Topographia Palatinatus Rheni: Franckenthal

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Topographia Germaniae
Franckenthal (heute: Frankenthal)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 31–33.
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[T12]
Palatinatus Rheni (Merian) b 059.jpg
[31]
Franckenthal

Eine Stadt in der Untern Pfaltz / von welcher Matth. Quade, in Teutscher Nation Herrlichkeit am 38. Capitel / also schreibet: Franckenthal ligt 2. kleiner Meil ober Wormbs. Unter Käyser Henrico V. ungefährlich im Jahr 1119. war zu Wormbs ein Gottsfürchtiger Burger / von altem Rittermässigem Geschlecht / mit Namen Eckenbertus Cämerer / von welchem Geschlecht denn noch die Cämerer von Wormbs / genant von Dalberg / ihren Ursprung haben; der hat all sein Hab und Nahrung verkaufft / und zwey / ein Manns / und ein FrauenCloster / groß und kleinn Franckenthal genant / auff der Strassen zwischen Wormbs und Speyer / nahend einem Dorff / so Omarsum geheissen haben soll / davon erbaut / und ist er in dem grossen ein Probst / und seine Gemahlin Richlindis, in dem kleinen ein Priorin gewesen. Trithemius in Chron. Sponheim. referirt die Stifftung ins 1135. Jahr / und in die Regierung Bischoffs Buggonis zu Wormbs / und sagt / daß es ein Augustiner Closter / der regulirten Chorherren: Der erste Probst seye Bertolfus, ein Chorherr zu Sprengersbach / gewesen / welcher nach etlichen Jahren resignirt habe; und seye darauff von den Brüdern besagter Stiffter zum Probst erwählet worden. In den Frantzösisch- und Niderländischen Kriegen / haben sich viel vom Adel / und Kauffleute in die Pfaltz begeben / denen Churfürst Friederich der Dritte / das schöne flache Feld / darauff das besagte Closter / (so umb und umb / mit fruchtbaren Kornfeldern / Weingärten / Flecken / und Dörffern / umbgeben) stunde / zu bauen ein- und zum Wappen gegeben / einen guldenen Triangul / in einem blutrothen Schild / welcher von einem Löwen gehalten wird; da dann sonder Zweifel der rothe Schild die Krieg / Blutvergiessen / und Verfolgung; der güldene Triangul aber die Beständigkeit / und Auffrichtigkeit der neuen Innwohner; und dann der Löw Chur-Pfaltz / so sie auffgenommen / bedeuten thut. Und hat folgends solcher Orth wegen deß Sammet- Seiden- und Tuchhandels / vor diesem den Vorzug und Preiß in der gantzen Untern-Pfaltz bekommen; daselbsten Anno 1571. gedachter Churfürst Friderico III. ein Gespräch / auff seinen Uncosten / gegebenes sicher Geleit / und in seinem Beywesen / mit den Widertauffern halten lassen / so folgends durch den öffentlichen Druck publicirt worden ist. Et hat ihnen auch über vorige Privilegia in Anno 1573. Schultheiß / Burgermeister / und Schöffen zu erwählen / und ein Regiment anzuordnen befohlen. Sein Sohn Pfaltzgraf Johann Casimir / als dem das Ampt Newstatt / darinn Franckenthal ligt / zustunde / hat solchen Orth / zu mehrer der Inwohner Versicherung / mit einem / doch schlechtem / Graben / umbgeben / und ihn mit sondern Stadt-Freyheiten begabet. Und nach dem er gesehen / daß solcher Orth je mehr und mehr zugenommen / hat er ihn Anno 1583. mehrers fortificiren lassen / und mit höhern Privilegien verehrt; Churfürst Pfaltzgraf Friederich aber der Vierdte / hat nicht allein die vorige Freyheiten ihnen confirmirt; sondern hat sich Anno 1608. mit besseren Wällen gestärcket; auch ihnen / mit Nachlassung sonsten schuldiger Auflagen / ein Realvestung dahin zu bauen vergönnet; und die Rhein-Pfort / als die Vierdte lassen auffsetzen; dardurch die Stadt in 44. Jahren / sehr auffkommen / und seynd bey Pfaltzgraf Churfürst Friederich dem Fünfften / durch gewisse [32] Ingenieurs, Anno 1618. viel Bollwerck angefangen zu bauen. Und Anno 1621. mit Ravelinen / halb Monden / Contrascharpen, Faussebrayen, Batterien, etc. in ein defension Werck gebracht worden: Also daß sie jetzt vier Stadtthor zierlich erbauen / sehr schöne Real Bollwerck / mit 3. Batteryen versehen / und unter den Wällen sechs gewälbte Gäng / umb Volck und Geschütz / wann es die Noth erfordert / dardurch zu bringen; mit dicken Palisaden wol verwahret hat. Es lauffen dardurch zwey Bächlein / so die Meel- und Walckmühlen treiben / und ausserhalb der Rheinpforten in ein gegrabenen Fahrt / und also in den alten Rhein fliessen; dessen man sich zwar bey hohem Wasser des Rheins gebrauchen kan; aber / wann es nidrig Wasser ist / man sich der Schleissen behelffen muß. In obgedachtem 1621. Jahr haben sich die Inwohner allhie / wider den Spanischen General / Don Corduba, mit ihren etlich hundert eingenommenen Soldaten / (darunter ein Graf von Witgenstein /) sich sehr wol gehalten / biß ihnen nach 3. Wochen durch den von Manßfeld / Entsatz zukommen / obwolen 2118. Schüß / auß grossen Stücken / in / und auff die Stadt geschehen: Und 50. Feuerkugeln / von 60. 