RE:Alilat

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1483
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Alilat (Herod. III 8. I 131, an letzterer Stelle von Selden für hsl. Ἄλιττα hergestellt), bei den Arabern Name der Ἀφροδίτη Οὐρανία, d. h. Anaitis (s. d.).

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 57–60
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     S. 1483, 8 an Stelle des Art. Alilat:

Alilat.

I. Name: Ἀλιλάτ des Herodot (I 131, wo Selden Ἀλιλάτ für das überlieferte Ἄλιττα [58] hergestellt hat. III 8) ist al-Ilāt (d. h. ,die Göttin‘ schlechthin). Dieses ist contrahiert aus al-Ilāhat, dem mit dem Artikel versehenen Femininum von Il (= ,Gott‘). So Johann Ernst Osiander ZDMG VII (1853) 482f. Krehl Über die Religion der vorislamischen Araber 43. E. Meyer Geschichte des Altertums I 211. Wellhausen Skizzen und Vorarbeiten III 29. 184 gemäss der schon im Koran Sur. 7, 179 vorgetragenen Etymologie. Anders Nöldeke M.-Ber. Akad. Berl. 1880, 760ff. und Baethgen Beiträge zur semitischen Religionsgeschichte 98f. Bei den Arabern und den syrisch-arabischen Grenzstämmen lautet der Name gewöhnlich noch weiter contrahiert Allāt (wie Allāh aus al-Ilāh), bei den ersteren und den Himjaren, sei es mit Bewahrung der ursprünglichen Form, sei es infolge secundärer Rückbildung, auch Ilāhat oder mit Artikel al-Ilāhat. Die Phoinikier scheinen Ilōt oder Elōt gesprochen zu haben. Vgl. III 2 und Baethgen a. a. O. 59. Schröder Die phoinikische Sprache 127f.

II. Bedeutung. A. ist ursprünglich die weibliche Seite des höchsten Gottes der Ursemiten, ursemitisch Il, assyrisch-babylonisch Ilu, hebräisch und phoinikisch El, Κρόνος bei Philo Byblios und bei Damaskios Phot. bibl. cod. 242. Dementsprechend wird sie noch in historischer Zeit bei den meisten semitischen Stämmen verehrt und heisst auf einer Inschrift von Salḥat (de Vogüé Syrie centrale. Inscriptions sémit. Nabat. 8): ,Mutter der Götter‘. Später erscheint sie als Sonnengöttin verehrt. Diese Auffassung bezeugt für den arabischen Stamm der Tamīm der von Gauharī citierte Vers: ,Wir brachen von al-Labʿā auf und trieben die al-Ilāhat an, damit sie unterginge‘ (vgl. Wellhausen a. a. O. 29), für die himjarischen Hamadān-Stämme die Bezeichnung Ilāhat-Sonne (Inschr. Osman. Mus. 13; vgl. Baethgen a. a. O. 123). Den Arabern zur Zeit Mohammeds gelten nach Koran Sure 37, 144 und 53, 21 die Göttinen A., al-ʿUṣṣa und Manāt als Töchter Allāhs. Die Gleichsetzung der A. mit Athene (vgl. IV 1) bezeichnet wohl eher kriegerischen als jungfräulichen Charakter. Vgl. E. Meyer a. a. O. 211, anders Baethgen a. a. O. 100. Gar nichts hat die semitische A. zu thun mit der ausschliesslich indogermanischen Anaïtis. Vgl. E. Meyer ZDMG XXXI (1877) 716ff. Mehr als fraglich ist auch ihre Identität mit der babylonischen Allāt, welche im Iṣdubar-Epos als Fürstin der Unterwelt erscheint. Diese wird vielmehr zu den zahlreichen Gestalten gehören, welche die Religion der semitischen Eroberer des Zweistromlandes aus dem Glauben der vorsemitischen Bevölkerungen desselben übernahm.

III. Culte. 1. Bei den Phoinikiern: Sidon: A. mit Europa identificiert (vgl. IV 2) nach einigen Herrin des gewöhnlich als Astartetempels geltenden Heiligtums, Lucian. de dea Syr. 4. Karthago: Ein Priester der Ilāt CISem. I 244, ein Oberpriester derselben 243, theophorer Eigenname Ḥatilāt 221 und 430. Sardinien: ,Heiligtum der Herrin Ilat‘ Inschr. von Sulci (publiciert von Dillmann M.-Ber. Akad. Berl. 1881, 429ff.).

2. Bei den Nabataeern: Im Heǵr: A. Localgöttin von ʿAmnād, Inschr. Euting Nabat. Inschriften 3 und 4. Im Ḥaurān: Ein Priester der A. Inschr. Nab. 1 bei Vogüé a. a. O. Heilige [59] Stelen der A. , welche in Salḥat wohnt‘ ebd. Nab. 6 und der A. ,der Mutter der Götter‘ 8. Theophorer Eigenname: Vahballāt, ebd. Nab. 2, Οὐαβάλλαθος Le Bas 2086. Östlich vom Ḥaurān: Theophore Eigennamen: Iatanallāt und ʿabdallāt Inschr. Halévy Journ. Asiat. 1882 I 479.

