RE:Demetrios 33

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 27692792
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Demetrios I. Poliorketes in der Wikipedia
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33) Mit dem Beinamen Poliorketes, Sohn des Antigonos (Bd. I S. 2406 Nr. 3) und der Stratonike (Plut. Demetr. 2; die hier angeführte abweichende Tradition, dass er der Neffe des Antigonos gewesen sei, verdient keinen Glauben), war um das J. 336 v. Chr. geboren. Es ergiebt sich diese Zeitbestimmung aus Diodor XIX 69, 1 (aus derselben Quelle, Hieronymos, stammen App. Syr. 54 und Plut. Demetr. 5, der aber seine Quelle nicht ganz genau wiedergiebt), wonach D. im Winter 314/3 22 Jahre alt war; im wesentlichen stimmt damit auch, dass er nach Plut. Demetr. 52 und Euseb. I 247, 25 im Alter von 54 Jahren gestorben ist; vgl. unten S. 2792. D. befand sich bei seinem Vater, als dieser vor Perdikkas zu Antipatros floh, und wurde wahrscheinlich noch vor dem im J. 319 erfolgten Tode des Antipatros mit dessen Tochter Phila vermählt. Sein erstes Commando bekleidete D. während der Schlacht in Paraitakene gegen Eumenes (Ende 317 v. Chr.); in der Entscheidungsschlacht wider diesen (Anfang 316) befehligte er den rechten Flügel des Antigonos (Diod. XIX 294, 40, 1); nach derselben verwandte er sich vergeblich für das Leben des gefangenen Gegners (Plut. Eum. 18). Die erste ganz selbständige Stellung erhielt er im Winter 314/3, als er von seinem Vater, der selbst nach der Eroberung der phönicischen Küste sich nach Kleinasien wandte, um Kassandros zu bekriegen, in Syrien zurückgelassen wurde, mit dem Auftrage, einen etwaigen Angriff des Ptolemaios abzuwehren (Diod. XIX 69, 1). Er scheint das J. 313 in dem syrisch-phönicischen Gebiete zugebracht zu haben; und erst im Frühjahr 312 kam es zu dem von Antigonos erwarteten Zusammenstoss mit Ptolemaios bei Gaza (Diod. XIX 80ff. Plut. Demetr. 5. Euseb. I 249. Syncell. 506. Trog. prol. 15. Iust. XV 1, 6ff.; über die bei Diodor und Eusebios sich findende Bezeichnung des Ortes als Alt-Gaza vgl. Stark Gaza u. d. philist. Küste 351f.). Die Zeit der Schlacht ergiebt sich sowohl im allgemeinen aus dem Zusammenhange der Chronologie jener Jahre (vgl. Art. Antigonos Bd. I S. 2409f.) wie insbesondere aus der Bemerkung Diodors XIX 80, 5: μεταπεμψάμενος ἐκ τῆς χειμασίας στρατιώτας und der Notiz bei Jos. c. Ap. I 184, dass sie im elften Jahre nach [2770] dem Tode Alexanders, d. h. also bis zum Juni 312, erfolgt sei; irrig wird dies dann weiter (nach Kastor) schon als 117. Olympiade bezeichnet, deren erstes Jahr erst mit der zweiten Hälfte 312 begann, ebenso setzt auch Diodor die Schlacht unter das Archontat des Polemon (Ol. 117, 1). Im Widerspruch mit der hier gegebenen Zeitbestimmung scheint der Beginn der seleukidischen Aera zu stehen, der nach neueren assyriologischen Berechnungen von Eppirg und Strassmaier in den Frühling 311 gesetzt wird, also ungefähr ein Jahr später als der hier für die Schlacht bei Gaza angenommene Termin; doch wissen wir nicht, welches Ereignis unmittelbar als Grundlage für den Anfang dieser Aera gedient hat. D. war auf den Angriff seiner Gegner, Ptolemaios und Seleukos, wohl vorbereitet und hatte seine Streitkräfte an der südlichen Grenze seines Machtgebietes zusammengezogen; er nahm, trotz der Abmahnung seiner Ratgeber (Diod. XIX 81, 1), die ihm von den Feinden angebotene Schlacht an. Er hoffte, nach dem Vorbilde der Alexandersiege, durch einen energischen Reiterangriff auf dem von ihm selbst befehligten (linken) Flügel, der durch das Vordringen der Elefanten verstärkt werden sollte, die Schlacht zu entscheiden; indessen die klugen Vorkehrungen der Gegner, die insbesondere den Angriff der Elefanten völlig zum Scheitern brachten, führten eine völlige, mit sehr beträchtlichen Verlusten verbundene Niederlage des D. herbei. Gaza selbst fiel in die Hände der Feinde, D. entkam nach Azotos (Asdod) und begab sich mit den Trümmern seines Heeres nach Tripolis, von wo aus er neue Truppen aus Kilikien zusammenzog und zugleich seinen Vater um Verstärkung bat. Die phönicische Küste geriet in die Gewalt des Ptolemaios (Diod. XIX 86). Noch bedeutender aber war eine andere Folge der Schlacht; Seleukos wurde es ermöglicht, Babylon, dessen Satrap Python bei Gaza gefallen war, wiederzugewinnen und dadurch den Grund zu seiner Herrschaft über die östlichen Länder zu legen. Die Politik der Gegner des Antigonos, insbesondere des Ptolemaios, die gegenüber den von jenem vertretenen Einheitsplänen das selbständige Besitzrecht der einzelnen Machthaber in den verschiedenen von ihnen occupierten Teilen des Reiches (τὰ μέρη τῆς δορικτήτου χώρας, Diod. XIX 85, 3. 105, 4) verfochten, hatte einen grossen kriegerischen Erfolg gewonnen. D. aber liess sich nicht entmutigen; es gelang ihm, einem Feldherrn des Ptolemaios, Killes, im nördlichen Syrien (bei einem Myus genannten Orte) eine Niederlage beizubringen, und so wenigstens dieses Gebiet zu behaupten (Diod. XIX 93. Plut. Dem. 6. Paus. I 6, 5). Als dann Antigonos selbst mit einem bedeutenden Heere in Syrien erschien, trat Ptolemaios seinen Rückzug nach Ägypten an, nachdem er mehrere feste Punkte in dem südlichen Teile des syrisch-phönicischen Landes zerstört hatte; Antigonos gewann so das gesamte Küstengebiet wieder (Diod. XIX 93, 5ff. Plut. a. O.; vgl. auch Joseph. ant. XII 7). D. erhielt nun von seinem Vater den Auftrag, nach dem Scheitern einer andern von Antigonos ausgerüsteten Expedition unter Athenaios, selbst gegen die Nabataeer, deren Unterwerfung für einen späteren Angriff auf Ägypten von besonderer Wichtigkeit war, zu ziehen. Indessen [2771] hatte auch dieses Unternehmen (von dem wir nicht genau bestimmen können, ob es noch in das J. 312 fällt oder schon zu 311 gehört) nicht den gewünschten Erfolg. D. traf ein Abkommen mit den Nabataeern, das die Billigung seines Vaters zwar nicht erhielt, aber doch vorläufig thatsächlich von ihm anerkannt werden musste (Diod. XIX 94–97. Plut. Demetr. 7). Es kam dem Antigonos, der schon damals, wie einige auf Hieronymos zurückgehende Notizen (Diod. XIX 93, 4 und namentlich 100, 1) beweisen, nach der Erwerbung der Königswürde trachtete, vor allem zunächst darauf an, sich seines neuen Rivalen im Osten, des Seleukos, zu entledigen, und er sandte deshalb seinen Sohn D. von Damaskos aus gegen Babylon. Während Seleukos um die Herrschaft über die östlichen Länder kämpfte, gewann D. die vom Feldherrn des Seleukos, Patrokles, verlassene Stadt Babylon, eroberte die eine der beiden Burgen und kehrte dann, nachdem er zur Belagerung der andern Burg eine Truppenabteilung zurückgelassen hatte, nach Syrien zurück. Die Art, wie er seinem Heere freie Plünderung der Stadt gewährte, war nicht geeignet, ihm die Sympathien der babylonischen Bevölkerung zu gewinnen, und D. zeigte bereits damals, wie wenig er zu wirklich politischer Wirksamkeit befähigt war, wie wenig er als ein Mann, der im Augenblick und für den Augenblick lebte, mit staatsmännischem Geiste für die Zukunft zu wirken verstand (Diod. XIX 100, 4ff. Plut. Demetr. 7). Bald darauf (im J. 311) kam es zwischen Antigonos einerseits, Ptolemaios, Lysimachos und Kassandros andrerseits zu einem Frieden (Diod. XIX 105, 1), dessen Bestimmungen an sich wenig Gewähr für eine längere Dauer boten (vgl. Bd. I S. 2410), und der wahrscheinlich auch von den Beteiligten von vornherein nur als ein Mittel, Zeit und Raum für die Verfolgung der eigenen Machtpläne zu gewinnen, betrachtet wurde und dem Antigonos wohl besonders dazu dienen sollte, durch Isolierung des Seleukos die Möglichkeit zur Wiedererwerbung der Herrschaft in den östlichen Landschaften zu erhalten. Dies gelang ihm aber jedenfalls nicht; Seleukos scheint ohne grosse Schwierigkeiten wieder Herr von Babylon geworden zu sein (die Annahme von Droysen, dass es in Babylonien zu einem förmlichen Kriege zwischen Antigonos und Seleukos gekommen sei, ist nicht haltbar; das von Polyaen IV 9, 1 erzählte Strategem, das Droysen hierauf beziehen möchte, geht vielleicht auf den Kampf des Seleukos mit Nikanor (Diod. XIX 92, 3f.), und wahrscheinlich trugen die Erfolge des Seleukos vor allem dazu bei, dass der Krieg, wie es scheint, durch Beginn der Feindseligkeiten von seiten des Ptolemaios, bald wieder eröffnet wurde. Dieser warf sich jetzt namentlich als Anwalt der griechischen Freiheit auf und suchte in dieser Richtung die Politik des Antigonos noch zu überbieten. Unter dem Vorwande, dass Antigonos in verschiedenen griechischen Städten Besatzungen unterhalte, sandte er seinen Feldherrn Leonidas nach Kilikia Tracheotis und gewann die Städte dieser Landschaft (wohl im J. 310) und knüpfte zugleich mit den dem Machtbereiche des Kassandros und Lysimachos angehörigen Städten an (Diod. XX 19, 3f.), nachdem die Sache des Antigonos in Griechenland [2772] durch den Abfall seines Neffen Ptolemaios schon grosse Schädigung erlitten hatte. Die Eroberungen in Kilikien wurden allerdings dem ägyptischen Machthaber durch einen kurzen und erfolgreichen Feldzug des D. wieder entrissen (Diod. XX 19, 5), aber im folgenden Jahre, 309, dehnte Ptolemaios seine Macht im südwestlichen Kleinasien durch Eroberung wichtiger Städte, wie Phaselis und Xanthos, aus, während Halikarnassos noch durch rechtzeitige Dazwischenkunft des D. gerettet wurde (Diod. XX 27, 1f. Plut. Demetr. 