Ueber Bergsteigen und Bergsport

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Textdaten
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Autor: Karl Alfred von Zittel
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Titel: Ueber Bergsteigen und Bergsport
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 719–722
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Ueber Bergsteigen und Bergsport.[1]

Die Reisezeit hat ihr Ende erreicht. Allmählich verschwinden aus der Tagespresse die Berichte über Unglücksfälle im Gebirge, welche in diesem Sommer eine beängstigende Höhe erreicht hatten. Mit ernster Sorge sieht man ein Unheil heranwachsen, das bereits unsäglichen Jammer in viele Familien gebracht und sich immer weiter zu verbreiten droht. Soll man diese Thatsache als ein unabänderliches Fatum ruhig hinnehmen, soll man mit offenen Augen alljährlich eine Anzahl in voller Jugendkraft stehender Männer dem Verderben entgegen eilen sehen, oder können Maßregeln ergriffen werden zur gänzlichen Beseitigung oder doch zur Verminderung dieser Unfälle? An eine vollständige Verhütung derselben wird wohl Niemand ernstlich denken, der die großartige Entwickelung unseres Verkehrslebens mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat. Gleichzeitig mit dem mächtigen Reisefieber, das namentlich in Deutschland die weitesten Schichten der Bevölkerung ergriffen zu haben scheint, hat sich auch eine bestimmte Geschmacksrichtung ausgebildet, wodurch der Strom der Reisenden vorzugsweise nach gewissen Gebieten und namentlich nach den Gebirgen gelenkt wird.

Im Anfang, ja sogar noch bis in die Mitte dieses Jahrhunderts war die Herrlichkeit des Hochgebirges nur einer kleinen, auserwählten Gemeinde von Naturfreunden und Forschern bekannt. Der große Haufen der Reisenden bewegte sich auf den gangbarsten Thalwegen und wich nur wenig von den breiten Heerstraßen ab. Eigentliche Bergreisen und Hochtouren wurden allerdings auch damals schon ausgeführt; aber sie galten für gefährliche Expeditionen, denen man sich wohl aus wissenschaftlichem Interesse, nicht aber aus Vergnügen unterzog. Wie anders steht heute die öffentliche Meinung dem Gebirge gegenüber, als in der Zeit, wo Hugi, de Saussure, Agassiz, Desor, K. Vogt, Escher u. A. ihre berühmten Studien in den Schweizer Alpen ausführten! An Stelle der ehemaligen Scheu vor den „schauerlichen, unwirthlichen und unzugänglichen“ Gebirgsländern ist heute eine enthusiastische Bewunderung derselben getreten. Eine Aenderung der jetzt herrschenden Geschmacksrichtung, eine Rückkehr zu der Naturanschauung, welche in weiten, wohl bebauten Ebenen ihr Ideal fand, ist wenigstens in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, und so werden denn unsere Gebirge in der Sommerzeit voraussichtlich stets mit einer von Jahr zu Jahr zunehmenden Wanderbevölkerung erfüllt bleiben.

