Schwedisches Koch- und Haushaltungs-Buch/Allerhand Arten Branntwein und Wasser zu distilliren

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Allerhand Arten Branntwein und Wasser zu distilliren.

Was bey dem Branntwein-Distilliren beobachtet werden muß.

Erstens, zu jeder Kanne Branntwein nimm einviertel Pott Wasser, wenn er in die Pfanne gegossen wird. Zweytens, die Pfanne muß nicht voller, als an die Brust gemacht werden, sonst springt sie. Drittens, schmiere rund um den Hut und da die Pfeiffe zusammen gesetzt ist, recht gut mit Teig zu, der von Mehl und Wasser gemacht wird, und setze auch einen Pfropfen in die Pfeiffe, bis sie zu rinnen anfängt. Viertens, in die Kühltonne giesse Wasser, und lege tüchtig Eis hinein, falls es zu haben ist, aber siehe dich vor, daß das Eis die Pfeife nicht zu stark drückt, weil sie sonst Schaden davon nimmt; deshalb es in kleine Stücken geschlagen werden muß. Sobald das Eis wegschmelzet, so fülle etwas Wasser heraus, und lege mehr von dem Eis dazu, um die Kühlung zu erhalten, daß es etwas über die Pfeife stehet, und wenn kein Eis zu haben ist, so giesse fleißig andres [462] Wasser in die Tonne, damit man es kalt erhält. Fünftens, bey dem Aufkochen nimm genau in Acht, daß es nicht läuft, sondern nur langsam rinnet, sonst verliert es die stärkste Kraft. Daher fühle fleißig an die Pfeiffe bey dem Hut, wenn dieselbe anfängt warm zu werden, so nimm das stärkste Feuer unten hinweg, und mache es so, daß es hernach nur treufelt, aber ja nicht läuft. Das erste, so heraus kommt, nimm hinweg, so lange es weiß aussiehet, und hernach laß es so lange treuffeln, als man es für gut hält. Sollte aber die Distillirung von gemeinen Branntwein geschehen, so ist um so vielmehr daran gelegen, daß es nicht zu nahe abgezogen wird, denn alsdann schmeckt es mehr übel und nach Trank. Sechstens, wenn alles mit einander abgelaufen ist, so menge es zusammen (doch ohne den Vorsprag und Trank,) in ein grosses Gefäß, hernach koche einen Zucker-Syrop von 1 Pfund Zucker und 3 Theetassen voll Wasser zu jeder Kanne Branntwein, schäume es recht gut, und giesse es, so heiß wie es vom Feuer genommen wird, unter beständigem Rühren, in den Branntwein, und verdünne es hernach mit aufgekochtem Wasser, so wieder kalt geworden ist, so viel die Stärke des Branntweins leiden kann, und daß er nicht blau wird. Nachgehends filtrire es durch grau Papier, lege dasselbe doppelt in den Trichter, und schneide es mit desselben Höhe gleich eben, damit daß nicht so viel Branntwein im Papier unnöthig einzieht. Beobachte auch, daß der Branntwein zugedeckt gehalten wird, damit die Kraft nicht abziehet.

Caneel-Branntwein.

Zu 4 Kannen Franzbranntwein nimm 1 Pfund Caneel, weiche denselben acht Tage in einen Pott von selbigem Branntwein, und hernach distillire. Sobald der Branntwein beym Schluß anfängt weiß zu werden, so nimm es vor sich selbst, und laß es nachgehends so lange rinnen, als es süß nach Caneel schmeckt, welches Caneelwasser ist, und zu Milchspeisen und dergleichen kann gebraucht werden.

[463]

Cardemom-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 24 Loth Cardemom, selbige stosse mit den Schaalen, und weiche sie auf selbige Art, als das vorhergehende ein.

Anis-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 1 Pfund Anis, imgleichen 8 Loth Fenchel, dasselbe stosse, und weiche es auf selbige Art ein.

Kümmel-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 1 Pfund Kümmel, denselben stosse und weiche ihn auf selbige Art ein.