7 z. E.). Nachdem der ägyptische Herrscher den von Antigonos abgefallenen Ptolemaios zunächst für sich gewonnen, dann aus dem Wege geräumt und durch dessen Heer seine eigenen Streitkräfte vermehrt hatte, segelte er im J. 308 nach Griechenland, setzte sich hier, infolge von Abtretung seitens der Witwe Alexanders, Kratesipolis (vgl. Bd. I S. 1435 Nr. 13), in den Besitz von Sikyon und Korinth (Diod. XX 37, 1. Polyaen. VIII 58. Droysen Hell. II 2, 86) und suchte, wie es scheint, an die philippischen Traditionen anknüpfend, unter seiner Hegemonie einen neuen korinthischen Bund zur Befreiung der Hellenen ins Leben zu rufen (Diod. XX 37, 2. Suid. s. Δημήτριος. Köhler S.-Ber. Akad. Berl. 1891, 209); doch, da er hierin bei den peloponnesischen Griechen selbst wenig Unterstützung fand, gab er den Plan auf, indem er mit Kassandros einen Vertrag schloss, der im wesentlichen den gegenseitigen Besitzstand sicherte (Diod. a. O. Plut. Demetr. 15. Suid. a. O.) und kehrte nach Ägypten zurück. Diese grossen Fortschritte des Ptolemaios in den hellenischen Gebieten und die neugeschlossene Verbindung mit Kassandros bewogen nun den Antigonos, seinen Sohn D. mit bedeutenden Streitkräften und beträchtlichen finanziellen Mitteln nach Hellas zu senden, ‚um die hellenischen Städte, vor allem Athen, zu befreien‘ (Diod. XX 45, 1. Plut. Demetr. 8. CIA IV 264 d. Dittenberger Syll.² 173). D. erschien im Frühsommer (Ende Thargelion, Plut. Demetr. 8) vor dem Hafen Peiraieus und liess durch einen Herold verkünden, dass sein Vater ihn gesandt habe, um den Athenern Freiheit zu bringen und die ‚väterliche‘ Verfassung, d. h. die volle Demokratie, wiederzugeben. Demetrios von Phaleron räumte den Peiraieus und schloss am folgenden Tage einen Vertrag mit D., demzufolge er diesem, unter Ausbedingung freien Geleites für seine eigene Person, die Stadt überantwortete (Diod. XX 45, 1ff. Plut. Demetr. 8. Polyaen. IV 7, 6). Nur Munychia wurde noch von der Besatzung des Kassandros gehalten. D. zog nun zuerst gegen Megara, das wahrscheinlich von Ptolemaios dem Kassandros überlassen worden war, gewann dieses, sogleich bei Beginn des Archontates des Anaxikrates, also im Juli oder August 307, und gab ihm auf Bitten der Athener die Freiheit (Philochor. frg. 144. Plut. Demetr. 9. Diog. Laert. II 115; von Diod. XX 46, 3 nicht an ganz richtiger Stelle erwähnt; vgl. auch Hicks Gr. hist. inscr. 144. Le Bas II 31f.), dann wandte er sich zum Angriff auf Munychia, das nach kurzer tapferer Verteidigung in seine Hände fiel (Diod. XX 45, 5ff. Suid. s. Δημήτριος. Plut. a. O. CIA IV 252 d.). Die Befestigungen von Munychia wurden geschleift und die Athener erhielten die volle Freiheit, von ihren früheren auswärtigen Besitzungen wurde ihnen [2773] Imbros zurückgegeben, die Einrichtungen des Kassandros und des Phalereers Demetrios wurden beseitigt, die Demokratie hergestellt, die Gegner der demokratischen Verfassung, vor allem Demetrios von Phaleron selbst, angeklagt und verurteilt (Philoch. frg. 144. Diog. Laert. V 77). Auch die Befreiung von Chalkis, das von der unter einem Befehlshaber des Ptolemaios, des Neffen des Antigonos, stehenden Besatzung geräumt wurde (CIA II 266 = Dittenberger Syll.² 184. Hicks Gr. Hist. Inscr. 141), war ein Vorteil für die Athener. Besonders charakteristisch waren die Ehren, die das athenische Volk für den berühmten Redner Lykurgos, den Vorkämpfer für die athenische Freiheit gegen die makedonische Herrschaft, decretierte (Vit. X orat. 852. CIA II 240. Hicks Gr. hist. inscr. 145. Dittenberger Syll.² 168), und das Gesetz des Sophokles gegen die Philosophenschulen, wodurch Theophrastos, das Haupt der peripatetischen Schule, aus Athen verbannt wurde (Diog. Laert. V 38. Athen. XIII 610 e. f. Poll. IX 42. Sauppe Or. att. II 341). Dieses Gesetz war allerdings besonders auf die Peripatetiker, die Freunde des Kassandros und des Phalereers Demetrios, gemünzt, aber doch nicht so ausschliesslich, wie v. Wilamowitz Phil. Unters. IV 194ff. meint, sondern hatte zugleich eine allgemeine Richtung gegen die (damals massgebenden) philosophischen Schulen überhaupt, die der Demokratie, ihren religiösen und politischen Grundlagen wenig günstig waren (vgl. namentlich Athen. a. O. Alexis frg. 94 Kock. Athen. XI 509). Wenn auch diese wie andere Acte nicht frei waren von den Übertreibungen, die für jede Restaurationspolitik bezeichnend sind, so entsprechen sie doch der traditionellen, historischen Richtung der attischen Demokratie und haben eine gewisse Analogie in dem Verfahren, das die Athener nach der Herstellung ihrer Demokratie gegen Sokrates einschlugen. D. billigte, wie es scheint, jene Massregeln der attischen Demokratie, nicht blos das Gesetz des Sophokles, das ja vor allem seine politischen Gegner, die Anhänger des Kassandros, traf (vergeblich sucht v. Wilamowitz a. O. diesen aus den Spuren unserer Überlieferung sich ergebenden Schluss zu bestreiten), sondern auch das Ehrendecret für Lykurgos, den alten Gegner Alexanders, wie dies der Name des Antragstellers, Stratokles, des eifrigsten Anhängers des D., wahrscheinlich macht. So wenig nun zu bezweifeln ist, dass D. von Bewunderung für Athen erfüllt war und die Athener aufrichtig liebte, so kam doch in seinem Verhalten nicht dieses Moment allein (das v. Wilamowitz a. O. 187f. zu einseitig betont) zur Geltung, es war nicht ausschliessliche Gefühlspolitik, die ihn bestimmte; er handelte vor allem im Auftrage seines Vaters, der nicht geneigt war, blos Cult mit der grossen Vergangenheit Athens zu treiben. Dieser sah in der Parteinahme der Athener eine wichtige Reclame für seine politische Machtstellung (Plut. Demetr. 8; apophth. Antig. 16 p. 182 e) und erkannte die Bedeutung, die Athen doch immer noch für die Erwerbung oder Behauptung der Herrschaft zur See hatte. Das Versprechen, den Athenern 150 000 Scheffel Getreide und vor allem Holz zum Bau von 100 Schiffen zu liefern (Plut. Demetr. 10. Diod. XX 46, 4; hierauf bezieht sich das Fragment [2774] eines athenischen Volksbeschlusses aus dem Ende des J. 307, CIA II 238; vgl. Koehler Hermes V 349ff.), ging nicht blos aus der Absicht, den Athenern eine Wohlthat zu erweisen, hervor, sondern diente zugleich dem Interesse des Antigonos, indem es die Stadt widerstandsfähiger gegen ihre Feinde, die zugleich die des Antigonos waren, machen und diesem eine wirksamere Unterstützung zur See von seiten der Athener ermöglichen sollte. Die Herstellung der ‚Volksfreiheit‘ in Athen verband sich nun mit den überschwenglichsten Ehren für die ‚Retter und Befreier‘ D. und Antigonos (Diod. XX 46, 1–3. Plut. Demetr. 10). Ihre vergoldeten Bildsäulen sollten bei denen des Harmodios und Aristogeiton aufgestellt, ihnen als den Soteren ein Altar errichtet, jährlich Wettspiele, feierliche Züge und Opfer zu ihren Ehren veranstaltet, also ein förmlicher Cult für sie begründet werden; die beiden Herrscher wurden in die Zahl der eponymen Heroen Athens aufgenommen, indem zu den zehn Phylen zwei neue, Antigonis und Demetrias, hinzugefügt wurden (doch wohl noch nicht im J. 307; vgl. Koehler zu CIA II 238). Der Gedanke der Vergötterung lebender Regenten hatte seit Alexander schon grosse Fortschritte gemacht und bot jetzt dem ‚freien‘ Volk von Athen eine geeignete Grundlage, sich in Schmeicheleien gegen die Machthaber, denen es seine Befreiung verdankte, zu überbieten. Auch mit dem Namen des Königtums wurden damals Antigonos und D. zuerst von den Athenern bezeichnet (diese Nachricht Plutarchs, Demetr. 10, wird durch das schon erwähnte Inschriftfragment CIA II 238 bestätigt, dagegen beruhen die Notizen bei Plut. a. O. 10 und 12, dass die Athener den Archon Eponymos durch einen eponymen Priester der Soteren ersetzt und den Monat Munychion Demetrion, einen bestimmten Tag Demetrias genannt hätten, auf Missverständnis oder Übertreibung; vgl. Kirchhoff Herm. II 161ff. CIA II 247. 263 mit der Bemerkung Koehlers p. 126).

