ADB:Messerschmid, Georg Friedrich

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Artikel „Messerschmid, Georg Friedrich“ von Erich Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 499–500, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Messerschmid,_Georg_Friedrich&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 08:48 Uhr UTC)
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Messerschmid: Georg Friedrich M., humoristischer Schriftsteller im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts, ein Straßburger, dessen Lebenslauf uns ganz unbekannt ist. War er ein Nachkomme des Görg Messerschmidt, der die Bearbeitung „Vom Edlen Ritter Brissoneto“ 1559 mit einer an Wickram erinnernden pädagogischen Widmung (Straßburg 6. März) herausgab?

Von ihm erschien unter dem Pseudonym Griphangno Fabro-MirandA als Nachläufer der altbeliebten ironischen Laudes die aufs ödeste aufgeschwellte dissertatio ludicra. „Von deß Esels Adel. Vnd der Saw Triumph“ (der lange Titel bei Goedeke S. 432), nicht entfernt mit W. Spangenberg’s partienweise köstlichem „Ganskönig“ zu vergleichen. Im ersten Theile folgt auf trockene zoologische Capitel die buntscheckige und burlesk geschwätzige Aufzählung der inneren und äußeren Vorzüge des Esels und ein Katalog aller möglichen Städte, Schlösser, Inseln, Bücher, Schwüre, Namen, Sprichwörter etc., bei deren Etymologie und sonstiger Erklärung man das Wort „Esel“ heranziehen kann. Der zweite Theil wird nach dem Ruf „Macht Platz vnd laßt herein tretten Excellentz Triumph, vnnd Herrligkeit des Schweins“ wie der erste durch einen „Vortrab“ eingeleitet; darin eine spaßige Anrufung der Musen. Auch hier krause Etymologien. Aller Nutzen des Schweins wird gepriesen; die „sawbürsten“ geben Anlaß zu einem compilirten Verzeichniß hervorragender Maler: in der italienischen Gruppe erscheint Dürer als Alberto Duro, in der deutschen „Geörg Wickgram“ (vgl. Scherer, Ztschr. für deutsche Culturgeschichte, N. F. 1873, S. 303 f.). Die medicinische Wirkung einzelner Theile wird besprochen. Das Schwein gilt als Musikus, Poet, Maler, Kräutler, Baumeister, Juwelier etc., als Sänger und Kenner des Französischen (oui, oui, „vnnd diß seye per jocum in sicherheit von einer so ehrlichen vnnd hochgeehrten Nation gesagt“). Die Alten schon haben das Schwein verehrt. Historien sind eingelegt. Ein Lied auf den Schweinebraten S. 154 (aus Margulus) hat Uhland’schen Humor. Aber Messerschmid’s Buch ist unsäglich mühsam, salz- und geschmacklos. S. 165 ff. der Triumph der Sau im großen Festzug. M. zeigt sich in Häufungen und Wortspielen als Copisten der Manier Fischarts. Das Buch wird 1625 in der Vorrede des pseudonymen „Eselkönig“ (vgl. auch Meusebach an Grimm S. 184 und „Fischartstudien“ S. 182) – doch wohl von Spangenberg – angegriffen.

M. war seit 1615 als Uebersetzer aus dem Italienischen des Spelta und Garzoni, dem Spanischen des Torquemada thätig (vgl. Gervinus 5. A. 3, 82). Seine nicht ohne schnörkelhafte Virtuosität angefertigte Uebertragung der geistreichen und lustigen Sapiens stultitia Spelta’s hat viel Material für die Interpolationen [500] in den unächten Moscheroschausgaben geboten. – Eine ‚Strafpredigt‘ 1615 gegen Frauenmode s. Rhein. Beitr. zur Gelehrsamkeit 1781, 2, 146 ff.