BLKÖ:Fischhof, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 254. (Quelle)
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Fischhof, Joseph (Musiker, geb. zu Butschowitz in Mähren 1804, gest. in Wien 28. Juni 1857). Der Sohn eines Israeliten, der längere Zeit bei der niederösterreichischen Polizei gedient, dann sich aber in Brünn niedergelassen. (Näheres unten in den Quellen). Joseph studirte in Brünn, dann in Wien die Medicin, da er aber großes Talent für die Musik besaß, nahm sich ein Kunstfreund, Constantin von Gyika, des Jünglings an und ließ ihn unterrichten. Der Clavierlehrer Anton Halm und der berühmte Capellmeister Ignaz Ritter von Seyfried waren F.’s Lehrer. Der plötzlich (1827) erfolgte Tod seines Vaters ließ ihn das medicinische Studium aufgeben [255] und ihn sich ganz der Musik widmen. Bald wurde er einer der gesuchtesten Clavierlehrer Wiens. Schon 1833 ward er zum Professor am Wiener Conservatorium ernannt und bildete als solcher manchen tüchtigen Schüler. In den letzten Jahren gerieth er aber mit der Direction in Mißhelligkeiten, welche seine Entlassung zur Folge hatten, seit welcher Zeit er zurückgezogen seinen Studien und dem Unterrichte lebte. Nach drei Seiten: als Lehrer, Componist und Schriftsteller entfaltete F. eine bemerkenswerthe Wirksamkeit. Als Lehrer war er in manchen Kreisen beliebt, und gaben ihm seine geselligen Manieren, seine allgemeine Bildung den Vorzug vor Allen, welche über der Musik alles Andere vergessen. Als Componist hat sich F. in früheren Jahren versucht, Seidls „Flinserln für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte“, drei Hefte (Wien 1829, Leidesdorf), componirt; das Bedeutendste leistete er als ausübender Künstler, als welchen ihn ein tüchtiger Musiker „unter allen am Wiener Platze wirkenden Trägern des Virtuosenthums (im edleren Sinne) ganz unbedingt den einzigen, seiner Aufgabe durchaus klar bewußten, daher pietätvollen, streng gewissenhaften Bach-, Beethoven-, Mendelssohn- u. Chopinspieler“ charakterisirt, wie es F. überhaupt war, welcher Bach, Mendelssohn, Chopin, der jüngern clavierlernenden Wiener Generation vorführte. Als musikalischer Schriftstelle trug F. zum bessern Verständnisse der Musik bei. Seine Theorie der Transpositionslehre erfordert vorausgegangene tüchtige Schulung. Kleinere Aufsätze theoretischen u. histor. Inhaltes erschienen in Musik-Journalen u. a.: „Ueber die Auffassung von Instrumental-Compositionen in Hinsicht des Zeitmasses, namentlich bei Beethoven’schen Werken“; selbständig gab er heraus den „Versuch einer Geschichte des Clavierbaues“ (Wien 1854, 8°.) aus Anlaß der großen Londoner Ausstellung 1851, dessen Hauptvorzug einige schätzbare Daten nach Mittheilungen von Londoner, Pariser u. Wiener Fabrikanten bilden; und eine „Abhandlung über Geschichte der Musik“, durch seine Vorträge im Conservatorium veranlaßt. F. war Mitglied mehrerer Musik-Vereine und ging bei Gelegenheit des Beethoven-Festes als Deputirter des Wiener Conservatoriums nach Bonn. Seine reiche, trefflich geordnete Musikaliensammlung und Bibliothek [vergl. darüber das Folgende] stand mit großer Bereitwilligkeit jedem Musikfreunde offen.

Monatschrift für Theater und Musik (Wien, J. Klemm, 4°.) 1857 (III. Jahrg.) S. 460 [eine scharfe und geistreiche Beurtheilung F.’s]. – Jüd. Plutarch (von Franz Gräffer) (Wien 1848, Eurich, 8°.) Zweites Alphabet S. 52. Biographie von Philokales [nach diesem geb. zu Butschowitz in Mähren 1804]. – Jüdisches Athenäum (Grimma und Leipzig 1851, 8°.) S. 38. – Presse (Wiener Journal, Fol.) 1857, Nr. 154 im Feuilleton: „Nekrologe. Anton Schmid und Joseph Fischhof.“ – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) VI. Bd. Suppl. S. 438. – Schilling (Gustav Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, Neidhard, gr. 8°.) S. 97. – Allg. Wiener Musikzeitung, herausgeg. von Aug. Schmidt (Wien, 4°.) 1842 (II. Jahrg.) Nr. 89: „Allerlei von Dr. A. J. Becher“ [über ein an F.’s Compositionen der „Flinserln“ von J. G. Seidl von einem gewissen Helstig in London begangenes Plagiat]. – Dieselbe 1847 (VII. Jhrg.) Nr. 148, S. 595 [Näheres über Fischhofs reich bestellte Bibliothek]. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namens: Jos. Fischhof. Gemalt von A. K. 1857. Druck von J. Haller, lith. von F. Leybold. gr. 4“. – Ueber F.’s Musikalien-Sammlung erschien August 1858 ein Heft (19 S.) unter dem Titel: „Die musikalische Bibliothek des verstorbenen Professor Joseph Fischhof in Wien“ (Druck von A. Pichlers Witwe u. Sohn, 8°.) [in derselben ist der musikalische Theil, nämlich classische Musikwerke, Compositionen aller Art glänzend vertreten. Unter andern befand sich darin eine Masse ungedruckter Werke von Johann Seb. Bach; auch die Autographensammlung enthält werthvolle Stücke, so z. B. allem 60 Blätter von Beethoven. [256] Unter den theoretischen Werken zeichnen sich die fast vollständigen und jetzt sehr seltenen Suiten der besten Musik-Journale aus. Die Bibliothek wird, um sie nicht zu zerstückeln, im Ganzen zum Verkaufe angeboten]. –