D. erhielt, nachdem er eine Zeit lang in Athen verweilt hatte, von seinem Vater den Auftrag, eine Versammlung der verbündeten hellenischen Städte zu berufen, um über die gemeinsamen hellenischen Angelegenheiten Beschlüsse zu fassen, also den Versuch zur Bildung eines neuen hellenischen Bundes zu machen (Diod. XX 46, 5), und dann mit seinen Streitkräften nach Kypros zu segeln, um diese wichtige Insel, die ganz in den Besitz des Ptolemaios geraten war, diesem wieder zu entreissen. D. machte sich, nachdem er vergebens versucht hatte, Leonidas, den Strategen des Ptolemaios, zur Befreiung von Korinth und Sikyon von den ägyptischen Besatzungen zu veranlassen (Plut. Demetr. 15 Anf. Koehler S.-Ber. Akad. Berl. 1891, 209), wahrscheinlich im Frühjahr 306, auf, um den Befehl seines Vaters auszuführen. Ich habe früher (Bd. I S. 2411) dieses Unternehmen noch 307 angesetzt, halte es aber jetzt für richtiger, es in das J. 306 zu verlegen, da die Darstellung Plutarchs Demetr. 14f. einen etwas längeren Aufenthalt des D. in Griechenland anzudeuten scheint und Pausanias in seinem allerdings unendlich flüchtigen und dürftigen Auszuge I 6, 6 sagt: διελθόντoς δὲ τoῦ χειμῶνoς Δημήτριος πλεύσας ἐς Κύπρον u. s. w. Es geht [2775] um so weniger an, den Seesieg bei Salamis noch im J. 307 unterzubringen, da nach Diod. XX 47, 7f. zwischen dem Siege des D. über Menelaos und der Ankunft des Ptolemaios einige Zeit verflossen zu sein scheint. D. segelte zunächst nach Kilikien, wo er sich durch Schiffe und Mannschaften verstärkte, und von da nach Kypros. Nach Einnahme einiger kleinerer Plätze besiegte er den Feldherrn des Ptolemaios, Menelaos, bei Salamis und wandte sich dann dazu, diese Stadt zu Wasser und zu Lande zu belagern, wobei er zuerst seine berühmten Belagerungsmaschinen, namentlich die Helepolis, zur Anwendung brachte (Diod. XX 48). Unterdessen erschien nun Ptolemaios selbst mit einer ansehnlichen Flotte. Sein Versuch, in den Hafen von Salamis einzudringen und sich mit der Flotte des Menelaos zu vereinigen, wurde durch die Aufstellung des D. gehindert. So kam es zur Seeschlacht bei Salamis, die mit einem völligen Siege des D. endete. Die Entscheidung wurde hauptsächlich durch den von D. selbst befehligten, besonders starken linken Flügel herbeigeführt. Ptolemaios, der auf seinem linken Flügel siegreich gewesen war, wagte den Kampf gegen die jetzt überlegenen Feinde nicht mehr aufzunehmen, sondern wandte sich nach Kition und von da nach Ägypten zurück. Die Schiffe des Menelaos, denen es gelungen war, die Ausfahrt aus dem Hafen von Salamis zu erzwingen, kamen, als die Entscheidung bereits gefallen war. Die ägyptische Macht vermochte sich nun auf Kypros nicht mehr zu behaupten, die ganze Insel geriet in die Gewalt des D. (Diod. XX 49–52. Plut. Demetr. 16; der abweichende Bericht Polyaens IV 7, 7 kann gegenüber der Darstellung Diodors nicht in Betracht kommen). Besonders wichtig wurde der Seesieg bei Salamis dadurch, dass Antigonos jetzt den schon lange gehegten Plan, die Königswürde anzunehmen, zur Ausführung brachte; er nahm das Diadem und gab zugleich seinem Sohn D. Anteil an der Ehre des königlichen Namens (Diod. XX 53, 2. Iust. XV 2, 10. App. Syr. 54. Plut. Demetr. 17f. in einer anekdotisch zugespitzten Darstellung, die wohl auf Duris zurückgeht). D. galt also bereits als Mitregent seines Vaters; die bei Euseb. I 247 sich findende, von v. Wilamowitz Phil. Unters. IV 261, 14 angenommene Nachricht von einer zweijährigen Mitregentschaft ist unhaltbar). Antigonos sah sich jetzt als den Nachfolger Alexanders an; die von ihm damals gegründete Stadt Antigoneia am Orontes sollte die Hauptstadt seines Reiches werden. Auch die Münzprägung ist jedenfalls jetzt in seinem Namen und kraft seiner königlichen Autorität erfolgt, wenngleich die Münzen, die den Namen des Königs Antigonos tragen, selten sind, namentlich in Asien, dem Hauptgebiete seiner Herrschaft. Six Ann. de la soc. de Num. et d'Archéol. VI 1882, 35 erklärt dies nicht unwahrscheinlich daraus, dass Antigonos als Nachfolger Alexanders des Grossen die königlichen Münzen möglichst unverändert erhalten habe, und meint, dass man unter den von Müller Num. d'Alex. le Gr., als IV. Classe bezeichneten Alexandermünzen die von Antigonos während seiner Königsherrschaft geprägten Münzen zu suchen habe.

Der Seesieg von Salamis wurde jedenfalls von [2776] Antigonos und D. selbst als die eigentliche Grundlage für ihre selbständige Herrschaft angesehen, wie wir vor allem auch aus den Münzen schliessen können. Es beweisen dies nicht blos die später von D. mit seinen eigenen Typen geprägten Münzen, die das Bild einer Nike auf einem Schiffsvorderteil und des Poseidon mit dem Dreizacke bieten (vgl. Head HN 202, Guide pl. 31. Benndorf Samothrake II 80ff.), sondern auch darin, dass auf den mit Alexandertypen geprägten Goldmünzen des Antigonos (Mionnet Suppl. III 244 nr. 587, Taf. XI 1) die Nike in der einen Hand die Schiffszinken hält, auf denen des Demetrios (Mionnet a. O. 245 nr. 591) sich ein Dreizack in der einen Hand der Nike befindet, zeigt sich die Bedeutung, die dieser Seeschlacht von den beiden Herrschern beigemessen wurde.

Antigonos wandte sich nun zunächst zur Bekriegung desjenigen unter seinen Gegnern, der von Anfang an seinen, auf die Beherrschung des gesamten Alexanderreiches gerichteten, Plänen den consequentesten und erfolgreichsten Widerstand entgegengesetzt hatte, des Ptolemaios. Im Spätherbst des J. 306 unternahm er einen Zug gegen Ägypten, bei dem D. auch in hervorragender Weise mitwirken sollte, indem er mit der Flotte die Operationen des Landheeres, das unter dem Befehle des Antigonos selbst stand, unterstützen sollte. Indessen Ptolemaios machte durch geschickte Gegenmassregeln, namentlich Besetzung der wichtigsten (zur Landung geeigneten) Punkte eine Landung der Flotte, die ausserdem durch Stürme litt, unmöglich; ebenso wenig vermochte das Landheer wegen des hohen Wasserstandes des Nils in das feindliche Land einzudringen. Mangel an Lebensmitteln und Mutlosigkeit im Heere und die Unmöglichkeit, von der Flotte Unterstützung zu erhalten, bewogen Antigonos zum Rückzuge, indem er sich die Erneuerung des Unternehmens unter günstigeren Verhältnissen vorbehielt (Hauptquelle: Diod. XX 73–76; vgl. auch Plut. Demetr. 19. Paus. I 6, 6; ich habe Bd. I S. 2412 die ägyptische Expedition im Anschluss an Unger S.-Ber. Akad. München 1878 I 392ff. in das Frühjahr und den Sommer 306 gesetzt; diese Zeitbestimmung ist aber schon deshalb unhaltbar, weil die Unternehmungen des D. auf Kypros dem J. 306 zuzuweisen sind; die genauere Zeit wird dadurch bestimmt, dass Diod. 73, 3. 74, 1 von den Stürmen zur Zeit des Unterganges der Pleiaden, d. h. des Frühunterganges im November [vgl. Plin. n. h. II 125. Droysen II 2, 146, 2. Niese I 322, 3] und 74, 3 von den χειμέριοι περιστάσεις die Rede ist; der Rückzug ist wahrscheinlich ganz im Anfang des J. 305 erfolgt, jedenfalls, wie aus Diod. 76, 5 hervorgeht, noch geraume Zeit vor dem niedrigsten Wasserstand des Nil, der im April und Mai stattfindet). Bald nach der Rückkehr aus Ägypten erhielt D. von seinem Vater den Auftrag, die Insel Rhodos zu unterwerfen. Dieser damals mächtig aufblühende Handelsstaat hatte bis dahin im bundesgenössischen Verhältnis zu Antigonos gestanden, aber bei dem Kriege gegen Ptolemaios auf Kypern sich geweigert, D. zu unterstützen, weil es die für seinen Handel ausserordentlich wichtigen Beziehungen zu Ägypten nicht aufgeben, sondern zwischen den kriegführenden Königen eine neutrale [2777] Stellung innehalten wollte (Diod. XX 46, 6. 81, 2ff.). Ein Versuch der Rhodier, eine Einigung mit Antigonos zu erzielen, scheiterte an den Forderungen des D., der die Stellung von hundert der angesehensten Bürger als Geiseln und die Aufnahme seiner Flotte in den Hafen von Rhodos verlangte (Diod. XX 82, 3). So kam es zur Belagerung von Rhodos durch D., die in der Kriegsgeschichte besonders durch die grossartigen Belagerungsmaschinen, deren Verwendung dem D. den Beinamen Poliorketes eintrug (Diod. XX 92, 2), Epoche gemacht hat, wie sie andrerseits durch die ausdauernde und heldenmütige Verteidigung der Rhodier berühmt geworden ist (Hauptbericht Diod. XX 82–100; vgl. auch Plut. Demetr. 21f. Paus. I 6, 6). Die Rhodier erhielten Unterstützung an Lebensmitteln, zum Teil auch an Streitkräften, von den Gegnern des Antigonos und D., Lysimachos, Kassandros, namentlich aber Ptolemaios (Diod. XX 96, 1. 3. 98, 1). Ein erster Vermittlungsversuch seitens der Hellenen, insbesondere der Athener, die selbst der Unterstützung durch D. in ihren eigenen Angelegenheiten bedurften, misslang; endlich kam es aber nach einjähriger Dauer der Belagerung im J. 304, unter Vermittlung der Aitoler, zu einem Vertrage zwischen D. und den Rhodiern, demzufolge diese, unter Aufrechterhaltung ihres freundschaftlichen Verhältnisses zu Ptolemaios, einen Bund mit Antigonos schlossen, aber völlige Autonomie behielten; zur Sicherung der Übereinkunft mussten sie Geiseln stellen (vgl. Diod. XX 107, 4).

