Das Papier

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Titel: Das Papier
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aus: Album der Sächsischen Industrie Band 1, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 1, Seite 158–163
Herausgeber: Louis Oeser
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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[158]
Das Papier.

Geschichte des Papiers.

Das Papier ist eins der wichtigsten Erzeugnisse der Industrie, denn nur durch dessen Hilfe sind die Fortschritte des neueren Lebens so bedeutend gefördert, durch die Hilfe des Papiers allein ist es möglich, nachhaltig für geistige Bildung zu wirken und dieselbe nach allen Richtungen und durch alle Schichten des Volks zu verbreiten. Weniger beachtet als das Gold, kann man doch das Papier eigentlich kostbarer als jenes Metall betrachten, dessen Werth nur in der Einbildung beruht.

Dr. Karl Müller sagt sehr wahr: die Geschichte des Papiers ist die Geschichte der Menschheit! und er spricht sich an einer anderen Stelle wie folgt aus: „Ohne das Papier würde die unermeßliche Wichtigkeit der Buchdruckerkunst nur eine sehr bedingte sein. Jene großartige Cultur Europa’s, wie wir sie in seiner Wissenschaft, Kunst und Industrie ausgedrückt finden, würde ohne das Papier kaum vorhanden sein; denn das Papier ist der erste großartige Telegraph, durch welchen sich die Völker der Erde miteinander auf leichte Weise in Verbindung setzen, Gedanken und Entdeckungen mittheilen. Sein Verbrauch ist der natürliche Maßstab für die geistige Stufe eines Volks, wie, um mit Liebig zu reden, der jährliche Bedarf an Seife den allgemeinen Culturzustand eines Volkes andeutet. Doch nicht immer war es wie heute, wo man im Papier für wenig Geld einen Gedankenspeicher erwirbt, wie ihn die Völker des Alterthums niemals kannten.“

Ehe das Papier erfunden wurde, bediente man sich zur Mittheilung seiner Gedanken an Andere der Steintafeln, Platten gebrannten Thons, Schieferplatten, weicher Metalle und des Holzes, auf welche Materialien die Buchstaben mühsam eingegraben wurden. Später überzog man die Platten mit einer Schicht Wachs und konnte auf demselben leichter mittels des Griffels schreiben. – Natürlich konnten aber solche Mittheilungen nur von geringer Ausdehnung sein und gingen oft schneller verloren, als sie entstanden, so daß uns jetzt von allen jenen Schriftstücken nur diejenigen übrig geblieben, welche die Hand der alten Völker in Stein grub, z. B. die mit Hieroglyphen bedeckten Obelisken und andere Monumente der alten Aegypter, welche die nach und nach Alles vernichtende Zeit wenigstens so weit verschonte, daß eine Entzifferung noch möglich ist.

Bei der fortschreitenden Ausbildung des Menschengeschlechts genügten jene ursprünglichen Hilfsmittel nicht, man suchte sich die nach und nach immer mehr Bedürfniß werdende Mittheilung an Andere zu erleichtern und die Aufzeichnungen selbst durch Anwendung eines geeigneteren Materials zur Aufbewahrung bequemer zu machen. Man griff zu den Baumblättern, denen man leicht die Form eines Buches geben konnte, und ritzte die Schriftzüge in dieselben; namentlich waren es die Palmenblätter, welche die Stelle des Papiers vertreten mußten und die Aegypter, das älteste Culturvolk, waren die Ersten, die sich derselben für solchen Zweck bedienten. Allerdings waren solche Schriften dem baldigen Verderben nicht minder unterworfen, wie es bei dergleichen Material kaum anders sein konnte.

Späterhin trat an die Stelle der Blätter der Bast von Bäumen, z. B. der Linde, der Birke u.s.w. und die ältesten Urkunden der Hindus sind mit Oelfarbe auf Birkenbast geschrieben, sowie auch unsere deutschen Vorfahren sich zum Schreiben stets des Birkenbastes bedienten.

