RE:Athenaios 22

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 20262033
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22) Athenaios aus Naukratis, Verfasser eines Werkes Δειπνοσοφισταί, eines Buches περὶ τῶν ἐν Συρίᾳ βασιλευσάντων (V 211 a) und einer Schrift über eine Stelle aus den Ἰχθύες des Komikers Archipp (VII 329 c. M. Wellmann Herm. XXIII 179). Erhalten sind nur die Deipnosophisten.

Überlieferung des Textes und Ausgaben. Die Deipnosophisten sind erhalten durch einen Ven. Marc. saec. X (A), den Aurispa 1423 aus Constantinopel nach Venedig brachte. Der Codex ist verstümmelt; im Anfang fehlen das erste und das [2027] zweite Buch ganz, vom dritten der Beginn; ausserdem finden sich zwei Lücken im elften Buch; auch der Schluss ist nicht erhalten. Aus einem Apographon des Codex floss die Aldina von 1514, er selbst wurde verglichen von Cobet, W. Dindorf, R. Schoell (Herm. IV 160ff.) und Kaibel. Die Lücken von A sind zum Teil zu ergänzen aus der Epitome (E), die aus einem älteren und vollständigeren Codex, als A. in den ersten Jahrhunderten der byzantinischen Epoche angefertigt worden ist, alle Bücher umfasst und in mehreren Hss. vorliegt, die Kaibel in seiner Praefatio p. XIVff. aufzählt. A giebt das Werk in fünfzehn Büchern, aber auch diese Fassung ist noch nicht das vollständige Original. Am Rande des Textes finden sich in A mehrfach Abschnitte einer Einteilung in dreissig Bücher vermerkt (Kaibel praef. p. XXII), und der in A erhaltene Text bestätigt, dass es sich auch bei der Ausgabe in fünfzehn Büchern um einen Auszug aus dem Origínalwerke des A. handelt. Besonders stark gekürzt erscheint die Rahmenerzählung, die Schilderung des Gastmahles selbst (Kaibel praef. XXIII–XXXI); beispielsweise ist im zwölften Buche jede Spur des Dialoges zerstört. Neben den Hss. stehen mehrere Benutzer. Der älteste davon ist Aelian. Dass Aelian den A. benutze, ist zuerst von Perizonius in seinem Commentar behauptet worden. Später hat man das bestritten, und es ist nicht zu leugnen, dass mehrfach Aelian nicht den A., sondern dessen Quellen ausschreibt. Aber daneben muss er an einzelnen Stellen den A. gehabt haben, denn er ist von A. in Dingen abhängig, die dieser selbst geschaffen hat, so von der Disposition und Verbindung der Rahmenerzählung, Kaibel praef. XXXI. F. Rudolph Lpz. Stud. VII 8ff.; Philol. Suppl. VI 127–132. Wentzel De gramm. gr. quaest. sel. III 12, 1. M. Wellmann Herm. XXVI 483f. Ferner ist A. benutzt – und zwar die Originalfassung in dreissig Büchern – von Macrobius; behauptet von Petrus Victorius, bestritten von G. Wissowa De Macrobii Sat. font. 49ff., nachgewiesen von Kaibel praef. XXXI–XXXVII. Die Ausgabe in fünfzehn Büchern kennen Steph. Byz., Constant. Porphyr. und Suidas (gegen Hiller Rh. Mus. XI 204 festgestellt von Kaibel Herm. XXII 323ff.). Die Epitome E benutzen Eustathios und der Grammaticus Hermanni (G. Hermann De emend. graec. gramm. 319), gegen Kopp Beitr. z. griech. Excerptenlitteratur 158ff. erwiesen von Kaibel Herm. XXII 334. Von einem Apographon des Marcianus hängen Erasmus und Caelius Rhodiginus ab, Crusius Herm. XXV 469. Hauptlitteratur über die Textgeschichte ausser den schon angeführten Schriften: Schweighäuser praef. p. XVI. CI. Cobet Var. lect. 127f.; Nov. lect. 130. W. Dindorf Philol. XXX 75ff. Wissowa Comment. Reiffersch. 22–29. Kaibel Observ. crit. in A., Progr. Rostock 1883, 3. Von Ausgaben kommen in Betracht ausser der schon genannten Aldina von 1514 und deren Baseler Nachdruck von 1535 die für lange Zeit Grund legende, vielfach nachgedruckte und erweiterte von Casaubonus (zuerst Paris 1596. 1600), dann die Ausgaben von G. H. Schäfer (Leipz. 1796), Schweighäuser (Strassburg 1801–1807), W. Dindorf (Lpz. 1827), A. Meineke (Lpz. 1858–1867), G. Kaibel (Lpz. 1887–1890).

