RE:Aelius 155

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 535537
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155) Q. Aelius Tubero, Sohn des Q. Tubero Nr. 154 (daher L. Pauli nepos Cic. Brut. 117; P. Africani sororis filius p. Mur. 76; P. Africanus sein avunculus Brut. 117; de orat. II 341). Als Tribunus plebis widersetzte er sich P. Africanus (also tr. pl. vor 625 = 129) Brut. a. O., trennte sich trotz Verwandtschaft und Freundschaft von Ti. Gracchus (Lael. 37 fuit in primis Graccho molestus, quod indicat Gracchi in eum oratio, sunt etiam in Gracchum Tuberonis Brut. l. l., wo wohl an C. Gracchus zu denken ist). Nach 625 bewarb er sich um die Praetur, praetura deiectus est (p. Mur. 76). Nach Pompon. Dig. I [536] 2, 2, 40 ist er Consul (suff.) gewesen; dann könnte sich Ciceros Bemerkung nur auf seine erste Bewerbung beziehen, da zu Tuberos Zeit die Bekleidung der Praetur für das Consulat notwendig war. Doch ist der Zusammenhang bei Cicero dieser Auslegung nicht günstig, und geschichtliche Irrtümer begegnen bei Pomponius mehrfach.

Getreu den Überlieferungen seiner Familie war er ein Mann von äusserster Einfachheit und Strenge, die er in unzeitgemässer Weise zur Schau trug. Is, cum epulum Q. Maximus P. Africani patris sui nomine (nämlich einen Leichenschmaus) populo R. daret, rogatus est a Maximo ut triclinium sterneret, cum esset eiusdem Africani sororis filius. Atque ille, homo eruditissimus et Stoicus, stravit pelliculis haedinis lectulos Punicanos et exposuit vasa Samia, darum fiel er bei der Bewerbung um die Praetur durch (Cic. p. Mur. 75. 76, daraus Val. Max. VII 5, 1); darum spricht Senec. epist. 95, 72. 73 von Tuberonis ligneos lectos und vasa fictilia, ähnlich 98, 13; seine Armut wird gepriesen ib. 104, 20. 120, 19. Senec. contr. II 1, 8 (Tuberonem cuius paupertas virtus fuit). Tubero, Mucius Scaevola und Rutilius Rufus waren die einzigen, welche die Lex Fannia sumptuaria beobachteten, Athen. VI 108. Sein Charakter führte ihn zur stoischen Philosophie (vgl. Tac. ann. XVI 22 ista secta Tuberones et Favonios, veteri quoque rei p. ingrata nomina genuit) und seine Zugehörigkeit zum scipionischen Kreise (auch Laelius bezeichnet ihn bei Cic. Lael. 101 als jüngeren Freund) erleichterte die Bekanntschaft mit Panaetius, dessen Schüler er wurde: discipulus Panaetii Cic. off. III 63; ille stoicus Panaetii (Pansae die Hss.) auditor Pompon. l. l., dies et noctis virum summa virtute et prudentia videbamus philosopho cum operam daret Q. Tuberonem Cic. de orat. III 97. Panaetius richtete mehrere Schriften an ihn: Panaetius epistola quadam quae est ad Q. Tuberonem Tusc. IV 4; Panaetius cum ad Q. Tuberonem de dolore patiendo scriberet Fin. IV 23; Crantoris de luctu aureolus et, ut Tuberoni Panaetius praecipit, ad verbum ediscendus libellus Acad. II 135. Hekaton aus Rhodos, Schüler des Panaetius schrieb an ihn de officiis, Cic. off. III 63, eine Schrift des Posidonius an ihn wird nur bei Pseudo-Plut. de nobil. 18, 3 erwähnt.

Auf seine Beredsamkeit äusserte die Stoa einen ungünstigen Einfluss: ut vita sic oratione durus, incultus, horridus – – mediocris in dicendo Brut. 117, eloquentiam in Tuberone nullam video fuisse ibd. 118. Die Leichenrede für Scipio Africanus schrieb ihm nach Cicero Laelius (de orat. II 341; glaublicher Schol. Bob. p. 283 super Africani laudibus extat oratio C. Laeli Sapientis qua usus videtur Q. Fabius Maximus in laudatione mortui Scipionis). Besser stand es mit seiner Rechtsgelehrsamkeit, über diese führt Gellius II 22, 7 sehr anerkennende Worte Ciceros an; Pomponius erwähnt ihn kurz. Cicero hat ihn in seiner Schrift de re publica als Redenden eingeführt (re p. I 31; vgl. ad Att. IV 16, 2; ad Quint. fr. III 5, 1).

Plutarch (Luc. 39) führt als Ausspruch τοῦ Στωϊκοῦ Τουβέρωνος an, er habe Lucullus einen römischen Xerxes genannt; Plutarch hat hier in [537] der Person geirrt. Als Pompeius Ausspruch giebt dasselbe Plin. n. h. IX 170.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 15
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155) (Zu S. 536, 34–45): Zu streichen ist die Stelle Cic. off. III 63, die sich nicht auf Tubero, sondern auf Hekaton bezieht; an den Z. 39ff. angeführten Stellen, mindestens de fin. IV 23 und Acad. II 135, ist höchst wahrscheinlich ein und dieselbe Schrift gemeint.

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Band S VI (1935), Sp. 12
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155) Eine Schriftstellerei des A. über astronomische Gegenstände sucht O. Cuntz Stromateis [2] (Graz 1909, 49) zu erweisen. Er benutzt dazu zwei Anhaltspunkte:

1. Plin. n. h. XVIII 235 VIII kal.(Feb.) stella regia appellata Tuberoni in pectore Leonis occidit matutina. Diese Notiz ergibt sich durch 271 III kal. (Aug.) regia in pectore Leonis stella matutino Caesari emergit als aus Caesars Kalender entnommen; aus ihm stamme auch der Hinweis auf Tubero. Nun ist regia stella weiter nichts als eine Übersetzung von βασιλίσκος (o. Bd. XII S. 1977); ihre Anführung sieht eher nach einer Lesefrucht des Plinius aus als des Caesar, dessen Kalender offenbar streng fachwissenschaftlich angelegt war und zu solchen Nebenbemerkungen kaum Zeit fand. Danach wird man eher an eine Erwähnung des Sternes im Geschichtewerk des jüngeren Q. Tubero glauben, das Plinius auch sonst nicht auf Grund direkter Kenntnis anführt (Münzer Beitr. zur Quellenkritik 98).

2. Alexand. in Aristot. meteorol. 152, 10 οἱ δὲ περὶ Γέμινον καὶ Λἴλιον εἰς δεῖξιν τὸν ἔμφασιν εἶναι τὴν Ἴσιν προσχρῶνται καὶ τῷ προσιόντων τε αὐτῇ δοκεῖν … ἀποχωρεῖν. Auch hier sei unser A. gemeint, der sich bei Cic. rep. I 15ff. lebhaft für die Erscheinung einer Nebensonne interessiere; es heißt § 29 quam ob rem, Tubero, semper mihi … tua ista studia placuerunt. Leider wird aber nicht ausdrücklich gesagt, daß A. über astronomisch-meteorologische Fragen auch geschrieben habe, und das erwartet man erwähnt zu finden; Cicero hat ja Mühe, für ein philosophisches Gespräch im J. 129 geeignete Teilnehmer zu finden, und würde einen Autor über ein so relativ entlegenes Gebiet wohl als solchen bezeichnen, abgesehen davon, daß Aelius ein sehr gewöhnlicher Name ist. Nimmt man freilich an, daß Alexander nur Geminos (o. Bd. VII S. 1026) gesehen und A. bei ihm zitiert gefunden hat, so kommen wir auf einen vor 70 v. Chr. schreibenden Autor, was allerdings auf Tubero passen würde. Aber es ist wiederum nicht wahrscheinlich, daß Geminos einen lateinisch schreibenden Autor benutzt, und das müssen wir wenigstens von der bei Plin. n. h. XVIII 235 genannten Schrift annehmen. Und schließlich kann Alexander einen Ailios eingesehen und bei ihm Geminos genannt gefunden haben (er zitiert beide in diesem Kommentar nur an dieser Stelle). So muß die gut und scharfsinnig begründete Vermutung von Cuntz leider unsicher bleiben. H. Peter HRR I² CCCLXX hat keine Notiz davon genommen.