Daß die zeitweilige Ansammlung und Bewegung einer solchen Menschenmenge mancherlei Gefahren mit sich bringt, daß beim einfachen Spazierengehen, bei kleinen Bergpartien, beim Blumenpflücken und namentlich beim Edelweißsuchen durch Unvorsichtigkeit, durch plötzliches Unwohlsein, durch elementare Ereignisse Unglücksfälle vorkommen werden, welche die Zahl derjenigen vergrößern, von denen die in den Bergen einheimische Bevölkerung bei ihrer regelmäßigen, häufig gefahrvollen Beschäftigung von jeher betroffen wurde, ist unvermeidlich, und da dieselben durch die Presse heute weit mehr als in früherer Zeit zur allgemeinen Kenntniß gelangen, so erscheint ihre Vermehrung viel erheblicher, als sie es in der That ist. Wenn es sich aber darum handelt, die durch das Bergsteigen und den Bergsport verursachten Unglücksfälle ins Auge zu fassen, so wird man billiger Weise alle vorgenannten Vorkommnisse in Abrechnung bringen müssen. Damit vermindert sich die Zahl der Unfälle auf eine ziemlich geringe Ziffer, die um so kleiner erscheint, wenn man sie mit der erstaunlichen Menge der dem Bergsteigen huldigenden Touristen vergleicht. Ja es darf kühnlich behauptet werden daß kaum ein körperlicher Sport verhältnißmäßig weniger Opfer fordert, als das Bergsteigen. Aber immerhin sind die Unfälle noch zahlreich genug und meist auch von so furchtbaren Umständen begleitet, daß sie die öffentliche Meinung in hohem Grade beunruhigen. Wer könnte ohne tiefe Erregung an die Katastrophe auf dem Gipfel der Jungfrau (vergl. S. 563 der „Gartenlaube“) zurückdenken, welche sechs hoffnungsvollen jungen Männern das Leben kostete? Wer vermöchte den schauerlichen Absturz des Oberlehrers Prix von der Parseierspitze, die verhängnißvolle Glocknerfahrt des Marchese Pallavicini oder den grauenhaften Tod des kühnen Emil Zsigmondy vergessen? Daß diese und eine Reihe anderer Unglücksfälle, deren die Annalen des Bergsports nur zu viele verzeichnen, lediglich durch die in früherer Zeit unbekannte Leidenschaft des Bergsteigens veranlaßt wurden, steht außer allem Zweifel. Dürfen wir nun Angesichts solcher Vorkommnisse das Bergsteigen [720] und den Bergsport begünstigen oder haben wir nicht vielmehr die Pflicht, ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen? Diese Frage hat in den letzten Wochen unendlich viele Gemüther beschäftigt, und es erscheint darum nicht ganz überflüssig, die Bedeutung des Bergsteigens allseitig zu prüfen und den Werth desselben gegenüber den damit verbundenen Gefahren sorgfältig abzuwägen.

Daß die ersten Besteigungen von Hochgipfeln wie überhaupt die früheste Bereisung entlegener Gebirgsgegenden zumeist in wissen- schaftlichem Interesse ausgeführt wurden, habe ich bereits erwähnt. Die Erforschung des Hochgebirges war und ist von der größten Bedeutung für die Lösung wichtiger physikalischer, meteorologischer, geographischer, geologischer, botanischer und zoologischer Fragen. Wistenschastliche Interessen sind aber heute in den weitesten Kreisen verbreitet, und da das Hochgebirge dem Forsch ungstaeb eine der vielseitigsten Fundgruben darbietet, so wandern acksährlich zahl- reiche Iünger und Freunde der verschiedensten Disciplinen in die Berge und unterzielzen sich dort nicht selten beschwerlichen und gefahrvollen Hochtouren. Wer im Dienste der Wissenschaft das Bergsteigen attsübt, hat die Berpflichtung, acke Vorsichtsmaßregeln anzu.endem wird er dennoch vom Unglück betroffen, so stickt er, wie der Soldat auf dem Schlachtfeld, in der Crfückung seiner Vsticht, und Riemand hat das Recht, einen Vorwurf gegen ihn zu.erheben.

Freilich, von den zahlreichen Vesuchern des Hochgebirges ge- hört nur ein kleiner Theil zu den Ratnrforschern oder Dilettanten aus dem weiten Gebiete der Naturwissenschasten. Was ist es also, das Tausende mit unwiderstehlicher Gewalt nach den Vergeshöhen ziehte Welcher Zatuber sührt diejenigen, welche das Hochgebirge kennen gelernt, itttttter und immer wieder dahin zurück? Wer je herabgeschant von der beherrschenden Spitze eines Gebirgsstockes aus die schneegekrönten Hochgipsel und felsigen Zinnen der Um- gebung, wer je stattnend zu.feinen Füßen glitzernde Firnfelder, blänlich schimtnernde Gletscher, langgestreckte Gebirgskänttne, grüne Thäler und mit silberglänzenden Flüssen und Seen geschmückte Cbemn ansgebreitet sah, wer die Farbenpracht der Alpenblnmen und den wnnderbaren Sonnenglanz in lichten Vergeshöhen kennett gelernt, wer, dem nnrnhigen Treiben der Menschen entrückt, glück- liche Stunden in der Einsamkeit des Hochgebirges zugebracht, wer die köstliche, acke Lebensgeister anregende Wirkung der Höhenlnst an sich empfunden - dem wird die Antwort auf jeue Frage nicht schwer facken.

