Himmelfahrt des Moses

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Titel: Himmelfahrt des Moses
Untertitel: oder: Testament des Moses
aus: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel S. 485–495, S. 1301–1303
Herausgeber: Paul Rießler
Auflage:
Entstehungsdatum: 1. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Dr. B. Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer: Paul Rießler
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
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Einführung

Die Himmelfahrt des Moses (Assumptio Mosis=AssMos), ist in einer einzigen, fragmentarischen lateinischen Handschrift überliefert. In der Rahmenerzählung (Kap 1 und 10,11-12,13) fehlen Teile (so z.B. der Titel und der Anfang der Schrift). Der Text bricht nach 12,13 unvermittelt ab. Die Ursprüngliche Sprache der AssMos ist hebräisch oder aramäisch. Der Text ist vermutlich zu Begin des ersten Jahrhunderts n.Chr. entstanden.

Die lateinische Urtextausgabe ist auf der Homepage der Online Critical Pseudepigraha zu finden.

[485]
33. Himmmelfahrt des Moses

oder

Testament den Moses


1. Kapitel: Mosis Auftrag an Josue
1
Das Testament des Moses, das er im 120. Lebensjahr verfaßte,
2
d. i. im 2500. Jahr seit Erschaffung der Welt
3
oder nach orientalischer Zählung im 2700. Jahr

und im 400. Jahr seit dem Auszug aus Phönizien,

4
als das Volk, nach dem von Moses durchgeführten Auszug,

bis Amman, jenseits des Jordans gekommen war,

5
das Testament,

das Moses schon im Deuteronomium ausgesprochen hatte.

6
Er rief Josue, Nuns Sohn,

einen vom Herrn bewährten Mann zu sich,

7
er solle der Diener des Volkes,

sowie der Stiftshütte samt allen ihren Heiligtümern werden.

8
Auch solle er das Volk in das Land führen,
9
das seinen Vätern zum Besitze verliehen ward

auf Grund des Bundes und des Schwures,
den Er im Zelt geleistet hatte,
ihnen es durch Josue zu geben.
So sprach er zu Josue:

10
Tu jetzt nach deinem Eifer alles,

was ich dir anbefahl,
daß du vor Gott untadelig bestehst!

11
So spricht der Herr der Welt.
12
Er schuf die Welt zwar schon um seines Volkes willen.
13
Er offenbarte aber nicht der Welt von Anbeginn,

was seiner Schöpfung Zweck.
Die Heiden sollten dadurch überwiesen werden;
zu ihrer eigenen Beschämung sollten sie
einander durch Beweise überführen.

14
Deshalb hat Er mich auserwählt und vorbezeichnet

und mich von Weltbeginn
zum Mittler seines Bundes vorbereitet.

15
Ich tu dir kund,

daß meine Lebenszeit vollendet ist;

[486]

ich gehe zur Ruhe meiner Väter ein,
und zwar vor allem Volke öffentlich.

16
Empfang nun diese Schrift!

Erkenn daraus,
wie jene Bücher zu bewahren sind,
die ich dir übergebe!

17
Dann ordne sie!

Salb sie mit Zedernöl!
Leg sie in irdenen Gefäßen an den Ort,
den Er vom Anbeginn der Schöpfung dazu schuf,

18
daß dort sein Name angerufen würde,

bis zu dem Tag der Buße bei der Heimsuchung!
Es sucht der Herr sie heim,
wenn sich der Tage Lauf vollenden.


2. Kapitel: Für den Einzug ins Heilige Land
1
Jetzt werden unter deiner Führung sie das Land betreten,

das Er zu geben einst beschloß
und ihren Vätern auch versprach.

2
Dort sollst du segnen

und jedem seinen Anteil daran geben und bestätigen!
Gib ihnen damit auch die Herrschaft!
Setz Ortsbehörden ein,
nach dem, wie’s ihrem Herrn gefällt,
in Recht und in Gerechtigkeit!