[2028]

Inhalt, Abfassungszeit und Quellen der Deipnosophisten. Das Buch schildert ein Gastmahl, das der reiche Römer Larensios seinen Freunden gab, sowohl den äusseren Verlauf des Mahles als auch die dabei geführten Gespräche. Als Teilnehmer erscheinen Leute verschiedensten Berufes, Ärzte, Rechtsgelehrte, Grammatiker, Philosophen mehrerer Richtungen, Musiker u. s. w., darunter berühmte Namen, wie Masurius, Arrian, Galen, Plutarch, Ulpian, aber durchweg nicht deren historische Träger selbst, sondern diesen nachgebildete, fictive Personen, deren Beziehung aber trotz mancher Veränderungen durchsichtig ist. Kaibel praef. VIff.; dagegen vergeblich Rudolph Philol. Suppl. VI 114. Die Composition des Ganzen schliesst sich, wie fast alle uns bekannten Erzeugnisse der Symposienlitteratur, an Platon an, und zwar sind Symposion und Phaidon die besonderen Vorbilder des A. gewesen (I 1f–2a). Aber die Composition ist kunstlos und roh, wie viel man auch auf Rechnung der uns allein vorliegenden Verkürzung des Werkes setzen mag; an Stelle des lebensvollen Dialogs bei Platon treten bei A. lange, gelehrte, mit Citaten gefüllte Reden, bisweilen giebt A. als Berichterstatter über das Gastmahl, an dem er teilgenommen, gar nicht mehr den Dialog wieder, sondern absichtlich nur einen Bericht über das behandelte Material, bisweilen setzt er Dinge hinein, die auf dem Gastmahl gar nicht zur Sprache gekommen sind. Die Verknüpfung des aus verschiedenen Quellen zusammengetragenen Stoffes ist rein äusserlich, auch dort, wo der uns erhaltene Auszug den Gang der Unterhaltung erkennen lässt. Aber durch das aufgespeicherte Material ist das Buch des A. für uns eines der wichtigsten aus dem ganzen Altertume. Für ganze untergegangene Litteraturzweige, z. B. mittlere und neue griechische Komoedie, bildet es eine der wichtigsten Grundlagen unserer Kenntnis. Die behandelten Gegenstände sind der verschiedensten Art; es überwiegen die Dinge, die sich an die aufgetragenen Speisen und Getränke anknüpfen lassen. Die Behandlung ist bald lexikalisch, bald historisch-antiquarisch, das Ganze überreich an einer fast unübersehbaren Fülle von Belegen und Einzelnotizen. Der Standpunkt, von dem aus alles mitgeteilt wird, ist der des Polyhistors; grammatische Interessen im engeren Sinne hat A. nicht, der atticistischen Bewegung seiner Zeit steht er sogar ablehnend gegenüber.

