ADB:Schenk, Heinrich Ritter von

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Artikel „Schenk, Heinrich Ritter von“ von Karl Theodor von Heigel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 47–49, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schenk,_Heinrich_Ritter_von&oldid=- (Version vom 24. April 2019, 14:38 Uhr UTC)
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Schenk: Johann Heinrich, Ritter v. S., bairischer Staatsmann, geboren zu Düsseldorf am 17. April 1748, gestorben zu München am 1. Mai 1813. Die Dürftigkeit der Eltern – der Vater war Unterofficier in kurpfälzischen Diensten – nöthigte den talentvollen Knaben, die begonnenen Studien bald wieder abzubrechen und sich dem Stande des Vaters zuzuwenden. Ein freundliches Geschick führte den jungen Unterofficier zu dem Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi, der ihm die Arbeiten eines Privatsecretärs übertrug, zugleich aber auch Gelegenheit bot, Latein und Französisch zu erlernen und sich juristische und nationalökonomische Kenntnisse anzueignen. Aus einem Diener wurde S. der Freund Jacobi’s, er wurde in litterarischen Fragen zu Rathe gezogen, ihm wurde die Erziehung der Söhne Jacobi’s anvertraut. „Der Mann“, schreibt Jacobi (17. November 1785) an Hamann, „den ich neulich mein Factotum nannte, der mein eigentlicher Vertrauter und mein Busenfreund im engsten Verstande ist, heißt Heinrich Schenk.“ Nachdem S. an der Universität Duisburg den Grad eines Licentiaten der Rechte erworben hatte, fand er 1787 eine Anstellung als Syndicus der Ritterschaft im Großherzogthum Berg. Gelegentlich einer in Jacobi’s Auftrag 1779 unternommenen Reise nach München war er mit dem Finanzminister Freiherrn Franz Karl v. Hompesch bekannt geworden; dieser faßte Zutrauen zu ihm und übertrug ihm, als Jacobi, durch die Kriegsunruhen aus Pempelfort vertrieben, nach Holstein ausgewandert war, 1793 die Stelle eines Militär-Oekonomieraths in den Herzogthümern Jülich und Berg. Die französische Invasion bot dem gewandten Selfmademan Gelegenheit, sich auszuzeichnen; 1795 wurde er zu Unterhandlungen mit der Republik nach Paris abgeordnet; 1798 begleitete er Hompesch nach Rastatt. Als Max Joseph die Regierung von Pfalz-Baiern übernahm, wurde S. auf Vorschlag seines Gönners Hompesch am 27. Februar 1799 „im guten Vertrauen auf die in churfürstlichen Geschäften bewiesene Treue und Redlichkeit“ zum Geh. Finanzreferendär mit 3000 Gulden Gehalt ernannt. Der strebsame Beamte blieb aber ein treuer Freund der Litteratur und der Litteratoren. Schon in Pempelfort hatte er die Bekanntschaft vieler ausgezeichneter Gelehrten und Schriftsteller gemacht; die Briefe Jacobi’s bezeugen, welch hohe Achtung S. in litterarischen Kreisen genoß. In München zu einflußreicher Stellung gelangt, trachtete er eifrig, die Berufung [48] des hochgeehrten Jacobi durchzusetzen; als Jacobi ablehnte, wollte er Fichte mit der Reform der akademischen Einrichtungen betraut wissen; auch mit dem „Magus des Nordens“, Hamann, trat er in freundschaftliche Verbindung. S. leistete gute Dienste als Mitglied des Hofcommissariats während der Besetzung Münchens durch die Franzosen, sowie durch die Flüchtung der Gemäldegalerie nach Düsseldorf vor dem Feldzug von 1805. Bei Errichtung des geheimen Ministerial-Departements des Innern 1806 wurde ihm das Referat über Handel und Verkehr, Fabrikwesen etc. übertragen; nach Errichtung des geheimen Raths 1808 wurde er zum wirklichen geheimen Rath (mit 5000 Gulden Gehalt und 2000 Gulden jährlicher Gratification) ernannt; nach Hompesch’s Ableben wurde er 1809 dem mit der Oberleitung des Finanzwesens betrauten Montgelas als Generaldirector beigegeben. Im Kampf zwischen „dem Alten“ und „dem Neuen“, der in Baiern durch die Reformen Montgelas’ auf allen Gebieten des Staatslebens aufgeregt worden war, stand S. im allgemeinen auf Seite des leitenden Staatsmannes, wenn er sich auch die Gefahren, welche aus allzu weit getriebener Umsturzsucht