend zu ihm empor. Hinter ihm ein schönes Teppichmuster; unten steht Walthers Wahlspruch: Mit der Zeit all hernach. Die gleichfalls unten angebrachte Inschrift lautet: Anno domini 1543 den 4. tag Aprilis ist der Hochwürdig Fürst und Herr Herr Walther von Cronberg. Administrator des Hochmeisterthumbs In Preussen. und Meister Teutsch Ordens In Teutschen und Welschen Landen. von dieser Welt Inn Gott verschiden. Oben steht die Jahreszahl der Anfertigung 1539; Tag und Jahr des Todes sind später eingesetzt.

Außerdem bemerkt man noch an der Chorwand ein reichbemaltes und vergoldetes Wappen, darunter steht auf einer Holztafel: Memoriae Maximiliani III. Archid. Austr. Ord. Teut. Magn. magist. Illustr. Pa. de hac aede bene meriti 1853.

Die Chorstühle zeigen hübschen Zopfstil und der Eingang in die Sakristei hat im Bogenfeld schönes gothisches Maßwerk. Zur Unterhaltung der Kirche ist ein besonderer Fonds gestiftet.

Das südlich anstoßende frühere Dominikanerkloster (jetzt zu Schulen eingerichtet) enthält auch noch einige Erinnerungen an die ältere Zeit; das frühere Refektorium hat noch gothische Steinkreuzfenster und an der Decke einige Wappen aus Stuck, dabei die Jahreszahl 1685 und C. S. V. S. R. Gegen Osten neben der Sakristei ein Raum mit gothischen Rippengewölben | und einigen Spitzbogenfenstern. Am Eingang ins Kloster (Kreuzgang) steht 1675 und beim Hereingehen sieht man (seit 1858) links Christus mit den Schächern, eine große Renaissanceskulptur in Holz, der Heiland nicht unedel behandelt; die beiden Schächer waren früher in der Kirche, das Kreuz stand ursprünglich vor dem Mühlwehrthor und unten am Kreuzesstamm sah man die Inschrift: Gott sey die Ehr allein. Kaspar Rack und seine Hausfrauw..... Der Maurermeister, welcher beim Abbruch der zwei mittleren Säulen in der Dominikanerkirche im Jahr 1708 verunglückte, hieß Hans Georg Rack.

Im Dominikanergarten befand sich (nach Fuchs) eine Grabplatte mit folgender Inschrift: Anno Domini 1528 am Tag Egidii starb der Edle und Ehrenveste Sigmund Von Ussigheim und darnach Anno 1532 auch am Tag Egidii starb sein Ehliche Haußfrau Elisabeth Von Ussigheim, geborne Von Thüngen, die allhie begraben liegen; deren Seelen Gott gnädig und barmherzig sein wolle.

Die Kapuzinerkirche. Dieselbe liegt an der Südostecke der Stadt, schon außerhalb der Stadtmauer und wurde samt dem Kloster in ihrer jetzigen Gestalt wieder aufgerichtet in den Jahren 1636–37 durch Johann Kaspar von Stadion, dessen prächtiges Marmordenkmal noch in der Kirche sich befindet (s. u.). Die Kosten des ganzen Kirchenbaues beliefen sich nach einer eigen geführten Baurechnung, abgesehen von den Frohnen und freiwilligen Dienstleistungen, auf 13.000 Gulden. Der östliche Theil der Kirche wurde in unserer Zeit durch Maler Kolb in mittelalterlichem Geschmack mit Wand- und Deckengemälden glänzend ausgeschmückt, die übrige Kirche trägt noch das Gepräge der Zeit ihrer Erbauung. Gegen Norden geht vom Schiff aus die große mit tüchtigem Schmideisengitter verschlossene Maria-Hilf-Kapelle (erbaut 1641) lang hinaus, geziert mit vielen Werken der Zopfzeit; sie enthält auf ihrem Altar ein berühmtes Gnadenbild, eine Kopie eines in einer Kapelle zu Passau verehrten Marienbildes.

Der große Rococoaltar der Kirche mit schönen Säulen hat ein anmuthiges Madonnenbild (Kopie nach Raphael), und die auch im Zopfstil gehaltenen Seitenaltäre der Kirche enthalten gute Ölbilder; den Glanzpunkt aber bildet an der Südwand des Schiffes das sehr große Grabdenkmal Stadions, aus weißem Marmor und vergoldet mit edlen Renaissanceornamenten und Engelsköpfen. Die ehrwürdige Rittergestalt in reich ciselirter | Rüstung, mit bloßem Haupt und gefalteten Händen, kniet auf einem Löwen, vor dem ein Helm liegt, blickt auf zur Maria mit dem Jesuskind; über ihm in den Wolken die h. Dreifaltigkeit. Im Hintergrund des Denkmals sieht man eine Abbildung des Klösterchens, auf dem Gesims halten zwei Engel den Wappenschild, ein dritter noch weiter oben das Schweißtuch der heil. Veronika. Die unten angebrachte Inschrift lautet: Der hochwürdigste Fürst und Herr Herr Johann Caspar des Geschlechts von Stadion, Administrator des Hochmeisterthums in Preußen, Meister Teutsch Ordens in Teutsch und Welsch Landen, Herr zu Freudenthal und Eulenberg, Römisch kay. May. geheimer Rath, so dises Capuziner Closter zum andern mal und unser lieben Fraw Hilff Capelle gebaut, ist seines Alters im 74. und der Regierung im 14. Jahr im Kays. Krigsdinste im Haupt Quartir bey Mülhaußen in Festo Praesentationis B. M. V. Anno 1641 nach gehörten 2 Messen und empfangener Communion seliglich in Gott entschlafen und alhie in diser Kirchen in der gemeinen Sepultur der F. F. Capelle seinem letzten Willen gemäß als Fundator der Erste den 25. Februarii Anno 1642 begraben worden, dem Gott eine fröliche Auferstehung verleihen wolle. Amen.

Bei Öffnung der Gruft im Jahr 1671 brachte man die Gebeine des Stifters aus dem kupfernen Sarg, worin sie ruhten, in einen steinernen, versehen mit dem Wappen des Stifters und der Jahreszahl der Eröffnung.

Das hölzerne Epitaphium des Augustin Oswald von Lichtenstein, Statthalter in Mergentheim etc., gestorben 63 Jahre alt, im J. 1663 und wird bei den Kapuzinern begraben, ist jetzt verschwunden; – Als man die Gruft der Kirche öffnete, fand man seinen Leichnam zwischen denen zweier Kapuziner liegen.

Ebenso ruht hier in einer Kapsel wohlverwahrt das Herz des Hoch- und Deutschmeisters Joh. Caspar von Ampringen; † zu Breslau den 9. September 1684.

An der Westseite der Kirche läuft eine Vorhalle mit holzgeschnitzten Pfeilern hin, dabei ein laufender 1654 vom Deutschordensritter von Knöringen zur Erquickung der Wallfahrer gestifteter Brunnen mit vortrefflichem Trinkwasser.

Außen an der Wand der Mariahilfkapelle, die ebenfalls von Johann Caspar von Stadion mit einem Kostenaufwand von 3365 Gulden erbaut wurde, sieht man einen Schild und darunter die Jahreszahl 1641. Das Klostergebäude dient jetzt als Knabenseminar; dabei ein schöner großer ummauerter Garten.

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Die Kapellen.

Die Sankt Wolfgangskapelle, jenseits der Tauberbrücke lieblich gelegen, spätgothisch, mit Dachreiter. Hübsches Westportal mit gekreuzten Stäben, die beim Bogenanfang getragen werden von zwei Brustbildern, dem eines jungen und dem eines alten Steinmetzen, jeder hält ein Spruchband, auf dem links steht: Anno domini, auf dem rechts MCCCCCX (1510). Der Baumeister hieß Jörg Mezler, sein Geselle Hanns Regwer (Auszug aus der Bürgermeisterrechnung vom Jahr 1510). Die Kapelle mit breiten jetzt leeren Spitzbogenfenstern schließt mit vieleckigem Chor und hat innen drei Altäre. Der Hauptaltar (v. J. 1859) mit einem Altarbild von Maler Hundertpfund, der linke Seitenaltar mit den 14 Nothhelfern, ganz vom hiesigen Maler Breitenbach 1865 gefertigt. Im Chor die Wappen verschiedener Deutschordenskomthure. An der Nordwand des Schiffes das steinerne Wappen des damals regierenden Deutschmeisters Johann Adelmann von Adelmannsfelden. – Ein besonderer Wohlthäter der Kapelle war der hiesige Seminardirektor Heinrich Loen, † 1. Februar 1665 in einem Alter von 84 Jahren im Hospital zu Mergentheim, der im Jahr 1660 die Kapelle wieder herstellen ließ und im Chor derselben begraben wurde. – An die Kapelle wurde 1510 zugleich ein Thorhäuslein angebaut, das die Brücke verschloß und bis Anfang des 18. Jahrhunderts bestand. Der Kapelle gegenüber wurde 1584 das städtische Schießhaus erbaut, abgerissen 1804.

Die Rochuskapelle, die kleinste unter den zur Stadt gehörigen, befindet sich in dem an der Straße nach Wachbach gelegenen großen Armenhause, wurde 1716 errichtet und enthält einen dem h. Rochus geweihten Altar.

Stattlicher dagegen, von der Größe einer Kirche, ist die Michaeliskapelle auf dem Friedhofe, sie wurde an Stelle des 1541 hier errichteten Kreuzes im Jahr 1609 in sechseckiger Grundform mit erhöhtem Mittelbau, in gothischen Anklängen erbaut und enthält in ihrem schönen geräumigen Innern auf dem Hauptaltar den Kampf des Erzengels St. Michael mit dem Drachen, ein schönes Schnitzbild mit dem Wahlspruch: „Wer ist wie Gott!“ Die Inschrift lautet: Anno Domini 1609 hat der Hochwürdig und Wolgeborne Herr Herr Marquard Freyherr zu Egk und Hungersbach, Deutsch Ordens Ritter etc., Gott und dem heiligen Erzengel St. Michael zu Ehren diesen Altar machen | lassen. – Die Kanzel wurde, laut dem noch vorhandenen Vertrag, angefertigt um 7 Gulden im Jahr 1691 von dem Mergentheimer Schreiner Adam Kreser; die Malereien daran machte der Maler Anton Fermo um 5 Gulden. Der die Kapelle umgebende große seit 1578 ummauerte Friedhof, angelegt im Pestjahre 1541, enthält viele Grabdenkmale, darunter auch manche sehenswerthe von neueren Meistern. In den Jahren 1782 und 1838 wurde er erweitert.

Von älteren Grabmälern nennen wir: in der Kirche selbst ein steinernes Monument mit einem Crucifixus, vor dem eine Jungfrau kniet; die Inschrift lautet: Anno 1635 den 16. Nov. zwischen 7 und 8 Uhr Nachmittags starb die ehr- und tugendsame Jungfrau Margaretha Breitenbach, deren Seele Gott gnädig sey.

Am Altar liegen mehrere verwischte Grabplatten, an einer sieht man noch die Jahreszahl 1630 und einen Steinbock im Wappen.

Dann außerhalb der Kirche das Grabdenkmal des Geheimraths Georg Anton von Handel, † 31. Januar 1807, und seiner Frau, geb. Freiin von Prehm, † 1806. Das des Conrad Leopold von Zobel von Giebelstadt, † 8. December 1806. Das des Bair. Geheimraths Jakob Joseph von Kleudgen, † 18. Juli 1822, errichtet im Jahr 1830. Dann steht gleich beim Eingang des Gottesackers links ein Grabstein mit folgender Inschrift: Anno 1657 den 28. April ist in Gott selig entschlafen Georg Breitenbach. Anno 1644 den 29. Juli starb Frau Martha Eiis, seine erste Hausfrau, Anno 16. . ist verschieden Barbara seine andere. Gott allen deren Seelen gnädig sein wolle.

Endlich steht eine kleine Kapelle vor dem Boxberger Thor, mit einem Crucifixus.

Von Krucifixen, Mariensäulen, Bildstöcken etc. nennen wir: Die Kreuzesgruppe an der Brücke über den Wachbach. Christus mit Maria und Johannes etwas über lebensgroß, gut gearbeitet aus buntem Sandstein, edle schlanke Gestalten, trefflich gewandet; im Hintergrunde die Weiden des Baches, davor der alte Lindengang. Am verzierten Sockel steht auf einer Tafel: Gott und der Himmelskönigin Maria zu Ehren hat Andreas Scherer Burger des Raths und Metzger dahier und Barbara seine eheliche Hausfrau dies Crucifix aufrichten lassen am 15. Juny des | Jahrs 1676. Am Sockel die Reliefbilder des h. Andreas und der h. Barbara.

Auf der andern Tafel steht: Im Jahre 1808 am 10. May hat ein hiesiger Gutthäter diese Bildnisse renoviren lassen. – Versetzt durch die Stadt 1874.

In der Nähe gleich beim Eingang in die Stadt links eine hohe Mariensäule, reich verziert im Rococostil, die Madonna lebensgroß und sehr lebendig behandelt. Am Sockel steht: SanCta DeI genItrIX MIhI soLa sIt aVXILI atrIX in omni periculo. (zusammen 1744). Am Kapitell das Stadtwappen.

Eine zweite große Kreuzgruppe steht beim oberen Thor, unweit westlich vom Friedhofe, am Sockel 1627 und ein Wappen, worauf ein Mühlrad; die Gruppe wird von einem Dach geschützt an welchem steht: Commendo tibi, Jesu Christe, hanc urbem, und von zwei Linden beschattet.

Eine dritte Kreuzgruppe steht jenseits der Tauberbrücke bei Sankt Wolfgang; die Gestalten sind stark lebensgroß aus buntem Sandstein, am Fuß des Kreuzes die Jahreszahl 1585. Die Gestalt Christi ist gut, die beiden andern sind zu kurz; hinten zieht sich ein mit Epheu ausgekleidetes Halbrund umher, worüber zwei Birkenbäume ihren Schatten werfen. Links davon sieht man in der Weinbergmauer an der Straße sechs alte Steinkreuze, auf einem davon eine Schafscheere. – Ostwärts hinter Sankt Wolfgang läuft ein Brünnlein aus alter runder Steinschale hart an der Tauber, und etwas weiter oben steht der Bildstock, den Fuhrmann Joseph Ruf von Mergentheim setzen ließ zum Andenken an seine Errettung, er rutschte nämlich am 18. Februar 1755 mit seinem schwer mit Wein beladenen Wagen in die Tauber, die zum Glück so fest zugefroren war, daß der Wagen nicht untersank.

In der Nähe der Kapuzinerkirche ein Bildstock, gegen die Stadt hin steht oben Anno 1615, dann eine Erstechungsscene in flacherhabener Arbeit, dabei steht:

Also hatt sich der leydig fall
zugetragen hir zu Mahll
Das Claus Lauer erstochen hatt
Hans Feygenbutz, dem Gott genat,
geschehen An S. georgii dag.

Gegen die Kirche hin ist der aus dem Grab auferstehende Christus mit der Siegesfahne hübsch dargestellt; auch die oben | verstümmelte Fassung mit zwei Engeln ist hübsch. – Die Inschrift heißt:

Gott zu Ehr und zu Gedächtnus fein
Hanns Feygenbutz durch die Befreunde sein
Ist disse Biltnüß Aldar
uffgericht Worden Im 1629 Jahr.

Am Schorren-Weinberg ist der Sockel eines Bildstocks eingemauert, mit folgender Inschrift: Gott und Seiner Lieben Mutter Maria zu Ehren haben Johann Mussinger Alhie und Maria Corona seine Eheliche Hausfrauw diesen Bildstokk Machen lassen. Anno 1676. – Die mit Weinreben umwundene Säule und der oberste Theil, mit Kreuzabnahme, befinden sich zerstreut in demselben Weinberg.

Ein Bildstock, worauf der kreuztragende Christus überlebensgroß, steht hinter dem Bad, laut Inschrift gestiftet von Johann Christoph Rhodius und seiner Frau 1725.

Der Bildstock beim Hofgarten, unweit der Tauber, gegen den Johannissteg, erinnert an den unglücklichen Sturz vom Pferde, den der damalige Commenthur zu Mergentheim Albrecht von Gebsattel im Jahr 1461 erlitt und der seinen augenblicklichen Tod zur Folge hatte. Derselbe wurde an Stelle eines gleich nach dem Tod gesetzten errichtet im Jahr 1577. Oben ist das Bild der Kreuzigung, dabei die Jahreszahl 1577.

Die steinerne Bildsäule des Nepomuk am nahen Taubersteg trägt am Sockel die Jahreszahl 1761.

Der St. Urbanusbildstock im vorderen Katzenberg. In der Nacht vom 25. Mai 1743, heißt es, am Skt. Urbanstag, war der Weinstock erfroren. Dieses nahmen die Häcker (Weingärtner) ihrem Patron Skt. Urban so übel, daß sie bei einer an diesem Tage abgehaltenen Prozession dessen mit herumgetragene Statue beim Vorbeiziehen an der Wette mit den Worten hineinwarfen: „Du hast uns den Wein erfrieren lassen, so saufe nun auch wie wir Wasser“. Sie wurden für diesen Unfug hart bestraft und soll auch der Bildstock sich von hieher datiren.

Der h. Michael an der Straße nach Wachbach. Auf einer schlanken Säule steht das Bild des Erzengels; darunter eine Inschrift, wonach dieselbe von Johann Michael Ehrhardt, Hofmetzgermeister zu Mergentheim, im Jahr 1750 gestiftet wurde.

Die israelitische Synagoge wurde 1838/39 neu erbaut.

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Andere städtische Gebäude.

Das Rathhaus, ein tüchtiger steinerner Bau an der Südseite des Marktplatzes, mit Steinkreuzfenstern und zwei Staffelgiebeln mit Muscheln an den Schmalseiten, wovon eine gegen den Marktplatz gerichtet ist; hier steht in der obersten Muschel H. L., die Anfangsbuchstaben des Namens des Baumeisters und dazwischen sein Zeichen, ferner die Jahreszahl 1564, das Jahr der Erbauung. An der Südseite steht ganz oben wieder dieselbe Jahreszahl und unten ist eine steinerne Tafel angebracht folgenden Inhalts: Wolffgang Schutzber Genanndt Milchling Administrator des hochmeisterthums in Preussen etc. Brobst und her zu Elwangen hat regirt Ain und zwentzig Jar u. s. w. Anno domini 1563. Dieser erbaute das Rathhaus und gab es für 99 Goldgulden oder 155 fl. rh. jährlich der Stadt für ewige Zeiten in Pacht. Im Innern des sehr geräumigen Gebäudes befindet sich auch die sehenswerthe Adelsheimische Alterthumssammlung (s. u.).

Als Schulhaus (Volksschule) dient das frühere Dominikanerkloster mit 7 Lehrzimmern, einer Lehrerwohnung, nebst Wohnung der Schulschwestern. Für die Latein- und Realschule besteht ein besonderes im Jahr 1752 errichtetes Gebäude, ganz in der Nähe der Dominikanerkirche. An ihm steht: Lyceum Mergentheimense, und eine kleine Steinskulptur, Christus am Kreuz, mit der Jahreszahl 1698.

Ein Bürgerspital für 40 Pfründner und 12 Waisenkinder besteht; er liegt nördlich neben der Stadtpfarrkirche und ist schon eine Stiftung des Grafen von Nellenburg im Jahr 1340, wie noch jetzt ein Stein vorweist, der jetzt eingemauert ist am Spitalgebäude, der Judengasse gegenüber, darauf sieht man nebst dem vereinigten Wappen Nellenburg-Deutschorden, die Inschrift: Im Jar des Herren 13.40 Hat Herr Wolffgang Grave Von Nellenberg Meister Teutschordens angefangen Gestifft disen spital. Dem Gott gnedig.

Diesen Bau ließ Deutschmeister Heinrich von Bobenhausen im Jahr 1579 erneuern, wie noch gegenwärtig oberhalb der Thüre im Spitalhof sein Wappen nebst folgender Inschrift zu sehen ist: In dem Jahr nach Christi Geburt 1579 ist dieser steinerne Stock des Spitals durch Herrn Heinrich von Bobenhausen, | Administrator des Hochmeisterthums etc. wieder erneuert und verbessert worden.

Schon im Jahr 1411 wurde sodann durch die Mildthätigkeit der Agnes Schreiberin, einer reichen Bürgersfrau dahier, ein neuer Bau samt Kapelle gegen den Gänsemarkt hin errichtet, und 1598 durch Deutschmeister Franz Ludwig abgebrochen und schöner wieder aufgebaut, an dem gegen die Johanniskirche herausgehenden Hauptportal, mit zungenausreckender Schlußsteinmaske, sieht man auf das Reichste gefaßt sein Wappen, darüber die h. Elisabeth, Arme speisend, die Inschrift lautet: unter Franz Ludwig ist dieser Bau geführet und vollendet worden. Im Jahr 1712 wurde sodann der gegen das Stadtpfarrhaus hinausschauende Flügel errichtet und so der ganze Complex als Viereck mit Hof abgeschlossen; ein theilweiser Neubau fand dann wieder 1771–72 statt, wie man an folgender Inschrift, samt Wappen, über dem Haupteingang ersieht: Unter glorwürdigster Regierung des hochw. durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Herrn Carl Alexander, Hertzogen von Lothringen und Baar, Königl. Hoheit, ist dieser Bau aufgeführt und neu errichtet, auch durch milden Zufluß des weyl. Herrn Hofkammerrath Theodorici Öhningers vermehrt worden Anno 1772.

Die an der Südostecke des Spitals gelegene zu ihm gehörende Spitalkirche zum h. Martin wurde im Jahr 1740/41, nach welchen Jahren man das alte im Spitalhof stehende Kirchlein abbrach, mit Benützung des sogenannten Quartalkirchleins, unter dem ein Ossarium, aufgebaut. Einschiffig mit vieleckiger, unten runder und alter Chornische wirkt es in seinem Innern mit seinen reichen Stuckaturen und Deckenfresken, laut Inschrift von Joseph Gru 1741, sehr freundlich ansprechend. Die Kirchenbänke sind gut geschnitzt im Zopfstil, im selben Geschmack sind die mit Ölbildern und Statuen geschmückten drei Altäre gehalten. Der Hauptaltar trägt die Holzstatue des Patrons, des hl. Martin (s. u.). Auf der mit Pilastern besetzten Westfront ein Thürmchen mit zwei Glocken, und an der Südseite des Kirchleins in einer Eselsrücken-Nische das frühgothische, schwerfällige Steinbild einer Madonna mit Kind.

Die Baurechnung über das Spitalkirchlein ist noch erhalten und geben wir hierüber das Wichtigste:

Dem Werkmeister Kirchmaier, für Abbruch des alten Dachstuhls im Quartalkirchlein und Veränderung desselben, samt Thurm und Emporkirchen zu machen, 170 Gulden.

| Dem Bildhauer Grunbach für das Bild Sankt Martinus und das Aug Gottes samt 2 Figuren 80 Gulden.

Dem Marmorirer Scheidhauf für den Hochaltar von grau und weißem Marmor (Gypsmarmor) 320 Gulden.

Dem Maler Hohl dahier für Fassung und Vergoldung der Figuren des Hochaltars 86 fl. 30 kr.

Dem Maler Gru aus Verona für Freskomalerei am Gewölb und den 4 Eck 65 fl.

Demselben für zwei Altarblätter (an den Seitenaltären) Conceptio und . . Angelus 40 fl.

Alles zusammen kostete 2202 fl. 27 kr.

Die westlich vom Spital gelegene Spitalscheuer trägt an einem Eingang die Jahreszahl 1579, das Wappen des Hoch- und Deutschmeisters Johann Caspar von Ampringen und folgende in Stein gehauene Inschrifttafel:

1671. In während . alhisiger . Hospital . Verwaltung . Johann . Wolfgang . Falckners . ist. gegenwertiger . Scheyren . und . Keller . Bauw . aufgericht . und . verfertiget . worden.

Das Karolinische Kranken- oder Ehehaltenhaus, gestiftet 1764 vom Deutschmeister Karl Alexander von Lothringen, auf der Nordseite der Stadt.

Das große und das kleine Armenhaus, außerhalb der Stadt an der Straße nach Wachbach; das große, das schon im 15. Jahrhundert bestand, wurde 1716/20 mit Beifügung der Rochuskapelle neu erbaut, das kleine, auch Siechenhaus und Lazareth, wurde 1674 und zwar meist auf Kosten der Stiftung des großen errichtet.


b. Dem Staat gehören folgende Gebäude:

Das frühere Deutschmeister-Schloß, seit 1868 Kaserne für ein Bataillon Infanterie, liegt an der Ostseite der Stadt, ihre einstige großartige Citadelle bildend, und ragt noch jetzt mit seinen Thürmen und Dächern hoch und mächtig empor. Ordenskanzler Spieß († 1555) sagt: „Im 1252 Jar, als ledig gestanden sind das Pabstthumb und Kayßerthumb, ist die Kirch und Schloß zu bauen angefangen worden.“ – Von dieser ältesten Anlage erhielt sich über dem Boden außer dem Unterbau | einiger Thürme nichts mehr; der Bau des jetzigen Schlosses fällt ganz in die Renaissancezeit und schon 1524 wurde die berühmte Wendeltreppe (s. u.) aufgebaut. Ein durchgreifender Umbau, oder besser gesagt Neubau, geschah dann unter dem Deutschmeister Heinrich von Bobenhausen, vom Jahre 1572 an, damals wurde das Schloß im Ganzen und Großen, wie es jetzt steht, vollendet. Im Jahr 1777 befahl sodann der Deutschmeister Karl Alexander von Lothringen, den ganzen dritten Stock des Schlosses neu herzurichten, was durch Baudirektor Bagnato von Altshausen 1778 angefangen, aber erst im Jahr 1782 unter dem Deutschmeister Max Franz von Österreich fertig wurde, daher in dem noch erhaltenen schönen Kapitelsaal die Ölbilder dieser beiden Deutschmeister hängen. Vom Jahr 1827 bis 1860 war das Schloß die Residenz des Herzogs Paul von Württemberg, der seine höchst werthvollen und ausgedehnten Naturalien- und ethnographischen Sammlungen darin ausstellte (s. u.).

Betrachten wir nun das Schloß genauer. Von der Stadt, die Burggasse herabkommend, sehen wir es als gewaltige Masse vor uns aufstreben, über die der sog. Blasenthurm noch höher emporsteigt. Ein breiter tiefer gemauerter Graben trennt die ganze Schloßanlage von der Stadt, und eine zweibogige steinerne Brücke, an deren Beginn auf jeder Seite ein steinernes Schilderhäuschen steht, führt hinüber zum Thorbau, der sich etwa in der Mitte der Front der Schloßanlage befindet; zu seiner Rechten (vom Beschauer aus gesprochen) steht das Schloß, zur Linken das ehemalige auch großartige Archivgebäude.

Der Thorbau selbst zeigt schon reiche Renaissanceformen und endigt in vier verzierte Steingiebel, auf jedem von welchen ganz oben ein Engel liegt; schöne Blechdrachen ragen an den vier Ecken hinaus und zwischen den Giebeln trägt eine Kuppel ein rundes Thürmchen. Unten gehen durch zwei Stockwerke hinauf, neben dem weiten halbrunden Thorbogen, Doppelsäulen, je mit einer Muschelnische dazwischen; die Säulen sind toskanischer Ordnung, der Untertheil der Schäfte mit Renaissancediamanten u. s. w. besetzt. An der Innenseite des Thorbaues, gegen den Hof hin, stehen im zweiten Stock zwei Karyatiden, Mann und Frau, und dazwischen war früher das jetzt weggespitzte große Deutschordenswappen.

| Von diesem Thor aus führt rechts hin der Weg zum Schlosse und zum eigentlichen Eingang, der Thorfahrt. Über seinem Bogen prangt, großartig und wundervoll aus Sandstein gearbeitet, das von zwei Greifen gehaltene riesengroße Wappen des Deutschmeisters Maximilian Erzherzogs von Österreich.

Durch den Thorweg gelangt man in den zweiten Hof, der uns die inneren Seiten des Schlosses mit einfachen Steinkreuzfenstern zeigt; aber in drei Ecken, gegen Nordwesten, Südwesten und Nordosten, erheben sich steinerne Wendeltreppen, von denen die beiden ersten (nach Lübke, Geschichte der deutschen Renaissance S. 468) zu den größten Prachtstücken unserer Renaissance gehören. Die in der nordwestlichen Ecke zeigt „in der Spindel und den tauförmig gewundenen schlanken Säulchen, welche sie stützen, noch die Herrschaft mittelalterlicher Formen, aber das prachtvolle Ornament von Ranken, Köpfen u. s. w., das in geistvoller Zeichnung und meisterlicher Ausführung die ganze Unterseite der Treppe bedeckt, trägt das Gepräge der Renaissance“; man sieht in das Rankenwerk hinein verflochten Adler, Engelchen, Kaiserköpfe, Pferdchen, Vögel, Fratzen und Anderes und ganz oben an der Treppe die Jahreszahl 1524. Bei der zweiten in der südwestlichen Ecke aufsteigenden Wendeltreppe tritt das Mittelalter noch mehr hervor: „ihre Spindel ist ein kraftvoller runder Pfeiler, um den sich in wunderbar reicher Verschlingung ein markig profilirtes Rippengewölbe emporwindet. Man könnte auch diese Arbeit für eine mittelalterliche halten, wenn nicht an den Fußpunkten und den Durchschneidungen der Rippen lauter kleine Schilde (leider übertüncht) mit keck aufgerollten und zerschnittenen Rahmen angebracht wären.“ Eine dritte engere und einfachere Wendeltreppe steigt in der Nordostecke hinauf, und eine vierte erhebt sich außen an der Nordwestecke des Schlosses, in der Nähe des Thores, und tritt als runder Treppenthurm in den Graben vor.

Im Schloßhof stehen zwei laufende Brunnen, jeder mit je drei Speimasken an der Brunnensäule; auf einer das Standbild des Deutschmeisters Stadion, auf der andern das des Komthurs Eck. – Die Schloßkirche, deren Portal an der Ostseite des Schloßhofes liegt, wird sofort besprochen werden. Außerdem bietet das Schloß innen und außen nichts bemerkenswerthes mehr, als im Innern den schon oben genannten früheren Kapitelsaal aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts; am Äußern einen schönen Renaissancegiebel gegen Norden und | den sehr hohen Blasenthurm an der Westfront, mit seiner großen schmideisernen Uhrentafel mit der Jahreszahl 1620. Dieser Thurm wurde schon im Jahr 1545 neu mit Schiefer gedeckt und mit Vergoldung geziert. Die anderen Thürme, die um das Schloß standen, sind bis auf den nordöstlichen Thorthurm verschwunden, darunter der Überreitersthurm, Taubenthurm, Faulthurm, Weißerthurm. Zwölf Thürme standen im Ganzen um dasselbe. Links vom Thoreingang steht das frühere Archiv mit reichen, mit verzierten Pilastern besetzten Renaissancegiebeln und einem sehr hübschen Portal, eingefaßt von auch mit Blumenwerk verzierten Pilastern und Hermen mit gekreuzten Armen, oben das Wappen des Erbauers, des Deutschmeisters Georg Hund von Wenkheim. Dieses Portal bildet den Eingang zu einer steinernen Wendeltreppe mit gothischer Spindel. Das Gebäude ist theilweise mit feuerfesten Gewölben versehen und bewahrte, 1774/1800 durch Deutschmeister Max Franz bedeutend erweitert, das Hauptarchiv des ganzen deutschen Ordens. Sein Inhalt befindet sich jetzt größtentheils im Schloß zu Ludwigsburg.

Der ganze Schloßkomplex bildet, wie der Stadtbauplan zeigt, etwa ein unregelmäßiges Fünfeck, das im Osten in lange Ökonomiegebäude zerstreut ist, und gegen Norden oder vielmehr Nordwesten strecken sich langhin jene ziemlich niedrigen Steinbauten, wo jetzt das K. Oberamt, ehemals Rentamt, und das K. Oberamtsgericht, ehemals Marstall, untergebracht sind, während in dem als katholisches Seminar 1606, auch ganz aus Stein, errichteten Bau gegen Nordosten das K. Kameralamt sich befindet.

Im Seminar war auch die sehr reichhaltige deutschmeisterische Bibliothek aufgestellt und bis zu ihrer Aufhebung aus den Mitteln des fürstlichen Rentamts vermehrt, zum Theil auch durch Geldbeiträge neuangestellter Räthe; im Jahr 1790 wurde sie durch die von Ellingen herübergebrachte bedeutend vergrößert (vergl. Bundschuh, Lexikon von Franken. Bd. 3. S. 570). Diese Büchersammlung wurde im Jahr 1810 die Grundlage der neuerrichteten K. Handbibliothek in Stuttgart. Von Handschriften vor 1500 besaß sie gegen 50, worunter mehrere altdeutsche. Nicht ganz die Hälfte derselben ist auf Pergament geschrieben. (Vgl. Stälin in den Württ. Jahrb. 1837). Im Jahr 1784 schenkte Hoch- und Deutschmeister Max Franz seine Privatbibliothek, sowie die Duplikate der kurfürstlichen Bibliothek zu Bonn, später erhielt dieselbe durch Erkaufung der Privatsammlungen des Hofkammerraths Weiskirch, des Stadtpfarrers | Mark, durch Vermächtnisse von Ordensrittern und Priestern, durch die Bibliothek des 1805 aufgelösten Dominikanerklosters, durch das von Erzherzog Max Franz Landkommenthur in Franken gemachte Geschenk des Restes der Privatbibliothek des verstorbenen Hoch- und Deutschmeisters Max Franz so bedeutenden Zuwachs, daß sich im Mai 1809 der gesammte Büchervorrath auf gegen 40.000 Bände belief, darunter bei 5000 Bände Duplikate. (Breitenb. Chr.)

Rechts vom Kameralamt steht noch ein alter Thorthurm mit spitzbogigem Durchgang. Die hohen Wälle, Schanzen und tiefen breiten Wassergräben, welche den Schloßkomplex gegen Norden, Osten und Süden deckten, wurden vom Jahr 1778 an abgetragen und eingefüllt, doch erhielten sich noch bedeutende Reste in dem östlich sich ausbreitenden, in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter Hofgärtner Häller angelegten herrlichen Schloßgarten, dessen großartige Baumwipfel jetzt so hoch als die Ordensburg heraufgewachsen sind. Auch im äußeren weiten Schloßhof stehen prächtige hochragende Bäume, besonders Linden. Auf einem Inselchen lag früher das Entendörfchen, eine Stadt samt Kirche im Kleinen für die wilden Enten. Der schöne Blumengarten samt dem Gewächshaus, an der Südostseite des Schlosses, besteht seit 1804; das an der Igersheimer Straße stehende chinesische Häuschen seit 1802.

Die einst der hl. Jungfrau, dem hl. Georg und der hl. Elisabeth geweihte sehr geräumige Schloßkirche dient jetzt als evangelische Kirche. Im Jahre 1730 befahl Deutschmeister Franz Ludwig, Herzog von Pfalz-Neuburg, die baufällig gewordene Schloßkapelle abzubrechen (man begann mit dem Abbruch am 14. Juli 1730) und durch die jetzige in noch stattlicheren Verhältnissen aufgeführte Schloßkirche zu ersetzen, zu welchem Zweck zuvor der Schloßgraben eingefüllt werden mußte. Unter seinem Nachfolger Clemens August, Herzog von Bayern und Erzbischof von Köln, wurde die im Jahr 1735 vollendete Kirche, bei Gelegenheit eines Großkapitels und unter Assistenz des Weihbischofs von Würzburg, mit großer Pracht und Feierlichkeit am 29. September 1736 eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich auf 57.320 Gulden. Über dem Hauptportale steht folgende Inschrift:

Clemens Augustus successor principali zelo perfecit atque absolvit quod Franciscus Ludovicus antecessor feliciter coepit.

| Die gegen Abend gerichtete Fassade zeigt neben dem großen Eingangsportal zwei kolossale Zopffiguren, den heiligen Georg und die heilige Elisabeth, die auf breiten Konsolen stehen; oben im Giebel sieht man in einer Nische groß in Stein gehauen Maria mit dem Kinde auf der von einem Drachen umringelten Weltkugel stehend, eine tüchtige Rococoarbeit. Am Beginne des hohen sich schön herausrundenden Chores erheben sich zwei stattliche Thürme mit großen Schallfenstern; auf dem nördlichen hängen vier Glocken, die ein herrlich harmonisches Geläute geben. Kirche und Thürme sind solid aus Sandstein erbaut. Auf der größten Glocke steht die Inschrift:

Fusa Maria vocor, per me mala pellitur aura, Laudo deum verum, sathanam fugo populumque Convoco. Anno 1659. Ferner: Leopold Wilhelm, Erzherzog zu Österreich, Meister Teutschordens; Augustin Oswald von Lichtenstein, Landkomenthur der Balley Westphalen, Statthalter zu Mergentheim, Teutschordens Ritter; Johann Friedrich von Wingarden, Haus-Komenthur zu Mergentheim, Teutschordens Ritter; Johann Adolph Rau von Holzhausen, Trappirer, Bau- und Kuchen-Meister, Teutschordens Ritter.

Auf der zweiten Glocke steht:

Gloria patri et filio et spiritui sancto. Anno 1659. A solis ortu usque ad occasum laudabile nomen domini. Psalm. 114.

Auf der dritten Glocke steht:

Ave maria gracia plena dominus tecum. benedicta tu in mulieribus (letzteres abgekürzt) anno domini MCCCC und im XII iar.

Auf der vierten Glocke steht:

Sit nomen domini benedictum in secula. A fulgure et tempestate libera nos, domine Jesu Christe; ferner ein Vers aus Psalm 150: Laudate dominum in cymbalis bene sonantibus, laudate eum in cymbalis jubilationis, omnis spiritus laudet dominum. Bungler et Arnold me fecit Anno 1659. – Auf Glocke 2 und 4 stehen auch die oben bei 1 schon angeführten Namen von Deutschherren.

Das Innere, ein hoher, weiter, lichter Raum, überrascht durch seine Stuckaturen und riesengroßen Fresken, ein Bild an der Decke des Schiffes, das zweite an der des etwas schmäleren Chores. Das an der Schiffdecke gibt in einer Masse von Figuren, zum Theil in schweren Farben, die Verherrlichung der | römisch-katholischen Kirche auf Erden und im Himmel, dabei steht der Namen des Malers Ni. Stuber 1735. Am Chorgewölbe erscheint der Sieg des römischen Kaisers Konstantin über seinen Gegner Maxentius, dabei Nicolo Stuber 1734.

