RE:Bulgaroi

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 10401045
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Bulgaroi, selten Bulgares, Gesamtbezeichnung für verschiedene hunnische Stämme, welche nach Attilas Tode an der unteren Donau, am Danapris (den die Hunnen Var benannten, Iord. Get. 52) und in den entfernteren östlichen Steppen zurückgeblieben waren und sich durch nachrückende innerasiatische Horden verstärkten; man spricht daher von ‚hunnobulgarischen‘ Stämmen. Der zuerst im J. 481 geschichtlich bezeugte Name B. mag entweder ‚Mischling‘ oder ‚Aufmischer‘ bedeutet haben, von dem türkisch-mongolischen Verbalthema bulgha- ‚mischen‘ (3. sing. praes. bulghā-r, ursprünglich eine Nominalform).

Nach Agath. V 11 waren unter Kaiser Leo I. (457–474) zuerst die Ultinzuroi und Vurugundoi mächtig hervorgetreten; Ultzinzures standen nach Iordanes im J. 462 unter Attilas Sohn Dengitzich im Gebiet von Sirmium, ebenso Angisciri Bardores und Bittugores (s. d.); Urugundoi nennt bereits um die Mitte des 3. Jhdts. Zosimos. Während der ganzen Folgezeit blieben weite Strecken am Nordufer der unteren Donau von den B. besetzt; als die beiden Theoderich das oströmische Reich bedrängten, nahm Kaiser Zenon zuerst im J. 481 die Hülfe dieser B. in Anspruch, Jo. Antioch. bei Cramer Anecd. Oxon. II 83. Als hierauf im J. 488 der grosse Theoderich nach Italien aufbrach, hatte er zumal im Gebiet von Sirmium mit den Gepiden und deren hunnobulgarischen Bundesgenossen, welche unter dem Hordenführer Busa standen, blutige Kämpfe auszufechten, Hist. misc. XVI 17; mit eigener Hand erschlug er den Bulgaren Libertem (türk. Alb-ertem ‚Heldentugend‘), wie Ennodius bezeugt. Derselbe Autor spricht von einer indomita Bulgarum iuventus und Cassiodorius Var. VIII 10 von Bulgari toto orbe terribiles mit deutlicher Anspielung auf deren hunnische Vorgänger. Vom J. 493 an bis zum Auftreten der Awaren in Pannonien sind ständige Einfälle der bulgarischen Horden in die Romania bezeugt; die Chronisten (Marcellinus Comes, Prokopios, Theophanes u. a.) bezeichnen diese meist von Slovenen begleiteten Raubscharen bald als B., bald mit den veralteten Namen Skythai, Getai und Mysoi. Gefährlich für das Reich war besonders der Aufstand des für die Sache des römischen Bischofs eingetretenen Generals Vitalianus 512–520, der sich hiebei hunnobulgarischer Reiterscharen bediente. Um sich der Einfälle der Nordvölker [1041] erfolgreich zu erwehren, schrieb Iustinianus I. harte Steuern aus, und noch gelang es, die heftigen Anstürme zurückzuschlagen; von einer instantia quotidiana Bulgarorum Antarum et Sclavinorum spricht Iordanes im J. 551; bald traten jedoch an die Stelle dieser Raubscharen die weit gefährlicheren Awaren.

Die in Innerasien emporgekommenen Abaroi hatten die am Irtysch und Tobol hausenden hunnischen Sabiroi erfolgreich bekämpft – von beiden Völkern stammt die orientalische Benennung Abar-o-Sabîr für ‚Sibirien‘. Die Sabiroi hinwieder drängten auf die bei den Akatziroi herrschenden Saraguroi, welche zu den kaspischen Thoren flüchteten, auf die Urogoi und Onoguroi; sie besetzten selbst zuletzt die kaspischen Westgestade zwischen Volga und Kur und machten von hier aus Einfälle in die südlichen Länder; diese Sabiroi erscheinen nachmals unter dem Namen Chazaroi, pers. Chazrân, armen. Chazirkḥ (vgl. Masʿûdî in Kitâb el-tanbîḥ p. 83 De Goeje). Unter den von Awaren gedrängten Völkern hunnischen Schlages führt Theophylactus VII 8 ausser den Sabiroi auch noch die Barsil, Unnuguroi, Zabender, Kotzageroi und Tarniach an; letztere begegnen in der Form Tarna im hebraeischen Sendschreiben des Chazarenchans Joseph im J. 960 (vgl. Russische Revue 1875, 81) neben Barzil Bulgar und Sawir.

