Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Passewalck

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Topographia Germaniae
Passewalck (heute: Pasewalk)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 78–80.
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Passewalck / Pasewalck /

Diese Stadt ligt an den Gräntzen deß Pommerlands / zu welchem sie noch gehöret / zwischen Prentzlow / und Trogelow / an der Ucker / auff welchem Fluß auch die Burger ihre Wahren ins grosse Haff / und von dannen ferner in die See führen können; sub latit. 53. 29. et longit. 38. 30. hiesse vorzeiten Pozdewalck. Die Pommerische Chronicken beschreiben sie also / sagt Micraelius lib. 6. p. 598. daß sie groß umbgriffen sey / und weite Gassen / wie auch zwo Pfarrkirchen / als S. Marien / und S. Niclaß / nebenst der Kirchen zum H. Geist / und S. Jürgen / und ein Kloster habe / und daß das Volck drinn dem Fürsten getreu seye / und viel erlitten habe / damit sie bey dem Lande zu Pommern bleiben möchten; wie auch / daß sie ein gut Bier brauen / so Pasenelle heisset / und das man hin und wieder führet. Drumb schreibet auch Seccervitius von ihr:

Fertile Paswalcum, succos cui traditigni
Ipsa Ceres coquere, et pingues distendere cellas
Nectare, quo nullum Pomerano rure Coloni
Suavius Hyblaei sorbent de more liquoris.

Es ist ein Schöppenstul in dieser Stadt / wie auch eine Praepositur von zehen Pfarren. Hält 3. Märckte / als Donnerstags nach Invocavit / auff Exaudi / und Dionysij. Sie führet im Schilde 3. Greifsköpffe / und über dem Helm 3. Greiffsklauen. Das Gericht / oder Schöppenstul / führet auch zween Greiffsköpffe. Ist umbs 1128. und folgende etliche Jahr / zum Christlichen Glauben bekehrt worden / durch den Priester Stanißlaum / den der Bischoff Otto von Bamberg / der Pommern Apostel / so Anno 1139. gestorben / dahin geschicket hat; Als der alte Brandeburgische Stamm im Jahr 1322. abgienge / so hat sich Hertzog Otto von Stetin an Pasewalck / und die Uckermarck machen wollen / weil solche Oerther vorzeiten Pommerisch gewesen / und von Hertzog Barnimb dem Ersten / als ein Brautschatz der Marck gegeben waren. Aber da ward Hertzog Heinrich von Mechelenburg / den man den Löwen nennet / ??? fertig / und nam / als ein Eyd am Churfürst Waldemars von Brandeburg solche Oerther hinweg / und wolte sie für sich behalten. Das wolten nun die Hertzoge in Pommern Otto / und Wartislaus IV. nicht leiden / kamen mit einem ansehnlichen Heer wider die Mechelenburger auff den Platz / jageten sie aus Prentzlow / und Pasewalck / auch dem gantzen umbligenden Uckerlande / und brachten solche Oerther in ihre Gewalt. Folgends / als Käysers Ludovici IV. Sohn Ludwig die Marck bekam / wurden ihme diese Städte wieder zugestellet: Die aber Hertzog Barnimb aus Pommern / als sich ein Müller für den verstorbnen Churfürst Waldemar außgab / Anno 1345. wider eroberte. Da aber gedachter Müller gestorben / da haben sich Chur-Sachsen und Anhalt / als nächste Vettern / an die Marck gemacht / und unter andern auch Pasewal / und Prentzlow / eingenommen; deßwegen sich Hertzog Barnimb / mit Marggraf Ludwig dem Römer / in der Güte vertruge / und folgends im Jahr 1354. vor Pasewalck ruckte / und solche Stadt / die hinfort immerdar Pommerisch gebliben / gewanne. Es hat zwar in Ann. 1359. wider Streit geben / und hat sich besagter Marggraff für Pasewalck gelagert; ist