BLKÖ:Eberl, Anton (Musiker)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 408. (Quelle)
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Eberl, Anton (Musiker, geb. zu Wien 13. Juni 1766, gest. ebenda 11. März 1807). Der Sohn eines wohlhabenden kaiserl. Beamten. Früh schon zeigte sich sein Talent für Musik und er trug, 7 Jahre alt, Clavierconcerte vor. Der Vater bestimmte ihn für die juridische Laufbahn. Der Verlust des Vermögens war Veranlassung, daß der Sohn frei seine Standeswahl bestimmen konnte. [409] Er entschied sich sogleich für die Tonkunst. Obgleich er noch nicht die Harmonielehre studirt hatte, componirte er doch kleinere Arbeiten, welche sogar für Schöpfungen Mozarts galten und mit dessen Namen gestochen, ja noch dann für dessen Arbeiten ausgegeben wurden, als E. sich längst als deren Componist erklärt hatte. Auch schrieb er einige Opern, die beifällig aufgenommen wurden, wie „La Marchande de Modes“, wodurch er Glucks Freundschaft gewann. Nun studirte er fleißig den Generalbaß und die persönliche Bekanntschaft mit Mozart steigerte die Begeisterung für die Tonkunst und ihren auserwählten Liebling. Nur der Tod trennte die von der Kunst geknüpften Bande, aber Mozart blieb immer Eberls Ideal. Nach Mozarts Tode unternahm E. mit dessen Witwe eine Kunstreise nach Deutschland und erwarb sich den Ruf eines ausgezeichneten Clavier-Virtuosen. 1797 folgte er einem Rufe nach St. Petersburg, wo er gegen vier Jahre blieb, theils Concerte, theils Unterricht gab und reichen Beifall erntete. Als er 1800 nach Wien zurückkam, erhielt er vom Freiherrn von Braun, damaligem Vice-Director der Hoftheater (s. d. II. Bd. S. 123) den Auftrag, eine Oper zu componiren. Nach einem Märchen von Wieland entstand „Die Königin der schwarzen Insel“, welche 1801 zur Aufführung kam, aber nicht durchgriff. Das Libretto soll mißlungen und auch die Musik nur stellenweise gelungen sein. Noch schrieb E. mehrere Opern, welche aber nicht gestochen wurden und zahlreiche Compositionen, diese meistens für das Piano. Im J. 1803 unternahm er eine zweite Reise nach Rußland, wo er Haydns „Schöpfung“ dirigirte. Auf seiner 1806 unternommenen Kunstreise nach Deutschland, wo er besonders in Leipzig und Weimar vielen Beifall erntete, componirte er sein letztes Werk op. 39. Es ist eine Sonate für das Piano, im Auftrage für die Erbprinzessin von Weimar componirt. Mitten unter Entwürfen für neue Arbeiten raffte ihn das Scharlachfieber in 8 Tagen im kräftigen Mannesalter von 42 Jahren dahin. Die Zahl seiner Compositionen beträgt über ein halbes Hundert, mehrere sind erst nach seinem Tode gestochen worden. Unter seinen ungedruckten größern Werken sind zu nennen die Opern: „Die Zigeuner“; – „Die Modehändlerin“ (bereits genannte „Marchande de Modes“) – „Der Hexe Megäre dritter Theil“; – „Graf Balduin von Flandern“ und die vorgenannte „Königin der schwarzen Insel. „Unter Mozarts Namen erschienen: „Ein Claviersolo aus C-moll“ (als Mozarts op. 31, Wien bei Artaria); – „Derniere grande Sonate de Mozart“ (Paris 1797, Pleyel); – im folgenden Jahre bei Artaria unter Eberls Namen (op. 1): „XII Variazioni del Duetto: Bei Männern, welche Liebe fühlen“ (Wien 1792, Artaria) (op. 3); – „XII Variationen für das Piano über: Zu Steffen sprach im Traume“; bei Böhme als op. 55 von Mozart und in Offenbach unter dem Titel: „Suite d’airs var. par Mozart“ Nr. 14, in Wahrheit Eberls op. 5 und „Variations pour le Piano sur le thême Freundin sanfter Herzenstriebe“ als Mozarts op. 17 gest.; in Wahrheit Eberls op. 6. Unter seinen übrigen Compositionen, welche von Kennern noch heute allgemein geschätzt werden, nennen wir: „Gr. Concert p. Pf. avec accompn. in C“ (op. 32); – „Variat. sur un Thême russe pour l. Pf. e Vc. obligé“ (op. 17); – „Grand Quatuor pour le Pianof. Violino, Alto et Violoncello oblig.“ (op. 18); – „Gr. Concert pour Pf. in Es“ (Op. 40). Bezüglich der unter Mozarts Namen erschienenen Compositionen von Eberl melden einzelne Biographen, daß sie ihm entwendet [410] und widerrechtlich als Mozart’sche Werke gedruckt worden seien.

Allg. musikalische Zeitung 1807, Nr. 7, S. 423–430. – Neue Annalen der Literatur des östr. Kaiserthums (Wien, Doll, 4°.) 1807, Intelligenzblatt des Monats Mai Sp. 216–220. – Wielands Neuer deutscher Merkur 1807, Stück 6, S. 123. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues hist.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) II. Bd. Sp. 3 [nach diesem geb. zu Wien 13. Juni 1765, gest. 11. März 1807; zählt den größeren Theil seiner gestochenen und hinterlassenen Compositionen auf]. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allg. Encykl. der Wiss. u. Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 30. Bd. S. 230 [nach dieser geb. 13. Juni 1766, gest. 15. März 1807]. – Oestr. Nat.-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) II. Bd. S. 3 [stimmt im Geburts- und Todesdatum mit Gerber überein]. – Baur (Samuel), Allg. histor.-biograph.-literar. Handwörterbuch (Ulm 1816, Stettini, Lex. 8°.) I. Bd. Sp. 336 [nach diesem geb. 13. Juni 1766, gest. 11. März 1807]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abtheil. [nach diesem geb. 13. Juni 1766, gest. 15. März 1807]. – Porträte. 1) Jagemann pinx. Rahl fec. (Folio). – 2) Richter sc. (Wien, kl. 8°.). – 3) Nach Jagemann von einem Ungenannten gestochen (Wien 1807, Industr. Comptoir).