RE:Athenaios 23

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 2033–2034
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23) Verfasser einer Abhandlung über Belagerungsmaschinen (περὶ μηχανημάτων), welche sich eng an die Vorträge des Mechanikers Agesistratos, als dessen Schüler A. sich zu erkennen giebt, anlehnt, ausserdem aber auch Compilationen aus andern Werken dieser Gattung enthält. Veröffentlicht wurde die Schrift zuerst in dem Sammelwerk von Thevenot Veterum mathematicorum - [2034] opera, Paris 1693, dann nach der Hs. vom Kloster des Berges Athos, welche Minoides Minas nach Paris brachte, und nach andern jüngeren Hss. herausgegeben von C. Wescher Poliorcétique des Grecs, Paris 1867, S. 1–40, woran sich die Übersetzung und Erläuterung von de Rochas d’Aiglun, Commandant du Génie, in den Mélanges Graux, Paris 1884, 781–801, schloss. Gewidmet ist die Schrift einem Römer, der ὦ σεμνότατε Μάρκελλε angeredet wird (S. 3, 2 Wescher). Das kann aber nicht, wie bisher angenommen wurde, der Eroberer von Syrakus († 208) gewesen sein, denn der Mechaniker Ktesibios, welcher von A. (S. 29, 9 Wescher) erwähnt wird, hat erst im 2. Jhdt. v. Chr. geblüht. H. Martin Recherches sur la vie et les ouvrages d'Héron d'Alexandrie in Mém. présentés IV (1854), 22ff. Hultsch Metrol. script. I 9. Wenn Rochas a. a. O. 782 auch aus der Erwähnung eines Ἀπολλώνιος, den er mit Apollonios von Perge identificiert, einen chronologischen Anhalt entnimmt, so ist dagegen Apollonios Nr. 113 (wo zu Anf. ,Von Athenaios in der Schrift` u. s. w. zu lesen ist) zu vergleichen. Da es nun nach dem Eroberer von Syrakus noch viele namhafte Marceller und darunter mehrere, welche die höchsten Würden erreichten, gegeben hat, so lässt sich schwerlich ermitteln, wer der von A. erwähnte σεμνότατος Μάρκελλος gewesen ist. Rochas a. a. O. denkt an M. Claudius Marcellus, den Anhänger des Pompeius, Consul 51 v. Chr. Weit eher würde einer von den Marcellern, die im 2. Jhdt. v. Chr. Consuln waren, in Betracht kommen können; denn es scheint nicht rätlich, die Schrift des A. in das 1. Jhdt. v. Chr. oder später zu setzen, da Heron, der Schüler des vorerwähnten Ktesibios, der berühmteste unter den alexandrinischen Mechanikern, darin nicht erwähnt wird. Die Schrift περὶ μηχανημάτων ist hauptsächlich bemerkenswert wegen der historischen Ausweise, welche A. über die Entstehung der Kriegsmaschinen giebt, und wegen der Vergleichung mit dem X. Buche des Vitruvius. Letzterer citiert den A. zwar nicht, er hat aber aus denselben Quellen, wie dieser, geschöpft. Die Beschreibungen des A. sind meist sehr dunkel, und die überlieferten Figuren stimmen häufig nicht mit dem Text überein (Rochas a. a. O.). Beschrieben werden der Belagerungsturm, der Widder, der Mauerbohrer, die Fallbrücke, die Testudo zum Ausfüllen der Gräben u. s. w.

Nachträge und Berichtigungen

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Band II,2 (1896), Sp. 2862
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Zu S. 2034, 50 (Athenaios Nr. 23) hinzuzufügen:

Erst nachdem mir die Correctur dieses Artikels vorgelegen hatte, ist die Inauguraldiss. von M. Thiel Quae ratio intercedat inter Vitruvium et Athenaeum mech., Leipzig 1895 (Leipziger Studien XVII 277ff.), erschienen. Nach meiner Darstellung hat A. sich eng an die Vorträge des Mechanikers Agesistratos angeschlossen und ausserdem auch aus andern Werken über Kriegsmaschinen (vgl. Susemihl Litt.- Gesch. I 733, 150 g. E.) einiges compiliert, Vitruvius aber aus denselben Quellen wie A. geschöpft. Dagegen sucht Thiel zu erweisen, dass die Schrift des A. nur Auszüge aus Agesistratos enthalte und der letztere auch von Vitruvius allein benutzt worden sei. Dies verdeutlicht er durch eine Vergleichung der correspondierenden Textesstellen beider Überarbeiter und gestaltet diese Übersicht, unter Anwendung einiger Unterscheidungsmerkmale, zu einer Wiederherstellung des Werkes des Agesistratos, soweit eine solche nach den vorhandenen Quellen noch möglich ist. Eine Bemerkung von Diels S.-Ber. Akad. Berl. 1893, 111, dass der Stil des A. vollkommen den Rococcocharakter des 2. Jhdts. n. Chr. an sich trage, findet Thiel 280. 303f. durch einige Beobachtungen über den Sprachgebrauch des A. bestätigt und setzt demnach die Epoche desselben in das 2. oder (mit Casaubonus) erst in das 3. Jhdt. n. Chr. Allein A. hat nicht nur Schriften des Agesistratos benutzt (7, 6f. 15, 3f. Wescher), sondern auch, wie aus 9, 1–4 hervorgeht, Vorträgen desselben beigewohnt, womit auch sein Urteil über die Meisterschaft des Agesistratos im Geschützbau 8, 5f. zu vergleichen ist (von einer Schrift βελικά des Agesistratos, wie Wescher annimmt, ist dort keine Rede). Überdies steht der Stil des A. in den Teilen seiner Schrift, die er selbständig verfasst hat, der guten κοινή Philons von Byzantion sehr nahe, ja er bietet auch vieles, was unverkennbar an die Sprache des Polybios erinnert. Deshalb wird wohl daran festzuhalten sein, dass A. im 2. Jhdt. v. Chr. geschrieben hat.

