RE:Eleuthera 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 23442345
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2) Ἐλευθέρα. Die kleinasiatische mütterliche Göttin mit den zahlreichen Brüsten, welche in Ephesos als Artemis Ephesia, an andern Orten als Leukophryene, Astyrene und unter sonstigen Namen verehrt wurde, hieß in Lykien E. Sie ist nachweisbar an folgenden lykischen Orten: 1. Kyaneai, wo E. für die Archegetis gilt, CIG 4303 h 1 add.; daß Ἐλευθέρα die richtige Form ist, sah schon K. Keil Philol. XXIII 621. Ihr Bild auf Münzen von Kyaneai gleicht der Artemis Ephesia, Catal. Brit. Mus., Lycia p. 57 pl. XII 9. 2. Myra: E. gleichfalls als Archegetis verehrt, und zwar mit großer πανηγυρίς und Agonen. Vgl. die Inschriften aus Sura, Petersen und v. Luschan Reisen in Lykien, Milyas und Kibyratis 45 nr. 82, ferner aus Rhodiapolis, ebd. 111 Col. XIII C; 114 Col. XVIII F. XIX A. Ihr Bild auf Münzen von Myra, gleich der ephesischen Artemis, Catal. Brit. Mus., Lycia p. 71 pl. XV 7. 3. Antiphellos: Weihinschrift, Petersen-v. Luschan a. a. O. 117 nr. 62. 4. Eleutherai: dieser lykische Ort sollte seinen Namen haben von einer Nymphe E. (Steph. Byz.), d. i. selbstverständlich eine Hypostase der Göttin. 5. Ereuates: der Ort hatte nach Steph. Byz. seinen Namen ἀπὸ Ἐρεύας τῆς καὶ Ἐλευθέρας, d. h. man bezeichnete hier die mütterliche Göttin bald mit ihrem allgemein [2353] lykischen Namen, bald mit einem Lokalnamen; Meinekes Änderung ἀπὸ Ἐρεύας τῆς ⟨Ἀπόλλωνος⟩ καὶ Ἐλευθέρας ist nicht nötig.

Daß E. in ganz Lykien verehrt wurde, deutet auch Artemidor oneir. II 35 an, welcher sie schon richtig mit Artemis Ephesia und Pergaia zusammenstellt. Hier erscheint E. als eine Epiklesis der Artemis; die Inschriften bieten dagegen E. durchweg als selbständigen Namen. Daß man der alten mütterlichen Göttin den Namen E. nach einem lykischen Freiheitskampfe, in dem sie ihrem Volke beigestanden haben sollte, gegeben hat, ist eine naheliegende Vermutung; vielleicht spielt aber auch Asylrecht hinein. Vgl. Keil a. a. O. Usener Götternamen 372.