RE:Tarkos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV A,2 (1932), Sp. [IV_A,2 2324]–[IV_A,2 2325]
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Tarkos (Τάρκος, var. Ταρακός Euseb. Θαρακά LXX) heißt bei Manetho der dritte und letzte König der XXV. Dynastie Ägyptens. Die griechischen Schriftsteller wissen auch sonst von ihm zu erzählen. Strabon (I 61. XV 686f.) erwähnt ihn als Τεάρκων und Τεαρκώς unter den großen Eroberern der Vorzeit. Von Josephus s. w. u. Aus den ägyptischen Monumenten ist der König (durchgängig Taharka gelesen) wohlbekannt. Er gehört zu der Äthiopischen Dynastie, die, nachdem die libysche Söldnerdynastie (die XXII. Manethos) abgewirtschaftet hatte, in die ägyptischen Verhältnisse eingriff. Das Reich der Äthiopen von Napata (s. d.) hatte sich aus der Provinz Ägyptens, die es im Neuen Reiche gewesen war, zu einem selbstständigen Staate entwickelt, dessen Könige sich als die wahren Vertreter ägyptischer Religion und Frömmigkeit fühlten. Der Äthiopenkönig Pianchi hatte im 8. Jhdt. zur Zeit der XXIII. Dynastie einen großen Zug nach Ägypten unternommen, der mit der Unterwerfung des Landes endete, aber nicht zu einer dauernden Besitzergreifung führte. Seinem Nachfolger Sabako gelang es, Ägypten dem einheimischen Könige Bocchoris (s. d.) zu entreißen und mit Äthiopien zu vereinigen.

Zur Familie dieser äthiopischen Könige gehört auch Taharka, ohne daß sich das verwandtschaftliche Verhältnis genauer fixieren ließe. Als junger Prinz kam er nach Unterägypten, gewiß in Stellvertretung seines Vaters (Sabako?) und gewiß wegen der Kämpfe in Palästina. Er kam mit den Truppen des Assyrerkönigs Sanherib in Kampf und erlag, doch konnte Sanherib wegen der bekannten Pest vor Jerusalem seine Angriffe nicht fortsetzen. Eine in Tanja gefundene Stele (s. Literaturangaben u.) spricht u. a. von einem Besuch seiner Mutter nach 20jähriger Trennung.

Bekannt ist Taharka als der ägyptische König, der sein Reich an die Assyrer verlor. Für Hiskia von Juda hatte er nichts tun können, Sanherib wagte aber, wie bereits gesagt, nicht, gegen Ägypten vorzugehen. Erst sein Nachfolger Assarhaddon unternahm um 670 v. Chr. einen Feldzug gegen Ägypten, der zur Eroberung des Landes und zur völligen Besiegung Taharkas führte.

Doch wurde Taharka nicht nach Äthiopien verfolgt. Nach dem Abzug der Assyrer kehrte Taharka zurück und gewann Ägypten wieder. Assarhaddons Nachfolger Assurbanipal erneuerte den Zug gegen Ägypten, Taharka wurde endgültig vertrieben und flüchtete wieder nach Äthiopien. Nach einer nicht ganz klaren Angabe des Rassam-Cylinders I müßte er damals gleich gestorben [2325] sein. Taharkas Mitregent und Nachfolger Tanut-Amon (ass. Tandamane) versuchte noch einmal vergeblich Ägypten zu unterwerfen. Die Assyrer blieben Herren im Lande, freilich nicht lange, da sehr bald darauf Psammetich (s. d.) Ägypten wieder gewann und die XXVI. Dynastie begründete.

Denkmäler Taharkas finden sich vom Delta bis nach Äthiopien hinein. An der heiligen Stätte der Äthiopen, am Gebel Barkal, erweiterte er den großen Reichstempel und erbaute ein Heiligtum für Amon und Mut. Auch in Karnak hat er viel gebaut. Das Wichtigste, was anzuführen ist, ist, daß er seine Schwester zum ,Gottesweib des Amon‘, d. h. zur Regentin Thebens machen ließ. In Theben war nach dem Ende der Ramessiden durch den Hohenpriester Herihor ein Kirchenstaat begründet worden. Der Herrscher Thebens war der Gott Amon, der derzeitige Hohepriester sein Verweser. Später wurde das so umgeändert, daß ägyptische Prinzessinnen als ,Gottesweib des Amon‘ eingesetzt wurden, d. h. zur Verweserin des Kirchenstaates ernannt wurden. Das bedeutet natürlich, daß die Könige dieser Zeit, die den Staat als Domäne des Amon bestehen lassen mußten, ihn unter ihrer Aufsicht haben wollten. Das hat, ebenso wie die Könige der XXVI. Dynastie, auch Taharka getan. Die wirkliche Macht in Theben scheint in den Händen des ‚vierten Amonspropheten‘ Mentuemhet (den die assyrischen Nachrichten direkt als König aufführen) gelegen zu haben. Von diesem haben wir eine ganze Reihe von Inschriften, auch ein in der ägyptischen Kunstgeschichte berühmtes Porträt.

Taharka ist die letzte hervorragende Persönlichkeit, die es unternahm, von Innerafrika aus das gesamte Niltal zu unterwerfen. Daher mag es wohl kommen, daß der Name des Königs erhalten blieb, und daß er noch bei Strabon als großer Eroberer erscheint.

Das inschriftliche Material Gauthier Livre des Rois II 2, 34ff. Petrie History of Egypt III 294ff. Über die Anfänge der Regierung T.s läßt sich bei der Dürftigkeit des bis jetzt bekannten Materials keine Einigung erzielen; s. die verschiedenen Darstellungen: Wiedemann Gesch. Ägyptens 590ff. Breasted History of Egypt 552ff. Breasted-Ranke Gesch. Ägyptens 405ff. Daß er seinen unmittelbaren Vorgänger beseitigt hat, wie Manetho überliefert, kann richtig sein; s. Schäfer Ägypt. Ztschr. XXXV 67. XXXVIII 52. Über die Schwester Taharkas Ägypt. Ztschr. XXXV 16ff.

Über das assyrische Material sei verwiesen auf Streck Assurbanipal (Vorderasiatische Bibliothek 7) I S. CCLXXIVff. II S. 7ff.

Die Stellen bei Strabon: I 61. XV 686f. Joseph. ant. X 1, 4 nennt ihn Tharsikes.

Über den Gottesstaat in Ägypten s. Ed. Meyer Gottesstaat, Militärherrschaft und Ständewesen in Ägypten (S.-Ber. Akad. Berl. 1928) sowie den letzten Band der G. d. A. 20ff. Über Taharkas Bauten s. Bädekers Ägypten⁸ 271ff. (Theben) 433 (Gebel Barkal).