Geschichte von Kloster Heilsbronn/Heilsbronn vor der Stiftung des Klosters

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« Vorwort mit Angabe der Quellen Geschichte von Kloster Heilsbronn
Gründung des Klosters im Jahre 1132 »
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Erster Abschnitt.
Heilsbronn vor der Stiftung des Klosters.

Der Marktflecken Kloster Heilsbronn, Bezirksamts- und Landgerichtssitz, liegt zwischen Nürnberg und Ansbach an den wasserreichen Quellen des Schwabachflüßchens, welches sich bei der Stadt Schwabach in die Rednitz ergießt. Über die Verhältnisse des Ortes vor der Klosterstiftung geben theils schriftliche Urkunden, theils Bauten an Ort und Stelle sichern Aufschluß. Aus diesen Quellen schöpfend hat der Verfasser des vorliegenden Buches seine Forschungen über Heilsbronns Vorzeit bereits in einer Schrift veröffentlicht, welche unter folgendem Titel erschienen ist: „Beiträge zur Geschichte von Kloster Heilsbronn. Ansbach, bei Seybold, 1859, 252 Seiten.“ In diesen „Beiträgen“ sind zuerst die schriftlichen Nachrichten, welche die Zeit vor der Klostergründung berühren, dann die aus jener Zeit noch vorhandenen Bauüberreste: die Heideckerkapelle und das Kastrum, ausführlich besprochen worden. Diese eingehenden Besprechungen und Forschungen sollen im vorliegenden Buche nicht abermals mitgetheilt werden, wohl aber die Forschungsresultate, und diese sind folgende:

1) Die Gegend um Heilsbronn war schon vor der Gründung des Klosters keine unbewohnte Wüstenei, kein Urwald, sondern bewohnt und wohl bebaut. Beiträge S. 11.

2) Heilsbronn war schon vor der Klosterstiftung ein Kirchdorf. Dorfherren waren die Grafen von Abenberg, die Herren von Heideck, vielleicht noch Andere. Beitr. S. 11, 22 u. 46.

3) In dem Dorfe Heilsbronn besaßen die Grafen von Abenberg schon vor der Klostergründung ein Kastrum, später| Burggrafenhaus, auch Domus hospitum oder Gasthaus genannt, seit 1747 Pfarrhaus.[1] Unmittelbar vor der Klosterstiftung besaßen das Kastrum und das dazu gehörige lehenfreie Gut (praedium) fünf Grafengeschwister abenbergischen Stammes, welche aber das ganze Anwesen an den Bischof Otto von Bamberg, den Gründer des Klosters, verkauften. Beitr. S. 11 u. 12. Am Kastrum gibt keine Jahrzahl Aufschluß über die Zeit der Erbauung. Die wenigen alterthümlichen Reste innerhalb desselben stammen muthmaßlich aus dem Ende des 14. Jahrhunderts; die Außenmauern aber gehören augenfällig der Zeit vor der Klosterstiftung an. Ueber das Kastrum, seine Bauart, Umgebung und seine Bewohner vor und nach der Klosterstiftung geben die Beiträge von S. 53 an ausführlich Nachricht. Vor der Klosterstiftung waren im Dorfe Heilsbronn außer dem Gute der 5 Grafengeschwister noch einige kleinere Anwesen, welche aber, wie im V. Abschnitt gezeigt werden wird, gleichfalls vom Kloster acquirirt und fortwährend in eigener Regie bewirthschaftet wurden.

4) Schon vor der Klosterstiftung stand in Heilsbronn die Ortskirche: eine oder die Grabstätte der Grafen von Abenberg, dann der ersten zollerischen Burggrafen von Nürnberg. Westwärts von dieser Kirche wurde im J. 1132 die Klosterkirche erbaut, so daß beide nur ein kleiner Zwischenraum trennte; Als man aber im J. 1284 den östlichen Chor der Klosterkirche bis zu seiner gegenwärtigen Länge erweiterte, wurde die Orts- oder Begräbnißkirche abgetragen und ihre Grundfläche sammt der Grabstätte in den neuen Chor mitausgenommen.[2] Man fuhr aber fort, die abenberg–burggräflichen Leichen an der bisherigen Grabstätte zu beerdigen, bis im Mittelschiff der Klosterkirche die Grüfte erbaut wurden. Beitr. S. 11–15. 46.

