RE:Leimones

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,2 (1925), Sp. 18641869
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Leimones, Personifikation von Wiesen. Hierfür gibt es nur einen, aber wichtigen (s. u.) literarischen Beleg. Nach dem älteren Philostratos, imag. II 4, 3, trauerten auf dem Bilde, das den Tod des Hippolytos darstellte, Felsgipfel, Wiesen und Nymphen, und zwar waren die Felsgipfel und Wiesen in menschlicher Gestalt gemalt: σκοπιαὶ μὲν αὗται, δι’ ὧν ἐθήρας σὺν Ἀρτέμιδι, δρύπτονται τὰς παρειὰς ἐν εἴδει γυναικῶν, λειμῶνες δὲ ἐν ὥρᾳ μειρακίων, οὓς ἀκηράτους[hierzu zitiert die Wiener Ausg. S. 134: Eur. Flipp. 73. 76. Philostr. Her. 133, 28; vgl. noch Apoll. Rhod. I 852, etwa: jungfräulich] ὠνόμαζες, μαραίνουσιν ἐπὶ σοὶ τὰ ἄνθη, Νύμφαι δὲ κτλ. Bougot Philostrate l’ancien, Paris 1881, 372 (verständig). Höfer und Drexler Myth. Lex. II 1934. Steuding ebd. 2129. Man hat wie die Glaubwürdigkeit der philostratischen Bilderbeschreibungen im allgemeinen, so insbesondere bezweifelt, ob es in der antiken Kunst derartig personifizierte Wiesen gegeben habe, ja ob die Kunst sie überhaupt darstellen könne. Da aber auf einem pompeianischen Bilde L., als Jünglinge personifiziert, so gut wie einwandfrei nachgewiesen sind, so gibt die Stelle ein prinzipiell wichtiges Argument für die Glaubwürdigkeit des Philostratos, die ich für ein andres Bild im Art. Komos 3 c und mit allgemeinen Gründen Woch. f. kl. Phil. XXXII 1915, 1231 gestützt zu haben glaube. Die sehr förderlichen Ausführungen über die L. bei Philostratos und die Naturpersonifikationen der Odysseebilder von M. Mayer Arch. Jahrh. XXXIV Anz. 123ff. sind mir leider verspätet zu Gesicht gekommen. Auch Mayer hält Philostratos für glaubwürdig.

Der Zweifel ging von Welcker in Jacobs’ Philostratosausgabe (1825) aus. Nach ihm begegnen Wiesen als Jünglinge in der antiken Kunst nie. Das war damals richtig; das erwähnte Bild wurde im Museo Borbonico II Tav. 59 erst 1825 publiziert. Die Deutung Zoegas Bassiril. I 230, 3, der in den L. des Philostratos Putten sah, erledige sich durch das Wort μειράκια; auch dies ist richtig. Da nun zwar von den σκοπιαί gesagt sei, sie seien ἐν εἴδει γυναικῶν dargestellt, nicht aber von den Wiesen: ἐν εἴδει μειρακίων (vielmehr ἐν ὥρᾳ, so seien nur die Warten personifiziert zu denken, und bei den Wiesen heiße ἐν ὥρᾳ blühend; dagegen richtig O. Jahn Arch. Beitr. 327. Auch das Welken der Blumen habe ein Bild nicht wohl darstellen können, das seien [1865] elegantiae verborum pravae; darüber s. u. Endlich nahm Welcker Arch. Ztg. XXIII 57f. an der Dreizahl der Jünglinge Anstoß (das widerlegte Helbig Rh. Mus. XXIV 512). So schloß er, diese Jünglinge seien ebenso wie die σκοπιαί in Frauengestalt, da die Bergwarten sonst männlich seien (falsch, s. u.), offenbar Zutat und Erfindung des Rhetors ‚aus dessen Beschreibungen noch viele uns anwidernde Verschönerungen und Fälschungen kleinlicher und lockerer Art sich ausscheiden lassen‘(!). Weiterhin leugnete Friederichs Die philostr. Bilder 1860, 99, der im allgemeinen den philostratischen Beschreibungen jede Glaubwürdigkeit absprach, überhaupt die Möglichkeit, Bergwarten und Wiesen zu anthropomorphisieren; insonderheit sei eine Wiese nichts für sich Bestehendes, sondern untrennbar vom Erdboden, den sie bedeckt; dagegen Brunn Jahrb. Suppl. IV 289. Gerber Berge in Poesie und Kunst der Alten, Münchn. Diss. 1882, 24, 38, betonte, daß bei den Bergwarten und Nymphen des philostratischen Bildes menschliche Affekte stattfinden, solche dagegen bei den L. fehlten; das Welken der Blumen komme vielmehr einer realen Wiese zu. Aber nach Philostratos welken die Blumen nicht auf den Wiesen, sondern die Wiesen lassen die Blumen welken, sind also in Tätigkeit; auch Wieseler Gött. Gel. Nachr. 1876, 82 fand bei ihnen Teilnahme an der Handlung. Mehr darüber s. u.

