ADB:Gerhard, Johann Ernst der Ältere

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Artikel „Gerhard, Johann Ernst I und II“ von Julius August Wagenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 772, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gerhard,_Johann_Ernst_der_%C3%84ltere&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 13:43 Uhr UTC)
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Gerhard: Johann Ernst G., I und II, lutherische Theologen des 17. Jahrhunderts, Sohn und Enkel des Jenenser Johann Gerhard. – 1) Der erstere ist geboren zu Jena am 15. Decbr. 1621, als ältester Sohn seines Vaters aus dessen zweiter Ehe (s. o.). Er besuchte die Schule zu Jena und studirte seit 1637 an der dortigen Universität Philosophie, Theologie und orientalische Sprachen, setzte diese Studien später zu Altorf und Wittenberg fort, besuchte aber auch noch eine ganze Reihe von anderen Universitäten, machte darauf eine längere Reise durch Holland, Frankreich und die Schweiz, wurde 1652 Prof. historiarum in Jena, 1653 Dr. theol., 1655 Prof. in der theologischen Facultät, bekleidete verschiedene akademische Würden, war ein Mann von liberaler Gesinnung, aber von schwacher Gesundheit und wol auch mäßiger Begabung und starb schon den 24. Febr. 1668. – Litterarisch hat er sich bekannt gemacht besonders durch die Herausgabe verschiedener Werke aus dem Nachlaß seines Vaters, wobei er jedoch nicht mit der nöthigen Kritik verfuhr (z. B. verschiedener exegetica, der Patrologie, der zweiten Ausgabe der Loci etc.); er selbst schrieb eine „Isagoge“ zu den Loci th. seines Vaters, eine „Epitome“ der Conf. catholica desselben, „Sylloge decadum theologicarum“, einige Arbeiten zur Grammatik der semitischen Sprachen, „Harmonia linguarum orientalium“ etc. und zahlreiche Dissertationen exegetischen, dogmatischen, polemischen, kirchenhistorischen, linguistischen Inhalts. Sein ausgedehnter Briefwechsel befindet sich wie der seines Vaters auf der herzogl. Bibliothek zu Gotha. Vgl. Cyprian, Catal. Mss. Goth. p. 69; Fischer, Vita J. Gerhardi S. 263 ff.; und die Gedächtnißreden von Schröter, Jena 1668; Wende, Budissini 1671; Prätorius in mem. J. E. G. 1673. – 2) Sein zweiter Sohn, des großen Theologen Enkel, J. E. G. II., wurde den 19. Febr. 1662 zu Jena geboren, nach dem frühen Tod seiner Eltern von einem väterlichen Oheim Joh. Andreas G. erzogen, auf den Schulen zu Gotha und Gera vorgebildet, studirte in Jena und Altorf Philosophie, Theologie und Jurisprudenz, machte eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland, docirte eine kurze Zeit in Jena, wurde 1694 Inspector der Kirchen und Schulen in Gotha, 1797 Dr. theol. in Jena, folgte 1700 einem Ruf als Professor der Theologie nach Gießen, wo er eine eifrig und ängstlich orthodoxe Richtung vertrat und dadurch mit manchem seiner freier gerichteten Collegen in Conflict kam, starb aber schon den 23. März 1707. Er gab eine „Sylloge diss. theol.“ seines Vaters heraus, veranstaltete eine Sammlung der kirchlichen Verordnungen Herzog Ernst des Frommen von Gotha, beabsichtigte eine Herausgabe des theologischen Briefwechsels seines Großvaters, die aber nicht zu Stande kam, betheiligte sich (als Gegner) an den Verhandlungen über eine Union zwischen Lutheranern und Reformirten, sowie am Kampf gegen die Schwärmereien Dippel’s, der von einem Angriffe Gerhard’s Anlaß nahm zu sarkastischen Ausfällen gegen die akademische Gottesgelahrtheit überhaupt.

S. Fischer, Vita J. G. S. 278 ff.; Strieder, Hess. Gelehrten-Geschichte; H. Döring bei Ersch u. Gruber.