Rosmarin-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 1 Pf. trocknen und anderthalb Loth frischen Rosmarin, davon alle Stengel genommen sind, und weiche es ebenfalls ein.

Lavendel-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 2 Pf. Lavendel mit Blumen und Blättern, und laß es auch weichen; nimmt man aber die Hälfte Rosmarin dazu, so wird er noch besser.

Wacholderbeern-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 4 Pfund recht reife Wacholderbeeren, solche reinige, zerdrüsche und erweiche.

Wermuth-Branntwein.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm 1 Pfund Wermuth-Blumen, welche man abpflückt, wenn sie erst anfangen auszubrechen, oder auch ganz junge Wermuthsblätter, welche man aber nur eine Nacht erweichet.

Persico-Branntwein.

Stosse Kirschensteine und Pflaumen-Kerne klein, und stelle sie hin mit Branntwein zu weichen, distillire davon, und vermenge es hernach mit Zucker-Syrop, welcher zuvor bey dem Branntwein-Vermenge beschrieben ist. Auf selbige Art kann man ihn auch von Schleebeern machen, stosse [464] selbige, so wie sie sind, klein, und setze sie einige Tage hin zu weichen. Das Maaß kann hiezu nicht so genau bestimmet werden, denn je mehr es nach den Kernen schmeckt, je besser ist es. Doch muß dieses beobachtet werden, daß es nicht zu dick auf einmal in die Pfanne kommt, weil es sich leicht an dem Boden setzet und davon anbrennt; allein wenn Schleebeern gebraucht werden, so nimmt man sie nicht eher, als bis sie ein wenig Frost bekommen haben, welches sie reif macht.

Kirschen-Branntwein.

Nimm die schwarzen Kirschen, wenn sie recht reif sind, und stosse sie mit den Steinen klein, hernach schütte sie in Flaschen, und giesse Franz-Branntwein darauf; laß sie alsdann 5 oder 6 Tage stehen, allein jeden Tag schüttle sie um, hernach müssen sie 8 Tage stille stehen, da denn das klare langsam abgegossen, nach Belieben mit Zucker gesüsset, und darauf durch grau Papier filtriret wird. Auf das Dicke kann man nachher andern Branntwein giessen, und darin allerhand Arten gestossene Kerne, von Pflaumen oder Kirschen legen, und hernach distiliren.

Branntwein von trocknen Kirschen.

Stosse 1 Pf. getrocknete Kirschen nebst den Steinen ganz klein, und lege sie hernach in eine Flasche zugleich mit 2 Nelken, die man klein schneidet, und 1 Loth klein gebrochenen Caneel, giesse anderthalb Stoop Franzbranntwein darauf, pfropfe die Flasche gut zu, und laß sie 8 Tage an der Sonne, oder auf einen warmen Kachel-Ofen stehen, schüttle es aber zuweilen um; hernach siebe es durch und vermenge es mit Zucker-Syrop, wie andern Branntwein. Will man selbigen recht klar haben, so filtrire ihn durch grau Papier. Auf das Dicke, so zurück bleibt, kann man andern Branntwein giessen, und es so lange aufbewahren, bis man Branntwein distilliren will, so kann dieses dazu gegossen werden.

Usqueba.

Hierzu nimm folgendes, nemlich Anis, Fenchel, Coriander, rothen und weissen Caneel, imgleichen Cardemom, [465] ein Loth von jeder Sorte, dreyviertel Loth Muscatblumen, von Nelken, Violwurzeln, Lakritzwurzeln, Dill und Isop, von jeder Art ein halb Loth. Diese Species stosse klein und distillire sie mit 2 Kannen Branntwein, hernach lege darin ein halb Loth Saffran, ein halb Pfund Rosinen und ein halb Pfund Datteln oder Feigen, und laß es 8 Tage stehen und tingiren; nachher wringe allen Saft aus den Ingredienzen, die alsdann darin liegen, und mache den Branntwein nach Belieben süsse, auch verlängere ihn, daß er eine ordentliche Stärke bekommt.

