Dienet! Werbet! Betet!

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Autor: Hermann von Bezzel
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Titel: Dienet! Werbet! Betet!
Untertitel: Eine Adventspredigt gehalten anläßlich des 350jährigen Jubiläums der evangelischen Gemeinde Niederwerrn und des 200jährigen Jubiläums der Niederwerrner Pfarrkirche
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: ca. 1917
Verlag: Ernst Stoer’s Buchhandlung
Drucker: Morich’sche Tagblatt-Druckerei
Erscheinungsort: Schweinfurt
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Quelle: Commons
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Dienet! Werbet! Betet!





Eine Adventspredigt
gehalten anläßlich des
350jährigen Jubiläums der evangelischen Gemeinde Niederwerrn und des 200jährigen Jubiläums der Niederwerrner Pfarrkirche
1. Advent 1916
von D. Dr. Herm. v. Bezzel
Oberkonsistorialpräsident.





Zum Besten des Gemeinde-Diakonie-Vereins Niederwerrn.





Verlag: Ernst Stoer’s Buchhandlung Schweinfurt.


|  Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei,

 Und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir.

 Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen.

 Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht:

 Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.

 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte;

 Und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider daraus und setzten ihn darauf.

 Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg.

 Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids; gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Matth. 21, v. 1–9. 


*


 „Siehe, Dein König kommt zu Dir!“ So schallt es aus dem alten teueren Evangelium in die Herzen der wartenden Kirche, die mit den Psalmen und lieblichen Liedern ihrem Herrn entgegengeht und mit den Psalmen ihrer Anbetung Ihn ehren will.

|  Wollte diese Gemeinde ferne bleiben, könnte sie es, nachdem sie seit Jahrhunderten eine christliche, seit 350 Jahren eine evangelische ist? 1566 ist der erste evangelische Geistliche hier eingezogen, vielleicht in die damals neugebaute Kirche, wenigstens hat ein Balken im Gemäuer die Jahrzahl 1557 ausgewiesen, ein stummer Zeuge großer Wandlungen. 1612 aus 1614 kurz vor dem 30jährigen Krieg, 1706–1717 im spanischen Erbfolgekrieg ist dieses Gotteshaus erneuert worden, zuletzt erst vor etlichen Jahren. Das sind wieder lauter Erweise der Herrschaft des Königs Jesu Christi.

 An uns ziehen die alten edlen Geschlechter der Hunde von Wenkheim, der Herren von Münster vorüber, die treuen Pfarrherrn Schatz und Leypold, Polich und Johann Michael Hoffmann, wo der Vater dem Sohn das teuere Amt überkam, fromme Lehrer, lebensstarke Bekenner. Welch ein Strom der Gnade ist von ihnen auf das Dorf Niederwerrn niedergegangen, bis hin zu den Kriegsleuten der Gemeinde, die jetzt draußen im Felde Advent feiern! Und welch ein Meer der Anbetung, Welle um Welle wird im oberen Heiligtum auch aus diesem weltentlegenen Orte den Herrn und König der Herzen umbrausen: Hosianna dem Sohne Davids, gelobt sei, der da soviele Jahrhunderte mit tröstendem Wort und heiligendem Sakrament kam, ein Gerechter und ein Helfer. Ehre sei ihm in der Höhe! Der das Gewand der armen Jünger nicht verachtete und das niedrige Tier nicht wegwies, sondern seiner sich bedienen wollte, wird eueren und euerer Väter Lobgesang nicht verkennen. Damit aber wir ein rechtes Fest feiern mögen, – einen Advent Jesu Christi Ihm entgegen und zu Ihm hin, – laßt mich fragen:

Wie soll ich Dich empfangen und wie begegn’ ich Dir? Er selbst gebe die Antwort:

 O Jesu, Jesu setze mir selbst die Fackel bei, damit, was Dich ergötze, mir kund und wissend sei! Amen.


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I.Diene!

