ADB:Roßmäßler, Adolf (Zoologe)

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Artikel „Roßmäßler, Emil Adolph“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 268–271, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ro%C3%9Fm%C3%A4%C3%9Fler,_Adolf_(Zoologe)&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 07:37 Uhr UTC)
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Roßmäßler: Emil Adolph R., naturwissenschaftlicher Schriftsteller, geboren zu Leipzig am 3. März 1806, † ebendaselbst am 8. April 1867, empfing schon in früher Jugend von seinem Vater, der Kupferstecher war, Anregungen zu seinem späteren Lebensberufe, sowol in Bezug auf das naturwissenschaftliche Interesse, als die Fertigkeit im Zeichnen, was Beides auf den Sohn überging. Von seiner Schulzeit auf der Nikolaischule seiner Vaterstadt her erwarb er sich gleichstrebende Freunde, unter denen namentlich der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, Theodor Klett, dem ein Herbarium, eine Conchyliensammlung und naturwissenschaftliche Kupferwerke zu Gebote standen, sich ihm eng anschloß und sein steter Begleiter beim Sammeln von Schnecken, Muscheln und Pflanzen war. Frühzeitig verlor R. seine Eltern und war dadurch theils auf die Uneigennützigkeit von Verwandten, theils auf eigne, mühevolle Lohnarbeit, wie das Abschreiben von Lehrbriefen und Heften angewiesen. Ostern 1825 bezog er die Universität Leipzig. Er hätte am liebsten Medicin studirt, doch sein Onkel, der ihm Vaterstelle vertrat, fand dieses Studium zu kostspielig und so erfüllte er einen Wunsch seiner verstorbenen Mutter und wurde Theologe. Allein so wenig der damalige Gymnasialunterricht ihm zugesagt hatte, so wenig fesselte ihn die Theologie, so daß er, als er nach 2½ Jahren die Universität verließ, in seiner Berufswissenschaft weit weniger zu Hause war, als in der Botanik, der er in jener Zeit ein großes Interesse zugewandt hatte. Er ergriff daher mit Freuden eine sich ihm bietende Gelegenheit, während eines Semesters die botanischen Excursionen junger Apotheker zu leiten. 1827 ging R. nach dem thüringischen Städtchen Weida, um daselbst an einer schola collecta eine Lehrerstelle anzunehmen und verblieb dort 2½ Jahr in genuß- und lehrreicher Thätigkeit. Eine Frucht dieses Aufenthaltes waren einige floristische Arbeiten. 1830 erschien in der Zeitschrift Flora die Abhandlung: „Beitrag zur Kenntniß der Flora Weida’s im Großherzogl.-Sächs. Neustädter Kreise“ und ein Jahr später ebendaselbst: „Plantae Lipsienses, Weidanae et Tharandtinae“. Außerdem lieferte er Beiträge zur „Flora Deutschlands in getrockneten Exemplaren“ von H. G. L. Reichenbach. Letzterer hatte sich des jungen R. in besonders fürsorglicher Weise angenommen und es vermittelt, daß ihm die Professur der Zoologie an der forst- und landwirthschaftlichen Akademie zu Tharand angetragen wurde, obwohl er die hierzu nöthigen Kenntnisse sich größtentheils erst erwerben sollte. So verließ R. Ostern 1830 Weida, um sich in seiner Vaterstadt auf sein neues Lehramt vorzubereiten und zog dann im Juni desselben Jahres nach Tharand. Seine erste zoologische Arbeit behandelte den Fichtenrüsselkäfer, der damals gerade die Fichtenpflanzungen [269] Tharand’s verwüstete. 1832 gab er seine „Systematische Uebersicht des Thierreichs“ mit einem von ihm selbst gezeichneten Bilderatlas heraus, 1834 einen andern über die Forstinsecten. Es waren Leitfäden für den Unterricht, die er damit seinen Schülern in die Hände gab und die ihm zugleich durch ihre Abfassung Gelegenheit boten, die Klarheit und Festigkeit seines eignen Wissens zu prüfen. Mit besonderem Eifer aber und auch mit großem Erfolge nahm er das schon in seinen Knabenjahren mit Vorliebe betriebene Studium der Land- und Süßwassermollusken der Heimath wieder auf. Er ging im September 1832 auf mehrere Wochen nach Wien; forschte, sammelte, zeichnete hier mit rastlosem Eifer und kehrte mit reichem Material zurück, um nunmehr eine fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit auf dem bezeichneten Gebiete zu entfalten. Zunächst erschienen 1834 2 Hefte seiner: „Diagnoses conchyliorum terr. et fluv.“, dann kam im April 1835 das erste Heft seiner großen: „Iconographie der Land- und Süßwassermollusken mit vorzüglicher Berücksichtigung der europäischen, noch nicht abgebildeten Arten“ heraus. Mit der letzten Tafel dieses Heftes unternahm er zugleich seinen ersten Versuch, zu lithographiren. Nur noch die erste Tafel des zweiten Heftes wurde nach seinen Zeichnungen von einem Andern besorgt, alle nachfolgenden sind von ihm selbst lithographirt. Von Heft zu Heft machte er in dieser Kunst Fortschritte, so daß die Abbildungen des letzten Bandes die schönsten sind. Eine 1835 über Triest in das Karstgebirge und nach Kärnthen unternommene Reise machte ihn mit der Alpenwelt, eine solche nach Berlin im Frühjahre 1837 mit den bedeutendsten hier lebenden Naturforschern, wie A. v. Humboldt, L. v. Buch, Ehrenberg, den Gebrüdern Rose u. a. bekannt und gewährte ihm vielfache Anregung. In ununterbrochener Folge ließ R. von 1835–39 alljährlich 2 Hefte seiner Iconographie erscheinen, da trat infolge erhöhter Berufsthätigkeit eine Stockung in der Publication ein. R. übernahm nämlich an Stelle des durch Alter und Krankheit verhinderten Professors der Mineralogie in Tharand auch noch die Leitung der mineralogischen Ausflüge der Zöglinge, was ihn veranlaßte, sich eingehender mit Geognosie zu beschäftigen und zur Bearbeitung der Pflanzenabdrücke des Braunkohlenbeckens von Altsattel, aus der reichen Petrefactensammlung des Oberforstraths Cotta antrieb. Unter dem Titel: „Beiträge zur Versteinerungskunde“, Heft 1 mit 12 Tafeln ist sie 1840 im Druck erschienen. Im Sommer desselben Jahres wurden ihm auch noch, nach dem Tode des Prof. Raumer, die pflanzenphysiologischen Vorlesungen übertragen, so daß er nunmehr auch auf diesem Felde wieder zu schriftstellerischer Production sich angeregt fühlte. So entstand die kleine Schrift: „Das Wichtigste vom innern Bau und Leben der Gewächse“ 1843, worin in populärer Form das für den praktischen Landwirth auf dem bezeichneten Gebiete Wissenswertheste sich zusammengestellt findet. Trotz dieser heterogenen Thätigkeit ermöglichte es R. dennoch, daß 1842 das elfte und 1844 das zwölfte Heft der Iconographie herauskam. Von dieser Zeit an aber kam seine schriftstellerische Wirksamkeit in eine andere Richtung. Seine Hinneigung zu der damals auftretenden Ronge’schen Schöpfung des Deutschkatholicismus, zu dem R. 1846 förmlich übertrat, sowie sein politisch-oppositionelles Auftreten, namentlich als Mitglied des Frankfurter Parlaments, wo er im Schulausschusse besonders thätig war, machten ihn bei der Regierung mißliebig und führten zu seiner, von ihm selbst übrigens beantragten Emeritirung, mit etwas weniger als der Hälfte seines bisherigen Einkommens. Dadurch sah er sich genöthigt, für Geld zu schreiben und trat nunmehr als naturwissenschaftlicher Volksschriftsteller auf. Eine Reihe ihrem Zwecke ganz vorzüglich entsprechender Schriften entstammte in dieser letzten Epoche schriftstellerischer Thätigkeit seiner Feder. Als solche sind zu nennen: „Der Mensch im Spiegel der Natur“; „Flora im Winterkleide“; „Die vier Jahreszeiten [270] mit 24 Vegetationsansichten“; „Die Geschichte der Erde“; „Das Wasser“; „Das Süßwasseraquarium“; „Der Wald“ und in Verbindung mit Alfred Brehm: „Die Thiere des Waldes“, worin R. im zweiten Bande die wirbellosen Thiere bearbeitete. Seine