Der Ruhm der Erfindung des eigentlichen Papiers dürfte unbestritten den Chinesen und dann den Japanesen gebühren, welche schon seit länger als zweitausend Jahre gutes Papier verfertigten und [159] in der Herstellung der feinsten Papiere bis heute noch nicht übertroffen sind; so kann das chinesische Papier beim Abdruck feiner Kupferstiche durch keine andere Sorte ersetzt werden. In der Bereitung ihrer Papiere werden jene Völker durch die Natur unterstüzt, indem im Bereich ihrer ausgedehnten Länder eine Menge dazu vorzüglich tauglicher Pflanzen wachsen, welche in der Mehrzahl in keinem andern Erdtheil mehr zu finden sind, wenigstens nicht in gleicher Qualität. Baumwollenstaude und Bambusrohr scheinen indessen den Chinesen das Hauptmaterial zur Erzeugung ihrer feinen Papiere zu geben.

Um 336 vor Christus – der Zeit Alexander des Großen – begann die Benutzung der Papyruspflanze zur Bereitung eines zum Schreiben tauglichen Materials, und es erhielt dasselbe von dieser Pflanze den Namen Papier.

Die Papyrusstaude, Cyperus papyrus, gehört zu der Familie der Cypergräser und wächst in Aegypten, Syrien, Calabrien und Sicilien, wo sie oft ganze Wälder gleich unserem Rohr bildet oder vielmehr bildete, denn an vielen Orten, namentlich in Aegypten, ist diese Pflanze fast ganz ausgerottet, da sie von den Einwohnern als Brennmaterial benutzt wird; in Sicilien fand sie Seume besonders häufig um Syrakus. Der Papyrus hat unserem Rohr ähnliche dreiseitige, glänzendgrüne, oft sechs bis sieben Fuß hohe Stengel, an deren Spitze eine Blatthülle eine Menge erst grade stehender, bei zunehmender Reife aber herabhängender Blüthenstiele trägt, an denen die Blüthen in Dolden hängen. Aus der inneren Rinde der Pflanze machte man ehemals Segeltücher, Kleiderstoffe, Seile, Schuhe und aus dem ganzen Rohre selbst leichte Kähne. Das Papier ward aus den inneren Stengelhäuten gefertigt, die man sorgfältig von dem Stengel trennte und dann, um ihnen einige Dicke zu geben, einige Häutchen zusammenleimte. Dieses Papier erhielt auch den Namen Biblos, woher der Name Bibel, griechisch Biblion (Papier, Buch) stammt, aus welchem letzteren wieder die Namen Bibliothek, Bibliographie u.s.w. entstanden sind.

Die Papyrusstaude war nun plötzlich eine der geschätztesten Pflanzen Aegyptens, denn sie lieferte einen wichtigen Handelsartikel und wurde zur Quelle des Reichthums für das Land.

Nun mehrten sich auch die Bücher und viele Fürsten, wie Ptolomäus II. (Philadelphus), legten für jene Zeit großartige Bibliotheken an. Das Papier ward zum unentbehrlichen Material, und als der schon genannte Ptolomäus aus Eifersucht gegen den ebenfalls Bücher sammelnden König Eumenes von Pergamus die Ausfuhr des Papiers dahin verbot, entstand in Pergamus eine wahre Papiernoth, die zur Erfindung des Pergaments leitete, welches, das Papier verdrängend, bis weit in das Mittelalter hinein in ausschließlichem Gebrauch für alle wichtigeren Schriftstücke blieb.

In Rom kam es so weit, daß, als Kaiser Tiberius II. den Zoll auf Papier so bedeutend erhöhte, daß von Aegypten aus – wo Alexandrien der Hauptmarkt war – keins mehr geliefert werden konnte, eine allgemeine Volkserhebung entstand, welche der erschrockene Kaiser nur dadurch beschwichtigen konnte, daß er alle vorhandenen Papiervorräthe durch den Senat unter das Volk vertheilen ließ.