Buch I beginnt nach einer Einleitung, in der die Veranlassung und die Teilnehmer des Gastmahls angegeben werden, mit einer – wie sie jetzt in E vorliegt – bunten, fast zusammenhanglosen Reihe von Notizen über die Einrichtung von Gastmählern, aus denen sich ein Katalog von Schriftstellern, die ἀναγραφαὶ δείπνων verfasst haben, heraushebt; es folgen längere Excerpte aus einer Schrift περὶ τοῦ τῶν ἡρώων καθ’ Ὅμηρον βίου (von 8e an), dann wird ein Katalog von Leuten, die durch nichtsnutzige Künste reich geworden sind, Anlass zu einem Kapitel über das Tanzen; darin neben lexikalisch-onomastischen Einzelheiten bemerkenswert der Katalog von Tänzern (20 c–f. 22 b–d). Es folgen eine lexikalische Partie über das Trinken (22 f–24 b) und ein langer Abschnitt über die Weine (von 25 f an), zunächst eine onomastisch-lexikalische Aufzählung der italienischen (26 d–27 d), [2029] dann der andern Weine (28 d–31 e), ein Verzeichnis der Mischweine (3l e–32 c) und ein medicinisches Kapitel über die Wirkungen der Weine (von 32 c an). Die Darlegungen über die Weine, besonders über ihre Wirkungen setzen sich fort in das zweite Buch (bis 40 f). Dort schliesst sich an ein Kapitel über das Wasser (περὶ ὑδάτων), über die Arten des Wassers, wunderbare Quellen, Wirkungen des Wassertrinkens, ein Katalog der ὑδοπόται (40 f–46 d); dann kommt man nach Erörterungen über den Honiggenuss, nach onomastischen Notizen über κλῖναι und στρῶμναι zum Obst, zu Pflanzen, Gemüsen und Geflügel. Das dritte Buch beginnt mit den κιβώρια und dem σικνός (72 a–74 c) und behandelt dann die σῦκα (74 c–80 d), die μῆλα nebst dem κίτριον (80 e–85 c), die ὄστρεα nebst den μαργαρῖται (85 c–94 b), darauf τὰ ἐξ ὕδατος κρέα (94 c–96 c). Danach wird die Sucht in Glossen zu reden verspottet, in lexikalischen Notizen, die ihre Spitze stark gegen die Atticisten richten (96 e–100 b), verspottet werden auch die Philosophen, Epikur insbesondere (101 f–104 c), über die κάραβοι, ἀστακοί, καρίδες, ἐπίπλους, ἧπαρ (104 c–108 a) geht es zu den ἄρτοι (106 b–116 a.) und den ταρίχη (116 a–122 e). Eine bunte Notizenreihe, allerlei ess- und trinkbares betreffend, schliesst das Buch. Das vierte Buch beginnt mit der ausführlichen Beschreibung des Gastmahls des Karanos aus Hippolochos (128 a–130 d) und Komikercitaten über die Schwelgerei der Barbaren; es folgt ein langes Kapitel über attische συμπόσια (131 d–138 b), mitten darin eine grosse Einlage aus dem Paroden Matron (134 d–137 d), Zusammenstellungen über die lakonischen Syssitien und die Gelage der Kreter (138 b–143 f), ein Vergleich der hellenischen Symposien mit den persischen (143 f–144 b), eine längere Einlage über die τρυφή der Perserkönige und des Antonius und der Kleopatra (144 b–148 c); darauf wird die Beschreibung der δεῖπνα der einzelnen Völker fortgesetzt (148 d–153 e). An sie schliesst sich ein Kapitel über die Μονομαχία (153–155a), und nach kurzen Unterbrechungen das Gastmahl des Parmeniskos (156 d–158 a), hieran ungeordnete Bemerkungen über (φακῆ) und φάκινος ἄρτος, über Schwelgerei, ein Stück Archestratos, bis eine geordnete Darstellung wieder anhebt mit den Katalogen der ἄσωτοι (165 d–169 a). der μαγειρικὰ σκεύη (169 b–f), der ἡδύσματα (170 a–d) und der μάγειροι (170 d–171 f). Nach kurzen Bemerkungen über πέμματα und πλακοῦντες (172 a–f) folgt ein grosses Stück Apollodor über die Delier und ihre Küche, Kochgeschlechter u. dergl. (172 f–174 a). Den Beschluss des Buches bildet ein Abschnitt über musikalische Instrumente, und zwar über die Wasserorgel, verschiedene Holzblasinstrumente, Saiteninstrumente, Hörner, Trompeten, Syringen, endlich einige Bemerkungen über die αὐλητική und ihre Pflege bei den Hellenen (172 f–185 a). Das fünfte Buch besteht der Hauptsache nach aus grösseren Stücken einzelner Autoren; die lexikalischen Elemente und Excerptenlitteratur tritt stark zurück. Hierher gehören die Stücke aus Herodikos dem Krateteer; ferner Polybios über die Gastmähler des Antiochos Epiphanes (193 c–195 f), Kallixeinos über die πομπή des Ptolemaios Philadelphos und über die flotte des Ptolemaios Philopator (196 a–206 d), [2030] Moschion über das Schiff des Hieron (206 d–209 e), Poseidonios über das Gastmahl des Antiochos und über Athenion (210 c–f. 211 e–215 b), A. selbst über das Symposion des Alexander von Syrien (211 a–d).