 Unser Heiland zog in seine Stadt ein, um zu leiden und zu sterben. Gethsemane lag zu seinen Füßen und der Golgathaberg blickte ernst auf den einsamen Fremdling, dessen Kreuz bald aufgerichtet werden sollte. Nur wenige begleiteten ihn auf seinem Leidenswege, etliche Blinde, denen er die Augen aufgetan, Fischer und Zöllner, die er sich erwählt hatte. Aber einen Schmuck trugen die wenigen, den die Welt nicht kennt und den sie verspottet, den aber der Sohn Gottes getragen und gewählt hat, das Diadem des dienenden Gehorsams. Gleichwie des Menschen Sohn gekommen ist, nicht daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene, so haben etliche von ihnen das Sklavengewand und die dornenreiche Krone übernommen und nichts anders gewußt und gewollt als dienen. Zu ihnen sprach Er: Geht hin, nicht in die weite Welt, da ihr viel seht, hört und erlebt, reiche Bekanntschaften macht, große Siege erringt, sondern in den Flecken, der vor euch liegt, in die nächste Pflicht, in den engsten Kreis, in das bekannteste Land. Dort werdet ihr finden angebunden, löset auf und führet zu mir, ohne Warum der Frage und ohne das Wort der Verwunderung, ohne Angst vor Widerstand und ohne Scheu vor Schmach. Und wenn euch das arme Tier zu niedrig schien, Gehorsam ist besser als Opfer. Wenn man euch aber fragt, so sagt: Ich diene dem, der gedient hat, der bedarf deiner und meiner. Und euer Dienen und jener Bereitschaft wird zur Höhe des „alsbald“ sich erheben! Kein Zaudern und kein Zögern, kein Zanken noch Markten!

 „Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte“. Seht, dies ist die Größe des Gehorsams: er fragt nicht, sondern er handelt, klagt nicht, sondern gehorcht, fürchtet sich nicht, sondern ist getrost. – So tut auch ihr im neuen Kirchenjahr, schließt euch der allgemeinen Dienstpflicht der heiligen christlichen Kirche, euerer evangelisch-lutherischen Kirche und ihrer Dienstwilligkeit an. – Seid einig, ihr Eheleute, denn der Herr sendet seiner Jünger zwei, zankt nicht auf dem Wege und streitet nicht, wer der größere sei, wer die größere Aufgabe| habe. Der einen Moses und Aaron, einen Josua und Kaleb, einen David und Jonathan, einen Petrus und Markus, einen Paulus und Silas, einen Luther und Melanchthon selbander gesandt hat, will Einigkeit. Geht miteinander, Kirche und Schule, Pfarrhaus und Gemeinde, Herr und Knecht, Frau und Magd, seid einig im Dienen nicht in ödem Nebeneinander, sondern kraftvoll im Miteinander. Nur so wird das Gebot Christi erfüllt werden, eins trägt des andern Last, einer ergänzt den andern.

 In dieser Einigkeit geht hinein in den Flecken, der vor euch liegt, zunächst in euer Haus und dient ihm an eueren Kindern mit dem Vorbilde gottseligen Wandels und mit der Anhaltung zum Gebet, zur Kirche und Gottes Wort, geht in eure Gemeindesitzung und gebt einander „guten Rat“, dienet einander ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter, mit euerer Erfahrung, mit euerem Glauben, mit Geduld und Vergebung.

 Dann aber geht hinaus in den Flecken, der vor euch liegt, in euer liebes Niederwerrn, sucht des Dorfes Bestes, das jetzt bald tausend Jahre steht, baut es von innen auf und aus, so werdet ihr, wenn einer des anderen Last trägt, das Beste eurer Heimat schaffen. Euer Heiland begehrt keinen großen, aber freudigen Dienst. Der Herr bedarfs, darum alsbald! Die Jünger gingen hin. In diesen drei Worten steht alle Größe. Fragt nicht lange, seid nicht träge, was ihr tun sollt. Wie Er es will, so geht alsbald und freudig, getrost und getreu, einig und innig.