3
Fünf Jahre nach dem Einzug in ihr Land

wird dies von Häuptlingen und Fürsten achtzehn Jahr beherrscht
und neunzehn Jahre reißen sich zehn Stämme los.
Zwei Stämme aber trennen sich
und nehmen des Gesetzes Hütte mit.

4
Dann macht des Himmels Gott

den Hof für seine Hütte fest
und seines Heiligtumes Turm
und die zwei heiligen Stämme lassen sich hier nieder.

5
Zehn Stämme aber setzen sich nach ihrem Willen Herrscher ein
6
und bringen zwanzig Jahre Opfer dar.
7
Und sieben festigen die Mauern.

Ich werde neun beschützen;
den Herrnbund übertreten vier,
und sie beflecken den Vertrag,
den einst der Herr mit ihnen schloß.

8
Sie opfern ihre Söhne fremden Göttern

und stellen Götzenbilder in dem Heiligtume auf
und dienen ihnen.

9
Sie handeln frevelhaft

selbst in dem Haus des Herrn
und graben viele Tierbilder
und viele Schändlichkeiten ein.

[487]
3. Kapitel: Des Volkes Strafen
1
Da kommt von Osten her ein König über sie

und seine Reiterei bedeckt ihr Land.

2
Er zündet nebst dem heiligen Haus des Herrn

auch ihre Siedlung an,
nimmt alle heiligen Gefäße weg,

3
vertreibt das ganze Volk

und führt es in sein Heimatland;
ja, die zwei Stämme führt er mit,

4
Dann wenden die zwei Stämme sich an jene zehn

und klagen einer Löwin gleich,
die in den sandigen Gefilden
mit ihren Zungen hungrig ist und durstig.

5
Sie schreien:

„Gerecht und heilig ist der Herr.“
Ihr habt gesündigt
und darnach wurden wir in gleicher Weise fortgeschleppt
samt unsern Kindern.

6
Dann weinen die zehn Stämme,

wenn sie der beiden Stämme Vorwürfe vernehmen.

7
Sie fragen: Brüder!

Was taten wir euch an?
Traf denn nicht diese Heimsuchung das ganze Haus von Israel?

8
Dann werden alle Stämme weinen,

zum Himmel schreiend sprechen:

9
Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs!

Gedenke deines Bundes,
den du mit ihnen schlossest,
des Eides, den du ihnen bei dir selbst geschworen,
daß nie ihr Stamm
aus dem von dir verliehenen Lande weichen solle!

10
Dann denken sie an mich;

an jenem Tage spricht ein Stamm zum andern,
ein Mensch zum andern:

11
Bezeugt uns nicht auch Moses dies in seinen Prophezeiungen,

er, der in dem Ägypterlande und am Roten Meer
und in der Wüste vierzig Jahre viel erduldet hat?

12
Dann rief er zur Bestätigung

noch Erd und Himmel über uns zu Zeugen an,
wir sollen niemals übertreten,
was Gott geboten
und was er selber uns vermittelt.

13
Nach seinem Tod kam’s über uns,

gleich wie er’s damals uns bezeugt,
und alles dies erfüllte sich an uns,
die in des Ostens Land in die Gefangenschaft gelangten.

14
Sie sollen Knechte etwa 77 Jahre sein.
[488]
4. Kapitel: Rückkehr aus dem Exil
1
Alsdann tritt einer auf, der über ihnen steht

und seine Hände breitet
und seine Kniee beugt
und also für sie betet:

2
Herr des Alls!

Du König auf erhabenem Thron,
der du die Welt beherrschest
und dieses Volk zu deinem auserwählten Volk gemacht!
Du wolltest als ihr Gott schon damals angerufen sein
gemäß dem Bund,
den du mit ihren Vätern abgeschlossen.

3
Nun sind sie als Gefangene

mit Weibern und mit Kindern in ein andres Land gezogen,
hin zu der Fremden Tor,
woselbst viel Eitelkeit vorhanden ist.

4
Acht doch auf sie!

Erbarm dich ihrer, Herr des Himmels!