Im sechsten Buch wird zunächst über den Fischhandel und kurz über das Fischessen (224 c–228 c), dann über die Geschirre und Verwandtes (228 c–234 c) gesprochen; darauf folgen zwei ausführliche Kapitel über die Parasiten (234 d–248 c) und über die Schmeichler (248 d–255 a), sodann ein Abschnitt über die Schmeichelei mit umfangreichen Auszügen aus Klearch (255 a–258 f) nebst einigen miscellenartigen Nachträgen (259 a–262 a), endlich eine lange Auseinandersetzung über οἰκέται und δοῦλοι (262 a–272 f); mit einigen Notizen über die τρυφή der Sybariten und der modernen Römer schliesst das Buch. Das Hauptstück des siebenten Buches ist der grosse alphabetische Fischkatalog (277 e–330 b), ihm gehen nur kleine Bemerkungen über die Phagesien und Lagynophorien, sowie über den Begriff der ὀψοφαγία vorauf, und unterbrochen wird er von zwei grösseren Einlagen, einer Aufzählung derer, die die ἡδονή gelehrt haben (278 e–281 e), und einem Stück aus des A. eigener Schrift über den Komiker Archipp (329 b–e). Auch das achte Buch bleibt zunächst bei den Fischen; Wundergeschichten, in denen Fische eine Rolle spielen, Anecdoten, biographische Notizen über Schriftsteller, die von Fischen gehandelt haben, leiten über zu den φιλίχθυες der Komoedie (338 d–340 e) und zu dem Kataloge der ὀψοφάγοι (340 e–345 e), dem ein lexikalischer und anekdotischer Anhang nachgesetzt ist (347 f–361 e), unterbrochen durch eine lebhafte Polemik gegen die zoologischen Angaben des Aristoteles (352 d–354 d). Das Buch schliesst mit einer Aufzählung verschiedener Arten von δεῖπνα (362 d–365 d). Buch IX ist wiederum im wesentlichen katalogartig: Verzeichnisse der Gewürze und Gemüse, der verschiedenen Arten von Schweinefleisch, insbesondere aber eine umfangreiche Behandlung des Geflügels, an die sich einige Bemerkungen über Hülsenfrüchte und ein Katalog der verschiedenen Arten von Waschbecken reihen, füllen es fast ganz aus. Buch X beginnt mit dem Katalog der ἀδηφάγοι (411 a–418 c), denen ein Verzeichnis einiger mässiger Leute, Notizen über massvolle Gastmähler in der Komoedie und über Philosophen, die die Mässigkeit gelehrt haben, gegenübergestellt werden. Nach einigen Notizen über Streitigkeiten während des Gastmahls giebt der aufgetragene Wein Veranlassung zunächst zu sprachlicher Gelehrsamkeit: ζωρότερον, die verschiedenen Arten von κύαθοι, ἀκρατέστερον und ähnliche Bildungen werden abgehandelt (423 b–424 e). Es folgen der Katalog der οἰνοχόοι (424 e und 425 f) und Aufzählung der verschiedenen Arten, den Wein zu mischen (426 c–431 b). Zwischeninne steht schon ausser einigen kurzen Notizen über den Kottabos beim Mahle eine Zusammenstellung verschiedener Apophthegmata und Sentenzen über und wider die Trunkenheit (427 c–429 f). Dies Thema wird später fortgesetzt in dem Katalog der φιλοπόται (433 b–443 c), in den ein Kapitel über Agone im Trinken und ähnliches (437 a–438 a) eingelegt ist. Es folgen ungeordnete Miscellen, das Trinken betreffend [2031] (443 d–448 b); den Beschluss bilden die γρῖφοι (448 c–459 b). Die Hauptmasse des elften Buches bildet der