Geschichte von Kloster Heilsbronn/Geichsenhof

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21. Geichsenhof,

ein Bauernhof (jetzt zwei) zwischen Heilsbronn und Windsbach, vor 600 Jahren Geseze, später Gissendorf, Geissendorf, Geissenhof, [196] Geichsenhof genannt, war Eigenthum der Herren von Pfefferbalk, wurde aber 1259 an den 9. Abt Edelwinus verkauft. Die Verkaufsurkunde läßt entnehmen, daß der Verkäufer Heinrich Pfefferbalk[1] in den Händen von Juden, von Schulden gedrückt und dadurch zum Verkauf veranlaßt war. Andererseits erhellt daraus, daß der Käufer Edelwinus, im Hinblick auf mögliche Anfechtungen, gleich von vornherein sein Kloster recht sicher stellte. Er ließ daher den Kaufbrief vom Stadtgericht Nürnberg ausfertigen und dieses urkundete: In nomine etc. Noverint universi, quod abbas Edelwinus et fratres emerunt curiam Geseze juxta villam Ruth (Reuth) juxta Windisbach ab Henrico Pfefpherbalg pro 43 libris hallens. cum quibus ipse a Judaeis in Nurmberg se absolvit, coadunata manu uxoris suae Elisabeth et praesente matre Mechthilde. Verum quia frater ejus Eberhardus extra partes Alimanie constitutus erat, dominus Albertus Rindismul de Windisbach cum suis militibus et hominibus C. Hager, C. Spiseling, F. de Techindorf, C. de Grundisperc, G. de Wisach, Ramungus lapicida, Crafft sagittarius veraciter testabantur, Eberhardum de provincia profecturum de hoc consensisse et etiam permisisse, quod frater ipsius eo absente vendere posset de propietatibus amborum ad usuram amputandam et talem suum consensum in manus ejusdem Rindismuli pro ratihabitatione in praedictorum praesentia posuisse. Sed et ipse Henricus pro habundanti Warandia, quod vulgo dicitur Werschaft, curiam suam in Hohinholz, quam mater ejus jure dotis possidet, cum sua matre fratribus obligavit. Actum 1259 mense augusto. Dann folgen die Namen des Scultetus Berthold zu Nürnberg und seiner 12 Schöffen. Angehängt sind die Siegel des Abts Edelwinus, des Scultetus Berthold, der Stadt Nürnberg und Rindsmauls.

Das Kloster bewirthschaftete den Geichsenhof Jahrhunderte lang in eigener Regie und übertrug die Verwaltung bald dem [197] Textor, bald dem Granarius, bald dem Bursarius, z. B. dem vieljährigen Bursarius Heinrich Holzschuher. Dieser fand 1369 bei Übernahme der Verwaltung den Hof wohl bestellt: 400 Schafe, 6 Pferde, 5 Kühe, 3 Kälber etc. und debita nulla. Um die Zeit der Klosterauflösung wurde der Hof verkauft. 1578 übernahm ihn der Sohn des Käufers um 1600 fl. Im 30jährigen Kriege hatte der Hof gleiches Schicksal mit dem benachbarten Reuth (s. unten). Schon 1636 lautete der amtliche Bericht: „Dieser ansehnliche Hof ist abgebrannt, dem Amt heimgefallen, öde, der Eigenthümer todt.“ In dieser Verödung blieb der Hof 21 Jahre lang, bis sich endlich 1657 zwei Käufer fanden: Gg. Appold und H. Geiger. Sie erhielten den Hof mit 136 Mgn. Ackerland, 141/2 Tgw. Wiesen, 9 Mgn. Waldung für 66 Gulden und verpflichteten sich, im ersten Jahre 4 Sra. Korngült zu geben, dann jährlich 1 Sra. mehr, bis 10 Sra. erreicht werden würden. Allein die Käufer konnten in den ersten 8 Jahren von ihren 139 Morgen kaum die Hälfte anbauen; die andere Hälfte lag fortwährend „in Büschen.“ Der Hof fiel schon 1669 wieder der Herrschaft heim, da der eine Besitzer starb und seine Wittwe Grund und Boden, Sommer- und Wintersaat, Anspann etc. der Herrschaft heimschlug. Man überließ den Hof versuchsweise ihrem Bruder, welcher aber gleich seine erste Rate von 27 fl. nicht zahlen konnte und den Hof verließ, worauf das Amt die Bewirthschaftung selbst besorgte, bis sich nach sieben Jahren wieder ein Käufer fand, welcher den Hof für 180 fl. erhielt.