Mehrere bulgarische Horden nahmen Wohnsitze an der Seite der Sabiroi und Alanoi vom Nordabhang des Kaukasos an entlang der maiotischen Ostküste bis zum kimmerischen Bosporos; sie einigten sich unter dem Namen Utiguroi, von türk. utighur, ujghur ‚folgsam, anhänglich, verbündet‘. Die spätere Sagenklitterung bei Nikephoros und Theophanes kennt diese Bezeichnung nicht mehr; sie spricht von einer ‚ersten alten und grossen Bulgaria‘, welche sich zwischen dem Atal (Volga), Tanaïs und Kuphis (Kuban) erstreckt habe und von wo aus vier Hauptabteilungen der bulgarischen Nation auszogen, während die fünfte unter ihrem Fürsten Basianos oder Batbaïan zurückblieb. In zwei Zusätzen zur armenischen Geographie des Moses heisst es (p. 25. 17 Soukry): ‚über dem pontischen Küstenorte Nikopsis beginnen die von Türken besetzten Striche; es hausen dort die nach Flussläufen benannten Stämme der Kuphi-Bulgar, Duč̣i(?)-Bulgar, Ołchondur-Bulgar und K(i)dar-Bulgar (vgl. Hunnoi Kidaritai)‘. Der syrische Übersetzer der Chronik des Zacharias von Mitylene fügt eine aus Ptolemaios geschöpfte Geographie bei (Land Anecd. Syr. III p. 327–340) und handelt über christliche Missionen zu den nördlich vom Kaukasos sesshaften B. oder Hunôjê, sowie über die der hunnischen Sprache angepasste Schriftart. In der That berichten die byzantinischen Annalisten zum J. 528 über die Taufe eines Utigurenhäuptlings Gordā oder Grod, welcher die aus Silber und Bronze gefertigten Götzen einschmolz, worauf ihn das von den Zauberpriestern aufgehetzte Volk erschlug und seinen Bruder Muger zum Chan ausrief. Die Obermacht der Awaren bei diesen Utiguroi war von kurzer Dauer; sie wich jener der eigentlich so genannten Turkoi vom Altaigebirge; im J. 570, als der Gesandte Zemarchos, wie auch im J. 575/76, als Valentinus den Türkenchan im Altai besuchten, standen die Utiguroi gleich den Alanoi unter dem Joche der [1042] Türken, Menander p. 301. 401; zuletzt aber wurden hier die vormaligen Sabiroi unter dem Namen Chazaroi allmächtig. Der Ravennate setzt ein Gebiet Onogoria über der fischreichen Maiotis am Tanaïs an; Iordanes berichtet, dass die bulgarischen Hunnuguri das Grauwerk des hohen Nordens in den Handel brachten; es sind die Onoguroi des Priscus oder Unnuguroi des Theophylactus, deren Ortschaft Ba-kath durch ein Erdbeben vernichtet wurde; ihr Name deutet sich aus türkisch On-ujghur ‚die zehn verbündeten (Stämme)‘. Im Sendschreiben des Chazarenchans Joseph wird ferner eine überaus zahlreiche unterworfene Horde Unundur erwähnt, ähnlich geformt wie die Chaïlendur oberhalb Darband, die Vełendur der armenischen Landschaft Vanand und die oben erwähnten Ołchondur. Einen ähnlichen Ausgang zeigen die von Nikephoros und Theophanes vermerkten Onogunduroi oder Unnugunduroi, welche mit den Onoguroi nicht verwechselt werden dürfen; ihre Geschichte ist mit jener der Kutriguroi innig verknüpft, und beide Stämme müssen benachbarte Sitze eingenommen