Vespetro.

Ein Quentin Angeliken-Saamen, 1 Loth Coriander, und 3 Citronen schneide in Würfeln, die Kernen nimm heraus, und die Gewürze stosse mit anderthalb Pfund Zucker fein, schütte sie in 2 Kannen und einviertel Pott Franz- oder ordinairen Branntwein, welches 8 Tage stehen muß, und alsdann filtrire es durch doppelt grau Papier, so man in den Trichter legt. Branntwein mit Johanns-Blumen und Zucker auf selbige Art, ist auch gut.

Distillirten Branntwein von frischen Pommeranzen.

Zu eine Kanne Branntwein nimm 20 ganze Pommeranzen, davon schneide die Schaalen ganz dünne ab, laß sie in ein Stoop Branntwein 8 Tage stehen und weichen, und wenn es soll distillirt werden, so giesse 1 Pott Branntwein darauf, und lege 4 ganze Pommeranzen dazu, die klein geschnitten und daraus die Kerne genommen sind. Nach dieser Proportion nimm so viele Kannen als man will, und giesse es in die Pfanne. Wenn sie anfängt ihren rechten Gang zu bekommen, so setze eine Flasche mit dem Trichter darunter, worin ein kleiner leinen Lappen und einige frische Pommeranz-Schaalen in Striemeln geschnitten gelegt werden, und laß es hernach eben laufen, so lange einige Kraft darin ist. Wenn es abgelaufen ist, so vermenge es mit Zucker-Syrop, und mache es nach Belieben süsse. Citron-Branntwein [466] macht man auf selbige Art, doch ohne ganze Citronen in die Pfanne oder Schaalen auf den Lappen zu legen, sondern in der Stelle lege die Schaalen von 2 Citronen in den Syrop, wenn derselbe gekocht wird, und filtrire es durch grau Papier, nachdem der Branntwein mit Syrop vermengt ist.

Dito von trocknen Pommeranzschaalen.

Zu 4 Kannen Branntwein nimm anderthalb Pfund gstrocknete Schaalen, die 4 oder 5 Tage stehen und weichen müssen, hernach distillire und vermenge es mit Zucker-Syrop. Citron-Branntwein von trocknen Schaalen macht man auf selbige Art.

Pommeranz-Royal.

Von 25 Pommeranzen, wovon man die Schaalen abschälet und in eine Flasche legt, nimmt man von zehnen den Saft, die man auf die Art schneidet, nämlich, daß man das Inwendige von den Kernen und die weisse Schaale reiniget, dasselbe nachgehends durch einen Tuch wringet, imgleichen den Saft mit so viel Zucker kocht, daß er wie ein dicker Syrup wird; alsdann giesse es so heiß, als möglichst die Flasche leiden kann, auf die Schaalen, und binde es sofort mit einer erweichten Ochsenblase zu, laß es 3 Tage vor einem Fenster, wohin die Sonne scheint, stehen und distilliren, hernach giesse anderthalb Stoop Franzbranntwein darauf, und binde wieder eine neue Blase darüber, da es alsdenn auf selbige Art 3 Wochen oder ein Monath stehen bleibt; nachher filtrire es durch grau Papier.

Undistillirten Pommeranz-Branntwein.

Zu ein halb Anker Franzbranntwein schneide 20 Pommeranzen in Würfeln, und nimm die Kernen heraus, dazu nimm 3 Pfund Zucker, und giesse anderthalbviertel Pott Wasser darauf, hernach schütte die Pommeranzen dazu, und laß es die Nacht über stehen; alsdenn nimm eine Kanne Branntwein oder etwas mehr aus dem Anker, und lege die Pommeranzen darin. Wenn denn das Anker nicht voll ist, [467] so giesse mehr von dem Branntwein, der herausgenommen worden, dazu; laß das Anker 6 bis 7 Wochen so liegen, schüttle es aber ein oder zweymal in die 3 ersten Wochen um, hernach muß es still liegen, bis es abgezapft wird.