alphabetische Katalog der ποτήρια (782 d–784 d. 466 e–503 f). Vorher gehen wieder ungeordnete Miscellen, die teils von Trinkgefässen, teils vom Trinken im allgemeinen handeln (460 a–466 d. 781 b–782 d); ähnliche Zusammenstellungen folgen auch dem Katalog 503 f–504 e); am Schluss des Buches steht eine lebhafte Polemik gegen Platon, dessen historische Zuverlässigkeit bestritten wird (504 e–509 e). Das zwölfte Buch hebt an mit weniger umfangreichen Bemerkungen über τρυφή und ἡδονή (510 b–513 e) und giebt dann den grossen Katalog der Schwelger (513 f–550 f), denen dann die λεπτοί, teils aus der Komoedie, teils aus der Geschichte, gegenübergestellt werden (551 a–552 f). Den Schluss bilden wieder Bemerkungen über die τρυφή (553 a–554 f). Das dreizehnte Buch bezeichnet A. selbst als ἐρωτικὸς λόγος. Es handelt von den ἄγαμοι in Lakedaimon (555 b–d), von der Vielweiberei und den Nebenweibern (555 d–557 e), von den in der Komoedie vorkommenden verheirateten Frauen (557 f–560 a), von den Kriegen, die durch Frauen entstanden (560 b–f), von Eros (561 a–563 d), der Knabenliebe (563 e–564 f), über männliche Schönheit (565 a–566 a), endlich von den Hetaeren (562 a–599 d). Dann werden namhafte erotische Dichter, namhafte Paederasten, Tiere, die Menschen liebten, aufgezählt, und zum Schluss ein Katalog schöner Frauen gegeben, dies alles durchsetzt mit zahlreichen Anecdoten und Notizen erotischen Inhalts. Buch XIV giebt nach wenigen Bemerkungen über die Trunkenheit (613 a–e) einen Abschnitt über die ἀγέλαστοι und über die γελωτοποιοί (Katalog, 613–615 e), über die πλάνοι (615 e–616 b) und über die φιλοσκῶπται (616 b–e). Dann geht es zur Musik über: es handelt von den αὐλοί (616 e–618 c), giebt Verzeichnisse der einzelnen Arten von αὐλήσεις und von ᾠδαί (618 c–620 a), bespricht die ῥαψῳδοί, ἱλαρῳδοί und δικελισταί und Verwandtes (620 a–622 d) und wendet sich dann zu den Wirkungen der Musik (623 d–628 f). Eingelegt in diesen Abschnitt ist ein Katalog der verschiedenen ἁρμονίαι (624 b–626 a). Es schliesst sich an der Katalog der Tänze (629 a–631 e), Verschiedenes über Art und Ausdehnung der Musikpflege bei den Hellenen (632 b–633 e), endlich ein umfassender Katalog der musikalischen Instrumente (633 f–638 b). Nach einer Zusammenstellung über Saturnalien und ähnliche Feste (639 b–640 b) wird das Dessert aufgetragen, und es wird zunächst über ἐπιδορπίσματα, δεύτεραι τράπεζαι u. dgl. im allgemeinen gehandelt (640 c–643 e), und dann werden die einzelnen beim Dessert zur Verwendung kommenden Leckerbissen besprochen; hervorzuheben sind die Verzeichnisse der Kuchen (643 e–648 c), des Obstes (650 b–654 a), des Geflügels (von 654 b an) und der Käse (658 a–e). Am Schlusse des Buches stehen Abschnitte über die Köche (658 e–662 d), das μῦμα (662 d–e) und die ματτύη) (662 f–664 f.) Das fünfzehnte Buch behandelt den Kottabos (665 a–669 b), die Kränze (669 c–686 c), die Parfums (686 c–692 f), die letzte Trankspende (692 f–693 f), die Skolien (693 f–696 a), die παιᾶνες, λοκρικαὶ ᾠδαί und Verwandtes, die Parodendichter und schliesslich die λύχνα.

