RE:Pedasa

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIX,1 (1937), Sp. [1937 25]–[1937 29]
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Pedasa (-on, Pedasis, Πηδασεῖς, Pegasa, Pidasa). Es empfiehlt sich, alle diese Orte, deren Namen zum kleinasiatischen Sprachgut gehören (lelegisch oder karisch, s. u.), zusammen zu behandeln, weil man nur dann mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit feststellen kann, welche Gruppen zusammengehören und wo diese zu lokalisieren sind. Über P. haben, mehr oder weniger ausführlich, gehandelt Rayet et Thomas Milet et le golfe Latmique 17, 2. Judeich Athen. Mitt. XII 338f. 392. H. Kiepert FOA IX Text S. 5, 65. 66. Paton and Myres Journ. hell. stud. XVI (1896) 192f. R. Kiepert FOA VIII Text S. 7 a Z. 90f. Rehm Milet I 3 (Delphinion) 352f. Leaf Strabo on the Troad 304f. Ernst Meyer Grenzen d. hellenist. Staaten in Kleinasien 61. 78, 1. Ich werde mich nicht im einzelnen mit jeder dieser Arbeiten auseinandersetzen, aber ich schicke voraus, daß mir der Versuch, sämtliche Angaben über P. auf einen Ort zu beziehen, aussichtslos erscheint. Ferner ist es in topographischer Beziehung ziemlich gleichgültig, ob es sich bei seiner Angabe in den Quellen um eine Siedlung oder um einen Bezirk handelt. Zum Namen ist zu vergleichen Kretschmer Einl. i. d. Gesch. d. griech. Sprache 188. Suppl.-Bd. VI S. 142, 59f. Glotta XVII 262 (nach Arch. Jahrb. XL 150), wonach P. = schwarz; anders Schol. Nikandr. Theriaka 804: Πήδασος τὸ ὄρος.

1. Herodot. I 175 berichtet, daß die Pedaseer (er nennt keine Stadt) οἰκέοντες ὑπὲρ Ἁλικαρνασσοῦ μεσόγαιαν dem Harpagos am Lide-Gebirge starken Widerstand leisteten, schließlich aber doch besiegt wurden (545 v. Chr.). Als besondere Merkwürdigkeit erzählt er noch, daß ihrer Athenepriesterin ein Bart wuchs, wenn ihnen und ihren Nachbarn etwas ἀνεπιτήδειον drohte. Diese Geschichte hat Strab. XIII 611 übernommen, der außerdem angibt, daß die Stadt τὰ Πήδασα ἐν τῇ μεσογαίᾳ τῶν Ἁλικαρνασέων von Lelegern benannt wurde, zu seiner Zeit nicht mehr existierte, und daß in dem Land, in dem sie früher stand, der Πηδασίς, auch acht Lelegerstädte gegründet worden waren, von denen Maussollos sechs mit Halikarnaß vereinigt, nur Syangela (s. u. Bd. V A S. 1375, 60f.) und Myndos übrig gelassen hätte; die Pedasis hätte bis nach Myndos und Bargylia und weit nach Pisidien hinein gereicht. Das ist natürlich [27] unmöglich; die Überlieferung ist an der Stelle nicht in Ordnung, vgl. Judeich 340, 1.

Plin. n. h. V 107 nennt unter den sechs Städten, die von Alexander d. Gr. an Halikarnaß gegeben worden sind, neben Theangela auch Pedasum. Das muß dieselbe Stadt sein wie τὰ Πήδασα Strabons. Ob die Zeitangabe richtig ist, bleibt unsicher, da sie für Theangela nicht stimmt, s. u. Bd. V A S. 1374, 61f. Die Annahme von Judeich, daß dieses P. auf der Ruinenstätte östlich von Halikarnaß gelegen habe, hat sich dadurch erledigt, daß dort inzwischen mit völliger Sicherheit Theangela nachgewiesen worden ist, s. u. Bd. V A S. 1376, 55f. Paton und Myres 193. 202 suchen P. in der alten Siedlung von Ghiuk Chalar (Kiepert: Gök Tschallar), weil eine dort gefundene Inschrift Athenekult beweist und südwestlich ein Ort Bites liegt, in dem sie den Namen P. wiedererkennen wollen. Zwingend sind diese Beweise nicht; denn der Athenekult ist zu allgemein verbreitet und der Namensanklang genügt nicht, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit ist der Annahme nicht abzusprechen.