Außerdem schmücken die Kirche drei große Rococoaltäre; im Hauptaltar sieht man das große tüchtige, leider restaurirte Tafelbild, die Salbung in Bethanien, angeblich gemalt in Rom 1684 von Matthäus Zehender, einem geborenen Mergentheimer (s. u.). Es soll sich bis zum Jahre 1817 in der Dominikanerkirche befunden haben, wogegen das auf dem Hochaltar der Schloßkirche befindliche Bild im Jahr 1810 nach Stuttgart und später auf den Hochaltar der Pfarrkirche zu Rottenburg a/N. kam. (Nach der Oberamtsbeschr. v. Rottenb. S. 124 ist das Gemälde, die Geburt der Maria vorstellend, aus der venetianischen Schule von Bambini). Die beiden Tafelbilder auf den Seitenaltären, die Kreuzabnahme und heilige Elisabeth, jedes von einem andern Maler, kamen im Jahr 1735 ebenfalls aus Rom; namentlich schön ist das der hl. Elisabeth, weich und zart in der Farbe, schlank in den Formen, an Correggio gemahnend.

An der linken Wand des Schiffes steht sodann ein schön aus Sandstein von Professor Wagner in Stuttgart gefertigtes Steinbild in gothischer Fassung, Denkmal des Gründers der Kirche, Heinrich von Hohenlohe † 1249, gestiftet 1855 von Heinrich von Hohenlohe-Kirchberg. Die Inschrift lautet:

Memoriae Heinrici de Hohenlohe domus S. Mariae Theutonicorum praeceptoris in Alemannia, postea generalis magistri in Prussia, denati Mergenthemii anno 1249, viri fortissimi, religiosissimi, de Germania optime meriti, – Heinricus de Hohenlohe Kirchberg F. C. anno 1855.

Die reich verzierte Rococokanzel prangt mit den vergoldeten Reliefs der vier Evangelisten; die gut geschnitzten Chorstühle haben denselben Stil. Rechts führt vom Chor aus eine Pforte in die runde, im südlichen Thurm sich befindende Sakristei, mit hübscher Stuckdecke, links eine Pforte zu einer Treppe, auf der man hinabgelangt in die Gruft, die von reich stuckirten flachen Gratgewölben übersprengt wird. In derselben stehen an der Südwand zwei Grabmäler in Sandstein: eines im Renaissancestil; oben in der Lünette sieht man Gott Vater, Sohn, heiligen Geist, und Engelchen, unten kniet der Ritter vor der Madonna, vor ihm groß das Westernach’sche Wappen, an den Pilastern je vier Wappen der Ahnen, unten die Inschrifttafel:

| Anno domini 1627 den 25. Monats Octobris Ist in Gott Seeliglich Entschlaffen der Hochwürdigist Fürst Und Herr herr Johann Eustachius Von Westernach, Administrator deß Hochmaisterthumbs in Preussen, Maister Teutsch Ordens in Theutsch undt Wälschen Landen, Herr zue Freudenthal und Eulenberg etc. Deme Und allen Christglaubigen Seelen Gott barmhertzig Und an Jenem Großen Thag ein fröhliche Aufferstehung Verleyen Wolle. Amen. Dero Alters Im 82. Jahr. Seiner Regierung im drith Jahre.

Es ist dies derselbe, der laut Inschrift den sog. „Westernachschen Bau“ im Jahre 1591 auf der Ordensburg Kapfenburg errichtete (s. Oberamtsbeschreibung von Neresheim S. 325 f.).

2. Ein spätgothisches mit prächtigem Laubwerk und der Gestalt des Ritters geschmücktes Denkmal; die nicht mehr ganz leserliche Umschrift in Minuskeln lautet:

[Anno 1508] die Jovis tertia decima Januarij obiit venerabilis ac generosus dominus Georgius comes et dominus [in Henneberg], commendator in Mergentheim ordinis Theutunicorum. Cuius anima requiescat in pace. Amen.

An der westlichen Wand der Gruft stehen folgende Grabmäler:

a. Eine fast ganz zerfressene Sandsteinplatte mit dem Hohenlohischen Wappenschild (kleinem Schild mit zwei Leoparden) und der zum Theil zerstörten Umschrift in lateinischen Majuskeln:

Anno domini 1269 .... Calendas Maii frater Andreas de Hoenloch, huius domus fundator et solidae virtutis amator. cuius anima Deo vivat.

b. Ein Ritter kniet auf einem Löwen vor dem Gekreuzigten, oben sein großes Wappen, unten die Inschrift:

IX tag des Monats Februar ist der Hochwürdigst first Wolffgang Schützsper, genannt Milchling, Administrator des Hochmeisterthumbs in Preussen, Meister Teutsch Ordens in Teutschen und Welschen Landen, probst und Herr zu Elwangen in gott Christlich verschiden. Des selen der almechtig gnedig und barmherzig sein wölle. Christlich, loblich und wol bis in das 23. Jahr regiertt. Oben an seinem Wappen steht die Jahreszahl 1562.

c. Ein Ritter kniet auf einem Löwen vor einem Crucifix, der Helm vor ihm; auf dem, von zwei kanellirten korinthischen Säulen getragenen Friese steht: Sicut in Adamo omnes moriuntur, ita et in Christo omnes vivificabuntur. Die Unterschrift lautet:

| In dem Jar des herrn 1572 den 17. tag Junii starb der Hochwürdigist Fürst und Herr her Georg Hund von Wenckhaim, Administrator des Hochmeisterthumbs in Preussen, Meister Teutsch Ordens in teutschen und welschen Landen, seines Regiments 6 jar 4 monat. Deren Selen Got gnedig sein welle. Amen.

An der Nordwand befindet sich ein neues Denkmal, mit dem Wappen der Hohenlohe und der Inschrift:

Im Jahr 1269 starb den 25. October (?) Bruder Andreas von Hoenloch, dieses Hauses Gründer. Ein Mann ächtritterlicher Tugend. Gott habe seine Seele gnädig. Erneut in dem Jahr unseres Herrn Jesu Christi 1854 auf Geheiß von Heinrich, Prinzen zu Hohenlohe-Kirchberg. Entworfen und verfertigt von F. Th. Pfeiffer in Wertheim.

Früher befand sich hier auch das schöne Erzdenkmal Walthers von Cronberg, jetzt in der Dominikanerkirche (s. S. 328).

Nach Akten des † Oberamtsarztes Dr. Bauer war in der Gruft auch ein Grabdenkmal des 2. Decemb. 1649 gestorbenen Hans Wolfgang von Partenheim, Vice-Statthalter zu Mergentheim, Rathsgebietiger der Ballei Franken, Kommenthur zu Virnsberg.

Die einstimmige Überlieferung meldet von drei 1219/1220 in den Deutschorden eingetretenen Brüdern von Hohenlohe, Heinrich, Friedrich und Andreas, daß sie zu Mergentheim begraben seien.

Heinrich des Hochmeisters Grabdenkmal gieng im Jahr 1730, bei der Niederreißung der alten Schloßkapelle zu Grunde, von einem Denkmal Friedrichs wird nirgends etwas erwähnt. Sonst werden als in Mergentheim gestorben und meist in der Schloßkapelle begraben, aufgezählt: Hartmann von Heldrungen, Hochmeister, † 1282; Kunrad von Nürnberg, Landmeister in Deutschland, † 1264; Werner von Battenberg, Deutschmeister, † 1273; ebenso Johann von Nesselrod, † 1303, Philipp von Bickenbach, † 1375, Johann von Hayn, † 1379, Konrad von Rüd, † 1382. Ferner Gottfried von Brauneck, † 1315, der, wie ausdrücklich bemerkt ist, bei Vater und Großvater im Chore beigesetzt wurde. (S. Mergentheimer Miscellen, von H. Bauer, in Zeitschrift des hist. Vereins für das wirtemb. Franken, B. III, H. 1 S. 30 ff.)

Ferner Martin von Gebsattel, Deutschordens-Komenthur zu Mergentheim, † 24. März 1435, und Albrecht von Gebsattel, Deutschordens-Komenthur zu Mergentheim, † 1461.

| Außerdem noch 3 Schwestern, Agnes, Lucia und Katharina von Hardenstein im 13. Jahrhundert.

Nach den noch vorhandenen Baurechnungen wurde an Stelle der ganz alten Schloßkapelle in dem Jahre 1599/1600 eine neue Schloßkapelle erbaut. Zwei Steinmetze übernahmen den neuen Schloßkapellenbau aus und über den Grund 3 Stockwerk hoch uffzumauern und zu wölben, alle Werkstück zum ganzen Bau, als Fenster, Thüren, Bögen, Gesimse, die Schnecken etc. zu hauen, alles um 5711/2 Gulden. Zum Decken des Daches des Langhauses der Schloßkapelle brauchte man 4600 Breitziegel, zum Chor 3400, von Solenhofen und Ellingen holte man Marmelsteinplatten, Tuffsteine von Löffelstelzen, der Maler erhielt 30, der Glasmaler 100 fl. Alles zusammen kostete 5427 fl.

Im Nordflügel der äußeren Schloßgebäude sind, wie schon oben bemerkt, das k. Oberamt, Oberamtsgericht und Kameralamt mit allen dazu gehörigen Gelassen eingerichtet.

Endlich nennen wir noch das schöne, im Norden der Stadt gelegene Bahnhofgebäude.

Von Privatgebäuden sind neben sehr ansprechenden, erst in neuester Zeit erbauten, verschiedene alterthümliche hervorzuheben, von denen ein Theil auf dem Marktplatze steht; seine gegen Norden schauende Seite enthält, wie schon gesagt, das im Jahr 1564 erbaute Rathhaus, an der gegen Osten schauenden Seite des Platzes stehen einige alte Gebäude: nahe beim Rathhaus ein Haus mit großer Muschel im Eingang, es endigt in einem Renaissancegiebel, woran die Jahreszahl 1593 und das Zeichen des Baumeisters; an den Seiten ist das Haus auch ganz von Stein und mit tüchtigen Renaissancefenstern. Dann die Kobersche Apotheke mit geschnitztem Kopf im Giebel und schönen Schmideisengittern in den Rundbogen des Erdgeschosses; auf den beiden Schlußsteinen steht zusammen die Jahreszahl 1751. Auf derselben Seite das Sulzbacherische Haus, gefaßt von zwei reichen korinthischen Pilastern, etwas einfacher die Post. Ähnlich, nur reicher sind die beiden vornehm aussehenden und sehr stattlichen Häuser an der nach Süden schauenden Seite des Marktplatzes, das Röserische Haus, mit J. R. 1808 am Schlußstein, und die Apotheke von R. v. Rom, beide durch einen steinernen, von zwei Säulen geschmückten Thorbogen verbunden, daran am Schlußstein R. V. (renovirt) 1851. Am Hinterhäuschen des Rom’schen Hauses steht 1780.

| Dem Lyceum gegenüber steht ein Eckhaus, größeres Holzhaus, „zum Blumenstock“, am Eckbalken mit den in Holz geschnittenen noch gothisirenden Gestalten des h. Wendelin und der h. Katharina, darunter die Brustbilder der Erbauer und die Inschrift: Wendelinus Keller 1667 Jahr den 22. August aufgericht. Elisabeth Kathrina Kellerin 1667 Jahr.

Nicht weit davon, auf der andern Seite, unweit des Rathhauses, steht ein schönes, steinernes Renaissancehaus mit oben abgetragenem Giebel, jetzt im Besitze des Sattlers Schellmann. Innen im Hof überrascht uns ein sehr reiches figurirtes Renaissanceportal mit kanellirten korinthischen Säulen; von ihm aus führt eine schöne steinerne Wendeltreppe durch das ganze Haus hinauf; im Haus noch eine stuckirte Decke. Dasselbe gehörte einst dem Kanzler Leonh. Kirchheimer († 1609), dem für diesen Hof eine Brunnengerechtigkeit – der Brunnen läuft noch – verliehen wurde; das Dokument ist im Besitz des jetzigen Hauseigenthümers. Ein Vorbau des Hauses neben dem Portal ruht zierlich auf einer toskanischen Säule; dieselbe steht ohne Zweifel an Stelle einer korinthischen, weil ein großer korinthischer Knauf samt verziertem Renaissancepostament sich noch im Keller vorfindet, daselbst auch eine jonische Säule. Neben diesem Haus steht eines mit kräftigem Rundbogeneingang und großartiger Löwenmaske im Schlußstein und mit hübschen Schmideisengittern.

Weiter steht in der Mühlwehrgasse, links beim Herausgehen ein großes, sehenswerthes Renaissancehaus, dreistockig mit steinernen Sprossenfenstern und hohem, keckem, mit jonischen Pilastern verziertem Renaissancegiebel, ganz oben ein Ritterlein mit Schild. Ganz in der Nähe ein zweistockiges Häuschen mit hübschen kanellirten Pilastern und dem h. Florian: S. Florianus intercedat pro nobis.

Zu nennen ist noch gegenüber dem Anbau an der Johanniskirche ein hübscher Hauseingang mit schönem, messingenem Thürklopfer, Kopf mit Schlange, oben in reich stuckirter Nische der etwa lebensgroße heil. Joseph mit dem Christkinde, dann eine gar liebliche, steinerne Madonna am Hause des früheren Stadtschultheißen Ruf. Endlich der große, lange, sehr stattliche, mit reichem Portal versehene, frühere Schönthaler-Hof oder Probsthof, mit profanirter Kirche, jetzt Bierbrauerei (siehe auch unten). Der ehemalige, bei der Stadtpfarrkirche gelegene, umfangreiche Johannitterhof bietet gar nichts Bemerkenswerthes.

| Sehr der Erwähnung würdig sind dagegen die beiden großen, steinernen Brunnen, einer, der alte, auf dem Platz nördlich vom Rathhaus, mit dem Steinbild des Deutschordensmeisters Schutzbar, der andere auf dem Platz südlich vom Rathhaus, in gothischem Stil, neu, etwa 40 Fuß hoch, und elegant ausgeführt in rothem Sandstein, und mit der schönen Statue der Madonna mit dem Kinde geschmückt; am Brunnenstock die Jahreszahl 1855.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 12 laufende und 13 Pumpbrunnen; unter den laufenden sind einige davon Kunstbauten (s. o.). Eine Wasserleitung aus dem Wachbach in eisernen Röhren mit Hydranten für Feuerlösch- und Reinigungszwecke besteht.

In den Niederungen sind die Quellen häufig, die bedeutendsten sind die beim „Eisenberg“, die gefaßt wurden und der Stadt und dem Staat reichlich Brunnenwasser liefern.

Über das Bad siehe unten.

Im Schloßgarten waren früher zwei Seen, die nun nach ihrer Trockenlegung zu Wiesen und Anlagen verwendet wurden. Die Tauber und der Wachbach treten zuweilen aus, doch ohne erheblichen Schaden zu thun.

Staatsstraßen gehen von hier nach Heilbronn, Würzburg und Tauberbischofsheim; Vizinalstraßen nach Neunkirchen, Stuppach, Wachbach, Löffelstelzen und nach Boxberg im Badischen.

Über die Tauber gehen eine steinerne Brücke (s. u.), eine hölzerne und ein eiserner Steg, letzterer zum Mineralbad führend; über den Wachbach eine steinerne und eine eiserne Brücke und ein hölzerner Steg; sämmtlich von der Stadtgemeinde zu unterhalten.

Die fünfbogige, steinerne Tauberbrücke, nördlich von der Stadt, über den hier breiten und seichten Fluß führend, stammt noch aus dem Mittelalter; ihre Pfeiler sind noch mit gothischen Knöpfen geziert, an der Brüstung erhielt sich eine nicht mehr leserliche, steinerne Tafel, mit zwei Figuren und der Inschrift (nach Schönhuth):

Anno domini 1346 Kaiser Ludwig als er bei dem Teutschmeister Wolfram ist gewest, da fieng man diese Brücke an, daß sie über die Tauber soll gan, von der Stadt des teutschen Ordens, welche unsere Herren sind, Gott helf uns allen am letzten End.

| Ferner ist ein Stein eingemauert, auf dem ein Reiter abgebildet ist, mit einer auch nur noch zum Theil lesbaren Inschrift (nach Schönhuth): Anno 1540 gar dieß Wunder geschah, war das Roß wild, der Reiter hinter sich ritt über die Brücke hinab.

Auf der Brücke steht das Steinbild des hl. Nepomuk, an seinem Spätrenaissancepostament ist zu sehen die Jahreszahl 1503, und in einem Drudenfuß die Buchstaben J S B; dem Stil der Statue und des Sockels nach haben wir hier eine Erneuerung vor uns.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut, die Mittel des Auskommens bestehen hauptsächlich in Feldbau, Viehzucht, Handel und Gewerben. Von größeren Geschäften nennen wir:

Die Parketbodenfabrik von Kommerzienrath Bembé mit 35 Arbeitern.

Die Weinhandlung des Friedrich Ziegler mit einem Kellermeister und 4 Küfern.

Die Kunstmühle von Albrecht und Fischer mit 6 Gängen und 8 Arbeitern, eine weitere Kunstmühle und eine gewöhnliche Mühle mit zusammen 7 Gängen, einschließlich der Gerbgänge.

Eine Buchdruckerei mit 3 Gehilfen.

Eine Steindruckerei.

Eine Piano-, Pianino- und Harmoniumhandlung.

3 Ziegeleien in Verbindung mit Kalkbrennereien.

10 Bierbrauereien.

11 Brantweinbrennereien und

1 Essigsiederei.

An mechanischen Künstlern und Handwerkern zählt die Stadt gegenwärtig:

  Meist. Geh.   Meist. Geh.
Bäcker 16 12 Glaser 5 1
Barbiere u. Friseure 3 Gold- und Silber-
Büchsenmacher 2  arbeiter 2 1
Bürstenbinder 2 Gipser und Tüncher 4 6
Buchbinder 4 Hafner 3 2
Drechsler u. Dreher 2 1 Hutmacher 2 1
Färber 2 1 Kammmacher 2
Feilenhauer 1 Kaminfeger 1
Flaschner 4 3 Kleinuhrenmacher 5 4
Gärtner 3 Korbflechter 1
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  Meist. Geh.   Meist. Geh.
Küfer und Kübler 9 4 Schafhalter 1 3
Kupferschmide 2 Schlosser 4 5
Leistschneider 1 Schmide (Zeug- u.
Lakirer, Vergolder  Hufschmide) 5 6
 u. Maler 3 Schieferdecker 1
Maurer u. Stein- Schirmmacher 1
 hauer 18 8 Schneider 12 15
Mechaniker 1 Schreiner 12 7
Messerschmide 1 Schuhmacher 28 14
Metzger 16 10 Seiler 4 2
Mühlenbauer 1 1 Seifensieder 3 1
Musiker 9 Seckler 4 1
Nagelschmide 1 Siebmacher 1
Näherinnen, Putz- Wachszieher 2 2
 macherinnen u. Wagner 6 2
 Büglerinnen 34 8 Weber (Lohnweber) 2
Pflästerer 1 2 Zeugweber 1
Posamentiere 1 Zimmerleute 4 3
Rothgerber 6 5 Zinngießer 1
Sattler 6 5 Zuckerbäcker 6 5


An Handelsgewerben sind vorhanden:
Kaufleute (erheblichere Geschäfte) 20 mit 15 Gehilfen.
Buch- und Schreibmaterialienhandlung 1.
Krämer, Kleinhändler, Viktualienhändler 25.
Hausirer 16.
Frachtfahrer, Lohnkutscher 10.
Weinhändler 5.
Vieh- und Schweinehändler 6 mit 2 Gehilfen.
Getreidehändler (nach Baden, Bayern, Frankreich und der Schweiz 4 mit 6 Gehilfen.
Holzhändler (hauptsächlich mit Holländerstämmen und Eisenbahnschwellen) 4 mit 2 Gehilfen.
Ferner zählt man:
Apotheken 2.
Auswanderungsagenten 8.
Mobiliarversicherungsagenten 13.
Gastwirthschaften 13.
Schankwirthschaften 24.
| Der größte Güterbesitz beträgt 100 Morgen, der des Mittelmanns 25, der ärmeren Klasse 7 Morgen.

Die große Markung hat einen fruchtbaren, in den Thalniederungen tiefgründigen Boden, auf den Höhen Lehm mit Verwitterungen von Kalksteinen; das Klima ist mild, und es gedeihen hier auch alle feineren Gewächse, dem Weinbau schädliche Frühlingsfröste kommen hin und wieder vor; durch das Tauber- und Wachbachthal geht vielfach ein starker Windzug, Gewitter sind nicht häufig und nicht stark, da auf der Westseite der Stadt eine Wetterscheide besteht, Hagelschlag ist selten. Kalksteinbrüche sind auf mehreren Bergen angelegt; eine Gips- und zwei Lehmgruben sind vorhanden.

Die Landwirthschaft, welche sich verbesserter Ackergeräthe bedient, beschäftigt sich mit dem Anbau von Roggen, Weizen, Dinkel, Gerste, auch Haber und es kann hauptsächlich von Gerste, Dinkel und Weizen auch nach außen verkauft werden; dann werden gebaut Hopfen, aber nicht bedeutend, besonders Luzerne, weniger Esparsette, Kartoffeln und Angersen.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt und liefert ein gutes Futter, die Wiesen sind meist zweimähdig, und es können 145 Morgen bewässert werden. Ein kleiner Theil des Futterertrags kann nach außen verkauft werden.

Der Garten- und Gemüsebau dient hauptsächlich für den eigenen Bedarf; der Weinbau ist nicht ausgedehnt, liefert aber ein vortreffliches Erzeugnis, das weithin ausgeführt wird; die besten Lagen sind der Schorren und der Ketterberg. Man pflanzt 3000 Stöcke, vorherrschend Sylvaner und Gutedel, auf dem Morgen, der in guten Jahren 5 Eimer erträgt; die Preise eines Eimers bewegen sich zwischen 30 und 100 Gulden. Der Weinbau ist hier schon alt und war früher verbreiteter.

Die Obstzucht ist im Zunehmen, die Baumgärten mehren sich von Jahr zu Jahr, das Obst geräth in den südlichen und westlichen Niederungen gerne. Mehrere Baumschulen bestehen, wovon zwei im Besitz der Stadtgemeinde, von der auch ein Baumwart aufgestellt ist. Das Obst wird meistens zur Mostbereitung verwendet.

Die Stadt besitzt 1400 Morgen Wald, größtentheils Laubwald, von dessen Ertrag jährlich circa 15.000 M. in die Stadtkasse fließen; außerdem erhält jeder der etwa 375 Bürger jährlich 75–100 Wellen. Außerdem besitzt die Stadt 30 Morgen Exerzierplatz (Wiesen) und etwa 70 Morgen weitere Weidfläche | auf den Bergen, ferner die Brach- und Stoppelweide. Die Weide ist gut und gesund und wird von hiesigen Pachtschäfern benützt, was der Gemeinde sammt dem Pferch 2440 Gulden einträgt. Zudem tragen 28 Morgen Güterstücke (Wiesen) der Stadtkasse noch 525 Gulden ein.

Die Pferdezucht ist nicht bedeutend, die des Rindviehs dagegen ausgedehnt und in gutem Zustand, man hält den Neckarschlag und die Stadtgemeinde hat von dieser Rasse 3 Farren zur Nachzucht aufgestellt; auch der Viehhandel ist hier stark und wird mit einem jährlichen Umsatz von 2–300.000 Mark betrieben.

Ein Ortsschäfer läßt 600 St. Bastardschafe auf der Markung laufen und überwintern. Die hiesigen Schafmärkte gehören zu den bedeutendsten im Lande. Die Schweinezucht und die Geflügelzucht dient nur dem eigenen Bedarf; die Bienenzucht ist gleichfalls nicht bedeutend.

Das Fischrecht in der Tauber, welche Aale, Hechte, Barben, Forellen, Barsche und Weißfische führt, und im Wachbach hat der Staat und der hiesige Spital gemeinschaftlich und beziehen aus der Tauber 40 Mark, aus dem Wachbach 21 Mark jährliches Pachtgeld.


Stiftungen.

Sämmtliche Kirchen, sowie der Armenfond und der Hospital hatten ein so bedeutendes Vermögen, daß sich alle Jahre ein beträchtlicher Überschuß ergab. Unglücklicherweise aber wurde ein großer Theil der Kapitalien bei der Wiener Stadtbank angelegt, ein anderer ebenfalls bedeutender Theil derselben zu dem durch Bethman für Österreich unterhandelten Anlehen hingegeben. Der niedere Stand dieser Papiere, welche letztgenannten Bethmann’schen später durch eine große Summe reduzirt werden mußten, um nicht Kapital und Zinsen zugleich zu verlieren, der Umstand, daß längere Zeit aller Überschuß bei Stiftungen an die k. Staatskasse abgegeben werden mußte, endlich eine fahrlässige Verwaltung haben die Stiftungen um viele Tausend gebracht, so daß die kombinirte Kirchenpflege bis zum Jahre 1836 an einem namhaften jährlichen Defizit litt, welches der Hospital durch jährlichen Zuschuß von einigen 100 fl. deckte.

| Der gegenwärtige Stand der Stiftungen ist folgender:
 a) Geldgrundstock.
1. Kombinirte Kirchenpflege 102.568 M. 58 Pf.
2. Rochuspflege 64.05700 120
3. Armenpflege
4. Hospital 369.50000 210
5. Marienkirchenpflege 51.01500 590
6. Hofmeister’sche Baufonds-Pflege 291400 300
8. von Adelsheim’sche Pflege 100000 00
Zusammen  591.056 M. 34 Pf.
 b) Gefälle und eigene Güter.
Der Aktivstand des Hospitals außer dem bedeutenden Inventar
und den Gebäuden besteht in 381.966 M.
Dazu kommen:
a. Äcker 23 ha0 48 a.
b. Wiesen 1000 720
c. Grasgärten 100 20
d. Küchengärten 00 660
e. Waldungen 13100 870
Zusammen  167 ha 75 a.

mit einem Anschlag von 468.014 M.;

 endlich Gebäude:

Der Hospital mit Kirche, das Ehehaltenhaus und die Ökonomiegebäude.

Das Totalvermögen des Spitals beläuft sich auf ziemlich mehr als eine halbe Million Gulden, worunter die Ablösungskapitalien für Handlohn, Sterbfall und Gilten mit ungefähr 12.000 fl. begriffen sind.

Die Fonds dieser sämmtlichen Stiftungen, welche gegenwärtig einen jährlichen Überschuß von wenigstens 1000 bis 2000 fl. gewähren, werden nach den organischen Gesetzen durch einen Stiftungspfleger, der zugleich Hospitalpfleger ist, unter Aufsicht des Stiftungsraths und Kirchenkonvents verwaltet.

Schulen. An der deutschen Schule unterrichten 7 Lehrer, an der lateinischen 3, an der Realschule 2. Außerdem bestehen Sonntagsschulen, 1 Kleinkinder- und 1 Industrieschule.

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Das Karlsbad.[1]

In einer Entfernung von beiläufig 1000 Schritten von der Stadt, auf dem rechten Ufer der Tauber, umgeben von schattigen Parkanlagen mit herrlichen Baumgruppen, liegt das Karlsbad mit seiner Mineralquelle, nur durch den Eisenbahndamm und die Tauber getrennt von dem Schloßgarten.

Unter den zahlreichen salinischen Quellen, welche der Muschelkalkformation des Hohenlohischen Plateaus entspringen und welche theilweise schon in sehr früher Zeit im Rufe als Gesundbrunnen standen, erfreut sich die erst in neuerer Zeit entdeckte Mergentheimer Mineralquelle der weitaus bedeutendsten Frequenz.

Die Geschichte der Entdeckung der Quelle und der Anlage des Bades erzählt uns der Oberamtsarzt Dr. C. F. Bauer von Mergentheim, dessen genauer und sachkundiger Darstellung wir hier folgen.

Die Mergentheimer Mineralquelle ist seit 1826 entdeckt. Schafe waren die Wasserschmecker, die auf ihre Entdeckung führten. Nach lange anhaltender Trockenheit und bei ungewöhnlich niederem Wasserstand der Tauber weidete am 23. Okt. 1826 eine Schafheerde am Ufer. Der Schafknecht Gehrig bemerkte, daß sich seine Schafe auf einmal an eine Schwitzquelle herbei drängten, welche fast im Niveau des Tauberspiegels aus einem ocherbraun gefärbten Geröll hervorrieselte und einen gleichfarbigen Niederschlag bei ihrem Abfluß abgesetzt hatte, aus welcher sie begierig sich tränkten. Gehrig versuchte das Wasser, fand es von auffallend bittersalzigem Geschmack und machte von dieser seiner Entdeckung die Anzeige unverzüglich beim Stadtrath; dieser überzeugte sich sofort selbst von der bittersalzigen Natur der Schwitzquelle und veranlaßte eine Untersuchung des Wassers, welche sehr befriedigend ausfiel.

Ein in der Nähe der Quelle ausgegrabenes Loch füllte sich rasch mit dem Mineralwasser, das nun geschöpft wurde. Allein die Quelle war zu sehr dem Andrang der Tauber ausgesetzt. | Im Winter 1826 auf 1827 füllte der ausgetretene Fluß das gegrabene Loch wieder aus und auch ein von Obersteiger Emmel von Wilhelmsglück angelegter Schacht, welcher mit einem 28′ tiefen, eichenen Kasten ausgekleidet war, mußte verlassen werden. Nun wurde beschlossen, die Quelle außerhalb des Bereichs der Tauber aufzusuchen.

Beim Abteufen des Schachtes hatte man die Erfahrung gemacht, daß schon im Wellenkalk fast mit jedem Fuß Tiefe das Wasser an Menge und Mineralgehalt zunahm und daß, als dort in einer Tiefe von 15 Fuß der dünnblätterige Wellenkalk durchbrochen wurde, aus den darunter liegenden Schichten von grünlich grauem, zur bunten Sandsteinformation gehörigem Schieferthon mit Schnüren und Knollen von Gyps, das Mineralwasser aus 3–4 Fuß von einander entfernten Klüften reichlich und mit größter Stärke hervorbrach.

Diese, auf dem mit der Formationsgrenze zwischen Muschelkalk und Buntemsandstein zusammenhängenden Gesteinswechsel gelegene Schichte galt es am Fuß des Löffelstelzer Berges, etwa 300 Schritte von der ursprünglichen Quelle entfernt, mit einem Bohrloch zu erreichen. Dies gelang denn nun auch wirklich mit Hilfe von Bohrgeräthschaften, welche man von Wilhelmsglück herbeigeholt hatte, mit überraschendem Erfolg. Aus der Tiefe von 65 Fuß drang aus dem Bohrloch das Mineralwasser in reichlicher Menge hervor und konnte durch eine geeignete Fassung zum Abfließen gebracht werden. Von dem Zusammenhang der ursprünglichen Quelle und des Bohrlochs hatte man sich durch Ausschöpfen des obenerwähnten Schachtes überzeugt, da hiebei die erbohrte Quelle aufgehört hatte zu fließen.

Mit Eintritt des Frühjahrs 1829 wurde über der neugewonnenen Quelle ein Brunnenhaus und in dessen Nähe ein Badgebäude errichtet und am 23. Juni desselben Jahres das Bad unter dem Namen Sr. Majestät des jetzt regierenden Königs, damaligen Kronprinzen Karl eröffnet.

Der um das Mergentheimer Mineralbad sehr verdiente Nachfolger C. F. Bauers, Dr. K. Bauer, empfahl in der Hoffnung, in größerer Tiefe eine an Kohlensäure reichere Quelle zu finden, die Vornahme weiterer Bohrversuche. Im Winter 1841 auf 1842 wurde auch wirklich ein zweites Bohrloch geschlagen, dabei aber das gewünschte Resultat nicht erreicht, vielmehr in der Tiefe von 100 Fuß eine stark salzhaltige, ungenießbare Quelle erbohrt und daher bei 125 Fuß Tiefe die Arbeit eingestellt.

| Obwohl das Bad schon in den ersten Jahren eine kräftige Heilwirkung bei einer Reihe von Krankheiten gezeigt hatte, so blieb doch die Frequenz desselben weit hinter den gehegten Hoffnungen zurück. Die Stadt sah sich daher veranlaßt, das Bad im Jahr 1834 zu verkaufen.

Der neue Besitzer, der ein sehr lebhaftes Interesse für die Badanstalt an den Tag legte, machte den Anfang mit Gartenanlagen vor den Badgebäuden und errichtete über den Bädern Wohnungen für die Kurgäste, welche bis dahin genöthigt waren, in der Stadt zu wohnen.

Seine jetzigen vergrößerten Einrichtungen aber erhielt das Bad, nachdem es im Jahr 1852 in die Hände einer Gesellschaft übergegangen war.

Analysirt wurde das Mineralwasser zuerst von Provisor Schütz im Jahre 1826, dann von Professor Sigwart 1826, 1829 und 1831, von Prof. Chr. Gmelin 1828, von Prof. Vogel 1830, von Apotheker Wrede 1833, 1836 und 1839[2]. Hinsichtlich des wechselnden Gehalts an festen Bestandtheilen und des gleichzeitigen spezifischen Gewichts in den einzelnen Monaten des Jahres wurde das Wasser untersucht von Provisor Rathgeb und Stadtrath Baumgärtner[3]. Von neueren Arbeiten über die Quelle ist anzuführen eine Analyse unter der Leitung von J. von Liebig 1852[4] und zuletzt von Hofrath Dr. von Scherer in Würzburg 1869[5].

Wir theilen hier nur die Analyse von Scherer mit; nach der Untersuchung von Liebig wurde nemlich das Bohrloch gereinigt[6] und die Quelle durch eine neue Fassung vor dem Eindringen von Süßwasser geschützt, wodurch sich der bisherige Gehalt des Wassers an festen Bestandtheilen um mehr als die Hälfte vermehrt, der Gehalt an Kohlensäure aber verdoppelt haben soll[7]; und es ist daher die Liebig’sche Analyse jetzt nicht mehr giltig.

|
Analyse der Karls-Quelle.
Von Hofrath Dr. Scherer[8].
Die nicht flüchtigen Bestandtheile In einem
Liter

Gramm
In
16 Unzen
(7680 Gran)
Gran
 a) In wägbarer Menge:
Kohlensaurer Kalk 01,4328 011,0039
Kohlensaure Magnesia 00,0650 000,4992
Kohlensaures Eisenoxydul 00,0095 000,0729
Kieselsäure 000,0510 00,3916
Schwefelsaurer Kalk 00,8380 006,4358
Schwefelsaure Magnesia 02,4838 019,0755
Schwefelsaures Natron 03,7060 028,4620
Chlornatrium 013,3770 102,7353
Chlorkalium 00,2860 002,2564
Chlorlithium 00,0120 000,0921
Bromnatrium 00,0161 000,1236
 b) in unwägbarer Menge:
Jod 0 0
Phosphorsäure 0 0
Borsäure 0 0
Thonerde 0 0
Ammoniak 0 0
Mangan 0 0
Summe der nicht flüchtigen
Bestandtheile
22,2771 171,1483
Freie und halbgebundene Kohlensäure bei Quellentemperatur und normalem Luftdrucke 19,2 C.-Zoll in 1 Pfund = 32 Kub.-Zoll Wasser. Spezifisches Gewicht 1,019; Temperatur des Wassers 10° 5 C.
| Die hervorragenden Bestandtheile des Mineralwassers sind somit Kochsalz einerseits, Bitter- und Glaubersalz andererseits und ist das Wasser daher theils als Kochsalz-, theils als Bitterwasser zu betrachten.

Verglichen mit dem Kissinger Rakoczy und dem Wiesbadener Kochbrunnen, welchen beiden Quellen ein mittlerer Gehalt (44 und 52 Gran per 16 Unzen Wasser) an Kochsalz zukommt, enthält unsere Quelle hieran das Doppelte (102 Gran = 11/3 %), etwa so viel als die kochsalzreichen Trinkquellen von Homburg und Soden.

Hiezu kommt noch ein erheblicher Gehalt an Bitter- und Glaubersalz (19 und 28 Gran), zusammen genommen mehr als die Quantität Glaubersalz im Marienbader Wasser (Kreuzbrunnen 38 Gran) und mehr als nochmals so groß als der Glaubersalzgehalt der Karlsbader Quellen (18 Gran).

Von den genannten böhmischen Quellen und dem Tarasper Wasser unterscheidet sich unsere Quelle durch den Mangel an kohlensaurem Natron, und von den 51°–74° C. warmen Karlsbader Quellen überdies durch ihre Temperatur (10° C.). Die Quelle eignet sich daher für manche Fälle, welche in den Krankheitskreis von Karlsbad, Marienbad und Tarasp gehören und bei denen man der Wirkung des kohlensauren Natrons nicht bedarf.

Kohlensäure enthält das Wasser 19 Kub. Zoll pro 16 Unzen, was dem Gehalt der Cannstatter Quellen (19–27 Gran) an diesem Bestandtheil gleichkommt, aber gegen Kissingen (41–48 Gran) und Homburg (43–55 Gran) zurücksteht. Dem Gehalt an Kohlensäure ist es auch ohne Zweifel zuzuschreiben, daß in dem Geschmack des Wassers seine Bestandtheile an Kochsalz, Bittersalz und Glaubersalz nur mäßig hervortreten.

Über die Herkunft der Mineralquelle hat Oberamtsarzt Dr. K. Bauer die Ansicht ausgesprochen (Med. Corresp.-Bl. Bd. XI, 1841, Nr. 4 S. 29), sie stamme aus dem Muschelkalk, d. h. aus dem Anhydritgebirge. Wenn man die Temperatur des Wassers, welche die einer gewöhnlichen Süßwasserquelle der dortigen Gegend ist und den Umstand berücksichtigt, daß an dem Löffelstelzer Berge hinter dem Bade das Anhydritgebirge ansteht, aus dem in dem benachbarten Orte Dörtel früher ebenfalls eine Mineralquelle hervorkam und ferner, daß an verschiedenen Punkten des Hohenlohischen Plateaus ganz ähnliche Quellen, wenn auch von schwächerem Gehalt, entspringen, so erscheint die Vermuthung | ganz begründet, daß die Mergentheimer Mineralquelle ihren mineralischen Gehalt einer Auslaugung des Anhydritgebirges verdankt, das gerade die Bestandtheile der Quelle in größtem Reichthum enthält.

Auch der Gehalt der Quelle an Kohlensäure spricht keineswegs gegen diese Ansicht, da aus der Muschelkalkformation unseres Landes eine seltene Menge, theilweise an Kohlensäure viel reicherer Quellen entspringt.




Die Stadt, welche zu Lebzeiten des Herzogs Paul von Württemberg eine berühmte naturhistorische und ethnographische Sammlung beherbergte, bietet den Liebhabern heute noch einige sehenswerthe Sammlungen.