5
Alsdann gedenkt Gott ihrer nach dem Bund,

den er mit ihren Vätern schloß,
und offenbart in jenen Zeiten wieder sein Erbarmen.

6
Er gibt’s dem König in das Herz,

das er sich ihrer wohl erbarme,
und er entläßt sie wieder in ihr Land und ihr Gebiet.

7
Da ziehen von den Stämmen einige hinauf;

sie kommen auch an ihren Ort
und sie ummauern ihn von neuem.

8
Zwei Stämme harren nun in Treue aus;

sie seufzen trauernd;
sie können nicht dem Herren ihrer Väter Opfer bringen.

9
Die zehn der Stämme aber mehren sich

und wachsen bei den Heiden
zur Zeit der Heimsuchung.


5. Kapitel: Verwirrung im Volk
1
Naht nun der Strafe Zeit,

trifft sie die Rache,
gerade durch die Könige,
die ihre Schuld mit ihnen teilten
und sie jetzt strafen.

2
Sie werden in der Wahrheit uneins werden.

Deswegen ist gesagt:
„Sie meiden die Gerechtigkeit

3
und wenden sich der Sünde zu;

sie schänden mit Befleckungen
auch ihres Dienstes Haus;
sie huren fremden Göttern nach.“

[489]
4
Sie folgen nicht der Wahrheit Gottes

und einige beflecken den Altar mit Gaben,
die sie dem Herrn dort darbringen;
sie sind nicht Priester,
nein Sklaven, Sklavensöhne.

5
Die Schriftgelehrten, ihre Lehrer,

beachten einzig ihre Lieblinge
und schauen auf Geschenke,
verkaufen die Entscheidungen
und lassen Bußen sich bezahlen.

6
Also wird ihre Siedlung, ihre Wohnstatt

ganz von Verbrechen und von Freveln angefüllt.
Sie, die vom Herren, ihrem Schöpfer, abgefallen,
sind Richter, die für Geld das Urteil fällen.


6. Kapitel: Hasmonäer und Herodes
1
Dann stehen Könige bei ihnen auf

und herrschen über sie
und werden gar zu Gottes Hohenpriestern ausgerufen;
doch üben sie vorm Allerheiligsten Gottlosigkeiten aus.

2
Dann folgt auf sie ein frecher König,

der nicht aus dem Geschlecht der Priester stammt,
ein gottloser, verwegener Mensch;
er richtet sie, wie sie’s verdienen.

3
Er rottet ihre Fürsten mit dem Schwerte aus,

bringt sie ums Leben an geheimen Orten,
daß niemand weiß, wo ihre Leichen sind.

4
Er tötet Alte samt den Jungen schonungslos.
5
Da überkommt in ihrem Land sie eine schwere Angst.
6
Er aber hält Gericht bei ihnen,

wie einst an ihnen die Ägypter taten,
wohl 34 Jahre lang;
er straft sie schwer.

7
Er zeugt auch Söhne,

die, seine Nachfolger,
nur kürzere Zeit regieren.

8
Es fallen in ihr Land Kohorten ein;

des Abendlandes starker König kommt
und er erobert es.

9
Sie werden in Gefangenschaft geschleppt

und er verbrennt an ihrem Tempel einen Teil
und kreuzigt einige um ihre Siedlung.


7. Kapitel: Die Frevler im Volk
1
Von da ab gehen die Zeiten ihrem Ende zu;
2
es schließt ihr Lauf sich plötzlich;

es kommen die vier Stunden …

[490]
3
Es herrschen über sie Verderbliche und Gottlose,

die lehren, daß sie selbst gerecht.

4
Und sie verbreiten ihrer Lehren Gift;

sie sind betrügerische Leute
und leben nur sich selber zu Gefallen
und sie verstellen sich in ihrem ganzen Wandel

5
und schmausen gern zu jeder Tageszeit

und schlemmen unersättlich …

6
Der Armen Güter fressen sie

und sie behaupten,
sie täten dies nur aus Gerechtigkeit;
in Wirklichkeit verderben sie.