Nach der Aufhebung der Belagerung von Rhodos segelte D. sogleich nach Griechenland, wo seine Anwesenheit als besonders notwendig erschien. Kassandros hatte hier mit Erfolg wieder seine Herrschaft auszubreiten begonnen und bedrohte namentlich die Selbständigkeit Athens; es ist dies, wie bereits Niebuhr erkannt hat, der im Ehrendecret für Demochares (Vit. X orat. 851 d) so genannte ‚vieljährige‘ Krieg (vgl. darüber u. a. Schubert Hermes X 411ff.; anders G. de Sanctis Studi di Storia antica II 50ff.). Schon im J. 306/5, unter dem Achontate des Koroibos, hatte Kassandros einen Einfall in Attika gemacht (CIA II 249. Dittenberger Syll.² 180. Hicks Gr. Hist. Inscr. 147), der aber abgewehrt wurde, wie es scheint, unter Mitwirkung der Aitoler (ich beziehe hierauf die Notiz Paus. I 26, 3, die ich zu anderer Zeit nicht unterzubringen weiss; vgl. übrigens bereits Niebuhr Vortr. über alt. Gesch. III 118 und G. de Sanctis Studi di Storia antica II 21). Die Athener machten die grössten Anstrengungen, um ihre Stadt in gehörigen Verteidigungszustand zu setzen, wie das Decret für Demochares a. O. und verschiedene athenische Urkunden aus dieser Zeit beweisen (CIA II 250. IV 270; vgl. II 2, 733 b, auch II 167 bezieht sich wohl hierauf, vgl. add. p. 411. Wachsmuth St. Athen I 616, 2. II 1 p. VIff.). Demochares erscheint in dem zu seinen Ehren abgefassten Decrete, der Tendenz desselben entsprechend, als der eigentliche Urheber dieser Arbeiten; indessen dürfen wir wohl annehmen, dass schon D. dahin; gehende Directiven gegeben hat, wie die Athener damals auch in ihrem Kampfe gegen Kassandros von Antigonos nachdrücklich durch Geldmittel unterstützt wurden (Koehler Athen. Mitt. V 273. Dittenberger Syll.² 181, 7; vgl. auch CIA II [2778] 247. 252). Im J. 304 brachte Kassandros durch einen neuen Angriff die Athener in grosse Bedrängnis (Plut. Demetr. 23. CIA II 266. Dittenberger Syll.² 184 – die Erwähnung des Angriffes des Kassandros in dieser Inschrift ist vielleicht mit Dittenberger schon auf 306/5 zu beziehen –); da erschien D. mit einer überlegenen Flotte und einem beträchtlichen Landheer, entsetzte die Stadt, befreite Chalkis, das in die Gewalt des Kassandros gekommen und damals von den Boiotern besetzt war, und trieb Kassandros bis zu den Thermopylen zurück (Plut. Demetr. 23. Diod. XX 100, 5f.). Im ganzen mittleren Griechenland, bis nach Herakleia, wurde die Herrschaft Kassanders beseitigt; sogar ein Teil der makedonischen Truppen ging zu D. über. Kenchreai wurde von ihm genommen, Phyle und Panakton, die Castelle des Kassandros in Attika, erobert und den Athenern zurückgegeben. Besonders wichtig war es, dass er die Boioter, die Hauptstütze Kassanders in Mittelgriechenland, für sich gewann (hierauf bezieht sich wohl die Erwähnung eines Bündnisses mit den Boiotern im Ehrendecret für Demochares, p. 851 e, nur dass diesem wieder ausschliesslich das Verdienst hierbei zuerkannt wird) und mit den Aitolern, den Hauptgegnern des Kassandros, zu denen er schon früher in Beziehung getreten war, jetzt ein engeres Bündnis schloss (Diod. XX 100, 6. Plut. Demetr. 23). Im Winter 304/3 weilte er in Athen, wo er wieder mit Schmeicheleien überhäuft wurde und zugleich sich den ausschweifendsten Genüssen hingab (Plut. Demetr. 23f.). Damals wurde Demochares, weil er sich den übertriebenen Ehrenbezeugungen für D. widersetzte, verbannt (darauf nehmen wohl die Worte im Ehrendecret für Demochares, p. 851 e, Bezug: ἀνθ' ὧν ἐξέπεσεν ὑπὸ τῶν καταλυσάντων τὸν δῆμον, nämlich D. und seinen Anhängern; vgl. Schubert Herm. X 411f. v. Wilamowitz Phil. Unters. IV 191 – wobei es allerdings bemerkenswert ist, dass Demochares so lange Zeit, bis zum Archontate des Diokles [287], in der Verbannung geblieben). Von Athen aus wandte sich D. im J. 303 nach dem Peloponnes, wo Kassandros seit dem Abzuge des Ptolemaios 308/7 seine Macht fest begründet hatte, und brachte zunächst Sikyon, das noch eine ägyptische Besatzung hatte, in seine Gewalt. Die Stadt erhielt durch Umsiedelung und unmittelbare Anlehnung an die Burg eine festere Lage, wurde (vorübergehend) nach D. selbst Demetrias genannt, und es wurden ihm die sacralen Ehren eines Ktistes zu teil (Diod. XX 102, 2ff.). Dann gelang es ihm, Korinth, das aus ägyptischem Besitz in den des Kassandros übergegangen war, samt der Burg einzunehmen; die Stadt selbst erhielt die Freiheit, aber in die Burg wurde eine Besatzung gelegt. Auch Argos, wo D. sich mit Deidameia, der Schwester des Pyrrhos, vermählte, Achaia und Arkadien bis auf Mantineia, gewann er für sich, die Städte wurden von den Besatzungen, die bis dahin Kassandros und Polyperchon in ihnen unterhalten hatte, befreit (Diod. XX 103, 4f. Plut. Demetr. 25). Für die bedeutende Stellung, die D. so im Peloponnes gewonnen hatte, legen auch die Münzen mit Alexandertypen, die den Namen des Königs Antigonos (Head Guide Taf. 31 nr. 12) und des D. [2779] (Mionnet I 578 nr. 829; vgl. auch R. Weil Ant. Münzrecht S. 22) tragen und wahrscheinlich im Peloponnes, vor allem in Sikyon, geprägt sind (vgl. Head a. O. 62. Six Ann. de la soc. de Num. et d'Arch. VI 35; über die ‚Ἀντιγόνεια τετράδραχμα‘ urteilt anders Koehler S.-Ber. Akad. Berl. 1896 1092, 2), Zeugnis ab. Die Erfolge des D. in Griechenland erhielten dadurch ihren Abschluss, dass er im Winter 303/2 oder vielleicht auch erst im Frühjahr 302, zur Zeit der Isthmien (vgl. Niese I 338, 4), zum Oberfeldherrn der verbündeten griechischen Staaten ausgerufen wurde; es kam somit der Plan, den D. schon während seiner ersten Anwesenheit in Griechenland verfolgt hatte, zur Ausführung. Ein gemeinsamer Krieg der hellenischen Staaten gegen Kassandros, den Feind der griechischen Freiheit, wurde beschlossen (Plut. Demetr. 25. Diod. XX 106, 1. 107, 1: διαπολεμήσων Δημητρίῳ καὶ τοῖς Ἕλλησι; hierauf bezieht sich auch CIA IV 264 c). Die Contingente der einzelnen Staaten wurden festgesetzt {vgl. Diod. XX 110, 4. Dittenberger Syll.² 185, 4); D. wollte sich also selbst – in Gemeinschaft mit seinem Vater – zum Könige von Makedonien machen, die Stellung Philipps zu den griechischen Staaten mit der Weltherrschaft Alexanders vereinigen. Um Kassandros wirksamer bekämpfen zu können, verband er sich mit dem jungen Könige Pyrrhos von Epeiros, dessen Schwester Deidameia er zu seiner Gemahlin nahm (Plut. Pyrrh. 4), und den er wohl in ein ähnliches Abhängigkeitsverhältnis zu bringen gedachte, wie es unter Alexander I. von Epeiros Philippos gegenüber bestanden hatte. Zugleich bewarb er sich, allerdings vergeblich, um die Bundesgenossenschaft des Spartiaten Kleonymos, der sich damals in den Besitz von Kerkyra gesetzt hatte (Diod. XX 105, 1). Gegenüber der grossen Gefahr nun, die ihn bedrohte, suchte Kassandros zunächst einen Ausgleich mit Antigonos herbeizuführen, wahrscheinlich auf der Grundlage, dass er bereit war, die Ansprüche auf die Herrschaft über Griechenland aufzugeben, aber sein selbständiges makedonisches Königtum behalten wollte; als die Vereinbarung aber an der Forderung der unbedingten Unterwerfung unter Antigonos scheiterte, brachte er einen neuen Bund zunächst mit Lysimachos, dann mit Ptolemaios und Seleukos zu stande, der gegen Antigonos und D. gerichtet war (Diod. XX 106, 2ff. Iust. XV 2, 15ff. Plut. Demetr. 27). D. ging von Korinth nach Athen, wo er sich, in ungesetzlicher Weise, im Monat Munychion (April) in die eleusinischen Mysterien einweihen liess (Plut. Demetr. 26f. Diod. XX 110, 1), und brach dann gegen Kassandros auf; da dieser die Zugänge nach Thessalien besetzt hatte, nahm D. seinen Weg zur See, landete an der Küste von Achaia Phthiotis in Larisa Kremaste, befreite es nebst einigen anderen kleineren Städten im südlichen Thessalien von der Herrschaft des Kassandros und lagerte diesem in der Nähe von Pherai gegenüber. Trotzdem dass das Heer des D. dem des Kassandros, der einen Teil seiner Truppen an Lysimachos abgegeben hatte, nicht unbeträchtlich an Zahl überlegen war, kam es doch zu keiner Schlacht, dagegen gelang es dem D., Pherai, einen der wichtigsten Stützpunkte der Macht Kassanders in dieser Gegend, zu gewinnen [2780] (Diod. XX 110, 2–6). Unterdessen war Lysimachos nach Kleinasien übergesetzt und hatte hier im Nordwesten bedeutende Erfolge errungen, der Feldherr des Kassandros, Prepelaos, an der Westküste eine Reihe der wichtigsten griechischen Städte, darunter Teos, Kolophon, vor allem aber Ephesos (vgl. Anc. Gr. Inscr. of Brit. Mus. 449f. = Dittenberger Syll.² 186) gewonnen, während andere Städte, wie Erythrai und Klazomenai, dem Antigonos erhalten wurden (vgl. auch Anc. Gr. Inscr. 452. Hicks Gr. hist. inscr. 150). Antigonos (vgl. Bd. I S. 2412f.) war dem Lysimachos entgegengezogen, dieser wich aber einer Schlacht aus, da er seine Vereinigung mit Seleukos abwarten wollte (Diod. XX 106–109). Die Nachricht von dem Herannahen des Seleukos in Verbindung mit den Erfolgen der Verbündeten an der kleinasiatischen Küste, die durch den Abfall einiger Feldherrn des Antigonos noch erleichtert wurden, bewogen nun Antigonos, seinen Sohn D. aus Griechenland herbeizurufen. Dieser schloss einen Vertrag mit Kassandros, der die Freiheit der griechischen Staaten sichern sollte (Diod. XX 111, 2), segelte dann, im Herbst 302, nach Ephesos, brachte dieses wieder in seinen Besitz, gewann verschiedene der griechischen Städte am Hellespont, namentlich Lampsakos und Parion, zurück (in diese Zeit gehört vielleicht die ephesische Inschrift, Anc. Gr. Inscr. of Brit. Mus. 448; dass dagegen D. damals einen siegreichen Kampf gegen Lysimachos bestanden habe, wie Droysen II 2, 212f. annimmt, wird durch Polyaen. IV 12, 1 nicht genügend begründet) und bezog dann die Winterquartiere, nachdem er noch Vorkehrungen getroffen hatte, um die Landung eines Heeres des Kassandros an der kleinasiatischen Küste zu hindern (Diod. 111, 3). Kassandros stellte unterdessen seine Herrschaft in Thessalien wieder her und sandte seinen Bruder Pleistarchos nach Kleinasien, zur Verstärkung des Lysimachos. Dieser konnte aber infolge der Massregeln des D. und infolge eines Sturmes nur unter sehr grossen Schwierigkeiten und mit beträchtlichen Verlusten seine Landung und seine Vereinigung mit Lysimachos bewerkstelligen (Diod. XX 112). Im J. 301 kam es nun zur Entscheidungsschlacht bei Ipsos in Phrygien (vgl. Bd. I S. 2413), in der Antigonos Thron und Leben verlor. D. trug dadurch, dass er an der Spitze der Reiterei den von ihm geschlagenen Antiochos, den Sohn des Seleukos, zu heftig verfolgte, wesentlich zur Niederlage bei (Plut. Demetr. 29).