1. Oberpräzeptor Kolb ist im Besitze einer ansehnlichen Mineralien-, wie auch einer Felsarten- und Petrefakten-Sammlung, für Lehrzwecke in seinem Knabenpensionat bestimmt. Erstere wurde durch die vom Oberforstrath Grafen von Mandelsloh hinterlassenen Mineralien, welche nach dem hier 1876 erfolgten Tode der Gräfin zur Versteigerung kamen, vermehrt. Sämmtliche Sammlungen sind von dem in Mergentheim wohnhaften Geologen und Hydrographen, Baurath Dr. Bruckmann, geordnet worden, und alle Abtheilungen, besonders die der Felsarten und Petrefakten, erhielten im Laufe des Sommers 1878 wesentliche Ergänzungen, theils durch eigenes Sammeln Bruckmanns in verschiedenen Gegenden, theils durch Ankauf im Mineralien-Comptoir zu Heidelberg.

2. Baurath Dr. Bruckmann besitzt eine größere Sammlung von Eiern europäischer Brutvögel, welche im Oktober 1878 bereits 390 Arten und ungefähr 3400 Exemplare zählte. Dieselbe besteht vorherrschend aus durchweg modern, resp. seitlich gebohrten, häufig vollen Gelegen und enthält manche Seltenheiten und zum Theil ausnehmend schöne Varietäten.

3. Forstmeister Freih. v. Brand erwarb aus der Hinterlassenschaft des Herzogs Paul von Württemberg eine Partie Konchylien und Korallen, von welchen eine recht hübsche Suite wohlerhaltener amerikanischer Flußmuscheln und schöne zum Theil sehr seltene Gorgonien hervorzuheben sind.

| 4. Drechslermeister Aschfalk ersteigerte nach dem Tode des hier verstorbenen Oberamtsrichters Fuchs einen Theil seiner nicht unansehnlichen Konchyliensammlung.

5. Die Freiherrlich v. Adelsheim’sche Alterthums-Sammlung, im Rathhaus aufgestellt, ist eine Schenkung des † Major Freiherrn Karl Josef von Adelsheim an die Stadt Mergentheim vom Jahre 1873, die noch durch verschiedene andere Schenkungen vermehrt wurde und noch heute vermehrt wird. Dieselbe enthält zahlreiche, nicht uninteressante Kunst- und Alterthumsgegenstände aus dem Spätmittelalter, der Renaissance- und Rococozeit; z. B. ein spätgothisches Flügelaltärchen und verschiedene altdeutsche Gemälde, einen schönen Apostelkrug und andere hübsche Renaissance-Geschirre, venetianische Gläser, Majoliken, Renaissance-Kästchen mit Intarsien, alte Rüstungen und Schlösser, alte metallene Siegelstöcke.

Über Alterthümer siehe oben S. 311 ff. Hier sind nur noch zu erwähnen die Spuren der Ketterburg auf dem nördlich der Stadt gelegenen Ketterberg; man findet noch die Stelle durch einen tiefen Graben vom übrigen Berge losgetrennt. Im Jahre 1730 wurden (laut alten Rechnungen) die Mauern der Burg abgebrochen und zum neuen Kirchen- und Schloßbau in Mergentheim verwendet. Noch sind einige wenige Mauertrümmer vorhanden; die Burg muß einen bedeutenden Umfang gehabt haben. Der oben S. 314 erwähnte, gegen 70 Fuß hohe Wartthurm ist rund aus Brockengemäuer mit viel Mörtel aufgeführt, sein spitzbogiger Eingang befindet sich 25 Fuß über der Erdfläche; Graben und Wall lief rings um den Thurm.


Geschichte der Stadt.
I. Die Anfänge.
Während ursprünglich im Deutschen Reich Grafschaft und Gau gleichbedeutend, die Grafschaft die den König vertretende Gewalt innerhalb eines Gaus war, decken sich beide im elften Jahrhundert immer weniger. Namentlich erscheint nicht selten die Grafschaft auch als Unterabtheilung des Gaus. So in unserem Taubergau, | wo 1058 der Ort Marstadt bei Messelhausen (BA. Tauberbischofsheim) als „im Taubergau in der Grafschaft Mergintaim“ gelegen bezeichnet wird. Letzteres war also um die Mitte des 11. Jahrhunderts ein Ort, welcher einem unter einem Grafen stehenden Bezirk den Namen gab, wahrscheinlich die gräfliche Ding- oder Gerichtsstätte (Vgl. Waitz, Deutsche Verf.-Gesch. 7, 14 ff.) Noch im Jahr 1103, wo nicht mehr vom Taubergau die Rede ist, sondern von der „Provinz Ostfranken“, erhält Röttingen die Bezeichnung: „in der Grafschaft Mergentheim“ nachdem schon 4 Jahre zuvor ein Gozwin sich „von Mergentheim“ genannt hat. 1169 ist dann erstmals von „der Kapelle in Mergentheim über den Reliquien des h. Kilian“, (wohin nach Wibel u. A. eine große Wallfahrt gewesen, die Rede, eine Nachricht, die uns vielleicht den Namen Mergentheim zu erklären im Stande ist. Das Volk sagt, wie schon 1525 (Mone, Bad. Quellens. 3, 554) und früher, so noch heute: im Mergenthal, ins Mergenthal, was man stets, und sprachlich ganz richtig (vgl. Schmeller-Frommann 1, 1637. 1647) = Marienthal gedeutet hat. Die Gelehrten aber denken, weil die Form Mergen für die heil. Maria jünger sei, als 1058, an das Heim einer Marigund (Pfeiffer, W. F. 4, 274.) oder an ein keltisches Margidunum (Bacmeister, Alem. Wand. 112.) Wir glauben, daß die hergebrachte Erklärung Recht hat, solange die Behauptung, der Genitiv Mergen = Marien sei jünger, nicht bewiesen ist. Ein Margenthal = Mariental (1314 Mon. Zoll. 2, 327.) findet sich in Franken schon 1265 Mon. Zoll. 2, 55. Die 1246, 1365 und 1456 urkundlich genannte Flur „in Mergental, im Mergenthal in Ötelfinger Mark, gegen Öttelfingen“ weist offenbar auf ein altes, vielleicht von einer sehr früh erbauten Kapelle (vgl. Reg. 1169.) benanntes Mergen = Marienthal, dem zur Unterscheidung von der Kapelle und ihrer nächsten Umgebung der Name Mergent-heim beigelegt wurde. Nach diesem Ort nannten sich nun im Ausgang des 11. Jahrhunderts ein Ebo und sein Sohn Gozwin „von Mergentheim“, letzterer wohl derselbe, der bei einer Schenkung von Gütern in Creglingen an das Kloster Komburg Graf Gozwin heißt (Wirt. UB. 1, 394) und in einer Würzburger Urkunde von 1091 unter den „kaiserlichen Dienstmannen“ erscheint (UB. 1, 400.) Fortan begegnen wir durch mehrere Jahrhunderte einem vielleicht von den eben Genannten abstammenden Ortsadel, der sich von Mergentheim benennt, und zwar außer den schlechtweg von | Mergentheim genannten Rüdeger 1219. 1223. 1228. 1229. [1268] Rüdeger gen. Hako 1285, R. gen. Wigerich 1285, Alwic 1219, Gottfried 1219, Gottfried gen. Kotzlin 1285, Bertold 1221, Berenger 1222, Konrad 1290. 1293, Martin 1293, Heinz 1340 etc. den Lesch v. Mergentheim: Hermann 1223. 1228. 1247, Vater und Sohn, 1269, ebenfalls Vater und Sohn, 1290. 1294. 1295. 1296. 1298. Gottfried 1228, Konrad 1269 etc. Heinrich 1296. 1298; den Reich (Dives) v. Mergentheim: Rüdeger 1285. 1290. 1205. Martin 1285. 1290 etc.; den Sützel von Mergentheim: Rüdeger und Bertold 1285 (Berthold Phosch v. Mergentheim 1291?) Martin und Bertold 1295. 1296. Bertold 1297 etc. den Mertin (Martin) v. Mergentheim seit 1312, den Stolz v. Mergentheim 1338, und endlich den Zollner, Zöllner v. Mergentheim: Heinrich 1298. 1300 etc. alle augenscheinlich Angehörige einer und derselben Familie, welche, nach dem besonders häufigen Namen Rüdeger zu schließen, ursprünglich vielleicht mit den Grafen von Rothenburg zusammenhängen, bei rascher Vermehrung aber frühe sich in mehrere Linien mit besondern Namen verzweigten.

Ihr Ursitz war wohl die Burg in der Stadt, welche 1400 und 1425 als „öde (verlassene) Burg“ genannt wird.

Neben diesem ortsansäßigen Adel haben sich schon im 12. Jahrhundert weitere Herren in Mergentheim festgesetzt: die von Lauda (1169) und insbesondere die Herren von Hohenlohe, welche zwar seit 1219 die nachmalige Stadt und nicht weniges in der Umgegend dem Deutschorden zuwandten, aber noch 1230 und c. 1250 als Lehensherren der Rüdiger, Lesch u. A. von Mergentheim erscheinen, ja bis 1343 eine Burg und noch etwas länger anderes Eigenthum in Mergentheim besaßen. Ferner werden erwähnt: einer von Langenburg (1226); von Egersberg (1227), von Jagstberg (1229), von Krautheim (1245), von Löffelstelzen (1246), von Sachsenflur (1284. 1317.), von Stuppach (1311); „edle Leute“, das ist Ministerialen, der Herren von Hohenlohe, namentlich einer von Schüpf (1322. 1342), von Hertenstein (1315), von Seinsheim (1343), von Stetten (1352), von Limpurg (1353), von Adelsheim (1356), von Rosenberg (1356), von Berlichingen (1358), von Dürn (1361), wozu noch wahrscheinlich die frühe bürgerlich gewordenen von Edelfingen (1312), Hohbach (1343. 47. 66.), Wittstatt (1344. 59.), Stalldorf, Reisfeld, Wertheim (1342) kommen.

| Die Hohenlohe, welche ohne Zweifel durch Heirat Alberts des Kreuzfahrers mit einer Angehörigen der erwähnten Adelsfamilie von Lauda zu Gütern und Rechten in Mergentheim gekommen waren, überließen schon 1207 die Kirche und das Patronat dem Johanniterorden, 1219 aber das Meiste, was sie sonst in Mergentheim besaßen, dem deutschen Ritterorden, der fortan sechs Jahrhunderte lang Herr und Gebieter der Stadt und eines schönen Theils der Umgegend gewesen ist.


II. Die Deutschordenszeit.
Albert von Hohenlohe machte den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I., Barbarossa’s, mit und war unter den wenigen Glücklichen, welche alle Beschwerden und Gefahren desselben überstanden. Daheim zeigt er und noch mehr seine Gemahlin Hedwig lebhaftes Interesse für Mergentheim: mit Einwilligung der letzteren schenkte Albert 1207 dem Johanniterorden die Kirche des Orts mit ihren Rechten und Einkünften, 1216 nach dem Tode des Gatten ermöglicht Hedwig die Haltung eines Pfarrgehilfen an dieser Kirche. Drei Neffen dieses Stifterpaars, Andreas, Heinrich und Friedrich von Hohenlohe, schloßen sich 1217 dem von dem ungarischen König Andreas unternommenen Kreuzzug an, auf welchem durch die Ritter des Deutschordens das vielumstrittene Damiette in Ägypten belagert und erobert wurde. Hier, wie es scheint, faßten jene Jünglinge den Entschluß, in den genannten Orden zu treten. Andreas, wohl der älteste unter ihnen, that zuerst das Gelübde und schloß 1219 mit seinen beiden weltlich gebliebenen Brüdern Gottfried und Konrad zunächst ein Abkommen, wonach er seine Theilrechte an das väterliche Stammgut ihnen abtrat; dagegen das ganze Hohenlohische Besitzthum in Mergentheim, beide Schlösser, den Wald Ketereit, die Fischerei, den Zoll, das Gericht, den Zehnten etc. dies alles schenkt Andreas mit seinem Eintritt am 16. Dezember des gedachten Jahres dem Orden: die ersten schon ansehnlich reichen Besitzungen der nachmals so umfangreichen Komthurei Mergentheim. Alsbald traten auch Heinrich und Friedrich dem Orden bei, unter Widmung von Gütern in der Nachbarschaft, und die fünf Brüder verglichen sich durch Verträge, welche genau bestimmten, was von ihres Hauses Besitzungen fortan durch Schenkung dem Orden zukommen und was die zwei älteren Brüder als Lehen vom Orden empfangen sollten. Ihre Mutter | aber, in zweiter Ehe an einen Herrn von Lobenhausen vermählt, überwies schon im folgenden Jahr den Deutschherren gegen bestimmte Abgaben ihre gesammten Leibgedingsgüter zu Mergentheim, und bald hatten dieselben durch weitere Schenkungen Seitens der Herren Walther v. Langenburg 1226, Heinrich v. Egersberg 1227, Siboto v. Jagstberg 1229, Konrad v. Krautheim 1245, Heinrich v. Löffelstelzen 1246, Frau Irmgard v. Reichenberg 1260, Hildebrand v. Seinsheim 1269 weitaus den größten Theil von Mergentheim und seiner Markung inne. Als in dem zuletzt genannten Jahr Andreas v. Hohenlohe in Mergentheim starb, war ihm sein jüngerer Bruder Heinrich längst im Tode vorausgegangen. Dieser wurde 1232 Deutschmeister, das ist Gebieter des Ordens in deutschen Landen, zog 1244 siegreich gegen den das Ordensland in Preußen bedrängenden Herzog Swantepol von Pommern, ward dafür zur höchsten Ehrenstelle des Ritterordens, zum Hochmeister gewählt, von Kaiser Friedrich II. 1245 mit den Ordensländern Kurland, Litthauen und Semgallen belehnt und starb nach dieser glänzenden Laufbahn 1249 oder 1250 im Ordenshause zu Mergentheim, nachdem er kaum zuvor noch in Preußen gewesen – der siebente Hochmeister des Deutschordens, der erste, der Mergentheim zu seinem gewöhnlichen Sitz (was es bleibend erst 1526 wurde) ersehen hatte. Andreas erbaute bald darnach, 1255 ff., eine Ordenskapelle, in welcher sein Bruder Heinrich, Andreas selbst und in der Folge noch 8 weitere Genossen des Hauses Hohenlohe ihre Ruhestätte fanden. Wegen Baufälligkeit 1730 abgebrochen und neugebaut, wobei Heinrichs Denkmal zu Grunde gieng, wurde 1854 die Kapelle durch den Fürsten Heinrich von Hohenlohe-Kirchberg restaurirt, der Grabstein des Andreas erneuert und das Jahr darauf von ebendemselben in dem Gotteshaus dem Hochmeister Heinrich ein würdiges Denkmal gesetzt. (Fischer, Hohenl. Gesch. 1, 1, 40 f.) Neben dem vom Adel so sehr begünstigten Deutschorden konnte der Johanniterorden[9], welcher doch schon vor ihm in Mergentheim sich niedergelassen hatte, nur mäßig gedeihen. Zwar erhielt er allmählich eine schöne Anzahl von Stiftungen in die Kirche, welche von ihm größer und schöner aufgebaut worden ist (s. u.) sowie von Gütern und Gefällen – s. die | Regesten –; auch theilte sich der Orden mit dem Deutschorden und den „Richtern und der Gemeinde der Bürger zu Mergentheim“ in die obrigkeitlichen Rechte daselbst (Reg. 1259). Aber in den Streitigkeiten der beiden geistlichen Genossenschaften, welche seit 1259 niemals aufhörten und schon 1287 soweit gediehen, daß Deutschordensleute mit bewaffneter Hand in die Mühle der Johanniter einfielen, mußten die letzteren allmählich der Übermacht der Deutschherren unterliegen. Diese, auch im 14. Jahrhundert mit Erfolg bestrebt, ihre Besitzungen und Rechte in Mergentheim zu erweitern (Reg. 1311. 1315. 1322. 1339. 1343 etc.) fiengen 1330 aus eigener Machtvollkommenheit an, den Ort mit Mauern zu umgeben, und Kaiser Ludwig bewilligte 1335, den Bau von Mauern und Gräben fortzusetzen, ertheilte auch 1340 dem Orden das Recht, aus dem Markt Mergentheim eine Stadt zu machen, in welcher derselbe die Obrigkeit und das Strafgericht haben, auch Richter, Schöffen und Rath setzen solle; endlich gestattete der Kaiser den Deutschherren und den Bürgern der Stadt, zur Vollbringung des Baus ein Umgeld zu erheben, den schon bestehenden Johannismarkt auf 8 Tage zu erstrecken und einen viertägigen Martinimarkt einzuführen. Kaiser Ludwigs Nachfolger, Karl IV., hob 1355 vollends alle dem Orden im Weg stehende fremde Gerichtsbarkeit über die Bürger von Mergentheim auf und ertheilte demselben das Recht, eigene Heller nach dem Korn von Nürnberg zu schlagen. Dies alles, sowie der Bau eines Spitals durch den Deutschmeister Wolfram von Nellenburg 1340, verursachte immer neue Klagen und Prozesse der Johanniter, bis sie endlich 1355 das Feld zu räumen sich genöthigt sahen. Sie überließen am 7. November d. J. alle ihre Einkünfte und Rechte dem übermächtigen Gegner, welcher dafür 1000 Pfd. Hlr. und 800 weitere Pfd. im Jahr 1359 zu bezahlen, auch seine Güter und Gilten in Althausen und Schweigern abzutreten hatte. Auch die Pfarrei, das Einzige was in Mergentheim selbst den Johannitern blieb, vollends zu kaufen, gelang indessen dem Deutschorden erst 200 Jahre später. Vorerst hatte derselbe noch unter allerlei Kämpfen seine Macht zu befestigen. In der Stadt bestand seit 1291 ein einem Probst zugewiesener Hof des Cisterzienser-Klosters Schönthal, welches 4 Meilen südwestlich von Mergentheim an der Jagst gelegen ist. Mit dem Probst schwebten zwischen 1357 und 1383 fortgesetzte Streitigkeiten über seinen auf 1/4 gegen 2/4 des Deutschen | und 1/4 des Johanniter-Ordens festgesetzten Antheil an den Lasten für die Verpflegung des Reichsoberhauptes bei dessen Aufenthalt in Mergentheim, welches gerne von Kaisern und Königen besucht wurde. Die Dominikaner , welche schon um 1250 in Mergentheim sich niedergelassen haben sollen, erstritten sich 1362 das Recht, Haus und Hof mit Mauern zu versehen. Die Johanniter als Inhaber der Stadtkirche sahen sich durch die Erbauung einer Kapelle im Spital mit täglicher Messe 1411 ff. in den Pfarreinkünften beeinträchtigt und klagten bei dem Bischof und dem Konzil von Konstanz. Mit der Bürgerschaft endlich, welche 1342 oder 1343 erstmals dem Deutschmeister huldigte, nachdem Kaiser Ludwig auf Anrufung des letzteren seine den Bürgern gegebenen Privilegien widerrufen und die obrigkeitliche Gewalt des Ordens befestigt hatte – mit der Bürgerschaft gab es in der Zeit der Städtebündnisse und des Städtekriegs manch ernsten Zwist. Der Deutschmeister Konrad Rüd sah sich 1380 veranlaßt, eine neue Huldigung anzuordnen und denen, welche nicht mehr Bürger in Mergentheim sein wollten, Urlaub anzubieten; 1382 aber mußte er gar sechs Bürger gefangen setzen und aus der Stadt jagen.

In den nächstfolgenden Jahren diente Mergentheim wiederholt den Fürsten, Herren und Städten zu ihren Zusammenkünften behufs der Beilegung des Städtekriegs; ja im Oktober und November 1387 hatte die Stadt die Ehre, einen Reichstag, freilich nur einen getheilten – denn die Städte tagten in Rothenburg an der Tauber – in ihren Mauern zu beherbergen. Ihm folgten im Januar und sofort wieder im Februar 1389 vom König einberufene Friedenstage, denen indessen wiederum nur die Fürsten anwohnten. Zahlreiche andere Stelldichein von Fürsten und Herren zu Mergentheim im Ausgang des 14. und während des 15. Jahrhunderts bekunden, wie viel die Deutschherren thaten, das Städtchen zu dem elegans oppidum zu machen, als welches der erste deutsche Geograph des 16. Jahrhunderts, Sebastian Münster, Mergentheim rühmt (Cosmographia ed. 1550 p. 671.) Mit Fug ward daher nach erfolgter Eintheilung des Reichs in Kreise unter den Kaisern Max und Karl V. Mergentheim von der fränkischen Ritterschaft (1529), insbesondere von dem Ritterkanton Ottenwald (1565) als Ort ihrer Zusammenkünfte, der Aufbewahrung ihrer Gelder und Urkunden etc. erkoren.

