ADB:Friedländer, Julius

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Artikel „Friedlaender, Julius“ von Rudolf Weil in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 780–785, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedl%C3%A4nder,_Julius&oldid=2510884 (Version vom 18. November 2017, 04:39 Uhr UTC)
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Band 48 (1904), S. 780–785 (Quelle).
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Friedlaender: Eduard Julius Theodor F., berühmter Numismatiker, geboren am 26. Juni 1813. Sein Großvater war der in Berlin hochangesehene Stadtrath David Friedlaender (s. A. D. B. VIII, 393); der Vater, Benoni F., lebte, nachdem er sich von den Geschäften zurückgezogen hatte, ohne am öffentlichen Leben sich zu betheiligen, ganz seinen wissenschaftlichen Neigungen; er war ein Mann von ausgebreitetem Wissen, der aber litterarisch nie hervorgetreten ist, und mit besonderem Eifer sich der Erziehung seiner Kinder annahm. Julius, der jüngste unter den Söhnen, trat zeitig als vorzüglich begabt hervor. Als 11jähriger Knabe vom Vater auf eine Reise nach dem Rheine mitgenommen, erkannte er, als er durch Kassel kam, sofort, daß dort an der Stadtkirche im Relief die Legende des Martin von Tours dargestellt sei. Später trat er in das Gymnasium zum Grauen Kloster ein, das er von Tertia an besucht hat, um Frühjahr 1832, mit dem gleichen Cötus, dem O. v. Bismarck angehört hat, zur Universität entlassen zu werden. Er studirte in Bonn und Berlin; Wunsch der Eltern war es gewesen, ihn dem ärztlichen Berufe zuzuführen, aber seine Neigungen gingen auf historische und archäologische Studien. Ende November 1838 trat er seine erste italienische Reise an. Genua, Neapel, Sicilien versetzten ihn sofort in den vollen Rausch der südlichen Landschaft, so daß er mit Mittelitalien sich später schwer befreunden konnte. Er wollte Land und Leute kennen lernen, ausgestattet mit einer für seine Jahre ungewöhnlich reichen Kenntniß der italienischen Geschichte, um die Localität, in der sie sich abgespielt hat, auf sich wirken zu lassen. Mit zäher Ausdauer wandte er sein Interesse dem Studium der Kunstschätze zu; aber gerade dies sollte für ihn verhängnißvoll werden; in den heißen Augusttagen zog er sich durch den Besuch der stets kalten Kirchen in Umbrien eine schwere Erkältung zu, die in Florenz als Typhus zum Ausbruch kam. Behalten hat er aus jener Krankheit sein Gehörleiden, das in späteren Jahren fast zu völliger Taubheit geworden ist. Mitte Januar 1840 in die Heimath zurückgekehrt, mußte er an seine Promotion denken. Sein Vater besaß die damals bedeutendste Sammlung von Mittelaltermünzen in Berlin und hatte frühzeitig seine Söhne auf den Werth der Münzstudien hingewiesen; zwei seiner Söhne konnten Inedita aus den reichen Münzschätzen des Vaters zum Gegenstand ihrer Dissertation wählen: der ältere, Gottlieb F., später Geheimer Archivrath in Berlin, in seinen „Numismata medii aevi inedita“ (Berol. 1835), Mittelaltermünzen aus Italien und Achaia, der jüngere, Julius, „Numismata inedita“ (Berol. 1840), oberitalische und byzantinische Münzen, die als Dissertation der Universität Kiel vorgelegt wurden, wohin kurz zuvor der ihm nahe verwandte und eng befreundete J. G. Droysen als ordentlicher Professor der Geschichte von Berlin übergesiedelt war. Bereits drei Monate nach seiner Promotion trat er am 1. November 1840 am Münzcabinet der königl. Museen ein, in der Stellung eines freiwilligen Mitarbeiters beschäftigt. Das Cabinet war damals in zwei, auch räumlich getrennte Abtheilungen zerlegt, von denen diejenige der antiken Münzen der Verwaltung des Antiquariums [781] und dessen Director, dem Archäologen Tölken unterstellt war. Dieser hatte für sie einen Assistenten, M. Pinder, der aber hier nur im Nebenamt thätig war. Unter den öffentlichen Münzsammlungen Deutschlands nahm die des Berliner wiewol eine der ältesten unter ihnen, damals eine sehr bescheidene Stelle ein. Nachdem einst zwei so hervorragende Numismatiker, wie Lorenz Beger und Ezechiel Spanheim für sie thätig gewesen, war die Sammlung lange Zeit wenig beachtet worden und vor allem ohne genügende Mittel für Ankäufe geblieben. Der junge Volontär hatte