Bis ins elfte Jahrhundert blieb das egyptische Papier neben dem Pergament in Gebrauch; dann ward es durch das von den Chinesen erfundene Baumwollenpapier verdrängt, welche Erfindung durch die Araber nach Spanien kam, und von dort sich rasch weiter ausbreitete. Die Araber hatten diese Erfindung aus der Bucharei mitgebracht, wohin sie durch die Chinesen gekommen. Schon vorher hatten die Griechen das Papier aus der Bucharei bezogen und nach Venedig in den Handel gebracht, von wo es auch nach Deutschland gelangte.

Das Baumwollenpapier war aber von so mangelhafter Beschaffenheit, daß man nur mühsam mit dem Pinsel darauf schreiben konnte; deshalb suchte man es durch ein anderes besseres Material zu ersetzen, und ein Deutscher – dessen Name leider unbekannt geblieben – erfand in der Mitte des dreizehnten [160] Jahrhunderts das Linnenpapier. Die erste noch vorhandene Urkunde auf diesem Papier stammt aus dem Jahre 1270. Doch mochte es mit der Herstellung und Verbesserung der zu der Fabrikation dieses Papiers nöthigen Maschinen seine besonderen Schwierigkeiten haben, denn erst zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts ward es allgemein angewendet. 1390 entstand zu Nürnberg die erste Papiermühle.

Nun verbreitete sich das Linnenpapier schnell nach allen Richtungen und in alle Länder Europas, in Italien wie in Rußland, in Spanien wie in Schweden entstanden Papiermühlen nach deutschem System und bald nach Entdeckung Amerikas drang die Papierfabrikation auch dahin. Nach England kam diese Fabrikation 1558 durch einen Deutschen, Namens Spielmann, welcher dafür den Ritterschlag erhielt. Man hatte schon längst die Wichtigkeit des Papiers hinreichend erkannt, um es richtig zu würdigen.

Die erste Zeit hatte man nur aus Hanf und Flachs, bisweilen wohl auch aus Stroh, Fichtennadeln, Holzfasern und Moos Papier hergestellt; erst später verfiel man darauf, abgetragene Kleider und Wäsche dazu zu benutzen und damit war das Papier so weit vervollkommt, daß man jetzt ungehindert darauf schreiben und drucken konnte.

Wie es scheint, geschah von da an für Vervollkommnung der Papiermasse wenig mehr, denn bis 1820 ist in diesem Theile der Fabrikation nichts Erwähnungswerthes mehr geschehen, man wendete vielmehr seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf Verbesserung der vorhandenen Maschinen und die Erfindung neuer. Von diesen Erfindungen sind besonders wichtig die der Formen zur Herstellung des Velinpapiers, gemacht 1783 durch Leger Didot und verbessert 1785 durch Montgolfier; die Erfindung der chemischen Bleiche; die Erfindung der Form zur Herstellung des endlosen Papiers durch Roger, 1799; und vor allen die Erfindung der Papiermaschine durch Louis Robert, einem einfachen Arbeiter in der Papiermühle zu Esonne bei Paris, welcher diese Maschine 1799 zu Stande brachte. 1804 ging diese Erfindung nach England über und kam von da verbessert nach Deutschland.