 Unsere Kirche bittet im Namen des Königs Jesus Christus heute am ersten Tage eines neuen Jahres um solche Diener. Laßt sie nicht vergeblich bitten, sagt nicht, auf mich kommts nicht an, sonst müßte Jesus an euerem Flecken vorüber ziehen, an euerem Hause vorübergehen, und wie groß würde dann die Armut sein! Gerade auf dich kommt es an, darum sieh deinen Stand an nach den zehn Geboten und diene!


II. Werbe!
 Die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Ohne zu fragen, ob das Tier für den König und der König| für dieses passe, haben sie das Eselstier genommen und ohne zu klagen, daß sie ihrer Habe beraubt würden, gaben sie ihre Kleider dran und setzten Ihn darauf. Denn über ihren Häuptern leuchtete der Glanz des Prophetenwortes und ließ sie die Gegenwart und ihre Armut vergessen und hinaus in eine weite lichte Zukunft blicken: „Siehe dein König kommt zu dir sanftmütig.“ Er kommt mit Absicht so arm, damit Er durch Seine Armut uns reich mache. Wie groß muß die Freude sein, in die ein göttliches „Siehe“ fällt, eine Stimme und ein Evangelium des Friedens. Denke nicht an die Armut des Königs noch an die deine, frage nicht, warum das alles so geschieht, sondern siehe, richte deine Augen im Glauben auf den König, dessen Majestät die Treue und dessen Herrlichkeit die Liebe ist. Er konnte in Majestät kommen, wie er es einst am Ende der Tage in großer Kraft und Herrlichkeit tun wird. Er könnte alles mit seiner Gewalt bezwingen. Aber wie er von einem armen Weib geboren und in eine geringe Krippe gelegt wurde, so kommt der König jetzt noch, arm und niedrig, aber „dein König“. Würde dir seine Hoheit nützen, wenn er nicht dein König wäre, mit dem Herzen der Liebe und der Hand voll Treue? Und was sollte dir Seine Armut verkürzen und rauben, da er doch dein König ist? Denn in diesem einen Wörtlein liegt der herrliche und selige Reichtum der Jesusliebe und dein Dank dafür. Er spricht zu deiner Seele: Ich bin dein, und sie darf antworten: du bist mein. Er ist der König, der deine Sorge kennt und wendet, der Heilige, der dein Heiland ist, der Freund kommt sanftmütig, geduldig und von großer Güte. Er kommt zu dir, damit du zu ihm kommen mögest, er naht sich dir, damit du nicht allein seiest.
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 Du evangelische Gemeinde freue dich und du evangelische Kirche jauchze! Deine Armut und Unansehnlichkeit hast du von Ihm geerbt, der sich derer am meisten annimmt, die sich seiner nicht schämen. O Geliebte, es ist doch wie Frühlingsglück und Sonnenglanz, daß unser König noch zu uns kommt. Denkt euch, es würde weder Weihnacht noch Ostern, keinen Sonntag, kein Abendläuten mehr geben, der König ist und bleibt tot, denkt| euch, alle Worte der Bibel schwiegen und ihre Stimme verstummte. Was wäre dann? Wüste ohne Ziel und Ende! Elend und Angst! Jetzt aber wird dir alles helle, lichte Wahrheit, freue dich und wirke und werbe!

 Denn alle Freude an und zu der Arbeit „steckt an“. Da ist das Gegenteil von Bitterkeit, Verdrossenheit und Trägheit. Wie diese weiter wirken und viel edle Kräfte verderben und verbrauchen, so rückt die Freude an der Gottesarbeit, am Gottesdienst aus der Enge in die Weite, aus kleinem Werke in große Bedeutung. Als die Jünger ihre Kleider hingebreitet hatten, eilte manch einer herbei und breitete sein Gewand mit auf den Weg: Andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Was ein jeder hatte und wußte, das gab er, denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt der Gleichgültigkeit überwunden hat und überwindet und gebefreudig macht. Werbe! Sage jedem durch das Glück deines Herzens, durch den Glanz deines Auges, welche Freude du am Herrn hast. Durch saueres Angesicht und finstere Gebärde wird niemand für Jesus gewonnen. Aber du werbe, wage, gewinne durch Freude!