7
Ankläger, Händelsüchtige, Betrüger,

die sich verstecken,
um unbekannt zu bleiben,
Gottlose, voll Verbrechen,
voll Ungerechtigkeit,
die von dem Morgen bis zum Abend sagen:

8
„Wir wollen im Überflusse schwimmen,

Gelage haben
und essen, trinken.
Wir wollen uns für Fürsten halten!“

9
Unreines treiben ihre Hände, ihre Herzen:

ihr Mund spricht große Dinge aus.
Sie sagen überdies:

10
„Rühr mich nicht,

damit du mich nicht unrein machst!“


8. Kapitel: Der zweite Zorn
1
Alsdann befällt sie eine zweite Heimsuchung,

ein zweiter Zorn,
wie solches nie bei ihnen war,
von Urzeit bis auf jene Stunde,
wo Er der Erdenkönige Könige gegen sie erweckt,

2
von großer Stärke einen Machthaber,

der die Beschnittenen kreuzigt
und foltert die, die die Beschneidung leugnen.
und sie gefesselt in den Kerker wirft.

3
Den Heiden gibt man ihre Weiber.

Von Ärzten werden ihre Knaben operiert,
um unbeschnitten zu erscheinen.

4
Die andern aber unter ihnen werden schwer gestraft

mit Martern, Feuer, Schwert
und so gezwungen,
die Götzenbilder öffentlich umherzutragen,
befleckt, wie sie, gleich ihren Herren.

5
Von ihren Henkersknechten werden sie genötigt,
[491]

geheime Stätten zu betreten;
mit Stacheln werden sie gezwungen,
das Wort zu schmähen und zu lästern,
zuletzt nach diesem die Gesetze
und das, was sie auf dem Altare haben.


9. Kapitel: Taxo
1
Dann tritt, solange dieser herrscht,

ein Mann vom Stamme Levi auf;
er trägt den Namen Taxo.
Er hat der Söhne sieben;
zu ihnen spricht er bittend:

2
Seht, meine Söhne!

An unserm Volk ward eine zweite fürchterliche Rache ausgeübt
und eine Strafe ohn Erbarmen;
sie übertrifft die erste.

3
Denn welch Geschlecht,

welch Land,
welch Volk, das an dem Herrn gefrevelt
und viel Verbrechen ausgeübt,
erduldete so viele Leiden,
als sie uns jetzt geworden sind?

4
Nun also, meine Söhne, hört auf mich!

Seht dort und wisset,
daß nicht die Väter
je Gott versuchten
durch Übertretung seiner Vorschriften.

5
Ihr wisset ja,

daß darin unsere Kraft besteht:
wir wollen deshalb also tun:

6
Wir wollen an drei Tagen fasten,

am vierten aber auf das Feld in eine Höhle gehen,
und lieber sterben,
als je die Vorschriften des Herrn der Herren,
des Gottes unserer Väter, nicht befolgen.

7
Denn tun wir dies und sterben wir,

wird unser Blut vorm Herrn gerochen.


10. Kapitel: das Weltgericht
1
Und über aller seiner Kreatur

erscheint sein Königtum;
dann gibt es keinen Satan mehr;
die Traurigkeit entflieht mit ihm.

2
Dann füllen sich des Engels Hände,

der an der höchsten Stelle steht,
und sogleich rächt er sie an ihren Feinden. –

3
Der Himmlische steht von dem Herrschersitze auf
[492]

und tritt aus seiner heiligen Wohnung,
voll Zorn und voll Empörung wegen seiner Kinder.

4
Dann bebt die Erde;

sie zittert bis in ihre Enden
und hohe Berge werden niedrig
und ganz erschüttert werden
und Hügel sinken ein.

5
Die Sonne strahlt kein Licht mehr aus;

sie wandelt sich in Finsternis.
Des Mondes Hörner brechen auseinander;
er wandelt sich in Blut;
der Kreis der Sterne wird verwirrt.