[2032]

Die bisherige Forschung über die Quellen des A. hat im Verhältnis zu dem grossen Umfange und dem Reichtum des Werkes wenig sichere Resultate ergeben. Immerhin ist festgestellt, dass A. vielerlei Bücher benutzt hat. Keineswegs auch nur die Mehrzahl seiner Citate verdankt er irgend welchen Mittelquellen, und die von Rudolph aufgestellte und neuerdings wieder verfochtene Meinung (Leipziger Studien VII 109ff.; Philol. Suppl. VI 11ff.), die Hauptquelle des A. sei die παντοδαπὴ ἱστορία des Favorin, und A. habe eigentlich nichts weiter gethan, als dieses Buch in dialogische Form umzusetzen, ist unhaltbar; vgl. Bapp Lpz. Studien VIII 151. A. ist ein belesener und ein fleissiger Mann gewesen, der aus vielen Ecken zusammengetragen hat, was er nur fand. Selbst gelesen und excerpiert hat er vor allem die attischen Komiker (Bapp Comm. Ribbeck. 259), mindestens Alexis, Antiphanes, Aristophanes, Diphilos, Eubulos, Menander, von deren Versen das ganze Buch von Anfang bis zu Ende durchzogen ist; ferner den Platon, den Xenophon, von Historikern den Herodot, den Theopomp, den Polybios und, wie es scheint, auch hin und wieder den Poseidonios (einige Citate aus ihm allerdings nicht direct entlehnt, Wendling Hermes XXVIII 336), besonders häufig die ὑπομνήματα des Hegesander; dann mehrere Autoren, von denen einzelne grössere Stücke mitgeteilt werden: so den Paroden Matron, die Leontion des Hermesianax, den Kallixeinos, den Moschion; umfangreiche Partien verdankt er dem Krateteer Herodikos aus Babylon (K. Schmidt De Herodico Crateteo, Progr. Elbing 1886. Bapp Comm. Ribb. 258), zahlreiche Einzelcitate dem Buche des Chrysipp περὶ καλοῦ καὶ ἡδονῆς; von biographischer Litteratur hat er Satyros und Hermipp gehabt; von deipnographischer benutzt er unmittelbar die Episteln des Lynkeus und des Hippolochos und die συμποσιακά des Plutarch; aus unmittelbarer Benutzung stammt ferner das grosse Bruchstück des Asklepiades von Myrlea (s. d. Nr. 28) über den Nestorbecher. Desgleichen hat er ein Buch, das eine Sammlung attischer Skolien enthielt, ohne Mittelquelle abgeschrieben (Reitzenstein Epigramm und Skolion 13ff. v. Wilamowitz Aristoteles und Athen II 316), von Klearch ist ihm mindestens die Schrift über die γρῖφοι zur Hand gewesen. Endlich gehören zu seinen unmittelbaren Vorlagen selbstverständlich seine eigenen Werke über die syrischen Könige und über den Komiker Archipp, die er je einmal nennt. Neben diesen Schriften hat A. in reichem Masse ausgebeutet die spätere compilatorische Litteratur, sowohl den lexikalischen Zweig derselben als auch speciellere Excerptenwerke verschiedener Art. Er hat mehrere Kapitel des grossen Werkes des Pamphilos περὶ γλωσσῶν καὶ ὀνομάτων ausgeschrieben, direct, ohne jede Vermittelung: wie weit im einzelnen der Anteil des Pamphilos bei A. reicht, ist vielfach noch zu bestimmen, im allgemeinen wird dem Pamphilos bei A. noch zu viel zugeschrieben. C. F. Ranke De lexici Hesychiani vera origine et genuina forma (Lpz. und Quedlinburg 1871) 74–85. 