 Ist nicht die ganze Geschichte der christlichen Kirche bis auf diesen Tag eine Geschichte von überspringenden Funken, überquellenden Strömen, fortblühenden Bäumen? Zwölf Jünger, siebenzig Jünger, einhundert und zwanzig Jünger, mehr als fünfhundert Brüder auf einmal, mehr als dreitausend Seelen wurden gläubig. So wirbt der Herr von Person zu Person. Mit geringer Habe und armem Stabe ging Paulus aus, und wie viel hat er gewonnen, Häuser und Herzen, vornehm und gering, arm und reich! De... r warb durch und für sein Glück. Die Glaubensboten, die vor tausend Jahren in diese Gegend kamen, brachten weder Reichtum noch Ehre, nicht Glanz noch Glück, aber das Wort, und warben mit ihm. Luther, dein Vater, war ein armer Mann, aber seine Freude an seinem Jesus hat viele froh gemacht und gestärkt. So gehe auch du hinaus, mein Christ! Einen fröhlichen Werber hat Gott lieb. Zeige durch dein ganzes Wort und Wesen, durch Werk und| Weise, durch dein Tun und Lassen, auch hier in deinem Heimatdorfe, wem du dienst und daß er es wert sei, bedient zu werden. Unsere Zeit geht bald vorüber, wehe ihr und uns, wenn wir nicht eine Seele für Jesus erwärmt haben! Unsere Tage enteilen, wehe ihnen, wenn nicht von ihnen Glück ausging! Für ihn muß man gewinnen, daß man Zeit und Stunde, Hab und Gut aufgibt und dafür opfert. Das Volk der Jesusjünger achtet nicht des Spottes noch der kleinen Opfer. Schäme auch du dich des Gebetes und Zeugnisses nicht. Wie die alten Christen von den entlegenen Dörfern werbend und bekennend in die Städte zogen – „wir schämen uns des Evangeliums von Christo nicht“ – so daß die Heiden sagten: „Sehet, welche Frauen sie haben – wie sie unter einander eins sind“, so bleibt ihr Jünglinge und Jungfrauen auch in der Stadt eurer himmlischen Heimat treu, haltet euch zu Gottes Wort und Gottes Tisch, wandelt züchtig und würdig! So werdet ihr für Jesum gewinnen. Der Stein, der dort in den Bach fällt, zieht bald größere Kreise. Kein Bekenntnis ist vergeblich. – Jeder gewinnt, der mit seinem Pfund wuchert. Es muß nicht gleich großes Volk sein, das dir folgt, nicht gleich die große Menge. Wenn nur eine Seele von dir gewonnen wird!


III. Bete!
 Mit ihr sollst du beten! Laßt uns benedeien dem Herrn, heißt es allsonntäglich. Und du antwortest: Gott sei ewiglich Dank! Sieh, das ist die höchste Aufgabe. Ich will den Herrn loben alle Zeit. Sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Die Palmen rauschten und die Psalmen klangen: Hosianna! Herr, hilf doch dem, der in deinem Namen kommt. Dieses Hosianna hat unserem Heiland das Herz nicht nur erschwert, weil hinter ihm das Kreuzige! folgte, sondern auch froh gemacht, war es doch die Fürbitte seiner Getreuen für sein Leiden und Sterben, daß es ihm gelingen möge, wozu Er gesandt war, die innerliche Anwünschung des Gottessegens. Kein Dienst ist Ihm lieber, als diese Benedeiung. Wie das Volk, das vorging, die Alten und Müden und Betagten und das| Volk, das Ihm nachfolgte, die Kinder und die Jugend, Ihm zujauchzten: gegrüßt seist du König, Hosianna dem Sohne Davids, so erbeben heute, wenn wir schweigen, diese Steine, die so oft Zeugen seiner Worte und stumme Anbeter seiner Gnadentaten waren. Mit ihnen wollen wir unsere Stimme erhebend, anbetend Ihm zurufen: Gott helfe, daß es dir, du armer Menschensohn, gelingen möge, unser König zu werden, daß es uns armen Menschen beschieden sein dürfte, ganz dein Eigen zu sein und in deinem Reiche unter dir zu leben. Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Denn er allein ist würdig zu nehmen Preis und Dank und Ehre und Macht!