In den ersten Jahrhunderten hatten Deutschland und Italien die besten Papierfabrikanten, aber beide Länder blieben später sehr gegen Holland, Frankreich und England zurück, und in den beiden letzten Ländern steht die Papierfabrikation gegenwärtig in der höchsten Blüthe. Doch hat sich seit ungefähr dreißig Jahren die deutsche Industrie bestrebt, auch in dieser Branche dem Auslande gleich zu kommen, und dieses Streben ist von dem schönsten Erfolg gekrönt worden, denn jetzt liefern die deutschen Fabriken die mehrsten feineren Papiere in gleicher Güte und Schönheit wie das Ausland, für dessen Produkte nicht selten auch in dieser Branche die Erzeugnisse des deutschen Gewerbfleißes ausgegeben werden, weil nun einmal der Deutsche glaubt etwas Besseres und Vollkommneres zu kaufen, wenn es nur eine ausländische Firma trägt; Mancher, welcher sogenannte französische und englische feine Papiersorten kauft, ahnt dann wohl nicht, daß nicht eben selten diese Papiere deutschen Fabriken ihren Ursprung verdanken. In der Herstellung der wohlfeileren Papiere übertrifft gegenwärtig Deutschland alle anderen Länder.

Noch sei bemerkt, daß Europa jetzt gegen fünfzig Millionen Centner Papier im Werth von etwa sechsundsechszig Millionen Thalern liefert.

Was nun unser Sachsen im Besonderen betrifft, so bewährte es seinen Eifer, so weit als möglich neu auftauchende Industriezweige sich eigen zu machen, auch in dieser Branche, denn schon im Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts entstanden in Sachsen Papiermühlen und als die ältesten werden die zu Annaberg und Freiberg mit bezeichnet. Die Papierfabrikation hat sich in Sachsen mit der Zeit bedeutend ausgebreitet, aber obgleich daselbst jetzt über sechszig Papierfabriken bestehen und unter diesen mehrere sehr großartige, die auf mechanischem Wege bedeutende Massen liefern, so wird doch Sachsens Bedarf an Papier, namentlich[WS 1] an Druck- und Postpapier, noch nicht gedeckt und es muß seinen sehr ansehnlichen Mehrbedarf von dem Auslande, namentlich Rheinpreußen, Baiern, Würtemberg und Baden beziehen.

[161] Deshalb ist auch die von dem Herrn Dr. Romberg angeregte Idee zur Bildung einer Actiengesellschaft, um die alte Papiermühle bei Dresden in eine großartige mechanische Papierfabrik umzuwandeln, von allen Seiten auf das Freudigste begrüßt worden, indem durch Verwirklichung dieser Idee Sachsen auch in dieser Branche dem Auslande immer weniger tributbar wird und dem Lande große Summen erhalten werden.


Die Papierfabrikation.


Den Hauptbestandtheil des Papiers bilden die Lumpen (Hadern), welche von den Händlern gewöhnlich schon vor der Ablieferung in die Fabrik in weiße, graue und gefärbte, so wie in Hinsicht auf den Stoff in leinene, hänfene, baumwollene und wollene sortirt sind; doch tritt in der Fabrik eine noch sorgfältigere Sortirung ein und es werden die Hadern, je nach den Papiersorten, zu denen sie bestimmt sind, in zehn Klassen getheilt.

Diese Lumpen kommen dann nach einiger Reinigung und nach Befreiung von den Näthen auf den Lumpenschneider, eine Maschine, ähnlich der Häcksellade, auf welcher sie in zwei bis drei Zoll lange Stücke zerschnitten werden und von da in ein schräg gestelltes Sieb fallen, in dem sie durch fortwährendes Schütteln von Staub und Schmutz gereinigt werden.

Früher wurden alle zerschnittenen Lumpen, um sie zur Bearbeitung tüchtig zu machen, einer Faulung unterworfen, doch ist dieses zeitraubende Verfahren jetzt nur noch bei gröberen und stärkeren Sorten angewandt, aus denen Kupferdruckpapier und Pappe gemacht werden soll; die anderen Sorten werden durch Maschinen zerkleinert, nachdem vorher die Lumpen gewöhnlich mit Dampf ausgekocht sind.

Nun beginnt die chemische Bleiche durch eine Auflösung von Chlorkalk, um den gefärbten Lumpen jede Spur von Farbe zu nehmen; bisweilen wird diese Bleiche auch erst in dem Holländer vorgenommen.