aber von den Pommeren mit Macht von dannen gehoben / und endlich die Sach verglichen worden / daß Pasewalck / [79] nebenst Alt und Neu Torgelow / ewiglich den Hertzogen aus Pommern verbleiben solte / biß ihnen 13. tausend Marck lötiges Silbers erleget würden. Im Jahr 1445. unterstund sich Churfürst Friederich von Brandeburg / die Stadt Pasewalck / und das Schloß Torgelow / mit Gewalt an sich zu bringen; konte aber denen nichts angewinnen. Endlich wäre Pasewalck fast durch Verrätherey übergangen. Dann es waren 2. Einwohner daselbst auß der Marck bürtig / die Langshälse genant / die vergruben ihre Barschafft / und was ihnen lieb war / und zündeten eben umb die Zeit ihre Häuser an / da der Feind draussen stürmete. Da musten nun die Burger das Feuer löschen / die Fürsten aber / und Kriegsvolck / die Wäll und Mauren / verthedigen. Der Feind bekam im Anfang / da das Feuer fast 2. Gassen verzehret hatte / die Wälle ein; brach auch an dem Prentzlowischen Thor so hefftig / daß ers eröffnete / und zur Stadt hinein kam. Aber die Burger hatten mit der Zeit das Feur gedämpffet / und beyde Langhälse / als Verräther der Stadt / mit Weib und Kind ins Feuer geworffen / und kamen darauff ihren Fürsten / und Kriegsleuthen / so muthig zu hülffe / daß der Feind zuruck weichen / und die Belägerung auffheben muste. Hernach fielen die in der Besatzung zu Pasewalck / nebenst etlichen Burgern / auß / in die Uckermarck / und macheten allenthalben Beuthe. Da sie aber zuruck ziehen wolten / warteten ihnen die Prentzlowischen auff den Dienst / hatten auch etliche Stricke mit sich genommen / damit sie dieselbe binden wolten. Aber das Spiel wendete sich / und wurden von den Prentzlowern 200. mit ihren eigenen Stricken gebunden / und gefangen weggeführet / und die übrige in die Flucht geschlagen. An. 1468. belagerte der Churfürst von Brandenburg Pasewalck abermals vergebens. Was sich sonsten alhie zugetragen / der Teuffel sein Spiel da gehabt / und unter dem dritten Bischoff zu Cammin / Siegfrieden viel Manns und Weibspersonen sich selbst umbs Leben gebracht: Item wie sie ihren Pfarrer / Zabel Schunemann / im 1367. Jahr / verbrant / und darüber wol acht Jahr im Banne gesessen / und was sie von ihrem Pfarrer / Otto Döring / vor ungemach außgestanden / das ist anderstwo / und beym Cramero lib. 2. Hist. Eccl. c. 20. et 55. und lib. 3. c. 37. zu lesen. In dem nächsten Teutschen Krieg / hatte Pasewalck / die 3. Jahr über der Käyserlichen Einquartirung / alles / was begehret war / herauß gegeben / und war immittelst schon so verödet / daß kaum das dritte Theil möchte bewohnet werden. Es hätte die Städt schon über 147. tausend Reichsthaler zur ordinar Contribution hergereichet / und da der Obrist / Hanß Götze / noch etlich tausend Reichsthaler praetendirte / sandte er den Obrist Leutenant Winsen Anno 1630. mit 3. Compagnien hinein / ließ bey 18. Personen / und drunter einen Burgermeister / den Fürstlichen Richter / etliche Rathsherren / und den Apothecker / Samuel Lodern / mit grossem Heulen / und Weheklagen ihrer Weiber und Kinder / ins Lager nach Gartz führen / und in Ketten zusammen schlagen / und unter dem blossen Himmel etliche Wochen in Hunger / und zufallender Kranckheit / ligen / und gab die Stadt preiß zu plündern. Und ob ihr wol dadurch fast alle Mittel / etwas an Gelde aufzubringen / benommen waren / so bemühete sie sich doch ins Lager / an