in mehreren Städten gehaltenen naturwissenschaftlichen Vorträge wurden von ihm als „Mikroskopische Blicke“ gesammelt herausgegeben. Drei Jahre lang betheiligte er sich mit Ule und Müller an der Herausgabe der populären Zeitschrift „Natur“, bis er selbst ein ähnliches Unternehmen „Aus der Heimath“ herausgab. Neben dieser Thätigkeit blieb R. aber seinem Lieblingsstudium nicht ganz fern. Er unternahm noch im Interesse desselben 1853 eine dreimonatliche Reise nach dem südlichen Spanien, von der er eine große Ausbeute an malakologischem Material mitbrachte, welches ihm den Stoff für das 13. und 14. Heft seiner Iconographie lieferte. Zwei Jahre später, 1856, erschien dann noch das 15. und 16., und endlich 1859 das 17. und 18. Heft, womit das 3 Bände umfassende Werk vollendet war. Die Reise selbst schilderte er in seinen „Reiseerinnerungen aus Spanien“. Unter Roßmäßler’s populären Schriften ist das umfangreichste und bekannteste das einen voluminösen Band darstellende Werk: „Der Wald. Den Freunden und Pflegern des Waldes geschildert“. In der Vorrede zur ersten Auflage des gesammten Werkes vom Jahre 1862, das, in Lieferungen erschienen, zwei Jahre zu seiner Vollendung brauchte, bezeichnet der Verfasser als Zweck seiner Arbeit, „den Wald unter den Schutz des Wissens Aller zu stellen“. Er wünschte, durch Belehrung zu unterhalten und daneben die hohe staatsökonomische Bedeutung einer geordneten Waldpflege auch einem größeren Laienpublicum zum Verständniß zu bringen. Begleitet ist das Werk von 17 trefflichen Kupferstichen, welche die wichtigsten Waldbäume Deutschlands in geeigneter landschaftlicher Staffage zur Darstellung bringen, während daneben eine große Reihe sauber ausgeführter Holzschnitte morphologische und anatomische Details der behandelten Gewächse zeigen. Die Darstellungsweise ist überall flüssig und klar, dem Verständniß des Leserkreises, für welchen das Buch zunächst bestimmt ist, angepaßt, aber nirgends unwissenschaftlich. Die besten Quellen sind benutzt und für die Behandlung rein forstwirthlicher Fragen wie für die Herausgabe der 2 angehängten Revierkarten die Mithülfe bewährter Fachmänner herangezogen. Das Buch zerfällt in drei Theile. Im ersten schildert der Verfasser die Lebensgesetze des Waldes, d. h. den Unterschied zwischen Forst und Wald, die Bedingungen des Wachsthums der Bäume, die allgemeine wissenschaftliche Botanik, soweit sie dem Zweck entspricht und die Architektur der Waldbäume. Der zweite und größte Abschnitt behandelt die Naturgeschichte der Bäume, eine populäre Monographie, die auch die Verbreitung und den ökonomischen Nutzen derselben berücksichtigt, und der dritte Theil endlich gibt unter der Ueberschrift „Waldwirthschaft“, eine Physiognomik des Waldes, sowie einen Einblick in die Arbeit des Forstmanns. Roßmäßler’s Werk errang sich schnell, sowol bei der Kritik, wie in den Kreisen des gebildeten Publicums große und wohlverdiente Anerkennung. Nach 8 Jahren war eine zweite Auflage nothwendig. R. selbst hatte bereits fleißig an einer solchen gearbeitet, zum Theil auch, wie aus dem hinterlassenen Manuscripte hervorgeht, eine Umarbeitung des Textes beabsichtigt; da hinderte ihn der Tod an der Ausführung seines Planes. Sein Freund, Prof. Willkomm in Dorpat, nahm die Arbeit wieder auf und übergab 1870 die zweite Auflage der Oeffentlichkeit, mit seinen Ergänzungen und Verbesserungen nur da eintretend, wo der Stand der Wissenschaft solche nothwendig erheischte. 1881 endlich erschien von demselben Herausgeber die dritte Auflage mit zeitgemäßen Aenderungen und Zusätzen und unter Vermehrung der Holzschnitte.

[271] Malakozoolog. Blätter, herausg. von Dr. L. Pfeiffer, XIV. Bd. 1867. – Die Natur, herausg. von Ule und Müller, XVI. Bd. 1867.