91ff. Mor. Schmidt Quaestiones Hesychianae LXI–LXXXIX. H. Weber De Hesychii ad Eulogium epistula (Halle 1865) 16ff. 27; Philol. Suppl. III 470ff. E. Rohde [2033] De Iulii Pollucis in apparatu scenico enarrando fontibus, Lpz. 1870. Schoenemann De lexicographis antiquis (Bonn. Diss. 1886) 62–110. Bapp Comm. Ribbeck. 256ff. M. Wellmann Hermes XXIII 179. Ferner hat A. ein compilatorisches Handbuch der Philosophengeschichte benutzt (Usener S.-Ber. Akad. Berl. 1892, 1031), das aber nicht von Nikias von Nikaia, sondern nach diesem verfasst ist, eine pinakographische Quelle compilatorischen Charakters (Diels Hermes XXII 143), sodann ein anonymes Buch περὶ τοῦ τῶν ἡρώων καθ’ Ὅμηρον βίου, bei Suidas versehentlich dem Dioskurides zugeschrieben, aber weit jünger als der Isokrateer dieses Namens: Hiller Rh. Mus. XL 204ff. Kaibel Hermes XXII 326ff. Brunck De excerptis περὶ τοῦ τῶν ἡρώων καθ’ Ὅμηρον βίου, Greifswald. Diss. 1887. R. Weber Lpz. Stud. XI 87ff. Für zoologische Dinge schöpfte A. aus der grossen Compilation des Alexander von Myndos, die ihm u. a. die zahlreichen Auszüge aus Aristoteles’ zoologischen Schriften zuführte: Rose Aristot. pseud. 282. M. Wellmann Hermes XXVI 485ff. Die Angaben über Musik verdankt A. einem umfangreichen Buche compilatorischer Art, dessen nähere Benennung noch nicht gelungen ist: Bapp Lpz. Stud. VIII 149ff. Dazu kommt eine Schrift ähnlicher Art περὶ τρυφῆς und etliche Kataloge, die auch bei andern von A. unabhängigen Autoren wiederkehren: v. Wilamowitz Comm. gramm. II (Greifswald. Progr. 1880) 14. Einige Kataloge hat er zweifellos allerdings selbst gefertigt, so den der κόλακες: Wilamowitz Antig. v. Kar. 88. Die Verarbeitung der Quellen ist keine einfache: nur selten folgt er längere Strecken demselben Gewährsmann ohne Unterbrechung; häufig legt er, selbst da, wo er zusammenhängende Stücke einer Vorlage wiedergiebt, einzelne Citate oder Notizen aus seiner Lectüre ein, oft ungeschickt genug, so dass der Zusammenhang zerreisst. Eigentümlich ist es, dass er häufig ein Thema mit Nachdruck ankündigt, es aber nicht sofort behandelt, sondern, ehe er dazu kommt, irgend welche Kleinigkeiten einschiebt. Seine Quellen zerteilt er und verlegt Bestandteile derselben Stücke an verschiedene Orte; auch wiederholt er dieselben Angaben mehrfach. Die Untersuchung über die Stellen, an denen der Zusammenhang durchbrochen ist, wird zweifellos noch weitere Ergebnisse in der Quellenanalyse zu Tage fördern. Die Abfassungszeit des Werkes ergiebt sich aus den Namen der Teilnehmer: der Ulpian aus Tyrus bei A. ist nachgebildet dem berühmten Rechtslehrer gleichen Namens und gleicher Herkunft; damit gelangen wir mit Sicherheit in den Anfang des 3. Jhdts. n. Chr. Da A. den Tod seines Ulpian erwähnt, hat ferner der Schluss Kaibels, dass das Buch nach des wirklichen Ulpian Tode (228 n. Chr.) verfasst sei, die Wahrscheinlichkeit für sich.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 219
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S. 2023ff. zum Art. Athenaios:

22) Über die Personen des Gespräches, insbesondere den angeblichen Larensios (S. 2028, 3) = P. Livius Larensis (Prosopogr. imp. Rom. II 290 nr. 207) s. H. Dessau Herm. XXV 1890, 156ff.