Am besten erledigt sich die Opposition gegen Philostratos meines Erachtens durch den Nachweis von Ludolf Stephani (daß dieser in der Frage das entscheidende Wort gesprochen hat, wird in der angeführten Literatur nicht immer deutlich) Parerga archaeol. XIV in Bull. historico-phil. de l’Ac. de St.-Pétersb. XII 1855, 300ff., besonders 302, 80 und Mélanges gréco-romains I 1855, 580, 80. Er wies Mél. gr.-r. I 579f. Frauengestalten auf Felsspitzen nach, in denen man gar nichts anderes sehen kann als die philostratischen σκοπιαί (so auch Helbig Camp. Wandmal. 117. Wieseler Phaethon 74; frei-lich bezweifelt von Steuding 2128), vor allem aber auf einem pompeianischen Bilde L. als Jünglinge. Allerdings werden die von ihm als L. gedeuteten Figuren von anderen auch anders benannt.

Es ist das oft abgebildete Wandbild aus dem Hause des tragischen Dichters mit der heiligen Hochzeit des Zeus und der Hera oder der Begegnung des Zeus mit Hera auf dem Idegebirge, Helbig Wandgem. 114; Camp. Wandmal. 117. Ruesch Guida del Mus. naz. nr. 1281, publiziert z. B. Mus. Borb. II tav. 59, farbig bei Inghirami Gall. Om. II 131, bequem zugänglich bei Baumeister Denkm. Abb. 2390 (danach die drei L. bei Steuding 2129), besser bei Mau Pompeii² 332 Fig. 173 (Text 334), am besten bei Herrmann-Bruckmann Denkm. d. Mal. d. Altert. Taf. XI, die L. im Text Fig. 3 noch einmal gesondert. ,Unter dem Felsen, worauf Zeus sitzt, sitzen auf dem Rasen drei zarte Jünglinge, beträchtlich kleiner gebildet als die übrigen Figuren, alle drei mit Laub und Primeln bekränzt, vermutlich-.L., welche das mit dem ἱερὸς γάμος verbundene Erwachen der Natur ausdrücken‘, Helbig Wandg. 114; Charakterisierung [1866] der künstlerischen Darstellung bei Herrmann 15 (ebd. 17, 3 ,die Kränze bestehen aus Zweigen mit eingeflochtenen Blüten; ob es Primeln sind ...., wird sich nicht sicher bestimmen lassen; sicher dagegen nicht Eichenkränze‘).

