RE:Ἰλίεια

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Alter Athenakult aus Ilion
Band IX,1 (1914) Sp. 10611062
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Ἰλίεια. Es gab in Ilion einen in dunkle Vorzeit zurückreichenden Athenakult, der in historischer Zeit Jahrhunderte hindurch berühmt blieb, nicht allein der Stätte wegen, an der er geübt wurde, sondern auch διὰ τὰ ἐνταῦθα ἱστορηθέντα ἐνδελεχῆ θύματα (Eustath. Il. IV 46 p. 444), über die Dikaiarchos geschrieben hatte (Athen. XIII 603 A), und deren altertümlichen, aber immer hochgehaltenen Ritus wir jetzt aus ilischen Münzen der Kaiserzeit kennen gelernt haben (v. Fritze Troja und Ilion 514ff. Brückner ebd. 564ff. v. Fritze Arch. Jahrb. 1903, 59ff. Stengel ebd. 113ff. und Berl. Philol. Wochenschr. 1907, 1066f. Nilsson Griech. Feste 234ff.). Xerxes (Herod. VII 43), Alexander d. Gr. (Plut. Alex. 15. Arrian. anab. I 12, 7), Antiochos d. Gr. (Liv. XXXV 43), L. Scipio (Liv. XXXVII 9. 37) und viele andere Feldherrn (Xen. hell. I 1, 4. Strab. XIII 593. Appian. bell. civ. I 364f.) huldigten dort der Göttin und brachten ihr große Opfer dar. Ihr galt auch das Fest I., das freilich unter diesem Namen nur sehr selten erwähnt wird (Hesych. S. Ἰ.:ἕορτὴ ἐν Ἀθήναις, ἐν Ἰλίῳ Ἀθηνᾶς Ἰλιάδος καὶ πομπὴ καὶ ἀγών. Sodann bei Athen. VIII 350 F, denn ob IG II 1311 sich auf Ilion oder Athen bezieht, muß nach Hesychios zweifelhaft bleiben. Eine Reihe ilischer Inschriften erwähnt eine πανηγυρίς und einen Agon (Dittenberger Syll. 169; Orient. gr. inscr. sel. 444. Brückner Troja und Ilion 463f. nr. 8–13), und es ist möglich, daß damit die I. gemeint sind; sicher wäre es nur dann, wenn sich die Identität der ebenfalls auf den Steinen wiederholt genannten Ἰλιακά (CIG 3599, 16) und Panathenaia (CIG 3599. 3601 –τὰ μικρὰ Παναθήναια, also jährliche und große penteterische –, 3620 – νέα Παναθήναια) nachweisen ließe. Aus den Inschriften geht hervor (Brückner a. a. O. 456f.), daß die πανηγυρίς das Bundesfest des ilischen Städtebundes war, dessen Heiligtum eben das der ilischen Athena war; vielleicht hat es erst später den offiziellen Namen Παναθήναια erhalten, neben dem sich die volkstümliche Bezeichnung I. erhielt (Nilsson Griech. Feste 93). S. ferner Dittenberger Or. graec. inscr. sel. 219. Preller-Robert Griech. Myth. 215, 4. Daremberg-Saglio Dict. V 382f. und über die Geschichte [1062] des Heiligtums Brückner Troja und Ilion 572ff.