2. Strab. XIII 611 steht Πήδασαν δὲ καὶ ἐν τῇ νῦν Στρατονικέων πολίχνιόν ἐστιν. Auf denselben Ort ist die Angabe bei Herodot. V 121 zu beziehen, daß die Karer (im J. 498 oder 497 v. Chr., o. Bd. I S. 1875, 3f. Suppl.-Bd. III S. 327, 40f.) τὴν ἐν Πηδάσῳ ὁδόν zum Hinterhalt gegen die Perser benutzten. Die Perser waren von Norden über den Maiandros gegangen, hatten die Karer am Marsyas besiegt, die Geschlagenen in Labraunda belagert (trotz Judeich 343, 1) und sie nochmals geschlagen, als sie von Milet unterstützt einen neuen Angriff gewagt hatten. Das führt in die Gegend von Stratonikeia. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Diehl und Cousin dieses P. in der Inschrift Bull. hell. IX (1885) 437 = Syll. or. nr. 441 eingesetzt; danach ist P. nach dem ersten Mithridatischen Krieg an Stratonikeia gekommen, Ernst Meyer Grenzen 160. H. Kiepert (nicht Doublet und Deschamps, wie Paton und Myres 192 angeben) hat P. in der von ihm bei Karadja-Hissar gefundenen alten Stadt angesetzt, FOA IX Text S. 5 (er bezieht allerdings alle Angaben über P. auf eine Stadt), und diese Vermutung ist bis jetzt allgemein angenommen worden. Der Name hat sogar auf den Karten das Fragezeichen verloren, das ihm H. Kiepert beigesetzt hatte. Neuerdings hat aber L. Robert durch eine Inschrift nachgewiesen, daß dort Hydisos gelegen hat, Rev. ét. anc. XXXVI (1934) 525. Amer. Journ. Arch. 1935. Somit ist die Lage von Pedason wieder ganz unsicher geworden; man kann nur sagen, daß es ungefähr in der Gegend zwischen Stratonikeia und Labraunda gelegen haben kann.

3. Nach Herodot. VI 20 gaben die Perser nach der Eroberung Milets 494 v. Chr. den karischen Pedaseern τὰ ὑπεράκρια des Stadtgebiets, während sie das ebene Land selbst behielten. Diese Pedaseer müssen also nahe bei Milet gewohnt haben, weil dessen Gebiet nicht groß war. Milet I 3 nr. 149 ist ein Sympolitievertrag zwischen Milet und Pidasa, wohl vom J. 182 v. Chr. Aus dieser Inschrift ergibt sich: 1. das Gebiet von P. grenzte an das von Milet, 2. die Pidaseer besaßen im Gebiet von Euromos, das offenbar zu Milet gehörte, [28] Weinpflanzungen, 3. von dort wurde das Meer am schnellsten in der Richtung auf Ioniapolis erreicht, das aller Wahrscheinlichkeit im innersten Winkel des Latmischen Golfes lag. Rehm 354 sucht Pidasa etwa auf der Linie Euromos—Stratonikeia; noch besser würde zu Herodot. VI 20 eine Lage westlich der Linie Olymos—Labraunda passen, vgl. Ernst Meyer 78, 1. Rehm 352, 5 nimmt wohl mit Recht an, daß P. und Pidasa dieselbe Stadt sind; er meint, das e statt des i in der ersten Silbe sitze offenbar nicht so fest, wie es nach Schriftstellerausgaben scheine, Herodot. V 121 führe die Überlieferung auf Πιδάσῳ (das ist allerdings meiner Meinung nach eine andere Örtlichkeit als das milesische P.; aber da es sich im Grunde um denselben Namen handelt, kann diese Verschiedenheit in der Form für beide gelten). Die Form Pidasa findet sich auch bei Steph. Byz. s. Κύρβασα in R, und in den attischen Tributlisten vom J. 425/24 steht Πιδασε͂ς, IG I² nr. 64, aber in denen aus den J. 451/50—447/46 Πεδασε͂ς (IG I² nr. 194 I 38. (196, 12). 197, 11. 198 I 14). Leider ermöglicht die Anordnung der Namen in den Tributlisten keinen sicheren Schluß auf die Lage der Beitrag zahlenden Städte, sie können also nicht zur Entscheidung der topographischen Fragen herangezogen werden.