erwachsen mußten, nicht verhehlte. Seine werthvollen Urtheile über diese Zustände und Vorgänge sind niedergelegt in den Briefen an Jacobi. Schon 1802 verschaffte S. seinem Gönner und Freunde eine Pension von 500 Thalern aus kurfürstlichen Privatmitteln, und er ruhte nicht, bis endlich Jacobi „als Bundesgenosse für Licht und Aufklärung“ nach München gezogen wurde. Jacobi sollte zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften mit 3000 Thalern Gehalt und – was von Jacobi am hitzigsten verlangt, von S. am schwersten durchgesetzt wurde, – der Erlaubniß zum Tragen der Uniform eines Landesdirectionsraths ernannt werden, dagegen nur verpflichtet sein, jährlich zwei Abhandlungen zu schreiben und den Sitzungen der Akademie beizuwohnen. S. bestürmte den geistvollen Gelehrten, das Anerbieten anzunehmen und nach dem in blühendem Aufschwung begriffenen München überzusiedeln. Den „alten“ S., schreibt er (30. September 1804), werde er freilich nicht mehr antreffen. „Ich bin seit neun Jahren unter einem steten Drang von Geschäften ein Fremdling in der Litteratur geworden, höchstens verstehe ich Sie noch, – aber was treue, innige Liebe und Anhänglichkeit ersetzen kann, werde ich ersetzen.“ „Gott erhalte Sie mir“, erwiderte Jacobi (5. Februar 1805), „für alles Uebrige ist mir dann nicht bange. So innig vereinigt, wie wir beide es sind, kommt man über Vieles leicht hinweg und ist sehr stark. Selige Stunden, wie wir noch keine mit einander verlebt haben, stehen uns bevor.“ Im August 1805 siedelte Jacobi nach München über. „Ich habe hier alles anders gefunden, als ich es mir gedacht hatte“, – so schildert er das erneute Zusammenleben mit dem vertrauten Genossen der Pempelforter Tage, – „meinen Freund Schenk selbst nicht ausgenommen, der von Arbeiten in einem solchen Maße überhäuft und Geschäftsmann geworden ist, wie ich es nicht für möglich gehalten hatte. Er steht überall in größtem Ansehen und verdient es. An Geist, Herz und Lebendigkeit ist er noch ganz der Alte, faßt Alles, nimmt Antheil an Allem, kann sich aber nicht dabey aufhalten, weilen, ruhen und genießen, sich nie ganz ausspannen und das Geschirr an den Nagel hängen, auch nur auf eine kurze Zeit. Nicht, daß er es nicht daran hängen wollte, er hat es in der Hand und will, und kommt nur nicht dazu, daß er es wirklich aufhängt und davon geht. Dem ungeachtet sehe ich Schenk hier öfter und habe viel mehr Umgang mit ihm, als in den letzten Jahren in Pempelfort.“ Schenk’s Haus war ein Sammelpunkt der verspotteten und gefürchteten Ideologen, welche an der von Montgelas angestrebten Umgestaltung Baierns in einen modernen Staat regen Antheil nahmen, aber erklärte Feinde der auswärtigen Politik des Ministeriums waren, weil sie in Napoleon’s Dictatur die Vernichtung aller Freiheit und Wissenschaft sahen; hier verkehrten [49] sowohl einheimische Gelehrte, Cajetan Weiller, Michael Sailer, Friedrich Immanuel Niethammer, als Berufene, Friedrich Jacobs, Friedrich Thiersch, Sömmering, Schlichtegroll u. a. Als der bekannte Streit zwischen diesen Akademikern und der sog. altbairischen Fraction ausbrach und insbesondere gegen Jacobi die verleumderische Anklage erhoben wurde, daß er ein verrätherisches Complot gegen den rheinischen Bund angestiftet habe, war S. die kräftigste Stütze seines alten Freundes. An Jacobi’s litterarischen Arbeiten war er mit Rath und That betheiligt, – u. A. stammt die Geschichte von Agis und Kleomenes, welche in den Roman Woldemar aufgenommen ist, aus Schenk’s Feder. Die treuen Freunde fanden auch neben einander im Münchener Friedhof die letzte Ruhestätte.

Nekrolog im k. bair. Regierungsblatt, Jahrg. 1813, S. 1283. – Akadem. Festrede zum Andenken H. Schenk’s, von Friedr. Roth, bair. Oberfinanzrath (1813). – (Roth), Nachrichten vom Leben F. H. Jacobi’s in J.’s Briefwechsel, 1. Bd. (1827). – Deycks, F. H. Jacobi im Verhältniß zu seinen Zeitgenossen (1848), S. 137 ff. – Zirngiebl, F. H. Jacobi’s Leben, Dichten und Denken, S. 117 ff.