5) Nicht weit von der Ortskirche stand schon vor der Klosterstiftung die noch stehende Heideckerkapelle, gleichfalls eine Grabstätte. Beitr. S. 21. 22. 46. 48–52.

| 6) Was von einer in der Urzeit vorhandenen Heilquelle, von einem verwundeten Ritter, welcher dort Heilung fand und aus Dankbarkeit eine Kapelle, ein Kloster erbaute, was von Pilgerschaaren, die dort Heilung fanden, erzählt wird, ist reine Erdichtung. Eine Heilquelle war in der Vorzeit niemals vorhanden. Der gegenwärtige „Heilbrunnen“ ist eine Schöpfung von neuem Datum, und zwar vom Jahre 1729. Der Ort hieß bis gegen das Jahr 1400 nie anders als „Halsprun“ oder „Halesprunnen.“ Erst später begegnet man in den Aufschreibungen der Äbte und Mönche zu Heilsbronn einer andern Schreibart, hervorgerufen durch das Bestreben, Ortsnamen zu latinisiren und etymologisch zu deuten. So wurde aus „Halsprun“ oder „Halesprunnen“ – Hailsbronn und Fons salutis. Diese Deutung und Latinisirung fand solchen Beifall daß die Schreibart „Fons salutis“ bald allgemein in Gebrauch kam. Später hieß es: „Weil der Name Fons salutis vorhanden sei, so müsse auch eine Heilquelle vorhanden gewesen sein.“ Einmal irre geleitet, suchte man nach derselben außerhalb und innerhalb der Kirche und stempelte endlich im J. 1729 einen Schöpfbrunnen zur Heilquelle. Siehe Näheres hierüber in den Beiträgen S. 3, 4, 8, 22 bis 47, wo auch berichtet wurde, wie die im Kloster Marienburg bei Abenberg erfundene Brunnenfabel im J. 1729 ihren Weg nach Heilsbronn gefunden hat. In der Klosterstiftungsurkunde, in den überaus zahlreichen späteren Urkunden und in den Ausschreibungen der Äbte und Mönche ist nirgends die Rede von der Existenz einer Heilquelle oder von Geheilten, die aus Dankbarkeit eine Kapelle oder ein Kloster erbauten. Die Äbte und Mönche sprechen zwar oft von den Quellen, Röhrenfahrten und Brunnen in ihrem Kloster, niemals aber von einer Heilquelle daselbst. Einer der Mönche, Johann Wirsing, nachmals Abt, Verfasser des im IV. Abschnitt zu besprechenden „Direktoriums“, berichtet zwar ausführlich über den 1499 bis 1501 errichteten Brunnen mit 32 Röhren, lavatorium, und über andere Brunnen, lavatoria, gedenkt aber mit keinem Worte einer Heilquelle. In seinem lateinisch abgefaßten Berichte schreibt| er u. A.: „Der Sage nach waren vormals, zur Zeit der Stiftung unseres Klosters, die Dächer des Kastrums zu Nürnberg mit Bleiplatten gedeckt, welche aber bei einer Feuersbrunst zerschmolzen und in eine Masse verwandelt wurden. Da man hierauf die Dächer mit Ziegeln deckte, so gab man unserem Kloster das zu unserer Röhrenfahrt in unsern Brunnen und in andern Werkstätten erforderliche Blei. Unter welchem Abt dieses geschah, ist nicht bekannt. 1310 unter dem Kaiser Heinrich und dem Abt Heinrich zeigte sich an der Röhrenfahrt eine geringere Ergießung aus dem Lavatorium im Kreuzgang. Daher ließ der genannte Abt aufgraben, wobei sich ergab, daß die Bleiröhren wegen Alters mehrentheils zerfressen und zerstoßen waren und ausliefen. Der Abt ließ die Bleiröhren herausnehmen, aus vielen eine fertigen, welche eine größere Wassermenge in die Lavatoria und an andere Orte führte. Außerhalb der Ringmauer ist ein viereckiger steinerner Sammelkasten, darin viel Schlamm, wodurch das Ausströmen des Wassers verhindert wird; es wurde daher unten eine neue starke Röhre eingelegt, um die Quelle leichter reinigen zu können. Daselbst entspringt der Fluß, die Suobach genannt.“ Die hier von Wirsing beschriebene von der Schwabachquelle ausgehende Röhrenfahrt ist noch jetzt die bedeutendste in Heilsbronn. Der Beschreiber spricht hier zwar von mehreren Brunnen, aber kein Wort von einem Heilbrunnen. Einer Heilquelle innerhalb der Kirche gedenken die Äbte und Mönche in ihren zahlreichen Aufschreibungen gleichfalls mit keiner Silbe. Man war bei Erbauung der Kirche im J. 1132 zuverlässig unangenehm berührt, als man auf die in den Beitr. S. 44 u. 45 besprochene Quelle im Mittelschiff stieß. Man machte sie unschädlich, indem man sie durch einen Dohl hinaus in den Kreuzgang und von da in die Schwabach leitete. Unten am Schlusse des III. Bandes wird ausführlich berichtet werden, wie diese Quelle im J. 1858 in der Gruft des Markgrafen Joachim Ernst aufgesucht und besichtigt wurde, wie die vier ersten Besichtiger, darunter der Schreiber des vorliegenden Buches, an der anspruchslosen, nicht einmal gefaßten Quelle kauerten, durch nichts erinnert an eine heilende oder für heilig| gehaltene Quelle, welche dem Kloster Dasein, Namen und Reichthum gegeben und Pilgerschaaren geheilt haben soll.