Nun deutete freilich Inghirami Gall. Om. II 35 die Jünglinge auf Kureten oder Korybanten; das war aber offenbar nur eine Verlegenheitserklärung, die auch dadurch nicht gestützt werden kann, daß die Korybanten auf dem Idegebirge, wo sich Inghirami die Szene dachte, verehrt wurden; denn sie gehören in die Kindheit des Zeus, nicht zu seiner Hochzeit. C. O. Müller Bull. d. Inst. 1832, 191f. dachte u. a. an die idalischen Daktylen, andre an die idalischen, und man suchte diese Deutung mit gewissen auffallenden Fingerbewegungen der Jünglinge zu stützen (Mau a. a. O.); dagegen wandte mit Recht Helbig Rh. Mus. XXIV 513 ein, diese Daimonen metallurgischer Geschicklichkeit müßten als kraftvolle, könnten aber nicht als so zarte Jünglinge dargestellt werden, wie sie auf dem Bilde erscheinen. Förster Hochzeit d. Zeus u. d. Hera, Bresl. Winckelm.-Progr. 1867, 35, 2, der die Deutung auf L. ausdrücklich ablehnt, dachte aus verschiedenen Gründen an die Selloi auf dem Tomaros bei Dodone; das erledigt sich schon mit dem ganz unpriesterlichen Aussehen der Jünglinge und dadurch, daß sie die von Förster vorausgesetzten Eichenkränze nicht tragen; vgl. u. Nicht überzeugend griff Terzaghi Atene e Roma V 1902, 438ff. auf die idaiischen Daktylen oder die Kureten zurück: aber die phrygische Mütze, die O. Müller auf dem Haupte eines (so!) der drei Jünglinge zu sehen glaubte (so!), ist wenigstens heute nicht mehr zu erkennen, und die Krotala, Tympana und Flöten des Bilds gehören ersichtlich nicht zu den drei Jünglingen, denen sie der Maler so leicht hätte in die Hand geben können, wenn er sie zu ihnen hätte in Beziehung setzen wollen (derselbe Irrtum auch bei Welcker Arch. Ztg. XXIII 58. Förster, den die Säule mit Becken an das Kesselorakel des Zeus und der Dione erinnerte). Nach Terzaghi hat das pompeianische Bild als Szene guter Vorbedeutung (der ἱερὸς γάμος symbolisiert das Wiedererwachen der Natur) mit dem philostratischen, das eine Trauerszene darstelle, nichts zu tun. Aber wenn schon die Jünglinge L. sind: auf einer Wiese kann sich doch Glückbedeutendes und Trauriges in gleicher Weise ereignen! Auch den Einwand halte ich für gesucht, daß das Wandbild drei Jünglinge zeige, Philostratos aber die Zahl seiner L.-Jüng-linge nicht ausdrücklich nenne, s. o.

Obwohl sich, wie im vorstehenden dargelegt, die von Stephani abweichenden Erklärungen widerlegen und die gegen Philostratos vorgebrachten Bedenken zerstreuen lassen, hat doch Welckers und Friederichs’ negative Kritik merkwürdig lange nachgewirkt. [Johannes Overbeck|Overbeck]] Kunstmyth. Zeus 242 ließ die Frage offen, ob Daktylen oder L. vorliegen, und sagt Kunstmyth. Hera 179: ,Über diese Jünglinge ist eine Entscheidung kaum möglich.‘ Höfer referiert lediglich, ‚man deute‘ die Jünglinge ,neuerdings‘ auch als L., Drexler gibt nur sehr objektiv Literatur und Zeugnisse für und gegen die Deutung [1867] auf L. an, und Steuding bezeichnete es sogar als einigermaßen zweifelhaft, ob man wegen der alleinstehenden Stelle bei Philostratos anderwärts Personifikationen von Wiesen annehmen dürfe. Noch 1908 brachte Mau Pompeii² 334 die Deutung auf idaiische Daktylen wenigstens zweifelnd vor; auch Herrmann vermeidet das Wort L. offenbar absichtlich: ,Die drei Jünglinge unten mit ihren Blütenkränzen sind eine direkte Inspiration der homerischen Poesie, die da schildert, wie zum Lager für das hohe Götterpaar auf dem Ida die Erde Blumen in dichter Fülle dem Boden entsprießen läßt. Diesen Frühlingszauber der Natur gibt der antike Künstler unter dem Bilde taufrischer Menschenkinder‘.