6
Und bis zum Abgrund weicht das Meer;

die Wasserquellen mangeln;
die Flüsse trocknen.

7
Der höchste Gott, der einzige Ewige, steht auf,

tritt öffentlich hervor,
die Heiden zu bestrafen
und alle ihre Götzenbilder zu vernichten.

8
Dann wirst du glücklich sein, mein Israel,

und in die Höhe steigen
zum Kampfe mit dem Adler;
sein Hals zerbricht mit seinen Schwingen.

9
Und Gott wird dich erhöhen,

läßt dich am Sternenhimmel schweben,
an seiner Wohnstatt.

10
Von oben blickst du her,

schaust in der Hölle deine Feinde,
erkennest sie
und sagst voll Freude Dank
und du bekennest dich zu deinem Schöpfer. —

11
Du aber Nunsohn Josue!

Bewahre diese Worte und dies Buch!

12
Von meinem Tode bis zu seiner Ankunft sind es 750 Zeiten;

sie müssen erst vergehen.

13
Das ist ihr Lauf, den sie zurücklegen,

bis sie vollendet sind.

14
Ich will zu meinen Vätern schlafen gehen.
15
Deshalb sei stark, du Nunsohn Josue!

Es hat dich Gott erwählt,
mein Nachfolger in diesem Bund zu sein.


11. Kapitel: Zornes Klage
1
Als Josue des Moses Worte hörte,

die so in seiner Schrift geschrieben stehen,
all das, was er vorhergesagt,

[493]

zerriß er sein Gewand
und fiel zu Mosis Füßen nieder.

2
Und Moses tröstet ihn

und weint mit ihm.

3
Darauf sprach Josue zu ihm:
4
Was wolltest du mich trösten, Moses, mein Herr?

Wie soll ich mich nur trösten
bei diesem bittern Wort, das du gesprochen,
das deinem Mund entsprungen
und reich an Tränen und an Seufzern ist?
„Du willst von diesem Volke scheiden?“

5
Ja, welcher Ort vermag dich aufzunehmen?
6
Und welches Denkmal wird dein Grab bezeichnen?
7
Wer wagt es, deinen Leichnam wegzuschaffen,

gleich eines andern Menschen Körper,
von einem Ort zum andern?

8
Die Sterbenden erhalten alle

nach ihrer Größe Gräber auf der Erde;
das deine reicht von Asien bis zum Westen,
vom Süden bis zum höchsten Norden;
es ist die ganze Welt dein Grab.

9
Du gehst fort, Herr.

Wer sorgt für dieses Volk?

10
Und wer erbarmt sich seiner?

Ist ihm ein Führer auf dem Weg?

11
Wer betet täglich ohne Unterlaß für sie,

damit ich sie zu ihrer Väter Land geleite?

12
Wie kann ich dieses Volk ernähren?

So, wie ein Vater seinen einzigen Sohn?
Wie eine Hausmutter die eigne Jungfrau Tochter
zur Übergabe an den Ehgemahl bereitet?
Sie schützt ja vorsichtshalber ihren Körper vor der Sonne,
läßt sie nicht unbeschuht das Land betreten.

13
Wie kann ich ihnen Speis nach ihrem Willen schaffen

und Trank für ihr Ergötzen?

14
Sie waren 100 000 Mann;

sie nahmen so sehr zu
durch dein Gebet, Herr, Moses.

15
Woher käm mir die Weisheit und die Einsicht,

um in dem Haus des Herrn
Gericht zu halten oder Urteile zu fällen?