vicutalien, und andern Sachen zu führen / und sich damit auß fernerem Unglück außzuwickeln / und ward immer fort mit Tribulier-Soldaten solches zu thun angetrieben. Endlich kommen zwo Schwedische Compagnien an / solche Stadt zu besetzen / und in Schutz zunehmen; fangen auch / nebenst der Burgerschafft / an / die Wälle zu bessern / und sich / nach Gelegenheit deß Orths / besser zu verwahren. So bald solches in das Käyserliche Lager verkundschafftet / machten sich wol ihr dreytausend / unter Orbisten Götzen herbey / und weil so wenig Soldaten / und noch darzu ohne grobes Geschütz / drinnen waren / bemächtigten sie sich bald deß Walles / und der Thöre / und kamen ungeachtet deß Widerstandes / der von den Schwedischen Soldaten geschahe / in die Stadt / macheten alles nider / was sie im Gewehr funden / und mit der Flucht sich nicht davon machete. Ja es galt auch denen / die sich gar nicht wehreten / und wurden viel nidergehauet / die übrigen geprügelt / gemartert / und alles was sie auf der Welt hätten / herfür zu geben genöthiget / das Frauenvolck / ohne Ansehen einiges [80] Alters / und ohne Unterscheyd / geschändet / und hernach weggeführet / und nit ohn gewiß Geld wider loß gelassen. Endlich ward Feuer an vielen Orthen angeleget / und gieng also die feine Stadt / mit der schönen Marien-Kirchen / Schule / Rathhauß / und der Mühlen / im Rauche in die Lufft auff / und bliben nur etliche gar wenig Häuser am Prentzlowischen Thore / und etwan 2. Häuser bey / und an S. Niclauß-Kirche / bestehen. In Betrachtung dieser erbärmlichen Ruin / hat der König auß Schweden diese Stadt / mit einem Privilegio exemptionis an allen oneribus, so wol der Einquartierung / als Contribution / auff sechs Jahr befreyet. Gegen dem Außgang deß 1635. Jahrs / ward Pasewalck wieder mit Käyserlichen Volck starck beleget. Dann dieser Orth jedermann / als Neutral offen stunde / und lag Anno 36. ein Obrister Leutenant von den Schwedischen da / und weil er die Wacht nicht wol bestellet / ward er von den Marazinischen in grosser Stille übereilet. Dabey musten die armen Burger sich auch wol leiden / als die nicht allein gar außgeplündert / sondern ihrer etliche auch tödtlich verwundet / und geschlagen wurden. Unter andern ist zubeklagen / daß der Kunstreiche Orgelmacher / Paul Ludeman / Burger / und Gerichtsverwandter zu Pasewalck / der viel Kirchen in diesem / und umbligenden Ländern / mit seiner schönen Arbeit außgezieret hat / mit einer Kugel; da er sich an einem Orthe verkrochen / in der Hufft getroffen / und nach grossem Schmertzen / als ihn die Aertzte nicht wider zurechte bringen kunten / die Welt gesegnet hat. Anno 37. wurden die Schwedischen abermals alhie von den Käyserischen überfallen / und ein gantzes Regiment von 8. Compagnien verderbet / und was sich nicht unterstellen ließ / nidergemacht. Und muß die gute Stadt abermals darüber Haar lassen / und geplündert werden: also daß man von ihr mehrers sagen kan / daß sie gewesen / als daß sie noch seye. Und dieses ausgedachtem Micraelio. Siehe auch wie es alhie so erbärmlich hergangen / Baptistae Armat. Rettung der edlen Teutschen Hauptspraache / lit. C. v. vj. und Historischer Chronicken continuation, oder tom. 2. Theatri Europaei, fol. 216. Soll vorhin dergleichen gutes Geleut / als alhie gewesen / fast in Pommeren nicht gehabt haben. Anno 38. befanden sich wieder Schwedische an diesem Orth.