 Alles vergeht, aber Er bleibt, weil Er im Namen, auf Geheiß und in Segnung des Herrn kommt. Alle teueren Menschen scheiden und weichen, aber Er sei gelobt, weil Er uns nicht läßt. Denn Sein Name heißt Wunderbar. Gelobt sei Er, wenn Er mit der Sonne kommt, die alles froh und frei macht, gelobt aber auch, wenn Er um den Abend kommt, wo Wind und Wellen dem Schifflein zuwider sind. Gelobt sei Er, wenn Er mein Gebet erhört, aber auch, wenn Er versagt, gelobt sei Ja und Nein.

 Es ist furchtbare Kriegsnot ringsum, und wir wissen nicht, woher und wann der Friede kommen soll. Wessen sollen wir uns trösten? Gelobt sei der Herr, der mit seinem teuerwerten Wort uns tröstet und heimsucht, denn auch im neuen Jahre „beut Jesu Name Seligkeit“. Gelobt sei Er für jeden Gottesdienst, daß die Gemeinde nicht verlassen noch versäumt ist, für jedes Vaterunser zu Ihm und jedes Amen von Ihm, für die Gnade der heiligen Taufe und die Kraft des heiligen Abendmahls! Hosianna in der Höhe! Denn der Herr, der unsere Lippen auftut, daß unser Mund Seinen Ruhm verkündige, will Seine Treue uns erweisen, daß das arme Lob auf Erden zu Ihm dringe.

 Geliebte Christen! Wann sie wieder Erinnerungstag feiern werden in Niederwerrn, etwa 1966 das 400jährige Jubiläum der evangelischen Gemeide, dann sind die meisten unter uns dahin und die Kinder, die heute hier sind, alt und grau.| Das aber ist uns gewiß: Er bleibt wie Er ist, freundlich und geduldig, in Christo ein rechter Vater über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Und Seine Jahre, die Kirchenjahre nehmen kein Ende. Es mögen noch so viele den König vergessen, verleugnen, verachten, etliche werden doch zu Ihm sich bekehren, daß Sein Reich komme. Ach wie groß wird die Gemeinde sein, die Ihm dient, für Ihn wirkt, Ihn benedeit.

 Gemeinde des Herrn! Es ist ein Jubiläum heute, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Denn Er ist bei uns. Und hebe deine Augen auf und siehe umher und höre umher! Allerorten läuten die Adventsglocken, tönen die Adventslieder, klingen und singen Psalmen und Lobgesänge. Noch ist das angenehme Jahr des Herrn. Dann blicke hinaus in Kampf und Streit der Ferne und der Nähe, noch bietet Er Frieden dar, wahren seligen Frieden.

 Darum wollen wir nicht zittern, noch zagen im Gedächtnis unserer Sünden. Aus der Tiefe rufen wir, Herr, zu dir, weil wir nicht recht gedient, gedankt, geworben haben. Wir sind lässig und lau, müde und matt gewesen. Hosianna in der Höhe! Sprich von deinem Heiligtum ein Wort von Vergebung der Sünden. Denn wo diese ist, da ist Leben und Seligkeit. Siehe auf unsere arme lutherische Kirche, die nur geringe Kleider und schwache Gaben hinbreitet, ihre Schwachheit und Traurigkeit und ihre Fehler. Aber lasse sie nicht ganz zu schanden werden, denn sie harret Deiner.


Amen.


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Druck der Morich’schen
Tagblatt-Druckerei
Schweinfurt a. M.

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