3. In Palmyra: Tempel der A. und des Šamš (Helios) Inschr. bei Vogüé a. a. O. 8. Theophore Eigennamen, welche auf A. hinweisen, registriert bei Baethgen a. a. O. 90.

4. Bei den Himjaren: ,Ilāt-Athtar‘ Inschr. Halévy Journ. Asiat. 1883 II 152. ,Ilāhat-Sonne‘ vgl. II. Theophore Eigennamen: Taimilāt Müller Epigraphische Denkmäler (Denkschr. Akad. Wien XXXVII) Min. Inschr. 54, Ilātḥmit ebd. Lychian. Inschr. 25.

5. Bei den Arabern: Stamm Thaḳif: Tempel der als viereckiger weisser Stein verehrten A. in der Stadt Tāïf Ibn el-Kelbī, Kitāb el-aśnām in Iaḳūts Geographischem Wörterbuch, al-Waḳidī, Hist. of Muhammads campaigns ed. Kremer 384ff. Ibn Hišām, Leben Muhammeds ed. Wüstenfeld 871. al-Ḳaṣwinī Āthār el-bilād 65. Derselbe wurde auf Muhammeds Befehl im J. 7 H. zerstört. Vgl. Ibn-Hišām a. a. O. 870ff. Kitāb el Aghānī XIV 139. Der Tempelbezirk ist aber noch in islamischer Zeit heilig. Vgl. Ibn Hišām a. a. O. 909f. Kit. el-Agh. IV 75, 18f. XIX 80, 13. Das Idol wurde noch Mitte des 19. Jhdts. gezeigt. Vgl. Hamilton Sinai, the Hedjaz and Soudan 150. Stamm Ḳoraiš: Cult der A. in Gestalt einer Palme im Thale Nahla (Ṣamaḥšarī und Baidawī zu Koran Sure 53, 19. Abū l-Faraģ, historia dynastiarum ed. Pococke 160). Stamm Tamīm, vgl. II und al-Wāḳidī a. a. O. 64. Näheres über den Cult der A. bei den Arabern s. bei Pococke Specimen historiae Arabum 91. Burckhardt Travels in Arabia I 299. Caussin de Perceval Essai sur l’histoire des Arabes avant l’Islamisme I 272. III 9. 288. Osiander ZDMG VII (1853) 479ff. Wellhausen a. a. O. 25ff.

6. Bei den Griechen: Die nach Athen. XV 678 b. Schol. Pind. Ol. I 56. Etym. M. s. Ἐλλωτίς in Korinth verehrte, nach Athen. a. a. O. und Etym. M. s. Ἐλλωτία mit Europa identische, nach Tzetz. zu Lycophr. 658 jedenfalls ursprünglich phoinikische Athene Ἐλλωτίς scheint keine andere zu sein als die phoinikische A. Vgl. Müller S.-Ber. Akad. Wien XXXVII 41f. Baethgen a. a. O. 59.

IV. Gleichsetzung mit griechischen Gottheiten. 1. Mit Athene. Diese Gleichsetzung ist die kanonische und durch den Cult sanctionierte. Korinth: vgl. III 6. Palmyra: Wiedergabe des theophoren Eigennamens Vahballāt (= A. hat gegeben) durch Ἀθηνόδωρος. Vgl. Vogüé a. a. O. 31ff. Baethgen a. a. O. 90. Ḥaurān: Verehrung der A. als Ἀθήνη) bezw. Ἀθήνη ἡ κυρία Le Bas 2081. 2203 a. b. 2216. 2308. 2346. 2410. 2453. 2461. Vgl. Baethgen a. a. O. 97f.

2. Mit Europa. Die Gleichsetzung wird schwerlich viel mehr als die phoinikische Herkunft der A.-Ἐλλωτίς bezeichnen. Sidon: vgl. III 1. Korinth: vgl. III 6.

3. Mit Ἀφροδίτη Οὐρανία Herodot. I 131. III 8. Dieselbe Gleichsetzung liegt vor bei Origenes contr. Cels. V 37. Arrian. anab. VII 20. Strab. XVI 741, nur dass bei Arrian, wahrscheinlich infolge eines [60] Schreibfehlers seiner Quelle, aus der Οὐρανίη Οὔρανος geworden ist, und weiter bei Strabon, der aus der nämlichen Quelle wie Arrian schöpfte, an die Stelle des älteren Himmelsgottes Uranos der jüngere Zeus trat. Aber sowohl Origenes als die Quelle Arrians und Strabons sind von Herodot abhängig. Herodot selbst scheint nur den Namen der A. gekannt, sie aber mit al-ʿUṣṣa verwechselt zu haben, dem göttlich verehrten Planeten Venus, welche der Ἀφροδίτη Οὐρανία entspricht.