Während nun die siegreichen Herrscher Kassandros, Lysimachos und Seleukos daran gingen, sich in die Beute zu teilen, die ihnen durch den Sieg bei Ipsos zugefallen war – wobei Ptolemaios, der an dem Entscheidungskampfe nicht teilgenommen hatte, leer ausging –, gab D. seine Sache noch nicht verloren; er hatte immer noch eine bedeutende Flotte, mit der er seinen Gegnern grossen Abbruch thun konnte, und eine Reihe von wichtigen Positionen in den Küstengebieten. Sogleich nach der Schlacht wandte er sich nach Ephesos (vgl. auch Syncell. 505), dessen Bewohner er sich dadurch, dass er die Tempelschätze unangetastet liess, von neuem verpflichtete, und segelte von da aus nach Athen, das er anscheinend zum Hauptstützpunkt seiner Operationen zu machen [2781] gedachte. Aber die Athener verweigerten jetzt dem geschlagenen und flüchtigen Könige den Zutritt zu ihrer Stadt; seine Gemahlin Deidameia, die sich in Athen befand, geleiteten sie nach Megara und lieferten ihm seine Schiffe aus, machten aber im übrigen, nach dem Vorgange von Rhodos, den Grundsatz der Neutralität gegenüber den kriegführenden Königen geltend (Plut. Demetr. 30). D. liess nun in Griechenland, wo unter dem Eindrucke der Niederlage von Ipsos der Abfall von ihm schon sehr um sich zu greifen anfing, den Pyrrhos zurück (Plut. Demetr. 31; Pyrrh. 4) und fuhr nach dem thrakischen Chersonnes, wo sich allmählich seine Streitkräfte wieder zu sammeln begannen und von wo aus er Lysimachos in seinem Herrschaftsbereiche vielfach schädigte (Plut. a. a. O.). Im Besitze einer bedeutenden Seemacht war D. immer noch ein gefürchteter Gegner und ein erwünschter Bundesgenosse. Zwischen Seleukos und Ptolemaios kam es damals zu Streitigkeiten über den Besitz von Koilesyrien, das Ptolemaios in Besitz genommen hatte, aber Seleukos, auf Grund der zwischen ihm und Kassandros und Lysimachos geschlossenen Verträge, für sich beanspruchte (Diod. XXI frg. 1, 5. Polyb. V 67, 8). So entstand eine neue Gegenüberstellung der Machthaber, Seleukos verband sich mit D., dessen Tochter Stratonike er zur Gemahlin begehrte, und Lysimachos, der zunächst besonders den Feindseligkeiten des D. ausgesetzt war, mit Ptolemaios, dessen Seemacht ihm vor allem geeignet scheinen mochte, ein Gegengewicht gegen die überlegene maritime Stellung des D. zu bilden (Plut. Demetr. 31. Iust. XV 4, 23f.). D. brach mit seiner Flotte nach Syrien auf, um seine Tochter Stratonike dem Seleukos zuzuführen, machte aber unterwegs feindselige Landungen in Kilikien, das dem Pleistarchos, dem Bruder des Kassandros, durch den Teilungsvertrag nach der Schlacht bei Ipsos zugefallen war. Während dieser sich zu Seleukos begab, um über dessen den Verträgen zuwider eingeleitete Verbindung mit D., dem gemeinsamen Feinde, Beschwerde zu führen, überraschte D. Kyinda, bemächtigte sich des hier vorhandenen Schatzes und traf dann, nachdem seine Gemahlin Phila, die Mutter der Stratonike, zu ihm gekommen war, mit Seleukos bei Rhossos, am Südende des issischen Golfes, zusammen (Plut. Demetr. 31 z. E. 32 Anf.). Dann setzte er sich, offenbar in Übereinstimmung mit Seleukos, in Kilikien fest; Pleistarchos vermochte sich hier nicht zu behaupten, obgleich er vielleicht von Lysimachos unterstützt wurde (wenn sich hierauf, nach der nicht unwahrscheinlichen Vermutung von Niese I 355, 4, die Notiz bei Plut. Demetr. 20 bezieht). Im Bunde mit Seleukos scheint D. vor allem der Freiheit der Griechen sich angenommen zu haben, wie wir aus der ephesischen Inschrift Anc. Gr. Inscr. of Brit. Mus. 453 = Hicks Gr. hist. inscr. 151 schliessen können. Er wird mit dieser Parole namentlich auch Lysimachos bekämpft haben, der das westliche Kleinasien als Siegespreis nach der Schlacht bei Ipsos für sich in Anspruch nahm. Jedenfalls beherrschte D. damals die West- und Südküste Kleinasiens zum grössten Teile und hatte wohl die meisten Städte dieses Gebietes, die ihm verloren gegangen waren, wiedergewonnen (es ergiebt sich dies u. a. [2782] schon aus der allgemeinen Äusserung Plutarchs Demetr. 35 Λυσίμαχος ... ἀφῃρημένος αὐτοῦ τὰς ἐν Ἀσίᾳ πόλεις; vielleicht bezieht sich auf diese Zeit auch das samische Ehrendecret, Hicks Gr. hist. inscr. 148. Dittenberger Syll.² 183, wenn es nicht in die Zeit vor der Schlacht bei Ipsos gehört). In die Verhältnisse des festländischen Griechenlands hat er dagegen zu Lebzeiten Kassanders wohl nicht mehr eingegriffen (die auf die Inschrift CIA II 314 gestützte und mit der irrigen Auffassung Droysens von der Zeit des ‚vierjährigen Krieges‘ zusammenhängende Annahme Dittenbergers Herm. II 290ff., dass D. damals, 299/8, Athen bedroht habe, ist nicht begründet); er wollte wahrscheinlich den offenen Krieg mit diesem vermeiden, wie sich aus der Notiz bei Plut. Demetr. 32 zu ergeben scheint, dass er seine Gemahlin Phila, die Schwester Kassanders, zu diesem sandte, um die Anklage des Pleistarchos wider ihn zu entkräften. Dass er allerdings, wie Droysen II 2, 239, vermutet, einen förmlichen Vertrag mit Kassandros geschlossen habe, indem er diesem die Freiheit der Griechen opferte, ist bei der allgemeinen Politik des D., wie sie auch aus der erwähnten ephesischen Inschrift zu erschliessen ist, nicht wahrscheinlich. Ob Kassandros auch einen bestimmten Herrschaftsbereich des D. anerkannt habe, lässt sich nicht sicher beurteilen, ist aber, bei seinem Verhältnis zu Lysimachos, sehr fraglich. Wenn es als zweifelhaft erscheinen kann, inwieweit und in welcher Begrenzung das Reich des D. von den anderen Herrschern anerkannt worden ist, so ist doch so viel klar, dass D. selbst das eigene, göttliche Recht seiner Herrschaft vertrat; es ergiebt sich dies vor allem aus seinen Münzen (vgl. Kaerst Hist. Ztschr. N. F. XXXVIII 35f.). Wir besitzen eine Reihe von solchen mit dem Bilde des D., und der göttliche Charakter der Herrschaft wird durch das Emblem von Stierhörnern noch mehr veranschaulicht (s. diese Münzen bei Head HN 202; Guide pl. 31. Imhoof-Blumer Gr. Porträtk. S. 15 Taf. I 4. II 7 u. 8). Es ist wahrscheinlich, dass D. bald nach der Schlacht bei Ipsos solche Münzen hat prägen lassen, insbesondere, wenn wir aus der Thatsache, dass die Typen deutlich verschiedene Stufen des Lebensalters zum Ausdruck bringen, schliessen können, dass sie in verschiedenen Epochen seiner Regierung geprägt sind, und die Münzen mit dem jugendlicheren Bilde nicht etwa blos einen idealisierten Typus enthalten. Wenn wir nun weiter finden, dass gerade Seleukos und D. jenes Emblem von Stierhörnern haben, möchte ich noch weiter die Vermutung aussprechen, dass dieser Typus damals, als Seleukos und D. mit einander verbunden waren, zuerst entstanden sei (wie ich nachträglich bemerkt habe, hat schon Eckhel D. N. II 122 eine ähnliche Vermutung geäussert, sie aber selbst wieder verworfen)[WS 1].

Es scheint nun im J. 297 oder 296 zu einem Kampfe des D. mit Ptolemaios gekommen zu sein, da D. nach Euseb. II 118. Syncell. 519. 522 damals Samaria eroberte. Vielleicht hatte Seleukos den D. gegen Ptolemaios vorgeschoben, da er selbst nach Diod. XXI frg. 1, 5 vorläufig nicht offen mit Ptolemaios brechen wollte (vgl. Droysen II 2, 243f., mit dem ich im wesentlichen übereinstimme gegen [2783] Niese I 355, 6). Bald kam es aber zu einem Frieden zwischen Ptolemaios und D., der von Seleukos vermittelt wurde (Plut. Demetr. 32). D., dem seine Gemahlin Deidameia kurz zuvor gestorben war, sollte sich mit der Tochter des Ptolemaios, Ptolemais, vermählen und Pyrrhos als Geisel für die Ausführung des Vertrages nach Ägypten gehen (vgl. Plut. Pyrrh. 4). Wahrscheinlich wurde ausbedungen, dass D. Koilesyrien, soweit er dies in Besitz genommen hatte, wieder räumen sollte, wofür Ptolemaios wohl den D. im Besitze seiner damals bestehenden Herrschaft anerkannte. Die Eintracht zwischen Seleukos und D. blieb nun auch nicht ungetrübt; Seleukos suchte zunächst den D. gegen eine Geldsumme zur Abtretung von Kilikien zu bestimmen; als sich dies aber als vergeblich erwies, verlangte er die Räumung von Sidon und Tyros, D. weigerte sich aber, auch dies zu thun, da er offenbar auf seine Stellung im südöstlichen Mittelmeere noch nicht verzichten wollte, sondern verstärkte im Gegenteil die Besatzungen und Befestigungen in jenen Städten (Plut. Demetr. 32). Seleukos erkannte wahrscheinlich aber das Recht des D. auf diese Städte nicht an und fand hierin vielleicht später einen Vorwand zur Bekämpfung des D. Da bot sich diesem nun aber die Aussicht, in Griechenland selbst wieder festen Fuss zu fassen. Athen hatte im J. 301 den Versuch gemacht, im Streite der grossen Mächte eine Neutralitätspolitik zu inaugurieren, zeigte sich aber zu schwach dazu, diesen Versuch mit Entschiedenheit und Erfolg durchzuführen. Die Abwendung von D. hatte vielmehr zur Folge, dass es sich allmählich mehr auf die Gegenseite, die des Lysimachos und Kassandros, neigte. Eine Verbindung mit Lysimachos aus dem J. 299/8, dem Archontate des Euktemon, wird bezeugt durch die Inschrift zu Ehren des Philippides, CIA II 314 = Hicks Gr. hist. insc. 160. Dittenberger Syll.² 167; vielleicht gehören derselben Zeit auch an CIA 319. 320 = Hicks 155. Dittenberger Syll.² 201. Dass die Athener auch in Beziehungen zu Kassandros standen, geht aus der demselben Jahre, 299/8, angehörigen Urkunde CIA II 297 = Hicks 153. Dittenberger Syll.