haben: beide wurden von den schliesslich nach Pannonien eingerückten Awaren unterjocht. Organà, der Häuptling der Onogunduroi, knüpfte im J. 619 mit dem christlichen Byzanz innige Beziehungen an; sein Neffe Kuwrat wandte sich im J. 635 offen dem Kaiser Herakleios zu; allgemein hatten sich damals die Bulgaren und Slovenen gegen die Awaren erhoben. Von den benachbarten Kutriguroi, deren Namen verschiedene Nebenformen zeigt (Kotriguroi, Kotrageroi, Kotzageroi, bei Iordanes Cutziagiri; vgl. türk. kötrügür ‚hervorragend, berühmt‘), ist es bekannt und ausgemacht, dass sie vom Flachgebiet Tauriens an bis zu den Donaumündungen hin herumschweiften und in Raubzügen oftmals die Donau überschritten, so namentlich im J. 558 unter ihrem Häuptling Zabergan, gegen welchen Iustinianus vergeblich die ‚stammverwandten und gleichsprachigen‘ Utiguroi unter Sandilch aufbot, Menander p. 344. Eben damals gerieten beide Stämme unter das Joch der Awaren. Etwas früher (550?) hatten 12000 Kutriguroi den Gepiden Hülfe geleistet gegen die Langobarden; anderseits zogen im J. 568 Scharen von Bulgaren mit Alboin nach Italien. Im folgenden J. 569 sandte der Awarenchagan Bajan 10000 Kutriguroi über die Sawe gegen Dalmatien, wobei 40 römische Castelle zerstört wurden. Im J. 596 erlitt der General Petros eine Schlappe bei dem Donaucastell Asemos (s. Anasamus) durch 6000 Bulgaren. Zahlreiche Haufen von Hunnobulgaren neben Slovenen und Gepiden standen im Heere des Awarenchagans vor Byzanz 617–626, Georg. Pisida b. Avar. 197. 409. Doch nahmen die Aufstandsversuche gegen die Awaren immer mehr überhand; so zogen 9000 Bulgarenfamilien unter Altich im J. 630 in die fränkisch-bajovarische Creinamarca, Fredegar 72; als sie an den Winden hartnäckige Gegner fanden, zogen sie unter demselben Führer Alzeco (dies die longobardische Namensform) nach Italien und erhielten von Herzog Grimoald Sitze in der Abruzzenlandschaft Molise bei Saepianum, Bovianum und Aesernia, wo sie noch lange ihre eigene Sprechweise bewahrten, Paul. Diac. V 29. Um das J. 750 zog der Bulgare Kuwer aus der awarischen Mark Sirmium und fand eine neue Heimat [1043] im makedonischen Hochfeld Keramie (s. d., jetzt Prilip), Acta SS. Oct. IV 179. 184. Die frei gewordenen Horden der Onogunduroi und Kutriguroi haben die Geschicke der Haemushalbinsel oder Romania entscheidend dadurch beeinflusst, dass sie endlich zwischen 660–668 die untere Donau überschritten und im Haemus, woselbst seit 580 sieben slovenische Stamme hausten, das bulgarische Staatswesen begründeten; obzwar schwächer an Volkszahl, dafür jedoch politisch fest geeinigt, haben diese hunnisch-türkischen Metanasten den von ihnen unterworfenen weit zahlreicheren, aber von jeher uneinigen Slovenen sogar die nationale Benennung B. übermittelt; darum hiess die slovenische Sprache schon früh die bulgarische, vita S. Clementis c. 2; das echte und alte Idiom der herrschenden Horde war jedoch alttürkisch.