16
Vernehmen nun die Könige der Amoriter,

daß wir zum Angriff gegen sie bereit,
dann werden sie des Glaubens,
der heilige, des Herren würdige,
so mannigfaltige und unfaßbare Geist
sei nicht mehr unter ihnen,
der allseits treue Herr des Wortes,

[494]

der göttliche Prophet für alle Welt
und der vollkommenste der Meister dieser Welt.
Dann sprechen sie:
„Jetzt ziehen wir gegen sie.“

17
Und wenn sie nochmals feindlich

und gottlos gegen ihren Herren handeln,
dann fehlt es ihnen am Verteidiger,
der für sie betete vor Gott.
Ein großer Bote war ja Moses.
Er bog zu jeder Stunde Tag und Nacht
die Kniee auf die Erde
und betete und schaute auf zu dem,
der mit Barmherzigkeit und mit Gerechtigkeit die ganze Welt beherrscht.
Und er erinnerte Ihn an der Väter Bund,
bestürmte ihn mit Schwüren.
Und so besänftigt er den Herrn.

18
Sie werden also sprechen:

Jetzt ist er nicht mehr unter ihnen.
Nun aus! Vertilgen wir sie von dem Angesicht der Erde!

19
Was also soll mit diesem Volke werden,

mein Herr Moses?


12. Kapitel: Mosis Abschiesdsworte
1
Nach diesen Worten warf sich Josue

zum zweiten Mal zu Mosis Füßen nieder.

2
Da nahm ihn Moses an der Hand,

erhob ihn auf den Stuhl vor ihm
und sprach zu ihm:

3
Schätz dich nicht so gering ein, Josue!

Zeig dich ganz unbesorgt!
Gib acht auf meine Worte!

4
Gott schuf die Völker in der Welt und uns;

er sah von Anfang bis zum Ende der Welt
sie, wie auch uns voraus;
nichts ward von ihm bis in das Kleinste übersehen;
er sah ja alles schon voraus;
bestimmte alles schon vorher.

5
Der Herr sah alles, was in dieser Welt geschieht, vorher

und also tritt es ein.

6
Auch mich hat er für sie und ihre Sünden eingesetzt;

ich sollte für sie flehen und beten.

7
Denn nicht infolge meiner Tüchtigkeit und Festigkeit,

nein, nur durch seine Milde und Barmherzigkeit
und seine Langmut fiel mir dieses zu.

8
Ich sag dir, Josue:

Nicht wegen dieses Volkes Frömmigkeit
tilgst du die Heiden.

[495]
9
Des Himmels und der Erde Festen

sind all von Gott geschaffen und geprüft
und stehen unterm Ringe seiner Rechten.

10
Die deshalb die Gebote Gottes halten und erfüllen,

sie wachsen
und ihnen geht es gut.

11
Doch die, die sündigen

und die Gebote nicht beachten,
ermangeln der verheißenen Güter
sie werden von den Heiden
mit vielen Plagen heimgesucht.

12
Sie aber völlig auszurotten,

sie zu vernichten,
ist nicht erlaubt.

13
Denn Gott tritt einst hervor;

Er hat bis in die Ewigkeit gar alles schon vorhergesehen;
sein Bund ist festgegründet.


Erläuterungen

[1301]
33. Zu Himmmelfahrt des Moses

Die Himmelfahrt Mosis ist ein zusammengesetztes Werk. Es bestand ursprünglich aus zwei Teilen, 1. dem Testament des Moses und 2. seiner Himmelfahrt; letztere ist nur mehr in wenigen griechischen Bruchstücken erhalten. Das nur noch lateinisch erhaltene Testament enthält eine Ansprache des Moses an Josue. Es weissagt kurz die Geschichte Israels bis zum Exil, die Rückkehr nach Judäa, die Frevel der Hasmonäer und des Herodes d. Gr., die Verwüstung Judäas durch Q. Varus, erneutes Verderben in Judäa, Auftreten des Bußpredigers Taxo, Anbruch des Weltgerichtes und Beginn des Gottesreiches. Den Schluß bildet Josues Klage um Mosis Tod und letzte Ermahnungen des Moses. Das Werk, ursprünglich hebräisch, dann ins Griechische übersetzt, stammt etwa aus den Jahren 17–29 n. Chr. Der Verfasser war wahrscheinlich ein Essener. Dafür spricht ein gewisser Quietismus. Nicht sprechen dagegen die nationalen Hoffnungen, die sich durch das ganze Buch hindurchziehen; denn „ihren (der Essener) Mut in allen Dingen hat der Krieg gegen die Römer bewährt, worin sie gefoltert und gebunden, gebrannt und gequetscht und durch alle Folterqualen hindurchgeschleppt, weder den Gesetzgeber (Moses) schmähten, noch von ungewöhnlicher Speise aßen. Sie lächelten vielmehr während der Schmerzen und verhöhnten ihre Folterknechte“ (Jos. B. J. II 8, 10). Ebensowenig das große Interesse am Tempel, das sich im Buche kundtut. Denn die Essener schickten ja Weihegeschenke in den Tempel; sie brachten nur deshalb keine Opfer dort dar, weil sie andere, strengere Ansichten über die erforderliche Reinheit hatten „wegen abweichender Anschauung über die Reinigungen, wie sie solche gerne gehabt hätten“ (Jos. B. J. II 8, 5), also rituelle Bedenken. (E. Kautzsch, Die Pseudepigr. d. A. T. 1900, 311 ff. R. H. Charles Apocrypha and Pseud. of the Old Test. 1913 407 ff, W. J. Ferrar, The Assumption of Moses 1918)

