RE:Iastos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914), Sp. 11781179
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S. 790, 52 ist einzuschieben:

Iastos (Ἰάστος Ptolem. VI 14, 2), ein Fluß in Scythia intra Imaum, der sich von Osten her in das Hyrkanische Meer ergießt. Zu beachten ist, wie auf der Karte des Marinos-Ptolemaios die Mündung des I. und die der benachbarten Flüsse zueinander liegen. Während die Mündung des Rymmos vom Ra 4½° entfernt ist, folgen weiter nach Osten der Daix, Iaxartes, I.‚ Polytimetos und schließlich zurück nach Westen der Oxos jedesmal in Distanzen von genau 3°. Die Beobachtung eines solchen Schemas wäre undenkbar, wenn über diese Küstenstrecke eine Beschreibung vorgelegen hätte, wie es von der Südküste der Fall zu sein scheint (vgl. den Art. Hyrkania); nicht einmal die Angabe des Praefectus classis Patrokles, von der Mündung des Oxos bis zu der des Iaxartes betrüge die Küstenlänge 2400 Stadien (vgl. Strab. XI 507), ist kartographisch verwertet worden. Vielmehr kann es sich nur um Nachrichten aus dem Binnenlande handeln, die dann Marinos durch eigene Kombinationen ergänzt hat. Das steht vom Iaxartes und Polytimetos ohne Weiteres fest, da sie ja ihre Mündungen garnicht im Kaspischen Meere haben. Ebenso verhält es sich mit den Nachrichten über den Rymmos, Daix und I. Diese hatte man nur in ihrem Oberlauf und im Quellgebiet kennen gelernt, nämlich längs der Handelsstraße, die vom Don und der Wolga über Orenburg nach dem unteren Iaxartes führte (vgl. die Art. Ra und Ῥυμμικὰ ὄρη); von diesem Standpunkte wird es um so deutlicher, daß der Rymmos nur der Usen, der Daix nur der Ural sein kann.

[1179] Was nun den I. betrifft, so dürfen wir nicht daran Anstoß nehmen, daß bei Ptolemaios allein seine Mündung durch Gradzahlen festgelegt ist. Weshalb von seiner Quelle nichts ausgesagt wird — die überlieferten Karten verlegen sie gewöhnlich in die Ὄξια ὄρη -‚ findet mit Hilfe des Ansatzes der Ἰάσται seine einfachste Erklärung. Dieses Volk erscheint bei Marinos-Ptolemaios nicht, wie man nach dem Namen erwarten sollte, am I. selbst, sondern weit im Norden, durch andere Völker geschieden, am Νόροσσον ὄρος. Zweifellos sollte auch hier die Quelle des I. angesetzt werden. Aber der Einschub des unteren Iaxartes zwang den Kartographen, den Fluß von seinem Volk gänzlich zu trennen, so daß er den ursprünglichen Ansatz der Quelle aufgeben mußte.

Daß in Wahrheit der I. aus dem Νόροσσον ὄρος kommt und zwischen dem Daix und dem Oxos als einziger Fluß ins Meer mündet, beweist ein Vergleich mit den tatsächlichen Verhältnissen. Halten wir daran fest, daß der Daix dem Ural, der Unterlauf des Oros dem heutigen Trockenbett des Usboi entspricht, so bleibt zwischen beiden als einziger nennenswerter Fluß die Emba; gerade sie ist es zugleich, welche im Νόροσσον ὄρος, dem heutigen Mugodschar Gebirge, ihre Quelle hat. Damit dürfte in diesen Partien die Marinoskarte in jeder Beziehung klargestellt sein.

Die Bezeichnung I. geht wohl auf den entsprechenden Völkernamen zurück. Andere Namen für die Emba kennen wir aus dem Altertum nicht. Erst der durch Menandros Protektor erhaltene Reisebericht des byzantinischen Gesandten Zemarchos (570 n. Chr.) nennt uns dafür einen besonderen Namen Ἴχ (FHG IV 229).