RE:Daversi

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 2231–2232
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Daversi, (CIL IIID. XVI = XXIII²; Daverzus Brambach 742; Duersi Plin. III 143 [[[Theodor Mommsen|Mommsen]] und Detlefsen Daursi]; Daorsei Liv. XLV 26, 14; Δαορσοί Münzen [s. u.] und Polyb. XXXII 18, 2; Δαούρσιοι Ptol. II 16, 8; Δάρσιοι Appian. Ill. 2 Δαορθὼ . . ., ὅθεν εἰσὶ Δάρσιοι; Δαόριζοι Strab. VΙI 315), ein illyrischer Volksstamm in Dalmatien, der bereits früh unter griechischem und römischem Cultureinflusse stand. Seine Wohnsitze giebt am genauesten Strab. a. a. O. an: εἶθ’ ὁ Νάρων ποταμὸς καὶ οἱ περὶ αὐτὸν Δαόριζοι καὶ Ἀρδιαῖοι καὶ Πληραῖοι, ὧντοῖς μὲν πλησιάζει νῆσος ἡ μέλαινα Κόρκυρα καλουμένη καὶ πόλις . . . ., τοῖς δὲ Ἀρδιαίοις ἡ Φάρος, und Μετὰ δ’ οὖν τὴν τῶν Ἀρδιαίων καὶ Πληραίων παραλίαν ὁ Ῥιζονικὸς κόλπος .... Darnach wohnten die D. an der Narenta, ohne jedoch die Küste zu erreichen (Kiepert Formae orbis antiqui XVII weist ihnen irrtümlich die Halbinsel Sabioncello zu), was mit Ptolem. II 16, 8: ἐντὸς δὲ τῆς Δαλματίας Δαούρσιοι stimmt (G. Zippel Die röm. Herrschaft in Illyrien 36. 96). W. Tomascheks Angabe in den Mitt. der geogr. Gesellschaft in Wien 1880, 565, vgl. 558: ,Sie bewohnten das Thal des Trebižat, des Brócnopolje und grenzten an das Gebiet von Narona zunächst an; sie hatten aber bedeutende Strecken am linken Ufer der Narenta bis zu dem heutigen Begusa inne‘, ist zu bestimmt. Die D. gehörten zu dem Ardiaeerreiche; unter König Gentius verweigerten sie 168 v. Chr. jedoch dessen Bruder Caravantius, als er Verstärkungen gegen den Praetor L. Anicius sammelte, ihr Contingent und traten zu den Römern über. Sie erhielten dafür auf der Versammlung zu Scodra im J. 167 die Steuerfreiheit (Liv. XLV 26, 14. Mommsen R.G. II⁷ 165. Zippel 84. 98) und blieben fortan in römischer Unterthänigkeit (Tomascheks Vermutung a. a. O. 558 [vgl. Kromayer Herm. XXXIII 1898, 12, 4], dass sie sich in dem J. 34 und 33 v. Chr. erhoben haben, ist durch nichts begründet) zu ihrem Schaden, denn sie wurden von ihren Nachbarn, den freien Dalmaten bedrängt, gegen die sie wiederholt um Hülfe bitten mussten. Im J. 158 schickte der Senat endlich Gesandte ab, die sehr übel aufgenommen wurden (Polyb. XXXII 18, 2. Liv. epit. XLVII. Appian. Ill. 11. Mommsen a. a. O. Zippel 130; unter den von Zonar. IX 25 erwähnten von den Delmaten ermordeten Gesandten der römischen Bundesgenossen werden auch die der D. gemeint sein). An den nun folgenden Kriegen der Römer gegen die Delmaten (s. d.), Ardiaeer und Pleraeer (s. d.) werden wohl auch die D. teilgenommen haben. Ausdrücklich werden sie nirgends genannt. In der republicanischen und in der Kaiserzeit gehörten sie, bis auf 17 Decurien zusammengeschrumpft, dem conventus Naronitanus an (Plin. III 143. Zippel 196f.). Eine Gaugemeinde (vgl. A. Schulten Rh. Mus. L 1895, 536) dürften sie noch im 2. Jhdt. gebildet haben, da sie von Ptolemaios noch unter den dalmatinischen Stämmen angeführt werden. Es stimmt dies auch mit dem, was wir über ihren Militärdienst erfahren. Sie dienten in den dalmatinischen [2232] Cohorten sowohl wie in fremden Abteilungen, im Lande wie auch ausserhalb ihrer Heimat, Brambach 742 (vgl. Mommsen Ephem. epigr. V p. 183. 242): Annaius Pravai f. Daverzus mil. ex coh. IIII Delmatarum. CIL III D. XVI = XXIII² (vom 13. Juli 93 gef. in Salona, vgl. Mommsen CIL III p. 282. 2032; Ephem. epigr. V p. 183. 241): cohort(is) III Alpinorum....., pediti, Veneto Diti f., Davers(o). Von hervorragendem Interesse ist, dass die D. allein unter den dalmatinischen Stämmen eigenes Geld besassen, Kupfermünzen mit dem Kopfe des Hermes auf dem Avers und der Aufschrift ΔΑΟΡΣΩΝ nebst einer Lembe auf dem Revers; nach J. Brunšmid Die Inschriften und Münzen der griech. Städte Dalmatiens 74f. wurden sie nach 168 v. Chr. geprägt.