ADB:Stein, Georg von

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Artikel „Stein, Georg von“ von Hermann Markgraf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 608–613, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stein,_Georg_von&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 05:28 Uhr UTC)
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Stein: Georg v. St. (oder Stain), wie er sich zu schreiben pflegte, ein hervorragender Staatsmann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, gehörte, wie die in seinem Siegel deutlich erkennbaren übereinander stehenden gestürzten Wolfsangeln anzeigen, dem altberühmten und mächtigen Geschlechte der Herren v. St. in Oberschwaben an. Auch wurde ihm in der Fremde öfter seine schwäbische Herkunft vorgeworfen (Fontes rer. Austr. II, 2, p. 190; Ss. rer. Lusat. III, 135). Sein Vater Konrad, der zusammt einem Bruder Johann 1451 unter den Mannen des Erzherzogs Albrecht von Oesterreich erwähnt wird, während er von dem bekannten Baseler Kaplan Hans Knebel als armiger Constanciensis bezeichnet wird, lebte noch 1477. Er selbst hatte zwei Brüder, Marquard und Konrad, auch mehrere Vettern, alle in den Landen des Erzherzogs Albrecht begütert. Ob auch der Bamberger Domdechant Hertnid v. St. (in der Bologneser Matrikel 1451 Herthnid vom Stain) zu der Verwandtschaft gehört, bleibe dahingestellt. Einfluß auf die Gestaltung seines ersten Lebensabschnittes hatte sein Oheim, Wilhelm v. St., Doctor der Rechte und Rath des Herzogs Albrecht. Auf sein Betreiben wendet sich der junge Mann dem geistlichen Stande zu, auf seine Empfehlung erhält er ein Kanonikat in Augsburg, und in seiner Begleitung macht er den Romzug Friedrich’s III. 1451–1452 mit. Damals wird er auf Empfehlung des Herzogs Albrecht von Nikolaus V. zum päpstlichen Protonotar ernannt. Da auch Knebel mit ihm in Rom zusammengetroffen sein will, und dessen römischer Aufenthalt 1458 fällt, dürfte St. wiederholt in der ewigen Stadt gewesen sein. An einen wirklichen Dienst in der päpstlichen Curie ist bei ihm nicht zu denken, da er nach den übereinstimmenden Zeugnissen einer ganzen Reihe von Personen, die ihn in den verschiedenen Abschnitten seines Lebens kennen gelernt haben, dem geistlichen Stande nicht lange treu geblieben ist. Nach Knebel hat er es über das Subdiakonat nicht hinaus gebracht, also die Priesterweihe nie erlangt; seinem heißen Drange nach den Gütern dieser Erde schien die ritterliche Laufbahn besseren Vorschub zu leisten. Als Kanzler des Erzherzogs Albrecht beginnt Georg etwa seit 1458 eine politische Rolle zu spielen, nachdem er schon vorher im Dienste des Kaisers Friedrich, Albrecht’s Bruder, als Befehlshaber zu Ips erwähnt wird. In den Streitigkeiten Albrecht’s [609] mit seinem Bruder und dann nach Albrecht’s Tode in den Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und seinem Vetter, Sigmund von Tirol, erscheint er als ein sehr geschäftiger, stets auf seinen eigenen Vortheil bedachter, hinterhaltiger und ränkevoller Mann, ähnlich den Baumkirchner, Grafenecker, Puchheimer, die gleich ihm aus Gläubigern ihres Fürsten dessen Gegner und schonungslose Friedensbrecher wurden. Für Darlehen und Verbürgungen, die er dem Erzherzog Albrecht geleistet hatte, hatte er zuerst Schloß Laufenburg inne; dann erhielt