Was aber für die Stadt das wichtigste war: die Erhebung zum Sitz der Deutschmeisterischen Regierung und zur bleibenden, wenn auch nicht ununterbrochenen Residenz des Hoch- und Deutschmeisters, | verdankte sie den Stürmen des Bauernkriegs. Dieser gieng an der Stadt keineswegs spurlos vorüber. (Den Antheil des Bezirks an demselben s. S. 275 ff.) Dort waren schon gegen Ende März Unruhen ausgebrochen und der Komthur Wolfgang von Bibra hatte nicht verhindern können, daß ein meuterischer Bürgerhaufe, den Schönthaler Hof erstürmend, sich der reichen Weinvorräthe der geistlichen Herren bemächtigte und Tage lang sichs auf deren Kosten wohl sein ließ. Nicht fern von der Stadt lag Georg Metzler von Ballenberg mit einem Haufen Odenwälder. Durch sie aufgehetzt, übte eine Partie aufbrausender junger Leute ihren Übermuth im Gespött und trotzigen Reden über die Ordensherren und den Komthur aus. Noch war zwar die Mehrheit der Bürgerschaft dem Orden treu ergeben, und man versprach dem Komthur, man werde sich als treue fromme Bürger beweisen. Allein schon nach wenigen Tagen traten zuerst in dem Amt Neuhaus drohende Ereignisse ein. Der Komthur beschwichtigte die einen durch das schriftliche Versprechen, ihre Lasten zu erleichtern und sie vom evangelischen Glauben nicht zu verdrängen. Andere aber erklärten, man müsse sich mit den Aufständischen verbrüdern und sich der Ordensgüter bemächtigen, ehe diese sie wegnehmen; wieder Andere wollten, Mergentheim müsse eine freie Reichsstadt und der Deutschorden von Haus und Stadt vertrieben werden. In der Stadt selbst erhob sich bald Zweifel, ob man die Stadt gegen die heranziehenden Bauernscharen werde behaupten können. Man forschte die Stärke der in der Nähe liegenden aus und fand sie sehr bedeutend. Da beschloß die Gemeinde auf die Aufforderung ihrer Anführer, dieselben dadurch zu befriedigen, daß sie ein Fähnlein von hundert Mann zu ihnen hinausziehen ließ, und noch an demselben Tag, am 5. April, begab sich der Komthur auch selbst hinaus ins Bauernlager, um die Gefahr von der Stadt und von Neuhaus womöglich abzuwenden. Gegen die Zusage einer ansehnlichen Geldsumme und der nöthigsten Lieferungen gaben ihm zwar die Hauptleute das Versprechen, die Stadt nicht zu berühren und nicht einmal einem Hühnlein etwas Leides anthun zu wollen. Allein schon am andern Tag, vielleicht weil der Komthur seine Zusage nicht rasch genug erfüllen konnte, bemächtigten sie sich der Weinlager des Ordens in Markelsheim, leerten sie völlig aus und lagerten sich an 5000 Mann stark auf den Wiesen vor Mergentheim, vom Wein erhitzt und durch die Predigten der Prädikanten in dem Glauben befangen, daß keine feindliche | Kugel ihnen schaden und Niemand ihnen widerstehen könne, weil Gott mit ihnen sei. Die Bürger aber benützten jetzt des Komthurs Bedrängnis, sich von ihm am 11. April durch eine Verschreibung, welche der ferne Deutschmeister bestätigen mußte, die Zusicherung geben zu lassen, er wolle nichts vorenthalten, was ihnen Gottes Wort als Recht zugestehe, und sie fortan mit nichts beschweren, wogegen auch sie gegen ihn als ihre Obrigkeit thun wollten, was sie nach dem Evangelium schuldig seien. Sie selbst öffneten darauf den Bauern die Thore der Stadt, und diese drangen ohne Widerstand sofort auch in das Schloß ein. Dem Komthur zwar fügten sie weiter kein Leid zu, alles aber, was in Burg und Stadt Eigenthum des Ordens hieß, ward geplündert. Man wollte wissen, daß der Schloßvogt selbst zu den Bauern geholfen und ihnen das, was außer den geflüchteten Vorräthen und Kostbarkeiten an Silber noch vorhanden war, angezeigt habe. Ingleichen litt auch das Schloß in seinen Baulichkeiten großen Schaden, und man behauptete, daß die Unterthanen des Ordens auch hier mit am eifrigsten an der Zerstörung ihres Herrenhauses gearbeitet haben. Ähnliches geschah auf Neuhaus, dessen sich jetzt die Bauern ohne Widerstand bemächtigten (s. o.). Die Komthurei schlug ihren Schaden an geraubtem Vieh, Getreide, Wein, Geschütz und zerstörtem Hausrath auf mehr als 14.400 Gulden an. Glimpflich war im Grunde die Ahndung aller dieser Exzesse: eine Geldstrafe von 2000 Gulden für die Stadt und die Verpflichtung für Rath und Gemeinde: 1. alle Schuldigen zur Bestrafung zu stellen, keinen Geflüchteten mehr bei sich aufzunehmen oder ihn gefangen den Amtleuten des Ordens zu überliefern; 2. allen ihren der Ordensobrigkeit zuwiderlaufenden Verpflichtungen zu entsagen und sich in keine fremde Verbindung einzulassen; 3. alle Waffen jeglicher Art an einer besondern Malstatt abzuliefern und keine außer dem Brotmesser bei sich zu führen; 4. fortan allen vorigen und vom Orden noch ausgehenden Geboten ohne weiteres Folge zu leisten; 5. hinfort ihre Stadtschlüssel nur dem Hauskomthur oder des Ordens Amtleuten zu übergeben; 6. ihre Fähnlein, Trommeln und Pfeifen zu überliefern und sich der ersteren nicht weiter zu bedienen, auch bei Kirchweihen und Hochzeiten nicht; 7. fortan dem Deutschmeister von den Nutzungen der Stadt was ihm beliebt zu gewähren; 8. wie von Alters her die Zehnten, Zinsen, Gilten und Gefälle unweigerlich zu entrichten; 9. bei Entschädigungsklagen Dritter | sich des Deutschmeisters Spruch willig zu unterwerfen; 10. dem Orden allen zugefügten Schaden zu ersetzen; 11. zum Wiederaufbau des Ordenshauses die geforderten Frondienste zu leisten. (Zimmermann, Allg. Gesch. d. Bauernkr. 2, 439. Voigt 2, 10 ff.) Im Übrigen schadete die Betheiligung an den Unruhen der Zeit der Stadt so wenig, daß sie sofort nach der blutigen Niederwerfung des Aufruhrs zur Residenz des Deutschmeisters erhoben wurde. Am 23. April 1525 hatten die Bauern Schloß Horneck über Gundelsheim, die Hofburg des Deutschmeisters Dietrich v. Cleen, zerstört, auch denselben aller seiner Vorräthe an Lebensmitteln und seiner sämmtlichen fahrenden Habe beraubt. Er berief in der Mitte Augusts eine Anzahl Komthure aus der Ballei Franken zu einer Berathung auf das Haus Kapfenburg, und hier bewilligten auf seinen Antrag der Landkomthur und die Gebietiger, daß ihm vorläufig auf acht Jahre das Haus Mergentheim als Wohnsitz mit allen Zubehörungen eingeräumt werden solle, doch dergestalt, daß er den Komthur des Hauses, den Überreiter, Baumeister, Trappirer und die übrigen Beamten nebst dem Gesinde auf seine Kosten unterhalten, stets für die Erhaltung und Bewachung des Hauses mit aller möglichen Umsicht sorgen und es nach Verlauf der 8 Jahre an die Ballei wieder zurückgeben solle, mit so viel Vorräthen, wie es ihm überwiesen sei. Der Meister erbot sich von selbst, jedes Jahr, wenn es die Gebietiger von ihm verlangten, von Einnahmen und Ausgaben seines Meisteramts Rechnung zu legen, damit man dann ersehe, ob durch etwaigen Überschuß der Einnahme an den Pensionen und Beschwerden für das Meisteramt ein Theil nachgelassen werden könne. Er gab auch zu, daß das Ordenshaus zu Würzburg, welches sehr in Verfall war, dem dermaligen Komthur von Mergentheim zugewiesen werde, da dieser sich erboten hatte, es auf seine Kosten in guten baulichen Stand zu bringen, wogegen der Deutschmeister versprach, es mit Gastung und Überlage stets zu verschonen. Da die Gährung in der Bevölkerung auch im Jahr 1526 noch andauerte, auf dem Schlachtfeld von Königshofen z. B. bedrohliche Versammlungen von Landleuten stattfanden, weshalb der Deutschmeister jeden ferneren Besuch des Orts und jede Versammlung bei Todesstrafe verbot, so fand ein im April 1526 zu Mergentheim versammeltes Provinzialkapitel es rathsam, sich durch enges Anschließen an den Schwäbischen Bund für alle Fälle dessen Beihilfe zu versichern und vornehmlich auch des Deutschmeisters neuen | Wohnsitz, das Haus zu Mergentheim, mit stärkerer Besatzung und reichlicheren Unterhaltungsmitteln zu versorgen. Die Mannschaft sollte sofort noch mit 25 Fußknechten verstärkt, vom Komthur zu Kapfenburg noch ein Haufe von 40–50 angeworben und im Fall der Noth dem Hause zu Mergentheim eiligst Hilfe von Rothenburg, Münnerstadt, Weinheim und Weißenburg gesandt werden. Als so das Nöthige vorgekehrt war, wünschte der hochbejahrte Deutschmeister seines sorgenvollen Amtes entbunden zu werden. Er berief auf Mitte Dezember ein Generalkapitel des Ordens nach Mergentheim, welches seine Amtsniederlegung annahm und auf seinen Vorschlag den Komthur zu Frankfurt, Walther von Kronberg, zum Nachfolger wählte. Auch diesem wurde das Ordenshaus Mergentheim mit allen seinen Nutzungen und einem widerruflichen Jahreszuschuß von 600 Rhein. Gulden auf 12 Jahre zugewiesen. Im Dezember des folgenden Jahres, 1527, übertrug ihm und seinen Nachfolgern der Kaiser auch die Administration des durch Beitritt zur Reformation für Preußen verloren gegangenen Hochmeisterthums. Was Walthers Regierung für uns besonders denkwürdig macht, ist die Aufhebung der Leibeigenschaft in Mergentheim. Nachdem Ende März 1536 ein Generalkapitel, im August desselben Jahrs ein Provinzialkapitel zu Mergentheim gehalten worden war, berief der Deutschmeister im September 1537 bereits wieder sämmtliche Gebietiger in Franken zu einem Kapitelgespräch in Mergentheim, weil Bürgermeister, Rath und Gemeinde sich um Aufhebung der in der Stadt bestehenden Leibeigenschaft an ihn gewandt hatten. Man erkannte in der Berathung darüber an, daß solche Leibeigenschaft einen überaus rechtmäßigen, guten Anfang und Grund habe, die Aufhebung aber zuversichtlich dem Deutschmeister und dem Orden zu Lob, der Stadt Mergentheim zu besonderem Gut und Aufnahme kommen werde. Es wurde daher beschlossen, weil die Leibeigenschaft seit undenklichen Zeiten dem Komthur zugehört habe, mit der Stadt wegen einer Entschädigung für denselben von jährlich 15–20 Gulden in Verhandlung zu treten. Am 12. November 1537 kam zwischen dem Deutschmeister und dem Rath der Stadt ein Vertrag zu Stande, worin der erstere die gesammte Bürgerschaft und alle ihre Nachkommen von der Leibeigenschaft und allem, was mit ihr zusammenhing, völlig frei und ledig erklärte, wogegen der Rath sich verpflichtete, dem jederzeitigen Komthur zu Mergentheim zu ewigen Zeiten als Entgelt jährlich 15 Gulden zu entrichten. | Die Frage des Meistersitzes wünschte Walther von Kronberg nach Ablauf der bei seiner Wahl festgesetzten 12 Jahre auf einem Provinzialkapitel in Neckarsulm 1538 endgiltig entschieden und Mergentheim auf ewige Zeiten durch einen Tauschvergleich dem Meister als beständiger Wohnsitz zugewiesen zu sehen. Aber das Kapitel verschob die Verhandlung auf eine spätere Zeit. Im Februar 1540 hatte der Deutschmeister die Ehre, den Römischen König Ferdinand einige Tage im Ordenshaus Mergentheim zu beherbergen. Nachdem ihn in den letzten Jahren seines langen rastlos thätigen Lebens noch die Abstellung des Judenwuchers, der gerade mit den Ordensbeamten und ihren Unterthanen besonders frech betrieben wurde, der exemte Gerichtsstand des Ordens u. A. beschäftigt hatte, starb Walther nach mehrmonatlichen schweren Leiden zu Mergentheim am 4. April 1543. Ein schönes Denkmal von Erz in der Dominikanerkirche bewahrt die dauernde Erinnerung an den vielverdienten Meister. Nicht in Mergentheim, wo nur ein Kapitelgespräch stattfand, sondern in Speier trat noch im April 1543 das Generalkapitel zusammen, welches den Hessen Wolfgang Schutzbar genannt Milchling zum Deutschmeister und Administrator des Hochmeisterthums wählte. Bereitwillig giengen die Gebietiger der Ballei Franken auf die von sämmtlichen Landkomthuren und Statthaltern unterstützte Bitte des neuen Meisters ein, ihm das Ordenshaus zu Mergentheim als Wohnsitz noch auf 15 Jahre zu überlassen. Zugleich verlangte derselbe aber die Beschaffung einer geziemenden Kompetenz d. h. eines gesicherten hinlänglichen Einkommens zum standesmäßigen Unterhalt, was zur Anlage eines „gemeinen Beutels“ oder einer General-Ordenskasse in Nürnberg führte. Es kamen wieder schwere Zeiten für den Orden und für Mergentheim. Zum Krieg gegen die Schmalkaldischen Bundesverwandten stellte der Deutschmeister dem Kaiser ein Hilfskorps von 1500 wohlgerüsteten Spießern, darunter 300 Schützen. Der Lohn war im ersten Kriegsjahr 1546 ein ungeheurer Schaden durch Einlagerungen, Raub und Brand; auch Mergentheim soll geplündert worden sein. Besonders den Johanniterorden scheinen die Wirren der Zeit beunruhigt zu haben: wenigstens erfahren wir gelegentlich eines deutschordenschen Generalkapitels im Herbst 1548, wozu die Rathsgebietiger und Komthure sich sehr zahlreich in Mergentheim einfanden, daß man damals wegen eines Anerbietens des genannten Ordens in Betreff des Johanniterhauses zu Mergentheim | mit ihm in Unterhandlung stand. (Einige Jahre später soll sogar über die Verschmelzung beider Orden zu einem einzigen zwischen den beiden Meistern verhandelt, aber keine Verständigung über die Meisterwürde und die Insignien der Wappen erzielt worden sein. Voigt 2, 156.) Was die folgenden Jahre, besonders das Schlußjahr des Schmalkaldischen Kriegs, 1552, über Mergentheim und seine Umgebung brachte, ist oben S. 288 f. erzählt. Zu einiger Entschädigung gelang es Schutzbar Milchling im Jahr 1554, den Besitz der Johanniter in Mergentheim um eine verhältnismäßig geringe Summe für seinen Orden zu erwerben, womit jene ihre Station Mergentheim nach vierthalbhundertjährigem Bestand für immer aufgaben. Im März 1558 weilte Kaiser Ferdinand auf der Rückreise von der Krönung in Frankfurt bei dem Deutschmeister in Mergentheim und erneuerte demselben die Belehnung mit Preußen. Ein Generalkapitel zu Frankfurt 1558, in welchem Jahr die Zeit ablief, für welche dem Hoch- und Deutschmeister der Besitz des Ordenshauses Mergentheim eingeräumt worden war, überließ ihm dasselbe auf Lebenszeit und verwilligte ihm außerdem „aus gar keiner Gerechtigkeit, aber aus Gutwilligkeit“ eine jährliche Beisteuer zum standesmäßigen Unterhalt von je 110 Gulden aus jeder Ballei. Im Dezember 1565 schrieb Milchling, obwohl schwer krank und hochbetagt, auf den 10. Februar nächsten Jahres ein Generalkapitel nach Mergentheim aus. Die meisten Gebietiger trafen dort ein, sie fanden aber den Meister so schwach, daß, ehe noch das Kapitel eröffnet werden konnte, schon am 11. Februar 1566 seine Auflösung erfolgte. Sein feierliches Begräbnis im Beisein aller versammelten Gebietiger geschah wenige Tage darauf in der Ordenskirche, wie es die alte Ordnung vorschrieb. Die Stadt, in welcher er 23 Jahre residirt, und welcher er ein neues Rathhaus gebaut hatte, bewahrt sein Andenken als des Stifters einer Trinkwasserleitung durch sein Standbild auf dem Marktbrunnen. Unter dem nächsten Hoch- und Deutschmeister, Georg Hund von Wenkheim, überrascht die Nachricht, daß von 1567 an zwei Pfarrer nach einander, Kaspar Suffan und Gabriel Biber, in Mergentheim evangelisch gepredigt, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgetheilt und geheiratet haben. Vielleicht hängt damit zusammen, was von Hunds Nachfolger berichtet wird, er habe den Spital in eine Jesuitenanstalt verwandeln wollen. (Reg. 1577.) Jedenfalls konnte in der | Schwedenzeit der zum Protestantismus übergetretene Stadtpfarrer Faber die Mergentheimer daran erinnern, daß ihre Väter um 1590 „die evangelische Religion herzlich geliebet haben und es sie hart angekommen sei, da sie verfolgt und zu der päbstischen genöthigt worden.“ (Wibel 1, 771.) Wie es scheint, fieng Hund noch den Umbau des Schlosses an, nachdem er 1568 ein Kanzleigebäude und feuerfestes Archiv gebaut hatte. Vollendet wurde der Schloßbau von seinem Nachfolger Heinrich v. Bobenhausen (1572–1588.) Auch die lateinische Schule hat dieser, zum Theil auf Kosten der Ballei Franken, neu gebaut, desgleichen die Stadtkirche wölben und malen lassen; und endlich wurde unter ihm das erste Schützenhaus bei St. Wolfgang errichtet. Ein von ihm auf den Mai 1585 nach Mergentheim berufenes Generalkapitel brachte eine wichtige Veränderung im Amte des Deutschmeisters. Heinrich wünschte seines Amtes entbunden zu werden und zum Nachfolger den Bruder des Kaisers Rudolf, Erzherzog Maximilian,[ws 1] zu erhalten. Im Kapitel erschienen zu diesem Behuf Botschafter des Kaisers und des Königs von Spanien, und Max wurde zum Koadjutor gewählt; der hochbetagte Deutschmeister trat ihm die Residenz ab gegen 1500 Gulden für das Quartal und einen Trunk Neckarwein, mit dem Sitz in Kron-Weißenburg. Von einer Partei der Polen 1586 zum König gewählt, träumte der neue Koadjutor bereits von der Wiedergewinnung der im Norden verlorenen Ordenslande. Statt dessen ward er im Januar 1588 auf einem unglücklichen Feldzug gefangen genommen. Erst im März 1589 bewirkte der Pabst die Freilassung des Gefangenen, der nun im Sommer dieses Jahrs nach Mergentheim zurückkehrte, wo mittlerweile der Komthur Joh. Eustach v. Westernach das Amt geführt hatte. Noch in demselben Jahr ward Max durch gänzlichen Verzicht Heinrichs von Bobenhausen wirklicher Deutschmeister. 1593 ließ er durch ein Generalkapitel in Mergentheim 150 Reiter und 100 Schützen auf 2 Jahre gegen die Türken ins Feld stellen. Durch ein zweites Kapitel, welches er auf Ende Februar 1606 in seine Residenz berief, ließ er über die Abfassung eines neuen Ordensbuchs, das er im Entwurf vorlegte, Beschluß fassen. Und da zwar der Zudrang zur Aufnahme in die Ritterbrüderschaft des Ordens immer noch beträchtlich war, dagegen die Klagen der Landkomthure über den Mangel an geeigneten und ausgebildeten Priesterbrüdern sich fort und fort wiederholten, auch die Ausbreitung der lutherischen Lehre in der Umgegend noch immer | zunahm, gründete Maximilian im J. 1600 mit Unterstützung der Ballei Franken in dem Seminar zu Mergentheim eine eigene Bildungsanstalt für Ordenspriester, versorgte es mit den nöthigen Unterhaltungsmitteln (800 fl. jährlich aus seiner und 1600 fl. aus der Ballei-Kasse) und ließ aus dem Elsaß und aus Österreich mehrere namhafte Geistliche und tüchtige Kanzelredner herbeikommen; sorgte auch für „merkliche Besserung des Gottesdienstes bei Hof, in der Stadt und auf dem Lande.“ Im September 1618 ließ er durch ein Generalkapitel in Mergentheim den Bruder Kaiser Ferdinands, den Erzherzog Karl, zu seinem Nachfolger im Hoch- und Deutschmeisterthum erküren, und schon wenige Wochen darnach starb er in Wien. Am 14. Jan. 1619 wurde der eben Genannte in Mergentheim feierlich in sein hohes Amt eingeführt, das er nur wenige Jahre bekleiden sollte: zur Regentschaft von Portugal berufen, starb er in Madrid den 24. November 1624. Der Statthalter und Landkomthur Joh. Eustach von Westernach berief zur Neuwahl auf 17. März 1625 ein Generalkapitel ins Haupthaus Mergentheim. Es war ein Bewerber um die Meisterwürde aufgetreten, den Niemand erwartete: Graf Johann Tserklas von Tilly[ws 2], der siegreiche Feldmarschall der Liga. Trotz der Fürsprache des Kaisers und mehrerer Fürsten blieb das Kapitel bei dem Statut, welches jede namentliche Bewerbung vor einer Meisterwahl verbot, und wählte den genannten Statthalter. Schon Mitte März 1627 berief derselbe wieder ein Generalkapitel nach Mergentheim, welches, wie so manche seiner Vorgänger, sich mit der unfruchtbaren Frage der dem Orden entrissenen Besitzungen beschäftigte. Im Herbst desselben Jahrs fand der 82jährige Greis seine Ruhestätte bei seinen Vorgängern in der Ordenskirche zu Mergentheim. Ein daselbst in den letzten Tagen von 1627 gehaltenes Generalkapitel hob den Landkomthur im Elsaß, Joh. Kaspar v. Stadion[ws 3], auf den Stuhl und verpflichtete denselben, Angesichts der kriegerischen Erfolge Wallensteins[ws 4] und Tillys insbesondere alle nichtkatholischen Unterthanen innerhalb seines Meisterthums so viel nur möglich zu „reformiren“ d. h. zur rechtgläubigen Kirche zurückzuführen. Eine 1629 in Mergentheim veranstaltete Zusammenkunft der Liga mag ihn darin bestärkt haben. Daß freilich die Ausführung hinter dem Vorsatz zurückblieb, dafür sorgte der weitere Verlauf des Kriegs, der schon von Mansfelds Tagen an die Gegend wiederholt gestreift hatte | (s. S. 289 f.) jetzt aber, 1631–34, für mehrere Jahre die Schweden und den Protestantismus in die Deutschmeister-Residenz brachte, nachdem eben noch ein Ordensgespräch eine größere Summe zum Fortifikationsbau in Mergentheim angewiesen hatte. Einiges über diese Schwedenzeit unter dem Feldmarschall Graf Gustav Horn ist bereits S. 291 f. erzählt. „Wenn man hört, wie das wilde Kriegsvolk bei der Erstürmung der Nachbarstadt Würzburg sich nicht mit Raub und Plünderung begnügte, sondern Greuel und Schandthaten aller Art verübte, so mag man die Verwüstungs- und Vernichtungswuth sich vorstellen, die es an dem Orte ausließ, wo seit alten Zeiten einer der getreuesten Anhänger des österreichischen Kaiserhauses seinen Wohnsitz hatte und von wo erst jüngst wieder der Deutschmeister dahin zu wirken gesucht, da, wo es in seiner Macht lag, die Lutherische Lehre zu vertilgen. So war wohl auch das Kapuzinerkloster, welches der Meister erst einige Jahre zuvor (1628) hatte erbauen lassen, nicht das Einzige, was der gänzlichen Zerstörung durch das Kriegsvolk unterlag“ (Voigt 2, 335 f.) Übrigens war Horns Regiment ein versöhnliches, offenbar auf dauerndes Bleiben bedachtes. Bei der allgemeinen Entwaffnung der Bevölkerung ließ er den Rathsherren ihre Degen; was die Regierung, herrschaftliche Diener und Bürger bei der Annäherung der Schweden nach Speier geflüchtet hatten und dort ein anderes schwedisches Korps fand, als es Speier eroberte, forderte Horn mit Erfolg zurück, freilich ohne verhindern zu können, daß Herzog Bernhard von Weimar den Transport unterwegs noch wegnahm; 1633 beschränkte er die Besatzung von Mergentheim auf etwa 30 Mann; als die katholische Bürgerschaft sich über den Stadtpfarrer Faber (s. u.) beklagte, konnte Horn versichern, daß er bereits den Dominikaner-Prior beauftragt habe, einen würdigen Priester zu bestellen; den katholischen Priestern wurde nur untersagt, das Deutschordische Kreuz zu tragen. In der Hofkirche allerdings wurde evangelischer Gottesdienst eingerichtet unter dem Superintendenten M. Joh. Körber, ein M. Joh. Lütkemann zum Informator bei Hof bestellt und eine evangelische Schule unter dem Präzeptor Joh. Erhard Seitz errichtet. Bald erschien auch ein „Compendium der Kirchenordnung, welche in des Hochwolgeborenen Herrn Herrn Gustav Horn, der Königlichen Kron Schweden Raths und General-Feld-Marschalls, Herrschaft Mergentheimb soll observiret und gebraucht werden.“ Der katholische Stadtpfarrer M. Michael Faber ließ sich für die evangelische | Konfession gewinnen, und nahm am 21. Sonntag nach Trinitatis 1633 nach einer (in Heilbronn unter dem Titel Vala Papa Tu Salve Luthere d. i. Päbstisch Valet und Evangelischer Antritt zu Mergentheimb gedruckten) Predigt über Matth. 10, 32 f. Wer mich bekennet etc. das Abendmahl auf evangelische Weise. Wenige Monate darauf, nach der Nördlinger Schlacht, mußte er mit allen aus der alten Kirche Ausgetretenen die Stadt verlassen; er that es nicht, ohne zuvor das Pfarrarchiv verbrannt zu haben. Wib. 1, 770. 4, 323. W. F. 1854, S. 106 f.) Dafür kehrte der Deutschorden in die Stadt zurück und der Meister Kaspar v. Stadion stellte 1635–37 das Kapuzinerkloster wieder her, wobei die bei der Demolirung Thätigen, besonders auch die Edelfinger, hart angelegt wurden; 1641 ward die Mariahilfkapelle erbaut. 1639 wurde Stadion der Erzherzog Leopold Wilhelm als Koadjutor beigegeben, während umgekehrt der Kaiser den Deutschmeister mit Octavio Piccolomini dem jungen Prinzen für die Kriegsführung in Böhmen zur Seite stellte. Schon im November 1641 rief der Tod Stadions, dessen Herz in seiner Kapuzinerkirche beigesetzt wurde, Leopold Wilhelm zur Nachfolge. Ob dieser, den der Antheil am Krieg und nach demselben die Statthalterschaft in den Niederlanden fast unausgesetzt in Anspruch nahmen, während seiner 21jährigen Regierung Mergentheim einmal besucht hat, wissen wir nicht; sein Statthalter daselbst, der Neuhaus noch immer von den Schweden besetzt und 1645–47 schwere Kriegsdrangsale über Mergentheim und Umgegend hereinbrechen sehen mußte (s. S. 293 ff.) war Augustin Oswald von Lichtenstein. Unter ihm wurden die Befestigungen um die Stadt niedergerissen (1650) und der gewonnene Platz theilweise überbaut; 1659 das bisher übliche Flurreiten in eine Fußprozession verwandelt, auch den Kapuzinern in Mergentheim wieder Aufnahme gewährt. Da beim Tode Leopold Wilhelms 1662 der zu seinem Nachfolger designirte Erzherzog Karl Joseph noch minderjährig war, bildete der genannte Statthalter mit zwei Landkomthuren, von welchen immer einer in Mergentheim zu verweilen hatte, das Direktorium. Ein unter diesem im Februar 1663 zusammentretendes Generalkapitel in Mergentheim wies die Ansprüche der Testamentare des verstorbenen Deutschmeisters auf die Vorräthe an Wein und Getreide, sowie Geld und Geldeswerth, was man beim Tode desselben im Meisterthum vorgefunden, zurück und verlangte seinerseits die dem Orden zugehörigen, in den Händen des Deutschmeisters | gelassenen Pretiosen, Silbergeräthe etc. für die Schatzkammer in Mergentheim, insbesondere auch die einst für den Deutschmeister Erzherzog Maximilian verfaßte lateinische Ordenschronik zur Aufbewahrung im Mergentheimer Archiv. Als wenige Monate hernach einer der drei Direktoren, A. O. von Lichtenstein, starb, traten die obersten Ordensbeamten abermals in Mergentheim zusammen und wählten den Statthalter der Ballei Franken, Philipp Freiherr v. Graveneck. Zugleich beriethen sie, da der den Juden in Mergentheim auf 10 Jahre verwilligte Schutzbrief abgelaufen war, über dessen Verlängerung. Die von einer Seite beantragte Wegschaffung der Synagoge aus der Stadt wurde als dem erzherzoglichen Schutzbrief widersprechend abgelehnt und vielmehr bestimmt: Entweder sollten die Juden an jedem Sonn- und Feiertag aus jedem Judenhause, wie dies auch in Rom geschehe, diejenigen, welche sich zur Synagoge hielten, bei namhafter Strafe zur Anhörung der Predigt in die Kirche schicken, an welche sie gewiesen wurden, und auch den dazu angestellten Prediger besolden, oder aber, wenn dies ihnen beschwerlich sei, ein für allemal 1000 Gulden zur Herstellung und Unterhaltung der Pfarrkirche oder auch jährlich zu gleichem Zweck 100 Gulden für die fernere Zulassung der Synagoge in der Stadt entrichten, und zwar „zu Folge des erzherzoglichen Schutzbriefs ganz still und ohne einige Klage.“ Am 27. Januar 1664 starb der zum Deutschmeister designirte, als „ein Wunder von Geist“ gerühmte Erzherzog Karl Joseph, erst 15 Jahre alt, und im März dieses Jahrs wählte ein Generalkapitel in Mergentheim den Direktor, Rathsgebietiger in Franken etc. Joh. Kaspar v. Ampringen zum Meister. Bald hernach, 1666, wüthete hier eine „Pest“, zu deren Bekämpfung jeden Abend der Mühlwehrbach durch die Stadt gelassen, auch auf dem Markt und in den Straßen große Feuer unterhalten wurden. Um 1670 wurde im Zusammenhang mit dem Projekt eines Donau-Rheinkanals die Schiffbarmachung der Tauber von Wertheim bis Mergentheim oder Weikersheim angeregt. Der Deutschmeister ließ nach einer gründlichen Generalvisitation in allen Balleien durch ein im Frühjahr 1671 in Mergentheim zusammentretendes Kapitel das innere Verfassungswesen des Ordens einer Reorganisation unterwerfen. Unter Anderem wurde, wohl auf Anregung des Mergentheimer Seminardirektors Dr. Joh. Kaspar Venator, der seine Geschichte des Ordens 1680 dem Deutschmeister Ampringen gewidmet hat – | das Archivwesen geordnet, insbesondere Einsendung von authentischen Abschriften aller wichtigsten Dokumente aus den Archiven der Balleien in das Hauptarchiv zu Mergentheim angeordnet. Vom deutschmeisterischen Hof jener Tage gibt ein kleines Bild, was von der Reise des Mainauer Landkomthurs von Roggenbach zur Verpflichtung nach Mergentheim berichtet wird (Roth v. Schreckenstein, Die Insel Mainau 175.) Sechs Tage dauerte die Reise von der lieblichen Bodenseeinsel nach der Ordensstadt, ebenso lang der Aufenthalt in dieser. Die Kosten für die Konfirmationsurkunde beliefen sich auf 1251 Gulden; „Verehrungen“ erhielten: der Herr Kanzler 90 fl., der Rentmeister 30, die Kanzlisten 12; dann kamen die Priester für vier gehaltene Ämter, Koch, Kellner, Zimmerwart, 6 Trompeter, die Musikanten, des Herrn Marschalks Diener, der Kammerdiener des Hochmeisters, die Edelknaben, der Bereiter und die Stallknechte, der Tafeldecker, Thorwart, die Einspännigen, die Lakaien, der Futterschneider, Thurmbläser, Mundschenk, der Gärtner und endlich auch der Zwerg – das alles kam und erhielt im Ganzen 306 Gulden und 23 Kreuzer. Der Deutschmeister selbst stand freilich die meiste Zeit als Gubernator in Ungarn, während der Krieg gegen Louis XIV. den Besitzungen und der Residenz desselben, die von den Nöthen des dreißigjährigen Kriegs sich kaum erholt haben mochten, neuen Schaden brachte. Im September 1673 hausten Turennes Dragoner dermaßen in Mergentheim, daß es kein fürstlicher Wohnsitz mehr zu sein schien. 1679 wählte ein besonders zahlreich besuchtes Kapitel in Mergentheim den jungen Herzog Ludwig Anton von Pfalz-Neuburg zum Koadjutor und dereinstigen Nachfolger in der Hoch- und Deutschmeisterwürde. Diese trat er schon 1684 an, verweilte aber, meist durch den Kriegsdienst ferne gehalten, nur in der ersten Zeit seiner zehnjährigen Amtsverwaltung vorübergehend in Mergentheim. In seine Regierungszeit fällt der berüchtigte, auch für das Mergentheimische Gebiet verderbliche Einfall der Franzosen 1688 (siehe S. 303.) Als Ludwig Anton, noch nicht ganz 34 Jahre alt, im Mai 1694 zu Lüttich gestorben war, wurde von den Ordensgebietigern zunächst die Leichenfeier für den so früh abberufenen Meister in Mergentheim dem Herkommen gemäß gehalten und hernach der Bruder desselben, Herzog Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Bischof von Breslau, auch postulirter Probst und Herr zu Ellwangen, der zu den Feierlichkeiten eingeladen und erschienen war, zum Meister erhoben. Da außer den | genannten hohen geistlichen Ämtern auch noch die Bisthümer Worms und Trier auf ihn gehäuft wurden, sah ihn Mergentheim in den 38 Jahren seines Meisterthums nur selten, beispielsweise 1718 und 1719; und auch von seiner Wirksamkeit für den Orden finden sich nicht viele Spuren. 1697 wird über Kleiderhoffart der Frauen geklagt, insbesondere das Tragen großer Hauben, der „verfluchten babylonischen Thürme“, welche eine fremde überdies noch calvinische Person, mit ihren Töchtern und ihrem Sohn in Mergentheim wohnhaft, verfertigte. Im Jahr 1700 wurde das Gymnasium errichtet (s. u.). Auch der spanische Erbfolgekrieg ließ Mergentheim nicht unberührt: 1704 kamen viele in der Schlacht von Höchstädt gefangene Franzosen unter englischer Bedeckung durch; am 22. Juli 1707 überrumpelte ein französisches Streifkorps die Stadt (s. S. 304.) 1711 machte die Durchreise Kaiser Karls VI. zur Krönung nach Frankfurt – 750 Pferde waren auf jede Poststation zu stellen – dem Deutschmeister großen Aufwand. Die Zeit charakterisirt ein Regierungsdekret vom 1. Mai 1715 an den Hauskomthur zu Mergentheim: während der bevorstehenden Sonnenfinsternis seien zu Verhütung von Seuchen und Krankheiten die Brunnen zuzudecken, das Vieh, bis wieder ein Thau oder Regen falle, nicht auf die Weide zu treiben, Gemüse und Futter Tags zuvor einzutragen, weil „von denen von gedachter Sonnenfinsternis beschatteten Gartenwaren etc. nichts genossen werden dürfe.“ 1716 wurde das große Armenhaus mit der St. Rochuskapelle neu erbaut. Im August 1724 besuchte der Fürstbischof Philipp Franz von Würzburg den Deutschmeister in Mergentheim. Nach einer großen Jagd und einem solennen Mahl fühlte sich der Gast unpäßlich und reiste daher schon am zweiten Tag nach seiner Ankunft wieder ab. Schon im Wäldchen unfern Löffelstelzen ereilte ihn unter einer Eiche der Tod. 1728 wurde der „große Jahrmarkt“ von Johannis auf Ägidien (1. September) verlegt; 1730 der Neubau der Hofkirche begonnen. Auch dem nächsten Hoch- und Deutschmeister, der zugleich Kurfürst von Köln wurde, Klemens August Herzog von Bayern, 1732–1761, begegnen wir außer dem Kapitel, welches ihn wählte, und einem andern, das er 1736 nach Mergentheim berief, nur selten daselbst. 1735 war der Neubau der Hofkirche vollendet. 1736 wurde in Abwesenheit des Hoch- und Deutschmeisters das Jubiläum des Kapuzinerklosters glänzend gefeiert; 1738 die alte Burg auf dem Ketterberg abgebrochen. Im April 1742 reiste der unglückliche | Kurfürst Karl Albert von Bayern (Karl VII.) auf dem Heimweg von seiner pomphaften Kaiserkrönung durch die Deutschordensstadt, die den Bruder des Hoch- und Deutschmeisters mit gebührenden Festlichkeiten beglückte. Doch noch glänzendere Tage sah Mergentheim, als am 28. Septbr. 1750 der Hoch- und Deutschmeister auf 21/2 Monate in seine Residenz kam. Sein Gefolge bestand aus etwa 250 Mann. Bis in den Dezember hinein folgten sich, in Gegenwart vieler fremden Ordensritter und Herrschaften, Jagden, Theater und andere Lustbarkeiten. Von seinem Hingang an blieb das Hoch- und Deutschmeisterthum bei dem Haus Lothringen-Habsburg. Zunächst ward im April 1761 im Generalkapitel, wozu sich die Ordensgebietiger so zahlreich in Mergentheim einfanden, daß auch die nächstgelegenen Dörfer Quartier erhielten, nach viertägigen Exequien für den verstorbenen Fürsten, der in Mergentheim selbst anwesende Herzog Karl Alexander von Lothringen, Bruder des Kaisers Franz I., gewählt. Im Herbst 1764, in welchem Jahr der eben Genannte zur Krönung nach Frankfurt durch Mergentheim reiste, leitete Karl Alexander eine große Kapitelversammlung in Mergentheim, im übrigen hielt er sich meistens als Statthalter der österreichischen Niederlande in Brüssel auf. Von ihm hat das Karolinische Krankenhaus, dessen Bau 1765 er wesentlich förderte, den Namen. 1773 wurde an dem Gymnasium auch ein Studium theologicum eingerichtet, 1778 ein Theil des Walls und die hohe Schanz abgetragen und der Schloßgraben theilweise ausgefüllt. Mehr wissen wir von den Beziehungen der nächsten beiden, der letzten Mergentheim besitzenden Hoch- und Deutschmeister zu unserer Stadt. Im Oktober 1780 hier zum Ritter geschlagen und eingekleidet, und darauf in sein hohes Amt eingesetzt, verweilte der Erzherzog Maximilian Franz, Maria Theresia’s jüngster Sohn, zwar meist in Bonn, weil er 1784 zum Erzbischof von Köln und zugleich zum Fürstbischof von Münster gewählt worden war. Doch haben wir über des Fürsten Walten in den ersten Jahren zu Mergentheim einen artigen Bericht aus dem Jahr 1784 von einem kurkölnischen Beamten, welcher zu Anfang dieses Jahrs nach Mergentheim geschickt wurde und unter Anderem schreibt (Annalen des Histor. Vereins für den Niederrhein XIII und XIV, 100 ff.): „Ihre Königliche Hoheit sind selbst ein guter Geschäftsarbeiter und fleißiger als einer von den Untergebenen. Seine Kleidung ist äußerst simpel. Als ich zum erstenmal erinnert wurde, zu sehen, | wie er über die Gasse gieng, konnte ich ihn gar nicht finden; ich sah wohl einen Geistlichen, etwa in der Gestalt eines Dorfvicarius, neben den übrigen Herrn zur Seite gehen, verwunderte mich aber, daß dieser – ich glaubte, er müßte etwas zu suchen haben – so ungenirt daher marschirte, bis ich endlich in dieser Figur Ihre Königl. Hoheit selbst gewahr wurde. Er trägt einen auf allen Ecken rund gequetschten Hut; die Haare sind äußerst dünn und unfrisirt, wenn er Gala macht, setzt er eine Perücke über die Haare. Dazu schwarze tuchene Weste und Hose, ein leifarbiger (schieferf.) Überrock, Stiefel und weiße abgetragene große Strümpfe. Täglich geht er vor und nach der Arbeit über die Straße und in der Gegend herum, spricht mit Jedem, der ihm vor oder in den Wurf kommt. Vorgestern hat er für sich zwei Reitpferde gekauft, das eine und das andere kosten – Sie werden es nicht errathen – 4 und 5 Karolin. Er ist ein großer Freund von Simplifizirung und in Ausführung des Satzes: frustra fit per plura ein wahrer nützlicher Philosoph. Alle Vorstellungen, mündliche oder schriftliche, nimmt er von jedem Unterthan selbst an. Auch dann, wenn er mit Unwahrheiten behelligt wird, läßt er den Remonstranten nicht bestrafen; durch eine solche Strafe, fürchtet er, möchte der Unterthan schüchtern werden und ferner nicht mehr zu ihm reden, wodurch ihm dann die Gelegenheit entzogen würde, die Wahrheit unmittelbar zu erfahren. Das Gerücht, als ob er ein Devotant und Freudenscheu oder Weiberscheu sei, ist wohl falsch. Er hat hier dem Frauenzimmer zwei Schlittenfahrten ohnlängst gegeben, die eine mit 13 und die andere mit 27 Schlitten. Er selbst hat vorher den Weg gebahnt und jeden Schlitten mit einem Dukaten bezahlt. NB! Er ist mit dem Civilstand gefahren und Erzherzog geblieben. Sieben Bälle hat er gegeben und ist auf allen selbst zugegen gewesen, hat Alle animirt, auch bis 1, 2 Uhr sich aufgehalten. Selbst die Exercitienbälle, welche in der Wohnung des Statthalters auf dem Schloß gegeben werden, hat er jedesmal besucht und ermuntert. Noch besonders hat er auch für die hiesige Bürgerschaft Bälle gegeben, welches alles das ihm nachgesagte devote Wesen nicht beweist. Dagegen ist er aber auch strenge, äußerst strenge in Forderung der Arbeiten . . Mit den Viktualien geht es hier wohl an, nur vermisse ich beim besten Weizenbrot unser Roggenbrot, welches man hier überhaupt unter dem Namen Pumpernikel verlacht. Der Wein, so hier gezogen wird, ist bloß weißer, nicht theuer, etwa zwischen 6 bis | 12 Gulden per Ohm, aber theuer meiner Gesundheit. Ich lechze nach Mosler, diesem einzigen Wein, der sich für mich schickt. Unsere Tafel wird in Silber mit 12 Schüsseln bedient. Die Speisen sind gut. Überhaupt sind die Wiener so gewohnt, daß man mit ihnen wohl fürlieb nehmen kann. Ihre Gesellschaft finde ich angenehm und gutmüthig . . „Von Bonn aus ertheilte Maximilian Franz 1786 dem Landkomthur von Franken durch einen sogen. Bannbrief auf 2 Jahre, als eines seiner Regalien, die Vollmacht, an allen Orten seiner Ballei nach eingeholten Urtheilen der Universität Würzburg oder Ingolstadt Gericht zu üben und zu vollführen, mit Vorbehalt des hochmeisterlichen Begnadigungsrechts in peinlichen Fragen (Tortur) oder Todesstrafen. Ein Bruder Kaiser Josephs, hat auch Maximilian Franz sich eine gewisse Neuerungssucht und Willkür in kirchlichen und andern Angelegenheiten zum Vorwurf machen lassen müssen. Er hob 1781 das Studium theologicum wieder auf, stellte den „Unfug“ der Johannisfeuer und den Wildschaden (1782) wieder ab, errichtete 1783 eine besondere Mädchenschule; 1784 wurde die kirchliche Figuralmusik durch den allgemeinen Volksgesang ersetzt, der bisherige Magistrat, genannt die Stadtaudienz oder das Stadtgericht, bestehend aus dem Hauskommenthur als Präsidenten, dem Stadtschreiber und den 6 ältesten von den 12 Stadträthen (machines parlantes oder vielmehr nur mouvantes, schreibt der oben angeführte Berichterstatter) aufgehoben und dafür ein rechtskundiger Stadtschultheiß mit einem Stadtschreiber und drei Beisitzern aus der Bürgerschaft eingesetzt. Letzteres geschah im Februar, als gerade die Tauber stark ausgetreten war; der Deutschmeister gab am Fastnacht-Dienstag den Rathsherren im Schloß einen Ball und bedankte sich andern Tags bei ihrer Aufwartung, sie gnädig ihrer Dienste enthebend, weshalb die Frankfurter Oberpostamts-Zeitung witzelte: den Stadtrath von Mergentheim habe die Tauber mitgenommen. 1787 wurden, wie in der ganzen Diözese Würzburg, die Wallfahrten, als den Müßiggang befördernd, aufgehoben; 1788 die Aufnahme der Alumnen in das Seminar zu Mergentheim, sowie die Besetzung der Pfarreien, Benefizien und Kaplaneien im Meisterthum und in der Ballei ausschließlich dem Hochmeister überlassen. Ein im September 1791 in Mergentheim zusammentretendes Generalkapitel genehmigte die Einverleibung der Kommende Ellingen in das Meisterthum, was die Übersiedlung zahlreicher Beamten von da nach Mergentheim zur Folge hatte; auch beauftragte | das Kapitel den Archivar Hofrath Polzer und den Ordenspriester und Geistlichen Rath Simon zu Mergentheim mit einer Revision der durch den Ordensritter von Wal verfaßten, erst 1807 in Mergentheim zum Druck gelangenden Geschichte des Deutschen Ordens. Im Frühjahr 1793 kam der französische General Dumouriez, der, in Frankreich als Verräther gehaßt, in den Niederlanden von seinen Truppen verlassen, sich den Österreichern anvertraut hatte, mit zwei Adjutanten nach Mergentheim und wollte dort ein Haus miethen; aber der Deutschmeister verwies ihm durch ein geharnischtes Schreiben d.d. Bonn 16. Mai 1793 den Aufenthalt in seiner Residenz. Der hohe Herr selber liebte diese ganz besonders: 31. Oktbr. 1794 schrieb er aus Dorsten in Westfalen an seinen Statthalter in Mergentheim, der ihm gerathen hatte, sich auch um Würzburg und Bamberg zu bemühen: „Ich bin so entfernt, neue Fürstenthümer zu suchen, daß ich Jenem, der mich – nur seien es keine Franzosen! – meiner zwei in Besitz habenden entledigte, Dank wüßte und mich gar zu gern mit dem Deutschmeisterthum begnügen würde . . Ich bleibe was ich bin, und finde mich schon so zu viel belastet; wäre ich nicht Exkurfürst (von Köln) und Fürst zu Münster, so wäre ich schon längst bei Ihnen in Mergentheim, welches ich doch noch immer als das vorzüglichste und angenehmste meiner Fürstentümer betrachte. So muß ich hier hocken und täglich nichts als odiosa, Elend und Jammer um mich hören. Ich hoffe, bald von hier aus zu Ihnen ins gelobte Oberland zu kommen.“ Dies scheint erst im November 1796 geschehen zu sein, wo der Fürst feierlich empfangen wurde; dann finden wir ihn im Sommer 1797 und vom Sommer 1799 bis Frühling 1800 hier. Im Sommer des letztgenannten Jahrs kamen die Franzosen, die zwischen dem Abzug der Österreicher und dem Frieden von Lüneville Süddeutschland unaufhörlich durchzogen. Und wie sie überall in Stadt und Land Geld und Leistungen aller Art erpreßten, so stellten sie auch an den Ordensminister Freiherrn v. Forstmeister, welchem die Mergentheimer Verwaltung übertragen war, die unmäßigsten Forderungen. Auf seine Anfrage beim Hoch- und Deutschmeister, wie er sich in seinen schweren Bedrängnissen zu verhalten habe, erwiderte ihm dieser (Wien 30. Juli 1800): vor allem sei nothwendig, daß keiner der Oberamtleute und Unterbeamten sein Amt verlasse; man müsse es so schwer als möglich machen, Gelder aufzutreiben, und keine Schulden aufhäufen; die jetzige Unzufriedenheit und | selbst Erpressungen schaden viel weniger als künftige Nachwehen; jetzt sehe jeder Unterthan die Übermacht des Feindes, die Leiden des Kriegs, die man ihm jetzt nicht erleichtern könne, künftig aber werde man sorgen müssen, daß die Folgen des Kriegs möglichst bald vergessen werden, also sei jetzt der Kredit zu schonen etc. Fast noch stärkere Klagen, als über die Franzosen, mußte der Fürst über seine eigenen Unterthanen vernehmen, die seit der 1788 vorgenommenen Inkorporation aller Balleien in das Hochmeisterthum schwierig waren und ihren Unmuth in Schmähreden über die Ordensherren und Pasquillen gegen die Beamten etc. ausließen. Seit vollends der Lüneviller Friede vom 9. Febr. 1801 den überrheinischen Besitz des Ordens an Frankreich wies, dachte der Hochmeister, obwohl er kaum 45 Jahre zählte, an den Rücktritt. Er ließ durch ein Kapitel in Wien den bald hernach so berühmt gewordenen Erzherzog Karl,[ws 5] Bruder des Kaisers Franz II., zum Koadjutor wählen, machte, als ahnte er sein nahes Ende, sein Testament, in welchem er seinen Neffen Maximilian von Österreich-Este, den nachmaligen Hoch- und Deutschmeister, zum Erben seines großen Vermögens einsetzte, und starb plötzlich am am 27. Juli 1801 zu Hetzendorf bei Wien. In Mergentheim war man ungehalten, daß er im Testament zwar nach Köln und Münster je 10.000 Gulden zu einem Jahrestag vermacht, die Ordensstadt aber übergangen, auch die Dienerschaft mit Ausnahme eines Kammerdieners bloß den Nachfolgern zu Fortsetzung der von ihm ausgesetzten Pension empfohlen hatte. Der ohne weiteres in das Meisteramt vorrückende Koadjutor Erzherzog Karl konnte wegen seiner Dienstverhältnisse gar nicht nach Mergentheim kommen, ließ schon 1803 sich einen Koadjutor in der Person seines Bruders, des Erzherzogs Anton Viktor, beigeben und theilte einfach unterm 27. Mai 1804 dem Landkomthur von Franken mit, daß er die Regierung des Deutschen Ordens und die hoch- und deutschmeisterische Würde seinem Bruder Anton übergebe. Dieser schrieb auf den August 1805 ein Generalkapitel nach Mergentheim aus, zu welchem nur wenige Landkomthure erschienen. Am 8. August fand in der Hofkirche die letzte Inthronisation eines Hochmeisters statt. Die Landkomthurei von Franken wurde dem bisherigen Koadjutor Erzherzog Maximilian von Österreich-Este übertragen und in „einem der umfassendsten und gehaltreichsten Kapitel, die jemals in Mergentheim stattgefunden, unter der weisen Leitung des durch Mäßigung, Milde und den Adel seiner Gesinnung ausgezeichneten Hochmeisters | vieles berathen, beschlossen und geordnet, was unter glücklicheren Verhältnissen das Heil und Gedeihen des Ordens wieder hätte fördern können.“ Aber schon die nächsten Monate sollten diesem, die nächsten Jahre all dem liebgewordenen Alten den Untergang bereiten. (Siehe oben S. 307 ff.). Man kann sich, auch wenn man von der Pietät und dem Selbstgefühle, welche eine 600jährige Tradition der Ordensherrschaft und die fast 300jährige Residenzherrlichkeit der Hoch- und Deutschmeisterstadt eingepflanzt, ganz absehen wollte, von dem Schmerz und Grimm der Mergentheimer über die Ereignisse der Jahre 1805 und 1809 eine Vorstellung machen, wenn man einfach erwägt, welch zahlreiche Beamten- und Dienerschaft und welchen fortgesetzten Fremdenverkehr Hof und Regierung der kleinen, von ca. 2600 bis 3000 Menschen bewohnten Stadt zugeführt hatten, wie die beiden Klöster, die Garnison und das Gymnasium nicht unbeträchtliche Macht- und Nahrungsquellen gewesen waren. Die Einwohnerzahl, welche in den 1790er Jahren sich auf 2800 bis gegen 3000 belief, darunter durchschnittlich 100 bei Hof, 24 Dominikaner, 30 Kapuziner, ein Reichskontingent von circa 40 Mann zu Pferd und 100–200 zu Fuß, 50–60 „Studenten“, sank, obwohl Württemberg der Stadt mehrere Jahre lang eine Garnison erhielt, 1809 auf 2420, 1819 auf 2343, 1828 auf 2329; und erst die neueste Zeit hat die Zahl, mit Einschluß eines seit 1868 dahin verlegten Infanterie-Bataillons, auf 4000 gehoben. Ein Verzeichnis der laut Konvention mit der Kaiserlichen Reichspost 1803 Briefpostfreiheit genießenden Beamten zu Mergentheim umfaßt deren nicht weniger als 72: den Statthalter, den Regierungs- und Hofkammer-Präsidenten, adeligen Regierungs- und Hofkammerrath (v. Burtscheid) Major, adeligen Regierungs- und Hofkammer-Beisitzer (v. Hornstein) Hauptmann (v. Reichenstein), Kanzler (v. Kleudgen), Kanzleidirektor (v. Breuning), 3 Geheimeräthe, wovon einer zugleich Hofkammer-Direktor, 7 Hofräthe, 1 Hofmedikus, 1 Archivarius, 1 Hofraths-Sekretär, 3 Geistliche Räthe, wovon einer zugleich Seminar-Direktor gewesen, einer Stadtpfarrer war, 1 Geistlichen Raths Sekretär, 12 Hofkammerräthe, wovon einer zugleich Rentmeister (Hauptkassier), 1 Hofkammer-Sekretär, 3 Räthe, wovon einer Geheimer Expeditor und Botenmeister, einer Bibliothekar, 1 Forstmeister, 1 Hofkammer-Konsulent, 1 Oberamtsrath, 1 Referendär, 1 Oberamts-, 1 Kommissions-, 1 Legations-Sekretär, 1 Ober-Registrator, 1 Trapponey-Verwalter, 1 Kontributions-Obereinnehmer, | 1 Hospital-Verwalter, 1 Regierungs-Protokollist, 1 Regierungs-Registrator, 1 Hofkammer-Registrator, 1 Geheimer Kanzlist, 17 Kanzlisten, 1 Haushofmeister, 1 Bauschreiber.


III. Die Württembergische Zeit.

Aus den sieben Jahrzehnten, welche seit der Säkularisirung und Mediatisirung von Napoleons Gnaden dahingegangen sind, ist nur wenig mehr zu berichten.

Von 1800 bis 1813 war Mergentheim Garnisonsstadt; 1812 bis 1815 verhandelten daselbst Bevollmächtigte von Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Nassau und Isenburg über die noch nicht ausgeglichenen Verhältnisse der den genannten Höfen zugefallenen Deutschordischen Besitzungen. (Vgl. Hauptvertrag der an den vormals teutschordischen Besitzungen betheiligten Höfe etc. Mergentheim, gedruckt bei Thomm 1815.) 1826 wurde die Mineralquelle entdeckt und 1829 von der Stadt ein Brunnenhaus und Badhaus errichtet. (Das Weitere s. oben S. 354 ff.) In den letzten Tagen des Jahrs 1827 bezog Herzog Paul von Württemberg mit seiner Gemahlin, einer geborenen Prinzessin von Thurn und Taxis, das Schloß zu Mergentheim, wo denselben am 4. Septbr. 1828 ein Sohn, Herzog Wilhelm Ferdinand Max Karl geboren wurde. Von drei großen Reisen nach Nordamerika 1822–24, 1829–32, 1849–56, einer nach Australien 1858–59, sowie kleineren Reisen an den obern Nil, nach Algier etc. brachte Herzog Paul reiche zoologische, mineralogische, botanische und ethnographische Sammlungen mit, welche im Schloß zu Mergentheim ihre Aufstellung fanden. Im November 1860 kam er wieder hieher, um seine umfassenden Manuskripte und Sammlungen vollends zu ordnen, erkrankte aber nach wenigen Tagen und erlag am 25. dieses Monats einer kurzen schmerzhaften Krankheit. Seine Sammlungen wurden zerstreut, das Schloß, als 1868 ein Jägerbataillon hieher verlegt wurde, zur Kaserne eingerichtet. An die Stelle des Jägerbataillons trat 1871 ein Bataillon des 4. Infanterieregiments Nr. 122. Am 23. Oktober 1869 trat Mergentheim in den Genuß des Eisenbahnverkehrs.

