RE:Lamia 5

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,1 (1924), Sp. 546–547
Lamia (Geliebte des Demetrios) in der Wikipedia
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5) Eine der berühmtesten Hetairen war die Geliebte des Demetrios Poliorketes. Sie war eine Tochter des Atheners Kleanor (Athen. XIII 577c) und zeichnete sich durch ihr Flötenspiel aus (Athen. a. O. III 101 e. IV 128 b. Machon bei Athen. XIII 577 e. Plut Demetr. 16). Sie muß dann nach Ägypten verschlagen worden sein und geriet nach dem Seesieg bei Salamis auf Kypros 306 in die Gewalt des Demetrios (Plut. a. O.). Obwohl sie nicht mehr jung war, wußte sie doch den jungen Fürsten durch ihre Reize und ihren Geist so zu fesseln, daß er nur sie wirklich zu lieben schien (Plut. a. O. 19. 27). In seinem Gefolge kam sie dann nach Athen, wo sie wie eine Fürstin an seiner Seite schaltete und von den Athenern umschmeichelt wurde (Plut. Demetr. 24). Einmal soll Demetrios ihr 200 Talente, die er von den Athenern (oder den Thessalern) eintreiben ließ, für ihren Putz geschenkt haben (Plut. Dem. 27; vgl. Niese Gesch. der griech. u. maked. Staaten I 335, 1). Ihre üppigen Gelage erlangten einen gewissen Ruf (Plut. a. O. Athen. III 101 e. XIII 577 e. IV 128 b). Die kriechende Schmeichelei der Athener dem Könige gegenüber erreichte damals ihre Höhe: wie sie schon 307 dem Demetrios selbst göttliche Ehren zuerkannt hatten, so erbauten sie jetzt der L. als Aphrodite einen Tempel; ihnen folgten die Thebaner (Demochares frg. 3 [FHG II 419]. Polemon frg. 15 [FHG III 120]). Schon aus dieser Ehrung kann man schließen, daß Demetrios die L. wie eine Fürstin hielt. Neben Aelian. var. hist. XII 17 und den oben angeführten Stellen des Plutarch wird man für ihre gegenseitige Zuneigung den Brief der L. an Demetrios bei Alciphr. IV 16 heranziehen dürfen. Gewiß ist auch dieser Brief nicht wirklich von L. geschrieben worden. Doch hebt v. Wilamowitz Herm. XLIV [547] 467ff. mit Recht hervor, daß er vorzügliches historisches Material enthalte und das Ethos eines weiblichen Briefes besitze. Jedenfalls reiche der Brief nahe an die Zeit heran, in die er uns führe. So wird man mit der Annahme nicht fehlgehen, daß der Brief aus einem Kreise stammt, der noch eine lebendige Anschauung des damaligen Treibens in Athen besaß; deshalb kann er als historische Quelle für die Persönlichkeit des Demetrios und der L. benutzt werden. Zu vergleichen ist er in dieser Hinsicht mit dem Briefe der Glykera an Menandros. Daß L. nicht ohne Geist war, beweisen auch ihre von Machon (bei Athen. XIII 577 d–f), Plutarch (Demetr. 27) und Aelian (var. hist. XIII 8. 9) angeführten Aussprüche. Auf ihren Zügen im Gefolge des Demetrios muß sie auch nach Sikyon gekommen sein, das von dem Könige damals auf die Anhöhe verlegt wurde, auf der es seitdem lag (Diod. XX 102. Plut. Demetr. 25. Strab. VIII 382). Die neue Stadt, die den Namen Demetrias annahm, wurde von L. durch Erbauung einer στοὰ ποικίλη verschönt (Polemon frg. 14 [FHG III 120]). Über ihr Verhältnis zu Demetrios vgl. noch Phylarchos frg. 6 (FHG I 335). Ihrer Verbindung mit Demetrios entsproß eine Tochter Phila (Athen. XIII 577 c). Da Adeimantos, einer der Schmeichler des Demetrios, der Phila als Phila Aphrodite in Lampsakos einen Tempel errichtet haben soll (Athen. VI 255 c), vermutet Fr. Jacobs Verm. Schrift. IV 533f., daß hier die Tochter des Demetrios gemeint sei. An Stelle des fälschlich überlieferten ἀπὸ τῆς Δημητρίου μητρὸς Φίλας wäre dann θυγατρὸς zu lesen. Die Nachricht bei Diog. Laert. V 5, 76 (auf Favorinus [frg. 8, FHG III 578] zurückgeführt) und Choiroboskos (Bekker Anecd. Graeca 1395 = Cramer Anecd. Gr. Oxon. II 239), daß Demetrios von Phaleron ebenfalls L. geliebt habe, möchte ich, wenn auch die Möglichkeit zuzugeben ist, für eine Verwechslung einmal mit Demetrios Poliorketes und dann mit der Hetaire Lampito (s. d.) halten, da uns sonst diese Tatsache auch in der historischen Literatur, wenigstens bei Plutarch, bezeugt sein würde. Literatur: Außer den Werken von Droysen, Beloch, Niese Fr. Jacobs Vermischte Schriften, Leipzig 1830, IV 523–539.