Das Zerstampfen der Lumpen geschieht durch das sogenannte Geschirr, vier bis sechs wagerecht liegenden Hämmern, welche durch eine Walze gehoben werden und durch das eigene Gewicht wieder in einen aus Sandstein und Holz gefertigten Trog fallen, der einen Boden von messingenen Platten hat. In diesen Trog, in den die zerschnittenen Lumpen geschüttet werden, fließt aus einem Gerinne beständig frisches Wasser zu und durch ein feines Roßhaarsieb wieder ab, so daß die Lumpen zu gleicher Zeit zerstampft, als auch vollständig gereinigt werden. Die nun entstandene breiartige Masse heißt der Halbzeug, und kommt nun in den Holländer.

Indessen wird das viele Vortheile bietende Geschirr jetzt wenig mehr angewendet, indem man die zerschnittenen und gebleichten Lumpen häufig sogleich in den Holländer bringt, wo der Gangzeug gebildet wird. – Es ist dieser Holländer eine in einem bisweilen mit Blei ausgefütterten, von starken Bohlen oder von Gußeisen gefertigten Troge sich drehende Walze, welche parallel der Achse mit eisernen oder messingenen, hervorstehenden Schienen versehen ist und unter sich auf dem Boden des Troges, das Grundwerk hat, eine Anzahl scharfer eiserner Schienen, die mit denen der Walze in Berührung kommen. Die Masse wird so nicht eigentlich zerschnitten, sondern mehr zerfasert. Ein Kammrad treibt die Walze und diese macht bei dem Ganzholländer bis 220 Umläufe die Minute.

Bis hierher ist das Verfahren bei der Büttenfabrikation wie bei der Maschinenfabrikation sich gleich, aber nun tritt eine verschiedene Behandlung des fertigen Gangzeuges ein.

Bei der Büttenfabrikation wird der Ganzzeug aus dem Holländer in die Schöpfbütten abgeleitet, ohngefähr fünf Fuß lange und zwei und einen halben Fuß tiefe Fässer mit kupfernen Böden, welche [162] entweder durch darunter befindliches Feuer oder durch Wasserdämpfe geheizt werden. Durch eine Vorrichtung wird der Zeug beständig umgerührt. Neben der Bütte steht der Schöpfer mit der Form, einem mit einem Drahtnetze als Boden versehenen Rahmen von der Bogengröße mit einem zweiten leeren Rahmen als Deckel. Es giebt zwei Arten Formen: die gerippten haben eng aneinander liegende Messingdrähte, die Velinformen aber noch Querdrähte, wodurch die parallelen Streifen des Velinpapieres entstehen. Entweder schöpft nun der Schöpfer mit einem großen Löffel die Masse in die Form, oder er taucht dieselbe sogleich in die Bütte, schüttelt sie ein wenig, damit das überflüssige Wasser durch das Gitter abläuft und nur die Masse liegen bleibt, und giebt nun die Form einem Gehülfen, dem Gautscher, welcher einen Filz auf die Masse legt, die Form umwendet und den Filz mit dem nun darauf liegenden Bogen neben sich auf den Stoß setzt. Dieser Stoß kommt endlich unter die Presse, um das Wasser zu entfernen. In zwölf Arbeitsstunden können so von zwei Arbeitern bis sechstausend Bogen gefertigt werden, gebraucht man aber Doppelformen, so kann diese Zahl bis auf zehntausend steigen.

Ist das Papier noch ein zweites Mal gepreßt, so wird es in den Trockenstuben auf Schnuren gehangen und dann erfolgt das Leimen der feineren Papiere aus freier Hand, während die ordinairen bereits in der Bütte geleimt sind.

Zeichnen- und Kupferdruckpapiere werden gleich den feineren Papieren zwischen zwei glatten eisernen Walzen geglättet und satinirt.

