Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Lentzen

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Topographia Germaniae
Lentzen (heute: Lenzen (Elbe))
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 71–72.
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Lentzen /

Ist ein Gräntz-Städtlein deß Churfürstenthums Brandeburg an der Elbe / gegen Mechelburg zu / gelegen. Andreas Angelus in der Märckischen Chronic schreibet l. 2. p. 136. daß im Jahr 1328. Churfürst Ludwig von Brandeburg Lentzen / und Domyze / mit dem Lande an beeden Seiten der Elbe / vor 6500. Brandeburgische Marck Silbers / den Grafen von Schwerin versetzt habe. Es ist aber Stadt / und Zoll / Lentzen hernach / durch Heurat / wieder an Brandeburg kommen; aber Dömitz also bey Mechelnburg blieben. Weil Fürst Gottschalck auß Mechelnburg / in Fortpflantzung der Christlich. Religion / eyferig / sich bearbeitet / und nebenst den Obotritern / Waigern / (Wagern) Polabren / Lingonern / das sind die Holsteiner / und Mechelenburger / auch die Kitziner / und Circipaner an der Peene / bekehrt; als überfielen ihn die Unglaubigen Wenden im Jahr 1066. unversehens alhie zu Lentzen an der Elbe / erschlugen Ihn mit seiner Gemahlin / deß Königs auß Dännemarck Tochter / und vielen Priestern / und Geistlichen / opfferten derer etliche auff den Altären / die anderen wurffen sie mit Steinen zu tode. Siehe Adamum Bremensem l. 3. hist. Eccles. c. 22. A. 1399. hat Hertzog Albrecht von Mechelburg / gewester König in Schweden / und mit Ihme Marggraf Wilhelm von Meissen und Brandeburg / auch etliche Städte unter welchen Perleberg gewesen / Städtlein / und Schloß Lentzen / darin sich die Strassenräuber / so den Kauffleuten viel Schaden zufügten / auffhielten / erobert / [72] und Edel / und Unedel / so straffbar befunden worden / da auffhencken lassen. Ann. 1638. im Octobri / ward dieser Orth von den Schwedischen außgeplündert: und das folgende 39. Jahr / den 1. Octobris von den Brandeburgischen selbsten. Die Schwedischen kamen aber wieder hieher / und lagen da im Jahr 40. bey 200. starck / und hatten auch zur Verwahrung eine Schantz / weilen Sie diß Orths obgedachtes Dömitz gleichsam plocquirt halten solten. Sie wurden aber so wol im Städtlein / als in der Schantz / von den Brandeburgischen überfallen / daß sie sich nach zimlichen Canon-Schüssen auff Gnad und Ungnad ergeben musten: außgenommen der Hauptmann Bauer / welcher sich selb fünfft über die Elbe rettete. Auß einer geschriebenen Verzeichnuß haben wir diese Nachricht erlangt / welche wir dem günstigen Leser von Wort zu Wort mittheilen wollen: Lentzen ligt an der Elbe / hat ein Churfürstlich Schloß und Ampt / ist vor Jahren Mechelburgisch gewesen / und durch Ludwigen den Römer / welcher deß Alberti Tochter Ingelbertam geheurathet / und dotis loco empfangen an die Marck kommen. Marggraf Jobst auß Mähren / hat sie Anno 1408. Casparn von Putlitzen um 2000. Schock Böhmisch verpfändet / welcher / als er Anno 1413. von Bischoff Henningen von Havelberg in einem Treffen gefangen / und zu Ziesar / 4. Jahr verwarlich behalten / endlich gezwungen worden / solche Churfürst Friderico I. zurestituiren. Alhie hat es einen ansehenlichen Zoll / welchen Käyser Carolus V. Churfürst Joachimo II. wegen treu-geleister Dienste in Ungarn Anno 1542. verliehen hat / etc.