ADB:Auberlen, Karl August

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Artikel „Auberlen, Karl August“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 632–633, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Auberlen,_Karl_August&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 15:11 Uhr UTC)
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Auberlen: Karl August A., evangelischer Theolog des 19. Jahrh., geb. 24. Nov. 1824 zu Fellbach in Würtemberg, † 2. Mai 1864 als Professor der Theologie in Basel. Sohn eines frommen und würdigen Volksschullehrers, aufgewachsen in der Luft der altwürtembergischen Frömmigkeit, widmet er sich früh aus innerem Zug des Herzens dem Studium der Theologie, und bezieht, nach tüchtiger Vorbildung im Pädagogium zu Eßlingen und im Seminar Blaubeuren, 1841 die Universität Tübingen als Zögling des theologischen Stifts. Zart organisirt nach Körper und Geist, von tiefem Gemüth und vielseitiger Begabung, für alles Ideale jugendlich begeistert, mit einem Kreis gleichstrebender Freunde enge verbunden, wirft er sich mit regem Eifer auf das Studium der Philosophie, wird aber von der damals vorherrschenden kritisch-speculativen Richtung weniger angezogen, als von ästhetischen, litteratur- und kunstgeschichtlichen Studien, – einen möglichsten Universalismus des Wissens und der Bildung erstrebend. Eine festere Gestalt gewinnt sein inneres Leben erst im Verlauf der speciell theologischen Studien, bes. durch den Einfluß seiner Lehrer Schmid und Beck und durch die Beschäftigung mit den älteren würtembergischen Theologen aus der Bengel’schen Schule, Roos, Steinhofer, Oetinger etc. Letzterem galt denn auch sein, bald nach Beendigung des akad. Studiums auf seinem Vicariat geschriebenes Erstlingswerk: „Die Theosophie Oetinger’s, ein Beitrag zur Dogmengeschichte und Geschichte der Philosophie“, 1847. 2. A. mit Vorrede von R. Rothe. Eine [633] wissenschaftliche Reise durch Norddeutschland, Belgien und Holland mit längerem Aufenthalt in Berlin diente theils zur Erweiterung seines Gesichtskreises theils zu Anknüpfng der vielfachsten persönlichen Beziehungen. Nachdem er dann noch eine kurze, aber für seine innere Entwicklung besonders gesegnete Zeit im geistlichen Amte, als W. Hofacker’s Vicar, verbracht, gab ihm die Tübinger Repetentur 1849–51 Gelegenheit zu den ersten Versuchen akademischer Lehrthätigkeit und zur weiteren Ausgestaltung seiner eigenthümlichen, besonders an Bengel und Beck sich anschließenden biblisch-theologischen oder theosophischen Richtung. Mit seiner Berufung zu einer außerordentl. Professur der Theologie in Basel betrat er den Boden seiner reichsten und gesegnetsten Wirksamkeit als akademischer Lehrer, Schriftsteller und Prediger. Auch hier war es neben seinen wissenschaftlichen Leistungen fast mehr noch seine gewinnende, vielseitig angeregte und anregende Persönlichkeit, der liebevoll hingebende Verkehr mit nahen und fernen Freunden, und der seelsorgerlich-erziehende Einfluß auf jüngere Leute, wodurch er reichen Segen stiftete und innere Befriedigung fand. Von litterarischen Arbeiten aus dieser Basler Zeit ist besonders zu nennen diejenige Schrift, welche seinen eigenthümlichen theologischen Standpunkt am deutlichsten repräsentirt: „Der Prophet Daniel und die Offenbarung Johannis in ihrem gegenseitigen Verh.“, 1854. 2. A. 1857, worin er die sog. „reichsgeschichtliche Deutung“ der beiden biblischen Weissagungsbücher vertritt. Außerdem erschien von ihm in dieser Zeit (neben vielen Beiträgen zu Zeitschriften und Herzog’s Realencyklopädie): „Verhältniß der gegenwärtigen Theologie zur h. Schrift“. 1851; „Die bibl. Lehre vom Reich Gottes in ihrer Bedeutung für die Gegenwart“. 1859; „Schleiermacher, ein Charakterbild“. 1859; „Predigten (das Geh. Gottes in Christo)“. 1855; „Apologetische Vorträge zur Verantwortung des Glaubens“. 1860, hervorgegangen aus Disputationen und Vorträgen, die damals von mehreren Freunden in Basel gehalten wurden. Aus demselben Anlaß entstand der Paln zu seinem größten und reifsten, nach einem umfassenden Plane angelegten Werk, das freilich nicht mehr zur völligen Ausführung gekommen ist: „Die göttliche Offenbarung. Ein apologetischer Versuch“. I. Band. Basel, 1861. Bald nach Vollendung des ersten biblisch-historischen Theils, dem in einem zweiten Bande die dogmatische Ausführung folgen sollte, erkrankte A. an einem unheilbaren Leiden, das, nachdem er es Jahre lang mit christlicher Ergebung getragen und wiederholt zu neuer geistiger Arbeit sich aufgerafft (Herausgabe der Werke des schwäbischen Theologen Th. Wizenmann, Anfänge des zweiten Bandes der göttlichen Offenbarung etc.), seinem an innerem Gehalt und äußeren Früchten ungewöhnlich reichen Leben und Wirken ein frühzeitiges Ende machte. Zahlreiche Schüler und Freunde bewahren ihm ein treues Andenken. Die Geschichte deutscher Theologie nennt seinen Namen in Ehre als eines der geist- und gemüthvollsten Schüler und Vertreter der altwürtembergischen, besonders an Bengel sich anschließenden „Schrifttheologie“, oder des sog. „biblischen Realismus“, der sich die Aufgabe stellt, durch treue Schrift- und Geschichtsforschung „den Gang der göttlichen Offenbarung von den Schöpfungsanfängen bis zur Einmündung der menschlichen Geschichte in die Ewigkeit als ein reich gegliedertes, durch die Einheit desselben Gottesgedanken beherrschtes Ganzes darzustellen, die heilige Schrift aber als das von Gottes Geist entworfene Lichtbild dieses Offenbarungsganges“.

Riggenbach und Gaß, Leichenrede und Lebensabriß. Basel 1864. F. Fabri in Herzog’s Realencyklopädie. Bd. XIX. S. 789 f.