ADB:Morsius, Joachim

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Artikel „Morsius, Joachim“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 327–328, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Morsius,_Joachim&oldid=- (Version vom 27. Mai 2019, 01:58 Uhr UTC)
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Morsius: Joachim M., 1593–1642, Polyhistor. Er war in Hamburg als der Sohn eines reichen Goldschmieds am 3. Januar 1593 geboren. (Der Name schwankt; eine Familie Mors oder Mores gab es schon vor der Reformation in Hamburg; vielleicht sind aber die Vorfahren unseres M. erst später aus Amsterdam in Hamburg eingewandert; sie nennen sich Mors, Moers, Morsius und Moersius; später erscheinen auch die Formen Moersen, Moorsen und Mohrßen). Der Vater ließ den Knaben, dessen hervorragende Begabung schon zeitig hervortrat, durch Daniel Laurentius in litteris unterrichten; ob er auch die lateinische Schule zu St. Johannis besucht hat, ist ungewiß. 1610 ging M. nach Rostock, um dort Theologie zu studiren, trieb aber daneben allerlei Anderes, namentlich humanistische und naturwissenschaftliche (chemische, anatomische) Studien. Bald darauf war er in Leipzig, dann wieder in Rostock und in Jena. 1615 übernahm er die Verwaltung der Rostocker Bibliothek, gab dieses Amt aber schon im folgenden Jahre wieder auf; sein unruhiges Wesen, welches ihm längeren Aufenthalt an einer Stelle unerträglich erscheinen ließ, trieb ihn von Ort zu Ort. Auch die Verheirathung mit einer reichen Frau aus Dithmarschen gab ihm keine Seßhaftigkeit; schon vor 1617 verließ er die Frau wieder. 1616 war er in Stettin, Hamburg und Leyden; auch 1617 durchreiste er wieder die Niederlande, Dänemark und Pommern, 1619 war er auf der Dordrechter Synode, dann in London, Oxford und Cambridge; hier empfing er [328] den Doctorgrad in der Philosophie. Daß er sich in England bedeutende Kenntnisse in der Chemie angeeignet habe, rühmt er selbst von sich. Nach 1620 hielt er sich in Hamburg und anderen norddeutschen Städten mehrere Jahre hindurch auf; 1627 finden wir ihn wieder in Kopenhagen, 1628 in Leyden, überall in lebhaftem Verkehr mit den ersten Gelehrten der Zeit. Das heimathlose Umherreisen, seine Neigung zu verschwenderischem Leben und seine Sucht, sich durch reichliche Geschenke bei fremden Gelehrten freundliche Aufnahme zu sichern, hatten sein Vermögen erschöpft; 1629 wurde er auf Antrag der Verwandten wegen Verschwendung vor den Hamburger Rath citirt; er fand bei seinem Proteste gegen diese „unbedachtsame und widerrechtliche“ Citation Unterstützung bei angesehenen Hamburger Gelehrten wie Lindenbrog (Bd. XVIII, S. 692) und Huswedel (Bd. XIII, S. 458). Mit seiner Familie lebte er seit dem Tode des Vaters (1612) in beständigem Streite; sein Wandel scheint bei derselben mit Recht viel Anstoß erregt zu haben. Als 1629 sein Bruder Hans starb, vermachte er M. eine Rente von 300 Mark, wenn er zu einem gottesfürchtigen Leben zurückkehren und mit seiner Ehefrau, von der er ohne einige Ursache desertirt sei, sich wieder vereinigen wolle. 1630 lebte er in Frankfurt und Straßburg, in den nächsten Jahren in Holstein und Dänemark. 1633 wurde er dem Rathe in Lübeck angezeigt, weil er Schwärmerei treibe und fanatische Bücher verbreite; daß er ein eifriger Anhänger der Rosenkreuzerei war, beweist seine Schrift: „Anast. Philarethes Cosmopolita (sein gewöhnliches Pseudonym), Epistola sapientissimae fratrum rosae crucis societati remissa (s. l. et a.)“[WS 1]. Im Frühjahr 1636 ließ ihn der Hamburger Rath durch die Lübischen Behörden, mit denen M. bei dieser Gelegenheit in heftige Conflicte kam, wieder vor sich citiren und sperrte ihn auf Antrag seines Bruders Jacob in den Pesthof ein. Anscheinend durch die Vermittelung des Königs Christian IV. von Dänemark wurde er um 1640 aus dieser Haft befreit; seit dieser Zeit hielt er sich in verschiedenen holsteinischen und schleswigschen Orten auf und starb eines plötzlichen Todes wahrscheinlich 1642 in Gottorp. Eine reich begabte, aber völlig zuchtlose Natur, hat M. es zu eigenen größeren wissenschaftlichen Arbeiten nicht gebracht, nur sein „Nuncius Olympicus s. Catalogus … bibliothecae secretioris“ 1626 und die „Idea actionis corporum“ verdienen Erwähnung. Dagegen hat er sich durch zahlreiche Veröffentlichungen fremder Schriften, u. A. von J. Scaliger, P. und W. Lauremberg, P. Merula, L. Holstenius, J. Casaubonus, H. Grotius, namentlich auch durch die Herausgabe des „Speculum consiliorum Hispanicorum … productum in lucem a J. M.“ – vier Schriften gegen die spanische Politik – verdient gemacht. Eine vollständige Aufzählung der eigenen und fremden von ihm herausgegebenen Schriften enthält das Hamb. Schriftsteller-Lexicon. – Ein Neffe von Joachim M. war der Hamburgische Jurist und Politiker Jacob M., geb. 26. September 1615, Sohn des vorerwähnten Jacob M., welcher das väterliche Goldschmiedegeschäft durch Juwelenhandel, Waffenlieferung und Banquiergeschäfte erweitert hatte. Nachdem Jacob M. die Rechte studirt und die Licentiatenwürde erworben, auch große Reisen unternommen hatte, ließ er sich um 1645 in Hamburg als Advocat nieder und wurde 1648 Niederrichter. In den damaligen sehr erregten Streitigkeiten zwischen der Hamburger Bürgerschaft und dem Rathe war er – obwol Schwiegersohn des Bürgermeisters Schrötteringk – einer der lebhaftesten Führer der bürgerlichen Opposition. Um 1647 wurde er gelegentlich einer Sendung nach Wien kaiserlicher Rath und Comes palatinus. Er starb in Hamburg am 9. August 1690.

Moller, Cimbr. litt. I, 440 f. Guhrauer, J. Jungius S. 231. Hamburger Schriftsteller-Lexicon V, 317 u. 319 ff.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schließendes Anführungszeichen fehlt.