RE:Domitius 91

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Domitia Tante des Kaisers Nero
Band V,1 (1903) Sp. 15091510
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91) Domitia, Tante des Kaisers Nero, eine Schwester von Neros Vater Cn. Domitius Ahenobarbus Nr. 25, also eine Tochter des L. Domitius [1510] Ahenobarbus, des Consul ordinarius im J. 738 = 16 (Nr. 28), und der älteren (Tac. ann. IV 44. XII 64 ist zu berichtigen nach Suet. Cal. 1; Claud. I; Nero 5; auch Plut. Ant. 87 ist sie zuerst genannt; vgl. Drumann-Groebe Gesch. Roms I 382, 12) Antonia (Quintil. VI 1, 50. Tac. ann. XIII 19. Dio ep. LXI 17, 1. Schol. Iuven. 4, 81; ohne genannt zu sein Tac. ann. XIII 27. Suet. Nero 34; irrtümlich wird sie Dig. XII 4, 3, 5 als Tochter Neros bezeichnet). Sie heiratete den berühmten Redner C. Passienus Crispus, der sie in einem Geldprocess gegen ihren Bruder vertrat, Quintil. VI 1, 50. 3, 74, und den ihr später (Iulia) Agrippina, die Mutter Neros, abwendig machte, Schol. Iuven, a. a. O. Dadurch entstand bittere Feindschaft zwischen den beiden Frauen, die auch noch lange nach Crispus Tode fortdauerte. So wurden im J. 55 n. Chr. von D.s Freigelassenen, und zwar von ihrem Buhlen Atimetus und dem Tänzer (L. Domitius) Paris, schwere Anklagen gegen Agrippina, freilich erfolglos, vorgebracht, Tac. ann. XIII 19–22. Bald nachher (56 n. Chr.?) wurde derselbe Paris durch die auf Befehl Neros erfolgte Ingenuitätserklärung der D. gänzlich entzogen, Tac. ann. XIII 27. Dig. a. a. O. In hohem Alter wurde sie (wahrscheinlich im J. 59 n. Chr.), als sie schwerkrank darniederlag, auf Befehl Neros vergiftet, da es den Kaiser nach ihren Gütern gelüstete (Suet. a. a. O. Dio a. a. O. Eusebios bei Hieron. a. Abr. 2074 = 57 und bei Syncell. 636, 8). D. hatte nämlich reiche Besitzungen in Baiae und in Ravenna (Dio ep. LXI 17, 2. Tac. ann. XIII 21; auf ihren Reichtum wird auch angespielt Quintil. VI 1, 50; dabei wird aber auch ihre Knauserei verspottet von Iunius Bassus bei Quintil. VI 3, 74), und wahrscheinlich gehörten zu ihrem Besitz auch die horti Domitiae in Rom jenseits des Tiber, wo später das Grabmal Hadrians errichtet wurde, Hist. Aug. Pius 5, 1; Aurel. 49, 1. Curiosum et Notitia urbis reg. XIII (Transtiberim) bei Jordan Topogr. d. Stadt Rom II 565. Dies wird wahrscheinlich gemacht durch den Fund eines Bruchstückes einer Wasserleitungsröhre mit dem Namen ihres Gatten: [C]rispi Passieni; vgl. Lanciani Bull. com. XVII 173-178 und 212. Homo Mélanges d’arch. et d’hist. XIX 120. Richter Topogr. d. Stadt Rom² 278f.