Sanbergiette.

Zu eine Kanne Franzbranntwein nimm die Schaale von 2 grossen Pommeranzen, die Schaalen von 2, aber den Saft von 4 Citronen; dazu nimm einen gestrichenen Löffel voll zerstossenen Anis und Fenchel, gleich viel von jeder Art; hernach nimm eine kleine Handvoll Saffran, binde denselben in einen kleinen Tuch, und hänge ihn mit einem Faden in die Flasche, aber nach 36 Stunden muß er wieder ausgenommen werden. Das übrige muß voll 8 Tage stehen, doch weder in die Sonne noch in der Wärme. Die Flasche schüttle des Tages einmal gut um, hernach siebe es ab, und mache es nach Belieben süsse.

Citron-Branntwein.

Zu eine Kanne Franzbranntwein nimm den Saft von vier Citronen, die gelbe Schaale schneide klein, 1 Loth Caneel, den man in kleine Stücken bricht, 1 Loth Cardemom, die man nur aus den Schaalen reiniget, und 1 Pfund Zucker, solches stosse. Den Citron-Saft giesse erst auf den Zucker, und hernach den Banntwein mit dem andern Gewürze; alsdann pfropfe es zu, binde eine Haut darüber, und laß es 14 Tage auf einem warmen Kachelofen, oder in der Sonne stehen, schüttle es aber zum öftern um, und hernach filtrire es.

Gewürz Branntwein.

Nimm ein halb Pfund getrocknete Pommeranz-Schaalen, 5 Loth Caneel, 5 Loth trockene Krausemünze, davon alle grobe Stengel gepflückt sind, 5 Loth Fenchel, 3 ein halb Loth Anis, 3 ein halb Loth Brodkümmel, 5 Loth Calmus, 3 ein halb Loth Angelika, 5 Loth Coriander, 5 Loth Citronschaale, 5 Loth Lilien-Confalgen, 3 ein halb Loth trockene Rosenblätter, und 5 Loth klein gestossene Kirschensteine; [468] alle diese Gewürze weiche 2 Tage ein, und hernach distillire es mit 4 Kannen Branntwein, welcher von halb Weitzen und halb Habern gebrannt ist. Wenn es distilliret ist, so lege Johannsblumen hinein, und laß es damit stehen, bis es eine gute Farbe bekommt; alsdann siebe die Blumen davon, und vermenge es mit Zucker-Syrop.

Krausemünz-Branntwein.

Zu 3 Kannen Branntwein nimm folgende Species: Von Muscatenblumen, Muscat und Nelken nimm ein halb Loth von jeder Art, trockene Pommeranz- und trockene Citron-Schaalen, 8 Loth von jedem, aber das weisse schneide hinweg, nachdem es gewogen ist; von getrockneten Rosmarinblättern und Fenchel-Saat 1 Loth von jedem, trockene Krausemünze, davon alle Stengel gereiniget sind, und zerdrüschte Wacholderbeeren, 16 Loth von jeder Art: alle diese Ingredienzen lege in Branntwein, laß es 2 Tage stehen und hernach distillire es; allein wenn die Pfanne recht im Gange kommt, so nimm etwas von dem ersten, welches das stärkste ist, vor sich selbst, und lege eine gute Handvoll wohlgetrocknete und zerriebene Krausemünzen-Blätter darin, und setze es 24 Stunden an einen warmen Ort, welches zum öftern muß geschüttelt und der Branntwein damit gefärbt werden, wenn es zusammen gemengt und nach Belieben süß gemacht ist.

Junge Tannensprossen-Branntwein.

Wenn im Frühjahr die Tannensprossen als ein Fingerglied lang, aber nicht dicker, als den kleinste Finger sind, so pflücke sie ab, und mache sie auf folgend Art rein, daß alles scharfe gut abgeschabet und hernach klein gehackt wird; davon messe 1 Pott, und setze es mit Branntwein 3 Tage zu erweichen hin. Nachgehends nimm so viel Branntwein dazu, daß es zusammen mit den erweichten Tannensprossen 3 Kannen ausmacht, womit man es distillirt, und hernach vermengt man es mit Zucker.