Kattnt giebt es einen das menschliche Gemüth tiefer er- greifenden und jedem Bildungsgrade verständlicheren ästhetischen Gennß, als die Betrachtung einer schönen oder großartigen Ratnr, und im Hochgebirge tritt sie uns vieckeicht in ihrer erhabensten Gestalt entgegen. Ackerdings muß dieser Gennß erkäntpst werden und wird nur Demjenigen vock und ganz zu.Theil, welcher die mit der Besteigung' von Hochgipseln verbttttdenen Beschwerden ohne Crntattung oder Gesährdung der Gefttndheit zu.ertragen im Stande ist. Und dantit berühren wir eine der wichtigsten und bestrittenen Seiten des Bergsteigens.

Ueber den wohlthätigen Einstttß der Gebirgslnst und einer mäßigen Bewegung aus den menschlichen Organisntns giebt es wohl katt ttt noch eine Meinungsverschiedenheit, dagegen sind die Ansichten über den hygienischen Werth anstrengender Bergtonren ziemlich getheilt. Entschieden schwächlichem mit Herzsehlern be- hasteten oder zu.Kongestionen neigenden Versonen kann an- datterndes Bergsteigen leicht verhängttißvock werden, aber selbst für Menschen von normaler Gesnndheit und Körperkrast bedars es einer gewissen Schulung, um ohne Gesahr Hochtouren unter- nehmen zu.können.

Anch das Bergsteigen muß gelernt werden. Crst durch ack- mähliche Gewöhnung an die Schwierigkeiten beim Gehen im Ge- birge, durch die Bewältigung von ansänglich leichten und immer schwierigeren Anfgaben erlangt der Körper die nöthige Sicherheit, Krast, Gewandtheit und Ansdaner. Wer ohne jede Borbereitung sogleich die schwierigsten Gipsel erklimmen wick, macht sich eines nttverantwortlichen Leichtsinns schuldig , darf doch selbst der er- probte Bergsteiger^ nach längerer geistiger Bernfsthätigkeit seine Feaett nicht mit einer scharsen Hochtonr beginnen. Uebermäßige Crmüdung mit nachsolgenden Mnskelschmerzen gehören zu den gelindesten Folgen eines Berstoßes gegett diese Regel. Die ver- ständige Uebung im Bergsteigen gewährt dagegen eine Crholung, welche kaum mit einer anderen verglichen werden kann . sie erzielt hänsig in kurzer Frist .bessere Wirkungen, als ein wochenlanger ^

Aufenthalt auf dem Lande oder in eiuent Badeorf bei dem mehr auf gute Berpstegung, Beguemlichkeit und angenehme Unterhaltung Bedacht genommen wird. Die ackseitige Dnrcharbeitung des ganzen Körpers bei längeren Fnßwanderungen und der damit verbnndene energische Stoffwechsel haben eine Krüstigung der Muskeln, Rerveu und der Lunge zur Folge, wie sie kaum durch eine audere Leibesübttug erreicht wird.