Am deutlichsten zeigt Helbigs Aufsatz (Rh. Mus. XXIV 1869, 508ff.), wie weit die eingewurzelte Zweifelsucht wirkt. Obwohl Helbig Ann. d. Inst. XXXVI 277 und Wandgem. 114 die Deutung auf L. auf dem pompeianischen Bild zugegeben hatte und auch 1869 zugab, daß L., wie sie Philostratos beschreibt, auf wirklich existierenden Gemälden wirklich vorkommen konnten, denkt er doch an die Möglichkeit, gerade in das Hippolytosbild habe sie Philostratos ungehörig hineingetragen, und das Welken der Blumen jedenfalls sieht auch er als rhetorischen Aufputz an. Aber warum sollen denn auf dem Hippolytosbilde Wiesen nicht dargestellt gewesen sein, warum soll sich das Welken nicht auf die Kränze beziehen, die die L. im Haar trugen (so auch Bougot), und warum sollte die antike Malerei, die auch in handwerksmäßigen Darstellungen z. B. das Kunststück fertig bringt, in durchsichtigen Gläsern deren Inhalt zu zeigen, das Welken nicht haben darstellen können? Gegen Helbigs Bedenken, die L. könnten nicht im Affekt dargestellt gewesen sein, s. Brunn N. Jahrb. XVII 1871, 22f., nach dem gerade im Hippolytosmythos ein fast modern sentimentales Verhältnis zur Natur vorliegt, das die Gegenwart lebhaft anteilnehmender Lokalpersonifikationen rechtfertige; dazu stimmt schön Roberts Deutung eines anderen Hippolytosbilds, s. u.

Gegenüber denen, die Philostratos’ Angaben besweifelten, ist die Zahl solcher, die sie billigten, nur gering: O. Jahn Arch. Beitr. 1847, 327. Brunn Jahrb. Suppl. IV 1861, 290. Helbig. Matz, der sein Urteil in De Philostr. fide 1867 (mir nicht zugänglich) Philol. XXXI 1872, 587f. auf Grund des von Helbig beigebrachten Materials änderte.

Diesen möchte ich mich durchaus anschließen. Das glückliche Zusammentreffen eines literarischen und eines dazu nicht übel passenden bildlichen Zeugnisses verstattet doch an sich dem Zweifel wenig Raum. Ein solcher wäre berechtigt, wenn sich die pompeianischen Jünglinge befriedigend anders deuten ließen als auf L.; aber dies ist ja nicht der Fall. Denn es ist weiter zu beachten, daß Kureten oder Daktylen u. ä. deswegen nicht vorliegen können, weil sie ja über dem Beilager höchst störend wären, daß aber die verschwiegenen Wiesen Zeugen des Beilagers sehr wohl sein können und dürfen. Freilich dachte sich Terzaghi den ἱερὸς γάμος [1868] auch in Gegenwart andrer Gottheiten; vgl. Graillot bei Daremberg-Saglio III 1, 179. Aber wenigstens die Iris des pompeianischert Bildes darf nicht als Beweis dafür gefaßt werden; denn sie ist doch offenkundig so gedacht, daß sie dem Zeus die Braut nur zuführt, sich aber dann entfernt. Daß Daktylen und Kureten keine wirklichen Götter waren, sondern nur daimonische Wesen, die also, wie Terzaghi will, dem Beischlaf eher als eigentliche Götter hätten beiwohnen können, ist gekünstelt; Wiesen konnten und mußten Zeugen des Beilagers sein (Hom. Il. XIV 346ff.), andere Wesen durften das nicht: folglich kann man in den Jünglingen unseres Bildes nur Wiesen sehen! Zum Welken ihrer Kränze vgl. die Kränze im Komosbilde bei Philostr. I 2, 5, als Parallele zu der kühnen Personifikation die Θάλατται bei Philostrat. I 27, 3, Meerweibchen, γλαυκὰ (blaue, nicht grüne, wie Baumeister Denkm. 1294 r. u. sagt) γύναια, ferner die κόλποι, Waldschluchten, auf Münzen von Magnesia am Maiandros, Head HN 502 (²583). Auf dem pompeianischen Wandbilde Helbig Wandg. 253 sieht jetzt Robert Hermeneutik 229 die Waldwiese, auf der Hippolytos Eur. Hipp. 74ff. Blumen pflückte, durch zwei Frauen angedeutet, die er Kynegetike und Poimenike nennt. Und auch die ἀκταί und νομαί der Odysseebilder vom Esquilin, Helbig-Amelung Führer³ Nr. 414 S. 262f. müssen mitsprechen. Nicht zwar vielleicht so, wie man sie früher auffaßte (Brunn Jahrb. Suppl. IV 290. Woermann Od.-Landsch. 253ff.), als ob diese Beischriften direkt als Namen der auf den Bildern dargestellten Personen aufzufassen seien, was sie allerdings mit den philostratischen Skopiai und L. direkt auf eine Stufe stellen würde. Aber auch wenn man diese Aufschriften statt auf die Personen vielmehr auf die im Bilde dasgestellten Örtlichkeiten bezieht (Gerber Jahrb. Suppl. XIII 1883, 294. Steuding 2130, 5. Helbig-Amelung), so ist doch charakteristisch, daß Gestade und Weiden eben nicht nur durch Bild und Beischrift dargestellt sind, sondern noch durch ein drittes Mittel, das Gestade durch einen Fährmann, der einen Nachen vom Felsen abstößt, oder durch drei Frauen, die Weiden durch einen Pan und eine Nymphe; hier und auch bei den nicht inschriftlich bezeichneten, sondern nur durch bildliche Darstellung und zugefügte Personen gekennzeichneten Örtlichkeiten (Bach: Nymphe; Berg: Berggott) wird doch deutlich, wie leicht die Begriffe von Örtlichkeit und Person ineinander übergehen. Ganz ähnlich stellte Assteas auf der bekannten Vase des Brit. Mus., Journ. hell. Stud. XI pl. VI Personen neben einen Naturvorgang, indem er Regen durch Tropfen und Regenbogen, aber auch durch zwei wasserschüttende Hyaden malte. Wer ein ähnliches Nebeneinander, Jünglinge als Wiesen auf wirklich dargestellter Wiese, für Philostratos leugnet, kann das meines Erachtens nur tun, weil er voreingenommen ist, da er Philostratos von vornherein für unglaubwürdig hält, und infolgedessen den wirklichen Sachverhalt nicht sieht.