Bei Const. Porphyrog. de caerim. II 52 p. 740 sind B. und Hunnoi synonyme Ausdrücke. Ein Schriftsteller aus dem Anfang des 11. Jhdts., Leo Diaconus VI 8 p. 107, leitet die B. von den nach Moesien eingewanderten Kotragoi, Chazaroi und Chunavoi ab – Namen, die auch im griechischen Alexanderroman (Ps.-Kallisthenes ed. Meusel III 28) vorkommen. Die von Nikephoros und Theophanes überlieferte künstliche Stammsage lässt die bulgarischen Onogunduroi und Kotragoi beim Einbruch der zuerst im J. 622 erwähnten Chazaroi noch in der ‚alten grossen Bulgaria‘ am Atal, Tanaïs und Kuphis wohnen und vom kotragischen Fürsten Kubratos beherrscht sein, dessen zweiter Sohn Kotragos über den Tanaïs zog, während Kubrats dritter Sohn Asparuch, von den Chazaroi vertrieben, seinen Sitz im Onglos oder ‚Winkel‘ an den Donaumündungen nahm und zuletzt eine neue Herrschaft im Haemus begründete – und doch kennt bereits Prokopios unter Kaiser Iustinianus die Kutriguroi über den Donaumündungen! Jene Sagenklitterung erscheint auch in der eingeschobenen Stelle der armenischen Geographie: ‚Aspar hruk, Sohn des Chubra-atha, verliess, von den Chazirkḥ verdrängt, die Berge Hippika (s. d.) und nahm Sitze auf der Donauinsel Peuke, nachdem er von hier die Avaṛ vertrieben hatte‘. In einer slawischen Chronik (Zapiski der Petersburger Akad. d. Wiss. 1878, 118–161) erscheint als Ahnherr der bulgarischen Dynastie Dulo (türk. toluq, osm. dolu ‚voll, stark‘) Awi-tochol; dessen Nachfolger war Irnik (vgl. Attilas Sohn Ernach um 468); dann folgte der Usurpator Kostun aus dem Geschlechte Jermi; hierauf der Duloide Kuwrat, dann Bezmèr, endlich Jesperich (= Asparuch), welcher über den Strom setzte. Die Einwanderung des Asparuch nach Moesien und die Unterwerfung der slovenischen Stämme führte grosse Umwälzungen herbei; nach Theophylactus archiepiscopus Bulgariae (opera Venet. 1758 III p. 497) haben die B. die Bevölkerung gänzlich verschoben: die Bergbewohner wurden von ihnen ins Flachland versetzt, die Bewohner der Niederungen ins Gebirge vertrieben. Häufig empörten sich die geknechteten slovenischen Bewohner, manche wanderten nach Makedonien aus; unter den bulgarischen Herren selbst herrschten Fehden und Thronstreitigkeiten; bald zeigten sie sich als Todfeinde der Griechen, bald hielten sie fest zu Byzanz. Weiters werden in jener slawischen Chronik, sowie bei den byzantinischen Chronisten, zumal [1044] Theophanes, als bulgarische Fürsten im Haemus erwähnt: Terbelis oder Terwel (vgl. jakut. tiräbil ‚Stütze‘), neben ihm ein gewisser Kormesios oder Kormišos (türk. qurmyš ‚Besorger, Zurichter, Bogenspanner‘) aus dem Geschlechte Ukil, der im J. 716 dem Theodosios III. die schmählichen πάκτα bezüglich der Haemusgrenze abnötigte, Theophan. p. 775; dann Wichtun, dann Teletzis (jakut. täläčči ‚Eröffner‘) aus dem Geschlechte Ugaïn; hierauf regierten kurz nach einander Sewar, Umar, die Brüder Bajan und Toktos (türk. toqtaš ‚Stillstand, Ruhe‘), weiters Telerich oder Telleryg (türk. tölörüq ‚einer der sich loslöst‘?), endlich Kardamyš und der gewaltige Krum (bei Suid. Κρέμ), nach dessen Tode die Heerführer Tzok (mongol. tsok ‚Nimbus, Glanz‘), Ditzeng und Dukum auftraten, worauf Krums Sohn, der schwache Omortag (türk. jumurtagh ‚geballt, massiv, oval‘), auch Murtagon genannt, den legitimen Herrschersitz einnahm; unter ihm beginnt der Durchbruch des slovenischen Volkselementes, seine drei Söhne tragen bereits slawische Namen; sein Enkel Bogoris oder Bōris (mongol. boghori ‚niedrig, klein‘) liess sich im J. 864 von byzantinischen Mönchen taufen und erhielt den Namen Michaël; fortan erscheinen die B. als ein christliches Volk mit überwiegend slawischem Volkscharakter; das Türkentum tritt nur noch gelegentlich in einigen Personennamen hervor.