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Regesten zu I.–III.[10]

1058. Comitatus Mergintaim in pago Tubergewe[11] U.B. 1, 274.

1099. Gozwinus de Mergentheim ist Zeuge in einer bischöflich Würzburgischen Urkunde. U.B. 1, 313.

1103. (Röttingen) in provincia Osterfranken in comitatu Mergentheim . . Ebo et filius eius Goswinus de Mergentheim. Cod. Hirsaug. (1843) 44 f.

1169. Heinrich v. Lauda vermacht den dritten Theil an der Kapelle in Mergentheim, über den Reliquien des hl. Kilian, dem Hochstift Würzburg. Monum. boica 37, 92.

1170 „soll ein Herr von Hohenlohe seinen Antheil an dieser Kapelle gleichfalls Würzburg aufgetragen haben“. Schönhuth, Chronik von Mergentheim 9.

1207 September 27. Bischof Otto von Würzburg bestätigt die Schenkung des Patronatsrechts der Kirche in Mergenthein durch den edlen Ritter Albert v. Hohenlohe an das Hospital des heil. Johannes des Täufers in Jerusalem. U.B. 2, 365.

1216. Die Gebietiger der Häuser des hl. Johannes des Täufers in Alemannien, Heinrich und Engelhard, beurkunden, daß die edle Frau Hedwig v. Hohenlohe ihnen 20 Mark Silber zum Ankauf eines Gutes für die Erhaltung eines Pfarrgehilfen in Mergentheim und Entrichtung eines jährlichen Zinses daraus an das Kloster Schäftersheim übergeben habe. U.B. 3, 36.

1219 Dezember 16. Vor Bischof Otto von Würzburg und seinen Landherren und Dienstleuten wird der von Andreas v. Hohenlohe vor seinem Eintritt in den Dienst des deutschen Hospitals in Jerusalem mit seinen Brüdern Gottfried und Konrad verabredete Theilungs- und Abfindungsvertrag endgiltig abgeschlossen. Andreas erhält unter anderem „alles (Hohenlohische) Eigenthum in Mergentheim, beide Schlösser, den Wald Ketereit, die Fischwaid (Fischfang) und die Wiesen an der Tauber, den Zoll, das Gericht, den Zehnten daselbst etc. und schenkt dieses alles dem DO.[12] U. B. 3, 92.

1219 Dezember 16. Bischof Otto von Würzburg bezeugt, daß die Brüder Gottfried und Konrad v. Hohenlohe den Berg und Wald in Ketereit, in Gegenwart seiner Waltboten in Mergentheim, von allen darauf haftenden Rechtsansprüchen befreit und ihrem Bruder Andreas und dem DO. überlassen haben. Dabei sind u. A. Zeugen: Rüdeger und Gottfried von Mergentheim. U. B. 3, 96.

1219 Dezember 22. Vor Bischof Otto von Würzburg schließen die edlen Knaben Heinrich und Friedrich v. Hohenlohe mit ihren Brüdern Gottfried und Konrad einen Vertrag über die Abtheilung ihrer Güter und Leute, ausgenommen ihre Leute in Mergentheim und Husen. Zeuge u. A.: Alwic von Mergentheim. U. B. 3, 97 f.

| 1219. Dezember 29. Zeuge in Würzburg Rüdeger von Mergentheim. U.B. 3, 99.

1219. Vor Bischof Otto von Würzburg übergeben die Brüder Heinrich und Friedrich v. Hohenlohe bei ihrem Eintritt in den DO. diesem ihre sämmtlichen Güter in Honsbronn, Elpersheim etc. U.B. 3, 95.

1220 April 14. Vor dem Bischof Otto von Würzburg bestätigen Gottfried und Konrad v. Hohenlohe die mit ihren Brüdern Andreas, Heinrich und Friedrich abgeschlossenen Verträge. U.B. 3, 115.

1220. Vor Bischof Otto und seinem Kapitel in Würzburg schließt der DO. mit Adelheid v. Hohenlohe und ihrem Gemahl Konrad von Lobenhausen wegen des gedachter Adelheid auf Gütern in Mergentheim zustehenden Leibgedings einen Tausch- und Abfindungsvertrag. U.B. 3, 100.

1221. Henricus (v. Hohenlohe) magister in M. St.[13] 2, 753.

1221. (Siboto de Wollechingen) Bertoldus de Mergintheim, templarii, Zeugen in einer Urkunde für Kloster Bronnbach. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 2, 304. W. F. 8, 286.

1222 Juni 22. Bischof Otto von Würzburg beurkundet die zwischen den Gebrüdern Konrad und Gottfried v. Hohenlohe und dem DO. getroffene Übereinkunft wegen des dem letzteren zugesicherten Zehntens in Mergentheim. U.B. 3, 136.

1223 November 21. Z.[14] Růdegerus de M. Berengerus de M. Hermannus Lescho etc. U.B. 3, 146 f.

1224 Dezember 14. Würzburg. Bischof Dieterich entsagt seinem Eigenthumsrecht an den Zehnten zu Mergentheim, welchen die damit belehnten Brüder Gottfried und Konrad v. Hohenlohe dem DO. abgetreten, und wird dafür von genannten Brüdern mit Gütern in verschiedenen Orten, darunter einem Weinberg in Mergentheim, entschädigt. U. B. 3, 157.

1225. Heinrich, Ritter in Mergentheim und von Höttingen (BA. Ochsenfurt) überträgt den Johannitern in Mergentheim 10 Pfd. Silbers zu Unterhaltung eines ewigen Lichtes in der Kirche daselbst. U. B. 3, 163.

1225 März 3. im Lateran. Pabst Honorius III. bestätigt dem DO. den ihm von dem Bischof von Würzburg überlassenen Zehnten zu Mergentheim (Merenkeim). U.B. 3, 168.

1225 Juli 13. Rieti. Pabst Honorius III. bestätigt dem DO. den ihm von den Gebrüdern Gottfried und Konrad v. Hohenlohe mit Zustimmung des Bischofs Dietrich von Würzburg abgetretenen Zehnten in Mergentheim. U.B. 3, 180.

1226 Mai. Parma. Gottfried von Hohenlohe verzichtet freiwillig auf den ihm zuständigen Antheil an Gütern in Mergentheim, welche Walther von Langenburg dem DO. verkaufte. U.B. 3, 194.

1226. Walther von Langenburg verkauft und übergibt dem DO. all sein Grundeigenthum in Mergentheim. U.B. 3, 189.

1226. Derselbe Walther gelobt an Eidesstatt, die Käufer gegen jedwede Anfechtung ihres Besitzes zu vertreten. U.B. 3, 190.

| 1227 Januar 29. Regensburg. König Heinrich VII. bestätigt den von dem edlen Manne Heinrich v. Egersberg vorgenommenen Verkauf aller seiner Güter in Mergentheim an den DO. U.B. 3, 211.

1228. Gottfried v. Hohenlohe verkauft dem DO. eine Mühle zu Mergentheim, welche vorher Siboto von Jagstberg besessen, für 40 Mark Silber. Zeugen u. A. Gottfried und Hermann Lesche, Rüdeger von Mergentheim. U.B. 3, 218.

1229. Siboto von Jagstberg verkauft alle seine Güter in Mergentheim, mit Ausnahme derer, welche der Schultheiß Rüdeger von ihm zu Lehen hat, an den DO. Zeuge u. A. Rüdeger von Mergentheim. U.B. 3, 242.

(1229.) Konrad Reizo v. Breuberg entsagt unter Zustimmung seiner Gemahlin allen Ansprüchen auf die von seinem Schwiegervater Sigeboto v. Jagstberg an den DO. verkauften Güter in Mergentheim. U.B. 3, 243.

1230 Dezember 29. In einem Sühnvertrag zwischen den Herren Gottfried und Konrad, Gebrüdern v. Hohenlohe, wird durch ein Schiedsgericht von 12 Rittern, Hohenlohischen Vasallen, darunter Gottfried und Hermann Lesch und Rüdeger von Mergentheim, unter Anderem festgesetzt, daß keiner der Brüder ohne Zustimmung des andern etwas in Mergentheim kaufen, keiner eine Burg innerhalb des Würzburger Sprengels ohne Einwilligung des Komthurs in Mergentheim bauen darf, im Falle neuer Streitigkeiten jeder Theil zwei von den oben genannten Schiedsmännern zu wählen hat, welche vier nicht aus Mergentheim gehen dürfen, bevor der Streit geschlichtet ist. U. B. 3, 272 ff.

1243. Gottfried v. Hohenlohe übergibt dem DO. einer Schuld halben seinen Weiler Stalldorf (BA. Ochsenfurt) samt Zugehör, auch Eigenthum in Sonderhofen (ebendas.) auf Wiederlösung. Schönhuth Chron. 14.

1245. In Mergentheim nimmt Konrad von Krautheim einen Güterverkauf vor. Wib. 2, 50.

1245. Albert v. Bastheim commendator in M. St. 2, 753.

1246. März 8. Eßlingen. Schenkung Konrads v. Hohenlohe an den DO.Komthur in Mergentheim s. Igersheim.

1246. Heinrich v. Löffelstelzen und seine Gemahlin Gisela vermachen dem DO.shaus in Mergentheim 4 Jauchert Weinberge in Erlbach (im Erlenbach) 2 Jauchert Äcker sita in Mergental (s. 1365) etc. (Demnächst im U.B.)

1248. Johs. Saxo commendator in M. St. 2, 753.

1249 oder 50. Heinrich v. Hohenlohe, DO.s Hochmeister, stirbt im Ordenshause zu Mergentheim und wird in der Ordenskapelle daselbst begraben. Fischer, Geschichte des Hauses Hohenlohe 1, 41.

c. 1250. Horenbogo nebst Gattin gestattet mit Einwilligung seines Lehensherrn v. Hohenlohe dem DO. das Recht, eine Wasserleitung durch seine Güter in ihrem Hofe anzulegen. (Demnächst im U. B.)

1250. Dominikaner sollen in Mergentheim eingezogen sein. St. 2, 739.

1252. Die Schloßkirche wird gebaut. St.A.[15] Vgl. W. F. 4,275.

| 1253 April. Gottfried v. Hohenlohe verkauft, unter Zustimmung seiner Gemahlin Ricza, dem DO. in Mergentheim einen Hof in Erlach und einen in Obernhofen für 400 Pfd. Hlr. St.A.

1254. Päbstlicher Ablaßbrief für die Wohlthäter des Johanniterhauses in Mergentheim, 1298 erneuert. St. A.

1255. Die Kirche im Schloß zu Mergentheim wird zu bauen angefangen. W. F. 1853, 30. 4, 275.

1257. Albert v. Hohenlohe steuert dem DO. 2 Huben und eine Mühle zu Wallhausen. Schönh. Chron. 15.

1257. Waltherus de Sulz commendator in M. St. 2, 753.

1259 am Palmtag. Kraft v. Hohenlohe urkundet, daß DO., Johanniter und Richter und Gemeinde der Bürger zu Mergentheim sich wegen des Holzes im Katzenberg und aller der gemeinen Hölzer zu Mergentheim verglichen haben. W. F. 4, 277. 8, 269.

1260 März. Irmengard von Reichenberg (BA. Würzburg) vermacht dem DO. in Mergentheim 6 Pfd. Hlr. und was sie an Gütern in Mergentheim hat. W. F. 1853, S. 83.

1264. In Mergentheim stirbt und wird begraben der neunte Deutschmeister Konrad von Nürnberg. W. F. 1853, 31. 1854, 120.

1267. Albert v. Hohenlohe und seine Söhne treten dem DO. 11 Morgen Weinberg zu Laubenbach ab gegen ebenso viele bei Gotzboldesdorf (abg. bei Sonderhofen, bayr. BA. Ochsenfurt). Schönh. Chron. 15.

1267. Friedrich v. Archshofen und Frau schenken ihr Schloß Archshofen dem DO. Schönh. Chron. 15.

1268. Kraft v. Krautheim commendator in M. St. 2, 753.

1268. Rudegerus commendator in M. W. F. 1855, 58.

1268 November 30. Vergleichung zwischen Heinrich v. Hohenlohe und dem DO. in Mergentheim. St. 2, 569.

1268. Übereinkunft zwischen der Gemeinde Mergentheim und dem DO. wegen eines Weihers und einer Wasserleitung. Zeugen: Fr. Eberhardus commendator, Fr. Wezelo plebanus . . Johanniter. St. 2, 569. W. F. 8, 270.

1268. Kraft v. Hohenlohe und Frau schenken dem DO. Gilten zu Hollenbach und Igersheim. Schönh. Chron. 15.

c. 1268. Heinrich v. Hohenlohe-Brauneck wird in der DO.skirche in Mergentheim begraben. W. F. 1854, 120.

1269 März 6. Heinrich v. Hohenlohe verspricht dem DO., daß er seinen Bruder Gebhard, falls er zurückkehre, bestimmen werde, den Verkauf seines Hofs in Stuppach, sowie seines Schlosses und aller Güter und Leute in Mergentheim etc. Seitens des Hohenlohischen Dienstmanns Hiltebrand v. Seinsheim anzuerkennen, widrigenfalls Heinrich mit drei Rittern nach Mergentheim sich begeben würde, bis die Abtretung vollzogen ist. Zeuge u. A.: Rüdeger Reich von Mergentheim. W. F. 1848, II. S. 5.

1269 Mai 23. Andreas v. Hohenlohe, DO.s-Komthur, stirbt in Mergentheim und wird daselbst begraben. Wibel 1, 18.

1269 März 15. Röttingen. Erkenger von Seinsheim (BA. Kitzingen), Erkenger von Röttingen (BA. Ochsenfurt), dessen Bruder Otto und Konrad Lesch urkunden, daß sie für den Kauf vom 6. März bürgen, bis Gebhard v. Brauneck aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sein werde. W. F. 1848, II. S. 6.

| 1269 Mai 8. Brauneck. Gottfried v. Hohenlohe leistet dieselbe Bürgschaft wie Heinrich. (s. 6. März) W. F. 1848, II. S. 6.

1269 September 1. Uffenheim. Albert v. Hohenlohe erkennt den obigen Verkauf an. Zeugen u. A.: Rüdeger Reich von Mergentheim, H(ermann) Lesch, Konrad Lesch, (Hermann) Lesch (junior). W. F. 1848, II. S. 6.

c. 1270. Heinrich v. Strittberg, Bischof von Samland, verleiht der Johanniterkirche in Mergentheim einen Ablaß. Altpreuß. Monatsschrift Bd. 11. Reg. 790. Siehe unten 1274.

1271 Juni 14. Schäftersheim. Konrad v. Hohenlohe urkundet, daß DO. in Mergentheim statt seiner dem Hildebrand v. Seinsheim 300 Pfd. Hlr. bezahlt habe, wofür Konrad mit Einwilligung seiner Gemahlin Adelheid dem DO. seinen Hof in Stalldorf gibt. W. F. 1848 II. S. 7.

1272. Werner v. Battenberg, Deutschmeister, stirbt in Mergentheim. W. F. 1853, 31.

1272 März. Mergentheim. Das Frauenkloster Monheim (BA. Donauwörth) tritt alle seine Güter und Einkünfte in Stuppach an DO. in Mergentheim ab gegen eine Fuder gemischten Wein jährlich aus dem Weinberg Secxe. W. F. 4, 119.

1272 Mai 15. Albert, Dekan in Neunkirchen, vermacht dem Johanniterhause in Mergentheim einen Weinberg in Tungersheim (bei Neunkirchen), erworben von Konrad Jüngling in Mergentheim, und einen Weinberg im Wolfenthal (zwischen Neunkirchen und Stuppach). W. F. 8, 71.

Zwischen 1273 und 1291. Br. Friedrich v. Tungersheim fängt den Konvent der Dominikaner in Mergentheim zu bauen an. W. F. 1854, S. 112.

1274. Weil Bischof Heinrich von Samland, welcher die Pfarrkirche in Mergentheim eingeweiht und mit einem Ablaß begabt hatte (Reg. c. 1270) wieder abgereist war, ehe er die betreffende Urkunde gesiegelt, wird ein anderer DO.sbischof, Joh. Letoviensis, gebeten, eine Kapelle in honorem corporis J. Christi et St. Georgii zu weihen und die Urkunde seines Amtsbruders durch sein Siegel zu vervollständigen. Derselbe gewährt 40 Tage Ablaß allen, welche den Bau durch Gaben unterstützen. W. F. 8, 270.

1276 März 22. Mergentheim. Heinrich v. Hohenlohe(-Brauneck) verkauft mit Einwilligung seiner Gemahlin Lukard dem DO.shaus in Mergentheim ihren Neubruch Ruit bei Hollenbach (OA. Künzelsau) und alles was sie in Hollenbach besitzen. W. F. 4, 109.

1280 August 2. Hartwig, gen. Sibner, Bürger zu Mergentheim, und seine Gattin Riczza stiften ein ewiges Licht für 15 Pfd. Hlr. in die DO.skirche daselbst, mit dem Beding, daß, wenn solches nicht unterhalten würde, die Stiftung an Kloster Schäftersheim kommen solle. Wib. 2, 92.

1280 Mai 9. Weikersheim. Kraft v. Hohenlohe überlaßt dem Johanniterorden sein Recht an zwei Häuser in Mergentheim. W. F. 6, 460.

1280. Ulrich Abt von Echenbrunn (BA. Dillingen) verkauft einen Leibeigenen daselbst an den DO. in Mergentheim. St. A.

| 1281 Dezember 13. Ulrich v. Dürne (Walldürn) überläßt Güter in Sol (wo ?), welche früher Gottfried Kozellin d. Ä. zu Lehen getragen, dem Johanniterhaus in Mergentheim als freies Eigenthum. W. F. 8, 271.

1283. Der Deutschordens-Hochmeister Hartmann v. Heldrungen stirbt auf der Heimreise von Venedig nach Marburg in Mergentheim und wird in der Deutschordenskirche begraben. W. F. 1853, 31.

1284 März 22. Heyliga, Witwe des Ritters Konrad v. Dörzbach, verkauft mit Genehmigung ihres Herrn, Kraft von Hohenlohe, an das Johanniterhaus Mergentheim ihre Güter in Königshofen um 181/2 Pfd. Hllr. Bürgen u. A. Gottfried von Sachsenflur in Mergentheim. W. F. 8, 271.

1285 Oktober 21. Mit Einwilligung Krafts v. Hohenlohe verfügen D. O. und Johanniter in Mergentheim sowie Rudegerus dcts. Wigerich et Rudegerus dives, Martinus divitis frater, Rudegerus dcts. Hako, Gotfridus dcts. Kotzlin, milites, Wasmodus Bertoldus filius quondam Rudegeri dicti Sutzel: Niemand dürfe das Buschwerk und Gehölz auf der Flur „in der Mark“ und in den Waldungen Katzenberg, Wittigen und Gehey zu Mergentheim ohne besondere Erlaubnis von nächst Martini 10 Jahre lang hauen. W. F. 1848. II. S. 7. Schönh. Chron. 16.

1288 März 4. Freiburg i. B. Schiedsrichter sprechen, daß DO. öffentlich in der Pfarrkirche zu Mergentheim Abbitte leisten müsse, weil seine Leute mit bewaffneter Hand in die Mühle des Johanniter-Ordens eingefallen und auch sonst diesem großen Schimpf zugefügt. W. F. 4, 282.

1288 April 8. Friedrich v. Limburg, Kaiserl. Schenk, überlaßt dem Johanniterhause in Mergentheim auf Bitten seines Bruders, des Johanniters Walther, seinen eigenen Mann Konrad v. Edelfingen. W. F. 8, 272.

1288 Mai 21. Würzburg. Bischof Mangold v. Würzburg verleiht der Johanniterkirche zu Mergentheim zu deren Erneuerung und Erweiterung, zu welch kostspieligem Werk die eigenen Mittel nicht hinreichen, einen Indulgenzbrief. W. F. 1851, S. 52. 8, 270.

1289 Dezember 4. Weikersheim. Kraft von Hohenlohe schenkt dem Johanniterhause in Mergentheim sein Recht auf 2 Häuser und einen Garten in Mergentheim. W. F. 4, 120.

1289. Das Deutsche Haus in Mergentheim (ein Theil desselben) wird neu gebaut. St. A.

1290 Jan. 13. Mergentheim. Konrad Lesch v. Ussigheim (BA. Tauberbischofsheim) verkauft dem DO.s-Haus in Mergentheim Einkünfte in Bolzhausen (BA. Ochsenfurt.) W. F. 1848. II. S. 8.

1290 April 4. Kraft von Hohenlohe und Andere geben ihre Einwilligung zu der Überlassung des Patronatsrechtes zu Obersteinach an DO. in Mergentheim Seitens ihres Vasallen Zürch. Zeugen u. A. Br. Konrad v. Mergentheim, Hermann Lesch, Rüdiger Reich v. Mergentheim, Martin dessen Bruder. W. F. 1847, S. 35.

1290. Die DO.’s-Kommenden zu Mergentheim, Prozelten, Neubronn und Archshofen begeben sich in Mainzischen Schutz und Schirm. W. F. 4, 278. Schönh. Chron. 26.

1291. s. Neunkirchen.

1291. Berthold Phosch v. Mergentheim und seine Hausfrau verkaufen ihre Behausung zu Mergentheim mit Keller, Kelterhaus und | Gärtlein (von welchem ein junges Huhn jährlich dem DO. zu liefern ist) sammt Hofstatt für 20 Pfd. Hllr. an das Kloster Schönthal, unter Zustimmung ihrer Lehensherren, Krafts und Konrads v. Hohenlohe. Schönh. Chron. 20.

1293 Jan. 25. In einem Schiedsspruch ist Schiedsrichter u. A. Hermannus dictus Lesche, Zeugen fr. Otto plebanus (in Mergentheim) frater C. de Mergintheym und Martinus de Mergintheym, Heinricus Rindervelt, Sifridus Forser, C. Stein, C. Widechistad, scabini ville Mergintheym. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. 9, 317. W. F. 5, 108.

1294 Februar 2. Kraft v. Hohenlohe verkauft dem DO. in Mergentheim einen Hof in Erlach (BA. Ochsenfurt) Zeuge u. A. Hermann Lesche. W. F. 1848, II. S. 8.

1294 April 4. König Adolf verweilt in Mergentheim. St. 3, XIII.

1295 Januar 25. Ebenso. ebendas.

1295 Juli 7. Weikersheim. Bei einem Verkauf an Kloster Schönthal sind Bürgen u. A. Hermann Lesche, Martinus et Bertoldus dicti Sützel, de Mergentheim, Rudiger filius quondam Rudigeri divitis. W. F. 1848, II. S. 14.

1295. Konrad v. Mergentheim DOs.-Komthur in Hittenheim. Voigt Gesch. d. D. R.O. 2, 670.

1296 August 1. Mergentheim. Konrad Lesch. gen. v. Ussigheim. verkauft mit Zustimmung seiner Gemahlin Adelheid dem DO.shaus in Mergentheim Einkünfte in Bolzhausen. Zeugen u. A. fr. Heinricus Lescho commendator in M., Herm. Lescho miles. W. F. 1848, II. S. 8.

1296 Oktober 1. Adolf Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Baiern verweilt in Mergentheim und verleiht dem Deutschen Hause das Recht, seinen Wein und seine Früchte zoll- und abgabenfrei bei Bacharach am Rhein vorüberzuführen. St. A.

1296. In einer Urkunde Krafts v. Hohenlohe sind Zeugen u. A. Konrad Lesch v. Ussigheim, Martin und Bertold Sützel v. Mergentheim. Wib. 4, 111.

1297 Aug. 24. Kraft v. Hohenlohe schenkt mit Einwilligung seiner Gemahlin Agnes und ihrer Söhne Konrad und Kraft dem DO. in Mergentheim Einkünfte in Eberbach (OA. Künzelsau.) W. F. 1848, II. S. 9.

1297. Der Komthur des Deutschen Hauses beschuldigt die Johanniter, daß auf ihr Anstiften hie und da Grenz- oder Marksteine in mehreren dem Deutschen Orden rechtmäßig zugehörenden Besitzungen ausgegraben und verändert, ihm auch sonst noch allerlei anderes Unrecht von ihnen zugefügt worden sei. Man stellte die Sache zur schiedsrichterlichen Entscheidung des Bischofs Mangold von Würzburg und 8 anderer rechtskundiger Männer; allein der Bischof und die unter den Schiedsrichtern befindlichen Domherrn lehnten die Entscheidung ab und einem von Andern gethanen Schiedsspruch wollten sich die Johanniter nicht fügen. Der Deutschhaus-Komthur brachte eine Klage an den Pabst, der dem Domkapitel zu Würzburg den Befehl ertheilte, die Johanniter zur Annahme des Schiedsspruchs mit allem Ernst und unter festgesetzter Strafe anzuhalten. Voigt, Gesch. d. D. Ritterordens 1, 548.

| 1297 in Mergenthal verleiht Bischof Franz von Shrewsbury dem Heiliggeistspital in Rothenburg einen Ablaß. Bensen, Hist. Unters. über Rotenb. 543.

1297. In einer Kloster Schönthaler Urkunde zeugt Bertoldus dictus Sutzel. Wib. 3, 46.

1298 April 25. Kraft v. Hohenlohe verkauft dem DO. in Mergentheim Einkünfte in Rietheim, (wo?) Unterhausen, (wo?) Tiefenthal (BA. Ochsenfurt) Insingen (Rothenburg a. T.) Bolzhausen (Ochsenfurt). Zeugen u. A. Hermann Lesch. W. F. 1848, II. S. 10.

1298 November. Ein Landfriede König Adolfs stellt eine sehr mörderische Verfolgung der Juden im Frankenlande, auch in Mergentheim, ab. St. 3, 96. Vgl. Wib. 1, 248.

1298. DO. und Johanniter in Mergentheim kommen aufs Neue überein, die Lösung ihrer Streitigkeiten in den Gebieten Mergentheim, Hornegge und Hornberg Theidigungsmännern zu überlassen. W. F. 8, 273.

1298. Die Brüder Hildebrand und Gottfried v. Seinsheim mit ihren Schwestern Elisabeth und Margardis Leschin erlauben, daß die von ihrem Urgroßvater Heinrich v. Höttingen (vgl. 1225) zu Mergentheim (bei der Kirche) erbaute Kapelle, worin er seine Ruhestätte hat, beim Bau der Pfarrkirche abgebrochen und seine Gebeine in die Kirche selbst versetzt werden. Zeugen u. A. Bertoldus et Heinricus frater suus dictus Lesche de M. nec non Rudiger dives, Arnoldus Grenarius. W. F. 8, 271. 4, 120.

1299 April 12. DO. einestheils und Spital, Ritter und Gemeinde der Bürger zu Mergentheim anderntheils vergleichen sich wegen des Holzes im Kotzenberg und aller gemeinen Hölzer zu Mergentheim. St.A.

1299 Juni 21. Konrad Lesch, geheißen zu Ussigheim, und seine Gemahlin Adelheid v. Bachenstein überlassen dem DO. („dem Bruder Hermann Lesch, unserem l. Oheim, Landkommenthur zu Franken und Kommenthur zu Mergentheim“) ihren Hof zu Bolzhausen, bis die Einkünfte davon, welche sie seit etlichen Jahren dem Orden schulden, bezahlt sein werden. Zeugen u. A. Arnolt Grener, Hertwig Scheuber, Schultheiß von Mergentheim, Heinrich Zolner von Mergentheim. W. F. 1848, II. S. 10.

1299 Juli 22. Mergentheim. Konrad Lesch, gen. v. Ussigheim, weist dem DO. in Mergentheim für 10 Pfd. Hllr., welche er diesem schuldet, Einkünfte in Bolzhausen an. W. F. 1848, II. S. 11.

1300 Januar 16. Heinrich v. Brauneck verkauft seine Besitzungen in Neuseß dem DO.shaus in Mergentheim. Zeugen u. A. Herm. Lesch; Kommenthur, Heinr. Zöllner v. Mergentheim. W. F. 4, 121.

1300 November 9. Würzburg erneuert die Belehnung mit dem Gericht in Mergentheim für Hohenlohe Brauneck. Mon. bo. 38, 244.

c. 1300. Adelheid, Gebhards v. Brauneck Witwe, übergibt mit ihrem Sohn das Patronatsrecht in Mergentheim dem Stift Würzburg (?) Wib. 4, 79.

1300–1308. Rüdiger Reich mehrmals genannt als Kommenthur des Johanniterordens in Mergentheim. W. F. 8, 273.

13. Dezember 1301. Konrad Lesch v. Ussigheim verkauft seinen Hof in Bolzhausen dem DO. in Mergentheim für 163 Pfd. Hllr. Zeugen | u. A. fr. Cunradus de M., Bertholdus Scheuber, Cunrad Witstat, Heinr. theleonarius et alii jurati cives in M. W. F. 1848, II. S. 11.

1301 Dezember 13. Kunigund, die Frau des DO.s-Bruders Heinrich Truchseß, macht eine Stiftung von den bereits dem DO.shaus in Mergentheim vermachten Gütern in Groß-Langheim (bayr. BA. Kitzingen), Stuppach und Lillstadt. W. F. 4, 121.

1302. Kraft v. Hohenlohe überläßt die ihm von Hermann Ohselin abgetretenen Weinberge in Mergentheim dessen Tochter Gisela und Schwiegersohn Konrad Pfister gegen einen Zins von jährlich 6 Pfd. Hllr. St. A.

1303. In der DO.skirche zu Mergentheim werden beigesetzt Heinrich v. Hohenlohe-Brauneck und Johann von Nesselrod. W. F. 1854. S. 120.

1303. Rudolfus dictus Mergentheimer in Neufels (OA. Öhringen) und seine Gemahlin Mechthild urkunden. W. F. 1847, S. 27. Wib. 4,28.

c. 1303. Heinr. dictus Wahsmůt de Mergentheim. Arch. d. h. V. v. U. F. IV. 1. 143.

1306. Unter den Siedersgerechtigkeiten in Hall befinden sich 2 Pfannen für die Deutschherren in Mergentheim. W. F. 10, 118.

1306. Wernher v. Tannenberg, Kantor und Archidiakonus in Würzburg, vermacht den Predigern (Dominikanern) in Mergentheim, 2 Pfd. Hllr. Mon. bo. 38, 363.

1311. Walther von Stuppach mit Hiltegund seiner Hausfrau sel. gibt dem DO. zu einer Jahreszeit seine Güter und Gefälle in Mergentheim im Wolvental, Althausen, in der Au gegen Wachbach und Igersheim Weingärten, Güter und Gilten, auch 24 Morgen Holz zu Lustbronn und das Haus das er selber gebaut, vor seiner Herrn Thor. Zeugen: Heinrich Zolner u. A. St. A.

1312 Mai. Archshofen. Gottfried, Gebhard und Andreas v. Brauneck vergleichen sich mit dem DO.shaus in Mergentheim. Sie überlassen diesem alles Gericht in Mergentheim auch über die Juden und darkommenen Leute, außer den Centsachen, alle ihre Ansprüche an Holz, Äckern, Wiesen in der Mark zu Mergentheim, verkaufen ihm ihren Thurm zu Mergentheim und die Hofreite, die dazu gehört, um 100 Pfd. Hllr. etc. W. F. 4, 233.

1312. Johann v. Rottenhan, Johanniter-Ordens Kommenthur in Mergentheim, verpflichtet sich gegen Rüdiger Sützel daselbst, die von seinem Vater Bertold Sützel in der Pfarrkirche an einem neugestifteten Altar errichtete Messe ewig zu halten. W. F. 8, 270.

1312. Z. in einer Urkunde: Martin ein Ritter v. Mergentheim, Br. Bertold, der Pfarrer von Mergentheim, beide Johanniter. W. F. 8, 273.

1313. Konrad v. Hohenlohe verkauft an DO. Gilten zu Reigersfelden, Otelshausen, Herbsthausen, Igersheim, Neuseß, Harthausen, Schäftersheim. Zeugen u. A. Heinrich Zolner v. Mergentheim W. F. 1848, II. S. 12.

1315 März 12. Mergentheim. Gottfried, Gebhard und Andreas v. Brauneck, gen. vom Neuenhause, verpfänden dem DO.shause in Mergentheim um 1100 Pfd. Hllr. ihre Burg Neuhaus und alle ihre eigenen Leute zu Mergentheim und im Riet und zu Stuppach und zu Lillstadt und alle ihre Eigenleute, die in dieselbe Bete zu Mergentheim von Alters | gehören, wo sie auch seien. Z. u. A. Heinrich Zollner von Mergentheim. W. F. 5, 109.

1315. Walther v. Hertenstein zu Billingsbach und seine Gemahlin My verkaufen dem DO. um 50 Pfd. Hllr. ihre eigenen Leute zu Mergentheim, darunter Konrad den Müller auf der Kraftsmühle. W. F. 4, 276.

1315. Gottfried v. Brauneck wird im Chor der DO.skirche zu Mergentheim bei Vater und Großvater beigesetzt. W. F. 1853. S. 31.

1317. Arnold v. Sachsenflur hat von DO. den Wachsmutes-Hof in Mergentheim zu Lehen. St. A.

1319. Neuer Ablaß von mehreren Bischöfen für den Kirchbau in Mergentheim. W. F. 8, 271.

1319. Der Johanniter-Bruder Berthold, Sohn des Rüdiger Reich in Mergentheim, bittet in Rom um Ablässe für alle, welche die St. Johannis-Pfarrkirche in Mergentheim besuchen, und erlangt solche. W. F. 8, 273.

1320 Mai 25. Neue Streitigkeiten zwischen DO. und Johanniter-Orden wegen des Wasserrechts für ihre an demselben Bach gelegenen Mühlen in Mergentheim werden vertragen. W. F. 8, 274.

1320. Man beginnt den Bau der Dominikanerkirche in Mergentheim. W. F. 1853. S. 28.

1322 August 26. Conrad, Kraft und Gottfried v. Hohenlohe mit ihren Gemahlinnen verkaufen dem DO. in Mergentheim ihre Kemnathen, das Steinhuß zu Mergentheim, auch alle ihre eygen Leute zu Mergentheim ohne ihre edel Lüte und sonderlich ohne Konrad v. Schüpf. W. F. 1848, II. S. 12.

1322. Ebendieselben verzichten auf das Büttelamt und Gericht zu Mergentheim und auf das Recht, Herberge zu nehmen. W. F. 4, 276.

1322. Adelheid gen. Wicherichin v. Mergentheim stiftet in das Joh. Haus daselbst zum Seelgeräth 1 Pfd. Hllr. aus einem Weinberg am Isenberg. W. F. 8, 274.

1322. Ulrich von Brauneck und seine Gemahlin verkaufen dem DO.shause in Mergentheim eine leibeigene Familie ufm eygen zu Widelbach (?) um 12 Pfd. Hllr. und 12 Ellen Tuchs, davon die Elle 8 Schill. gilt. W. F. 1848, II. S. 13.

1327. Ulrich v. Hohenlohe-Brauneck verkauft an Rüdiger den Reichen von Mergentheim Wachbach und alle die Leute, die er zu Mergentheim hatte. W. F. 1851, S. 106.

1328. Konrad v. Mergentheim Zeuge in einer Würzburger Urkunde Reg. bo. 6, 244.

1329. Margaretha v. Mergentheim desgleichen. Ebend. 313.

1329. Ablaßbrief von 6 Bischöfen für die Kirche in Mergentheim. St. A.

1329. Elsbet, Witwe des Ritters Mertin von Mergentheim, stiftet zum Seelgeräth ihres Mannes ins Johanniter-Haus zu Mergentheim 3 Schill. Hlr. und 3 Hühner aus einem Gut und Weingarten in Untertainbach (?) W. F. 8, 273.

1331. Konrad Petsch zu Mergentheim verkauft DO. 4 Morgen Weinberg daselbst am Ysenberg für 20 Pfd. Hlr. und empfängt sie wieder zu Lehen. St. A.

| 1331. Heinrich Zolner zu Mergentheim verkauft DO. seinen Hof daselbst am Kirchhof für 50 Pfd. Hlr. mit Vorbehalt lebenslänglicher Nutznießung. St.A.

1332 April 23. Dyerolf Kötzlin und Gysel seine Ehefrau vertauschen an das DO.shaus in Mergentheim ihre Güter und Gilten zu Leuboltzbrunn gegen des Ordens Güter zu Grünsfeldhausen (BA. Tauberbischofsheim). Ztschr. f. d. G. d. Oberrh. 26, 35.

1333. Das DO.shaus Mergentheim begibt sich aufs Neue in Mainzischen Schutz. Schönh. Chron. 26.

1333. Adelheid, Gemahlin Albrechts v. Hohenlohe, vermacht 50 Pfd. Hlr. zu Erbauung des Chors der Dominikanerkirche in Mergentheim. W. F. 1853, S. 28.

1334 Februar 25. Kaiser Ludwig gebietet dem Bischof Hermann v. Würzburg, das DO.shaus in Mergentheim nach allen seinen Kräften zu schirmen. St. 3, 230.

1334 April 18. Rüdiger Mertin, Katharina v. Maienfels, seine Schwester, und Bruder Mertin, Komthur des Johanniterhauses in Mergentheim, stiften, zu einem Seelengeräth 2 Pfd. ewigen Geldes auf einem Hause in des Stolzes Hofe und auf dem Garten, der dazu gehört, in Mergentheim. W. F. 8, 273.

1334. Fritz Marloch (v. Marlach, OA. Künzelsau?) Diener des Kommenthurs Br. Walter des Rezzen, schenkt dem DO. 3 Morgen Weingarten im Arnkau. Z. der Richter und Schöpfen zu Mergentheim. W. F. 4, 276. 278.

1334. Die Brüder Gottfried und Konrad v. Hohenlohe vermachen dem Dominikanerkloster zu Mergentheim 100 Pfd. Hlr. aus ihren Einkünften in Königshofen. Wib. 1, 92.

1335 August 5. Kaiser Ludwig verpfändet für 2000 Pfd. Hlr., welche er dem Kraft v. Hohenlohe schuldet, diesem die Zölle zu Öhringen, Mergentheim, (wo die Zollgerechtigkeit an den DO. kam) Crailsheim und Diebach (in Bayern) St. 3, 220.

