RE:Cornelius 218

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 13811384
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218) L. Cornelius Lentulus Crus wird von Dio XLI ind. als Sohn eines Publius bezeichnet. Da auch über die Herkunft des wenig älteren P. Lentulus Spinther Nr. 238 nur das mit Sicherheit bekannt ist, dass er P. f. war, so könnte man geneigt sein, Crus und Spinther für Brüder zu halten. Doch wird jede derartige Vermutung schon dadurch hinreichend widerlegt, dass Spinthers Sohn von den Rhodiern sagt (Cic. ad fam. [1382] XII 14, 3): Iidem illi, qui patrem meum, qui L. Lentulum, qui Pompeium, qui ceteros viros clarissimos non receperunt. In einem solchen Falle ist es zweifellos zulässig, aus dem Schweigen auf das Nichtvorhandensein eines näheren Verwandtschaftsverhältnisses zu schliessen. Mit dem Beinamen Crus wird L. Lentulus von Cael. ad fam. VIII 4, 1 bezeichnet, wo die Bezeichnung komisch wirken soll; obwohl der Name gewiss nur wie Sura (vgl. Nr. 240) ein Spottname war, ist er doch in die Fasten übergegangen, denn der Chronogr. bietet beim J. 705 Cruscello, las also in seiner Vorlage die von Val. Max. VI 6, 3 erhaltene Form Cruscelio (vgl. Nr. 219). Bei L. Cornelius Balbus Nr. 69 wurde bemerkt, dass dieser Gaditaner dem L. Lentulus die Empfehlung zum römischen Bürgerrecht und seinen römischen Namen verdankt zu haben scheint; ist das richtig, so muss Lentulus schon im sertorianischen Kriege unter Cn. Pompeius gedient und zu ihm in näheren Beziehungen gestanden haben. Im J. 693 = 61 war er der Hauptankläger des P. Clodius Pulcher wegen dessen berüchtigten Religionsfrevels, der Entweihung des Festes der Bona Dea (Cic. har. resp. 37. Schol. Bob. Clod. et Cur. p. 330. 336 Or. Val. Max. IV 2, 5; unrichtig ist die Angabe bei Plut. Caes. 10, 3, der Kläger sei einer der Volkstribunen gewesen). 696 = 58 war er Praetor und suchte sich für Cicero zu verwenden (Cic. ad Q. fr. I 2, 16; Pis. 77). Bei den Priesterwahlen des J. 703 = 51 bewarb er sich um die Würde eines Quindecimvirn, unterlag aber dem P. Cornelius Dolabella Nr. 141 (Cael. ad fam. VIII 4, 1). Für 705 = 49 wurde er mit C. Claudius Marcellus zum Consul gewählt (Fasti Cap. [erhalten: L. Cor.....]. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Figlina Veleias CIL I 793. Münzen bei Mommsen Münzw. 650. Cic. Phil. II 51; ad fam. VII 3, 1; ad Att. XV 3, 1. B. Alex. 68, 2. Vell. II 49, 1. Schol. Bob. p. 336. Flor. II 13, 15. Cassiod. Joseph. ant. Iud. XIV 228. 237. Dio XLI ind. 1, 1). Caesars Gegner jubelten über die Wahl, denn Lentulus war noch mehr wie Marcellus entschiedener Feind Caesars und Anhänger der Kriegspartei (Hirt. b. Gall. VIII 50, 4. Suet. Caes. 29); deshalb gab er schon als designierter Consul 704 = 50 durch seine persönliche Teilnahme dem damaligen Consul C. Marcellus, der dem Pompeius gegen die Verfassung das Imperium übertrug, seine Billigung zu erkennen (Plut. Pomp. 59, 1. Dio XL 66, 2, s. o. Bd. III S. 2735). Seine Motive und Tendenzen charakterisiert Caesar b. c. I 4, 2: Aeris alieni magnitudine et spe exercitus ac provinciarum et regum appellandorum largitionibus movetur, seque alterum fore Sullam inter suos gloriatur, ad quem summa imperii redeat (vgl. die auf Orakelsprüche gegründeten Hoffnungen des P. Lentulus Sura Nr. 240); Velleius II 49, 3 urteilt, kurz und scharf: cum Lentulus salva re publica salvus esse non posset. Man wird diesen gegnerischen Stimmen den Glauben nicht versagen dürfen, da auch Cicero ad Att. XI 6, 6 offen von den eigennützigen Absichten des Lentulus spricht (vgl. noch Nissen Histor. Ztschr. XLVI 79). Am Tage des Amtsantritts der neuen Consuln, dem 1. Jan. 705 = 49, fiel die Entscheidung; vor allen andern forderte Lentulus die unbedingte Verwerfung von [1383] Caesars Friedensvorschlägen und die Ausweisung seiner Vertreter aus dem Senat; ganz im Tone seines Vorgängers C. Marcellus erklärte er, wenn der Rat nicht ohne weiteres gegen Caesar Partei ergreife, so werde er nach seinem persönlichen Ermessen und Vorteil handeln (Caes. b. c. I 1, 2f. 5. Hirt. b. G. VIII 52, 5. Oros. VI 15, 2. Petron. 124 v. 289. Plut. Pomp. 59, 3; Caes. 29, 1. 30, 3. 31. 33, 1; Anton. 