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Branntwein von Getraide zu brennen.

Laß in dem Braukessel Wasser aufkochen, hernach giesse davon ein paar Eimer voll in das Mäsch-Küven, und dann eine halbe Tonne geschrotnen Rocken an die eine Seite, nachgehends giesse neben dem Schroot einen Eimer voll kochend Wasser nach und nach, welches, so lange gemäscht wird, in vollem Kochen seyn muß; dieses arbeiten 2 Personen, ein jeder mit seinem Ruder, durch. Also verfähret man mit dem Wasser zuzugiessen und zu arbeiten, bis alles mit einander naß und wie eine dünne Grütze geworden ist; alsdenn höret man mit dem Wasser zugiessen auf, allein mit dem arbeiten fähret man fort, bis es anfängt süß zu werden. Darauf giesse darin den achten Theil von einer Tonne gemahltes Gerstenmalz, imgleichen etwas mehr von dem gekochten Wasser; hernach bearbeite es, bis es gut süß wird, alsdenn giesse so viel von dem Wasser unter beständigem arbeiten dazu, daß es wie ein ordentlicher dicker Brey wird. Lege ein dünnes Laken darüber, und laß es ohngefähr eine Stunde stehen und süssen. Mittlerzeit nimm einen Eimer voll mehr oder weniger Tonnen-Trank, und erfrische es mit 1 Stoop guten Gäst, wie auch etwas von der Zumäschung, welches man gut warm macht, doch so, daß der Gäst nicht verbrannt wird; rühre es zusammen, decke etwas darüber, und laß dieses stehen und gähren, in der Zeit das andere stehet und süsset. Wenn die Mäschung alsdenn so lange gestanden hat, wie voraus gesagt ist, so verdünne sie und arbeite sie mit so viel kaltem Wasser durch, bis es gut kalt wird, um den Gäst setzen zu können, aber alsdenn muß es nicht dicker, als ein dünner Brey seyn. Sollte es aber nicht so viel kaltes Wasser leiden können, sondern davon zu viel abgekühlt werden, so kann mehr von dem lauwarmen aufgekochten Wasser dazu gegossen werden, und wenn es alsdenn so geworden, als wenn der Gäst auf das Bier gesetzet wird, so giesse den erfrischten Tonnen-Trank darin, und rühre es damit ein wenig um; hernach decke über das Küven erst ein Laken und nachgehends eine Decke, entweder von Matten [470] oder Schaaf-Fellen, und binde es gut mit Reife um, so daß es recht dicht wird; darüber lege einen Boden, der nach dem Küven gemacht seyn muß: in Ermangelung von solchen lege ein Polster oder eine Madratze darauf, und laß es hernach 2 Tage und 2 Nächte hindurch stehen. Wenn alsdann das Brennen geschehen soll, so mache erst die Pfanne und die Pfeiffe recht rein; löse hernach das Küven auf, die Mäschung rühre erst mit dem Ruder recht gut um, und fülle hernach davon in die Branntweinspfanne auf das geschwindeste, als man kann, hinein, aber nicht voller, als bis an die Brust, alsdann decke das Küven sogleich wieder gut zu. Unter der Pfanne lege stark Feuer, daß sie bald zum Aufkochen kommt; allein rühre fleißig mit dem Ruder auf den Boden, bis die Brust so heiß wird, daß man die Hand nicht daran halten kann; alsdenn setze den Hut hurtig auf, schmiere ihn gut umher mit Teig von grob Rockenmehl zu, imgleichen die Pfeiffe, und ziehe das Feuer unten heraus, wenn es eine lose Pfanne ist, ist sie aber eingemauert, so stecke naß oder grünes Holz darunter, welches die Heftigkeit des Feuers dämpfet, aber die Thüre und den Stein setze zu, welches verhindert, daß die Pfanne nicht sprützet, wodurch die beste Kraft verlohren geht. Wenn die Gelegenheit da ist, so lege ein halbes Anker unter die Pfeiffe, und setze einen Trichter darunter, über den ein leinener Lappen gelegt ist; sollte aber der Raum dazu zu niedrig seyn, so setze ein andres Gefäß darunter, daß eine nicht zu grosse Oefnung hat, damit die Kraft nicht verschwächt wird. Laß es langsam wie einen Faden laufen, so lange es die geringste Stärke hat; hernach mache die Pfanne ledig, spüle sie von dem Trank rein, und fülle von der Mäschung hinein; übrigens fahre so fort, wie das erstemal, und verfahre auf die Art, bis alle Brennung abgelaufen ist; sollte es aber das letztemal etwas dicker auf den Boden des Kürvens seyn, so kann es mit etwas kaltem Wasser ausgespühlt werden, welches man auch in die Pfanne giesset. Wenn alles auf die Art abgelaufen ist, so mache sowohl die Pfannen als Pfeiffen ganz gut rein; hernach giesse es darin zugleich mit 2 Kuchen, zerbrochen Speisebrod, [471] 2 Händevoll Brod-Kümmel, darauf setze den Hut gleich auf, welchen man mit Teig tüchtig zuschmieret, imgleichen die Pfeiffen; aber unten in der Oefnung stecke einen Pfropfen, so dicht hält, bis die Pfanne zu laufen anfängt, darunter stark Feuer seyn muß, bis die Brust so heiß wird, daß man die Hand nicht daran halten kan; aber alsdann nimm in Acht, daß es nicht zu geschwinde kommt. Laß es denn ganz eben als ein Faden in ein Gefäß, welches keine grosse Oefnung hat, durch einen Trichter und einen leinen Lappen über denselben, laufen. Wenn es alsdenn so lange gelaufen hat, daß keine Kraft mehr darauf ist, so lässet man das letztere in ein andres Gefäß gut ablaufen, welches man zu Eßig gebrauchen kann. Bey dem Branntwein-Brennen muß vorzüglich genau nachgesehen werden, daß die Kühl-Tonne, allwo die Röhren durchgehen, beständig kalt gehalten wird. Wenn Eis zu haben ist, so gebrauche es hiezu, aber sonsten verändere nur das Wasser darin zum öftern.