kaum sich in die Sammlung eingearbeitet, als er auch schon einen Weg ausfindig machte, hier Abhülfe zu schaffen. Er nahm Urlaub und trat am 18. September 1844 eine neue Reise nach Italien an, von der er erst 1847 am 8. April wieder heimkehrte. Ausgerüstet mit Inventaren des königl. Münzcabinets, soweit es die ihm anvertrauten antiken Münzen umfaßte, und mit solchen der Sammlung seines Vaters, sehen wir ihn jetzt Italien und Sicilien durchwandern, überall werden die Münzsammlungen und vor allem die an kleinen Orten seßhaften Antiken- und Münzhändler besucht, bei den damaligen Verkehrsverhältnissen nicht selten eine recht beschwerliche Reise, die großentheils auf dem Rücken des Maulthieres zurückgelegt werden mußte. Mit Theodor Mommsen, der um diese Zeit seine Inscriptiones regni Neapolitani aufnahm, und mit dessen jüngerem Bruder Tycho, dem F. besonders zugethan geblieben ist, durchwanderte er 1846 von April bis December die Abruzzen, Apulien und Calabrien, damals die abgeschiedensten Gegenden Italiens. Gerade dieser Theil der Reise und der Aufenthalt auf Sicilien erwies sich besonders lohnend; die Erwerbung von mehr als 3500 fast nur griechischer Münzen hatte die italischen und sicilischen Reihen des Cabinets verdoppelt und besonders werthvolle Stücke für das altitalische aes grave geliefert, zu denen noch die Doubletten aus dem Museo Kircheriano hinzutraten. Dazu kamen nicht minder eifrig betriebene Erwerbungen von Mittelaltermünzen für seines Vaters Sammlung, eine Ausbeute, wie sie nicht oft von einer numismatischen Reise heimgebracht worden ist. 1858, als Pinder in das Cultusministerium übertrat, wurde F. sein Nachfolger als Directorialassistent am Münzcabinet, und es gelang nun, da v. Olfers, der damalige Generaldirector der Museen, Friedlaender’s Kenntnisse und Umsicht zu schätzen wußte, wenigstens zeitweise mehr Gelder für das Cabinet flüssig zu machen. Der bedeutendste Ankauf aus jener Zeit war der der Sammlung von Friedlaender’s Vater. Was bei Privatsammlungen so selten stattfindet, war hier geschehen, drei Generationen waren für sie thätig gewesen, der Großvater David hatte dazu den Grund gelegt; Händler, die von der Leipziger und Frankfurter Messe kamen, hatten ihm einst ihre Münzsäcke zur Durchsicht gebracht, der Vater Benoni hatte sich die Mehrung der Sammlung und ihr Studium zur Lebensaufgabe gemacht, mit P. P. Adler in Berlin, Professor Mader in Prag, Domenico Sestini war er in regstem persönlichen und brieflichen Verkehr gewesen, den Glanz der Sammlung, die durch des Sohnes Julius Mithülfe schließlich auf 17 000 Stück, davon 11 000 Stück Mittelaltermünzen, angewachsen war, bildeten aber die großen italienischen Broncemedaillen aus der Zeit der Renaissance, die einst Elisa Bacciocchi, die Schwester Napoleon’s I., als Großherzogin von Toscana zusammengebracht hatte, nach deren Vertreibung, 1814, an Sestini gelangt waren, um schließlich nach Berlin zu kommen. Benoni F. war 1858 gestorben, drei Jahre darauf wurde seine Sammlung für das königl. Cabinet erworben, so daß F. als Beamter auch die Reihen in seine Verwaltung bekommen hat, an denen er sich einst im Vaterhaus zum Numismatiker ausgebildet hatte.

Nun galt es für F. als nächste und wichtigste Aufgabe, die Wiedervereinigung [782] der beiden Theile des Cabinets zu erreichen. Es war dies ganz ungleich mehr als bloße Verwaltungsangelegenheit. Für ihn war die Münzkunde eine einzige große Disciplin, beginnend mit den Incunabeln der Prägekunst aus Kleinasien und Griechenland und herabreichend bis in die Gegenwart, mit Spanheim, Eckhel und allen großen Numismatikern, betonte er stets ihre Untheilbarkeit, wie sie das Studium der römischen Kaisermünzen, der Reihen des west- und des oströmischen Reiches, und wiederum der Münzen der Völkerwanderung mit Nothwendigkeit fordern. Seine frühesten litterarischen Arbeiten galten der mittelalterlichen Numismatik, sein Amt stellte ihn vor die Reihen der antiken Münzen. Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde dann auch 1868 die Vereinigung der beiden Theile der Sammlung durchgesetzt und F. zum Director des „Königlichen Münzcabinets“ ernannt, das von nun an eine selbständige Abtheilung der königl. Museen bildete.

Jetzt erst ward es möglich, bei der Vermehrung der Sammlung, die antiken wie die mittelalterlichen und modernen Münzen in gleicher Weise zu berücksichtigen, und dies hat sich denn auch F. unermüdlich angelegen sein lassen. Die Ereignisse des Jahres 1870 hatten für Museumszwecke Mittel verfügbar gemacht, wie sie der preußische Staat bis dahin nicht gekannt hatte. Im Verlaufe der nächsten 25 Jahre sollten dann die verschiedenen Abtheilungen des königl. Museums alle eine mehr oder minder vollständige Umgestaltung erfahren, aber F. war der erste, welcher für seine Abtheilung eine solche erzielt hat. Es gelang ihm, zwei der größten Privatsammlungen antiker Münzen für das Cabinet zu erwerben, 1873 diejenige des Generals Fox, eines Großneffen des berühmten Staatsmannes, und 1875 die wissenschaftlich vielleicht noch werthvollere des österreichischen Feldmarschalls und Diplomaten v. Prokesch-Osten. 1876 erfolgte der Ankauf der in Indien gebildeten Sammlung orientalischer Münzen des englischen Obersten Guthrie, 1880 derjenige der nicht minder reichen Sammlung von Mittelaltermünzen des gelehrten Numismatikers H. Grote in Hannover. So hat es F. erreicht, daß die Berliner Sammlung im Laufe weniger Jahre den beiden größten heute vorhandenen Münzcabineten, dem des Britischen Museums und der Nationalbibliothek in Paris, ebenbürtig zur Seite steht. Eine ausführliche Beschreibung der antiken Münzen der Sammlung, die griechischen vollständig umfassend, von den römischen die interessanteren Stücke auswählend, war von ihm ausgearbeitet worden in der Absicht, sie zu veröffentlichen; die reichen Erwerbungen seit 1873 hatten eine durchgreifende Umarbeitung nöthig gemacht, die auszuführen ihm nicht mehr beschieden gewesen ist. War ihm bis dahin fast jedes Stück seiner Sammlung bekannt, so mußte er nun erfahren, daß ihm die eigene Sammlung fremd geworden war. – Sein Amt verwaltete er bis zu seinem Lebensende mit peinlichster Gewissenhaftigkeit; dadurch, daß er viele Jahre lang der einzige Beamte am Cabinet gewesen war, hatte er sich daran gewöhnt, auch als ihm jüngere Kräfte zur Hand gehen konnten, Umordnungen der Sammlung allein oder doch fast allein zu besorgen. Gegen die Besucher des Cabinets zeigte er sich, trotz der Taubheit in seinen späteren Lebensjahren, stets gefällig. Großen Werth hatte er darauf gelegt, alle bedeutenderen Sammlungen, öffentliche wie private, im In- und Auslande allmählich kennen zu lernen, und nicht minder wichtig hielt er es, schon wegen der Eigenartigkeit des heutigen Münzhandels, mit den Directoren der fremden Cabinete und den angesehensten Privatsammlern in stetem brieflichen Verkehre zu bleiben. 1872 war F. von der Preußischen Akademie der Wissenschaften zum Mitglied gewählt worden. Mommsen ging damals bereits mit dem Gedanken um, neben die beiden von der Akademie herausgegebenen Sammlungen der lateinischen und griechischen Inschriften und [783] nach ihrem Vorbild eine weitere zu stellen, welche das gesammte Material der antiken Münzen umfassen solle, hierbei war auf Friedlaender’s reiche Erfahrung gerechnet worden. Der Plan war aber, wie F. erkannte, noch verfrüht, es bedurfte noch vieler Vorarbeiten, und jetzt, wo der unter Imhoof-Blumer’s Leitung zu Stande gekommene 1. Bd. vorliegt, ergibt sich immer klarer, daß ohne die Förderung und Mitwirkung der Numismatiker des Auslandes ein derartiges Unternehmen nicht durchzuführen wäre. Mitten in der erfolgreichsten Thätigkeit am Museum richtete F., eben von einer Urlaubsreise zurückgekehrt, im September 1874 ein Abschiedsgesuch an das Ministerium und gleichzeitig an die Akademie. Minister v. Falk, der bei der Reorganisation der Museen Friedlaender’s Ansichten nicht nur eingeholt, sondern auch in sehr wesentlichen Punkten befolgt hatte, legte das Gesuch bei Seite, die Akademie aber machte F. auf E. Curtius’ Anregung 1875 zu ihrem Ehrenmitgliede.

Was Friedlaender’s numismatische Schriften auszeichnet, ist vor allem, daß sie die Disciplin in ihrem weitesten Umfang behandeln, daß er für die allerverschiedensten Gebiete derselben bald größere Monographien, bald Zeitschriftaufsätze geliefert, und bei seinem reichen Wissen und scharfen Urtheil überall wissenschaftlich fördernd eingegriffen hat. Die „Münzen des Johanniterordenes auf Rhodus“ (Berlin 1843), der „Fund von Obersitzko“ (ebd. 1844), „Die Münzen der Ostgothen“ (Berlin 1844), „Die Münzen der Vandalen“ (Leipzig 1849), „Die Oskischen Münzen“ (ebd. 1850), „Münzen und Medaillen des Benvenuto Cellini“ (Berlin 1855) gehen parallel neben einer Fülle von größeren und kleinen Arbeiten aus den verschiedensten Gebieten der griechischen, römischen, byzantinischen und mittelalterlichen Münzkunde. Die von ihm gemeinsam mit seinem Collegen Pinder begonnenen „Beiträge zur älteren Münzkunde“ (Berlin 1851), die erste streng wissenschaftliche deutsche Zeitschrift auf diesem Gebiete, der die Revue numismatique française zum Vorbild gedient hatte, war unter den damaligen Verhältnissen noch nicht lebensfähig, ihr Programm ist später von der (Wiener) „Numismatischen Zeitschrift“ (1868 begonnen) und von der durch Friedlaender’s Assistenten A. v. Sallet 1872 begründeten „Zeitschrift für Numismatik“ wieder aufgenommen worden, wobei F. dem letzteren ein allzeit treuer Mitarbeiter wurde. Im Anschluß an Mionnet’s „Description des médailles antiques“ hatte er zunächst zum persönlichen Gebrauch das „Repertorium zur antiken Numismatik“ zusammengestellt, das nach des Verfassers Tode von N. Weil (Berlin 1885) herausgegeben worden ist. Als Vorarbeit für die in Aussicht genommene Veröffentlichung des ausführlichen wissenschaftlichen Katalogs der griechischen Münzen des Berliner Museums erschien 1873 das Verzeichnis einer Auswahl der wichtigsten und schönsten Stücke, welche im Münzcabinet auf Schautischen zu allgemeiner Betrachtung dargeboten sind (F. u. v. Sallet, „Das Königliche Münzcabinet“, Berlin 1873. 2. Aufl. 1877). Was diesem Buche seinen besonderen Werth gab, war, daß F. hier es zum ersten Mal unternommen hat, auf Grund geographischer Anordnung die Stilunterschiede im Bereiche der griechischen Kunst in großen Zügen festzulegen, an einer Denkmälerclasse, über deren Heimath ein Zweifel nicht möglich war. Auf der hier gegebenen Grundlage weiter zu bauen hat sich in den folgenden Jahren vor allem der englische Numismatiker B. V. Head angelegen sein lassen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind heute Gemeingut der Archäologie, die sich vielfach nicht mehr bewußt ist, wieviel sie beim Studium der griechischen Kunstgeschichte numismatischer Mitarbeit zu verdanken hat. Den Abschluß in Friedlaender’s numismatischen Arbeiten bildeten „Die italienischen Schaumünzen des 15. Jahrhunderts (1430–1530)“, Berlin 1882, zuerst im Jahrbuch der Königlichen Museen [784] erschienen; dieses Buch behandelt die damals wenig beachteten großen italienischen Gußmedaillen, soweit ihre Herkunft durch die beigefügten Künstlernamen gesichert ist, eine Gattung von Kunstdenkmälern, bei denen eine stattliche Reihe der tüchtigsten Bildhauer, Maler und Goldschmiede jener Zeit mitgewirkt haben, Allen voran der Veroneser Maler Vittorio Pisano. Friedlaender’s treffliche Kenntniß italienischer Geschichte und Kunst, sein Spürsinn, der auch den entlegensten Nachrichten über die Künstler und ihre Darstellungen nachging, – er war mit Jakob Burckhardt enge befreundet, und viele Jahre bei diesem in Wenken (Kt. Basel) ein gern gesehener Gast – hat ein grundlegendes Werk auf diesem Gebiete der Kunstgeschichte geschaffen; die italienischen Reisen seiner späteren Jahre haben ganz vorzugsweise der Ausarbeitung dieses Werkes gegolten, und immer von neuem kehrt er dabei mit dem Ergebniß heim, daß, was an solchen Denkmälern in den dortigen Sammlungen sich findet, den Vergleich nicht auszuhalten vermag mit dem, was davon das Berliner Cabinet besitzt; dieses aber hatte die Reihen erworben aus seines Vaters Sammlung, dem der Verfasser mit seinem Buche hier ein bleibendes Denkmal gesetzt hat.

Mit den numismatischen Arbeiten aber ist Friedlaender’s litterarische Thätigkeit in keiner Weise erschöpft. Sein überaus reges Interesse für Kunst und Litteratur gibt sich noch auf recht verschiedenem Gebiete zu erkennen. Seiner schon hoch betagten Mutter, die des Englischen nicht mächtig war, veranstaltete er eine Uebersetzung von Washington Irving, Leben Oliver Goldsmith’s, Berlin 1858, zum hundertjährigen Geburtstage Gottfried Schadow’s die Sammlung seiner „Aufsätze und Briefe“ (Düsseldorf 1864), eine Arbeit, zu der ihn auch verwandtschaftliche Beziehungen veranlaßt hatten; lediglich Interesse für die darin vorkommenden Persönlichkeiten führte ihn dazu, „Briefe und Berichte des Generals und der Generalin von Riedesel aus dem nordamerik. Kriege“ (Freiburg 1881) neu herauszugeben. Im gleichen Jahre bearbeitete er mit Benutzung archivalischer Quellen eine Episode der brandenburgischen Geschichte: „Markgraf Carl Philipp von Brandenburg und die Gräfin Salmour“ (Berlin 1881). An Goethe und Lessing, seinen Lieblingsschriftstellern, hatte er sich seinen Stil gebildet. Mit einer gewissen Vorliebe sucht er auf seinen vielen Reisen die Stätten auf, wo Goethe einst gelebt, so die Wertherstätten in Wetzlar (Grenzboten 1855); erlaubte es ihm irgend die Zeit auf der Durchreise in Frankfurt, so sehen wir ihn Goethe’s Vaterhaus besuchen und die Grabstätte der Frau Rath. Das rege Interesse für Lessing gehörte für F. zur Familientradition; es war hervorgegangen aus des Großvaters nahem Verhältniß zu Moses Mendelssohn, der Vater war ihm darin gefolgt, hatte für seine große Autographensammlung eine stattliche Reihe von Briefen und Manuscripten Lessing’s erworben, mannichfache Erinnerungen an Lessing waren in diesem Kreise mündlich fortgepflanzt; unter den Söhnen war es Julius F., der hierfür am lebhaftesten Verständniß zeigte, an Lessing’s scharfem Geist und unbeugsamer Wahrheitsliebe hat er sich seinen Charakter gebildet. Auf seine Veranlassung ist das von J. H. Tischbein d. Ae. gemalte Bildniß des jungen Lessing, das vom Stadtrath einst erworben und als Familienschatz aufbewahrt wurde, der Nationalgalerie geschenkt worden (Nr. 356 des Jordan’schen Katalogs). „Minna v. Barnhelm, nach der Handschrift in meines Vaters Sammlung verbessert herausgegeben“ lautet eine handschriftliche Notiz Friedlaender’s, sie bezieht sich auf die 1870 in Leipzig bei W. Engelmann erschienene Ausgabe, ein schönes Zeugniß für den feinen Geschmack des Herausgebers, der seinen Namen zu nennen verschmäht hat. – F. starb am 4. April 1884; er ruht bei den Gräbern seiner Eltern auf dem alten Marienkirchhof am Prenzlauer Thor.

[785] Mit Benutzung von Friedlaender’s Tagebüchern und handschriftlichem Nachlaß im Besitz des Herrn Geheimen Archivrathes Dr. E. Friedlaender in Berlin. – Zur Geschichte der Königlichen Museen in Berlin. Festschrift zur Feier des 100jähr. Bestehens, 1880. Nekrologe: R. Schoene, Jahrbuch der Königlichen Museen V, 149 ff., A. v. Sallet, Zeitschr. f. Numismatik XII, 116 ff. – Ueber B. Friedlaender Zeitschr. f. Num. XXIV, 1 ff.