RE:Aigyptos 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 1005–1006
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3) König und Eponymos von Ägypten. Verschiedene Genealogien: Sohn

  • a) des Belos und der Anchinoe (Apollod. II 1, 4. Schol. Il. I 42) oder Anchiroe (Schol. Plat. Tim. 25B), oder der Aëria (Charax bei Steph. Byz. s. Αἴγυπτος, Θάσος), oder der Side (Ioa. Antioch. FHG IV 544, 15);
  • b) des Nil und der Memphis, Diod. I 51, 3f.;
  • c) des Zeus und der Thebe, Tzetz. Lyk. 1206;
  • d) des Hephaistos und der Leukippe, Ps.-Plut. de fluv. 16, 1;
  • e) andere Fabel bei Suidas.

Bruder des Danaos (mehrere Brüder nennt Eurip. fr. 873). Die Sage war im Zusammenhang in den myth. Handbüchern erzählt, Apollod. II 1, 4. Schol. Il. I 42. Hyg. fab. 168. Belos teilt das Land, Danaos erhält Libyen, Aigyptos Arabien; letzterer erobert das Gebiet der Melampoden dazu, das nach ihm Ägypten genannt wird, Steph. Byz.; er hat 50 Söhne, Danaos 50 Töchter (die Listen bei Apollod. und Hyg. verschieden; die 50 Söhne von mehreren Frauen; nach der Wundersucht späterer Zeit von einer, Phlegon FHG IV 432, 1. Tzetz. Chil. VII 368ff.; gegen die Zahl 50 seit Hekataios rationalistische Bedenken erhoben, Schol. Eur. Or. 872). Aus Furcht vor der Übermacht flieht Danaos mit seinen Töchtern (Aischylos Hik. Diod. V 58) und baut dazu die erste Pentekontoros (Schol. Ap. Rhod. I 4). Über seine Irrfahrten, seine Landung und Festsetzung in Argos s. Danaos. Die Söhne des A. folgen ihm nach, er schliesst mit ihnen Frieden und giebt ihnen seine Töchter zur Ehe, Aisch. fr. 43 Nauck²; Spiele bei der Hochzeitsfeier Aristot. Pepl. bei Schol. Aristid. p. 105 Frommel. Aus Rachsucht lässt er seine Töchter schwören, ihre Gatten in der Hochzeitsnacht zu ermorden; alle thun dies ausser Hypermnestra, welche den Lynkeus rettet. Die Leichen der Getöteten werden in den See [1006] von Lerna geworfen, ihre Köpfe bei Argos begraben, Paus. II 24, 2; umgekehrt die Köpfe in den See geworfen, die Leiber begraben nach Zenob. IV 86, der davon das Sprichwort λέρνη κακῶν ableitet. Über das weitere Schicksal der Danaiden s. Art. Danaiden. Der Schluss der Sage wird in mehreren Versionen berichtet:

  • a) A. kommt mit Heeresmacht zur Rache nach Argos, aber Lynkeus versöhnt die Brüder (Gericht über Danaos auf dem Pron bei Argos); Danaos errichtet den Ermordeten ein Denkmal bei der Akropolis von Argos, Phryn. fr. 1 Nauck. Eur. fr. 229. Paus. II. 24, 2. Schol. Eur. Or. 872.
  • b) A. kommt nicht nach Argos; Lynkeus rächt die Brüder, heiratet die Hypermnestra und wird an Danaos Stelle König, Hekataios bei Diod. XL 3. Schol Eur. Or. 871f.; Hekab. 886.
  • c) A. flieht vor Danaos nach Aroë in Achaia, stirbt dort und wird in Patrai begraben, Paus. VII 21, 13. Sprichwort Αἰγύπτου γάμος Strab. VIII 371. Diogen. II 55. Makar. I 48.

Die Bedeutung der Sage ist zweifellos historischer Art; doch sind die schon im Altertum (Manetho) unternommenen Versuche, zu bestimmen, welcher König von Ägypten gemeint sei, ohne jeden Wert und Nutzen. A. ist Vertreter der Ägypter und Danaos Vertreter der Danaer; dass in alter Zeit lebhafte Beziehungen zwischen Ägypten und dem Peloponnes bestanden, beweisen Sage (vgl. auch Io) und Kunst (Arch. Jahrb. I 114ff.) gleichermassen. Ob unserer Sage aber bestimmte Vorgänge, mehr als allgemeine Verhältnisse, zu Grunde liegen, bleibt dahingestellt.