ADB:Affelmann, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Affelmann, Johann“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 134–135, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Affelmann,_Johann&oldid=- (Version vom 11. Dezember 2019, 22:57 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 1 (1875), S. 134–135 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Affelmann in der Wikipedia
GND-Nummer 116256540
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|1|134|135|Affelmann, Johann|Julius August Wagenmann|ADB:Affelmann, Johann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116256540}}    

Affelmann: Johannes A. oder von Affeln, lutherischer Theolog, geb. zu Soest in Westfalen 25. Nov. 1588, als Sohn eines dortigen Patriciers und Rathsherrn Heinrich v. A.; studirte seit 1603 in Marburg unter den beiden eifrigen Lutheranern Winkelmann und Mentzer, dann seit 1605 in Gießen, zuletzt seit 1607 in Rostock, wurde hier 1609 als 21jähriger Jüngling Dr. und Prof. der Theologie und wirkte als solcher bis zu seinem Tod 28. Febr. 1624, geachtet von den Zeitgenossen als ein Mann von großem Wissen und Scharfsinn, als Theolog von tadelloser Rechtgläubigkeit, von großer Rührigkeit, litterarischer Fruchtbarkeit und polemischer Schlagfertigkeit. Während sonst in Rostock zu jener Zeit eine mildere, biblisch-praktische Richtung vorherrschte, die besonders in den beiden Tarnow[WS 1] und den beiden Quistorp[WS 2] ihre Vertreter hatte, so repräsentirte A. dort die strengorthodoxe Schul- und Streittheologie, die in den meisten lutherischen Facultäten des 17. Jahrhunderts die herrschende war. Lebhaft betheiligte er sich mit einer Menge von Schriften und Dissertationen an den theologischen Zeit- und Streitfragen über die Person Christi, über Ubiquität und Ständelehre, Höllenfahrt, Taufe und Abendmahl etc., wie an der Polemik wider Katholiken und Calvinisten, Chiliasten und Enthusiasten. Als 1618 Herzog Hans Albrecht bei seiner Vermählung mit einer Tochter des Landgrafen Moritz gleich diesem „Verbesserungen“ in einigen Kirchen vornehmen, das Brotbrechen einführen, Bilder und Altäre wegnehmen und dies durch seinen Hofprediger Rhuelius vertheidigen ließ, da richtete A. gegen diesen eine heftige Streitschrift, die auch den Herzog traf und ihn zu einer Beschwerde bei der Universität veranlaßte. Aber A., gestützt auf die größere Partei, welche mit dem Herzog Adolf Friedrich gegen diese Schritte zur Annäherung an die reformirte Kirche [135] war, fuhr in seiner Polemik mit großer Heftigkeit fort bis an seinen vielleicht dadurch beschleunigten frühen Tod. Eine Sammlung seiner Schriften („Syntagma exercitationum acad.“) hat noch 50 Jahre nach seinem Tode im J. 1674 Dr. Georg Möbius in Leipzig herauszugeben sich veranlaßt gefunden, in zwei Quartbänden, wovon der erste die „Scripta polemica“, der zweite „S. exegetica“ u. A. enthält; die Einleitung bietet eine kurze Lebensbeschreibung des Verfassers. Vgl. außerdem Tholuck, Akad. Leben; Krabbe, Aus dem kirchlichen und wissenschaftlichen Leben Rostocks S. 33 ff.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Paul Tarnow und sein Neffe Johann Tarnow
  2. Johann Quistorp und sein gleichnamiger Sohn Johann Quistorp, der jüngere