RE:Eutychides 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 1532–1533
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2) Eutychides von Sikyon, der bedeutendste Schüler des Lysippos, zugleich als Erzbildner, Bildhauer und Maler tätig. Dem bei Plinius in der chronologischen Tabelle XXXIV 51 überlieferten Zeitansatz auf Ol. 121 liegt wahrscheinlich das Datum der Aufstellung seines berühmtesten Werkes, der Tyche, d. h. der Schutzgöttin der im J. 300 (Ol. 119, 2) gegründeten Stadt Antiocheia am Orontes zu Grunde. Ein solcher Auftrag setzt voraus, daß E. damals schon ein berühmter Künstler war, und da es weder glaubwürdig bezeugt noch wahrscheinlich ist, daß sein Lehrer Lysippos Alexander d. Gr. lange überlebt hat (s. W. Hyde De Olympionicarum statuis a Pausania commemoratis 26f.), so wird man den Anfang der künstlerischen Tätigkeit des E. in die Zeit zwischen 330 und 320 hinaufzurücken haben. Die Statue der Tyche (Paus. VI 2, 6) war ein Erzbild (Joh. Malalas p. 200 Bonn.; vgl. Friederichs-Wolters Bausteine nr. 1396. Förster Arch. Jahrb. XII 1897, 145) von kolossalen Dimensionen. Nachbildungen sind von E. Q. Visconti Mus. Pio-Clem. III Taf. 46 sowohl auf Seleukidenmünzen als in einer aus Cavaceppis Besitz in den Vatikan gelangten Statuette (Helbig Führer² nr. 382. Brunn-Bruckmann Denkm. griech. u. röm. Sculptur nr. 154) nachgewiesen worden. Dazu kommen noch zahlreiche andere Kopien in Marmor, Bronze und Silber (s. die Aufzählung bei Förster a. O. 148, 216. Amelung Führer durch d. Ant. in Florenz 261. 262. P. Gardner Journ. Hell. Stud. IX 1888, 75ff. pl. V). Eine Kopie, wie es scheint in großen Dimensionen, wenn auch kaum in der Größe des Originals, wurde unter Traian an der Porticus des [1533] Theaters von Antiocheia aufgestellt (Joh. Malalas p. 276 Bonn.). Die Göttin saß in vornehm lässiger Haltung auf einem Felsen, auf dem Haupt die Mauerkrone (an dem vatikanischen Exemplar ist der Kopf nicht zugehörig), in der Hand ein Ährenbündel, zu ihren Füssen den Flußgott Orontes. Ein ähnlicher Versuch, die Landschaft plastisch zu verkörpern, scheint das von Plinius XXXIV 78 erwähnte Erzbild des Eurotas gewesen zu sein, ein Werk von so weichen Formen, daß es Plinius wahrscheinlich nach einem auch von Philippos nachgeahmten Epigramm (Anth. Pal. IX 78) flüssiger als Wasser nennt. Eine Statue in der Galleria lapidaria des Vatikan (Röm. Mitt. VIII Taf. V. VI), bei der Preger (Röm. Mitt. a. O. 189ff.) an den Orontes dachte, ist Förster (a. O. 149) nicht abgeneigt, für den Eurotas zu halten. Daß dieser stehend oder richtiger schreitend dargestellt war, scheint aus dem κωμάζειν des Epigramms hervorzugehen. Nicht streng zu erweisen, aber sehr bestechend ist die Hypothese von Kabbadias, daß die wahrscheinlich von Demetrios Poliorketes für seinen Seesieg bei Salamis im J. 306 geweihte Nike von Samothrake (Brunn-Bruckmann nr. 85) ein Werk des E. sei (Bull. d. Inst. 1879, 4; vgl. Benndorf Samothrake II 86). Von Erzstatuen nennt Pausanias VI 2, 6 noch die des Olympioniken Timosthenes (Hyde De Olympion. stat. nr. 15), von Marmorwerken Plinius einen im Besitz des Asinius Pollio befindlichen Dionysos (XXXVI 41), von Gemälden nennt er nur ein von einer Nike geleitetes Zweigespann, ohne Zweifel ein Weihgeschenk für einen Wagensieg (XXXV 141). Studniczka (Verhandl. d. XLII. Philol.-Vers. 1893, 93; Arch. Jahrb. IX 1894, 211) hat die Vermutung ausgesprochen, daß der unter der falschen Bezeichnung Alexander-Sarkophag berühmte Sarkophag des Abdolonymos aus Saida ein Werk des E. sei (Hamdi Bei et Th. Reinach Nécrop. de Sidon pl. 23ff. p. 272ff.). Ein Schüler des E. war der als Verfertiger von Olympionikenstatuen bekannte Kantharos von Sikyon (Paus. VI 3, 6. 17, 7. Plin. XXXIV 85). Brunn Künstlergesch. I 411. 433. II 157. Overbeck Plastik II⁴ 172ff. Murray Sculpt. II 354. Collignon Sculpt. II 485ff. Förster Arch. Jahrb. XII 1897, 113. 145f.