Wem es gelingt, seinen Körper so weit anszttbilden, daß

die mit längerem Bergsteigen nnvertneidlich verbundenen Schwierig- keilen^ spielend überwnnden werden , wer selbst bei anstrengenden Märschen seine vocke körperliche Frische und geistige Empfänglich-

keit bewahrt und im Wandern, Steigen und Klettern, kttrz im

Besiegen natürlicher Hinderniffe an und für sich eine Körper und Geift anregende Thätigkeit sindet, der besitzt die zu.schwierigen Hochtonren ersorderliche Besähigung. Richt Jedermann ist es vergönnt, diesen Grad von körperlicher Gewandtheit zu.erringen, die Leistungssähigkeit ist ja nach Alter, Geschlecht und physischer Beschassenheit nnendlich verschieden. Aber auch für schwächere Kräste giebt es eine Fücke von lohnenden Bergtonren, so daß der Gennß des Hochgebirges nur Wenigen gänzlich versagt bleibt. Bei zweckmäßiger Ausbildung im Bergsteigen wird nicht ackein die für Hochtonrett durchaus ersorderliche Sicherheit von Fuß, Arm, Auge und Kops ackmählich errungen, sondern es stecken sich auch die individnecken Grenzen der Leistungssähigkeit bald herans. Ich kenne Mitglieder des Alpenvereins, welche an Gewattdtheit und Ausdauer den besten prosessionecken Bergsührern gleich stehen. Wettn zwei oder drei solcher Birtnosen sich zusammen geseckett, so dürfen sie ohne Scheu Unterttehtuuttgett wagen, die anderen Sterblicheu unerreichbar oder nur mit Beihilfe erprobter Führer gestattet find.

Gegen elementare Gefahren, wie plötzliches Unwetter oder dichten Rebel, gewährt freilich, wie die Katastrophe auf dem Gipfel der Jungfran beweift, auch die höchste körperliche und geistige Attsbildung keinen ficheren Schntz, während andere dem Anfänger verhängttißvocke Schwierigkeiten, wie Lawinen, Stein- fack, ungüttstige Terraim, Schnee- oder Eisverhältnifse durch Er- stthrung, genaue Ortskenntnis^ und Geschicklichkeit vermieden oder überwnnden werden können. Unter ackett Umständen bikdett führerlose Besteigungett jungsränlicher Hochgipfel einen Sport, der nicht viel mehr Sympathie verdient, als das nnsinttige Bestreben, eine verhältnismäßig leicht zugängliche Bergspitze von einer Seite zu erklimmen, welche scheinbar unüberwindliche Hindernisse bietet. Führerloses Ackeingehen oder geflissentliches Aussuchen von Gefahr hat schon manches Opfer gefordert, und gerade solche Fälle habett mit Recht die össentliche Meimtttg attt meiftett aufgeregt. Durch die Schilderttug derartiger Uuterttehmungett, wobei die überftandenen Gefahren bald in den lebhaftesten Farben ans- gentalt, bald mit einer gewiffen Assektation als geringfügig dar. gesteckt sittd, werdest namentlich jugendliche Getnüther zur Rach- ahmung angespornt und aus ein Feld gesührt, aus dem sie mit

verhältnismäßig leichter Mühe Ruhm und Lorbeern pflücken zu könnett vermeinen. So lange noch solche Heldentaten, zu denen

jeder tüchtige Bergführer befähigt ist, Bewunderer sinden, so lattge nicht derartige Leistungen beurteilt werden wfe die eines Athleten, Knnstreiters, Taschenspielers oder dergleichen, werden Unglückssäcke, wie sie die Annalen des Bergsports nur zu.reichlich anfweifen, immer und immer wiederkehren. Solchen Auswüchsen sock und muß die öffentliche Meinung mit Entschiedenheit entgegentreten, gegen sie können zwar nicht Gesetzesparagraphen oder polizeiliche Borschraten Abhilse schaffen, wohl aber ist es Vsticht der Vrefse und der alpinen Bereine, durch Belehrung und sonstige Maßregeln die überschänmende Krast der Ittgend in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wnrden in früherer Zeit die Gefahren des Hochgebirges überschätzt, so hat jetzt vielsach eine Unterschätzu.g derselben Vlatz gegasten. Int Bergsteigen vöckig Unerfahrene zvagen sich nicht fetten ohne Führer, ohne paffende ^leidung, ohne genagelte Berg- schnhe, ohne Ansrüstung mit Steigeisen, Seil, Bergstock oder Eispickel an die schwierigsten Hochtouren. Daß solche Unternehmungen leicht ein tranages Ende stnden, ist nur zu.begreistich.

