RE:Licinius 59

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIII,1 (1926), Sp. 285–286
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59) M. Licinius Crassus, Consul d. J. 740 = 14 v. Chr., war der Sohn eines Marcus (CIL I² p. 64 Fasti Colotiani; Dio ind. l. LIV), wohl des M. Licinius Crassus, Consuls 714 = 30 (Nr. 58). Gröbe (bei Drumann IV² 128) hält dies allerdings, im Widerspruch zu Drumann selbst, ,nach dem Zeitverhältnis für wenig wahrscheinlich‘, da Crassus’ Consulatsjahr auf das J. 57 v. Chr. als Geburtsdatum hinweise; er sieht demnach in ihm einen Sohn des Quaestors 700 = 54 (Nr. 58) und Enkel des Triumvirn. Aber Groebe geht von der irrigen Meinung aus, daß die Altersvorschriften der republikanischen Zeit damals noch in Geltung standen; doch diese waren bereits durch die Neuregelung des Augustus ersetzt (vgl. Mommsen St.-R. I² 572). Demnach ist Crassus’ Geburt, da er als Nobilis wohl suo anno zum Consulat gelangte, um 707 = 47 v. Chr. anzusetzen. Nach der von Cichorius (Röm. Stud. 1922, 339f.) vertretenen Auffassung hieß Crassus mit vollständigem Namen M. Licinius Crassus Frugi, heiratete Pompeia Magna, die Tochter des Sex. Pompeius, und hatte von ihr eine Tochter Licinia Magna, die sich mit L. Calpurnius Piso Frugi pontifex, l Consul 15 v. Chr., vermählte und diesem einen Sohn gebar, der von seinem Großvater an Sohnes Statt angenommen wurde (M. Licinius Crassus Frugi, Consul 27 n. Chr., s. Nr. 73). Die Grundlage für diese Schlußfolgerungen bildet die Grabschrift der Licinia Crassi Frugi pontificis f(ilia) Magna L. Pisonis pontificis uxor (CIL VI 1445 = Dessau 956), da Cichorius den Vater dieser Dame für den Consul 740, den Gatten für den Consul 739 hält. Aber gegen diese Identifizierung erheben sich Bedenken, die unten (Nr. 73) auseinandergesetzt sind. Was Pompeia Magna anlangt, so müßte Cichorius’ Hypothese zu dem wenig wahrscheinlichen Schlusse führen, daß sie in erster (nicht, wie Cichorius meint, in zweiter oder, dritter) Ehe mit Crassus vermählt gewesen sei, sich dann von diesem geschieden und L. Scribonius Libo geheiratet habe. [286] Denn war Crassus Frugi, Consul 27, demnach etwa 6 v. Chr. geboren (s. Nr. 73), der Sohn der Licinia Magna, so könnte deren Geburt allerspätestens 21 v. Chr. angesetzt werden; andrerseits wird aber der älteste Sohn aus der Ehe der Pompeia mit Libo, L. Scribonius Libo, Consul 16 n. Chr., um 17 v. Chr. zur Welt gekommen sein. Die Tatsache, daß Antipatros von Thessalonike, dessen Muse im Dienste des L. Piso pontifex stand, in einem Epigramm auch einer Pompeia gedenkt (Anth. Pal. VII 185, vgl. Cichorius 330), reicht an sich kaum zu bestimmten Schlüssen hinsichtlich ihrer Verwandtschaft mit Piso aus.

Crassus führte die Fasces im J. 740 = 14 v. Chr. zusammen mit Cn. Cornelius Lentulus augur (CIL I² p. 64 Fasti Colotiani: M. Licinius M. f.; p. 65 Fasti Biond.: M. Licinius; Dio ind. l. LIV Μ. Λικίννιος ⟨υἱ Κράσσος⟩; Mon. Anc. lat. 3, 23 M. Cr[asso]; gr. 8, 20 Μᾶρκὡ Κρασσῳ; )CIL I 745 M. Licin. [13. Juni]; VI 23532 = Dessau II 7972 M. Cras. [25. Juni]; X 1938 = Dessau II 7841 c M. Licinio [29. Sept.]; X 885. 886 = Dessau II 6389. XI 6673, 21 a. b = Dessau II 8646 h M. Crasso; Dio LIV 24, l Μᾶρκος Κράσσος; Cassiod. M. Crassus; Crassus oder Grassus in den Consulfasten; vgl. Mommsen CIL I² p. 162f. Vaglieri Diz. epigr. II 1035). Die Consuln fungierten, wie die angeführten Tagesdaten lehren, das ganze Jahr hindurch, über Crassus’ sonstige Ämterlaufbahn ist nichts bekannt. Da er selbst, wie wir vermuten dürfen, kinderlos war, nahm er ein Kind aus dem Hause der Calpurnii Pisones an Sohnes Statt an und gab ihm den Namen M. Licinius Crassus Frugi (s. Nr. 73).