² 188, in der eine Gesandtschaft an Kassandros erwähnt wird, hervor. Die Übereinstimmung in der Zeit und der Umstand, dass Philippides, der Vertrauensmann des Lysimachos, der Antragsteller ist, lassen die damalige Richtung der athenischen Politik deutlich erkennen; mag auch die Vermittlung des Lysimachos zur Anbahnung eines günstigeren Verhältnisses zu Kassandros von athenischer Seite mitgewirkt haben, so ist doch die herrschende Annahme, dass Kassandros damals gegen Athen Krieg geführt habe, ohne genügende Begründung. Kassandros benutzte aber seine in Athen neu angeknüpften Verbindungen, um die Stadt wieder in Abhängigkeit von sich zu bringen; einem bisherigen Demagogen Lachares gelang es, auf Grund von Parteiungen, eine Art Tyrannenherrschaft zu begründen (Paus. I 25, 7; danach also noch vor dem Tode des Kassandros im J. 297). Vielleicht geschah dies auch im Einverständnis mit Lysimachos, was an und für sich bei dessen Verhältnis zu Kassandros wohl denkbar ist und namentlich noch daraus geschlossen werden kann, dass Lachares nach seinem Sturze bei Lysimachos [2784] Zuflucht fand (Polyaen. III 7, 2f.). Unter diesen Umständen hoffte D. leicht sich Athens zu bemächtigen; er meinte, dass Unzufriedenheit mit dem Regimente des Tyrannen ihm die Stadt öffnen werde. Indessen ein erster Anschlag auf Athen misslang völlig; durch einen Sturm verlor er in der Nähe von Attika den grössten Teil seiner Flotte und nach vergeblichem Versuche, sich trotzdem in Attika festzusetzen, wandte er sich nach dem Peloponnes, wo er bei der Belagerung von Messene eine gefährliche Wunde empfing. Nach seiner Genesung, und nachdem er einige abgefallene Orte im Peloponnes wiedergewonnen, segelte er mit seiner unterdessen reorganisierten Flotte wieder nach Attika, nahm Aigina und Salamis, gewann Eleusis und Rhamnus und brachte die Athener durch Verwüstung des Landes und Abschneidung der Zufuhr in grosse Bedrängnis: durch das Erscheinen einer ägyptischen Flotte wurde der Mut der Athener vorübergehend neu belebt; aber gegenüber der Verstärkung an Schiffen, die D. aus dem Peloponnes wie aus Kypros erhielt, vermochten sie sich nicht zu behaupten. Lachares entfloh aus Athen, und die Athener mussten sich, da D. auch den Peiraieus in seine Gewalt gebracht hatte (Polyaen. IV 7, 5. Paus. I 25, 7) und die Hungersnot in der Stadt auf das höchste gestiegen war, entschliessen, dem D. die Stadt zu übergeben (Anfang 294, ungefähr im März, wie aus der Inschrift CIA II 300 = Hicks 154 hervorgeht). D. behielt nicht nur den Peiraieus und Munychia für sich (das von Plut. Demetr. 34 erwähnte Decret, dass dem Könige Peiraieus und Munychia übergeben werden sollten, war nur ein formeller Act des ‚souveränen‘ athenischen Volkes), sondern legte auch eine Besatzung in das Museion (die Annahme Droysens II 2, 272ff., dass dies erst später geschehen sei, ist unhaltbar; richtig schon Wachsmuth Stadt Athen I 617, 1); nach den Erfahrungen, die er gemacht hatte, vermochte er seine frühere Politik den hellenischen Städten, namentlich Athen gegenüber, nicht mehr aufrecht zu erhalten (vgl. auch den Ausdruck bei Plut. Pyrrh. 12: ταῖς Ἑλληνικαῖς φρουραῖς, d. h. den von D. eingeführten; Hauptbericht über diese Vorgänge Plut. Demetr. 33f.). In die inneren Verhältnisse der griechischen Staaten scheint er sich dagegen nicht eingemischt, ihren Verfassungszustand nicht verändert zu haben, im Unterschiede von Kassandros und auch von Lysimachos, wie wir dies z. B. vor allem an Ephesos sehen können; vgl. Anc. Gr. Inscr. of Brit. Mus. 449. 470 mit Strab. XIV 640 (anders Dittenberger Syll.² 186, 2). Dagegen wurden die griechischen Städte damals zum Teil wohl zur regelmässigen jährlichen Zahlung einer Geldsumme, also zu einer Art von Tribut an D. verpflichtet (vgl. Diog. Laert. II 140). Nach der Einnahme Athens wandte sich D. wieder nach dem Peloponnes, um auch Sparta in seine Gewalt zu bringen, die einzige nennenswerte Macht, die wie bisher dem makedonischen Königtum überhaupt, so auch seiner Herrschaft mit Erfolg widerstrebt hatte. Es gelang ihm, den König Archidamos in einer Feldschlacht zu besiegen (Plut. Demetr. 35. Polyaen. IV 7, 9; vgl. auch Paus. I 13, 6), und er glaubte sich schon dem Ziele nahe, die bisher unbezwungene Stadt zu seinen Füssen zu sehen, [2785] da erhielt er die Nachricht von den grossen Erfolgen seiner Gegner Lysimachos und Ptolemaios; ersterer hatte den grössten Teil der Westküste Kleinasiens (vgl. auch Plut. Demetr. 46: Λυσιμάχου Καρίαν καὶ Λυδίαν ἀποστήσων), namentlich auch Ephesos, gewonnen (hierauf bezieht sich vielleicht Polyaen. V 19 = Front. strat. III 3, 7; vgl. auch Niese I 363, 4); er hatte also das Gebiet in Besitz genommen, auf das er infolge des Sieges von Ipsos Anspruch machte. Der ägyptische Herrscher aber hatte die ganze Insel Kypros bis auf Salamis unterworfen (wahrscheinlich doch erst im J. 294, wie aus Plut. Demetr. 33 z. E. zu schliessen ist). Der Angriff des D. auf Athen, das, wie mit Kassandros und Lysimachos, so wohl auch mit Ptolemaios im Bundesverhältnis stand, wie überhaupt sein Versuch, in Griechenland wieder seine Herrschaft aufzurichten, mochten für Ptolemaios den formalen Grund zur Wiedereröffnung der Feindseligkeiten wider D. abgeben; ob auch Seleukos damals schon sich der von D. besetzten phoinikischen Städte und Kilikiens bemächtigt hat, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Auf die Kunde von den grossen Verlusten in Kleinasien und auf Kypros gab D. das Unternehmen gegen Sparta auf; mitten in seinen grossen Misserfolgen boten ihm die Streitigkeiten um den makedonischen Königsthron einen willkommenen Anlass, seinen früheren Plan, in Makedonien selbst sich festzusetzen, wieder aufzunehmen. Nach dem frühen Tode des ältesten der Söhne Kassanders, Philippos, kam es zu heftiger Entzweiung zwischen den beiden andern, Antipatros, dem Schwiegersohne des Lysimachos, und Alexandros. Der letztere wandte sich sowohl an Pyrrhos wie auch an D., der damals im Peloponnes weilte, um Hülfe. Pyrrhos kam zuerst und verschaffte, gegen Abtretung verschiedener Grenzlandschaften an Epeiros, dem Alexandros das Übergewicht in Makedonien; eine von Lysimachos angestrebte Vereinbarung zwischen Pyrrhos und Antipatros kam nicht zu stande (Plut. Demetr. 36; Pyrrh. 6. Iust. XVI 1, 1ff. Schubert Pyrrhus 127ff.). Nun erschien aber auch D., dem Alexandros bei Dion mit der Versicherung, er bedürfe seiner Hülfe nicht mehr, entgegenkam. Er geleitete dann den D. bis nach Thessalien und wurde hier auf dessen Befehl ermordet. D. wurde darauf von den Makedoniern zum König ausgerufen. Der Abscheu der Makedonier gegen Antipatros, der seine Mutter Thessalonike getötet hatte, und der Umstand, dass die edle Phila, die Gemahlin des D., die Tochter des älteren Antipatros war, und dass der Sohn des D. und der Phila, Antigonos, das Haus des Antipatros und des Antigonos in seiner Person gewissermassen vereinigte, kamen dem D. dabei zu statten (Plut. Demetr. 36f., kürzer Pyrrh. 7; einer andern Quelle folgt Iustin XVI 1, namentlich § 10ff.; vgl. auch noch Paus. I 10, 1. IX 7, 3. Diod. XXI 7. Euseb. I 231f.). Der Beginn des makedonischen Königtums des D. ist wahrscheinlich in das Frühjahr 294 zu setzen (in das vierte Jahre nach dem Tode des Kassandros, 297, oder genauer nach 3½jähriger Regierungszeit der Söhne des Kassandros, die von den Chronographen von Ol. 120, 4 = 297/6 bis Ol. 121, 3 = 294/3 gerechnet wird. Euseb. I 232f.; vgl. app. 13. 221). Der Periode der makedonischen [2786] Herrschaft des D. gehören die Goldmünzen mit dem Bilde des D. an, die auf dem Revers den alten makedonischen Typus, einen bewaffneten Reiter, zeigen (Head Guide 63 Taf. XXXI 15; HN 202. Mionnet I 578 nr. 827). Antipatros, der Sohn des Kassandros, hat, wie es scheint, noch eine Anzahl von Jahren seine Verdrängung vom makedonischen Königsthrone überlebt, wie wohl daraus hervorgeht, dass eine Gesandtschaft des Demochares nach dessen Rückkehr aus seiner Verbannung, also nach 287, an ihn erwähnt wird (vgl. v. Wilamowitz Phil. Unters. IV 192, 13. Niese I 379, 2), auch mit Wahrscheinlichkeit aus Iustin. XV 2, 4 zu erschliessen ist, doch vermochte er in Makedonien nicht wieder festen Fuss zu fassen, um so weniger, da sein Schwiegervater Lysimachos damals durch den Krieg mit Dromichaites in Anspruch genommen war; vielleicht kam es sogar zu einem förmlichen Frieden mit Lysimachos, in dem dieser D. als König von ganz Makedonien anerkannte (Iustin. XVI 1, 19; dagegen ist die Notiz bei Paus. I 10, 2 von einem Kriege zwischen Lysimachos und D., die Niese I 365, 3 auch in diese Zeit ziehen möchte, in einen späteren Zusammenhang einzureihen). Nach der Begründung seiner Herrschaft über Makedonien nahm D. auch Thessalien in Besitz und gründete wahrscheinlich damals schon, am pagasaeischen Meerbusen eine neue Hauptstadt, die nach ihm genannt wurde, Demetrias (vgl. Strab. IX 436). Dann wandte er sich gegen die Boioter, die sich ihm zunächst, unter günstigen Bedingungen, unterwarfen; doch fielen sie, durch einen Hülfszug des Spartiaten Kleonymos ermutigt, wieder von ihm ab. Da erschien D. zur Belagerung Thebens, nötigte den Kleonymos zum Abzug und unterwarf die Stadt, die jetzt eine bedeutende Geldsumme zahlen und eine Besatzung unter dem Commando des Geschichtschreibers Hieronymos aufnehmen und damit wahrscheinlich auch eine Beschränkung ihrer Autonomie (vgl. Plut. Demetr. 46: Θηβαίοις ἀπέδωκε τὴν πολιτείαν) sich gefallen lassen musste (wohl auch im J. 293, Plut. Demetr. 39).