  • 1: 1 Dieser Vers ist ergänzt. 2 ähnlich bei Eupolemus 2609, Josephus 2550, Jubiläen 2450, samarit. Pentateuch 3309, LXX 3859, MT 2706. 3 Ex 12, 40 gibt 430 Jahre; Gen 15, 13 hat 400, ebenso Apg 7, 6. 4 Ammon im Stamme Gad. 7 „Diener“ = der erste Minister des Königs in 1 Chr 18, 7; 2 Chr 26, 11 LXX. 12 die gleiche Ansicht bei 4 Esdr und Baruch Apok. 13 Essenische Prädestinationslehre.[1302] 14 „Mittler“ findet sich in Hebr 8, 6; 9, 5; 12, 24 und in spätern Schriften. 16 Pentateuch. 17 Sion. 18 Heimsuchung im guten Sinn s. Luk 1, 16 f. 79. Dem Gottesreich muß eine nationale Bußzeit vorausgehen. Matth 17,10.
  • 2: 2 Dt 16, 18. 3 Kanaans Eroberung dauerte fünf Jahre (Jos 14, 10); „achtzehn Jahre“ bedeuten hier Regierungszeiten; sie verteilen sich auf die fünfzehn Priester und die drei Könige Saul, David und Salomo. Von Rehabeam bis Hosea sind es neunzehn Könige. Die zwei Stämme sind Juda und Benjamin. 4 „Hof“ ist der salomonische Tempel. Zu Turm s. Henoch 89, 50. 67. 73 zwanzig Jahre = zwanzig Könige Judas einschließlich Atalja. 7 Die sieben sind Rehabeam, Abia, Asa, Josaphat, Joram, Achazja, Atalja; die neun Joas, Amasja, Uzzia, Jotam, Achaz, Ezechias, Manasses, Amon, Josias; die vier sind Isachaz, Jojakim, Jojachin und Sedekias.
  • 3: 1 Nebukadnezar 2 im Jahre 587 v. Chr. s. 2 Chr 36, 7. 5 Juda leidet für die Sünden Israels Jer 11, 17, Dan 9, 7. 9 Eid Gen 17,8. 11 s. Apg 7, 36. 14 sonst nur 70 Jahre Jer 25, 11. Dan 9, 18 f.
  • 4: 6 Der Perserkönig Cyrus. 8 Die Opfer waren unannehmbar s. Mal 1, 7. Henoch 89, 73.
  • 5: 1 Die Seleucidenkönige, die die Juden zum Abfall aufforderten. 2 Mak 4, 16. 2 Uneinigkeit zwischen den Sadduzäern und Pharisäern Henoch 90, 6 f. 4 Die hellenisierenden Hohenpriester Jason und Menelaus; dieser stammte nicht aus Levi, sondern aus Benjamin 2 Mak 2, 2; 4, 23. Des Hyrkanus Mutter soll eine Kriegsgefangene des Antiochus Ep. gewesen sein (Jos. Ant. XIII 10, 5).