er am 16. März 1463 Burg und Stadt Steier, am Einfluß der Steier in die Enns in Oberösterreich, zum Pfand in Höhe von 14 000 Ducaten; er nennt sich in der nächsten Zeit gewöhnlich „Herr und Regierer der Herrlichkeit Steier“. Alten Zusagen gemäß und um sich selbst leichter im Besitze von Steier zu behaupten, suchte er nach Albrecht’s Tode die oberösterreichischen Lande zum Anschluß an Sigmund von Tirol zu bewegen; als das nicht glückte, vertrug er sich mit dem Kaiser im April 1464 dahin, daß er von seinem Gelde 6000 Ducaten nachließ und gegen Erstattung der übrigen Summe Steier herauszugeben versprach. Ein Jahr lang sollte er die Einkünfte der Pfandschaft noch genießen. Er suchte aber die Herausgabe derselben immer wieder hinzuziehen und bald den Kaiser gegen Herzog Sigmund, bald diesen gegen den Kaiser auszuspielen. Als Letzterer die Stadt Steier durch Truppen unter Herzog Albrecht von Sachsen nach Neujahr 1467 hatte besetzen lassen, sammelte St. Söldner in Böhmen und warf am 29. Januar 1467 die Kaiserlichen nach blutigen Kämpfen wieder heraus, vereinigte sich mit den Seinen in der Burg und befehdete das Land weit ringsum. Er brach jetzt offen mit dem Kaiser und trat in den Gehorsam und Dienst des Königs Georg Podiebrad, der eben des Kaisers Feind geworden war und nun alle ungehorsamen Vasallen desselben in seinen Schutz nahm. Er suchte durch St. sogar in Wien Verbindungen zu gewinnen. Den Verkehr vermittelte theilweis Gregor Heimburg (Archiv f. Kunde österr. Gesch.-Qu. XII, 336–338). Wohl um dieser Verbindung willen mit dem gebannten Böhmenkönig ward auch St. vom päpstlichen Legaten Lorenzo Rovarella, Bischof von Ferrara, in den Bann gethan. Gegen Ende des Jahres 1467 verlor er auch während einer kurzen Abwesenheit die Stadt Steier und später, weil die böhmische Hülfe unter Prinz Victorin nicht über die Donau zu setzen vermochte, Ende Januar 1468 die Burg; seine Versuche, sie von Böhmen aus wieder zu erobern, von denen 1469 und 1470 die Rede ist, mißglückten. Er mußte diesen Besitz endgültig fahren lassen; durch Urkunde vom 30. November 1470 zu Mährisch-Trübau trat er alle seine Rechte an Ulrich von Boskowitz zu Cimburg ab. Kaiser Friedrich war noch 1474 derartig erbittert gegen ihn, daß er Markgraf Albrecht und anderen Reichsfürsten ihn gefangen zu nehmen auftrug (20. Sept.). Am Hofe des Böhmenkönigs fand Stein’s Neigung zum Plänemachen und Ränkespinnen volle Befriedigung. Im Kampfe gegen die aus seinen aufständischen Baronen und den deutschen Nebenländern gebildete katholische Liga und gegen die Helfer derselben, den Kaiser Friedrich und den König Matthias von Ungarn, sah sich der ketzerische König Georg zu manchem ungewöhnlichen Schritt gedrängt. So suchte er den Burgunderherzog Karl durch Erhebung auf den Thron als Römischer König 1469 und 1470 auf seine Seite zu ziehen. Für solche Verhandlungen fand er in St. ganz den richtigen Mann; nach dem Wenigen, was bisher darüber bekannt geworden ist, besuchte St. sowol den burgundischen Hof wie die deutschen Fürsten in der Sache, freilich ohne Erfolg. Aber die Verbindungen, die er dabei anzuknüpfen verstand, bahnten ihm nach dem Tode Georg’s von Podiebrad († 22. März 1471) den Weg in das Lager seines Gegners Matthias von Ungarn. Dieser war zwar schon im Mai 1469 von [610] der