Durch Anlage von Wegen, durch Markirung von Fnßsteigen, durch Anbringen von Orientirungstaseln ist in den letzten Ialzren in den Alpen nnendlich viel geschehen, um Touristeu oder Spaziergänger beim Besuche leicht zugänglicher Aussichtspunkte [722] von der lästigen Begleitung meist unwissender Wegweiser zu befreien. Bei eigentlichen Hochtouren dagegen, namentlich wenn Gletscherwanderungen damit verbunden sind, sollte die Hilfe des erprobten Führers nie verschmäht werden. Es gehört zu den größten Verdiensten des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, in allen besuchteren Theilen der bayerischen und österreichischen Alpen Führer herangebildet zu haben, welche an Geschicklichkeit, Ausdauer und Ortskenntniß mit den besten Schweizerführern wetteifern. Indem diese biederen Genossen dem Touristen alle Schwierigkeiten erleichtern, ihn mit eiserner Faust halten, wenn es gilt, über gefährliche Stellen hinwegzukommen, ihm die Sorge für den Transport von Gepäck und Proviant abnehmen, ihm bei der Herstellung einer frugalen Mahlzeit oder bei Bereitung des Nachtlagers behilflich sind, ermöglichen sie zahlreichen Wanderern den Zutritt zu der Herrlichkeit des Hochgebirges, denen dieselbe sonst unweigerlich verschlossen bliebe. Aber nicht allein durch Heranbildung von Führern, sondern auch durch Aufstellung bescheidener, von den Behörden genehmigter und beaufsichtigter Taxen, ferner durch die Verbesserung vorhandener oder Anlage neuer Pfade, sowie durch den Bau von nahezu 200 hochgelegenen, meist trefflich eingerichteten und theilweise bewirthschafteten Unterkunftshütten haben die alpinen Vereine den Besuch der deutschen und österreichischen Alpen in einer Weise erleichtert, daß hier Hochtouren nicht mehr zu den Privilegien der oberen Zehntausend gehören, sondern auch für minder Bemittelte möglich geworden sind.

Wenn trotz dieser Bemühungen und trotz aller Vorsichtsmaßregeln die gänzliche Verhinderung von Unglücksfällen ebensowenig möglich erscheint, wie die Beseitigung von Schiffbrüchen und Eisenbahnunfällen, so wollen wir deßhalb doch nicht das Bergsteigen überhaupt verdammen. Jene köstliche Quelle des ästhetischen Genusses, jener unversiegbare Jungbrunnen der körperlichen und geistigen Erquickung, jene unerschöpfliche Fundgrube der wissenschaftlichen Forschung, welche wir im Hochgebirge besitzen, soll der deutschen Nation durch keine philisterhaften Bedenken oder polizeiliche Maßregeln verkümmert werden. Sorgen wir aber auch dafür, daß die krankhaften Auswüchse des Bergsports nicht überwuchern und die gesunden Früchte des Bergsteigens vergiften.
Dr. Karl A. v. Zittel.
  1. Am Schlusse des interessanten Artikels „Mahnungen aus den Hochalpen“ von Heinrich Noé haben wir unseren Lesern versprochen, daß wir die wichtige und jetzt die Gemüther so lebhaft beschäftigende Frage des alpinen Sportes noch einmal in streng sachgemäßer Weise erörtern werden. Es freut uns, für diese Arbeit Herrn Professor Dr. Karl A. von Zittel, den verdienstvollen Vorsitzenden des „Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins“, gewonnen zu haben, und wir hoffen, daß der vorstehende Artikel in den weitesten Kreisen nicht nur Interesse erregen, sondern auch Zustimmung finden wird.
    D. Red.