Zu durch und durch gefärbten Papieren werden die betreffenden Farben entweder in Pulverform oder als Abkochung schon in dem Holländer zugesetzt, bisweilen aber auch erst in der Bütte.

Bei der Maschinenpapierfabrikation fließt der Zeug aus dem Holländer in ein großes Gefäß und von da durch ein Leitungsrohr[WS 2] in ein zweites, welches auf seinem Boden siebartig feine Oeffnungen hat, so daß allein die feine Papiermasse durchgehen kann, alle gröberen Theile aber zurückbleiben müssen, welche von Zeit zu Zeit entfernt werden. Die Masse fällt auf eine vollkommen glatte schiefe Ebene, welche an dem oberen Theil eine Vorrichtung hat, die bewirkt, daß nur eine stets gleichmäßige Menge der Masse hindurch fließen und auf ein Drahtgewebe gelangen kann, das sogenannte endlose Gewebe, welches an der vorderen und hinteren Seite um ein Paar Walzen laufend, immer wieder in sich selbst zurückkehrt. Hier angekommen hat die Masse schon einige Festigkeit gewonnen, und geht nun mit dem Drahtgewebe zwischen einem Paar metallener Walzen durch, von denen die obere aus Kupfer bestehende oft fein gerippt ist, so daß das Papier das Ansehen von Büttenpapier gewinnt. Von diesen Walzen geht das Papier auf ein zweites Paar mit Filz überzogene Walzen über, auf denen das in der Masse noch übrige Wasser entfernt wird und dieselbe schon ein festes zusammenhängendes Papier bildet. Dieses verläßt jetzt das Drahtgitter, welches auf zwei anderen Walzen zurückläuft, während das Papier von dem endlosen Tuch aufgenommen, mit diesem durch zwei Preßwalzen geht und nachdem es noch ein weiteres Walzenpaar passirt hat, schon ziemlich trocken ist.

Endlich wird das Papier über drei durch Dampf erhitzte Cylinder geleitet, woselbst es vollständig austrocknet, schließlich auf zwei Glattwalzen kommt und nun fertig ist, worauf es auf eine Haspel gewunden wird.

Eine gute Papiermaschine fertigt auf diese Weise binnen einer Stunde einen Streifen Schreibpapier, welcher sechstausend Bogen gewöhnlichen Formats liefert.

Das Papier wird nun von der Haspel genommen und in Bogen von gebräuchlicher Größe ausgeschnitten und dann gebrochen. Wenn das Papier nicht schon im Holländer geleimt war – welches durch einen Zusatz von Harzseife geschieht – so wird es vor dem Brechen erst planirt und nochmals gepreßt.

[163] Die feinen Schreib- und Postpapiere werden wiederholt satinirt, wodurch sie ein seidenartiges glänzendes Ansehen erhalten.

Das Papier wird, wie schon gesagt, aus Lumpen gefertigt und es geben die aus Leinen und Baumwolle die feinsten und besten Papiere, Seide hingegen, so lange sie neu ist so hoch geschätzt, giebt bei der Papierfabrikation nur die geringste Sorte – Löschpapier.

Auch aus Stroh fertigt man schon seit achtzig Jahren Papier. – Roggenstroh liefert ein zwar etwas brüchiges, aber sonst sehr gutes Packpapier, Waizenstroh ein geschmeidiges, lebhaft gelbes Papier; dunkler gelb und lichter zu verarbeiten ist das Gerstenstroh. Haferstroh ist ein vorzügliches Material zu Pappen und das daraus gefertigte hellgelbe Papier läßt sich selbst gut zum Schreiben benutzen. Eben so giebt das Stroh der Erbsen, Linsen, Bohnen und des Mais gute Packpapiere und Pappen.

In neuerer Zeit hat man auch gelungene Versuche gemacht, Papier aus Holz herzustellen.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: nameutlich
  2. Vorlage: Leitungssrohr