1335 Oktober 25. K. Ludwig beurkundet, daß Diepold der Guzze v. Lyphaim in Folge der demselben aufgetragenen Untersuchung ihm mit Kundschaft und Urkunden bewiesen habe, daß die Deutschherrn zu dem Bau, den sie jetzo thun und führen zu Mergentheim, allerdings berechtigt sind. Böhmer, Regesten 1314–1346 S. 107.

1336 April 23. Die Dominikaner in Mergentheim kaufen vom DO. um 60 Pfd. Hlr. zwei Hofstätten mit der Gasse, die dazu gehört, zwischen dem Dom. Kloster und dem Rossemarkt, doch so, daß das Gericht über die darauf sitzenden Leute, abgesehen von den Dominikanern selbst, dem DO. bleibt. Z. u. A. Rudiger Lesch, ein Edelknecht von Mergentheim, Konrad von Rolbach, Richter zu Mergentheim. W. F. 1848. S. 59.

1336 Oktober 28. K. Ludwig verfügt, daß Niemand an die, welche zu Mergentheim gesessen sind, wegen der Missethat, die man seinen Kammerknechten, den Juden, jetzund gethan hat, eine Ansprach noch Forderung haben solle, indem er sich selbst das auszurichten befohlen habe. Böhmer Reg. 112.

1336. Die Bauern und Bürger um und zu Aub, Röttingen, Mergentheim, Krautheim und Uffenheim fangen, plündern und morden die Juden ihrer Gegend, ziehen, gereizt von der Beute, gegen Kitzingen | und Würzburg; allein die Bürger von Würzburg zerstreuen sie und plündern die Juden in der Stadt selber. Fries Chron.

1336. Das wundertätige Vesperbild aus der Liebfrauenkapelle in Mergentheim wird in die neue Dominikanerkirche versetzt. W. F. 1853, S. 28.

1339. Br. Mertin, Johanniterordens-Kommenthur in Mergentheim, kauft 2 Pfd. Hlr. zu Reisfeld. W. F. 8, 273.

1339. Bischof Otto von Würzburg bestätigt die Ablässe von zwei Erzbischöfen und vier Bischöfen für diejenigen, welche den Bau der St. Johannis-Pfarrkirche in Mergentheim unterstützen. W. F. 8, 271.

1339. Konrad Vrischenbach, Edelknecht, und Frau verkaufen DO. ihre Hofreite zu Mergentheim am Markt für 50 Pfd. Hlr. St. A.

1340 Juli 2. Nürnberg. Kaiser Ludwig thut den DOs.brüdern die Gnad, daß sie aus dem Markt zu Mergentheim eine Stadt mögen machen und sie befestigen, daß sie daselbst Bann, Stock und Galgen und Gericht haben sollen, alles nach dem Recht und der Gewohnheit von Gelnhausen; die Bürger soll man vor kein Friedensgericht ziehen; dieselben sollen in den DO.sbrüdern ihre rechte Herrn erkennen und das Mergentheimer Ordenshaus soll daselbst Richter, Schöffen und Rath setzen; zugleich bestätigt er denselben alle hergebrachten Gnaden und Freiheiten. Böhmer Reg. 131.

1340 September 4. Frankfurt. K. Ludwig thut den Deutschherrn des Hauses zu Mergentheim und den Bürgern daselbst die Gnad, daß sie bis auf seinen Widerruf zu Vollbringung des dortigen Baus an Mauern, Gräbern, Brücken und Wegen ein Ungelt aufsetzen mögen. Böhmer Reg. 131. (Auch ein Weggeld am Mühlenwehr- und Hadergassenthor. W. F. 4, 279).

eodem. K. Ludwig erlaubt der Stadt Mergentheim, den schon bestehenden Johannismarkt auf 8 Tage zu erstrecken und auch auf Martini einen viertägigen Markt abzuhalten. W. F. 1851, S. 54.

1340. Über die Tauber in Mergentheim wird eine Brücke gebaut. W. F. 4, 330.

1340. Der Deutschmeister Wolfram v. Nellenburg gründet den Heiliggeist-Spital in Mergentheim. W. F. 4, 331.

1340. Heinz v. Mergentheim. Hanßelmann 1, 597.

1341 Mai 26. Nürnberg. K. Ludwig thut den Deutschherrn zu Mergentheim die Gnad, daß man keinen ihrer Bürger zu Mergentheim aus ihrer Stadt, Mark und Bann vor anderes Gericht laden soll, so lang der Deutschherrn Richter das Recht dort nicht versagt. Böhmer Reg. 136.

1341 Oktober 24. Landshut. K. Ludwig erlaubt dem DO.shaus zu Mergentheim, daselbst 6 seßhafte Juden zu halten, bis auf sein und seiner Nachfolger Widerrufen. Böhmer Reg. 138.

eodem. K. Ludwig befreit den DO. von aller Beisteuer zum Landfrieden oder sonstiger Steuer, außer bei einem gemeinen Geleit, wenn Geistliche und Weltliche, Arme und Reiche geben müssen. Böhmer Reg. 138.

1341. Br. Martin, Johanniterordens-Kommenthur in Mergentheim, verkauft eine Gilt von 1 Pfd. Hlr. aus einem Weinberg zu Edelfingen um 10 Pfd. an Dietrich Geyer v. Giebelstadt. W. F. 8, 274.

| 1342 Januar 11. (oder eher 1343). Die Stadt Mergentheim huldigt dem DO. in einer Urkunde, ausgestellt von Konrad v. Rölbach, Richter; Konrad v. Schüpf, Konrad Kürsner, Berchtold Hobach, Rüdiger Stuppach, Heinrich Hobach, Konrad Füglin, Konrad Staldorf, Ott Risfelt, Martin uff dem Ryet, Heinrich Münch, Hans Hobach, Heinz Reynhart, Fritz Marloch, Rutker Wertheim – Richtern, 6 Rathleuten, allen die in den Rath gehen, auch allen den Gemeinen zu Mergentheim. W. F. 4, 281.

1342 August 13. München. Auf Klage des DO.s und nach einer Verhandlung vor dem Kaiser, wobei die bescheidenen Mannen Konrad v. Schüpf, Berchtold Hohbach, Heinrich Reinhard und der Füglin, Bürger zu Mergentheim, die Bürgerschaft vertraten, erklärt K. Ludwig, daß die Briefe, welche die Bürger gewonnen hatten, dem DO. großen Schaden an seinen Rechten und Freiheiten bringen möchten, weswegen er sie widerrufe und für kraftlos erkläre; auch gebietet der Kaiser dem Richter, dem Rath und der Gemeinde zu Mergentheim, wenn der Kommenthur jene Briefe fordere, daß sie dieselben sollen ausliefern. W. F. 4, 280.

1342 September 22. Frankfurt. K. Ludwig macht genannte Artikel zwischen der Bruderschaft des Deutschen Hauses zu Mergentheim und den Bürgern daselbst: Kommenthur und Brüder sollen nach Fug und Willen Richter, Schöpfen und Rathleute zu Mergentheim setzen und entsetzen. Diese aber sollen schwören, folgende Artikel zu halten: 1. Es soll der Rath nicht zusammenkommen, ohne daß von den Brüdern einer dabei ist, auch soll der von den Brüdern gesetzte Richter dabei sein; 2. keine Steuer und Beet darf erhoben werden ohne des Kommenthurs Willen; 3. wer solche einnimmt, soll sie dem Kommenthur verrechnen; 4. die Bürger sollen nichts bauen an Mauern, Thürmen, Gräben ohne Willen und Rath ihrer Herren; 5. der Stadt Insiegel soll an einem Orte liegen, wo auch der Kommenthur dessen mag gewaltig sein; 6. alle Thürmer und Thorwarte sollen schwören und geloben, dem Orden treulich zu helfen; 7. die Schöpfen und Rathleute, die von des Kommenthurs wegen an den Amten sind, sollen ihm behilflich sein wider allermänniglich; 8. die Stadt Mergentheim soll dem Orden jährlich geben 200 Pfd. Hlr., wie sie gelobt, da der Kaiser sie zu einer Stadt freite; 9. der Kommenthur soll auch Gewalt haben, alle Ämter zu setzen und entsetzen, die die Stadt zu Mergentheim, Markt und Mark haben soll. Böhmer Reg. 142. W. F. 4, 280.

1342 Oktober 28. Würzburg. K. Ludwig beurkundet, daß der Komthur und die Bruderschaft des Deutschen Hauses zu Mergentheim mit seiner Einwilligung von Rüdiger dem Reichen von Mergentheim gekauft haben alle Gut, die man ihm abgegraben hat zu dem Graben daselbst und 7 Pfenn. Gilte, die er da hatte um 330 Pfd. Hlr., die von ihm und dem Herzogthum Baiern zu Lehen giengen. Zugleich eignet er dem genannten Haus diese Lehen als ein rechtes und lediges Eigen ewiglich zu haben. Böhmer Reg. 142.

eodem. K. Ludwig eignet dem Deutschen Haus zu Mergentheim die Gut und das jährliche Gelt, welche man Rüdigern dem Reichen von Mergentheim ab hat gegraben zu dem Graben daselbst und die man ihm abkaufte um 270 Pfd. Hlr., die von ihm und dem Herzogthum Baiern zu Lehen giengen. Böhmer Reg. 142.

| 1342 und 43 wird die Hadergasse von Mergentheim genannt. W. F. 1848. S. 59.

1342 f. Rüdiger Reich erhält 620 Pfd. Hlr., Elisabeth v. Urbach, Gattin des Ritters Wiprecht, 150 Pfd. als Entschädigung für ihre beim Bau der Befestigungen abgegrabenen Güterstücke. StA.

1343 Januar 20. Stefan, Herzog v. Baiern, eignet als Lehensherr Rüdiger dem Reichen von Mergentheim Güter daselbst und zu Apfelbach. W. F. 1853, S. 84.

1343 Mai 14–16. K. Ludwig weilt in Mergentheim. St. 3, XVI.

1343 Mai 22. Würzburg. K. Ludwig eignet Wiesen zu Lillstatt, welche von dem Herzogthum Baiern zu Lehen gegangen, und welche Rüdiger der Reiche von Mergentheim an die bescheidenen Mannen Bertholt und Heinrich v. Hobach verkauft hatte. W. F. 1853, S. 84.

1343. K. Ludwig belehnt Erkinger v. Seinsheim mit einigen Gütern zu Mergentheim, welche Rüdiger der Rich an seinen Tochtermann Gerung den Truchsessen[ER 1] abgetreten, dieser aber an Erkinger verkauft hatte. Ebendas.

1343. Kraft v. Hohenlohe, Vater und Sohn, und des letzteren Ehefrau verkaufen dem DO. in Mergentheim ihre Burg daselbst, das Haus, das sie dort gekauft haben, alle eigenen Leute und Rechte etc. um 2000 Pfd. Hlr. W. F. 1848, II. S. 13.

1343. Rüdiger Reich von Mergentheim verkauft an DO. Güter und Gilten zu Mergentheim um 250 Pfd. Hlr. Schönh. Chr. 18.

1343. Heinrich Messried, Bürger zu Mergentheim, und seine Ehefrau Gerhus stiften dem DO. zur Pitanz einen Weinberg im Löffelstelzer Thal, einen Garten im Ried und einen Garten am Isenberg, unter der Stadt Insiegel. W. F. 4, 276.

1344. Johann Wittigstat und Frau in Mergentheim verkaufen 5 Morgen Weingarten der Pfarrei Sulzdorf und nehmen sie wieder zu Lehen. St. A.

1346. Götz Mertin von Mergentheim verkauft sein Gut zu Mergentheim zum Bau des Grabens um 6 Pfund. St. A.

1346 Juli 31. Kaiser Ludwig weilt in Mergentheim. St. 3, XVI. (Das Datum in Forschungen zur deutschen Gesch. 13).

1347. König Karl IV. bestätigt die Verpfändung der Geleitsgerechtsame in Mergentheim, Simmringen, Erlach, Brettheim, Thierbach, Hermuthausen, Ilshofen, Westernach, Crailsheim und Öhringen an Kraft von Hohenlohe. Hanßelmann 1, 451.

1347. Heinrich v. Hobach, gen. v. Mergentheim, und seine Ehefrau Alhus geben um ihres Seelenheils willen und für 2 Töchter in Gnadenthal diesem Kloster Güter in Öhringen etc. W. F. 9, 52.

1349 Dezember 1. Kloster Gnadenthal verpflichtet sich, der ehrsamen Frau Alhus v. Mergentheim, Bruder Heinrichs v. Hobach zu Schönthal Ehefrau, 10 Schill. jährlich Gilt zu geben. Wib. 2, 197. W. F. 9, 52.

1349. Eine Kundschaft stellt fest, daß Gerung Truchseß, des Rüdiger Reichen Tochtermann, nicht besser Gewehr an den Thoren und Mauern der Stadt haben dürfe, als DO., welcher hergebracht die beste Gewehr habe. (Bauer aus einer geschriebenen alten Chronik.)

| 1349. Heinrichs v. Halle Witwe, Frau Ella, stiftet ins Johanniterhaus zu Mergentheim 10 Schill. Hlr. auf ihrem Haus an der Badstube zu einem Jahrestag für ihren verstorbenen Gemahl. St. A. W. F. 8, 274.

1350. Rüdiger Ryche zu Wachbach, Ritter, und seine Ehefrau Alhus verkaufen dem Kloster Schönthal Weinberge zu Mergentheim am Arkau. W. F. 1848, S. 59.

1350. Graf Rudolf v. Wertheim schlichtet einen Streit zwischen Gottfrid von Brauneck und DO. wegen des Halsgerichts und Geleits zu Mergentheim. St. A.

1351. Adelheid, Siegfrieds v. Bartenstein Witwe, stiftet zu einem ewigen Licht am St. Katharinen-Altar in der Pfarrkirche zu Mergentheim zwei Drittel der Mühle zu Neunkirchen und ein Drittel der dortigen Frühmesserei. W. F. 8, 274.

1352 September 14. Ulrich und Andreas v. Hohenlohe-Brauneck, aus sonderlicher Freundschaft des Deutschmeisters Wolfram v. Nellenburg und um ihrer Brüder Gebhard und Götz und der andern DO.sbrüder in Mergentheim willen, geben ihre eigenen Leute zu Mergentheim mit allen Rechten und Nutzungen dem DO. W. F. 1853, S. 116.

1352 Oktober 25. Wilhelm von Stetten, Ritter, und seine Söhne verzichten auf ihre eigenen Leute in Mergentheim zu Gunsten des DO.s. W. F. 4, 277.

1352. In einer Richtung zwischen Götz v. Brauneck und DO. wird u. A. bestimmt: Der Orden soll keine Eigenleute der Herren von Brauneck mehr ohne deren Wissen zu Bürgern in Mergentheim annehmen. W. F. 4, 277.

1353 November 30. Brixen. Ludwig, Herzog in Baiern, verleiht Erkinger v. Seinsheim eine Gilt von 18 Pfd. Hlr., welche Gerung der Truchseß von der Limpurg an diesen verkauft, selber aber von Rüdiger dem Reichen v. Mergentheim zur Heimsteuer mit seiner Tochter erhalten hatte, zu Mergentheim, zu Apfelbach, in dem Riede unter Mergentheim und 2 Morgen Weingarten zu Deinbach, welche letztere ledig geworden, weil der gen. Reich sie nicht zur rechten Zeit gefordert hat. W. F. 1853, S. 117.

1353. Wiprecht Mertin von Mergentheim, Ritter, verkauft seine Besitzthümer zu Mergentheim an DO. für 1525 Pfd. 4 Sch. 1 H. St. A.

1353. Heinz Lesch und Andreas Lesch verkaufen an DO. ihre Besitzungen in Mergentheim und der Gemarkung um 8431/2 Pfd. St.A.

1354. Elsbet, Wiprecht Mertins Frau, verzichtet auf ihre Rechte an die von diesem an DO. verkauften Güter. St.A.

1355 Mai 10. Pisa. K. Karl IV. ermächtigt den DOs-Komthur zu Mergentheim, Philipp v. Bickenbach (welcher mit einer Schaar Gewappneter dem König in Italien große Dienste gethan) und seine Nachfolger, Heller nach dem Korn von Nürnberg zu schlagen und befreit die Bürger von Mergentheim auch von den Landgerichten, wie von andern fremden Gerichten. St. 3, 256. W. F. 4, 282.

1355 November 7. Die Johanniter-Kommende zu Mergentheim tritt alle ihre Gilten und Rechte daselbst innerhalb der Ringmauer und Stadtgräben, ausgenommen die Pfarrei mit ihren Rechten und die Wohnungen der Kommende, auch außer ihrer Holzlaube, ihrem | Weide- und Zehntrecht, an DO. ab, welcher dafür 1000 Pfd. Hlr. und seine Güter und Gilten zu Schweigern und Althausen gibt. W. F. 8, 275.

1356. Rüdiger Reich von Mergentheim und Frau verkaufen all ihr Besitzthum in Mergentheim an DO. um 400 Pfd. Hlr. St.A.

1356. Bopp von Adelsheim verkauft 2 Pfd. Hellergilt von einem Haus in Mergentheim an DO. um 36 Pfd. W. F. 4, 276.

1356. Engelhard und Konrad v. Rosenberg verkaufen alle ihre eigenen Leute zu Mergentheim an DO. W. F. 4, 277.

1357. Die Klause zu Neunkirchen kauft von DO. Haus, Hofreite und einen Garten am Graben in Mergentheim und stellt einen Revers aus wegen der vom Kloster Schönthal und der Komthurei Mergentheim übernommenen Hälfte der von ihm, der Königin Elisabeth von Ungarn und der Kaiserin Anna in Mergentheim gemachten Zehrung. Böhmer, (Huber) Reg. 8, 216. St.A.

1357 Mai 14. ff. K. Karl IV. weilt in Mergentheim. Er verfügt, wenn künftig ein Kaiser oder König in Mergentheim sich aufhalte, soll von den entstehenden Kosten DO. die Hälfte, Johanniter-Orden und die Schönthalter Probstei je 1 Viertel tragen. W. F. 8, 276.

1357. Ulrich Taube, Edelknecht zu Nuwenberg gesessen, verzichtet zu Gunsten DO.s auf einen eigenen Mann zu Mergentheim und auf den Pfeffer, welchen ihm der jährlich gab. W. F. 4, 277.

1358 April 11. Hans v. Berlichingen übergibt dem DO. alle seine eigenen Leute zu Mergentheim. W. F. 4, 277.

1358 Juli 30. München. Ludwig, Herzog v. Baiern etc. verleiht dem DO. die von Erkinger v. Seinsheim (s. oben 1343) erkauften Güter in der Stadt und Feldmark Mergentheim. W. F. 1853. S. 84.

1358 Juli 31. Alhus v. Mergentheim (s. 1366) gibt dem Kloster Gnadenthal 40 Pfd. zum Unterhalt für ihre 2 Töchter im Kloster und als Seelgeräth. Wib. 2, 200. W. F. 9, 54.

1358. Rüdiger Reich verkauft 3 Viertel Weingarten am Ketterich um 9 Pfd. Hlr. an DO. St.A.

1359. Zu dem 1355 November 7. festgesetzten Kaufpreis muß nach einem Spruch des Bischofs Gerhard v. Speier DO. noch 800 Pfd. bezahlen. W. F. 4, 283.

1359 September 27. Heinrich Reinhard, Bürger zu Mergentheim, Agnes seine Hausfrau, Pfaff Peter, Pfarrer zu Dörzbach, und Rüdiger sein Bruder, verkaufen an Kloster Schönthal verschiedene Gilten zu Niederbalbach. Leistungsbürgen: Konrad v. Wittigstatt, Richter zu Mergentheim, ein Edelknecht, Konrad Vilmann und Sitz Staldorf, Bürger daselbst. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 24, 63.

1359. Dezember 2. DO. und Johanniter-Orden vergleichen sich wegen des Baus eines Hauses durch Gerlach Abestoß auf der Mauer des St. Johannis-Kirchhofs zu Mergentheim. W. F. 8, 274.

1359 soll Kaiser Karl IV. wieder durch Mergentheim gekommen und nach Schönthal gereist sein. Als er dort erfuhr, daß die meisten Mönche auf Pfarreien, im Kloster selber aber Juden mit dem Heer ihres Aberglaubens sitzen, habe er diese vertrieben und die Mönche ins Kloster zurückgerufen. (Bauer aus einer „Handschrift“).

1360. DO. bietet dem Johanniter-Orden zum Tausch gegen die Pfarrei Mergentheim die Pfarrei Obersteinach (OA. Gerabronn) und | 3000 Pfd. Hlr. Aufzahlung. Da der Landkomthur im Johanniterhof zu Würzburg das Aufgeld erlegen will, nimmt es der Johanniterorden nicht an. W. F. 8, 275.

1360. Eitel Mertin, Edelknecht, und Frau verkaufen 61/4 Morgen Weingarten vor der Stadt um 100 Pfd. 12 Schill. an DO. St. A.

1360. Bezold Mertin von Mergentheim, Eitel Mertins Sohn, verkauft sein Gut zu Mergentheim an DO. um 770 Pfd. St. A.

1360. Bopp v. Adelsheim verkauft Gilten an DO. Schönh. Chron. 18.

1361. Januar 29. Kaiser Karl IV. thut wegen der nützlichen und willigen Dienste, die ihm und dem Reiche Philipp v. Bickenbach, Komthur zu Mergentheim, in Rom und Italien gethan hat, den Bürgern von Mergentheim die Gnade, daß sie vor kein Landgericht oder anderes auswärtiges weltliches Gericht sollen geladen werden außer im Falle der Rechtsverweigerung vor dem Richter zu Mergentheim. Böhmer (Huber) Reg. 8, 288.

1361. Juni 11. Ottilie Ketzlerin, geistliche Frau zu Gerlachsheim, vermacht dem Kloster Gerlachsheim Gilten zu Mergentheim. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 26, 35.

1361. Anna v. Dürn, Götzen Tochter v. Dürne, verkauft an DO. Gilten zu Mergentheim um 100 Pfd. W. F. 8, 198. Schönh. Chron. 18.

1361. Mergentheims Befestigung soll Maß geben für die Befestigung von Niedernhall. Hanßelmann 1, 459.

1362 März 27. Heinrich Reinhart, Bürger zu Mergentheim, Agnes seine Hausfrau, Pfaff Peter, Pfarrer zu Dörzbach, verkaufen dem DO. zu Mergentheim Gilten zu Niederbalbach. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 24, 63.

1362. Ein Streit zwischen DO., Stadt Mergentheim und den Dominikanern wird geschlichtet und bestimmt, daß letztere ihre Hofreit und Wohnung mit Mauern und Zäunen umschließen und den Thurm an der Stadtmauer für ihr heimliches Gemach gebrauchen dürfen. W. F. 4, 382.

1363 April 27. Heinz Mostlins Erben geben in die Pfarrkirche zu Mergentheim 30 Pfd. Hlr. von ihren Wiesen in Wachbach zu zwei Lichtern. W. F. 1851, S. 55.

1363. Der kaiserliche Hofrichter Graf Heinrich v. Schwarzburg bestätigt der Stadt Mergentheim das Recht, daß ihre Bürger nicht vor ein fremdes Gericht gezogen werden dürfen. (Jäger bei Voigt.)

1364. Götz Mertin, Edelknecht übergibt sein Ritterrecht an DO. St.A.

1365. Albrecht Bischof zu Würzburg ertheilt seinem Neffen Gottfried v. Hohenlohe-Brauneck volle Gewalt wegen des Halsgerichts und der Cent zu Mergentheim, Markelsheim und Igersheim. Reg. boica 9, 124.

1365 April 20. Kaiser Karl IV. verweilt in Mergentheim. W. F. 8, 273.

1365. Pfaffe Hildebrand gen. Frölich v. Mergentheim übergibt seinen Söhnen Heinrich und Hermann sein Haus und Hofreit in der Ringmauer daselbst und 4 Morgen Weingarten „in dem mergental in Otelvinger Mark“. St.A.

| 1365. Götz Mertins von Mergentheim Witwe und Sohn verkaufen Gilten an den Konrad v. Ochsenfurt, Edelknecht, und Frau, 5 Morgen Weingarten am Isenberg an Heinrich Wirt zu Mergentheim für 140 Pfd. Hlr. St. A.

1366 April 8. Albert (v. Hohenlohe) Bischof v. Würzburg gibt dem Kloster Schönthal, welches ihm dafür einen Jahrstag halten wird, die Erlaubnis, auf des Klosters Hof zu Mergentheim an geeigneter Stelle eine Kapelle zu bauen und selber, doch ohne Nachtheil für die Pfarrkirche, zu pastoriren. Wib. 4, 48. Schönhuth Chron. 21.

1366. Alhus Willmännin von Mergentheim, die Hausfrau Heinrichs v. Hohbach, welcher sein Leben als Mönch im Kloster Schönthal beschloß, schenkt zur Erbauung der eben genannten Kapelle und Unterhaltung des Gottesdienstes darin mehrere Güter und Gefälle. Schönh. Chron. 21.

1366 Juli 13. In Mergentheim findet das Eheverlöbnis zwischen Pfalzgraf Ruprecht bei Rhein und der Burggräfin Elisabeth v. Nürnberg statt. Mon. Zoll. 4, 92.

1367 Januar 27. Frau Elsbet v. Mergentheim, Meisterin des Klosters Schäftersheim, urkundet. Wib. 2, 236.

1369. Der Schönthaler Hof erhält von Kaiser Karl IV. einen Privilegienbrief. Schönh. Chron. 22.

1370. Eitel Mertin erhält eine Hofstatt zu Mergentheim von DO. geliehen. St.A.

1370. Raban Mertin, Johanniterordens-Komthur in Mergentheim, verleiht einen Weinberg daselbst an der Axt. W. F. 8, 276.

1371. Die Kapelle im Kloster Schönthalischen Hof wird durch den Bischof v. Würzburg eingeweiht und mit einem 40tägigen Ablaß beschenkt. Schönh. Chron. 21.

1372. Konrad v. Hohenlohe verpfändet aufs Neue die Herrschaft Neuhaus dem DO. Schönh. Chron. 23.

1373 Mai 17. Nachdem Adelheid Willmännin der Schönthaler Kapelle weitere Güter und 300 Pfd. Hlr. vermacht, wird ein Priester für dieselbe eingesetzt. Schönh. Chron. 22.

1374. Der Deutschmeister Philipp v. Bickenbach findet seine Grablege in Mergentheim. W. F. 1853, S. 31.

1374. Eitel Mertin von Mergentheim verkauft eine Hofreit an DO.; desgleichen Heinz Lesch ein Haus in Mergentheim in der Mühlbronngasse um 570 Pfd. St.A.

1375. Ritter Zollner verkauft dem DO. Güter um 500 Pfd. Hlr. Mergentheimer Währung. Binder, Württ. Münz- und Med.- Kunde 474.

1375. Anna Friderichin vermacht dem DO. all ihr Gut. St.A. W. F. 8, 276.

1377. DO. und Hohenlohe vertragen sich über die eigenen Leute, welche aus dem Hohenlohischen nach Mergentheim ziehen. (B.)

1378 März 9. K. Karl IV. weilt in Mergentheim. St. 3, XVI.

1378. Heinrich Ingelfinger von Würzburg willigt ein, daß seine Frau den Garten in der Bünde (zu Mergentheim?) an DO. verkaufe. St.A.

1379. 1382. Martin v. Mergentheim, DO.s-Komthur in Regensburg. Voigt 2, 670.

| 1380 Juli 18. 19. König Wenzel weilt auf der Rückreise von Aachen und Frankfurt in Mergentheim. St. 3, XVI. Er lud auf Klage der Stadt Frankfurt wider den Löwenbund Vertreter des letztern hieher, sie erschienen aber nicht.

1380 Dezember 27. Die Bürger der Stadt Mergentheim, (welche nach einer Mittheilung des Deutschordenskanzlers Georg Spieß damals „das erstmal uwbgefallen und wieder zu Gehorsamb bracht worden, wie darumb zu eigenem Zeichen das Kreuz auf dem Markt gesetzt“) bekennen, daß sie auf Verlangen Konrads Rüde, Deutschmeisters, dem DO. neu gehuldigt und geschworen haben: 1. Wer zu Mergentheim Bürger sein will, soll schwören, dem DO. getreu und gewähr zu sein; 2. sie sollen sich mit Niemand verbinden, es seien Herren oder Städte; 3. Recht nehmen und geben vor den Richtern des DO.; 4. alle Gebote des DO. halten; 5. wer nicht mehr Bürger in Mergentheim sein will, mag Urlaub nehmen, der ihm nicht versagt werden soll; 6. eigenen Leuten des DO.s aber kann der Urlaub versagt werden. W. F. 4, 285.

1381. Hans Ludener (v. Lauda) Johanniterordens-Komthur zu Mergentheim. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. 24, 82.

1382 Juli 21. Auf Fürsprache Konrads v. Brauneck bitten Graf Johann zu Wertheim u. a. Theidigungsmänner den Deutschmeister Konrad Rüde, daß er die Bürger von Mergentheim, welche er gefangen hat, ledig und los lassen solle auf folgende Bedingungen: 1. Jeder soll mit 3 seiner nächsten Anverwandten eine Urphede schwören für sich und seine Erben gegen den DO.; 2. haben die Bürger noch etwas zu schlichten mit dem Orden oder desselben Leuten, so sollen sie Recht nehmen da, wo jene gesessen sind, und sollen so lange selber Fried und Geleit haben; 3. dieselben sollen sich der Stadt Mergentheim entäußern und nimmer dahin kommen noch in ein anderes Ordensschloß, es sei denn mit des Ordens gutem Willen; 4. ihr Besitzthum in Mergentheim sollen sie verkaufen binnen 3 Jahren und zu diesem Zweck mögen ihre Weiber oder guten Freunde während dieser Frist nach Mergentheim gehen; 5. ihre Schulden sollen sie bezahlen; 6. bis zum Verkauf sollen sie von ihren Gütern steuern wie bisher; 7. sie sollen 80 Gulden zahlen für die Azung, die sie im Gefängnis gethan haben; 8. in den nächsten 8 Tagen sollen sie gen Grünsfeld geantwortet werden.

Die gefangenen Bürger – Tyrolf Füglin der älter und der jung, Peter Rackenzagel, Ulrich Glaser, Heinz Han und Hans Yngolfinger – erklären ihre Zustimmung und geben das geforderte Versprechen. W. F. 4, 286.

1383. Der Deutschmeister Konrad v. Rüd findet seine Grablege in Mergentheim. St. 3, 746.

1384 Febr. Geheime Zusammenkunft von Mainz, Pfalz, Würzburg, Österreich, Brandenburg, Nürnberg, Wirtemberg wider K. Wenzel und die Städte. Deutsche Reichstagsakten v. Weizsäcker 1, 420 ff.

1385. Wiederholte Herren- und Städtezusammenkünfte in Mergentheim zur Beilegung des Städtekriegs. D. Reichst. Akten 1, 509.

1385. Ein reicher Jude von Mergentheim mit Namen Abraham wird zu Rothenburg in Verhaft genommen und muß für seine Freilassung 11.000 Gulden zahlen. Wib. 1, 252.

| 3. August 1386, Eine Vergleichung zwischen mehreren Reichsstädten und verschiedenen Herren findet zu Mergentheim statt. D. Reichst. Akten 1, 518 ff. St. 3, 340.

1386. Das Johanniter-Ordenshaus in Mergentheim verkauft an DO. seinen Garten bei der Mühle und verschiedene Gilten um 6231/2 fl. W. F. 8, 276.

1386. Konz und Wilhelm Mertin verkaufen ihre Hofreite in der Mülbrunner Gasse für 80 Pfd. Hlr. St. A.

1387. Oktober und November „Reichstag“ (Fürstenzusammenkunft – die Städte tagten in Rothenburg) „zu Mergentheim“. Deutsche Reichstags-Akten 1, 572 ff. St. 3, 341.

1387 November 5. Mergentheimer Stallung oder Landfriedensvertrag zwischen der Fürstenpartei und dem Schwäb. Städtebund. D. Reichst. Akten 1, 588 ff.

1387. Der Landrichter zu Rothenburg verweist den Juden Isak Süskind daselbst auf die Mühle zu Mergentheim, welche DO. vom Johanniter-Orden gekauft, wegen eingeklagter 100 Mark Silber. St. A.

1388 Nov. 8. Ein neuer Friedenstag ist auf diesen Tag nach Mergentheim angesetzt, wird aber nicht gehalten. D. Reichst. Akten 2, 68. 82. ff.

1389 Januar 10. ff. Königlicher Friedenstag zu Mergentheim. Die Fürsten in Mergentheim, die Städte in Rothenburg, letztere durch eine Gesandtschaft in Mergentheim vertreten. D. Reichst. Akten 2,69. ff. 86 ff.

1389 Februar 15. ff. Neuer Königlicher Friedenstag zu Mergentheim. D. Reichst. Akten 2, 111 ff.

1390 Dezember 19. Die Johanniter-Komthure v. Mergentheim, Hall und Würzburg bekennen, daß sie Gottfried von Hohenlohe ein jährliches Leibgeding von 400 Gulden zu entrichten haben, davon 200 fl. auf dem Ordenshaus in Mergentheim. Wib. 2, 333.

1394. s. Neuhaus.

1395. Heinz von Röttingen verkauft seinen Theil des Hauses auf dem Markt an DO. für 90 fl. St. A.

1396 Januar 15.–Febr. 6. Der Erzbischof v. Mainz, der Pfalzgraf, der Markgraf von Baden, der Burggraf v. Nürnberg u. a. Fürsten schließen zu Mergentheim eine Vereinigung wider die Schlegler. St. 3, 365.

1396 März 9. Seicz Krecz, Bürger zu Mergentheim, quittirt den Burggrafen v. Nürnberg über 171 Pfd. und 21 Hlr. Zehrungskosten. Mon. Zoll. 5, 352.

1396. K. Wenzel verwilligt dem Deutschmeister, daß, wenn eigene Leute in die Stadt Mergentheim ziehen und ein Jahr und einen Tag darin verweilen, kein Mensch, weß Standes er auch sei, ein Eigenthumsrecht an solche Entfremdete haben soll. Lünig.

1398. Die Grafen von Schwarzburg verpfänden die Herrschaft Neuhaus, mit welcher 1394 ihr Vetter, Bischof Gerhard v. Würzburg, sie belehnt hatte, dem DO. Schönh. Chron. 24.

1399. Johanniter-Orden in Mergentheim erhält von dem Pfarrer zu Rüsselhausen, Ulrich Fleckenstein, und dessen Schwestern 71 Gulden rh. Gold zu einem Salve Regina in der Pfarrkirche zu Mergentheim zu singen. St. A. W. F. 8, 276.

| 1400. Brunnenordnung, wornach jeder Hausbesitzer ein Gewisses, die Mietsleute die Hälfte zahlen.

1400. Hans Mertin von Mergentheim gesessen zu Niederbalbach und seine Ehefrau Beate verkaufen dem DO. um 150 Gulden rhein. ihre Häuser und Hofreit zu Mergentheim gelegen, uff der öden Burg genannt. W. F. 1848, S. 59.

1400. Wiprecht Federolf zu Mergentheim verkauft 4 Pfd. Hellergilt aus etlichen Häusern für 60 Gulden an DO. St. A. (Auch nach 1400, viele Käufe in Mergentheim durch den Orden, und viele Stiftungen in die Johanniter- und in die Deutschhaus-Kirche. St. A.

1401 Januar 30. und Jun. 24. König Ruprecht weilt zu Mergentheim. St. 3, XVI.

1403. Aug. 25.–27. König Ruprecht weilt zu Mergentheim, errichtet daselbst am 26. einen neuen Landfrieden. St. 3, XVII. 384.

1405 Nov. 10. König Ruprecht verweilt in Mergentheim. St. 3, XVII.

13. November 1405. In Mergentheim schließt Johann v. Würzburg ein Bündnis mit der Reichsstadt Rothenburg wider die Burggrafen von Nürnberg. Mon. Zoll. 6, 304.

1407 Febr. 17. 1407 Juni 27.–30. König Ruprecht in Mergentheim. St. 3, XVII.

1408 Januar 5. DO. in Mergentheim stellt einen Wiederlösungs-Revers aus über den ihm von Burggraf Friedrich von Nürnberg verpfändeten Zoll nebst Geleit zu Königshofen. Mon. Zoll. 6, 433.

1408 Jan. 26.–Februar 9. König Ruprecht in Mergentheim. St. 3, XVII. (Mit ihm Burggraf Friedrich v. Nürnberg. Mon. Zoll. 6, 433.) Am 8. Februar ordnet der König den Friedensschluß in den Kämpfen mit der zu König Wenzel haltenden Stadt Rothenburg an. St. 3, 388.

1408. Der Komthur von Mergentheim verkauft an den Burggrafen von Nürnberg für 1400 rh. Gulden Getreide, wofür ihm dieser seinen Zoll und sein Geleite in Königshofen zum Pfand setzt. Voigt, 1, 561.

1409 Januar 23. Graf Günther v. Schwarzburg gestattet, daß DO. nach Inhalt Kaiserlicher Briefe den Bann, Stock und Galgen und alle Gerichte an Leib und Gut üben möge in Stadt und Mark Mergentheim. (B.)

1409. Generalkapitel des DO.s. in Mergentheim.

1411 Januar 21. K. Sigmund gestattet Anspach und Wirtemberg, in Mergentheim eigene Geleitsreiter zu halten, welche zur Zeit der Frankfurter Oster- und Herbstmesse von den durchreisenden Kaufleuten und ihren Gütern eine gewisse Taxe erhoben und ihnen dagegen alle Sicherheit zusagten. St. 3, 396.

1411. Katharina Güntherin, Witwe zu Mergentheim, stiftet: den armen Leuten ein Almosen von 5 Malter jährliche Korngilt, je eine Wochenmesse bei den Predigern und in der Pfarrkirche, Kirchenornat für die Deutschhaus-Kapelle, 6 Morgen Acker und allerlei Bettzeug dem Spital, 20 Gulden der Pfarrkirche, damit der Chor gedeckt und gebessert werde, 10 fl. ebendahin zur Kerze vor des Herrn Leichnam. Zeuge: Heinrich Knebel, Richter, fester Knecht. W. F. 4, 287.

| 1411 Februar. Der DO.s Komthur freit die Güter des Spitals in der Stadt und Mark Mergentheim von allen Steuern und Diensten. W. F. 4, 348.

1411 Juli 12. Bischof Johann v. Würzburg, sich das Wiederkaufsrecht an Burg und Herrschaft Neuhaus vorbehaltend, verwilligt, daß DO., so lange er Neuhaus inne habe, alle Sachen, die an Leib und Gut gehen, die in der Stadt und Mark Mergentheim begriffen werden, richten, auch 300 fl. am Neuhaus und den Dörfern, die dazu gehören, verbauen solle etc. (B).