In den Listen von milesischen Neubürgern aus dem Ende des 3. und dem Anfang des 2. Jhdts. v. Chr., also vor dem Sympolitievertrag, kommen viele Leute aus Pidasa vor, Milet I 3 nr. 41. 64. 71. 72. 74. 75. 77. 79. 86; deswegen ist die Ergänzung [Πεδα]σεῖ in nr. 111 (nicht früher als 100 v. Chr.) im höchsten Grade unwahrscheinlich.

Im Frieden, der im J. 196 v. Chr. den karischen Krieg Philipps V. von Makedonien abschloß, bestimmten die Römer, daß Philipp die Garnisonen, die er zu Beginn des Feldzugs im J. 201 (Holleaux Rev. ét. anc. XXV 1923, 331. 362) nach P., Bargylia und Iasos gelegt hatte, wieder zurückziehen und die Städte frei lassen sollte, Polyb. XVIII 44 (27), 4. Liv. XXXIII 30. Diese Angabe paßt am besten auf das milesische Pidasa, Rehm 354. Ernst Meyer 66. 70f. 78, 1.

[Aristot.] mir. ausc. 137 (S. 844 a, 35f.) berichtet von einem Opfer ἐν τῇ Πηδασίᾳ τῆς Καρίας für Zeus, wobei eine Ziege ἐκ Πηδάσων 70 Stadien (13 km) ohne Führer zum Opferplatz läuft. Eine sehr ähnliche Geschichte steht bei Apollon. hist. thaum. (Westermann Paradoxogr.) 13, dort wird das Opfer ἐν Ἁλικαρνάσσῳ τῷ Διὶ Ἀσκραίῳ gebracht, vgl. J. Schäfer De Iove apud Cares culto 406f. Man würde zunächst an P. 1 (s. o.) denken, aber dann sind die 70 Stadien für den Weg viel zu viel, da die Luftlinie nur 5 km beträgt. Man könnte sie nur unterbringen, wenn die Straße ungeheure Bogen gemacht hätte.

Bei den folgenden Erwähnungen fehlt jede genauer topographische Angabe; sie lassen sich also keiner der drei oben unterschiedenen Örtlichkeiten zuteilen. 1. Hermotimos Πηδασεύς geleitete im J. 480 uneheliche Söhne des Xerxes nach Ephesos, Herodot. VIII 104, s. o. Bd. VIII S. 904, 28. 2. Nach Nikandr. Theriaca 804 lebte ein ganz besonders giftiger Skorpion in P., vgl. dazu Schol. und Schol. G (Πήδασα πόλις ἢ ὄρος) Ausg. J. G. Schneider 1816, 162. Eutecn. metaph. Ther. Nic. (τῆς Καρίας ἐν Πηδάσοις) ebd. 361. 3. Steph. [29] Byz. s. Πήγασα betont, daß die karische Stadt mit γ, nicht mit δ geschrieben würde; dieselbe Form steht bei ihm auch s. Ἅρπασα, Δέμασα, Δύνδασον, andererseits kennt er aber neben dem troischen Pedasos auch ein Pedasa, s. Κύρβασα. 4. Über das von Agathokles frg. 4 erwähnte P. (Pedasos?) s. Art. Pedasos.