7) Durch eine Heilquelle kann der Bischof Otto nicht veranlaßt worden sein, in Heilsbronn ein Kloster zu gründen, da eine solche dort niemals vorhanden war. Otto war weder ein bayerischer Graf von Andechs, noch ein schwäbischer Bauern- oder Edelmannssohn, sondern ein fränkischer Edelmannssohn, ohne Zweifel den abenbergischen Bewohnern des Kastrums und den in der Heilsbronner Ortskirche begrabenen Abenbergen sehr nahe verwandt. Dieses Verwandtschaftsverhältniß wird ihn veranlaßt haben, gerade dort sein Kloster zu gründen. Beitr. S. 18 u. 19.

8) Die Erklärung und Deutung des Ortsnamens ist eine offene Frage, da man noch nicht ermittelt hat, warum man die eine oder andere Quelle im Orte den Halsbrunnen, oder die dort aus einen kleinen Raum zusammengedrängten Quellen die Halesbrunnen genannt hat. Den neuesten Deutungsversuch findet man in Stillfried’s „Kloster Heilsbronn“ Seite 2, wo es heißt: „Heilsbronn ist also zu erklären als Quelle des Haholt, welcher Name nicht ganz selten ist.“

9) Einer abenbergischen Grafentochter Stilla und einer Stillalegende geschieht weder im Heilsbronner Archiv, noch in der Bibliothek, noch in der alten Registratur Erwähnung, wohl aber in den in Abenberg vorhandenen, das dortige Nonnenkloster Marienburg betreffenden Ausschreibungen. Aus diesem, erst im J. 1491 gestifteten Kloster stammen offenbar die Heilsbronner Brunnenfabeln und die Stillalegende. Die außerordentlich zahlreichen Heiligenlegenden[3] scheinen größtentheils in den Klöstern von Mönchen, Nonnen oder Novizen geschrieben worden zu sein. Einige dieser Legenden sind völlig erdichtet, andere auf ein Faktum gegründet; einige recht anziehend und sinnig, andere abenteuerlich| und widersinnig. Die Verfasserinnen zu Marienburg hatten beim Schreiben ihrer Elaborate über Stilla und die Heilquelle gewiß keine Ahnung davon, daß man ihre Dichtungen dereinst für Wahrheit halten werde. Zur Zeit als sie schrieben, schrieb man schon allgemein Fons salutis anstatt Halsprunne. Beitr. S. 4. 19–24.
  1. Das Kastrum, jetzt Pfarrhaus, wurde 1877 umgebaut.
  2. Dieser Chorausbau ist im Grundriß Tab. 1 roth umgrenzt.
  3. Die Acta Sanctorum, mehr als 70 Foliobände, enthalten Tausende dieser Legenden, darunter auch die Stillalegende. Die Heilsbronner Todtenkalender nennen die Namen von verschiedenen Abenbergischen Familiengliedern, deren Jahrtage alljährlich gefeiert wurden; allein der Name Stilla kommt nirgends vor.


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