Branntwein von Weintrank.

Den Weintrank giesse in die Klarpfanne, den Hut setze darauf, schmiere ihn zu, und hernach klare es wie andern Branntwein ab; nachgehends kann es, womit man will, distilliret werden.

Quittenbeern-Branntwein zu brennen.

Reinige erst die Quitten gut von ihren Stengeln, hernach mäsche und stosse selbige, bis sie gut saftig werden; nachher mäsche sie mit gekochtem Wasser, wie bey einer andern Brennung geschieht, und bearbeite es gut; alsdann habe gebratene saure Aepfel bereit, und nimm zu jeder Tonne Quitten eine halbe Tonne Aepfel, drücke selbige, da sie noch warm sind, erst recht klein, und schütte sie in die Mäschung. Sobald dies geschehen ist, so rühre es gut um, und binde das Küven mit Laken, Felle oder sonst etwas zu, daß gut warm hält; laß es 4 Tage stehen, jedoch öfne es alle Tage einmal, und rühre darin; alsdann brenne es auf gewöhnliche Art, distillire es hernach, und mache es süß. Diese Beeren geben nicht vielen Branntwein, indem man von einer Tonne, nachdem es distilliret ist, nicht mehr als anderthalb [472] Stoop bekommen kann. Die Aepfel hiezu kann man in den Ofen braten, wenn die Asche gut ausgefegt ist.

In Geschwindigkeit guten Branntwein zu machen.

