RE:Aristeides 30

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 897
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30) Berühmter Maler aus Theben, Schüler und Sohn des Nikomachos (Plin. n. h. XXXV 110), der seinerseits Sohn und Schüler eines älteren Malers A. (Plin. XXXV 108: Aristiaci Bamb., Aristicheimi Riccard., verbessert von Urlichs) war, den Plinius mit dem Enkel zusammenwirft (s. darüber namentlich C. Robert Archaeol. Märchen 83ff. und oben Nr. 29). Die Zeit seiner Thätigkeit bewegt sich etwa zwischen Ol. 100 und 110, so dass ihn Plinius einen Zeitgenossen des Apelles nennen konnte. Hauptquelle über ihn ist Plinius XXXV 98f., welcher der Erwähnung seiner Werke folgende Beurteilung vorausschickt: is omnium primus animum pinxit et sensus hominis expressit, quae vocant Graeci ethe, item perturbationes, durior paulo in coloribus. Bezeichnend für diese Richtung ist das von Alexander d. Gr. (von Theben?) nach Pella überführte Gemälde einer bei Zerstörung einer Stadt tötlich verwundeten Mutter, die ihr Kind von der Brust zurückzuhalten sucht, damit es nicht Blut statt der Milch sauge (Anth. Pal. VII 623, vgl. Sil. Ital. IX 41ff.); ferner ein Betender, dessen Stimme man zu vernehmen glaubte. Weiter werden genannt: eine Perserschlacht für Mnason, den Tyrannen Elateias, von deren 100 Figuren ihm jede mit zehn Minen bezahlt wurde, rennende Viergespanne, Jäger mit ihrer Beute (Helbig Untersuch. üb. d. campan. Wandmal. 276. Monum. d. Inst. XII 13), eine unvollendete Iris (Plin. XXXV 145), ein wegen der Liebe zu ihrem Bruder sterbendes Mädchen (ἀναπαυομένην, wohl Kanake, vgl. Kalkmann Arch. Ztg. XLI 40ff. Taf. 7, 1), ein tragischer Schauspieler mit einem Knaben, ein Greis, der einen Knaben im Lyraspiel unterweist, im Tempel der Fides auf dem Capitol, endlich Bakchos und Ariadne (artamenen Bamb., s. jedoch Kalkmann a. a. O. 40ff.). Dies letzte Bild, welches Plinius in Rom im Cerestempel sah, wollte nach der Zerstörung von Korinth Attalos kaufen, Mummius behielt es aber, durch den hohen von ihm gebotenen Preis aufmerksam gemacht, zurück, vgl. Plin. XXXV 24. Strab. VIII 381, wo noch ein durch das Kleid der Deianeira gepeinigter Herakles erwähnt wird, vielleicht ebenfalls ein Werk des A. Fälschlich legt ihm Plinius ein Bild der Leontion, der Geliebten des Epikur, bei; auch nennt er ihn unter den Erfindern der Enkaustik (n. h. XXXV 122). Polemon bei Athen. VIII 567 b bezeichnet ihn als einen Pornographen. S. Brunn Gesch. d. griech. Künstl. II 160ff. 171ff. L. Urlichs Rh. Mus. XXV 507ff. Bursian in Ersch u. Grubers Allg. Encycl. LXXXII 473. Oehmichen Plinian. Studien 233ff. Kroker Gleichnam. griech. Künstl. 25ff. v. Rohden bei Baumeister Denkm. d. klass. Altert. 864ff. Michaelis Arch. Jahrb. VIII 133ff.