Bald darauf eröffnete die Gefangennahme des Lysimachos durch Dromichaites dem D. eine Aussicht auf Erweiterung seines Reiches im Norden. Er wandte sich nach Thrakien, aber die Kunde von der Befreiung des Lysimachos aus seiner Gefangenschaft und einem erneuten Abfall von Theben bewogen ihn umzukehren. Er zog nach Boiotien, wo unterdessen sein Sohn Antigonos einen Sieg gewonnen hatte, und belagerte Theben zum zweitenmal (Plut. Demetr. 39). Unterdessen hatte Pyrrhos einen Einfall in Thessalien gemacht, der D. veranlasste, mit der Fortführung der Belagerung Thebens seinen Sohn Antigonos zu betrauen und sich selbst wider Pyrrhos zu wenden. Dieser hielt aber nicht stand; D. kehrte, nachdem er eine grössere Heeresabteilung zum Schutze Thessaliens zurückgelassen hatte, zur Belagerung Thebens zurück. Nach hartnäckiger Verteidigung wurde endlich die Stadt erobert (wahrscheinlich im J. 291); die Behandlung, die ihr widerfuhr, war eine verhältnismässig günstige (Plut. Demetr. 40. Diod. XXI 14, 1f.). Im Besitze des makedonischen Königsthrones richtete nun D. zuerst seine Blicke auf den Westen, der ja auch anscheinend [2787] in den letzten Plänen Alexanders d. Gr. schon eine Rolle gespielt hatte, indem er hiermit zugleich auch Unternehmungen, die bereits Kassandros begonnen, wieder aufnahm. Kerkyra war, nach einem vergeblichen Angriff Kassanders, unter die Herrschaft des Agathokles gekommen und von diesem an Pyrrhos, nach dessen Vermählung mit Lanassa, der Tochter des Agathokles, abgetreten worden; infolge eingetretener Entfremdung aber lud Lanassa den D. ein, sich mit ihr zu vermählen, der auf diese Weise von Kerkyra Besitz ergriff (Plut. Pyrrh. 10 z. E.). Es ist dies wohl dieselbe Expedition, von der Demochares frg. 4 berichtet, aus dem wir zugleich entnehmen, dass D. damals auch in Leukas gewesen ist, vermutlich also auch diese Insel unter seine Herrschaft gebracht hat. Dieses von Demochares erwähnte Unternehmen ist mit Recht (v. Wilamowitz Phil. Unters. IV 242f.) in das J. 290 gesetzt worden, da es unmittelbar vor einen Aufenthalt des D. in Athen fiel, der Inhalt aber des damals auf D. gesungenen Ithyphallos (Dur. frg. 30), besonders die Erwähnung der Aitoler als Feinde, nicht auf die Verhältnisse vor der Schlacht bei Ipsos, sondern nur auf die damalige Lage passt; auch setzt meines Erachtens der Eingang des Liedes die schon erfolgte Einweihung des D. in die eleusinischen Mysterien, die Anfangs 302 stattfand, voraus. Dazu stimmt auch, dass D. nach Diodor XXI 15 kurz vor dem im J. 289 erfolgten Tode des Agathokles (vgl. Diod. XXI 16, 5) einen seiner Vertrauten, Oxythemis, an den syrakusanischen Hof schickte, dem Vorwande nach, wie Diodor sagt, um den Bund mit Agathokles fester zu schliessen, in Wahrheit aber, um die sicilischen Verhältnisse genauer zu erkunden. Auf die nach Westen gerichteten Absichten des D. lässt auch sein Plan, den Isthmos zu durchstechen, den er auf den Widerspruch der Baumeister fallen liess, schliessen (Strab. I 54. Plin. n. h. IV 10), wie auch eine Gesandtschaft an die Römer, die dem von Italikern geübten Seeräuberunwesen entgegentreten sollte (Strab. V 232), seine Beziehungen zum Westen bezeugt (vgl. v. Wilamowitz a. O. 203, 25). Es ist begreiflich, dass diese neue Richtung der Pläne und Unternehmungen des D. den Gegensatz gegen Pyrrhos wie zugleich gegen die bedeutendste Macht in Mittelgriechenland, die Aitoler, die früher die Bundesgenossen des D. gewesen waren, als es galt, Kassandros zu bekämpfen, jetzt aber in D. den Nachfolger des Kassandros bekriegten und vielleicht schon die Thebaner im Kampfe gegen das neue makedonische Königtum unterstützt hatten, verschärfte. Dass der Krieg mit den Aitolern, die vor allem auch Athen bedroht zu haben scheinen, grössere Ausdehnung und längere Dauer hatte, als unsere trümmerhafte Überlieferung erraten lässt, ergiebt sich mit Wahrscheinlichkeit aus der Inschrift CIA IV 614 b = Dittenberger Syll.² 192 besonders Z. 56ff., besprochen von G. de Sanctis Studi di Storia antika II 47ff.; vgl. auch noch Dittenberger Syll.² 213, 16. D. wollte die Feier der Pythien, die damals, also Ol. 122, 3 = August/September 290/89, abgehalten werden sollte, leiten; er machte gewiss als Nachfolger des Philippos und Führer des Bundes der hellenischen Staaten Anspruch auch auf die Leitung der Amphiktionie und somit auf die [2788] Agonothesie bei den pythischen Spielen. Da aber die Aitoler den Engpass von Delphi besetzt hatten und die Veranstaltung des Festes hinderten, verlegte er die Feier nach Athen, das ja eine alte Hauptstätte der Verehrung des Apollon Patroos sei (Plut. Demetr. 40). In Athen, wo er nach der Abhaltung der pythischen Spiele der Feier des eleusinischen Festes (im Boedromion = September) beiwohnte, wurden ihm die überschwenglichsten Ehrenbezeugungen zu teil; er wurde als Sohn des Poseidon und der Aphrodite angerufen, Processionen mit Gesängen zu seinen Ehren veranstaltet. Sein Name gab insbesondere Grund für enge Verbindung mit Demeter (Demochar. frg. 4. Dur. frg. 30).

Im folgenden Jahre nun (289) unternahm D. (gewiss nicht blos aus dem von Plut. Demetr. 41, wahrscheinlich nach Duris, angegebenen Grunde, um sich und seine Truppen zu beschäftigen) einen erfolgreichen Zug wider die Aitoler, die er wohl zugleich als Feinde von Hellas, als Störer des pythischen Gottesfriedens, bekämpfte, dann zog er, nachdem er seinen Feldherrn Pantauchos gegen die Aitoler zurückgelassen hatte, dem Pyrrhos, der selbst schon zur Bekriegung des D. aufgebrochen war, entgegen. Beide Könige verfehlten sich; aber während D. in Epeiros eindrang und dieses verwüstete, stiess Pyrrhos, der also wahrscheinlich den Aitolern gegen D. zu Hülfe kommen wollte, auf Pantauchos und gewann einen glänzenden Sieg über diesen (Plut. Demetr. 41; Pyrrh. 7).

Eine Beschränkung auf die dem makedonischen Königtum als solchem und in seiner Verbindung mit der Hegemonie über Griechenland gestellten Aufgaben war dem unruhigen Geiste des D. unmöglich; dem Traume eines Weltreiches, der Wiederherstellung der Weltherrschaft Alexanders wollte er nicht entsagen, auf den Gedanken, wenigstens die Herrschaft seines Vaters zunächst wiederzugewinnen, nicht verzichten; als Weltenherrscher wurde er bei einem ihm zu Ehren in Athen gefeierten Feste dargestellt; aber über diesen Bestrebungen verlor er den festen Grund unter den Füssen, sein Königtum vermochte nicht in dem heimatlichen Lande Wurzeln zu schlagen. Es scheint, dass er auch in der Entfaltung ausserordentlichen Prunkes in seiner Person und an seinem Hofe seinem Vorbilde Alexander in dessen letzten Lebensjahren nacheifern oder ihn sogar noch übertreffen wollte (die bei Plut. Demetr. 41 enthaltene, auf Duris [vgl. auch Dur. frg. 31] zurückgehende Schilderung ist allerdings in den Einzelheiten nur mit Vorsicht aufzunehmen, hat aber gewiss historischen Untergrund); indessen bei der Verpflanzung vom orientalischen auf den heimatlichen makedonischen Boden stiess doch dieses orientalisierende Königtum bei den Makedoniern noch auf grösseren Widerstand. Dazu kam eine gewisse Launenhaftigkeit und Willkür des Regimentes, die zur Steigerung der Entfremdung zwischen D. und den Makedoniern beitrug. Unter diesen Verhältnissen war es begreiflich, dass Pyrrhos, als er auf die Kunde von einer schweren Erkrankung des D. einen Einfall in Makedonien machte, ungehindert bis Edessa vordringen konnte und sein Heer sogar zum Teil im feindlichen Lande weiteren Zulauf erhielt. Indessen raffte [2789] sich D. bald wieder auf, und es gelang seinen Feldherrn, ein ansehnliches Heer aufzubringen, vor dem Pyrrhos einen fluchtähnlichen Rückzug antreten musste (Plut. Pyrrh. 10; Demetr. 42). Da nun aber D. damals schon mit dem Plan eines grossen Zuges nach dem Osten beschäftigt war und hierbei nicht in seiner Flanke einen unzuverlässigen Nachbarn oder sogar einen Feind zurücklassen wollte, schloss er einen Vertrag mit Pyrrhos, dessen genauere Bestimmungen uns unbekannt sind, in dem er aber wahrscheinlich einige streitige Grenzgebiete an Pyrrhos abtrat (die Vermutung Droysens II 2, 287, dass er dem Pyrrhos den Westen überlassen habe, ist ohne Grundlage). Während dessen machte er die umfassendsten und grossartigsten Rüstungen zu Wasser und zu Lande, um die im Osten ihm entrissene Herrschaft wieder zu gewinnen. Diesen gewaltigen Vorbereitungen gegenüber schlossen sich nun die drei Könige Lysimachos, Ptolemaios und Seleukos zu einem neuen Bunde wider D. zusammen und bestimmten auch Pyrrhos, den mit D. geschlossenen Vertrag zu brechen. Während Lysimachos und Pyrrhos von verschiedenen Seiten her in Makedonien einfielen, erschien eine ägyptische Flotte (unter dem Befehle des Zenon, wie wir aus CIA IV 309 b = Dittenberger Syll.² 193 erfahren) im aegaeischen Meere und versuchte die Städte an der griechischen Küste zum Abfalle von D. zu bringen (Plut. Demetr. 44; Pyrrh. 11). D. zog zunächst dem Lysimachos entgegen, und es scheint damals zu einem offenen Kampfe zwischen beiden bei Amphipolis gekommen zu sein, in dem D. Sieger blieb (so berichtet Pausanias I 10, 2, und es ist diese Notiz mit v. Wilamowitz a. O. 245 und Schubert Pyrrhus 142 wohl auf diese Zeit zu beziehen; allerdings ist die Darstellung des Pausanias unvereinbar mit der bei Plutarch a. O. sich findenden, die auf Duris zurückgeht und an sich nicht ohne Bedenken ist). D. wurde dann durch die grossen Erfolge des Pyrrhos in Makedonien veranlasst, sich von Lysimachos wider diesen zu wenden; da brach die grosse Katastrophe über ihn herein; die Stimmung der Makedonier wurde immer schwieriger, der Abfall zu Pyrrhos allgemeiner, und so entschloss sich D., sein Lager heimlich zu verlassen und damit den makedonischen Königsthron aufzugeben, nachdem er diesen sechs volle Jahre innegehabt hatte (also im J. 287; vgl. Euseb. I 233, 3. 234, 3. 241, 39f.; app. 13. II 119. Synkell. 513; der Ausdruck bei Plut. Demetr. 44 z. E.: ἑπταετίαν... ἀρχθείσης bedeutet wohl: im siebenten Jahre, und kommt dann auf dasselbe hinaus; aus der Erwähnung des Eichenlaubes, mit dem sich die Soldaten bekränzten, bei Plut. Pyrrh. 11 dürfen wir wohl mit Droysen II 2, 298, 2 schliessen, dass es nicht Winterszeit war). Pyrrhos nahm nun das Lager des D. und zugleich die Herrschaft über Makedonien in Besitz, trat aber einen Teil des makedonischen Gebietes an Lysimachos ab (Plut. Demetr. 44; Pyrrh. 11f. Iust. XVI 2, 1 ff.).

D. floh zunächst nach Kassandreia, wo seine edle Gattin Phila, im tiefen Schmerze verzweifelnd an ihres Gemahles Geschick, sich selbst den Tod gab, dann wandte er sich nach Hellas und erschien sehr bald in Theben, dessen Bewohner er dadurch, dass er ihnen ihre Autonomie zurückgab, wohl an sich zu fesseln suchte (Plut. Demetr. [2790] 45. 46 z. A.). Er hatte immer noch eine nicht ganz unbedeutende Stellung, da Thessalien und der grösste Teil von Griechenland noch unter seiner Herrschaft stand; da traf ihn ein besonders schwerer Schlag durch den Abfall der Athener, die unter der Führung des Strategen Olympiodoros die makedonische Besatzung schlugen und das Museion einnahmen und somit ihre Stadt befreiten (Plut. Demetr. 46. Paus. I 26, 1f.). Wann dies geschehen ist, lässt sich nicht ganz genau bestimmen, doch erfahren wir aus CIA IV 309 b = Dittenberger Syll.² 193, dass im Anfange des Archontates des Diokles die Stadt schon frei war. Da nun die Sendung der ägyptischen Flotte unter Zenon, auf die jene Inschrift Bezug nimmt, nicht bereits im Anfang 288, sondern nach Plutarchs Darstellung erst im Frühjahr 287, kurz vor der Katastrophe des D. in Makedonien, stattgefunden haben kann, so können wir das Archontat des Diokles nicht in das J. 288/7 verlegen, sondern müssen es dem J. 287/6 zuweisen (danach ist Bd. II S. 2279, 35 zu berichtigen), und es wird demnach die Befreiung Athens kurz vor dem Beginne dieses Archontenjahres, etwa im Anfang des Sommers 287, erfolgt sein. Auf die Einnahme des Museion haben auch Bezug die Inschriften CIA II 317. 318 = Dittenberger Syll.² 198. 199. D. hatte unter dessen wieder seine Streitkräfte zur See gesammelt (Plut. Demetr. a. O.; Pyrrh. 12) und erschien mit seiner Flotte vor Athen, um die Stadt zu belagern. Weniger gewiss die Vorstellungen einer athenischen Gesandtschaft, an deren Spitze der Philosoph Krates erwähnt wird, als die politische und militärische Situation, in der er sich befand, das Herannahen des Pyrrhos, den die Athener zur Hülfe herbeigerufen hatten, die Unterstützung, die die Stadt von anderen auswärtigen Mächten, namentlich Ägypten, erhielt, bestimmten D., die Belagerung aufzuheben, wobei er immerhin das Ziel der Wiedergewinnung Athens im Auge behalten mochte, da die Hafenbefestigungen noch in seiner Gewalt waren (vgl. auch Plut. Demetr. 51 z. A.; betreffs der von v. Wilamowitz a. O. 208ff. über Gebühr aufgebauschten Gesandtschaft des Krates vgl. die treffende Bemerkung von Niese I 379, 3). Die Athener, die besonders mit Getreidesendungen und Geldmitteln von den verschiedensten Seiten, von Ptolemaios und Lysimachos und dessen Schwiegersohn Antipatros, daneben aber auch von den Königen Audoleon von Paionien und Spartokos von Bosporos unterstützt wurden (vgl. ausser der schon erwähnten Inschrift CIA IV 209 b noch Vit. X or. 851 e. CIA II 331 Z. 27ff. 314 Z. 31ff. vielleicht auch 319. 320, ferner 311. 312. 313. Dittenberger Syll.² 213. 197. 201. 194. 195. Hicks Gr. hist. inscr. 157. 158. 159. 160. 167), bemühten sich, ihre wiedererlangte Freiheit durch die Rückeroberung von Peiraieus und Munychia zu sichern; doch ist ihnen dies jedenfalls erst nach 284/3 (Archontat des Euthias; vgl. CIA II 314 Z. 34ff.), zugleich erst nach der Gefangennahme des D. (Plut. Demetr. 51 z. A.) gelungen. D. war unterdessen nach der kleinasiatischen Küste gesegelt, um hier die von Lysimachos gewonnenen Landschaften, namentlich Lydien und Karien, wieder von dessen Herrschaft loszureissen (Plut. Demetr. 46). Er hatte mit Pyrrhos einen Vertrag [2791] geschlossen, in dem er jedenfalls diesen als König von Makedonien anerkannte; doch hielt Pyrrhos auf Zureden des Lysimachos, der jetzt hauptsächlich den Angriff des D. zu bestehen hatte und zugleich wohl die Gelegenheit der Verflechtung des epirotischen Königs in die hellenischen Angelegenheiten benützen wollte, um selbst seine Herrschaft in Makedonien auszubreiten, den Vertrag nicht, sondern suchte Thessalien zum Abfall von D. zu bringen und seine Besatzungen in den hellenischen Städten zu vertreiben, griff also in das damals noch bestehende Herrschaftsgebiet des D. ein. In Kleinasien, wo ihm Eurydike, die Schwester der Phila, ihre und des Ptolemaios Tochter Ptolemais als Gemahlin zuführte, operierte D. nicht ohne Erfolg; seine frühere Popularität in Verbindung mit dem Umstand, dass Lysimachos mit seiner Herrschaft in den griechischen Städten zugleich Verfassungsänderungen einführte, öffnete ihm die Thore mancher Städte, andere bezwang er mit Gewalt. Er nahm sogar auch Sardes ein, und mehrere Feldherrn des Lysimachos brachten ihm durch ihren Abfall erwünschte Verstärkungen (Plut. Demetr. 46). Da erschien aber Agathokles, der Sohn des Lysimachos, mit einem ansehnlichen Heere; vor diesem musste D. nach Phrygien zurückweichen und erhob sich nun zu dem abenteuerlichen Plane, von Armenien aus in Medien einzudringen und so Seleukos im Centrum seiner Machtstellung zu bedrohen. Auf seinem Marsche von Agathokles verfolgt, wusste er sich allerdings in offenem Kampfe des Gegners zu erwehren, sein Heer erlitt aber grosse Verluste infolge von Hunger und Krankheit (Plut. Demetr. 46). Er musste seinen Plan aufgeben und zog sich nach Kilikien; hier suchte er sich von Feindseligkeiten gegen Seleukos fern zu halten, da aber bei dem grossen Mangel in seinem Heere sich dies nicht durchführen liess, der Rückgang nach Norden ihm durch Agathokles, der die Pässe über den Tauros besetzt hatte, versperrt war, wandte er sich als Bittender an Seleukos, indem er ihm seine bedrängte Lage schilderte. Seleukos gab zunächst seinem Feldherrn in Kilikien Anweisung, das Heer des D. mit Zufuhr zu versehen, auf die Vorstellungen des Patrokles aber, der ihn auf die von D. drohende Gefahr hinwies, machte er sich selbst mit seinem Heere nach Kilikien auf. Auf die Bitten des D. gestattete er diesem, auf zwei Monate in Kataonien Winterquartiere zu nehmen (286/5), und versperrte zugleich durch Verschanzungen die nach Syrien führenden Pässe. D., der sich wie ein wildes Tier in einem Käfig eingeschlossen sah, unternahm nun Angriffe auf das Gebiet des Seleukos. Obgleich er in mehreren Gefechten mit diesem Vorteile errang und sogar den Zugang nach Syrien gewann, wurde doch seine Lage immer schwieriger, weil der grösste Teil seines an sich schon sehr geschwächten Heeres zu Seleukos überging. Mit wenigen Gefährten, die ihm treu geblieben waren, floh D. nach dem Amanospasse; den Plan, nach Kaunos zu fliehen, wo er seine Flotte zu treffen hoffte, gab er wieder auf und liess sich zuletzt, der Not gehorchend, von den wenigen Freunden, die bei ihm geblieben waren, überreden, sich dem Seleukos zu ergeben (285 = Ol. 123, 4; Euseb. I 247, 28 nach v. Gutschmids einleuchtender Verbesserung für [2792] 120, 4. Hieronymos II 119 giebt das J. 1733 an; ausführliche Erzählung der letzten Schicksale des D. bei Plut. Demetr. 48ff.). Er wurde nach der Stadt Cheronesos (Apameia in Syrien) gebracht und dort in ehrenvollem Gewahrsam gehalten; Lysimachos versuchte vergeblich Seleukos zu überreden, ihn zu töten (Diod. XXI 20. Plut. Demetr. 51); andererseits bestand aber wohl auch bei diesem nicht die ernstliche Absicht, den gefangenen Gegner wieder freizulassen. D. verzichtete denn auch völlig auf den Gedanken einer Wiederaufnahme seiner Herrschaft, er überliess diese vielmehr gänzlich seinem Sohne Antigonos, der vergebens den Seleukos gebeten hatte, ihn als Geisel anstatt seines Vaters anzunehmen, und verbrachte die letzte Zeit seines Lebens in Unthätigkeit und unter mannichfachen Ausschweifungen (Plut. Demetr. 52, wohl nach Duris). Er starb im dritten Jahre seiner Gefangenschaft, im 54. Jahre seines Lebens, also im J. 283/2, wahrscheinlich nach 283 (hiermit stimmt überein, dass nach Porphyrios bei Euseb. I 247, 25f. D. 17 Jahre regierte, von Ol. 120, 1 = 300/299 an gerechnet, und ebenso, dass des Antigonos Regierung von Porphyrios im ganzen auf 43 oder 44 Jahre gerechnet wird, 283/2–240/39, Euseb. I 237. 238, 9f.). Wahrscheinlich hat Antigonos erst seit dem Tode des D. den officiellen Königstitel geführt, und es ist bei Euseb. I 237, 12 nach v. Gutschmids Conjectur Ol. 124, 2 = 283/2 statt 123, 2 zu lesen). Vgl. im allgemeinen noch Niebuhr Vortr. über alte Gesch. III 109ff. Droysen Gesch. d. Hellen. II 2. Niese Gesch. d. griech. u. makedon. Staaten I 293ff. v. Wilamowitz Phil. Unters. IV 186ff. Holm Griech. Gesch. IV Cap. II. III. G. de Sanctis Studi di Storia antica II 21ff.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 342
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33) (Zu S. 2782, 60) Nach diesen Münzen hat Wolters Röm. Mitt. IV (1889) 35ff. eine herculanensische Marmorherme mit kurzen Hörnern im Haare als D. erklärt (beste Abbildung bei Brunn und Arndt Griech. und röm. Porträts nr. 353/4). Die gegen diese Deutung ausgesprochenen Zweifel erledigen sich, wenn man bedenkt, dass zum Vergleich mit dem noch sehr jugendlichen Marmorkopfe nur Münzen, wie die bei Imhoof-Blumer Porträtköpfe auf Münzen hellen. Völker Taf. II 7, in Betracht konnen können. Dagegen stellt eine späte Bronzestatuette in Neapel (Brunn und Arndt nr. 355/6) nicht D. dar, sondern es ist sehr fraglich, ob sie Hörner im Haare und überhaupt Porträtzüge hat.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vgl. hierzu den Nachtrag im Supplementband I (1903).