ADB:Keller, Heinrich (Bildhauer)

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Artikel „Keller, Heinrich“ von Bernhard Wyß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 101–102, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Keller,_Heinrich_(Bildhauer)&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 17:28 Uhr UTC)
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Keller: Heinrich K., am 17. Februar 1771 dem Züricher Obersten Caspar Keller-Füßli als ältester Sohn geboren, besuchte mit ausgeprägtem Hang zur bildenden Kunst die Schulen seiner Vaterstadt und später die Akademie in Bern. Ein Schüler Alexander Trippel’s, der Unterwaldner Bildhauer Christen, hat K. ganz der Kunst gewonnen. K. siedelt zu seinem Lehrer nach Stans über und genießt in Luzern den Unterricht des Malers Melchior Wyrsch. Der am 23. September 1793 erfolgte Tod Trippel’s knickt die Hoffnung Keller’s, unter des Schaffhauser Meisters Leitung sich weiter auszubilden. [102] K. reist im Mai 1794 nach Italien und trifft im October in Rom ein. Bekanntschaft mit Fernow, Zoëga, Carstens, mit dem Medailleur Hackert, mit Angelika Kaufmann, Friederike Brun. Seinem Landsmann Heinrich Meyer war K. in enger Freundschaft verbunden. Die ersten Kunstschöpfungen Keller’s wandern auf Neujahr 1796 nach Zürich: eine Sappho und eine Tochter der Niobe. K. ist schon in diesen Jahren auch dichterisch thätig. Sein Freund Jakob Horner-Zürich, der Beiträger zu den „Horen“, wird Vermittler zwischen Keller und Schiller und sendet die im Musenalmanach 1797 abgedruckten vier Keller’schen Elegien an Schiller. – Der Bildhauer K. schafft einen Perseus, einen Diomede, der das Palladium raubt, eine Atalanta. Ein vorzügliches, von K. sieben Mal in Marmor, zwei Mal in Alabaster ausgeführtes, später von Chiarelli dreizehn Mal in Bronze gegossenes Werk ist die „Geburt der Venus“. Weitere bedeutende Bildwerke sind: Ino und Melicertes, das Glück mit dem Einhorn, Hoffnung, die Chimäre fütternd. Copien nach Antiken, ein Homer, Basreliefs aus der Ilias, eine Isis sind nach Zürich gekommen.

Wiederholte Blutstürze und ein schwerer Schenkelbruch machen es K. unmöglich, länger der Bildhauerei sich zu weihen. K. geht ganz zu litterarischer Arbeit über. Er ist als Dramatiker besonders fruchtbar, versucht sich aber auch auf epischem Gebiet und als Lyriker, übersetzt aus dem Spanischen und Italienischen ins Deutsche, aus dem Deutschen ins Italienische: ins Deutsche Calderon’s El astrónomo fingido, des Grafen Verri Notti romane, letztere in Berlin 1805 gedruckt; Stolberg’s Geschichte der Religion Jesu im Auftrage der Propaganda Fide ins Italienische.

1808 erschienen bei Orell, Füßli in Zürich zwei Keller’sche Dramen „Francesca und Paolo“ und „Ines del Castro“, 1809 „Judith“ im Drucke. Das Pseudonym unter letzterem „Heinrich von Itzenloe, Hofpoet bey Kaiser Rudolf II.“ und der Vermerk „Aus einer alten Handschrift“ veranlaßten Jacob Grimm zur Lectüre und zu jener interessanten Kritik, die in den Kleinen Schriften VI, 9 ff. abgedruckt ist. Handschriftlich aus dieser Zeit: „Latona“, ein Schauspiel, „Der Pfauen Tod“, „Die Danaiden“, „Der Schatz des Rhampsinit“. 1811 und 1812 entstehen „Vaterländische Schauspiele von Heinrich Keller, Bürger von Zürich, Bildhauer in Rom“, gedruckt 1813 bei Orell, Füßli in Zürich. Im Banne des Philhellenismus schreibt K. eine epische Dichtung „Ipsara“, übersetzt 1832 des berühmten italienischen Improvisators Sestini Pia, leggenda romantica ins Deutsche und schafft ein Seitenstück zu dieser epischen Dichtung in seiner „Mathilde oder der letzte Savelli“. In Karl Goedeke’s historisch-kritischer Ausgabe von Schiller’s sämmtlichen Schriften, elfter Theil, Gedichte, ist eine Schiller zugeschriebene Elegie an Karl Kaaz (aus Laune schrieb sich der Maler so; er hieß Katz) abgedruckt, welche K. zum Verfasser hat. (Vgl. Bernhard Wyß, Heinrich Keller, der Züricher Bildhauer und Dichter. Frauenfeld 1891, S. 31 ff.) Die Schweiz verdankt Keller’s Befürwortung bei dem ihm befreundeten Thorwaldsen die Vollendung des Modells zum Löwendenkmal in Luzern. Am 21. December 1832 ist Heinrich K. in Rom gestorben. Als Bildhauer strebte er antiken Kunstwerken mit vielem Geschick nach. Seine Dichtung zeigt ein Hinneigen zur Romantik.