70. biß auff 80. Pfundt / hinein geworffen worden. Es seynd in der gantzen Belagerung / über 9. Bürger / und ohngefehr 100. Soldaten / nicht todt; aber auff der Spanischen Seiten / wie die Gefangene außgesagt / über die 2500. Mann geblieben. Aber Anno 1623. ist diese Stadt / weil sie sich keines Succurß mehr zu getrösten; und doch jederzeit berennt / auch nicht proviantirt war / nach dem sie solches zuvor dem König in Engeland angezeigt / durch einen Vertrag zwischen ihme / und der Infantin zu Brüssel / in Sequester / auff 18. Monat lang / (damit der Pfaltzgraf Friederich desto eher außgesöhnt werden möchte) genommen worden; dergestalt / daß unterdessen die Englisch- und Pfältzischen solten auß- und die Spanischen hinein ziehen; jedoch die Franckenthäler alle ihre Freyheit / und Gerechtigkeiten / so sie biß anhero von Chur-Pfaltz gehabt / auch die freye Religions Ubung / behalten. Hat also die Stadt Spanische Guarnison eingenommen / und ist in solchem Standt biß zu der Schweden Ankunfft / verblieben / welche diesen Orth / nach vorgehender Blocquirung / Anno 1632. den 3. 13. (Al. 26.) Nov. durch accord / eingenommen / und die Spanischen / so über 800. nicht starck / nach der Mosel convoirt haben; und ist hierauff die Stadt mit dem Landvolck / oder Außschuß / besetzt worden. Es schreibet der Welsche Graf Bisaccioni, daß Franckenthal / den 6. Decembris / Anno 1632. dem Pfaltzgrafen restituirt worden / als er allbereit den 29. Novembris N. C. zuvor zu Mäyntz gestorben war. Es ist aber dieses Franckenthal hernach wieder in Spanische Hände kommen / und in denselben / biß auffs Jahr 1652. geblieben / da solche Vestung / im April / selbigen Jahrs / dem Herrn Churfürst Carl Ludwigen / Pfaltzgrafen / etc. völlig abgetretten worden ist. Es seyn aber die Käyserisch- und Spanischen / vorhero allbereit im Jahr 1635. derselben / durch accord, im October / mächtig worden; welche wie sie darauff allhie mit den Inwohnern gehauset / und daß deß Grafen von Arondel / Königlich Engelländischen Gesanden an den Käyserlichen Hoff / intercession vor sie nichts verfangen wollen / in des Pfaltzgraf Carl Ludwigs Manifesto oder Außschreiben / am 86. Blat zu lesen. Es haben die Inwohner allhie / (deren von den Alten jetzt wenig mehr da seyn sollen) / vor der Zeit Teutsche / Frantzösische / und Niderländische Prediger / und absonderliche Kirchen gehabt / auch in der Kirchen-Ordnung sich nicht gar nach Chur-Pfaltz / sondern in etlichen Stücken / nach der Frantzösisch- und Niderländischen Manier gerichtet. Ihr erster Pfarrer ist Petrus Dattenus, der etwan auch Hoff-Prediger zu Heydelberg / gewesen. Als sich die Stadt je mehr und mehr anfangs mit Inwohnern gestärckt / und über die erste auch die Frantzosen und Wallonen allda einkommen / ist denselben das Chor der Kirchen / wie auch nach der hand den Teutschen die Kirche selbsten zur Frühepredigt vergönnet worden / biß endlichen ein Niderländischer Burger und Jubelirer deß Orts Hercules von Vincken / durch Testamentliche Vermachnuß einer Summa Gelds zu Erbauung einer kleinen Kirchen auff dem Kirchhoff / Anlaß gegeben / daß durch milde Zulag Pfaltzgraf Friederichs deß V. und dessen Herrn Vormunds Hertzogs Johanns von [33] Zweybrüggen etc. wie auch der Bürger / Inwohner / und anderer guthertziger Leuthe / die neue Kirche / woran hochermeldte beyde Fürsten den ersten Stein geleget / zu bauen angefangen / Anno 1618. verfertigt / und den 17. May eingeweyhet worden. Welches dann wir von diesem Franckenthal / (so mit der Zeit zu einem Churfürstlichen Witthumbs Sitz gemacht worden / und Anno 1613. da die Königliche Princessin auß Engelland nach Heydelberg heimbgeführet worden / in den Auffzügen / den Ruhm davon getragen) / auß einem uns zukommenden Bericht / zu vermelden gehabt haben. Man besehe auch Marquardum Freherum part 2. Orig. Palat. cap. 13.