RE:Aschenurnen

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 15201521
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Aschenurnen. Obgleich in Griechenland sowohl zur Zeit der ältesten Gräber (Mykene, Dipylon) als auch in historischer Zeit die Toten vorwiegend unverbrannt begraben wurden (während bei Homer die Toten verbrannt werden), werden doch griechische A. nicht selten gefunden. Am häufigsten Thongefässe, meist geringer Qualität; so in Attika: Ross Archaeol. Aufs. I 21. 24. Athen. Mitt. XVIII (1893) 159; in Myrina: Pottier [1521] et Reinach Nécrop. de Myrina, Index u. vases; in Megara Hyblaea: Orsi Mon. antichi dei Lincei I 798ff.; und sonst vielfach. Gemalte Vasen nicht häufig, aber schon in der Dipylonzeit: Ross a. O. 33; dann die alte schwarzfigurige Burgonvase aus Athen: Jahn Vasens. LXXXV 600; weiteres namentlich aus späterer Zeit bei Raoul-Rochette 3e mém. sur les antiqu. chrét. des catac. 62, 1 = Mém. de l’ac. des inscr. 590; ferner Pottier et Reinach a. O. 500, 5. Orsi a. O. 830, LXX. Bleiurnen Ross a. O. 21. 24. 26. Bronzegefässe in Gräbern der Dipylonzeit: Athen. Mitt. XVIII 93. 414. In späteren Gräbern beim Dipylon ein cylinderförmiges Gefäss aus dünner Bronze in einem Steincylinder, ein kugelförmiges in einem Holzkasten, a. O. 160. Halbkugelförmige, viereckige und gefässförmige Metallurnen in Steinkasten: Ross a. O. 62. Bull. d. Inst. 1860, 116. Orsi a. O. 900, CCCI. Bronzeurnen auch in Myrina, Pottier et Reinach a. O. 492. 495, 2. Steinkasten Orsi a. O. 823, XLI. 826, LV. Erwähnungen in der Litteratur: die goldenen A. (φιάλη, ἀμφιφορεύς) des Patroklos und Achilleus (Il. XXIII 243; Od. XXIV 74), die Hydria des Philopoimen (Plut. Phil. 21). Weit häufiger werden römische A. gefunden. Die gewöhnlichsten von ältester Zeit an sind einfache thönerne Töpfe. Eine besondere Art derselben sind die Urnen in Hüttenform, welcher einer in die ältesten Zeiten der italischen Geschichte hinaufreichenden Kulturschicht (‚Kultur von Villanova‘) angehören. Abbildungen derselben: Not. d. Scavi 1881 Tf. 5. Archaeologia XLII 1. 99ff. Ann. d. Inst. 1871 U. Vgl. Virchow Abh. Akad. Berl. 1883, 985. Sie werden vorwiegend in Latium gefunden; weiter nördlich liefert dieselbe Kulturschicht häufig auch bronzene A. eigentümlicher Form. Gemalte Vasen als A. kommen in Etrurien, nicht in Latium vor. Von Thon sind die in den Columbarien in den Boden der Nischen eingelassenen ollae. Thongefässe in Bleikapseln: Röm. Mitt. III 125. 141. Glasurnen Overbeck Pompeji⁴ 412, in Bleikapseln ebd. 414. In reicheren Gräbern finden sich marmorne A., oft mit Inschriften: Montfaucon Antiqu. expl. V 1, 20ff. Bouillon Musée des Ant. III; sie haben die Form von Urnen, Cisten (oft mit reichem Reliefschmuck), Tempeln, Hütten, Altären. Eine besondere Klasse bilden die etruskischen A. aus Stein oder Thon, in Form kleiner Sarkophage, auf deren Deckel der Verstorbene gelagert dargestellt ist; sie sind meist mit Reliefdarstellungen aus der griechischen Mythologie geschmückt, unter denen der an die bei der Leichenfeier kämpfenden Gladiatoren erinnernde Kampf des Eteokles und Polyneikes besonders beliebt ist. Brunn I rilievi delle urne etrusche, vol. I Rom. 1870. Vol. II von Körte, Berlin 1890.