Der Titel der bulgarischen Fürsten war wie bei den Awaren χαγάνος (mongol. chaghan ‚Zerspalter, Entscheider‘ von chaghu ‚entzwei‘; fem. chaghatun türk. qatun); die Minister, sechs an der Zahl, hiessen βολιάδες, βοϊλάδες, sing. βολίας, βοϊλᾶς (vgl. türk. bojlu ‚hoch‘, bolja- ‚emporragen, zur Höhe gelangen‘; daher das slawische Lehnwort boljar, rum. bojar ‚Magnat‘); die Heerführer βαγαῗνοι (so auf Inschriften); dazu der Ausdruck für ‚Held‘ βαγατούρ (mongol. baghatur, türk. bātur, neupers. behâder); eine Hofwürde bekleidete der σαμψής, sampsis (bulgar. sančy, samǔčij von sanŭ ‚Ehre, Würde‘ = türk. san ‚Ansehen, Schätzung‘, sana- ‚schätzen, zählen‘, jakut. sanačči ‚sinnend, beratend, weise‘), ferner der ‚Blutrichter‘ κανὰρ τικεῖνος (türk. qanar ‚blutvergiessend‘ und tikin ‚junger Held‘); ein ‚Freiherr‘ hiess ταρκάνος (türk. tarkhan). In Eigennamen begegnen die türkischen Endungen -τζης (-čy), -bul (so auch jakut. für osman. -ghul) und -in (z. B. in Magotin, vgl. türk. maghut- ‚erheben, preisen‘). Zum türkischen Ursprung der alten B. stimmt auch alles, was über die Sitten und Bräuche derselben überliefert wird. Die Hauptstärke ihrer Armee bildete die Reiterei; die unterworfenen Slovenen bildeten die Avantgarde (πρόμαχοι) und den Tross; ein Rossschweif (türk. tugh) galt als Banner. Links galt wie bei den Hunnen für die Ehrenseite. Bei Gelagen tranken sich der Chagan und die Magnaten aus den Schädeln der feindlichen Heerführer Gesundheit zu. Die Männer schoren die Köpfe bis auf einige Haarflechten glatt ab; sie trugen Pelzmützen und zottige Schafpelze; die Frauen verhüllten das Gesicht und trugen Pluderhosen und um den Leib Schärpengürtel mit Schmucksachen aus Eisen, Kupfer, Glas und Bein (Tzetz. Chil. X 224–233). Vor Annahme des Christentums huldigten die B. der Sonne, dem Monde und den übrigen Sternen (Theophylact. [1045] archiepisc. III p. 497) und brachten ihren Naturgöttern Menschenopfer dar; die Utiguren verehrten Götzenbilder aus Silber und Bronze. Die Hauptnahrung bestand aus Fleisch, zumal von Rossen, und aus geronnener Milch. Die Geschichte der vom J. 864 folgenden slawo-bulgarischen Zeit liegt ausserhalb unserer Betrachtung; über die chagano-bulgarische Periode vgl. Zeuss Die Deutschen 710–727 und Tomaschek Ztschr. f. d. österr. Gymnasien 1877, 682ff. Über die Gesamtgeschichte der Bulgaren besitzen wir jetzt ein ausgezeichnetes Werk von Constantin Jireček.

Zum Schlusse sei bemerkt, dass es auch Bulgaren – offenbar ein Rest der alten Sabiroi – und eine Stadt Bulghar (wo eine gute Ledersorte erzeugt wurde, daher türkisch bulghar ‚sämisches Leder‘) im heutigen Gebiet von Kazan (türk. qazan ‚Kessel‘) zwischen der mittleren Volga und der unteren Kama gegeben hat; wir besitzen hierüber ausgezeichnete Nachrichten bei den arabischen Geographen (vgl. Frähn Mémoires der Petersburger Akad. d. Wiss. VIe série vol. 1) und in den russischen Annalen (vgl. Uwarow De Bulgarum origine et sedibus antiquissimis, Dorpat 1853); Const. Porphyrog. de adm. imp. 12 p. 81. 42 p. 180 erwähnt eine μαύρη Βουλγαρία im Hinterland der Chazaroi und Ros (an zweiter Stelle ist Συρία entweder als Μυρία d. i. das Gebiet der finnischen Mêrja oder als Μορδία d. i. Mordwa zu fassen); durch abendländische Predigermönche wurde seit 1232 eine Magna Bulgaria westlich von Bascardia erkundet; deren Bewohner heissen auch Byleri, Bular, Belar; noch verzeichnet die italienische Karte des Pizigan im J. 1367 und die Mappa Catalana im J. 1375 die Stadt Borgar, Burgar. Ein Stamm der Baškyren nennt sich noch heutzutage Bulghar, und die Wotjaken benennen einen Kazan-Tataren Biger d. i. Bülgär.