Nicht geglückt sind freilich bisher die Versuche, andere Zeugnisse für L., literarische oder [1869] monumentale, zu finden. Auf der Neapler Vase Heydemann 1769, jetzt bequem bei Robert Oidipus Abb. 55, lehnt Overbeck Bilder z. theb. u. tro. Sagenkr. 9 die Erklärung des Satyrn als Personifikation der freien Natur, von Berg, Wald und Wiese ab, hält sie freilich auf manchen anderen Kunstwerken für sicher. Overbecks Bedenken treffen wohl nicht zu; der Satyr besagt meines Erachtens in der Tat, daß auf dem Vasenbild die Fahrt (aus einer Palaistra) ins Freie führt. Aber damit ist er noch kein Λ. im speziellen Sinne und ebensowenig auf ähnlichen Vasenbildern. Auf dem Bilde Mus. Borb. XIII 46, Hylasraub?, wollte Stephani Mél. gr.-rom. I 580, 80 in einem nackten sitzenden braunen Jüngling und einem ähnlichen neben ihm stehenden mit Pedum, die die Hauptszene betrachten, zwei L. sehen, ‚wenngleich sie am Rande von Felsen [nicht: auf Wiesen] sitzen; denn die Wiesen werden hinter denselben zu denken sein‘ [!]. Aber Helbig Wandgem. 1261; Rh. Mus. XXIV 513 erklärte sie mit Verweis auf eines der vatikanischen Odysseebilder, wo ein Hirt mit der Beischrift νομαί vorkommt, wohl besser als Hirten. — Der Versuch Froehners Rh. Mus. XLVI 307, die arg korrupte Stelle Catull. LXIV 287 mit Limosin linquens Dotis celebranda choreis zu heilen, ist, wenn nicht mißglückt, so doch nicht überzeugend. — Auch die von Steuding 2129, 53ff. gesammelten Stellen, nach denen Wiesen die Eigenschaften lebender Wesen beigelegt werden [nur dies sagt Steuding; mißverstanden von Steinmann Neue Studien zu Philostrat., Dissert. 1914, 74], helfen wohl nicht viel weiter, ebensowenig die Sage von Leimon (s. d.) und Skephros, weil in dieser trotz der scheinbar völligen Durchsichtigkeit des Namens Leimon doch nicht klar ist, ob er eine Personifikation der Wiese bedeutet.