1411 ff. Agnes Schreiberin, Bürgerin zu Mergentheim, schenkt dem Heiliggeist-Spital daselbst anstoßenden Grund und Boden sammt ansehnlichen Einkünften, so daß der Spital ansehnlich erweitert werden kann und eine Kapelle erhält; für diese Kapelle stiftet Agnes und ihre Schwester Katharina Schreiberin eine Priesterpfründe mit Gütern und Einkünften zu Königshofen, Althausen, zwischen Stuppach und Wachbach, im Wolfenthal bei Neunkirchen, am Arkauberg etc. W. Fr. 8, 276.

1412 Januar 15. In Mergentheim verlängern Johann Pfalzgraf bei Rhein und Johann Burggraf v. Nürnberg ihren Waffenstillstand Mon. Zoll. 7, 40.

1412. Der Johanniter-Spital kauft von Seitz Kratzer 441/2 Morgen Wald um 441/2 Gulden. Schönh. Chron. 33.

12. März 1413. Mergentheim hat wie früher an Gelnhausen (Stäl. 3, 732) so jetzt an Wimpfen einen Mutterort für Rechtsbelehrungen und Oberhof in wichtigen Rechtssachen. St. 3, 733. (Vgl. W. F. 4, 282. wornach Kaiser Sigmund [St. A. 12. März 1415 Konstanz] wegen der großen Entlegenheit Gelnhausens, auf Bitten des Deutschmeisters Wimpfen zum Oberhof für Mergentheim setzt.)

1414. Der Johanniter-Spital kauft den halben Üttingshof, 1410 die andere Hälfte und 1417 die Vogtei, Obrigkeit und Gerichtsbarkeit daselbst. Schönh. Chron. 33.

1414. Der Spital kauft von Anna v. Seldeneck in der Klause zu Neunkirchen 3 Wiesen für 74 fl. W. F. 10, 172.

1416. Peter Stetenberg, ein Edelknecht, verkauft Seligmann dem Juden sein Haus und Hofreit, zu Mergentheim gelegen in der Burggassen da der gen. Seligmann etwie lange inne gesessen, um 120 fl. W. F. 1848, S. 69.

1418 April 10. Konstanz. Eine Anzahl von Kardinälen stellt der Spitalkapelle in Mergentheim einen Ablaßbrief aus. W. F. 4, 283.

1418. Streitigkeiten, welche über den Bau der Spitalkapelle zwischen DO. und Johanniter-Orden entstanden, werden in Konstanz während des Konzils durch die Äbte Siegfried v. Ellwangen und Gottfried v. Konstanz beigelegt, wie folgt: in der Kapelle soll nur ein Altar sein und an diesem bloß stille Messe gelesen werden zwischen der ersten und der Haupt-Messe in der Pfarrkirche; nur am Tag der Einweihung und dem des Patrons ist ein Hochamt gestattet; aller parochialen Akte, des Predigens, Beichthörens, Beerdigens etc. hat sich der Altarist des Spitals gänzlich zu enthalten und etwaige Oblationen dem Pfarrer zu übergeben; bei Besetzung der Altaristenstelle soll DO. dem Stadtpfarrer einen tauglichen Priester präsentiren. Diese Entscheidung bestätigte der Bischof von Würzburg. W. F. 8, 277.

| 1420. Die Klausnerinnen zu Neunkirchen verkaufen 74 Morgen Holz in Mergentheim an den DO. für 37 Gulden. St. A.

1420. Agnes Schreiberin v. Mergentheim kauft von Lupold v. Seldeneck Zinsen und Gilten zu Herrenzimmern, Dreischwingen und Tunkenrod für 351/2 Pfd. W. F. 10, 173.

1421. Götz Rücker von Geilichsheim (? Geilsheim bayr. BA. Dinkelsbühl) kauft sich in den Spital ein. Schönh. Chron. 33 f.

1422. Der Johanniter Spital kauft in Althausen. Schönh. Chron. 34.

1422. Agnes Schreiberin vermacht all ihr noch übriges Eigenthum dem Spital für die armen Siechen und wird in den letzteren aufgenommen. Schönh. Chron. 34.

1422. Wilhelm v. Halfingen, Johanniter Komthur, verleiht einen Hof zu Teinbach an Hans Stedler, Bürger zu Mergentheim. W. F. 8, 277.

1425 Dezember 13. Der DO.s-Komthur freit 2 Hofreiten des Spitals zu Mergentheim (eine die man nennt die Ödenburg.) W. F. 4, 349.

1426. Anna Merklin übergibt, mit Zustimmung ihres Vormunds Hans v. Tottenheim zu Messelhausen (bad. BA. Tauberbischofsheim) gesessen, dem Johanniter-Orden in Mergentheim alle ihre Besitzungen (wo ?) gegen ein Leibgeding mit Wohnung und Verpflegung und mit einem Jahrstag späterhin in der Pfarrkirche zu Mergentheim. W. F. 8, 277.

1428 August 24. Das Hochstift Würzburg verkauft dem DO. die 1411 und 1421 wiederholt an ihn verpfändete Herrschaft Neuhaus um 18.500 Gulden. Schönh. Chron. 24. 25.

1430. Welz Müller zu Mergentheim schenkt dem Johanniter-Orden 1 Morgen Wiesen im Wachbacher Thal. W. F. 8, 277.

1438. Nikolaus Pfarrer in Krautheim, und Berthold, Kaplan in Klepsau, beide Johanniter-Ordens, bezeugen, daß sie von dem früheren Stadtpfarrer Friedrich zu Mergentheim haben sagen hören, er habe den Zehnten zu Klepsau von einem Laien für das Johanniter-Ordenshaus zu Mergentheim gekauft. W. F. 8, 277.

1438. Großkapitel des D.Ordens in Mergentheim.

1438. DO. und Stadt bestimmen das schon 1424 vorhandene Siechenhaus an der Straße nach Wachbach zu einem Krankenhaus für Arme. Schönh. Chron. 36.

1439. Marquard v. Melchingen, praeceptor des Johanniter-Ordenshauses in Mergentheim stellt mit Br. Wilhelm v. Halfingen ein Appellationsinstrument an die Synode zu Basel aus. W. F. 8, 278.

1440 April 6. Mergentheim. DO. ruft den Schutz des Erzbischofs von Mainz gegen etliche seiner Knechte an, welche ohne irgend welche vorangegangene Theidigungshandlung und vor Zusendung eines Fehdebriefs Feindseligkeiten begonnen. Mainz möge besonders dem Amtmann von (Tauber-) Bischofsheim aufgeben, daß er diese Leute nicht schirme, vielmehr helfe wehren und nacheilen und ergreifen; auch den Amtleuten in Grünsfeld, daß sie jene Feinde nicht durch ihre „Gehauwets“ Schläge lassen aus- oder einkommen, zumal wenn sie geraubte Habe bei sich führen. W. F. 4, 278.

1441. Hans Schmit zu Schäftersheim verschreibt der Johanniterordens-Kommende in Mergentheim 30 fl. rh. Gold. W. F. 8, 278.

| 1443 November 14. Mainz, Würzburg, Brandenburg-Ansbach verbünden sich zu Mergentheim wider die Reichsstädte. St. 3, 465.

1443. Der Spital kauft von Hans Soll von Mergentheim 2 Morgen im Wachbacher Thal und 4 Morgen an der Tauber auf Edelfinger Markung für 162 Gulden. Schönh. Chr. 35.

1445 Januar 2. Mainz, Pfalz, Brandenburg-Ansbach, Baden und Wirtemberg schließen zu Mergentheim ein Schutz- und Trutzbündnis auf 10 Jahre. St. 3, 468.

1445 März 12. Feuer, das in der obern Gasse auskommt, zerstört 50 Häuser. Schönh. Chron. 36.

1445. Ein neuer Aufsatz wird auf den Stadtkirchenthurm gebaut.

1446. Jörg von Hohenheim, Johanniterordens-Komthur in Mergentheim, verleiht den Zehnten zu Klepsau an Nikolaus Haffner, Pfarrer zu Krautheim. W. F. 8, 278.

1449. Br. Friderich, Doktor der kaiserl. Rechte und Pfarrer, und die übrigen Johanniter in Mergentheim bitten den Großmeister um Genehmigung der vom Komthur aufgenommenen 400 fl. zu Bezahlung einer Schuld. W. F. 8, 278.

1451. Johanniter-Orden übergibt den Schutz und Schirm über seine Wälder zu Mergentheim, unter Einräumung eines Holzrechts, dem Rüdiger Sützel. W. F. 8, 278.

1452. Der Deutschmeister schlichtet einen Streit zwischen dem Pater Amtmann im Schönthaler Hof und der Bürgerschaft zu Mergentheim dahin, daß die Hofgüter bedfrei sein, aber keine bedbaren Güter dazu geschlagen werden, die dahin kommenden Pfründner oder Einverleibten vielmehr, wenn sie bürgerliche Güter dem Kloster beibringen, ihre vorigen Bed und Beschwerden weiter fortreichen sollen; daß der Hof über 20 Fuder Wein nicht einlegen, Salz, Schmalz und andere Lebensmittel in der Stadt allein nach Nothdurft erkaufen, aber für die Klosterfuhren vom Weggeld frei sein soll.

1452. Der Deutschmeister Jost v. Venningen entscheidet in der Streitsache des Abts v. Schönthal und der Stadt wegen Ankaufs von Gütern, Weinschenkens, Haltung des Gottesdienstes im Schönthaler Hof. (Vom Or. a. d. Rathh. in Merg.)[ER 2]

1455 März 21. In der Ochsen- und Wettgasse brennen 40 Häuser ab.

1456. Johanniter-Orden verleiht einen Hof zu Deinbach. W. F. 8, 278.

1456. Friedrich Fetzer von Geyspitzheim, Johanniterordens-Komthur, vernimmt Zeugen, ob je ein Hofmann oder Schaffner zu Schönbronn (OA. Gerabronn) gesessen und die Zobel ein Vogtrecht zu Röttelsee (abg. b. Bernsfelden) besessen haben. W. F. 8, 278.

1456. Die Komthure von Ulm, Kapfenburg etc. entscheiden in einer Streitsache, daß der Komthur von Mergentheim dem Konrad Kurr von Dinkelsbühl seinen Weinberg an der Kättrin zu Mergentheim mit 20 Gulden bezahlen und ihm den Ertrag des letzten Herbstes überlassen soll. St. A.

1456. Weingarten im Mergenthal gegen Ottelfingen. St. A.

1458 April 22. Zwischen Graf Ulrich v. Wirtemberg und Markgraf Albrecht v. Brandenburg wird zu Mergentheim eine Einung auf Lebenszeit abgeschlossen. St. 3, 511.

1858 Juni 20. Ebenso zwischen den ebengenannten, sowie Pfalzgraf Ludwig und Erzbischof Diether v. Mainz. Ebendas.

1458. Großes Sterben in Mergentheim.

| 1459 Juli 1. Kriegsabrede zu Mergentheim zwischen Kurmainz, Pfalzveldenz, Wirtemberg und Brandenburg. St. 3, 517.

1459. Der Johanniterordens-Priester Joh. Würffel verzichtet gegen den DO. auf eine Fleischbank zu Mergentheim. W. F. 8, 278.

1460. Hanz Rötter, Bürger zu Hall, und Visch Wilhelm von Steinkirchen leisten dem Komthur von Mergentheim Bürgschaft für den auf ihre Bitte aus der Verbannung zurückberufenen Konz Vischer von Hall, welcher nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis des Ordens in Mergentheim auf ewig über den Rhein verwiesen worden war. St. A.

1465. Vergleichung zwischen dem Johanniter-Orden und dem Rath und den Kirchenpflegern der Pfarrkirche zu Mergentheim wegen der Küsterei des Kirchenvermögens, Opfergelds und der Verpflichtung der Kirchendiener, Schullehrer und Meßner. Auch diese Personen sollen bei Nacht in verbotenen Stunden nicht auf den Straßen gehen. W. F. 8, 278.

1465. Der Spital kauft in Althausen und Edelfingen. Schönh. Chron. 35.

1473 Januar 22. Lorenz Goßwin, Pfarrer zu Mergentheim, verspricht, daß um 3 Pfund von der Althauser Gilt (s. Althausen 1465.) fortan die Quatemberämter in der Pfarrkirche unverrückt gehalten werden sollen. W. F. 4, 350.

Gegen Ende Oktober 1475. Kaiser Friedrich IV. weilt auf dem Rückweg vom Burgunder Feldzug in Mergentheim. St. 3, XVIII.

1476. Vertrag zwischen DO. und dem Abt zu Schönthal, wornach dieser an der Zehrung des Kaisers 10 Gulden und 15 Malter Haber geben soll. St. A.

1478 März 12. Der Deutschmeister regelt das Halten der Seelmessen in der Spitalkirche. W. F. 4, 351 ff.

1479. Der Spital kauft von den Benediktinerinnen zu Heidingsfeld ein ehmals der Klause Neunkirchen gehöriges Haus mit Gärtchen in Mergentheim.

1481. Hans Hofmann zu Edelfingen verkauft an die Pfarrkirche zu Mergentheim 1/2 Pfd. Wachs aus einem Garten zu Edelfingen.

1485 November 24. Kaiser Friedrich IV. weilt zu Mergentheim. St. 3, XVIII.

1487. Kaiser Friderichs III. Ordnung für den Komthur zu Mergentheim über die Behandlung des Weins und die Einlegung in den Keller. St. A.

1492 Juli 19. Der Deutschmeister Andreas von Grumbach hält zu Mergentheim ein Gespräch mit den Landkomthuren, Rathsgebietigern und Komthuren der Ballei Franken. St. 3, 365.

1496. Weiprecht v. Münchingen, Johanniterkomthur in Mergentheim, kauft eine Gilt vom Johanniterhause in Erdlingen. W. F. 8, 279.

1500. Mergentheim hat 421 Bürger.

1508. Vertrag zwischen den Johannitern und den Deutschherren über die Beleuchtung des Chors in der Stadtpfarrkirche. Or. a. d. Rathhaus in Mergentheim.

1508–10. Die St. Wolfgangskapelle wird erbaut. W. F. 1854, S. 127.

1512. Vertrag zwischen dem Amt Neuhaus und der Stadt Mergentheim den Zoll in Edelfingen betr. Rathhaus in Mergentheim.

| 1513. Götz v. Berlichingen nimmt ganz nahe bei der Stadt Mergentheim 4 Nürnbergische Güterwagen weg, worüber der DO.s-Komthur Joh. v. Nothaft in schwere Verantwortung vor dem Schwäbischen Bund kommt. Schönh. Chron. 37. Vgl. Fr. Graf v. Berlichingen, Gesch. d. Ritters Götz v. B. 1861. S. 151.

1516 Febr. 22. Auf einem Tag zu Mergentheim suchen Pfalzgraf Ludwig und Bischof Lorenz v. Würzburg den Streit der Hutten mit Herzog Ulrich beizulegen. St. 4, 127.

1518. In einem von dem Pfarrer Bubenleben, Johanniterordens, geschürten Aufstand gegen den Ritter Martin Sützel wird dessen Haus gewaltsam erbrochen, vieles darin verdorben und seine Ehefrau mißhandelt. Schönh. Chron. 38.

1523. Schwäbische Bundesversammlung in Mergentheim.

1525. Bauernkrieg s. oben S. 275 ff.

1525. Das deutsche Haus Mergentheim wird wegen Zerstörung von Horneck an den Deutschmeister auf acht Jahre überlassen. St. A.

1527. Konrad v. Rodenstein, Trapierer, wird im Gasthaus zur Krone in Mergentheim von Franz v. Adelsheim, Chorherrn zu Bruchsal, erstochen.

1529. Satzung und Recht der Reichsstadt Wimpfen als Oberhof der Stadt und des Gerichts zu Mergentheim, wie es in Erbfällen gehandelt werden soll. Rathhaus in Mergentheim.

1529. Fränkischer Rittertag in Mergentheim. St. A.

1529. Der saure Wein dieses Jahrs wird wegen der Belagerung Wiens durch die Türken der Türk genannt (wie der von 1799 der Landsturm).

1530. Der Spital kauft auf Üttingshofer Markung und in Wachbach. Schönh. Chron. 36.

1530. Der DOspriester Nikolaus Wehe stiftet in den Spital 120 Gulden, daß die armen Pfründner täglich für 1 Hlr. Brot und alle Wochen eine warme Suppe erhalten. Schönh. Chron. 35.

1531. Der Magistrat läßt für das Rathhaus 8 silberne Becher in Nürnberg anfertigen.

1534. Der Spital kauft von den Klosterfrauen zu Heidingsfeld um 2250 Gulden die von der Klause zu Neunkirchen an sie gekommenen Güter, Zinse und Gefälle in Mergentheim, Auhausen, Neunkirchen, Lustbronn, Assamstadt, Apfelbach, Wolffelden, Hachtel, Dörtel, Wachbach, Roth, Lillstadt, Harthausen, Edelfingen, Rengershausen. Schönh. Chron. 36.

1535. Der Deutschmeister Walther v. Cronberg läßt eine neue Münzstätte errichten, in welcher Pfennige und Batzen geprägt werden. W. F. 5, 216.

1536. General- und Provinzialkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 71.

1537. Der genannte Deutschmeister hebt die Leibeigenschaft gegen jährliche Bezahlung von 15 Gulden an den DO. gänzlich auf. W. F. 2, 216.

1537 Juni 26. s. Althausen.

1539. Der Kurfürst v. Brandenburg mit Gefolge zecht in Mergentheim auf Rechnung des Hoch- und Deutschmeisters. Schönh. Chron. 63.

| 1540 Febr. 11. 12. König Ferdinand weilt in Mergentheim. St. 4, XV. Voigt 2, 81.

1540 Okt. 20. Mergentheim. Der Hoch- und Deutschmeister gebietet allen Komthuren, Amtleuten, Schultheißen und Richtern zur Bekanntmachung und Aufrechthaltung: Niemand soll von Juden etwas entlehnen, ihnen verpfänden, mit ihnen handeln etc. bei Vermeidung der Wucherstrafe an Leib und Gut. (Wird vom Kaiser genehmigt 1542. 1559. 1566.) W. F. 5, 377. 326.

1540. Leonhard Schüpfer stiftet in den Spital den armen Pfründnern im untern Stock an den 4 Fronfasten zum Morgenessen 1/2 Maß Wein, einen Pfennigweck und ein Essen Fisch, zu Nacht 1/2 Maß Wein und einen Weck. Schönh. Chron. 35.

1542. In Folge einer Epidemie wird der Friedhof von der Kirche weg auf seinen jetzigen Platz verlegt. Schönh. Chron. 64.

1543 April 4. Walther v. Cronberg, Deutschmeister, stirbt in Mergentheim und wird in der DO.skirche daselbst beigesetzt. W. F. 5, 217.

1545 März 11. 12. und Aug. 1. 2. spricht König Ferdinand auf der Reise zum Wormser Reichstag und auf dem Rückweg bei dem Deutschmeister in Mergentheim ein. St. 4, XV. 427.

1546. Der Hoch- und Deutschmeister Wolfg. Schutzbar, genannt Milchling versieht die Stadt mit gesundem Wasser, daher dieselbe sein Standbild auf dem Marktbrunnen errichten läßt. Schönh. Chron. 66.

1548. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt, 2, 133.

1552 Juni. Markgraf Albrecht von Kulmbach belagert und beschießt Mergentheim 9 Tage lang. W. F. 1854, S. 114.

1552. Juli 11. Kurfürst Moriz von Sachsen trifft in Mergentheim ein, bei seinem und seiner Kriegsgenossen Heer, das in den umliegenden deutschherrischen Besitzungen wild gehaust (s. oben S. 288 f.) St. 4, 527. Die Stadt Mergentheim zahlt 40.000 Gulden Brandschatzung. Schönh. Chron. 66.

1554 Juli 2. Der Johanniterorden verkauft sein Besitzthum in Mergentheim mit allen Rechten und Lasten um eine jährliche Rente von 150 fl., ablösbar mit 3000 fl., nebst Übernahme einer Schuld von 300 fl., welche das Johanniterhaus bei der Heiligenpflege gemacht hatte. W. F. 8, 279 ff.

1558 März 24.–27. König Ferdinand weilt in Mergentheim. St. 4, XV. 707. 844. Voigt 2, 167.

1561. Das neue Rathhaus wird vom DO. gebaut und der Stadt für 99 Gulden jährlich in Pacht gegeben. Schönh. Chron. 67.

1564 Novbr. Wegen einer Epidemie geht der Hof und die Kanzlei nach Horneck.

1565. Der Hoch- und Deutschmeister verwilligt dem Ritterkanton Ottenwald, seine Truchen mit den Geldern und Urkunden des Kantons in Mergentheim zu belassen. St.A.

1566 Febr. 11. Der Deutschmeister Wolfgang Schutzbar stirbt in Mergentheim und wird in der DO.skirche beigesetzt. W. F. 1854, S. 119.

c. 1566 ff. Der Pfarrer Kaspar Suffan in Mergentheim theilt das Abendmahl unter beiderlei Gestalt aus und tritt in die Ehe. Auch sein Nachfolger, Gabriel Biber, predigt in lutherischem Sinn und heiratet. W. F. 1854, S. 106.

| 1566. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 181.

1568. Das feuerfeste Archiv und das Kanzleigebäude im äußern Schloßhof werden gebaut. Schönh. Chron. 70.

1571 Juni 17 ff. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 205 ff.

1572 Juni 17. Der Hoch- und Deutschmeister Georg Hund von Wenkheim stirbt in Mergentheim und findet in der DO.skirche seine Ruhestatt. W. F. 1854, S. 119.

1572–85. Das Schloß wird umgebaut. Schönh. Chron. 71.

1572–85. Das Dominikanerkloster und seine Kirche werden restaurirt.

1576. Das Neujahrsessen auf dem Rathhaus wird wegen der Theurung eingestellt.

1577. Umbau der Schule durch den Hoch- und Deutschmeister Heinrich v. Bobenhausen, welcher einen Theil der Kosten auf die Ballei Franken legt. St.A. Vgl. Schönhuth 73.

1577. Der Hoch- und Deutschmeister möchte das Dominikanerkloster in ein Spital und das Hospital in eine Jesuitenanstalt verwandeln (W. F. 1854, S. 115) überläßt aber das Kloster dem Predigerorden gegen Ersatz der Kosten der Reparatur. St.A.

1579. Hochzeiten sollen fortan auf dem Rathhaus nur gegen Erlegung eines Thalers zum Anschaffen von Zinngeschirr gehalten werden.

1584. Die Stadtkirche wird gewölbt und gemalt (W. F. 1854, S. 98) und das erste Schützenhaus auf dem Gemeindewasen bei St. Wolfgang errichtet. Schönhuth 73.

1585. u. 1593. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 254. 272.

1593. Der Thurm der Kirche wird um 36 Fuß erhöht und mit einem Kranz versehen, auch das Kirchendach mit Schiefer gedeckt, theilweise von dem konfiszirten Vermögen verbrannter Hexen. W. F. 1854, S. 103.

1593. Vergleich zwischen Deutschorden und Stift Würzburg wegen der Ordenspriester. (1681 erneuert.)

1606. Generalkapitel in Mergenth. Voigt 2, 290. Die frühere Wohnung der Edelknaben wird zu einem geistl. Seminar eingerichtet. St. A.

1609. Der Bischof v. Würzburg weiht die von Marquard v. Eck gestiftete Michaelskapelle. Schönhuth 74.

1609. Ein eigener Arzt bei der Ballei Franken wird in Mergentheim angestellt. St. A.

1618. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 302.

1622. Das Pfarrhaus wird erbaut.

1625. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 314.

1626. Großes Sterben.

1627. Zwei Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 322. 328.

1627. Erneuerter vergeblicher Versuch, die Jesuiten in Mergentheim einzuführen.

1628. Der Hoch- und Deutschmeister Kaspar v. Stadion erbaut das Kapuzinerkloster.

1629 Dezbr. Zusammenkunft der Liga in Mergentheim.

1631. Ein „Gespräch“ verwilligt 20.000 Gulden zum Mergentheimer Fortifikationsbau, Bundeskontribution etc. St.A.

1631–34. Schwedenzeit s. o. S. 291 ff.

1635–37. Wiederherstellung des Kapuzinerklosters.

| 1637. Die Stadt erhält für ihre Treue den freien Weinhandel.

1637 Dezbr. bis Mai 1638. Kaiserliche Kürassiere in Mergentheim.

1639. 40. Kaiserliche im Winterquartier und starke Durchmärsche.

1641. Vergleichsprozeß wegen Verpflegung der vom Deutschmeisterthum freiwillig übernommenen Kompagnie zu Pferd. St. A.

1642. Hatzfeldische und später Guberiants französisch-weimarische Truppen in Mergentheim.

1644. Verbot des Branntweinbrennens aus Getreide.

1645–47. 1650. s. o. S. 293 ff.

1659. Zurückverlangung von des Ordens Silbergeschirr, Kirchenornat, Chronikbuch etc. aus Passau und Wien. St. A.

a 1659. Verwandlung des Flurreitens in eine Fußprozession, was in Markelsheim und Igersheim Unruhen verursacht.

1661. Kapuziner kommen wieder nach Mergentheim.

1663. 1664. 1671. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 376. 382. 390.

1666. Pest.

1670. Tauberschiffahrt projektirt.

1673. s. o. S. 302 f.

1674 Novbr. bis Mai 1675. Kurbrandenburgische Reiter in Mergentheim und Umgegend.

1676. Ein Herr v. Bleyleben leiht der Stadt 1000 R. Thlr. zu Bestreitung der schweren kaiserlichen Winterquartiere.

1679. Generalkapitel in Mergentheim. Voigt 2, 419.

1681. Die schöne Altane an der Schloßkirche stürzt ein.

1684. Fortan dürfen von der Bürgerschaft nur die Metzger Hunde halten.

1688. s. o. S. 303. Der Ordensschatz, das Archiv u. A. wird nach Nürnberg geflüchtet.

1689. Großer Kriegsrath von Kursachsen, Brandenburg, Baden etc. in Mergentheim.

1689–91. Fortwährende Truppendurchzüge, Winterquartiere etc. mit einem Aufwand von 2.136.046 Gulden.

1694. Generalkapitel. Voigt 2, 444.

1697. Abermalige Durchzüge und Winterquartiere.

1700. Gymnasium. Generalkapitel. Voigt 2, 452.

1704. 1707. s. o. S. 304 f.

1711 Kaiser Karl VI. reist durch Mergentheim nach Frankfurt zur Krönung.

1715. s. o. S. 305.

1716. Die St. Rochuskapelle im großen Armenhaus wird von Ulrich Schüpfer aus Mergentheim, früher Pfarrer in Zöschingen bei Dillingen, demselben, der die Pfarrei Waldhausen, OA. Neresheim wiederherstellte (Beschr. d. OA. Neresh. 449), gestiftet.

1718 Juli 19.–28. Jesuiten-Mission in Mergentheim.

1724. 1728. 1730 f. 1732. 1736. s. o.

1734 Juni 2. Preußische Truppen, 10.000 Mann, marschiren durch Mergentheim.

1735. Russen, 40.000 Mann, ziehen durch.

1736. Großes Kapuziner-Jubiläum. Generalkapitel. Voigt 2, 481.

1740. Die Hospitalkirche wird erbaut.

| 1741. Französische Durchmärsche.

1742. Die Einquartierungsfreiheit der Stadt als Residenzstadt wird von Kaiser Karl VII., der von Frankfurt her durch Mergentheim kommt, bestätigt.

1745. Österreicher unter Traun in Mergentheim.

1749 August. Heuschrecken.

1750. 1761. s. o.

1761. Generalkapitel. Voigt 2, 493.

1762. Die Regierung verbietet solche Tänze, als da unter andern der Walztanz ist, welche sehr ärgerlich und zu großen Bosheiten gar leichtlich den Anlaß geben können. St.A.

1764. 1765. 1773. 1778. 1780. 1781. 1782. 1783. 1784. 1787. 1788. s. o.

1791. s. o.

1792. Kaiser Franz II. reist durch Mergentheim von der Krönung in Frankfurt her.

1793. 1794. 1796. 1797. 1799. 1800 ff. 1805–9. 1809 ff. s. o.

1816. Mergentheim spendet mit den Oberämtern Künzelsau und Gerabronn Wein zur Vermählung des Kronprinzen Wilhelm mit der Großfürstin Katharina.

1820. Der ehmalige Schönthaler Probsthof wird verkauft und die Kapelle in eine Bierbrauerei verwandelt.

1826 ff. Mineralquelle, Bad s. o.

1827 ff. Herzog Paul in Mergentheim s. o.

1829. Die Güter des Johanniterhofs werden vom Staat an die Bürger von Mergentheim billig verkauft.

1853 Mai 22. bis 5. Juni. Jesuiten-Mission in Mergentheim: 45 Predigten, 20 Geistliche im Beichtstuhl thätig; zum Schluß werden aus mehr als 30 Orten Missionskreuze herbeigeführt und eingeweiht.

1868. Garnison s. o.

1869. Eisenbahn s. o.


IV. Zur Kulturgeschichte von Mergentheim.
a. Kirchliches.

Die Stadt, welche wahrscheinlich einer Kapelle Entstehung und Namen verdankt, ist von Anfang an in hervorragender Weise eine kirchliche Stadt gewesen. Wir stellen hier das, was nicht schon im allgemeinen Theil und in der Beschreibung der kirchlichen Gebäude zur Sprache gekommen ist, zusammen.

Die Pfarrei war seit 1207 bei dem Johanniterorden, welcher den Pfarrer und 5 andere Priester besoldete und in einem eigenen Hospiz verpflegte. Mit dem Verkauf des Johanniterhofs an den Deutschorden 1554 gieng auch Patronat und Pfarrsatz an diesen über. Nun wurde ein Pfarrer mit einem Kaplan (Vikar) eingesetzt, welche außer einer kleinen Geldbesoldung die Kost an dem sogen. Priestertisch im Deutschen Haus erhielten. Um 1650 hörte dieses lästige Außerhausspeisen auf und der | Stadtpfarrer erhielt für sich und den Stadtkaplan eine Naturalbesoldung an Fleisch, Brot, Wein und Holz. Später führte auch der Kaplan eine eigene Haushaltung. 1774 erhielt die 1716 gestiftete St. Rochuskapelle im großen Armenhaus einen eigenen Benefiziaten, als Stiftung für emeritirte Deutschordens-Geistliche. 1778 wurde, insbesondere wegen der Seelsorge im Filial Löffelstelzen, wo den sonn- und feiertäglichen Gottesdienst die Zöglinge des Priesterseminars besorgten, eine zweite Kaplanei (Vikariat) errichtet. Sonntagsprediger in der Stadtkirche waren seit 1636 bis zur Aufhebung ihres Klosters 1809 die Kapuziner; an den vier hohen Festen predigte der Stadtpfarrer. 1798 wurde eine eigene Hofpfarrei errichtet und dem zeitweiligen Direktor des Priesterseminars übertragen; sie gieng aber schon 1809 wieder ein.

Die Rochuskaplanei ist seit 1828 erledigt. Dafür wurde 1847 ein zweiter Stadtpfarrei-Vikar bestellt, bis der Grundstock der St. Rochuskapelle zu Wiederanstellung eines Kaplans ausreichen wird.

Das bischöflich Würzburgische Visitationsrecht in Mergentheim war durch den Auber Rezeß von 1681, welcher einen älteren von 1593 erneuert, dahin beschränkt, daß nur der Bischof selbst oder sein Generalvikar im Beisein eines Ordensritters in der Stadt visitiren durfte und alle bischöflichen Erlasse durch die Ordensregierung an den Pfarrer zu ergehen hatten.

Von den weiteren Kirchen und Kapellen: Hof-, Dominikaner-, Kapuziner-, Spitalkirche, Eck-, Probsthof-, Mariahilf-, St. Wolfgang-, St. Michael-, St. Rochus-Kapelle ist nur die Probsthofkapelle ganz eingegangen, die Ecksche Kapelle Aufbewahrungsort für die reichen Kirchenparamente geworden. Die Hofkirche dient dem evangelischen Gottesdienst. In der ehemaligen Dominikaner- oder Marienkirche wird jetzt für die Latein- und Realschule Gottesdienst gehalten, nachdem sie 1809–15 Gotteshaus der Protestanten, dann viele Jahre Magazin gewesen war.

Der Wirkungskreis der Dominikaner von Mergentheim war ein ziemlich weiter: sie hatten um 1490 in Crailsheim regelmäßig am 1. Sonntag nach Epiphanias Predigt und Kollekte (W. F. 10, 38.) Sie scheinen als Prediger und Lehrer bei der Regierung und dem Volk beliebt gewesen zu sein: denn zweimal, unter Bischof Julius von Würzburg 1574 ff. und während des großen Kriegs 1627, mißlang der Versuch der Jesuiten, sie zu verdrängen. Seit 1700 war ihnen auch der | Unterricht am Gymnasium übertragen. Später gieng ihr Ansehen in die Brüche (s. unten) und 1805 wurde das Kloster aufgehoben und die Verpflegung der Angehörigen auf das Priesterseminar übernommen. Die Kapuziner erhielten am 24. Juli 1809 den Befehl, ihr Kloster zu räumen und sich in andere württembergische Klöster zu begeben. Nur zwei kranke wurden ins Spital aufgenommen und der Pater Guardian mit einem Laienbruder ermächtigt, die Mariahilf-Kapelle zu versehen. Im August entwichen alle nach Ochsenfurt und der Guardian folgte ihnen bald, weshalb der bisherige Hofprediger und Seminar-Direktor Höpfner mit Besorgung jener Kapelle beauftragt wurde.

An Bruderschaften war kein Mangel. Wir finden die 1495 von dem Deutschmeister Andreas von Grumbach in die Schloßkapelle gestiftete St. Georgen-Bruderschaft; die 1501 mit einem Engelamt in die Stadtkirche gestiftete Bruderschaft der heiligen Anna und des heiligen Bluts; die 1681 eingeführte Bruderschaft der bittern Todesangst Christi; die Skapulier-Bruderschaft von 1675; die anläßlich der Türkennoth von 1683 entstandene, 1687 in der Mariahilfkapelle eingeführte Marianische Liebesversammlung; die Corporis Christi-Bruderschaft; die Urbansgenossenschaft der Häcker mit einem Amt und gemeinsamen Trunk am Urbanstag.

Ein geistliches Seminar zur Heranbildung von 10–12 künftigen Weltgeistlichen für das Deutschordensgebiet bestand von 1606 bis 1804. Dasselbe hatte eine beträchtliche Bibliothek, mit welcher 1774 die noch bedeutendere der Kanzlei verbunden wurde, so daß sie bei ihrer Überführung nach Stuttgart 1809 aus 40.000 Bänden bestand.

Pfarrer und Stadtpfarrer zu Mergentheim.[16] A. Johanniterordens-Brüder: Arnold 1272. Berthold 1312. Johann v. Frankenberg 1354. Paul 1363. Hermann v. Marburg 1365. Heinrich Brewß 1385. Johann Kruße 1399. Joh. Eberhardi 1427. Friedrich, Dr. juris, 1440. Joh. Schmidt 1446. Joh. Schaffkunz 1456. Lorenz Goßwin 1473. Joh. Stockmaier 1508. Kaspar Suffan 1509. Bernhard Bubenleben 1518 (s. o. S. 281. 367.) B. Weltpriester: Peter Knoblauch 1527. Hans Freund 1537. Ulrich 1538. Niklaus 1543. Kaspar Suffan 1547. Joh Widmaier 1554. C. Deutschordens-Priester: | Gabriel Biber 1578 (s. S. 3–.) Joh. Hauk 1580. Daniel Vickhel 1585. Barthol. Vickhel 1585. Elias Stozinger 1588. Adam Mellicerus 1607. Andreas Corvinus 1608. Jakob Kern 1609. Georg Castellanus 1611. Heinrich Loen 1612. Kaspar Biller 1612. Albrecht Vickhel 1613. Joh. Seifrid 1625. M. Michael Faber 1629 (s. S. 375). Melchior Stolz 1634. Marquard Bockmayer 1644. Joh. Vögler 1647 (s. Löffelstelzen). Joh. Kasp. Venator 1675. (Schrieb: Historischer Bericht von dem Marianisch-Teutschen Ritter-Orden zusammengetragen durch Joh. Kasp. Venatorn, der h. Schrifft Doctorn, Hochfürstlich Hoch- und Teutschmeisterischen Geistlichen Rath, Teutschordens-Priestern, Seminarii Directorn und Stadtpfarrern zu Mergentheim. Nürnberg 1680.) Joh. Franz Christ 1687. Burkard Danzer 1695. Franz Gebhard Münsinger 1707. Matthäus Ganz 1709. Phil. Christian Bulach 1729. Paul Anton Öchsner von Igersheim 1734. Joh. Jak. Wolf 1752. Michael Enderlein 1753. Nikolaus Kechel von Mergentheim 1762. Balthasar Diller 1773. Theodorich Mark 1790. Konrad Engelhard von Mergentheim 1807, zugleich Dekan 1809. Franz Anton Kuenzer 1826, zugleich Dekan. Melchior Erhard 1836, zugl. Dekan. Joseph Anton Hofmeister 1840, zugl. Dekan. Anton Greiß 1846, zugl. Dekan. Georg Kautzer 1866. (Geboren 1807 in Neresheim, 1837–44 Kaplan in Stuttgart, 1844–48 Stadtpfarrer und Dekan in Biberach, 1848–59 Stadtpfarrer in Lauchheim, 1848–49 Abgeordneter zum Frankfurter Parlament, 1859–66 Stadtpfarrer in Riedlingen, 23. Novbr. 1866 bis zu seinem Tode 9. Juni 1875 Stadtpfarrer in Mergentheim. Gab heraus: Katholisches Gesangbuch aus der Diözese Rottenburg. Tübingen 1850. Im neuen Diözesan-Gesangbuch sind die Lieder 77 und 114 von ihm. Er stiftete in die Kirche zu Mergentheim silberne Komonentafeln und 6 gothische Leuchter. Neher, Statist. Personal-Katalog, S. 494.) Karl Zimmerle 1876.