[Mau.]

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 165
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S. 1520f. zum Art. Aschenurnen:

Für die Provinzen des Römerreiches geben zahlreiche örtliche Ausgrabungen und die in den Orts- und Landessammlungen geborgenen Grabfunde auch über die A. Aufschluß. Beispielsweise seien hier einige Angaben gemacht über die Feststellungen im Gebiet der Metzer und der benachbarten Volksgemeinden (vgl. z. B. über römische Gräber bei Trier: Bonn. Jahrb. LXIX 17ff. u. a.; über Gräberfelder bei Metz: Jahresber. d. Vereins f. Erdk. zu Metz III 114ff. Lothr. Jahrb. 1903 XV 346ff. 372ff. 1904 XVI 357ff.). Die Brandbestattung war hier bräuchlich bis zur zweiten Hälfte des 3. Jhdts., auf dem Lande noch bis ins 4. Jhdt. hinein, bis sie durch die Erdbestattung (Skelettgräber) allmählich abgelöst wurde. Wenn man absieht von ärmlichen Brandbestattungen, bei denen Topfscherben und Ziegelsteine als Ersatz für A. herhalten mußten, dienten insbesondere Tongefäße, und zwar vor allem ollae und urcei zur Aufnahme der veraschten Leichenreste, seltener Glasgefäße und Behälter aus Stein, auch Holzkasten, von denen nur die Beschläge übrig geblieben sind. Die Gefäße und Steinbehälter sind entweder mit zugehörigem (öfters jedoch auch mit nicht zugehörigem) Deckel verschlossen oder sie sind offen. Die Glasgefäße waren vielfach durch besondere Steinkapseln, für die auch Architekturstücke zugerichtet wurden, gegen den Erddruck gesichert. Auch die Tongefäße sind nicht immer unmittelbar in die Erde gestellt, sondern nicht selten geschützt, so durch kastenförmig herumgesetzte Ziegel, auch Steinplatten, oder es sind Dachziegel dachförmig darüber gestellt, oder sie sind in einen größeren, dickwandigen Tonkrug, ein Dolium, hineingesetzt, oder es sind Stücke von solchen Krügen zum Schutz über die A. gestülpt. Eine Sonderstellung unter diesen A. beansprucht die im J. 1910 zu Metz gefundene ägyptische, also durch den Handelsverkehr nach den Mosellanden gelangte Graburne aus ,Alabastrites‘, und zwar aus Aragonit oder kohlensaurem Kalk (s. o. Bd. I S. 1272); sie fand sich zusammen mit einer breiten kelchförmigen A. aus Stein der Metzer Gegend vor in einem durch eine Querplatte in zwei Kammern zerlegten, mit schwerem Steindeckel verschlossenen Steinkasten (Röm.-germ. Korr.-Bl. III 1910 § 29. Lothr. Jahrb. 1910, XXII 496ff.). Während diese und andere Behälter wohl von vornherein zu Begräbniszwecken als A. bestimmt waren, liegt insbesondere für die Tongefäße die Annahme nahe, daß man die dem häuslichen und geschäftlichen Gebrauch dienenden Töpfe und Krüge auch zur Bestattung benützt hat, zumal wenn, wie z. B. auf einer A. des Metzer Museums, einem Urceus, das Gewicht zu kaufmännischer Berechnung mit dem Griffel (Stilus) eingekratzt ist: t(esta) p(ondo) VI. d. h. der Krug wiegt 6 Pfund. (Ebenso hatte der als 5pfündiger Krug bezeichnete Urceus zu Trier, CIL XIII 10 008, 56, als Graburne gedient.) Allerdings scheinen zu Grabzwecken undichte, poröse, in Haus und Handel nicht brauchbare Tongefäße eigens in Mengen hergestellt worden zu sein (Bötticher Lothr. Jahrb. I 238ff., bes. 248f.).