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Band S I (1903), Sp. 220–221
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23) Verfasser einer Abhandlung über Belagerungsmaschinen (περὶ μηχανημάτων), welche sich eng an die Vorträge des Mechanikers Agesistratos, als dessen Schüler A. sich zu erkennen giebt, anlehnt, ausserdem aber auch Compilationen aus andern Werken dieser Gattung enthält. Veröffentlicht wurde die Schrift zuerst in dem Sammelwerk von Thevenot Veterum mathematicorum – opera, Paris 1693, dann nach der Hs. vom Kloster des Berges Athos, welche Minoides Minas nach Paris brachte, und nach andern jüngeren Hss. herausgegeben von C. Wescher in Poliorcétique des Grecs, Paris 1867, S. 1–40, woran sich die Übersetzung und Erläuterung von de Rochas d’Aiglun, Commandant du Génie, Mélanges Graux, Paris 1884, 781–801, schloss. Gewidmet ist die Schrift einem Römer, der ὦ σεμνότατε[WS 1] Μάρκελλε angeredet wird (S. 3, 2 Wescher). Da A. (S. 29, 9 Wescher) den Mechaniker Ktesibios erwähnt, so würde man an Marcellus, den Eroberer von Syrakus († 208) denken können, wenn jener Ktesibios wirklich schon unter Ptolemaios II. (Susemihl Litt.-Gesch. I 734f.), nicht erst, was aus mehreren Gründen wahrscheinlicher ist, um die Mitte des 2. Jhdt. v. Chr. (Tittel Rh. Mus. LVI 414) geblüht hätte. Wenn Rochas a. a. O. 782 aus der Erwähnung eines Ἀπολλώνιος, den er mit Apollonios von Perge identificiert, einen chronologischen Anhalt entnimmt, so ist dagegen o. Bd. II S. 160f. zu vergleichen. Da es nun nach dem Eroberer von Syrakus noch viele namhafte Marceller und darunter mehrere, welche die höchsten Würden erreichten, gegeben hat, so lässt sich schwerlich ermitteln, wer der von A. erwähnte σεμνότατος Μάρκελλος gewesen ist (Rochas a. a. O. denkt an M. Claudius Marcellus, den Anhänger des Pompeius, Consul 51 v. Chr.). Die Schrift περὶ μηχανημάτων ist hauptsächlich bemerkenswert wegen der historischen Ausweise, welche A. über die Entstehung der Kriegsmaschinen giebt, und wegen der Vergleichung mit dem X. Buche des Vitruvius. Letzterer citiert den A. zwar nicht, er hat aber aus denselben Quellen, wie dieser, geschöpft. Die Beschreibungen des A. sind meist sehr dunkel, und die überlieferten Figuren stimmen häufig nicht mit dem Text überein (Rochas a. a. O.). Beschrieben werden der Belagerungsturm, der Widder, der Mauerbohrer, die Fallbrücke, die Testudo zum Ausfüllen der Gräben u. s. w. Thiel Quae ratio intercedat inter Vitruvium et Athenaeum mech., Leipziger Studien XVII (1895) 277ff. sucht zu erweisen, dass die Schrift des A. nur Auszüge aus Agesistratos enthalte und der letztere auch von Vitruvius allein benutzt worden sei. Dies verdeutlicht er durch eine Vergleichung der correspondierenden Textesstellen beider Überarbeiter und gestaltet diese Übersicht, unter Anwendung einiger Unterscheidungsmerkmale, zu einer Wiederherstellung des Werkes des Agesistratos, soweit eine solche nach den vorhandenen Quellen noch möglich ist. Eine Bemerkung von Diels S.-Ber. Akad. Berl. 1893, 111, dass der Stil des A. vollkommen den Rococcocharakter des 2. Jhdts. n. Chr. an sich trage, findet Thiel 280. 303f. durch einige Beobachtungen über den Sprachgebrauch des A. bestätigt und setzt demnach die Epoche desselben in das 2. oder (mit Casaubonus) erst in das [221] 3. Jhdt. n. Chr. Allein A. hat nicht nur Schriften des Agesistratos benutzt (7, 6f. 15, 3f. Wescher), sondern auch, wie aus 9, 1–4 hervorgeht, Vorträgen desselben beigewohnt, womit auch sein Urteil über die Meisterschaft des Agesistratos im Geschützbau 8, 5f. zu vergleichen ist (von einer Schrift βελικά des Agesistratos, wie Wescher annimmt, ist dort keine Rede). Überdies steht der Stil des A. in den Teilen seiner Schrift, die er selbständig verfasst hat, der guten κοινή Philons von Byzantion sehr nahe, ja er bietet auch vieles, was unverkennbar an die Sprache des Polybios erinnert. Deshalb wird wohl anzunehmen sein, dass A. bald nach dem Ktesibios des 2. Jhdts. v. Chr. geschrieben hat. Wenn er die ἡγεμονία (der Römer) erwähnt, so meint er damit die ἡγεμονία καὶ δυναστεία, von welcher Polybios I 63, 9 spricht. Vgl. dens. I 1, 5. 2, 7. 3, 10. III 1, 4. 3, 9. 59, 3.