katholischen Liga zum böhmischen König ausgerufen worden, hatte aber Podiebrad nicht besiegen können und sah sich nach dessen Tode zur Fortsetzung des Kampfes gegen den von der hussitischen Partei auf den Thron gehobenen Wladislaw von Polen genöthigt. In dieser Lage suchte er Albrecht von Brandenburg und Wilhelm von Sachsen durch St. auf seine Seite zu ziehen. Am 24. December 1471 als Unterhändler bei Markgraf Albrecht beglaubigt, zog St. bis in den Hochsommer 1472 unermüdlich zwischen Brandenburg, Sachsen und Ungarn hin und her. Obwol von Markgraf Albrecht mit Mißtrauen empfangen und fast wie ein Schwindler angesehen, weil er die weitgehenden geheimen Anerbietungen, die er machte, nicht mit ausdrücklicher Vollmacht beglaubigen konnte, brachte er doch am 15. Juli 1472 einen freilich farblosen Bündnißvertrag zwischen seinem König und den beiden deutschen Fürsten zu Zerbst zu Stande. Wenn er damals zum Markgrafen äußerte, er wolle heim nach Schwaben reiten, so hatte er vielleicht schon einen weiteren Auftrag für Burgund; wenigstens 1473, 1474 und 1475 ist er zwischen Matthias und Karl dem Kühnen in Dingen thätig, die nicht recht klar sind, in denen aber von einem ungarisch-burgundisch-englischen Bündniß und von einer Verlobung Maria’s von Burgund mit Friedrich von Arragon, dem Schwager des Matthias, die Rede ist. Auch wird er 1475 von Matthias zu Sigmund von Tirol und 1476 zu den Schweizern geschickt, immer für den Burgunderherzog Karl den Kühnen vermittelnd. Während des Neußer Krieges ließ deshalb Markgraf Albrecht als Reichsfeldherr auf ihn fahnden. Sein Mißtrauen blieb immer gegen ihn rege; er nennt ihn später, allerdings zu einer Zeit, wo er mit seinem Herrn, König Matthias, im Streite lag, geradezu einen Bösewicht, und warnt seinen Sohn, ihm in keiner Weise zu trauen, er gehe immer mit Lügen um. (Denn er ist ein Bösewicht. Man fahre ihn auf welchen Markt man will, so gilt er nicht mehr, 1483.) Uebrigens treffen wir ihn 1473 und später wiederholt auch als Unterhändler des Königs bei den jungen sächsischen Herzögen Ernst und Albrecht; wenn er auch hier nicht gut angeschrieben ist, so tritt doch eigentlich kein anderer Grund hervor, als daß er im Interesse seines ungarischen Herrn sich nicht bereit finden ließ, den Plänen der Wettiner, namentlich auf Erwerbungen in Schlesien, nach Wunsch entgegen zu kommen. Er galt in der sächsischen Kanzlei als nicht gut meißnisch gesinnt. Eine länger dauernde Stellung von Bedeutung hat er sich in Schlesien zu begründen gewußt, das dem von der katholischen Liga zum böhmischen Gegenkönig gewählten Matthias Corvinus seit 1469 als Herrscher gehorchte. In besonderer Sendung am Ende 1473 und dann in der Begleitung des Königs 1474 lernte er die schlesischen Verhältnisse näher kennen. In der Folge ward er hierselbst neben Johann Filipec, Bischof von Großwardein, einem Mähren von Geburt und ehemaligen Bernhardinermönch in Breslau, der einflußreichste Mann und der rücksichtsloseste Vertreter der Interessen seines Herrn. Durch ihn ließ dieser 1475 in der schlesischen Hauptstadt Breslau das uralte Rathswahlrecht ändern. Peter Eschenloer, der bekannte Chronist dieser Zeit, vergilt ihm das mit reichlichem Hasse. „Diese zwei“, sagt er von ihm und Bischof Johann, „über alle Fürsten und Bannerherren hatten Macht zu thun und zu lassen. Die großmächtigen Herren aus Böhmen, der v. Sternberg, die v. Hasenburg und alle anderen und alle Fürsten in Schlesien ließ Matthias auswendig seinem Rathe. Wiewol ihm ehrlicher und nützlicher und diesem Reiche zu Böhmen besser wäre gewesen, er hätte solche geborene erbliche Herren seines Reiches vorgezogen, vor Augen gehabt und ihrem Rathe gefolgt. So ein solches geschehen wäre, Matthias hätte längst die Krone auf seinem Haupte gehabt, die Kriege hätten längst ihr Ende genommen. Aber diese zwei Räthe, die mochten nicht rathen zum Frieden, darinnen Matthias ihrer [611] Nichts hätte geachtet, und ihr Beutel wäre nicht gefüllt worden. Sie hätten lieber das ganze Königreich in ihren Beutel genommen, denn zum Frieden gerathen.“ Im J. 1478 erhält St. die wichtige und machtvolle Stellung eines Königlichen Anwalts in Niederschlesien, Vogts der Ober- und Niederlausitz, wie auch Hauptmanns der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer. König Matthias brauchte gerade Diener, die ohne Rücksicht auf die herkömmlichen Freiheiten der einzelnen Provinzen seines Reiches und deren nächste Bedürfnisse und ohne Scheu vor Unpopularität ihm vor allen Dingen Geld verschafften. Dazu waren Fremde geeigneter als die Einheimischen. Der König stützte seine Macht nicht auf die unlenksamen Aufgebote der Landschaften, mit Geld waren jeder Zeit Söldner zu werben, die in der Hand eines festen Herrn ein besseres Instrument der Herrschaft waren, indem sie sich auch gegen den Willen und den Vortheil der einzelnen Landschaften und ihrer Stände gebrauchen ließen. Aber der Haß, den St. in Schlesien und Lausitz auf sich lud, galt nicht allein der von ihm vertretenen Regierungspolitik, sondern auch seinem persönlichen, durch und durch eigennützigen Gebahren. Die Art, wie er sich mit Verletzung der ihm wohlbekannten Anwartschaft der Herren von Ilenburg 1478 den Besitz der durch das Aussterben der alten Herren an den König gefallenen Herrschaft Zossen in der Niederlausitz von Matthias verschaffte, war ebensowenig fein, wie das Verfahren, durch welches er später in Schlesien die Herrschaft Steinau und Raudten an sich brachte. Inzwischen hatte er auch 1482 auf eine noch nicht näher ermittelte Weise die Herrschaft Hoyerswerda erlangt. Auch auf oder an dem Zobtenberge suchte er sich durch Einlösung von Pfandrechten festzusetzen. Die Art ferner, wie er im Fürstenthum Breslau eine höchst rigorose Revision der Rechtstitel auf Erb- und Lehngüter leitete, und wie er sich zur Niederdrückung der mächtigen Hauptstadt mit Heinz Dompnig, einem Charakter ähnlichen Schlages aus dem Breslauer Patriciat selbst verband, erregte ihm einen giftigen Haß in den vornehmen Kreisen der Stadt und der Landschaft. Im ganzen Lande war sein Name gefürchtet als der eines rücksichtslosen Vertreters seines gewaltthätigen Herrn, und die Stimmung erbitterte sich immer mehr gegen ihn, je deutlicher das Bestreben zu Tage trat, ein schlesisches Fürstenthum nach dem andern einzuziehen, um für den königlichen Bastard Johannes Corvinus, der 1487 mit einer mailändischen Prinzessin vermählt wurde, einen fürstlichen Besitz zusammenzubringen. Solche Pläne zu betreiben und durchzuführen, war St. ganz der Mann; das gab gute Gelegenheit, auch für sich etwas zu erschnappen. Schon war der größere Theil von Oberschlesien in des Königs Händen, und in Niederschlesien gewährte der Mangel an Lehnserben der Herzöge Hans von Sagan und Konrad von Oels die Hoffnung eines stattlichen Anfalls. Allerdings erhob sich im J. 1488 der wilde Herzog Hans mit dem ganzen Ungestüm seiner Natur dagegen, aber der Aufstand ward nach entsetzlichen Greueln niedergeschlagen und der Herzog verjagt; die rückkehrenden Truppen fügten dann der Eroberung des Glogauer Fürstenthums auch die von Oels hinzu. Dem Lande Schlesien wurde diese Politik dadurch noch schmerzlicher, daß es auch die Kosten der Kriege bezahlen mußte, eine Landessteuer nach der andern ward ausgeschrieben und von St. mit emsiger Geschäftigkeit beigetrieben. Auch der Geistlichkeit wurde die Hälfte aller ihrer Einnahmen aus wiederkäuflichen Zinsen im J. 1489 abgefordert, mit der Motivirung, die St. sogar durch Joh. Langer von Bolkenhain litterarisch rechtfertigen ließ, daß Zinsnehmen kanonisch verboten sei. In allen diesen Dingen bediente sich St. des oben erwähnten Heinz Dompnig, den der König auf sein Betreiben zum Hauptmann von Breslau ernannt hatte, als stets willfährigen Factotums und sah ihm dafür durch die Finger, schützte ihn auch öffentlich, wenn derselbe sich ebenso schamlos zu bereichern suchte als sein Herr und Meister. [612] Die gleiche Unzufriedenheit wie in Schlesien erregte Stein’s Regiment in der Oberlausitz, wo er zu Bautzen die Ortelsburg unter lautem Protest der Stadt und des zugehörigen Adels als eine Art Zwinguri ausbauen ließ und die Klagen der Stände über Verletzung ihrer Rechte mit höhnischem Uebermuth beantwortete. Das Alles zusammen läßt die Katastrophe verstehen, die über ihn hereinbrach, als König Matthias nach kurzem Krankenlager plötzlich am 5. April 1490 in Wien die Augen schloß. St. befand sich gerade auf der Ortelsburg in Bautzen, als die Nachricht vom Tode des Königs eintraf. Sofort verlangten Stadt und Mannschaft die Herausgabe der Burg und bestrickten seine außerhalb derselben liegenden Knechte. Die scharfen Worte, die eine auf die Burg gelassene Deputation ihm ins Gesicht warf, riethen ihm, sich bei Zeiten aus dem Staube zu machen; durch die Vermittlung der Görlitzer in ihre Stadt geleitet, fand er auch dort bald die ihm sonst freundlichere Stimmung umgeschlagen, und aus Breslau, erfuhr er, daß man seine Correspondenz auf der dortigen Burg beschlagnahmt und seinen Spießgesellen Dompnig gefangen gesetzt und des Hochverraths angeklagt hatte. Der eben noch so mächtige Mann war, wie der Verfasser der Görlitzer Rathsannalen berichtet, in ganz Schlesien und Lausitz seines Lebens nicht mehr sicher. Er entwich auf seine Herrschaft Zossen und begab sich von da an den kurfürstlichen Hof nach Berlin. Auch seinen Besitz konnte er nicht behaupten. Zossen verkaufte er noch im selben Sommer an den Kurfürsten Johann; wie er Hoyerswerda verlor, ist nicht näher bekannt; sein Recht auf Steinau und Raudten vertheidigte er gegen die von Matthias’ Nachfolger Wladislaw anerkannten Ansprüche der Herzogin Katharina von Troppau noch längere Zeit, jedenfalls ohne im thatsächlichen Besitze der Herrschaft zu sein, und verkauft es erst 1495 an den böhmischen Ritter Benesch v. Weitmil. Im übrigen war er nicht der Mann, sich vom Unglück ohne Widerstand beugen zu lassen. Im August 1490, als das Haupt seines Genossen Dompnig bereits gefallen war, suchte er wieder mit Breslau anzuknüpfen; auffallend ist in diesem Schreiben seine Heftigkeit gegen den Breslauer Bischof Johannes Roth, „den wüthenden Teufel“. Aber nirgends wollte man von seiner „Büberei“ weniger wissen als in Breslau. Ebensowenig Erfolg hatte er bei Matthias’ Nachfolger Wladislaw, desgleichen bei Maximilian von Oesterreich, der mit diesem um die ungarische Krone stritt. Die letzten Jahre seines Lebens sind wenig bekannt, es scheint ihm nirgends mehr geglückt zu sein. Er hielt sich wol hauptsächlich in der Mark auf, da ihm die Verkaufssumme für Zossen in Form einer Leibrente gezahlt wurde, und starb zu Berlin am 3. December 1497 im Grauen Kloster. – Nach Andeutungen in einem Briefe Dompnig’s an ihn vom 18. August 1488 besaß St. eine Tochter, die an Jan Bielik v. Kornitz, den damaligen Landeshauptmann von Oberschlesien, vermählt war oder vermählt werden sollte. Nach Preuenhuber war 1464 Christoph von Meßberg, ein österreichischer Herr, sein Schwager, ob als Bruder seiner Frau oder Mann seiner Schwester, bleibt unbekannt; Lehnserben hatte er außer seinen Brüdern Konrad und Marquard, wie sich aus den Urkunden über Zossen und Steinau-Raudten ergibt, nicht. Marquard stand im Dienste des Grafen Heinrich von Württemberg und saß als Vogt auf der Burg zu Mömpelgardt. Georg’s Abfall vom geistlichen Stande wird ihm von seinen Feinden öfter vorgeworfen; apostata a statu clericali et persecutor eiusdem nennt ihn der Abt Benedict Johnsdorf, „vor Zeiten war er ein geistlich Mann, ein Evangelier gewest“, sagt Eschenloer; bei dem Bautzener Chronisten Mühlworf ist er „der Creutzherrn Ordens und ein geistlicher Diaconus“. Von der geistlichen Erziehung her hatte er nicht nur mehr Kenntnisse als sonst die Männer seines Standes, sondern auch einen lebhaften Sinn für Bildung; nicht nur der schon genannte Langer, sondern auch Trithemius, Celtis, [613] Bebel rühmen ihn deshalb; sein humanistisch gebildeter Neffe Eitelwolf v. St. widmete ihm seine Schrift De laudibus heroum et virorum illustrium. Nach dem Allen erscheint er als eine der bedeutenderen Figuren des ausgehenden deutschen Mittelalters, voll Thatkraft, Weltgewandtheit, Geschäftsklugheit und Geist; uneigennützige Hingabe an ihren Dienst darf man bei den Staatsmännern dieser Zeit freilich nicht suchen, sie dienten eben weder einem Staate noch einer Idee, sondern ähnlich den Landsknechten demjenigen, bei dem sie sich am besten vorwärts zu bringen hofften; aber selbst unter seines Gleichen ragt er wie durch seine Erfolge, so auch durch seine Habsucht hervor. Sie riß ihn wiederholt in jähem Wechsel aus stattlichem Besitz heraus und machte sein Lebensende elend und einsam.

Die Quellen über Stein’s Leben und Thätigkeit sind sehr zerstreut; vgl. besonders des Verf. Aufsatz über Heinz Dompnig in der Zeitschrift für Geschichte Schlesiens 20, wo schon Manches angeführt ist; ferner Monumenta Habsburgica I; Archiv für österr. Geschichtsquellen VII, XII; Fontes rer. Austr. 42, 44, 46 und die im Erscheinen begriffenen neuen Bände der Polit. Correspondenz Breslaus (Ss. rer. Siles. 13, 14), sowie die Darstellungen der zeitgenössischen Geschichte Oesterreichs, Böhmens, Ungarns u. der Schweiz (Segesser, Basler Chroniken u. s. w.).