5, 3. Appian. b. c. II 32f. Dio XLI 3, 2). Es war begreiflich, dass ihm bei dieser Lage der Dinge Zeit und Lust fehlte, sich mit Ciceros Triumph zu befassen (Cic. ad fam. XVI 11, 3); bald war das gar nicht mehr möglich, da Caesar schon gegen Rom marschierte. Auf die Kunde von seinem Nahen liess Lentulus den Staatsschatz, den er dem Pompeius ausliefern wollte, im Stich (Caes. b. c. I 14, 1) und entfloh in grösster Hast (ebd. 6, 7. Suet. Caes. 34. Plut. Pomp. 61, 3; Caes. 34, 1. Appian. b. c. II 36. 37. Dio XLI 6, 2. 8, 4. 9, 1). Die Versuche des älteren Balbus, ihn zurückzuhalten, waren vergeblich gewesen (Cic. ad Att. VIII 15 A, 2); er hatte sich offenbar zu sehr compromittiert, um von Verhandlungen mit Caesar für sich etwas hoffen zu dürfen, aber den schwierigen Verhältnissen, die er selbst hatte schaffen helfen, zeigte er sich nunmehr in keiner Weise gewachsen. Cicero empfing bei persönlichen Begegnungen, in Formiae im Januar und in Capua Anfang Februar, von ihm den Eindruck, dass er vor Angst und Verwirrung völlig den Kopf verloren habe. In Capua, das zum Sammelplatz der Pompeianer ausersehen war, wollte Lentulus Caesars Gladiatoren gegen ihren Herrn aufbieten (Caes. b. c. I 10, 1. 14, 4f.; vgl. Cic. ad Att. VII 14, 2), aber weder hier, noch überhaupt in Italien war lange seines Bleibens. Als der jüngere L. Cornelius Balbus zu ihm eilte, um ihn durch lockende Versprechungen auf Caesars Seite zu ziehen, kam er zu spät (Cic. ad Att. VIII 9, 4. 11, 5. IX 6, 1). In den ersten Tagen des März waren die beiden Consuln, die, wie Cicero kurz vorher schrieb, pluma aut folio facilius moventur (ad Att. VIII 15, 2; vgl. die Ungewissheit über die Pläne des Lentulus ebd. 14, 3 und oben Bd. III S. 2737), von Pompeius mit dem grössten Teile der Truppen in Brundisium eingeschifft und nach Epirus vorausgesandt worden (Caes. b. c. I 25, 2. Plut. Cic. 38, 4; Pomp. 62, 2; Caes. 35, 1. Appian. II 39. 40. Dio XLI 12, 1). Während der Frist, die Caesars spanischer Feldzug seinen Feinden gewährte, war Lentulus in Asien und brachte hier zwei Legionen für Pompeius zusammen (Caes. b. c. III 4, 1); durch ein besonderes Decret gewährte er dabei den jüdischen Gemeinden Befreiung von der Aushebung (Joseph. ant. Iud. XIV 228. 234. 236. 238, vgl. 232). Noch vor Caesars Übergang nach Epirus vereinigte er sich wieder mit Pompeius, denn nicht nur Lucan. V 16ff. lässt ihn zu dieser Zeit auftreten und die Übertragung des Oberbefehls an Pompeius beantragen, sondern auch Dio XLI 43, 2 erwähnt die Anwesenheit beider Consuln in Thessalonike, und während der Kämpfe bei Dyrrachion machte der jüngere Balbus nochmals den Versuch, Lentulus für Caesar zu gewinnen oder vielmehr geradezu zu erkaufen (Vell. II 51, 3, vgl. Cic. ad fam. X 32. 3). Im ganzen scheint sich Lentulus bis zur Schlacht [1384] von Pharsalos nur dem Genuss (Caes. b. c. III 96, 1) und der Hoffnung auf Sieg hingegeben zu haben (vgl. Cic. ad Att. XI 6, 6). Ob er oder P. Lentulus Spinther Nr. 238 in der Schlacht einen Flügel des pompeianischen Heeres führte — nach Appian. II 76 den rechten, nach Lucan. VII 218 den linken — ist nicht zu entscheiden, aber beide entflohen zusammen mit dem Feldherrn aus der Niederlage. Lentulus Crus ging zuerst nach Rhodos, doch wurde ihm dort die Aufnahme verweigert (über beide Lentuli Cic. ad fam. XII 14, 3. Vell. II 53, 1. Plut. Pomp. 73, 4; über L. Lentulus Caes. b. c. III 102, 7); er setzte dann die Fahrt über Kypros nach Ägypten fort. Von trüben Ahnungen ergriffen landete er bei Pelusion, nur einen Tag nach der Ermordung des Pompeius; unmittelbar darauf wurde er auf Befehl des Königs Ptolemaios festgenommen und im Gefängnis getötet (Caes. b. c. III 104, 3. Val. Max. I 8, 9. Oros. VI 15, 28. Lucan. VIII 328ff. Plut. Pomp. 80, 4). Er war kein Redner, aber so oft er im Senat oder vor Gericht zu sprechen hatte, zeigte er sich ganz tüchtig (Cic. Brut. 268; vgl. har. resp. 37). Im J. 711 = 43 brachte ihn der jüngere Balbus auf die Bühne, indem er in Gades praetextam de suo itinere ad L. Lentulum procos. sollicitandum prosuit (Pollio an Cicero ad fam. X 32, 3. 5, s. o. S. 1271).

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 329–330
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218) (zu S. 1382, 65) Über die Geldklemme des Lentulus vgl. auch Cic. ad Att. VI 1, 23 vom 20. Februar 704 = 50.

(zu S. 1383, 29) Für die Begegnung des Lentulus [330] mit Cicero in Formiae vgl. noch Cic. ad. Att. VII 12, 2, für die in Capua ebd. 21, 1