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Evangelische Pfarrei. Als 1809 mehrere evangelische Beamte und eine Garnison nach Mergentheim kamen, wurde für sie zuerst von den Pfarrern zu Edelfingen und Wachbach in der später abgebrochenen Sala terrena, hierauf vom Dezember 1809 an in der Dominikanerkirche durch den Pfarrer von Neunkirchen Gottesdienst gehalten. Als die Gemeinde Mergentheim 1815 die genannte Kirche erwarb, erhielten die Evangelischen die ehmalige Hofkirche angewiesen. Seit 1822 versah der | Pfarrer von Wachbach, welcher 1825 zum wirklichen Stadtpfarrer von Mergentheim ernannt wurde, die Pastoration. 1829 wurde die Stadtpfarrei mit der Oberpräzeptorsstelle an der Lateinschule verbunden und zum ersten in Mergentheim wohnhaften Stadtpfarrer mit dem Titel „Oberpräzeptor“ der Pfarrer Joh. Tob. Beck von Waldthann ernannt, der 1836 Professor in Basel wurde und in der Folge als Professor in Tübingen bis zu seinem am 28. Dezbr. 1878 erfolgten Tode den zahlreichsten Kreis von Zuhörern aus ganz Deutschland gehabt hat. (Über Becks Wirksamkeit in Mergentheim sagt der Nekrolog desselben in der Schwäbischen Kronik vom 20. April 1879: Mit aller Kraft widmete sich Beck dem Schulamt. Er brachte bald die lateinische Schule in die Höhe und erzog manche nachmalige katholische Geistliche, die ihm zeitlebens treue Anhänglichkeit bewahrten. Auch mit dem dortigen Rabbiner, dem er öfters für Predigtentwürfe seine alttestamentlichen Einblicke zu Gebot stellte, unterhielt er ein warmes freundschaftliches Verhältnis. Was das Pfarramt anlangt, so hatte er es hier im Unterschied von Waldthann, wie er selbst sagt, mit der „feinen Welt“ zu thun; er urtheilt: „es ist ein Kern rechtschaffner Bürger in der Gemeinde.“ (Christl. Reden II, 345.) Doch wurden ihm auch die Mitglieder der „feinen Welt,“ denen seine Predigten wohl manchmal ein Anstoß waren, mehr und mehr zugethan, je mehr sie seinen geraden Charakter achten und schätzen lernten. Neben seinem Amt fand Beck in Mergentheim Zeit zu schriftstellerischen Arbeiten. Er veröffentlichte in der Tübinger Zeitschrift für Theologie von 1831 an mehrere Aufsätze, die sich auf biblische und praktische Theologie beziehen und in die durch das Strauß’sche „Leben Jesu“ hervorgerufene Bewegung eingreifen. Leicht lassen sich bereits in diesen kurzen Aufsätzen die Hauptbausteine seines künftigen Systems erkennen. Die erste selbständige Schrift, die er veröffentlichte, ist die geistvolle „Auslegung des neunten Kapitels im Briefe an die Römer“ (1833). Ebenfalls in Mergentheim begann er seine Predigten unter dem Titel „Christliche Reden“ herauszugeben. Seine wissenschaftlichen Arbeiten verschafften ihm einen Ruf an die Universität Basel. Am 5. Juni 1836 hielt Beck seine Abschiedspredigt von der Gemeinde Mergentheim; mit bewegtem Herzen ließ man ihn ziehen. Die Gemeinde Althausen verlieh ihm und seiner Familie das Ehrenbürgerrecht, und bot ihm später, als man glaubte, sein Aufenthalt in Basel sei ihm entleidet, einen Zufluchtsort an, | wovon er jedoch keinen Anlaß hatte, Gebrauch zu machen. Auf Beck folgte 1837 K. E. A. Wüst, welcher gleichfalls das Lehramt mit bekleidete, bis dieses 1846 von der Stadtpfarrei getrennt wurde. Seit 1869 ist der Stadtpfarrer zugleich Garnisonspfarrer.

Das durch freiwillige Beiträge und Stiftungen, insbesondere von dem langjährigen Kirchenfondsverwalter Oberzoller Weismann 1858 im Betrag von ca. 3500 fl., angesammelte evangelische Kirchenvermögen beträgt zur Zeit 21.253 Mark.

Die ersten Juden werden in Mergentheim zuerst 1298, anläßlich einer heftigen Verfolgung des Handelsvolks im Fränkischen, erwähnt, dann wieder 1312, 1336 bei neuer Verfolgung. 1341 erlaubte Kaiser Ludwig der Baier den Deutschherren, in Mergentheim 6 seßhafte Juden zu halten. Von ihrem Besitz gibt einen Begriff, daß 1385 der Jude Abraham von Mergentheim für die Freilassung aus der Rothenburger Haft 11.000 Gulden bezahlen konnte, woran Ulrich v. Hohenlohe für 9700 Gulden mit Stadt Weikersheim und Zugehör, welche der genannte Jude innehatte, sich verbürgte. Gegen Judenwucher erließen die Deutschmeister im 16. und 17. Jahrhundert wiederholt Mandate. 1636 wurde gestattet, einen Rabbiner anzustellen, 1658 die 1825 renovirte Synagoge erbaut, 1663 der Schutzbrief gegen die Obliegenheit, entweder wie in Rom den christlichen Gottesdienst zu besuchen, oder 1000 Gulden einmal oder 100 Gulden jährlich an die Pfarrkirche zu zahlen. Auch mußten die Juden von Mergentheim mit denen von Edelfingen, Igersheim, Markelsheim und Ailringen elf herrschaftliche Jagdhunde, sowie die nöthigen Postpferde halten. Ebenso hatten sie mehr Weg- und Pflastergeld zu entrichten: ein fremder Jud 4 Kreuzer, wenn er reitet 8 Kreuzer, ein schutzverwandter 3 und 6, ein todter Jud 1 Gulden. Seit 1790 hat die Zahl stetig zugenommen (1790: 67, 1810: 79, 1819: 103, 1864: 176, 1875: 207). Im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts stand an der Spitze der hiesigen Judenschaft der von Oedheim gebürtige, zuvor in Neckarsulm als Deutschordischer Geschäftsagent verwendete Baruch Simon, der Großvater Ludwig Börne’s. Letzterer verbrachte in den 90er Jahren einen Theil seiner Kindheit im großväterlichen Haus, dem jetzigen Rabbinatshaus. (W. F. 5, 376 ff. 7, VI. 8, 61 ff.)

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b. Schulwesen.
Die Schule war auch in Mergentheim wie allerorten eine Tochter der Kirche. Die Johanniter hielten, seit wann ist nicht zu ermitteln, in ihrem Hof eine Schule, ursprünglich wohl bloß lateinische, dann auch eine deutsche Schule, deren Lehrer Kost und Wohnung bei den Johannitern hatten, bis der Orden 1554 sein ganzes Eigenthum an die Deutschherren abtrat. Diese schufen eine fixe Besoldung und bauten 1569 eine neue Schule mit Wohnung für 2 Lehrer, an welcher Schule ein deutscher Lehrer, ein Kantor für die Anfangsgründe des Lateinischen und ein Magister für den Lateinunterricht standen. Endlich errichtete die Regierung im Jahr 1700 das Lyzeum oder Gymnasium. Dieses wurde den Dominikanern übergeben, welche zunächst die eingezogenen Holzhauser Frühmeßgefälle, nachher die Zinse eines durch freiwillige Beiträge ersammelten Kapitals von 1000 Thlr. erhielten, während die Stadt den Bau und die Unterhaltung des Gebäudes übernahm. Zu den 4 Klassen mit 2 Lehrern kam 1754 eine fünfte, die philosophische, wozu die Regierung ein Kapital von 6000 Gulden gab, um für 2 Professoren aus dem Dominikanerkloster jährlich 200 Gulden Kostgeld und je 20 G. „Spielgeld und zur Ergetzlichkeit“ zu zahlen; 1775–81 bestand auch ein theologischer Kurs. Nach der gedruckten Schulverordnung von 1799 waren es sieben Klassen: die erste, die zweite und die höhere Grammatik, die erste Rhetorik oder Poetik, und die zweite Rhetorik, endlich der philosophische Kurs oder die Logik und Physik. 1783 wurde eine besondere Mädchenschule errichtet. Schlecht gebaut, mußte das Schulgebäude 1753 neu aufgerichtet werden, 1790 wurde ein weiterer Stock aufgesetzt, 1791 wurde der philosophische Unterricht den Dominikanern abgenommen und zwei Weltgeistlichen übertragen; seit 1799 wieder von jenen besorgt, 1803 aber ganz eingestellt. Die ansehnliche Bibliothek wanderte 1809 nach Stuttgart. Um 1809 hatte das Gymnasium noch 3 Lehrer: 2 Professoren für den Rhetorik-Kurs und den obern Grammatikal-Kurs, und einen Lehrer der unteren Klassen. Um 1820 wurde aus dem „Gymnasium“ eine einfache Lateinschule mit je einem Oberpräzeptor, Präzeptor und Kollaborator. Das Oberpräzeptorat war von 1829 bis 1846 mit der evangelischen Stadtpfarrstelle verbunden. 1815 kamen die deutschen Schulen in das ehemalige Dominikanerkloster. 1817 wurde eine evangelische Volksschule mit einem Schullehrer, seit | 1864 auch einem Lehrgehilfen, errichtet. Eine Realschule mit einem Reallehrer besteht seit 1846, mit 2 Lehrern seit 1876.

Von Zöglingen der Mergentheimer Schule haben allein in Erfurt zwischen 1433 und 1514 dreißig von Mergentheim und je einer von Igersheim und Markelsheim studirt, in Heidelberg um 1470 zwei, in Freiburg zwischen 1460 und 1540 drei, in Tübingen von 1477 bis 1644 einer von Igersheim und drei von Mergentheim, darunter Mag. Konrad Fuchs, Kanonikus im Stift Neumünster zu Würzburg 1527. Später finden wir auf der Universität Straßburg zwischen 1701 und 1783 aus Mergentheim 8, aus Wachbach 2. Nicht wenige Universitätslehrer, Ärzte, Schriftsteller etc. sind aus der Schule in M. hervorgegangen (s. S. 428 ff.), auch viele katholische Geistliche: in den letzten hundert Jahren zählt man solche gebürtig von Mergentheim 45, von Apfelbach 4, Igersheim 10 (darunter der berühmte Möhler), Neuseß 3, Löffelstelzen 2, Markelsheim 7 etc.


c. Fürsorge für Arme und Kranke.
Was die Johanniter in Mergentheim gethan haben, um der Ordensverpflichtung zur Verpflegung der Kranken nachzukommen, ist nicht mehr zu ersehen. Die Deutschherren errichteten 1340 einen kleinen, 1379 etwas erweiterten Spital; einen größeren baute und stattete reich aus die Bürgerswitwe Agnes Schreiber in den Jahren 1411–12, ließ auch eine Kapelle darin bauen, zu deren Dotirung ihre Schwester Katharina Schäfer mit beisteuerte. Die Johanniter protestirten gegen den eigenen Spitalgottesdienst, erlangten aber vom Konzil in Konstanz 1416 nur so viel, daß bloß ein einziger Altar mit stillen Messen, außer am Tage des Patrons, St. Martin, und ein Benefiziat ohne Seelsorge gestattet wurde. Die Haupterwerbungen der rasch aufblühenden Anstalt sind: der Üttingshof 1414 ff., die ehemaligen Güter der Klause Neunkirchen 1534. Im Jahr 1579 wurde das Gebäude, namentlich der Flügel gegen die Stadtkirche, gründlich renovirt, 1601 dem Spital das Vermögen der als Hexe verbrannten Witwe Grosmann im Betrag von 1200 Gulden, 1617 weitere 1000 Gulden Strafgelder zugewiesen, 1629 vom Deutschmeister 6000 Gulden zum Grundstock geschenkt. 1730 mußte der Flügel vom Brunnen gegen den Johannishof neu gebaut werden; man nahm dazu von dem Vermögen des wegen der Übergabe von Heidelberg an die Franzosen 1693 aus dem Deutschen Orden gestoßenen und verbannten | G. E. v. Hedershof 6000 Gulden; Andere machten reiche Schenkungen. 1740 wurde die alte Spitalkapelle durch die neue Spitalkirche ersetzt und der Flügel von der Pforte bis zum Stadtpfarrhaus neu gebaut. Unter den Schenkungen, welche der Spital auch nach dieser Zeit erhielt, ragt hervor das Vermächtnis der Hofkammerrath Öhningers Witwe vom Jahr 1771, bestehend in 43.728 Gulden, womit die Aufnahme von Waisen ermöglicht, der Bau gegen die Stadtkirche neu aufgeführt und die innere Einrichtung im jetzigen Stand getroffen wurde, sowie die Zuwendung eines Theils der Todesangst-Christi-Pflegschaft zu Nürnberg durch den Hoch- und Deutschmeister Karl 1803, welche von Baiern bestritten aber im Vergleichsweg 1827 doch mit gegen 13.000 Gulden ausbezahlt wurde. Für die Waisen stifteten Seminar-Direktor Höpfner (1816) 6200, Stadtpfarrer Mark († 1806) 4000 Gulden. Die ursprüngliche Bestimmung des Spitals, Arme und sieche Unterthanen des Deutschordens aufzunehmen, wurde frühe durch Aufnahme und zum Theil üppige Verpflegung wohlhabender Pfründner, welche sich einkauften, so schon jener reichen Wohlthäterin Agnes Schreiber, überschritten. Daher seit 1530 verschiedene Stiftungen zu Gunsten der armen Hospitaliten, daß sie „täglich für 1 Hlr. Brot und alle Wochen eine warme Suppe“, „an den 4 Fronfasten zum Morgenessen 1/2 Maß Wein, einen Pfennigweck und ein Essen Fisch und zu Nachts 1/2 Maß Wein und einen Weck“ erhalten sollten. 1709 wurde das Einkaufen und besondere Verpflegen der Wohlhabenden abgestellt. Von 1418 bis 1579 war die Stelle des Spitalmeisters einem Ordenspriester, seitdem einem weltlichen Verwalter übertragen; bei ihm speisten die „reichen Pfründner“ und der Benefiziat. Seit 1862 ist die Besorgung des Spitals barmherzigen Schwestern vom Mutterhaus in Gmünd übertragen.

Ein älteres Armenhaus, welches schon 1424 als Siechen- oder Armenhaus genannt ist, wurde 1716–20 wegen Baufälligkeit abgetragen und mit der St. Rochus-Kapelle neu erbaut. Zu einem Benefizium in der Kapelle stiftete 1744 der Mergentheimer Ulr. Schüpfer, Pfarrer in Zöschingen, 6000 Gulden, ließ auch eine Benefiziatenwohnung einrichten, welche er selber beziehen wollte, als er 1775 starb.

Das sog. kleine Armenhaus wurde 1674 neu erbaut für ansteckende Kranke und kranke Reisende, namentlich auch Soldaten.

| Im Jahr 1764 genehmigte der Deutschmeister Karl Alexander den Bau eines Krankenhauses für Invaliden, arme Bürgersleute und Ehehalten (Dienstboten), des sog. Karolinum, auf dem für eine Kaserne erkauften Platz, mit Invalidengeldern, dem Erlös einer Lotterie etc.


d. Medizinalwesen.

Wissenschaftlich gebildete Ärzte finden sich in Mergentheim seit der Mitte des 16. Jahrhunderts, Deutschmeisterische Hofärzte und Stadtärzte seit 1565, der erste Stadtapotheker 1567 genannt; unter den Hof- und Stadtmedicis war 1575–79 ein Jude. Um 1680 wurde der Apotheker der Gehilfe und bald der Nachfolger des Hof- und Stadtarztes. Unter den in den letzten hundert Jahren angestellten Ärzten ragen mehrere durch über die nächste Umgebung hinaus anerkannte Tüchtigkeit hervor: E. Ph. Bottinger † 1808; J. N. Thomann, des Vorigen, seines Schwiegervaters, Adjunkt, als Professor in Würzburg früh gestorben 1804; Justin Röser von Mergentheim, Vater der zwei bekannten Ärzte in Athen und in Bartenstein (s. S. 431) Leibarzt und von 1809–1813 auch Oberamtsarzt; E. F. Bauer † 1838 (s. S. 432); F. Höring, seit 1831, und F. Krauß von Weikersheim, seit 1844 in Mergentheim.


e. Postwesen.

Vor Einführung der Taxis’schen Reichspost waren die Deutschordischen Juden verpflichtet, für die Herrschaft die nöthigen Postpferde zu halten; waren wenig oder keine Juden da, so hatten die Metzger und die sog. Hübner (Pächter der Ordensgüter) jene Obliegenheit. Für die Privat- insbesondere die Handelsleute war ein verpflichteter, von der Kaufmannschaft besoldeter reitender Bote aufgestellt, welcher mit herrschaftlichem Geleite Briefe und leichte Pakete nach und von Köln brachte. Im Anfang des 16. Jahrhunderts stellte die Regierung einen eigenen Postmeister an, der für das Halten von 4 Pferden 200 Gulden jährlich erhielt. Die Reichspost brachte keine wesentliche Änderung und Besserung, bis 1706 von der Kaiserlichen Reichsposthalterei ein Botenmeister und Postverwalter und von der Regierung ein Postreiter in Mergentheim angestellt wurde, welch letzterer jeden Mittwoch und Samstag mit dem Felleisen nach Würzburg und zurück ritt. 1748 wurde die Extrapost in Pacht gegeben. 1789 war die Zahl der wöchentlich in Mergentheim ankommenden Posten 10, der abgehenden 8.

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f. Militär- und Schützenwesen.

Die jungen Bürger mußten 5 Jahre lang vor der Aufnahme ins Bürgerrecht unter Anführung ihres Schützenmeisters, später des Stadtlieutenants, bei Trommel- und Pfeifenschall jeden Sonn- und Feiertag im Sommer auf den Schießwasen jenseits der Tauberbrücke ziehen und daselbst Waffenübungen halten. Wer ausblieb, wurde von der Stadtaudienz um Geld gestraft. Alljährlich war ein oder mehrere Freischießen mit Einladung fremder Schützen, am Kirchweihmontag feierliches Hochamt zu Ehren des Schützenheiligen Sebastian. Die Regierung zahlte in die Schützenkasse jährlich 30 Gulden. Einladungen zu den Schießen in Ulm, Bamberg, Würzburg, Heidelberg, Wertheim, Weikersheim etc. sind noch bis zurück zum Jahr 1478 vorhanden. Die militärische Organisation des Schützenkorps scheint im 17. Jahrhundert ziemlich abgegangen zu sein; wenigstens sah im Anfang des 18. der Hoch- und Deutschmeister sich veranlaßt, einen Landausschuß zu bilden aus allen Männern von 18 bis 40 Jahren, die fortwährend in den Waffen geübt und ebensowohl zur Landesvertheidigung, als zu Kriminalexekutionen und zur Vertreibung der Bettler und Landstreicher verwendet werden sollten. Neben dieser Landmiliz hatte der Deutschorden aber auch eine kleine stehende Truppe zu Mergentheim in Garnison.


g. Münzwesen.
Dem Deutschmeister stand das Münzregal vor der Vereinigung mit der hochmeisterlichen Würde nicht zu. Um so merkwürdiger ist die Urkunde vom Sonntag vor Himmmelfahrt 1355, wodurch Kaiser Karl IV. dem Komthur zu Mergentheim, Philipp v. Bickenbach, für sich und seine Nachfolger in dieser Würde, also der Kommende Mergentheim, nicht dem Deutschmeisterthum, das Recht ertheilt, Heller zu münzen nach dem Schrot und Korn von Nürnberg. Ob aber von diesem Recht Gebrauch gemacht worden und ob insbesondere aus der in einer Urkunde von 1375 erwähnten Mergentheimer Währung auf eine eigene Münze der Kommende, oder auch der Stadt Mergentheim sich schließen lasse, bleibt dahin gestellt, da unter Währung eines Orts sehr oft nicht eine eigene, sondern nur die daselbst zum Kurs autorisirte fremde Münze verstanden wurde. Ob zwei Medaillen mit dem Brustbild des Komthurs Konrad Knipping und dem Wappen der Stadt Mergentheim, die eine ohne Jahr, die andere mit | der Jahrszahl 1581 von der Stadt und in derselben zu Ehren Knippings geprägt worden, der wie jeder dortige Komthur dem Stadtrath zu präsidiren hatte, ist nicht bekannt. (Binder, Württemb. Münz- und Medaillen-Kunde 473 ff.) Auch von andern Münzen mit dem Wappen der Stadt ist nicht mit Sicherheit anzugeben, ob sie dort geprägt sind. Während des 30jährigen Kriegs sollen in Mergentheim Kupferkreuzer im Werth von einem halben Pfennig, die letzten Deutschordensmünzen, Kreuzer, Groschen, Sechser, Dreibätzner und Sechsbätzner aber sollen unter dem Hochmeister Karl Alexander in Wertheim geprägt worden sein.


h. Buchdruck.
Zwar erschien schon 1703 eine politische Schrift als in Mergentheim gedruckt; aber schon der Titel derselben: Verthaidigtes Preußen wider den vermeinten und widerrechtlichen Anspruch des Teutschen Ritter-Ordens etc. (Voigt 2, 458) dürfte zeigen, daß der Druckort fingirt ist. Doch enthalten auch drei Dissertationen des Dominikaners und Lyzealprofessors Augustin Krazer von Mergentheim die Titelangabe: Mergenthemii 1775 bis 1778 typis E. C. Griebel. Hiernach modifizirt sich einigermaßen die Angabe von der Errichtung einer Buchdruckerei in Mergentheim durch den Würzburger Buchdrucker Franz Ernst Nitribit im Jahr 1778, welche Druckerei 1784 ff. Christian Ernst Griebel, privilegirter Hofbuchdrucker, principalis aulicus Typographus, besessen habe. Griebel gab seit 1791 ein Intelligenzblatt heraus. Auf Anrathen der Regierung errichtete 1804 Dr. V. J. Stahel, Buchdrucker in Würzburg, auch in Mergentheim eine Druckerei; 1806 übernahm sie Joh. Ge. Thomm von Heidingsfeld, bei dessen Familie sie sich noch befindet. Das von Stahel 1804 wieder ins Leben gerufene „Mergentheimer Intelligenzblatt“, wöchentlich ein halber Bogen, verwandelte sich 1848 in die wöchentlich zweimal, jetzt dreimal erscheinende „Tauberzeitung“. Daneben erschien 1809–19 bei J. G. Thomm eine Zeitschrift „Neueste Zeitgeschichte“, deren Censor zuerst ein Pater Kapuziner, nachher der Professor Springer war. Auch die von Pfarrer Lämmert in Adolzhausen in den 1840er Jahren herausgegebene religiöse Zeitschrift „Der Morgenstern“ und die Zeitschriften des vielschreibenden Pfarrers von Wachbach, zuletzt Edelfingen, Ottmar Schönhuth, „Monatrosen“ 1843–47 und | „Vorzeit und Gegenwart im Frankenlande“ 1843–46, erschienen in Mergentheim.

Eine Buchhandlung besteht in der Stadt seit 1834.




Von namhaften Männern, welche in Mergentheim geboren sind, führen wir an: 1. Den gefeierten Würzburgischen Archivar und Geschichtschreiber Lorenz Fries. Geboren in Mergentheim 1491, trat derselbe, nachdem er auf den Hochschulen zu Leipzig, Wien und Wittenberg (hier 1518) studirt und sich in Wien die Würde eines Magisters der freien Künste erworben hatte, als Geheimschreiber in die Dienste des Würzburgischen Fürstbischofs Konrad v. Thüngen und bekleidete dieses Amt, 1525 mit dem Titel eines Raths beehrt, auch wiederholt mit kleinen Lehengütern bedacht, unter drei Fürstbischöfen bis zu seinem am 5. Dezember 1550 erfolgten Tode. Vermöge seines Amtes stand Fries nicht nur an der Spitze des Fürstbischöflichen Archivs und der Kanzlei, sondern seine Stellung war zugleich eine hochpolitische, d. h. er war auch an der Leitung der Staatsgeschäfte und der Führung der politischen Korrespondenz betheiligt. Als der Fürstbischof im Mai 1525 in Folge des Bauernkriegs sich gezwungen sah, seine Residenz zu verlassen, um bei dem Pfalzgrafen Ludwig in Heidelberg eine Zufluchtsstätte und Hilfe zu suchen, hat ihn Fries begleitet und ist circa 4 Wochen später mit den sieghaften Fürsten wieder nach Würzburg zurückgekehrt. Auch auf der blutigen Rundreise, die der Fürstbischof nach Niederwerfung des Aufstandes in Begleitung des Nachrichters durch sein Hochstift unternahm, hat sich Fries an seiner Seite befunden. Im Jahr 1530 treffen wir Fries auf dem Reichstag zu Augsburg, weiterhin in einer diplomatischen Mission in Prag und Wien, endlich in einer Mission bei Kaiser Karl V. in Worms, wo er mündlich den Standpunkt seines Herrn gegenüber der Bildung einer Liga gegen die Schmalkaldischen Bundesverwandten zu vertreten hatte. Was Fries als Archivar geleistet, können die Fachmänner noch heute nicht genug rühmen; „die unzähligen Daten der verschiedensten Art aber, welche er in seinen Archivalbänden in Tausenden und aber Tausenden von Urkunden gefunden, blieben ihm nicht als solche lose und ungefügt neben einander liegen, sie schloßen sich in seinem Geiste unter höhere Einheiten zusammen, und daraus trieben jene herrlichen literarischen | Blüten, die trotz so mancher Mängel noch heute unsere vollste Anerkennung verdienen, ja als Produkte des 16. Jahrhunderts unsere Bewunderung erregen“. (Schäffler im Arch. d. hist. Ver. v. Unterfranken XXII. 1874. H. 1, S. 6). Das sind, neben mehreren leider verloren gegangenen, jene beiden Schriften von unvergänglichem Werth, die ihrem Verfasser den Namen des Vaters der fränkischen Geschichte eingetragen haben: Geschichte der Bischöfe und des Hochstifts Würzburg (letzte Ausgabe Würzburg, Bonitas-Bauer 1848) und Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken (derzeit erscheinend in trefflicher Ausgabe von A. Schäffler und Th. Henner, Würzburg 1876 ff.) Vergl. über den herrlichen Mann, seine freie nationale Gesinnung und originelle kräftige Handhabung der deutschen Sprache etc.: Heffner und Reuß, Lorenz Fries der Geschichtschreiber Ostfrankens. Würzburg 1853; Rockinger in den Abhandlungen der hist. Kl. der Münchner Akad. XI, 3, 147–254; Ruland im Archiv d. hist. Ver. v. Unterfranken XIII, 1. u. 2. S. 300 ff.; Schäffler ebend. XXII, 1, 1 ff.; Wegele in der Allgem. Deutschen Biographie VIII, 83 f.

2. Michael Leyser von Mergentheim, war Küchenmeister und seit 1525 Abt des Benediktinerklosters St. Stephan in Würzburg. Seine tragikomischen Erlebnisse im Bauernkrieg hat Lorenz Fries eigenhändig aufgezeichnet (abgedruckt Arch. d. hist. Ver. v. Unterfr. XII, 2, 277 ff., wo auch die auf den Abt geprägte Medaille abgebildet ist.) Er starb 22. Oktober 1548. Arch. d. H. V. f. U.F. IX, 2, 30 f.

3. Konrad Fuchs, Artium Magister, Kanonikus des Stifts Neumünster in Würzburg, an der Universität Tübingen immatrikulirt 1527. Urk. z. Gesch. d. Un. Tüb. 1877. S. 643.

4. Ein Bildner in Holz und Stein, Henslin Fries von Mergentheim, Schüler des berühmten Tillmann Riemenschneider, wird in einem Würzburger Zunftbuch des 16. Jahrhunderts genannt (Sighart, Gesch. d. bild. Künste in Bayern S. 530.)

5. Ernst Hettenbach, Professor der Medizin in Wittenberg, 1576–1616.

6. Kaspar Gras, geboren in Mergentheim 1590, kam wahrscheinlich mit dem Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Maximilian an den Hof in Innsbruck, wo er als Hofbossierer und Gießer, auch noch unter Erzherzog Leopold, thätig war. 1670 wurde er Erzkastner zu Schwaz, wo er am 3. Dezember 1674 starb, mit Hinterlassung eines Vermögens von 963 Gulden, in | welches sich seine 4 Kinder theilten. Gras modellirte die Reiterstatue des Erzherzog Leopold im Hofgarten zu Innsbruck und arbeitete mit an dem Grabmal des Deutschmeisters Max in der Pfarrkirche daselbst. Auch verschiedene Erzfiguren im Innsbrucker Hofgarten, in der Ambraser Sammlung etc. sind von ihm. W. Schmidt in der Allg. Deutsch. Biogr. 9, 590.

7. Matthäus Zehender, Maler aus Mergentheim, gestorben zu Innsbruck 1690. Seine Vaterstadt besitzt von ihm in der Schloßkirche ein schönes Altarbild: Die Salbung in Bethanien, welches Zehender 1684 malte. Dr. Bauer veröffentlichte im Mergentheimer Wochenblatt 1832 nachstehenden Brief des Malers an den Registrator, nachmaligen verdienten Archivar Keyl in Mergentheim:

Arbeit habe ich genug, den mehrentheil Altarblätter. Man sucht mich von unterschiedlichen Städten, denn mir die Mahler selbsten zuschreiben, ich soll ihnen etwas mahlen zu einer Gedächtniß, zahlen mir vor ein kleines Stücklein etliche Dukaten, seynd gar froh, wenn sie etwas von meiner Hand bekommen, denn ich mache viellieber das Vornehmere, habe schon viele Altarblätter in dem Schwanenwirthshaus gemahlet, hab auch jezund unterhanden vor 100 Rthlr. und auch darüber, auch kleinere. Hab nit gemeint, daß ich so lang in Bregenz wolle bleiben, doch mit solcher Arbeit wurdt ich allzeit wiederumb aufgehalten, und ist auch gut daß kein Soldaten in Bregentz noch deren Herrschaften seyndt, sonsten wäre ich auch nicht so lang gebliben. Vorm Jahr hab ich nit anderst gemeint, ich wolle nach Haus reißen hat doch nit seyn können, ist mir auch nit zu rathen, wie wohl ich groß Verlangen habe, muß es doch einstellen, bis es mit dem Krieg in ein Ende kommt. Darnach wenn uns Gott das Leben so lang verleihet, so wollen wir einander sehen, und auch was ich für eine Mutter bekommen hab. Sie darf ihr nit einbilden, als wenn sie mir zu schlecht wär, denn ich von dem Hrn. Bruder und auch von meinem lieben Vater genugsamb vernommen, daß sie eine gar liebreiche Fraw seye, erfreue mich, daß sie einander so wohl verstehen, verlangt mich derentwegen stark nach Hauß; damit sie mich lernt kennen, und ich sie als meine liebe Mutter, gegen Ihr dienstfreundlich mich erzeige. Sonsten wegen Anderm meiner vermeinten Freunde würd ich wohl keinen Gedanken heimb haben, denn es mir Niemahl so widerwärtig ergangen, als in meinem Vaterland, wie der Herr Bruder selbsten weiß, und es geschieht mir liebs außer meinem Vaterland von hohen und niedern Standes-Personen mehr, als sonst manchem vornehmen Herrn. Gott bekehre alle rachgierigen Herzen und gebe uns den ewigen Frieden.

Bregentz im Wirthshaus zum Schwanen. Den 6. Merz 1677.
Verbleibe des Hrn. Bruders bereitdienstwilliger
Mathäus Zehender 
Mahler. 
| 8. Joseph Heinrich Breitenbücher, geb. in Mergentheim ?, gest. in Wien als Domprobst zu St. Stephan, Generalvikar, Kanzler der Universität, Kaiserlicher Rath etc.

9. Thomas Grebner, geb. in Mergentheim 1. Juli 1718, tritt 1736 zu Würzburg in den Jesuitenorden (welchem nach einer vorliegenden Liste zwischen 1625 und 1764 siebzehn Mergentheimer und ein Löffelstelzer angehörten) wurde Lehrer in Fulda, 1752–54 Professor der Philosophie in Heidelberg, starb als Professor der Geschichte an der Universität Würzburg 1788, schrieb u. A. Compendium historiae universalis Würzburg 1757–1764, 3 Bde. „Umfassende Gelehrsamkeit und ein unverkennbares Geschick für übersichtliche Anordnung des ausgedehnten Stoffs sind die Vorzüge jener fleißigen Arbeit. Außerdem hat sie für Ostfranken durch Behandlung der fränkisch-würzburgischen Geschichte in eigenen mit sichtbarer Sorgfalt bearbeiteten Abschnitten Werth“. Eine Münzgeschichte Frankens, welche leider nicht erschienen ist, galt lange für verloren, hat sich aber unlängst zu Würzburg in einer Abschrift wieder vorgefunden. Henner in der Allg. Deutschen Biogr. 9, 623 f.

10. Konstantin Roth, Sohn des Postverwalters und Baudirektors Franz Joseph Roth in Mergentheim (welcher 1732–36 den Bau der Schloßkirche mit leitete) machte in österreichischen Diensten im Regiment Deutschmeister den siebenjährigen und andere Kriege mit, wurde Oberst des Regiments Neugebauer und starb als Generalmajor zu Freiburg i. B. 24. April 1796.

11. Joseph Faulhauer, geb. 7. März 1792, 1823 bis 1858 Pfarrer in Altshausen, seit 1849 auch Dekan des Kapitels Saulgau, 1858 Domkapitular in Rottenburg, gestorben 4. August 1879.

12. Bernard Röser, geb. 18. Juli 1806 als Sohn des Hofraths und Leibarzts Justin Röser (s. o.) studirte in Würzburg und München, sowie auf einer Reise nach Wien, Oberitalien und Frankreich, Medizin, wurde in München Assistenzarzt, und gieng, als Prinz Otto von Bayern 1833 auf den griechischen Thron berufen wurde, mit demselben nach Athen, wo er als Königlicher Leibarzt und Mitglied, auch zeitweiliger Vorstand des Medizinal-Kollegiums bis zur Vertreibung des Königs wirkte. Er folgte dem Letzteren auch nach Bamberg, wo er am 15. Juli 1868 gestorben ist. (Bernards älterer Bruder, Jakob Röser, | der unvergessene Arzt des Frankenlandes, ist zufällig nicht in Mergentheim, sondern während eines Aufenthalts seiner Eltern am fürstlichen Hof zu Ellingen in diesem jetzt bayrischen Ort am 23. Juni 1799 geboren. Gebildet in Würzburg und Tübingen, sowie auf Reisen und in Mergentheim unter den Augen seines beliebten Vaters, wurde Röser 1823 als fürstlicher Leibarzt, mit dem Titel Rath und später Hofrath, in Bartenstein angestellt und blieb hier bis zu seinem Tode in umfassendster allseitig anerkannter Wirksamkeit, welche er abgesehen vom regelmäßigen Besuch der Naturforscher-Versammlungen u. dgl. nur zweimal unterbrach: 1834 durch eine längere Reise nach Griechenland, in die Türkei, nach Ägypten und Syrien (vgl. sein Tagebuch der Reise, Mergentheim Thomm’sche Buchhandlung 1836 und Über einige Krankheiten des Orients, Augsburg 1837) und 1853 durch die Hochzeitreise mit seiner zweiten Gattin nach Frankreich und Spanien. Näheres über Rösers treffliche Persönlichkeit und Thätigkeit als Arzt und medizinischer Schriftsteller s. im Mediz. Korresp. Bl. des württ. ärztl. Vereins 1862 S. 340 ff.

13. Hermann Bauer, geb. 19. September 1814 als Sohn des um die Gründung des Mineralbads in Mergentheim und die naturgeschichtliche und historische Beschreibung der Stadt und Umgebung verdienten, vielseitig gebildeten Oberamtsarzts Dr. Bauer (gest. 1838), Pfarrer in Gnadenthal OA. Öhringen 1840, Diakonus in Aalen 1847, Dekan in Künzelsau 1854–64, starb als Dekan in Weinsberg 18. Mai 1872. Mitbegründer und Hauptarbeiter, auch langjähriger Vorstand des historischen Vereins für das württembergische Franken, hat Bauer, neben theologischen und pädagogischen Aufsätzen und Schriften, zahlreiche historische Arbeiten (Geschichte und Beschreibung von Aalen 1852. Beschreibung des Oberamts Aalen 1854. Die historischen Abschnitte der Beschreibung des Oberamts Gmünd 1870, des Oberamts Neresheim 1872 etc.) veröffentlicht und bei seinem zu frühen Tode eine Fülle von Materialien für die Beschreibung seines Heimatbezirks Mergentheim hinterlassen, welche von uns dankbar benützt worden sind. (Vgl. den von H. Bauers jüngerem Bruder, Bernhard Bauer, Stadtpfarrer in Großsachsenheim, verfaßten Nekrolog im Schwäbischen Merkur, Kronik S. 465 und in der Zeitschr. des Hist. Ver. f. d. württ. Franken IX, 322 ff.)


  1. Von Bergrath Dr. Baur. Vgl. auch Mergentheim und seine Heilquellen von Dr. C. F. Bauer, Oberamtsarzt in Mergentheim. Ferner von demselben Verfasser: Mergentheim und seine Umgebung in geognostischer und topographischer Hinsicht, Württemb. Jahrbücher, Jahrgang 1836, Zweites Heft. Bericht über die Bäder Württembergs, von Dr. K. Bauer, Medizinisches Correspondenz-Bl. Bd. X, Nr. 4.
  2. Medizinisches Correspondenzblatt, Bd. X, 1840 Nr. 4 S. 27.
  3. Ebendaselbst S. 28.
  4. Ebendaselbst Bd. XXIII, Nr. 1853, 12 S. 97.
  5. Ebendaselbst Bd. XXXIX, Nr. 1869, 14 S. 110.
  6. Ebendaselbst Bd. XXIV, Nr. 1854, 21 S. 166.
  7. Dr. Höring, Hofrath, das Karlsbad bei Mergentheim etc. 1873 S. 46.
  8. Medizinisches Correspondenz-Blatt, Bd. XXXIX, Nr. 14 S. 110, 1869.
  9. H. Bauer, die Johanniter-Kommende zu Mergentheim 1207-1554. W. F. 8, 278 ff.
  10. Bis ins 15. Jahrhundert möglichst vollständig, von da an mehr zur Ergänzung der voranstehenden allgemeinen und Orts-Geschichte mitgetheilt.
  11. = Wirtembergisches Urkundenbuch. Stuttgart 1849 ff.
  12. = Deutscher Ritter-Orden.
  13. = Stälin, Wirtembergische Geschichte 1841 ff.
  14. = Zeugen.
  15. = Württ. Staatsarchiv.
  16. Nach einem Verzeichnis von Dr. Bauer, welches für die ältere Zeit nicht ganz genau sein dürfte.

Anmerkungen [WS]

Errata

  1. S. 400 Z. 16 lies Truchsessen. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
  2. S. 410. 1452. Hieher ziehe 1452 von S. 448. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
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