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Band S VI (1935), Sp. [S_VI 16]–[S_VI 17]
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S. 2033, 61 zum Art. Athenaios Nr. 23:

A. ist seitdem maßgebend ediert, übersetzt und erklärt von R. Schneider Griech. Poliorketiker III. Abh. Gött. Ges. N. F. XII 5 (1912). Seine Zeit hat Cichorius Röm. Studien 271 mit Wahrscheinlichkeit bestimmt. A. erzählt nämlich von Apollonios, dem Lehrer seines Hauptquellenautors Agesistratos, daß er gewaltige Steinmauern im Hafen von Rhodos errichtet habe (o. Bd. II S. 160, 58). Bezieht sich dies auf die Belagerung durch Mithridates J. 88/87 (Suppl.-Bd. V S. 802), so hätten wir einen Terminus post quem. Ferner ergibt sich aus S. 10, wo A. die mangelhafte Stilisierung mit seinem Bestreben entschuldigt, mit seiner Schrift nicht zu spät für seinen Zweck zu kommen, daß er aus einem bestimmten Anlaß schrieb; und da er sie einem als σεμνότατε angeredeten Marcellus widmet (vgl. Octavi venerande … sancte puer Culex 25f., vgl. Schneider 52), so liegt es nahe, an Augustus’ Schwiegersohn M. zu denken und den Anlaß in dem kantabrischen Kriege des J. 27 zu sehen, den Marcellus im Gefolge des Kaisers mitmachte (o. Bd. III S. 2765). Auch die sprachliche Form, wegen deren Diels (S.-Ber. Akad. Berl. 1893, 111) die Schrift ins 2. Jhdt. n. Chr. setzen wollte, paßt nach Brinkmann bei Cichorius 277 eher in die Zeit vor dem Siege des [17] Attizismus; doch bedarf die Sprachform, besonders nach den Bemerkungen von Thiel (280. 300) noch einer genaueren Untersuchung. Da also A. im augusteischen Rom in Beziehungen zum Hofe gelebt hätte, so wäre Identität mit dem Peripatetiker aus Seleukeia (Nr. 19) möglich. Dazu würde es auch passen, daß A. im Sachlichen ganz unselbstständig und von Agesistratos abhängig ist, dem auch Vitruv X 13–16 folgt; dies ist nachgewiesen von Thiel Leipz. Stud. XVII 275ff., der S. 308–327 die Paralleltexte der beiden Autoren abdruckt; vgl. Schneider 38ff. Man kann in diesem Sinne vielleicht auch die Neigung zu allgemeinen Erörterungen und zur Entfaltung von Gelehrsamkeit (in der Vorrede) verwenden, sowie die Äußerung (6, 4 W.) gegen die εἰωθότας εὐθύνειν πικρῶς τὰς συνθέσεις τῶν λέξεων. Die merkwürdig geschraubte Ausdrucksweise erinnert etwa an Philodem; z. B. verspricht A. am Schlusse dem Marcellus, wenn er es wünsche, Zeichnungen zu liefern und auch über die Abwehrmaßregeln gegen Belagerungsmaschinen zu schreiben; dann heißt es (39, 12 W. = 36 Schn.) τοῦτο δὲ εἴρηται, ὥς τινων τῇ ἰδίᾳ ἀργίᾳ μετρούντων τὴν τῶν πέλας κακοπάθειαν καὶ οὐ φαμένων εἶναι ἐν πολλῷ ἐπίγνωσιν γενέσθαι πραγμάτων, ὥσπερ τῆς ψυχῆς ἡμῶν ἀποστενοχωρούντων τὴν προθυμίαν τῶν μαθημάτων.

Keine Förderung der Quellenfrage bedeutet das für die technischen Fragen und die Sacherklärung bedeutsame, in den philologischen Fragen dilettantische Buch von W. Sackur Vitruv. Technik und Literatur, Berlin 1925; sein (ohne Kenntnis von Cichorius’ Aufsatz unternommener) Versuch, den A. in zwei Autoren zu zerlegen und den einen in die Zeit des zweiten punischen Krieges zu verlegen, so daß der angeredete Marcellus der Eroberer von Syrakus wäre (vgl. Schneider 1f.), ist nicht ernst zu nehmen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: σευμνότατε