Lege in einer Flasche oder Bouteille Pommeranzen und Citronschaalen, ein wenig zerbrochenen Caneel und Anis, oder von welcher Art man am liebsten haben will; darauf giesse die Flasche beynahe mit Branntwein voll, und pfropfe sie gut zu; hernach setze sie in einen Grapen mit kaltem Wasser, und laß es eine Stunde kochen. Darauf lasse die Flasche stehen, bis es kalt wird, alsdenn giesse den Branntwein achtsam ab, welchen man nach Belieben süß macht, und filtrire ihn durch grau Papier.

Den gemeinen Branntwein den Geschmack zu benehmen, wenn er filtrirt wird.

Wenn man den Kornbranntwein verbessern, und denselben durch das Distilliren einen reinen und guten Geschmack geben will, so nimm folgendes dazu, nämlich: Zu 3 Kannen Branntwein 2 ein halb Loth Weinstein, ein halb Loth Pottasche, 7 Quentin Saftgrün, ein halb Loth Paradies-Körner, alles mit einander fein gestossen, eine Handvoll fein Salz und eine Scheibe Sauerbrod; dieses mache alles mit einander in die Distillir-Pfanne, zugleich mit das andere, davon man distilliren will, als Pommeranzen, Citronen, Anis, Kümmel, oder was man will.

Dito auf eine andere Art.

Nachdem etliche Gewürze mit Branntwein zu weichen gestanden haben, was es für welche auch seyn mögen, entweder Pommeranz-Schaalen, gestossene Kirschen-Kerne, Schleebeern, oder welchen Geschmack man den Branntwein geben will, so giesse alles in die Distillirpfanne zugleich mit dem beliebigen Gewürze und folgenden Sachen: Zu 5 Kannen Branntwein nimm 3 Loth Violenwurzeln, 3 Loth fein gestossenen Weinstein, eine Handvoll von den Spitzen von jungen Granreisern, wie auch 1 dreyviertel Pott süsse Milch, aber giesse kein Wasser dazu. Wenn Potpourri vorhanden ist, so kann auch davon eine Handvoll zu jeder [473] Kanne Branntwein genommen werden, welches demselben einen guten Geschmack giebt.

Eau de la Reine.

Auf 2 Kannen Franzbrantwein nimm folgende Species, welche man distilliret, nemlich: Majoran 4 Loth, Timian 4 Loth, Salvey 3 Loth, Lavendelblumen 8 Loth, Rosmarin 6 Loth, Caneel 4 Loth, Nelken 3 Loth, Citronschaalen 2 Loth, Pommeranzenschaalen 2 Loth, Angeliken 3 Loth, Ambra 1 Gran.

Dito auf eine andere Art.

Man nimmt einen Scheffel geschrotenen Rocken, eben so viel gemahlenes Malz und 1 Scheffel gehackte Gränreiser, welches man, wie zu andern Brantweinen einmeschet; wenn dieses seine Zeit gestanden hat, so brenne es wie andern Brandtwein, und hernach klare es ab; allein in die Klarpfanne lege wieder ein Scheffel gehackte Gränreiser; hernach distillire es das andere mahl und schütte auch ein Scheffel gehackte Gränreiser herein, nachgehends distillire es zum drittenmahl, aber alsdann nimm einen guten Theil Rosmarin dazu.

Orangewasser zu distilliren.

