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RE:Asklepiades 39

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Freund des L. Crassus
Band II,2 (1896) S. 16321633
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39) Aus Prusa oder Kios in Bithynien (Strab. XII 566. Gal. XIV 683), lebte im Anfang des 1. Jhdts. v. Chr. Er war Freund des L. Crassus, der sich über ihn bei Cic. de orat. I 62 folgendermassen äusserte: neque vero Asclepiades is, quo nos medico amicoque usi sumus, qui tum eloquentia vincebat ceteros medicos in eo ipso, quod ornate dicebat, medicinae facultate utebatur, non eloquentiae; vgl. Hillscher Jahrb. f. Philol. Suppl. XVIII 389. H. Diels S.-Ber. Akad. Berl. 1893, 101, 1. Er war zuerst als Lehrer der Beredsamkeit in Rom thätig (Plin. n. h. XXVI 12f.); da aber diese Beschäftigung zu wenig abwarf, entschloss er sich, ohne Vorbildung dafür, Arzt zu werden (Plin. a. a. O.), und erwarb sich als solcher grosse Verdienste um die Fortschritte der Medicin und grosse Anerkennung, so dass er eine Berufung an den Hof Mithridates d. Gr. ablehnte und demselben an seiner Statt seine Schriften übersandte (Plin. n. h. VII 124. XXV 6). In der Geschichte der ärztlichen Charlatanerie nimmt A. eine hervorragende Stelle ein. Durch Scharfblick und Menschenkenntnis wusste er nicht nur die Lücken seiner Kenntnisse zu verdecken, sondern sich sogar in den Ruf eines grossen Arztes zu setzen. Er bewirkte dies teils durch Aufschneiderei, teils besonders durch Klugheit, durch Schonung der Vorurteile und Begünstigung der Neigungen seiner Umgebung. Besonders sah man es gern, dass er von dem Weine einen umfassenden Gebrauch als Heilmittel machte (Plin. n. h. VII 124. XXVI 13), ebenso häufig Bäder verordnete, durch Diät, Reibungen, Körperbewegung, Verbesserung des Lagers u. drgl. einfache Mittel heilte, unnötige Quälereien der Kranken vermied und überdies den Aberglauben ausnützte (Plin. n. h. XVI 12ff.). Diese diätetischen Grundsätze und Kuren des A. waren nicht neu; er hat sie vielmehr einem Arzte des 3. Jhdts., dem Kleophantos, des Kleombrotos Sohn, entlehnt. Ein Beispiel seines kecken Auftretens ist, dass er mit dem Schicksal gleichsam eine Wette einging, man solle ihn nicht für einen Arzt halten, wenn er jemals krank würde, und dass er sie auch gewissermassen gewann, sofern er im höchsten Alter infolge eines Falles von einer Leiter starb (Plin. n. h. VII 124). So führte er auch eines Tages die Komödie auf, dass er einen ihm angeblich unbekannten Leichenzug, der ihm auf der Strasse begegnete, umkehren liess und den Toten lebendig und gesund machte (Plin. n. h. VII 124. XXVI 15. Cels. II 6. Apul. Flor. IV 19). Sein philosophisches System, das, durch Themison strenger ausgeführt, später die Grundlage der methodischen Schule wurde, näherte sich dem epiktureischen, doch wich er nicht selten, z. B. in der Corpusculartheorie, in der Seelenlehre von den Lehren Epicurs ab; vgl. Susemihl Alex. Litt.-Gesch. II 430f. Sprengel Gesch. der Med. II³ 13f. Der menschliche Körper ist nach seiner Lehre zusammengesetzt aus unzähligen, beständigen [1633] Veränderungen und Bewegungen unterworfenen kleinen Körperchen, von deren Beschaffenheit und Verhältnis zu den zwischen ihnen gelagerten Hohlräumen Gesundheit und Krankheit abhängig ist. Der Seele sprach er jede Sonderexistenz ab und erklärte sie für das aus allen Sinnen zusammengesetzte pneumatische Ganze. Seine Pulslehre und seine Auffassung vom Atmungsprocess gründete er auf diese Corpusculartheorie. In seiner Therapie wich er darin von den empirischen Grundsätzen seiner Vorgänger ab, dass er mehr Gewicht auf diätetische als auf medicamentöse Mittel legte (Scrib. Larg. 3 H.), trotzdem er den Wert erprobter Mittel nicht bestritt. Verdienstvoll ist sein entschiedenes Auftreten gegen den übermässigen Gebrauch von Brechmitteln und Purgantien (Cels. I 3. Gal. XI 245. 324 u. ö.). Dagegen empfahl er den rationellen Gebrauch von Aderlass, Klystieren und Schröpfköpfen (Cels. II 12. Cael. Aur. A. M. I 14. III 8). Insbesondere wird die Unterscheidung von acuten und chronischen Krankheiten auf ihn zurückgeführt (Cael. Aur. M. Ch. III 8). Auch um Chirurgie (Tertull. de anima 25) und Gynaekologie (Soran. de morb. mul. 210. 241. 257 D.) hat er sich verdient gemacht, während die Anatomie von ihm stiefmütterlich behandelt wurde (Gal. III 467). Citiert werden von ihm 17 Schriften: περὶ ὀξέων παθῶν (Cael. Aur. A. M. Ι 15), de tuenda sanitate (Cels. I 3, 18), de communibus auxiliis (Cels. II 14), παρασκευαί (Scrib. Larg. 3 H.), salutaria ad geminium (Cael. Aur. M. Ch. II 7), de clysteribus (Cael. Aur. M. Ch. II 13), de periodicis febribus (Cael. Aur. M. Ch. II 10), περὶ ἀλωπεκίας (Gal. XIV 410f.), de lue (Cael. Aur. M. Ch. II 39), de hydrope (Cael. Aur. M. Ch. III 8), περὶ οἴνου δόσεως (Sext. math. VII 91), περὶ στοιχείων (Gal. I 487), definitiones (Cael. Aur. A. M. I 1. II 13). περὶ τῆς ἀναπνοῆς καὶ τῶν σφυγμῶν (Gal. VIII 758), περὶ ἑλκῶν (Cass. problem. 30), endlich Commentare zu den Aphorismen (Cael. Aur. A. M. III 1. Dietz Schol. in Hipp. et Gal. II 458. 478) und zu der Schrift κατ’ ἰητρεῖον des Hippokrates (Erot 116, 11. Gal. XVIII b 660. 666). Fragmentsammlung (aber unvollständig) von Chr. G. Gumpert Asclep. Bithyni frgm., Weimar 1794. G. M. Raynaud De Ascl. Bithyno medico ac philosopho, Paris 1862. Bruns Quaestiones Asclepiadeae de vinorum diversis generibus, Parchim 1884.