Die Geichsenmühle, ganz nahe beim Geichsenhofe, vermuthlich gleichzeitig mit diesem vom Kloster acquirirt, wurde lange Zeit gleichfalls in eigener Regie bewirthschaftet, 1408 aber vom Abt Stromer vererbt an den Müller Eberhard. Sechzehn Jahre vor dem 30jährigen Kriege wurde die Mühle für 1600 fl. verkauft; sieben Jahre nach dem Kriege („mit etwas bezimmertem Bauholz, 31/4 Mgn. Acker und 1 Tgw. Wiese“) für 32 fl. Der amtliche Befund lautete: „Ist von Grund aus abgebrannt und das Geringste nicht mehr vorhanden.“

[198] Die Herren von Pfefferbalk[2], von welchen nicht nur der Geichsenhof, sondern noch mehrere Güter an das Kloster kamen, wohnten in dem Pfarrdorfe Bertholdsdorf, wo ihr Schloß ohne Zweifel an der Stelle des jetzigen Pfarrhauses stand. Sie waren Vasallen der Burggrafen von Nürnberg, verkehrten daher oft mit Heilsbronn und hatten dort ihre Familiengrabstätte. Ihr Name kommt in den Mönchsrechnungen oft vor bei der Verrechnung von Kosten, welche sie der Klosterkasse verursachten; gewöhnlich fehlt aber dabei die Angabe ihrer Taufnamen. So heißt es beim Bursarius i. J. 1366: pro expensis Pfefferbalg etc., und i. J. 1370: famulo Burggravii (Friedrich V.) Pfefferbalg 84 dl. Neben ihrer Familiengrabstätte in der Ritterkapelle hing eine nicht mehr vorhandene oblonge Tafel mit Inschrift und Familienwappen. Letzteres zeigt einen Schild, welcher durch vier diagonale, schwarz, gelb, roth und weiße Bänder oder Balken ganz ausgefüllt ist. Darunter die Schrift: Genus nobilium dictorum Pfefferbelg, qui hic infra habent sepulturam suam. Das Geschlecht erlosch, nachdem es seine Güter großentheils an das Kloster verkauft hatte. 1336 verkauften die Gebrüder Konrad und Burkhard Pfefferbalg an das Kloster den Zehnten von Watzendorf (s. unten), drei Jahre darauf Güter in Defersdorf bei Roßstall, laut „Eigenbrief über etliche Güter zu Teverßdorf, die Graf Gottfried von Hohenlohe den Pfefferpelgen geeignet hat, und Kaufbrief, darin Conrad und Burkhard solche Güter dem Kloster für eigen verkauft.“ Von den genannten Brüdern starb Burkhard zuerst. Der überlebende, Konrad, fuhr fort, Güter in Triebendorf und anderwärts zu verkaufen. In einem Kaufbriefe aus der Zeit des 19. Abts Arnold hieß es: „Ich Conrad Pfefferbalk, gesessen zu Pertholtzdorf, bekenne, daß ich verkauft habe dem bescheidenen Mann Walther Daum, gesessen zu Suddersdorf, das Holz und den Boden, das heißt der Urlazz, zwischen Suddersdorf und Mosbach, um 114 Pfund Heller. 1373.“ Ein anderer Brief lautete: „Ich [199] Walther Stüchs zu Veitsaurach, meine Wirthin Cecilia Elsbet, und Adelheid, unsere Tochter, thun kund, daß wir verkauft haben dem Herrn Abt Arnold und Convent zu Halsprunn 15 Morgen Holz im Urlaß für 100 Pfund Heller. Actum Windsbach 1383.“ Beigefügt sind das Stadtsiegel und die Namen der Bürgen, welche eventuell angelobten, in Windsbach zu „laisten.“ 1391 belehnte der Bischof Friedrich von Eichstätt Burkharden den Pfefferbalg zu Berchtolffsdorf mit dem Ebenholz und andern in des Bischofs Veste Abenberg gehörigen Hölzern. 1404 verkaufte Michael Pfefferbalg zu Bertholdsdorf die Wollersdorfer Mühle an das St. Klarakloster in Nürnberg, welches aber schon im folgenden Jahre die Mühle an den 20. Abt Stromer zu Halsprunn verkaufte.


  1. Vgl. Stillfried S. 201.
  2. Vgl. Stillfried S. 201.
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