Nimm anderthalb Pfund frische Orangeblumen, pflücke selbige von einander und zerquetsche sie nachgehends in einen steinernen Mörser, oder mit einem hölzernen Stösser in einer grossen irdenen Schüssel. Darauf giesse eine Kanne frisches Brunnenwasser dazu, und setze es gut zugedeckt auf dem Kachelofen oder sonsten, wo es gut warm stehet; nachdem es 24 Stunden gestanden hat, so giesse es in eine kleine Distillirpfanne, klebe dieselbe gut mit Teig zu und laß es bey gelindem Kohlfeuer gehen, so, daß es nur tröpfelt: So lange bis man ein wenig über ein Stoop bekommen hat, oder so lange man noch einige Kraft an den Blumen merkt, laß es tröpffeln. Bey dieser Distillirung sowohl als bey aller andern beobachte, daß das Wasser in die Kühltonne mit Eis oder auch mit Wasser umgetauscht und kalt gehalten wird. [474] Wenn alsdenn so viel, als davon gut, abgelaufen ist, so vermenge alles mit einander zusammen, und giesse es hernach in Bouteillen, welche gut zugepfropft und mit Wachspapier und mit ander Pappier oben darauf, zugebunden und hernach in den Keller gesetzt werden. Wann es unter dem Distilliren tröpffelt, so nimm eine Bouteille mit einem engen Hals dazu, setze einen kleinen Trichter mit einem leinen Lappen darauf unter, um da durch zu tröpffeln, so verliert es die beste Kraft nicht. Sollte man nicht auf einmal so viel Blumen bekommen können, so kann man selbige von einem Jahre zu dem andern aufbewahren, und zwar auf folgende Art: Wenn die Blumen noch ganz frisch sind, so pflücke sie klein und bestreue sie mit fein Salz, rühre es um, packe sie hernach Lagenweis in einen gläsernen Hafen ein und lege einen Boden mit Steine darauf, damit sie fest zusammen gedrückt werden, so kommt Laake darauf: über den Hafen binde Pappier, daß er gut dicht gehalten wird, und verwahre es an einem kalten Ort. Wenn man es alsdenn distilliren will, so verfahre mit den gesalzenen Blumen auf selbige Art, wie mit den Frischen; denn das Salz schadet nicht, und die Blumen nebst der Laake, die darauf bleibet, giesse zusammen in die Distillirblase.

Rosenwasser zu distilliren.

Sobald die Rosen ausbrechen, müssen die Blätter gleich von denselben abgepflücket werden; salze selbige Lagenweis in einen gläsernen oder steinernen Hafen ein; allein in Ermangelung derselben können dichte und reinliche hölzerne Gefässe gebraucht werden. Auf die Rosen lege gleich einen kleinen Boden mit Steine, daß selbige gut zusammen gepackt werden und Laake darüber zu stehen kommt. Wenn man denn so viel Rosen gesammlet hat als man gebrauchen will, so können sie bis den Herbst stehen, oder auch gleich distillirt werden; aber alsdenn lege erst ein wenig Sand auf dem Boden in die Pfanne und hernach so viel Rosen, daß es beynahe den dritten Theil von der Pfanne füllt; darauf giesse sie bis an der Brust mit Wasser voll und klebe sie hernach zu: [475] Nachgehends lässet man es auf selbige Art, wie das Orangewasser abtröpffeln, so lange es einen Geschmack und Geruch von den Rosen hat. Sind alsdenn noch mehr Rosen vorräthig, die das erste mahl wegen des Raums zurück bleiben mußten, so distillire sie auch auf selbige Art, allein die Pfanne und Pfeiffe mache erst recht rein, und wenn denn alles abgelaufen ist, so distillire es zum andern mahl mit einem guten Theil trockne Rosenblätter, so bekommt es einen starken Geschmack von den Rosen. Nachher giesse es in gut gespülte Bouteillen, die erst wieder trocken geworden sind, und pfropffe sie gut zu, so hält es sich das ganze Jahr hindurch.

Millefoliums-Wasser.

Nimm die Millefolium-Blumen, nebst dem Grase worauf sie wachsen, streife selbige von ihren Stengeln ab, salze sie auf selbige Art wie die Rosen ein und hernach distillire sie, jedoch mit dem Unterschiede, daß man dieses Wasser hernach mit einige trockne Rosen umdistilliret. Dieses Wasser ist gut für den Scorbut in den Mund zu halten; auch wenn diese Krankheit sich auf den Lippen setzet, so müssen sie hier mit zum öftern naß und bestrichen werden. Es dienet auch zu Gurgelwasser, wenn man Schmerzen im Halse hat; da man es dann mit ein wenig Rhein- oder Franzbrant-Wein und Theebou-Wasser vermenget.


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