RE:Agatharchides 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 739741
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3) Von Knidos (Strab. XIV 656. Phot. cod. 213. FHG III 190–197. Geogr. Gr. min. I 111–195. Susemihl GLG I 685f.), begann seine Laufbahn als Schulmeister in Alexandreia und gelangte zu Ansehen als Vorleser und Secretär des Herakleides Lembos (Phot. cod. 213 ἡ τέχνη γραμματικὸν ἐπεδείκνυτο - ὑπογραφέα δὲ καὶ ἀναγνώστην ὁ τοῦ Λέμβου Ἡρακλείδης, δι’ ὧν αὐτῷ ἐξυπηρετεῖτο, παρέσχε γνωρίζεσθαι), eines am Hofe einflussreichen Mannes, der während des Krieges mit Antiochos Epiphanes (170–160) als Gesandter verwandt wurde (Suid. s. Ἡρακλείδης, eine genauere Einreihung der Notiz ist nicht möglich). Ferner soll A. von Kineas, ebenfalls einem Höfling (vgl. Polyb. XXVIII 19, 1) an Kindesstatt angenommen worden sein. Dass er selbst eine angesehene Stellung einnahm, vielleicht zum Museion gehörte, geht daraus hervor, dass ihm das königliche Archiv (Diod. III 38, 1. exc. Phot. 110) zugänglich war. Nach seiner eigenen Äusserung (Phot. a. o. O.) musste er die Schrift über das Rote Meer wegen seines Alters und wegen der Unruhen in Ägypten abbrechen; gemeint sind die Wirren bei der Vertreibung des Ptolemaios Physkon 132/1; vgl. Hiller Jahrb. XCV 597–606. An der eben angeführten Stelle (vgl. auch Phot. cod. 213) nennt er selbst als seine Werke 1) Geographie und Geschichte Asiens in zehn Büchern (τὰ κατὰ τὴν Ἀσίαν Phot. cod. 213, ἐν τῇ δευτέρᾳ βίβλῳ τῶν Περὶ τὴν Ἀσίαν Diod. III 11, 1, ἐν τῷ δεκάτῳ τῶν Περὶ Ἀσίας Athen. XII 539b, ἐν ὀγδόῃ Ἀσιατικῶν Athen. IV 155c, ἐν τῇ ἐνάτῃ τῶν Περὶ τῆς Ἀσίας Ἱστοριῶν Phleg. Macrob. 2 = Ps. Luc. Macrob. 22). Aus dem zweiten Buch nahm Diodor nach eigener Angabe (a. a. O.) die Beschreibung Äthiopiens, und zwar III 5–10, während die Archaeologie aus Artemidors achtem Buch entlehnt ist, ferner den Abschnitt über den Nil (I 32–41) und die Beschreibung Arabiens mit Ausnahme der Einlage über die Nabataeer (II 48, dazu gehört 54, 1), also II 49–54. 2) Geographie und Geschichte von Europa in 49 Büchern (Εὐρωπιακά oder Ἱστορίαι; Fragmente nur bei Athenaios). 3) Περὶ τῆς Ἐρυθρᾶς θαλάσσης in 5 Büchern. Auszüge aus dem ersten und fünften Buch giebt Photios (cod. 250); aus demselben Werk stammt Diod. III 12–48, wo sogar die Verweisung auf ein früheres Buch mit herübergenommen ist (41, 1). Vgl. die freilich sehr weitschweifigen und an Irrtümern reichen Ausführungen von G. Schneider de Diodori fontibus Diss. Berl. 1880 und Symb. Joachim. I 247ff. A. verfasste das Werk, wie schon gesagt, in seinem Alter; in vielem berührte es sich mit Περὶ Ἀσίας, war aber ausführlicher. [740] Das Buch ist von allen Späteren, zuerst von Artemidor, den Strabo ausschreibt, geplündert; viel hat Aelian in der Tiergeschichte daher. Ausserdem fand Photios (cod. 213) vermutlich in seiner Handschrift der Bücher über das Rote Meer (vgl. das am Schluss der Excerpte cod. 250 stehende Scholion über ein Buch Arrians) einen Katalog von weiteren Schriften des A. Dieser enthielt, nach Ausscheidung des Nebentitels Περὶ Τρωγλοδυτῶν βιβλία ε[WS 1] und der einbändigen Epitome des fünften Buches über das Rote Meer folgende Titel, die A. selbst a. a. O. ausliess, weil sie nicht historischen Inhalts oder nur Sammlungen waren: 4) Ἐπιτομὴ τῆς Ἀντιμάχου Λύδης, 5) ἄλλη ἐπιτομὴ τῶν συγγεγραφότων Περὶ ἀνέμων, 6) Συναγωγὴ θαυμασίων (bei Phot. ist überliefert καὶ πάλιν ἄλλην ἐπιτομὴν τῶν συγγεγραφότων περὶ συναγωγῆς θαυμασίων ἀνέμων, 7) Ἐκλογαὶ ἱστοριῶν (wohl zu stilistischen Zwecken; vgl. den grossen Excurs aus dem fünften Buch über das Rote Meer), 8) Περὶ τῆς προσφιλοῦς ὁμιλίας (vgl. Arist. eth. Nic. VII 10 p. 1242a 19). Titel 4 und vielleicht 7 zeigen, dass A. als Grammatiker begonnen hatte; im übrigen wird er von Strabo a. a. O. mit vollem Recht ein Peripatetiker genannt, d. h. ein Peripatetiker des 2. Jhdts., der sich um Metaphysik nicht kümmerte und in philosophischen Gedanken das beste Mittel sah, ein reiches empirisches Material zu ordnen und zu beleben. Titel 8 weist auf eine der populär moralischen Abhandlungen, wie sie in zahllosen Mengen von dem Peripatos dieser Zeiten hervorgebracht wurden; in den erhaltenen Resten werden nicht selten Dogmen der peripatetischen Naturforschung berührt, wie z. B. die Ewigkeit der Arten, die belebende Allkraft des göttlichen Sonnenfeuers, die Analogie von Natur und Kunst, im einzelnen die Erklärung der Nilschwelle. Eine Folge der Abneigung gegen die Speculation ist die in der häufigen Betonung der ἐνάργεια klar hervortretende Hinneigung zur epikureischen Erkenntnistheorie, auch in der Auffassung des Lebens der wilden Naturvölker berührt sich manches mit epikureischen Ansichten. In der Lehre vom Stil vertritt A. die aristotelischen Grundsätze in scharfer Polemik gegen den Barokstil der asianischen Schulrhetorik und ist ein classischer Zeuge für den gerade in der 2. Hälfte des 2. Jhdts. besonders lebhaften Streit zwischen Philosophen und Rhetoren (vgl. ausser Philodem Περὶ ῥητορικῆς Cic. de orat. I 43. 45 u. ö. Sext. adv. rhet. 12). Aristotelisch ist ferner der Satz, dass Dichtung und Sage als ψυχαγωγία anzusehen seien (exc. Phot. 8 Müll.). Im ganzen genommen war A. als Peripatetiker und als alexandrinischer Grammatiker, welche die peripatetische Stillehre adoptiert hatten, ein entschiedener Vertreter der peripatetischen, mit einer Vereinigung von gelehrten und künstlerischen Zwecken arbeitenden Historiographie, wie sie Kallisthenes (s. d.) begründet und Duris (s. d.) und Phylarch (s. d.) weiter entwickelt hatten. Er wollte nicht blos sammeln, sondern darstellen und durch Darstellung eine Wirkung hervorbringen, wie er denn vom Historiker strenge stilistische Schulung verlangt (exc. Phot. 110 Müll.) und selbst die Beschreibungen von Ländern und Völkern meist in [741] eine allgemeine, scharf zugeschliffene Sentenz ausmünden lässt, in der Erzählung kunstvolle, an Maximen reiche Reden einlegt (vgl. die Excerpte aus dem ersten Buch über das Rote Meer). Aus diesem Grunde hat er sehr auf den für schöne Form der Darstellung empfänglichen Poseidonios gewirkt, der ihn im Sachlichen und Stilistischen häufig nachahmt. Vgl. H. Leopoldi de Agatharchide Cnidio Diss. Rost. 1892.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 22
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S. 739, 14 zum Art. Agatharchides Nr. 3:

Blosse Erfindungen des lügenhaften Ps.-Plutarch. par. min. 2 (= Stob. flor. VII 63, vol. I p. 172 Mein. = VII 64, vol. III p. 330, 2 Hense [ausführlicher]) sind die Περσικά, ferner die Φρυγιακά (de fluv. 10, 5) und περὶ λίθων (de fluv. 9, 5).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: