RE:Iamblichos 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band IX,1 (1914), Sp. 645–651
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3) I., der Neuplatoniker, stammte aus Chalkis in Koilesyrien. Über sein Leben sind wir höchst dürftig unterrichtet; die Nachrichten bei Eunapius sind unzuverlässig, großenteils alberne Wundergeschichten. Sicher scheint nur, daß er zur Zeit Constantins des Großen gewirkt hat, etc. etc.


[649] Die Schrift Über das Leben des Pythagoras ist von Rohde Rh. Mus. XXVI 554. XXVII 23 = Kleine Schriften II 102) eingehend analysiert worden; er zeigt, daß sie teils auf Nikomachos von Gerasa beruht, den auch Porphyrios für seine Pythagorasbiographie heranzog, teils auf Apollonios von Tyana; vgl. auch Corssen Rh. Mus. LXVII 261. Die späteren Untersuchungen haben dieses Hauptresultat Rohdes fast durchweg bestätigt und ihn nur in Bezug auf die von Nikomachos und Apollonios benutzten Quellen berichtigt Namentlich hat sich herausgestellt, daß außer Aristoxenos (über den v. Jan o. Bd. II S. 1057 einseitig handelt; vgl. jetzt Mewaldt De Ar. Pythagoricis sententiis, Berlin 1904. Diels Vorsokr. I 361) namentlich Androkydes und Timaios in weiterem Umfange zugrunde liegen, als Rohde angenommen hatte. Vgl. Bertermann De Iamblichi vit. Pythagoricae font., Königsb. 1913.

[650] Die Annahme, daß die erhaltenen Θεολογούμενα τῆς ἀριθμητικῆς von I. herrühren, beruht darauf, daß I. nach Syrian 140, 15 ἐν ἑβδόμῃ βίβλῳ τῆς τῶν Πυθαγορείων δογμάτων συναγωγῆς über die Monas gehandelt hat, und daß er in Nicom. 118, 14. 125, 15 in einem späteren Buche über die Zahlen von Eins bis Zehn zu handeln verspricht. Vgl. Altmann De Posidonio Timaei commentatore, Berlin 1906, 51. Das erhaltene Buch, das in den Hss. nicht den Namen des I. trägt, entspricht zwar seinem Inhalte nach dem von I. angekündigten Werk, ist aber nur eine Kompilation aus Anatolios und Nikomachos (s. d. und vorläufig die Ausgabe von Anatolios περἷ δεκάδος καὶ τῶν ἐντὸς αὐτῆς ἀριθμῶν von Heiberg in Annales du Congrès d’histoire, Paris 1900, sowie Borghorst De Anatolii fontibus, Berlin 1905, 3), die in dieser Form dem I. zuzutrauen bedenklich ist.

Die Schrift des I. über die chaldäische Theologie ist zweifellos echt, vgl. Marin, vit. Procli 26 τοῖς τε εἰς Ὀφρέα αὐτοῦ (Syrians) ὑπομνήμασιν ἐπιμελῶς ἐντυγχάνων καὶ τοῖς Πορφυρίου καὶ Ἰαμβλίχου μυρίοις ὅσοις εἰς τὰ λόγια (das sind die chaldäischen Orakel) καὶ τὰ σύστοιχα τῶν Χαλδαίων (wohl besonders des Theurgen Iulianos, s. d.) συγγράμματα. Kroll De orac. Chaldaicis 7. Auf ihr beruht gewiß das chaldäische System, wie es bei den Späteren, vor allem Proklos, erscheint.


Die Schrift über die Mysterien ist von Proklos für echt gehalten worden. Was man besonders gegen die Echtheit geltend gemacht hat, der heftige Ton der Polemik gegen Porphyrios, verschlägt nichts, da I. auch sonst ziemlich scharf gegen Ansichten des Porphyrios vorgegangen ist, vgl. Rasche 22. Die Dogmen weichen von denen des I. nicht wesentlich ab (Rasche 11) und die Sprache stimmt mit der der echten Schriften auffallend überein (Rasche 25). Die Schrift gibt eine umfassende Darstellung der Theologie, besonders der Dämonen- und Engellehre, und ist ein wichtiges Dokument für den Versuch, den religiösen Synkretismus wissenschaftlich zu begründen.

Über die Bedeutung des I. wird sich besser urteilen lassen, sobald eine kritische Fragmentsammlung vorliegt, die von Kintrup vorbereitet wird. Doch darf schon jetzt die von Praechter Genethliakon für Robert 105 im Gegensatz zu Zeller begründete Schätzung des I. Geltung beanspruchen. Danach bedeutet I. einen Markstein in der Entwicklung des Neuplatonismus und weist allen späteren Vertretern dieser Philosophie die Richtung. Er entwirft die komplizierte theologische Hierarchie, indem er die pythagoreischen, orphischen und chaldäischen Dogmen (oder das, was er dafür ausgab) mit dem schon vorher in seiner Schule geltenden System verquickt, ohne dessen Grundlagen in nennenswerter Weise zu verrücken. Das geht schon daraus hervor, daß auch er mit einem großen Teile seines Wesens Exeget ist, nicht bloß des Platon, sondern auch des Aristoteles; und zwar bestrebt er sich im Gegensatz in den früheren Erklären, Konsequenz and Einheitlichkeit besonders in den Platonischen Dialogen nachzuweisen. Seine Nachwirkung ist eine sehr große und wird von den jüngeren Neuplatonikern dadurch anerkannt, daß sie ihm das [651] Prädikat θεῖος, das höchste, das sie zu vergeben haben, beilegen.