  • 6: 1 Die Makkabäer. Jonathan wurde 153 v. Chr. Hoherpriester, ebenso Simon, zugleich Volksfürst 142 v. Chr.; er begründete die erbliche Dynastie der Hasmonäer im Jahr 141. 2 Herodes d. Gr. 37–4 v. Chr. 3 Er ließ 45 sadduzäische Adlige hinrichten (Jos. Ant. XV 1. 2 B. J. I 18, 4). 6 Seine Regierung ist hier vom Tod des Antigonus, des letzten Hasmonäers, an gerechnet. Drei Jahre vorher hat er schon den Königstitel von den Römern erhalten. 7 Diese Söhne sind Archelaus, der kürzer als sein Vater herrschte, Antipas, der 43 Jahre, und Philippus, der 37 Jahre regierte. Daraus schließt man, daß das Buch kurz nach des Archelaus Absetzung 6 n. Chr. abgefaßt wurde. 8 Quinctilius Varus unterdrückte im Jahre 4 v. Chr. einen jüdischen Aufstand (Jos. Ant. XVII 10, 9 ff). 9 Varus kreuzigte 2000 Juden (Jos. Ant. XVII 10, 10).
  • 7: 2 Der Text ist lückenhaft. 3 Die Sadduzäer; „Gerecht“ saddik Anspielung auf ihren Namen. 6 Der gleiche Vorwurf gegen die Sadduzäer findet sich in den Salomon. Psalmen 4, 11 ff, 12, 2 ff. Mk 23, 14, Mk 12, 40, Luk 20, 47 7 Salom. Ps 4, 4 ff. 9 Salom. Ps 1, 8 u. a. 10 Is 65, 5.
  • 8: 1 s. Dan 12, 1 Mk 24, 21 „den König der Erdenkönige“, d. h. den Antichrist. Die Kreuzigung ist römischer Brauch; deshalb kann der König nicht Antiochus Epiphanes IV sein. 3 Zu der Operation s. Jos. Ant. XII 5, 1; 1 Mak 1, 15; 1 Kor 7, 18. 5 „geheime Stätten“ der Mysterienkulte und Tempel. Das „Wort“ bedeutet im Späthebr. und Aramäischen „die Person Gottes“. „Auf dem Altar“ die Opfer Mt 23, 18.
  • 9: 1 Taxo mit seinen sieben Söhnen ist das Gegenstück zu der makkabäischen Mutter mit ihren sieben Söhnen (2 Mak 7, 1 ff). Der Name geht auf griech. tasson „Ordner, Aufseher“ zurück, vgl. die essenischen „Verwalter des Gemeinsamen“ (Jos. B. J. II 8, 3. 6). 6 Essenischer Quietismus.
  • 10: 2 Erzengel Michael (Dan 12, 1), dem die Macht als Streiter hier übertragen wird (Ex 28, 41 u. a.) 3–10 Zusatz, Dt 26,15. 5 Joel 2, 10; 3, 15 Is 13, 10 Mt 24, 29 Mk. 13, 24 Luk 23, 45, Apg. 2, 20, Apok. 6, 12; 9, 2. 8 Adler = Rom. 12 „250 Zeiten“ oder Jahrwochen = 1750 Jahre, also von der Schöpfung, 2500[1303] Jahre vor Mosis Tod (1, 2); bis zum Endgericht sind es 4250 Jahre oder 85 Jubiläen.
  • 11: 8 Nach Ex 12, 37 waren es 600 000 Mann. 17 „Gegen ihren Herrn“, d. i. Gott.
  • 12: 6 Echt jüdischer Gedanke (2 Mak 15, 14; 4 Baruch 2, 3). 8 s. Dt 9, 4 ff, Ezech 36, 22. 32.

Anmerkungen (Wikisource)

Siehe auch folgende Artikel aus Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft zu dem hier dargebotenen Text: