ADB:Wigbert (Missionar)

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Artikel „Wigbert“ von Karl Heldmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 512–516, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wigbert_(Missionar)&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 07:46 Uhr UTC)
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Wigbert *): in den Quellen sehr verschieden geschriebener und nicht leicht von ähnlich klingenden Namen zu trennender Name mehrerer iro-anglischer Missionare und Priester der Bonifacianischen Zeit.

1) Der erste uns bekannte Träger desselben ist Wigbert oder Wictberct, ein Ire, der erste der Schüler S. Egbert’s, der auf seines Meisters Veranlassung Deutschland als Missionar besucht haben und nach seiner erfolglosen Wirksamkeit von Willibrord und Adalbert nebst zehn Genossen abgelöst worden sein soll. Doch ist diese Nachricht jedenfalls nur eine falsche Combination aus Alkuin’s Vita S. Willibrordi, die von dem Einfluß Egbert’s und Wigbert’s auf den Bildungsgang des jungen Willibrord redet und Beider Auswanderung erwähnt, und aus Beda’s Hist. eccl., der zufolge W. zwei Jahre ohne wesentliche Erfolge als Friesenmissionar unter Ratbod wirkte und sich dann nach Irland zurückbegab (ca. 718). Wenn Willibrord 658 geboren und 690 nach Friesland gesandt wurde, so wird Wigbert’s Leben in die Zeit zwischen den beiden Decennien 650–660 und 720–730 fallen.

2) Die beiden folgenden Wigberte gehören, der Zeit nach verschieden, dem Kloster Fritzlar an. Wigbert I., der Heilige, der etwas ältere Genosse des hl. Bonifacius, also vor 680 geboren, entstammte einer angelsächsischen Familie. Dem britischen Mönchsideal jener Zeit entsprechend in christlicher Askese und theologischer Wissenschaft erzogen, trat er in ein Benedictinerkloster seiner Heimath, in welches, wissen wir nicht. Der gute Ruf und die Verehrung, deren er sich erfreute, lenkten die Aufmerksamkeit seines seit 716 in Deutschland als Glaubensbote thätigen Landsmannes Bonifacius auf ihn. Wann W. dem Rufe des Apostels Folge geleistet und sich nach Deutschland begeben hat, ist aus den Quellenschriftstellern, Othlo’s V. S. Bonifacii, einer anonymen Bonifaciusbiographie und Lupus’ V. S. Wigberti, infolge mehrfacher Widersprüche derselben nicht zu ermitteln. Einen etwas sichereren Anhaltspunkt gewährt die Ermittelung der Gründungszeit von Kloster Fritzlar, zu dessen erstem Vorsteher W. berufen wurde. Sicher geschah das erst nach der Bestätigung des Bonifacius durch den apostolischen Stuhl (15. Mai 719), aber schwerlich gleichzeitig mit der Gründung von Amöneburg (722) und vor der Fällung der Donnereiche bei Geismar (ca. 724). Andererseits wird es nicht richtig sein, daß die Kirche zu [513] Fritzlar schon im dritten Jahre seines Bisthums, also 725 oder 726, von Bonifaz geweiht sei, vielmehr ist in dieser Zeit erst der Grundstein zu einem Bethaus (Oratorium) kleineren Umfangs nebst ein paar Zellen für die wenigen Mönchsmissionare in Fritzlar gelegt worden. Das eigentliche Kloster dagegen wurde erst einige Jahre später und zwar vor der bairischen Missionsreise des Bonifacius (vielleicht Sommer 735) gegründet: um oder nach 732; wol gleichzeitig wurde der Bau einer neuen größeren Kirche begonnen, deren Weihe 740 erfolgte. W. kann nun – beide Möglichkeiten sind denkbar, nachweisbar keine – entweder nach 726 oder um 732 herübergekommen sein. Er war, als er an die Spitze des bis dahin vielleicht von Bonifacius selbst, so gut es seine sonstige Thätigkeit erlauben mochte, verwalteten und daher bedenklich verwilderten Klosters Fritzlar trat, sacerdos secundi ordinis, d. h. Priester. Für seine Tüchtigkeit spricht es, daß ihm gerade diese exponirte bedeutende Missions- und Culturstation unterstellt wurde. Daß in erster Linie seine eigene strenge Lebensführung bestimmend auf die Klosterreform wirkte und so auch die Arbeit in Schule und Mission neue Impulse erhielt, darf man seinem Biographen Servatus Lupus von Ferrières glauben. Dann sandte ihn Bonifacius nach dem ebenfalls von ihm gegründeten Kloster Ohrdruff am Nordrande des Thüringer Waldes, um auch hier reformatorisch zu wirken. Diese Zeit der Delegation nach Ohrdruff fällt, einem aus Rom etwa 737–738 an die Fritzlarer Mönche geschriebenen Briefe des hl. Bonifacius zufolge, worin zwar auch ein Wigbert erwähnt wird, aber erst an letzter Stelle, so daß nicht der unsere gemeint sein kann, in die letzte Hälfte des vierten Jahrzehnts des 8. Jahrhunderts. Schon nach wenigen Jahren hat W. seinen Erzbischof gebeten, ihm, dem Hochbetagten und körperlich nicht mehr Widerstandsfähigen, die Rückkehr nach Fritzlar zu gestatten: jedenfalls vor 740, dem Jahre der Kirchweihe zu Fritzlar, denn nur so läßt sich die Fritzlarer Ueberlieferung von der Gründung der dortigen Kirche durch Bonifaz und Wigbert erklären. Nach diesem Datum ist offenbar auch die Inschrift am Fußende des steinernen Hochgrabes S. Wigbert’s in der Krypta der Fritzlarer Kirche vom Jahre 1340 gewählt: „Anno gratiae 740 floruit Wigbertus Sanctus“: in Wahrheit liegt die Blüthezeit des Heiligen im vorhergehenden Jahrzehnt, zwischen 730 und 740.

Die fromme Tradition bei Lupus berichtet, daß der Greis, von seinen Mönchen in Fritzlar jubelnd begrüßt, hier gleichsam wieder jung geworden sei und von neuem mit dem größten Eifer seine klösterlichen Uebungen in der Heiligkeit und den Kampf für sein mönchisch-christliches Lebensideal aufgenommen habe. Besonders rühmt Lupus die Mäßigkeit und Enthaltsamkeit, die W. trotz seines siechen Körpers geübt; die Liebe, mit der er den Brüdern zur Seite gestanden; die geistige Frische, die er im wissenschaftlichen Studium und in den religiösen Betrachtungen sich bis an sein Ende bewahrt habe. Nach zwei Richtungen hin scheinen ihn diese Eigenschaften besonders befähigt zu haben: nach der seelsorgerischen und nach der specifisch pädagogischen. Lupus berichtet einen charakteristischen Zug seiner Beichtpraxis, von seiner Fähigkeit, in die verborgenen Tiefen seelischer Leidenschaften hinabzusteigen und sie durch Lehre und Ermahnung zu heilen. Die nämliche Gabe der geistigen Anregung und Erweckung wird ihm als Lehrer, im Verkehr mit Freunden und jüngeren Schülern, nachgerühmt, wenn auch sein directer Einfluß auf bestimmte Persönlichkeiten (Willibrord, Gregor von Utrecht, Sturmi) entweder überhaupt nicht nachzuweisen oder doch zweifelhaft beglaubigt ist. Einigermaßen verbürgt ist nur seine Freundschaft zu Megingozo. Indirect allerdings war sein Einfluß auf die kirchlich und geistig maßgebenden Persönlichkeiten der Folgezeit der denkbar größte, schon wenn man bedenkt, daß Sturmi [514] und Lull, die Gründer von Fulda und Hersfeld, durch die Schule in Fritzlar hindurchgegangen sind, die der Geist des Meisters belebte. So beschränkt sich Wigbert’s Wirksamkeit theoretisch sowol wie praktisch auf die Sphäre seines Klosterberufes, auch insofern, als er dessen materielle Culturarbeiten (Weinbau) gefördert zu haben scheint. Daß er schon bei seinen Lebzeiten in den Ruf einer besonderen Heiligkeit gekommen sei, ist nicht zu erweisen. Ueber seine letzten Lebensjahre in Fritzlar erfahren wir, daß sie durch längeres Siechthum getrübt waren. Jahr und Tag seines Todes gibt sein Biograph nicht an. Sicher starb W. vor Bonifacius, nach Lambert von Hersfeld und den Weißenburger Annalen im J. 747, was sich schwerlich anfechten lassen wird; die übrigen späteren Jahresdaten schwanken zwischen 740 und 756 und beruhen meist auf Mißverständnissen. Als Todestag gibt das Martyrologium des Hrabanus Maurus den 13. August an; auch die Kirche hat die Iden des August stets als S. Wigbertstag gefeiert. Wahrscheinlich aber ist dieses Datum vielmehr der Begräbniß-(Depositions-)Tag des Heiligen und sein Sterbetag etwa der 11. August 747. W. wurde in der Vorhalle der Fritzlarer Kirche in einer prunklosen Gruft beigesetzt, wo er vermuthlich bis zu seiner Ueberführung nach Büraburg, vor dem Sachseneinfall von 774, ruhte. Mit seinem Tode setzt die Legende mit Wundergeschichten ein: von dem Vöglein, das drei Mal über den Sterbenden hinschwebte und dann verschwand, von Zeichen, durch die sich der Todte als der Schutzpatron Fritzlars im J. 774 erwiesen habe. Was von den letzteren eigentlich auf des hl. Bonifacius Rechnung kommt, ist nicht immer klar zu erkennen. Ueber die Schicksale des Heiligen in der Folgezeit gehen die Ueberlieferungen auseinander. Nach der durch Lupus vertretenen Hersfelder Ueberlieferung blieben die Gebeine noch einige Jahre auf Büraburg und wurden 780, angeblich infolge einer Traumerscheinung entweder des Büraburger Bischofs Witta oder des Mainzer Erzbischofs Lull, des Stifters von Hersfeld, heimlich nach diesem Kloster geschafft, das eines Gegengewichtes gegen das benachbarte, durch die Reliquien des hl. Bonifacius berühmte Fulda bedurfte. Nach der jüngeren Fritzlarer Tradition soll die Ueberführung, und auch nur des größten Theils der Reliquien, erst im 13. Jahrhundert stattgefunden haben. Sicher verdient Lupus bezüglich der Zeitangabe mehr Glauben, aber ebenso sicher scheint zu sein, daß nicht der ganze Leichnam des Heiligen nach Hersfeld abgegeben wurde. Einzelne Reliquientheile waren schon im 10. Jahrhundert weit verstreut (St. Maximin bei Trier, Quedlinburg, St. Emmeram bei Regensburg u. a. O.) und noch am 23. Juni 1252 ließ Gerhard I. von Mainz angeblich neu aufgefundene Reliquien des seligen Abts Wigbert in Fritzlar feierlich erheben. Als St. Wigbert’s Kloster allerdings wurde im ganzen Mittelalter nicht Fritzlar, sondern Hersfeld bezeichnet, dessen ursprüngliche Kirchenpatrone Simon und Judas Thaddäus durch den neuen Heiligen gänzlich verdrängt wurden. Auch das benachbarte Dorf Wippersheim führt den Namen des Letzteren.

Quellen: einige Bonifaciusbriefe (bei Jaffé, Bibl. rer. Germ. III); des Servatus Lupus von Ferrières Vita S. Wigberti (Acta SS. Aug. III = M. G. SS. XV), arm an Thatsachen, schwache Chronologie; cf. darüber Ebert, Allg. Gesch. d. Litteratur im Abendlande II. Leipzig 1880, S. 206 f. und Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen I, 6. Aufl. Berlin 1893, S. 241 u. S. 236 Anmkg. 4, wo weitere Litteratur über Lupus. – Ferner einige mit größter Vorsicht zu benutzende Inschriften (cf. besonders von Dehn-Rotfelser u. Lotz, Baudenkmäler im RB. Cassel. 1871. S. 58) und zerstreute, z. Th. handschriftl. Notizen (z. B. in Mscr. theol. fol. 95 u. 132 der Ständ. Landesbibl. zu Cassel) u. a. Nachrichten in Heiligenbiographieen u. s. w. (Jaffé III; MG. SS. III, XV; Acta SS.). Geschichtlich gänzlich [515] werthlos sind die Miracula S. Wigberti aus dem 10. Jh., in Hersfeld aufgezeichnet (MG. SS. IV).
Litteratur: Schmincke, De antiquit. Friteslar. Diss. Marburg 1717 (viel Material, aber Vorsicht). – Piderit, Denkwürdigk. v. Hersfeld, 1829. – Falckenheiner, Gesch. hess. Städte u. Stifter I, Cassel 1841 (viel Phantasie). – Zimmermann, De rerum Fuldensium primordiis. Habil.-Schrift Gießen 1841 S. 6 Anm. 4. – Rettberg, Kirchengesch. Deutschlands I, Göttingen 1846. – Seiters, Der hl. Bonifacius, der Apostel der Deutschen. Mainz 1845, S. 237 ff. (größte Vorsicht). – Hahn, Bonifaz u. Lul. Ihre angelsächs. Correspondenten. Leipzig 1883 (oft hyperkritisch). – Hauck, in Herzog-Plitt’s Theol. Real-Encykl. 2. Aufl. XVII, 111; dess. Kirchengesch. Deutschlands I. Leipzig 1887. – Hafner, Die Reichsabtei Hersfeld. Hersfeld 1889. – Stadler, Vollständiges Heiligen-Lexikon. V. Augsburg (1883), S. 787 (unbedeutend). – Schauerte, Der hl. Wigbert, erster Abt von Fritzlar (mit Titelbild). Paderborn 1895, eine fleißige, aber unkritische Schrift, mehr zur Erbauung.

3) Wigbert II. lebte neben und gleichzeitig mit dem hl. W. in Fritzlar als Mönch. Er ist in dem ersten Briefe des hl. Bonifacius an die Fritzlarer Mönche von Rom aus (737–738, s. oben), gemeint, und in dem zweiten Briefe des Apostels, nach dem Tode St. Wigbert’s, wird er nebst dem Diakon Megingotus mit der Erklärung der Ordensregel, der Sorge für den Gottesdienst und die klösterlichen Tageszeiten sowie mit dem Jugendunterricht und der Predigt betraut. Wenn W. I. zur Zeit des ersten Briefes in Ohrdruff lebte, so kann nur W. II. der Priester sein, dem Bonifaz den jungen Baiern Sturmi zur Erziehung übergab (nach 735, s. oben). Zum Abt nach Wigbert’s I. Tod ist zwar nicht W. II., sondern Tatwin von Bonifaz ernannt worden, aber vielleicht wurde W. II. Tatwin’s Nachfolger. Er könnte dann jener „unwürdige Abt“ Vicbert sein, der den kranken, von ihm innig geliebten Erzbischof Lull zu sich in sein Kloster einlädt, wo die Mönche für die Wiederherstellung seiner Gesundheit Messen lesen und Psalmen beten und versprochen haben, den Oberhirten wie einen Bruder zu pflegen, so daß er es wie in seinem Hause haben soll. Die Annahme, der Brief müsse in die letzten Jahre Lull’s fallen (vor 786), ist gänzlich unstichhaltig; es hindert uns nichts, eine Erkrankung des Bischofs in weit früherer Zeit anzunehmen und den Brief näher an 755 zu datiren. Daß auch W. II. Angelsachse gewesen sein wird, ist dem Namen zu entnehmen; seine Auswanderung nach dem Festland ist nicht anzugeben, jedenfalls aber nicht früher als die Wigbert’s I. erfolgt.

Die Briefe des hl. Bonifacius nach Fritzlar bei Jaffé, a. a. O. III, S. 100 u. 183, Nr. 34 u. 64; der Vicbert’s ebd. S. 296, Nr. 130; Vita S. Sturmi c. 1 (M. G. SS. II); Hauck, a. a. O.; Hahn, a. a. O. S. 146, 309, 318 f. u. a.

Unter den Briefen der Bonifacianischen Sammlung befinden sich zwei, der eine in England verfaßt, der andere nach England gesandt, die man theils auf W. I. bezogen, theils ihm abgesprochen hat. Der erste hat zu Absendern den Abt Aldhunus und die Aebtissinnen Cneuburga und Coenburga und ist gerichtet an die Aebte Coengilfus und Ingeldus und „besonders unsern Verwandten, den Presbyter Wietbertus“; an einer späteren Stelle wird dieser Letztere auch Wiehtberhtus genannt. Coengilfus war von 729 bis ca. 744 Abt von Glastonbury (Glestingaburg) in Somersetshire. Dadurch wird die Identität des W. mit dem Presbyter Wiehtberht erwiesen, der, inzwischen nach Deutschland ausgewandert, in dem zweiten Brief den Mönchen in Glestingaburg seine glückliche Ankunft in den Grenzgebieten der heidnischen Hessen und Sachsen und seine freundliche Bewillkommnung durch den Erzbischof Bonifacius meldet. Sein Gruß gilt auch den Brüdern [516] in der Nachbarschaft, besonders dem Abt Ingeldus und der Mutter (d. h. Aebtissin) Tetta (von Wimborne). Da Bonifacius 732 Erzbischof wurde, so fällt der erste Brief zwischen 729–732, der zweite nach 732 und ist unzweifelhaft von Fritzlar aus geschrieben. Beide könnten, falls die abweichende Schreibweise der Namen nicht überhaupt dagegen spricht, sowol von W. I. (d. Heiligen) wie von W. II. sein; mit Sicherheit sie dem einen oder dem anderen zuzusprechen, ist auf keinen Fall zulässig. Das Nämliche gilt von einem anderen undatirten Brief, in dem ein Priester Wiehtberht einen Bruder und Mitpriester um seine Fürbitte angeht, weil er vom Hammer weltlicher Versuchung getroffen werde.

Die drei Briefe bei Jaffé a. a. O. III, S. 126, 246 u. 309, Nr. 46, 98 u. 142; über die Streitfrage: Seiters a. a. O. S. 192 und Schauerte a. a. O. S. 13 behaupten vergeblich die Identität Wiehtberht’s mit dem hl. Wigbert unbedingt; Hauck a. a. O. S. 438, Holder-Egger, M. G. SS. XV, S. 39 Anm. 2, Hafner a. a. O. S. 2 Anm. 2 und Jaffé III, S. 246 Anm. 3 andererseits vertreten ebenso strict den entgegengesetzten Standpunkt.

4) Der Zeit Lull’s gehört ein Priester Namens Vigberht oder Vigbereht an, ebenfalls ein Angelsachse, der, bis dahin in der Mainzer Kirchenprovinz thätig, Deutschland wieder verlassen hat und aus seiner Heimath zwei sich ergänzende Briefe in einer Familienangelegenheit, einer Erbschaftssache, an Lull sendet. Dieser hatte ihm Geschenke und Briefe an angelsächsische Bischöfe, Aebte und Freunde mitgegeben und den Wunsch ausgedrückt, in eine Gebetsverbrüderung mit den Angelsachsen zu treten. V. kann die Erfüllung dieses Wunsches melden, auch, daß Lull’s Name in die Verbrüderungsbücher der Kirchen eingetragen sei und Memorien für den Erzbischof gehalten würden. V. wünscht den Rath des Erzbischofs, ob er seinen Freunden und Verwandten folgen und bei ihnen, die ihn mit Acker, Vieh und Hausgeräthen ausgestattet haben und ihm auch Land und Erbschaft herausgeben wollen, bleiben oder zurückkehren soll; im letzteren Falle wollen ihn noch Freunde begleiten, die begierig sind, den Sachsen zu predigen. Im zweiten Brief bittet er den Erzbischof um die Entlassung aus Kirche und Amt. Vielleicht ist V. der Ueberbringer der Briefe Lull’s nach Northumbrien (York) aus den Jahren 773–775 und identisch mit jenem Abte Wigbeorthus, auf dessen Geheiß – dann später – eine noch vorhandene Handschrift der Vita S. Cudberti abgeschrieben worden ist (cod. Harl. 1117 F. 2).

Die Briefe bei Jaffé III, S. 303 f., Nr. 136 u. 137; dazu Dünzelmann in den Forschungen zur deutschen Geschichte XIII, S. 27 und Hahn, a. a. O. S. 320, 300 u. 321 Anm. 3.

*) Zu Bd. XLII, S. 459.